AG Inklusion Bistum Magdeburg

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1 Sehr geehrte Mitglieder des Katholikenrates im Bistum Magdeburg bei ihrer Frühjahrsvollversammlung im April 2013, ich spreche heute aus dem Blickwinkel einer Gruppe von Menschen, Menschen mit Behinderungen. Menschen mit Behinderungen sind in Deutschland allgemein sehr gut versorgt. Die Versorgung findet in der Regel in Heimen statt. Auch wenn der Begriff Heim heute so nicht mehr benutzt wird, bleiben dennoch die Abläufe stationär und auf Gruppen bezogen, weniger auf den einzelnen Menschen. Das liegt an der Struktur, nicht an den Menschen, die im System beschäftigt sind. In der Behindertenhilfe spricht man von einer notwendigen neuen Grundeinstellung, dem Paradigmenwechsel hin zu selbstbestimmter Teilhabe; dem Einbezogensein sprich Inklusion DiCV Magdeburg 1

2 Vor dem Hintergrund der Caritaskampagne 2011 Kein Mensch ist perfekt. Behinderte Menschen Menschen wie Du und ich, der UN-Behindertenrechtskonvention und einem Beschluss des Caritasrates Impulse für eine inklusive Gesellschaft im Bistum Magdeburg zu konkretisieren, haben wir am herzlich zur ersten Sitzung einer neuen Arbeitsgruppe, der AG Inklusion eingeladen. Das Ziel ist eine inklusive Gesellschaft, in der jeder Mensch seinen Platz findet mit seinen unterschiedlichen Beiträgen und Bedürfnissen und in der Verschiedenheit als Ressource geschätzt wird. Es ergibt sich auf verschiedenen Ebenen und in allen gesellschaftlichen Feldern ein Prozess der Bewusstseinsbildung. Für die Arbeitsgruppe wurden alle Gruppen, die in den katholischen Strukturen vertreten sind, eingeladen, darüber hinaus insbesondere Menschen mit Behinderungen sowie eine bewusste Öffnung für weitere interessierte Menschen: - Vertreter des Diözesan-Caritasverbands, - Vertreter des Bischöflichen Ordinariats, - Vertreter des Katholikenrats, - Vertreter des Caritasrats, - Vertreter der Einrichtungen und Dienste für Menschen mit Behinderungen, Menschen mit Behinderungen, - sowie weitere Interessierte. DiCV Magdeburg 2

3 Ca 30 Teilnehmer kommen regelmäßig in die Arbeitsgruppe. Man kann sagen das immer etwa die Hälfte der Teilnehmer Menschen mit Behinderungen sind. Die meisten kommen aus den Einrichtungen der Caritas im Bistum Magdeburg. Je nach Bedarf kommen sie in Begleitung von Mitarbeitern aus der Einrichtung, die sich ebenfalls in der Arbeitsgruppe engagieren. Etwa die andere Hälfte der Mitglieder kommen aus den unterschiedlichen Bereichen im Bistum. Nach einer grundsätzlichen Auseinandersetzung mit dem Thema Inklusion haben wir über bestimmte Fragen zum Thema nachgedacht, meist in gemischten Kleingruppen diskutiert und uns geeinigt. Die Ergebnisse aus diesen Kleingruppen werden zurzeit in einem Handbuch erfasst. Teile daraus sehen sie in der heutigen Präsentation. Damit möglichst alle Menschen die Erklärungen in dem Handbuch verstehen, wurde leicht verständlicher Text verwendet und die Aussagen möglichst bildhaft dargestellt. DiCV Magdeburg 3

4 Inklusion ist nicht nur ein Schlagwort, sondern es stellt die Gesellschaft vor eine große Herausforderung. Die Gesellschaft soll sich allen Menschen gleichermaßen zuwenden. Das Ziel ist eine inklusive Gesellschaft, in der jeder Mensch seinen Platz findet mit seinen unterschiedlichen Beiträgen und Bedürfnissen und in der Verschiedenheit als Ressource geschätzt wird. DiCV Magdeburg 4

5 Die UN Konvention für die Rechte von Menschen mit Behinderung ist seit 2008 in Kraft und wurde von Deutschland 2009 ratifiziert. Behinderung wird in der Konvention nicht als feststehender Zustand, sondern als ein sich ständig weiterentwickelnder Prozess, der sich nachteilig auswirkt, wenn Menschen mit Beeinträchtigungen auf einstellungs- und umweltbedingte Barrieren stoßen, die sie an der vollen, wirksamen und gleichberechtigten Teilhabe am gesellschaftlichen Leben hindern. Daraus ergibt sich auf verschiedenen Ebenen und in allen gesellschaftlichen Feldern ein Prozess der Bewusstseinsbildung und die Weiterentwicklung der Behindertenhilfe in Deutschland. DiCV Magdeburg 5

