Psychosoziale Risiken und ihre Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit Herausforderungen für die Mediziner 14. SIZ-Care Forum

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1 Psychosoziale Risiken und ihre Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit Herausforderungen für die Mediziner 14. SIZ-Care Forum Dr. med. Andreas Canziani FMH Psychiatrie und Psychotherapie

2 Themen Was sind psychosoziale Einflussfaktoren Rechtliche Aspekte Wie setzten sich psychosoziale Faktoren zusammen und wie wirken sie? Fazit

3 Was sind psychosoziale Einflussfaktoren

4 Abgeleitet vom bio-psycho-sozialen Menschenbild Als Modell realistisch, in Praxis jedoch problematisch zu bewerten Psychosoziale /Sozialpsychiatrische Medizin/Psychiatrie: Unscharfer Begriff, oft Sammeltopf für med. nicht erklärbare Störungsbilder ohne konkrete medizinische Implikationen Rolle von psychosozialen Einflussfaktoren in Somatik und Psychiatrie Unterschiedliche Gewichtung, im psychiatrischen Bereich sehr wichtig, aber nicht seriös quantifizierbar

5 Abgrenzung zu psychosomatische Einflussfaktoren unklar Unscharf, zumeist versteht man darunter psychische Einflüsse auf somatische Störungen Grosse Defizite in der Krankschreibung (und psychiatrischen Diagnostik) bei Einbezug psychosozialer Umstände: Ausschliesslich defizitäre Faktoren werden berücksichtigt (ohne Ressourcen und protektive Faktoren).

6 Rechtliche Aspekte

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14 Wie setzen sich psychosoziale Faktoren zusammen?

15 Die Art, psychologische Faktoren unter dem Aspekt ihrer sozialen Bedingtheit zu betrachten Eine mögliche Betrachtungsweise Interpretationen, keine Evidenz

16 Psychosoziale Ressourcen

17 Beispiele psychosozialer Ressourcen Privatleben: Höheres Vitalitätsniveau der Personen in Paarhaushalten Netzwerk, soziale Kontakte, Unterstützung durch Angehörige Beziehungsstatus (z.b. Anteil Raucher: Singels: 41%, Gebunden 29%, Geringeres KHK-Risiko bei verheirateten Männern) Bildungsniveau Finanzieller Rückhalt Schweizerische Gesundheitsbefragung 2012 / Marbuger Industriestudie 1990

18 Beispiele psychosozialer Ressourcen Privatleben: Zuversichtliche Lebenshaltung Kontrollüberzeugung Keine psychiatrische Vorerkrankung Aktive und konstruktive Krisenbewältigungsmöglichkeiten Emotionale Stabilität Schweizerische Gesundheitsbefragung 2012 / Marbuger Industriestudie 1990

19 Beispiele psychosozialer Risiken Privatleben: Tod naher Angehörigen Scheidung Kündigung Materielle Not Körperliche Erkrankung Haftstrafe Psychiatrische Erkrankungen BAG: Psychische Gesundheit in der Schweiz

20 Beispiele psychosozialer Risiken Privatleben: BAG: Psychische Gesundheit in der Schweiz

21 Beispiele psychosozialer Ressourcen Beruf: Förderung Motivation durch Kollegen und Mitarbeiter Perspektiven Lohnausfall-Versicherungen Teamwork Sinnhaftigkeitserleben Fähigkeit, unveränderliches anzunehmen Relief-Studie 2014

22 Beispiele psychosozialer Risiken Beruf: Stressfördernde Fühl- und Verhaltensmuster Kognitive innere Antreiber Ungenügende Kontrollmöglichkeit Fehlende Sinnhaftigkeit Ungenügende Unterstützung Ungenügende work-life - Balance Selbstwert-Irritation Überforderung (Quantitativ / Qualitativ) Relief-Studie 2014

23 Psychosoziale Faktoren können sowohl gesundheitliche Bedrohungen wie gesundheitliche Schutzfaktoren darstellen Die Einschätzung der AUF durch Ärzte erfolgt ausschliesslich anhand einer defizitorientierten Betrachtungsweise unter Vernachlässigung des Einbezugs protektiver psychosozialer Faktoren

24 Negativen psychosozialen Belastungsfaktoren ist gemeinsam, dass sie zu physischem, psychischem und sozialem Stress führen. Psychosozialer Stress kann die Entstehung von psychischen und psychosomatischen Erkrankungen begünstigen resp. in ihrem Verlauf ungünstig beeinflussen.

25 Wie entsteht psychosozialer Stress am Arbeitsplatz?

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44 Zusammenfassung Psychosoziale Faktoren haben psychiatrische Diagnosen einen starken Einfluss (u.a. F3/F4/F6) Gut angehbare psychosoziale Faktoren finden sich primär im beruflichen Kontext Krankschreibung verbessert die Reintegrationsfähigkeit per se nicht. Entscheidend sind flankierende Massnahmen (CM mit Vernetzung aller Akteure, sowie ein koorperativer Zugang zum krankschreibenden Behandler)

45 Zusammenfassung Krankschreibung verbessert die Reintegrationsfähigkeit per se nicht. Entscheidend sind flankierende Massnahmen (CM mit Vernetzung aller Akteure, sowie ein koorperativer Zugang zum krankschreibenden Behandler) Krankschreibung kann vorübergehend zur Reduktion von zusätzlichem psychosozialen Stress (z.b. Verarmungsängste, Unprofessionell angegangene Konflikte am Arbeitsplatz) führen.

46 Probleme / Offene Fragen Können alleine psychosoziale Belastungen psychische Krankheiten verursachen? Abhängig u.a. von Diagnosespezifität, Kultur, Gesellschaft Diagnostik psychiatrischer Störungen basieren auf Schein-Evidenz (insbesondere bei F3/F4-Diagnosen und Schmerzpatienten )

47 Probleme / Offene Fragen Grosse Defizite in psychiatrischer Diagnostik und Arbeitsunfähigkeitsbemessung bei Einbezug psychosozialer Faktoren: Ausschliesslich defizitäre Faktoren werden berücksichtigt (unter Weglassung von Ressourcen und protektiven Faktoren) Kaum Abstützung auf evidentes Datenmaterial (zum Beispiel Gesundheitsstudie, Studien BAG) bei der Bemessung der AUF unter Einbezug psychosozialer Faktoren Vorwiegend empathische Effekte des Behandlers/Gutachters haben einen Einfluss auf die Berücksichtigung psychosozialer Faktoren

48 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit

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