6 In gemischten Kleingruppen wurden auf diese Fragen unterschiedliche Antworten und neue Fragen formuliert: z.b. Barrierefreiheit Für alle Menschen soll es keine Hindernisse geben. Alles soll so sein, dass alle Menschen alles gut benutzen können, ohne fremde Hilfe. Das nennt man auch Barrierefreiheit. Menschen sollen Hilfen bekommen, wenn sie danach fragen. Zum Beispiel müssen Straßen, Häuser, Busse und Bahnen zugänglich sein. Aber auch Informationen müssen zugänglich sein. Alle Menschen sollen die Informationen verstehen können. Zum Beispiel muss es Informationen in Blinden-Schrift, Gebärdensprache oder Leichter Sprache geben. Und es muss technische Hilfen und akustische Signale geben, z.b. einen Rückspiegel am Rollstuhl, einen Lautsprecher in der Kirche, abgesenkte Bordsteine). Vielfalt ist Normalität. Es braucht im Umgang der Menschen selbstverständliche und individuelle Unterstützungs- und Hilfsbereitschaft und eine Sensibilität, das Mitdenken und die Lösungsbereitschaft der Gesellschaft. Die Menschen müssen achtsam sein, aufeinander zugehen und zuhören ( z. B. abgesenkte Bordsteine nicht zuparken). Man muss seine Situation erklären und Hilfe holen können. Eltern und Freunde haben, die mit Rat und Tat zur Seite stehen ihnen aber nicht zur Last fallen. Lebensrisiko eingehen (z.b. für den E- Rolli entscheiden, der aber auch mal kaputt gehen kann). Selbstbestimmt leben Was heißt gut leben? Das Recht, etwas zu sagen. Jemanden haben, der zuhört und versteht, der formuliert, was ich meine. In heimischer Umgebung sein und trotzdem überall hingelangen, wann und wohin ich möchte. Sich entscheiden zu können. Keine Angst haben müssen, Hilfe holen, wenn ich sie brauche. Freunde haben. Wohlfühlen! Platz zum leben. Gesundheit. Arbeiten gehen. Urlaub machen. Einkaufen gehen; Essen, Trinken, Sport, Freizeit; Gemeinschaft haben; eine Eigene Wohnung haben, Schutz und Begleitung am Abend DiCV Magdeburg 6

7 Die Arbeitsgruppe soll in der jetzigen Form weiterbestehen. Es herrscht eine angenehme Atmosphäre und ein ausgewogenes Verhältnis unter den Mitgliedern. Die Arbeitsgruppe nimmt sich vor, Anregungen zu sammeln, Kontakte zu knüpfen und in den Gemeinden Eltern betroffener Kinder anzusprechen und mehr Teilnehmer aus dem pastoralen Bereich für die AG zu engagieren. Grundlage bildet dabei der Wille, das christliche Menschenbild in die Gesellschaft hineinzutragen, in der Gottes Liebe zu allen Menschen zum Ausdruck kommt. DiCV Magdeburg 7

8 Das Thema Berührungsängste war bei der Arbeit der Arbeitsgruppe zunächst sehr wichtig. Durch die Erfahrungen in den gemischten kleinen Arbeitsgruppen und der Bereitschaft einander zuzuhören hat sich eine intensive und gewinnbringende Arbeitsweise entwickelt. Dabei ist die Achtung der Würde jedes Menschen die Vorraussetzung, Nachteile werden möglichst ausgeglichen, um Benachteiligung zu vermeiden. DiCV Magdeburg 8

9 ein Gedicht von Bernhard Winter, er ist Preisträger des Literaturwettbewerbs Barrieren überwinden : Anders bin ich und doch nicht Anders bin ich und doch nicht. Anders, Schwestern und Brüder, als ihr. Stumm bin ich und doch nicht. Stumm: Klingen und Rufen in mir. Blind bin ich und doch nicht. Blind: Bilder, Gesichter in mir. Fremd bin ich und doch nicht. Fremd: Hoffnung und Sehnsucht in mir. Anders bin ich und doch nicht. Anders, Schwestern und Brüder: bleibt hier. DiCV Magdeburg 9

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