Im Klartext: Kinder aus suchtbelasteten Familien sind die Hauptrisikogruppe für Bindungsstörungen und Suchtentwicklung!

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1 Maria Flaig-Maier Supervision, Coaching, Seminare Horber Fichten 43, Horb, , Workshop an der Jahrestagung Schulsozialarbeit 2014: Im Blick: Kinder aus suchtbelasteten Familien Einige harte Fakten: In Deutschland leben ca. 2,65 Millionen Kinder in Familien, in denen ein Elternteil alkoholkrank ist. Das heißt, dass ca. jedes 6. Kind in einer suchtbelasteten Familie aufwächst. Ca. ein Drittel dieser Kinder entwickelt im Erwachsenenalter selbst eine Abhängigkeit, ein Drittel entwickelt eine psychische Störung und nur ein Drittel kann sich ohne Krankheitssymptome entwickeln. Ca 50% aller Kinder, die sich in der Psychiatrie aufhalten, stammen aus Suchtfamilien! Bei 39% aller Hilfemaßnahmen der Jugendhilfe wird eine familiäre Suchtbelastung angenommen. (Quelle: rausch das unabhängige Magazin für Suchtfragen 1/2011, S. 13) Im Klartext: Kinder aus suchtbelasteten Familien sind die Hauptrisikogruppe für Bindungsstörungen und Suchtentwicklung! Zur Situation von Kindern aus suchtbelasteten Familien: Kinder aus suchtbelasteten Familien entwickeln bestimmte Rollen, die als Überlebensstrategien zu verstehen sind (s. nachstehende Tabelle). Sie übernehmen eine wichtige Funktion für den Erhalt der Balance im Familiensystem. Sie sind Teil einer stark wirksamen, nach außen zunächst undurchlässigen Familiendynamik und versuchen, sich damit zu arrangieren. Detaillierte Informationen zu diesem Themenkomplex erhalten Sie auf der Homepage unter Infos für Profis. Diese Homepage ist eine Informationsplattform von und für Kinder von Alkoholikern (National association children of alcoholics). Auch die Tabelle auf der folgenden Seite ist dieser Homepage entnommen.

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4 Was ist zu tun als Profi? Kindergarten und Schule sind häufig die einzigen Systeme, in denen sich Kinder außerhalb der suchtbelasteten Familie bewegen. Deshalb haben die darin tätigen Profis eine besondere Verantwortung und Schutzfunktion für das Kind. Ergebnisse aus der Resilienzforschung belegen deutlich, dass häufig bereits eine verlässliche Bezugsperson ein Kind stabilisieren kann und damit einen wesentlichen Teil dazu beiträgt, dass sich dieses Kind gut entwickeln kann. Das ist die gute Nachricht! Folgende Leitlinien sollten Sie berücksichtigen: 1. Das Wichtigste für ein Kind aus einer suchtbelasteten Familie sind Bezugspersonen und Rollenvorbilder für gesunde Beziehung. Denken Sie daran, dass es ein großes unerfülltes Bedürfnis nach echter, verlässlicher Zuwendung und nach klaren Grenzen hat. Je uneinheitlicher die Profis in einer Institution auch in Haltungsfragen agieren, desto belastender ist dies für das Kind. Es ist dann auch im schulischen Kontext verwirrt und weiß nicht, an wem es sich orientieren soll. 2. Schaffen Sie Möglichkeiten, in denen sich die Kinder selbstwirksam erleben können, ihre Fähigkeiten entwickeln können und Freude haben dürfen. 3. Wenden Sie sich dem Kind mit Ihrer Aufmerksamkeit zu. Geben Sie ihm Zeit. Wenn es sich Ihnen anvertraut, entwerten Sie die Eltern nicht, sondern bestätigen Sie das Kind in seinem Erleben im Sinne von Deine Gefühle, Du bist ok! 4. Informieren Sie das Kind altersgerecht über Sucht und darüber, dass es auch anderen Kindern so geht wie ihm. Wenn möglich, versprechen Sie dem Kind, dass Sie nichts tun, was Sie nicht mit ihm abgesprochen haben. Es soll sich bei Ihnen sicher fühlen. Werden Sie nicht hektisch und agieren Sie nicht zu schnell. Dadurch erreichen Sie möglicherweise nur, dass sich das kranke Familiensystem noch mehr nach außen abschottet. 5. Wenn Sie einen Verdacht haben und sich entschieden haben, das angehörige Elternteil oder den suchtkranken Elternteil selbst anzusprechen, schildern Sie angriffsfrei Ihre Beobachtungen. Diagnostizieren Sie nicht! Äußern Sie Ihre Vermutungen ungefähr so: Möglicherweise gibt es in Ihrer Familie Probleme mit Sucht und das ist eine große Belastung für alle. Sicherlich gibt es Gründe, die dazu geführt haben und ich bin mir sicher, dass Sie gute Eltern sein wollen. Ich weiß aber auch aus Erfahrung, dass Eltern, die suchtkrank sind bzw. ihre Angehörigen sich sehr schämen und deshalb oft keine Hilfe annehmen. Das hilft niemandem und ich mache mir momentan große Sorgen um Ihr Kind

5 Vermitteln Sie den Eindruck, dass Sie wissen wie suchtkranke Familien ticken, äußern Sie Besorgnis und versuchen Sie dadurch, Kooperation herzustellen. Auch die Eltern müssen sich sicher fühlen, um sich Ihnen anvertrauen zu können. 6. Vermitteln Sie an entsprechende Fachstellen weiter. Nutzen Sie selbst, wenn Sie unsicher sind, das Angebot der anonymen Fallberatung. 7. Sollte es sich um eine akute Kindeswohlgefährdung handeln, sichern Sie sich fachlich durch Vorgesetzte und kollegiale Beratung ab. Geben Sie die Fallverantwortung an das Jugendamt ab. Holen Sie sich in diesem Prozess Unterstützung, achten Sie auch auf sich selbst. Agieren Sie möglichst transparent für alle Beteiligten. Sucht Basiswissen für Kinder/ Jugendliche: Sucht ist eine Krankheit Deine Eltern sind wegen ihrer Sucht keine schlechten Menschen Du hast keine Schuld am Suchtproblem deines Vaters / deiner Mutter Du kannst deinem Vater / deiner Mutter nicht helfen und du kannst sie auch nicht kontrollieren oder heilen. Es ist allein ihre Verantwortung, wie sie mit ihrer Krankheit umgehen Es ist in Ordnung, wenn du dich in der Schule bzw. außerhalb deines Elternhauses wohlfühlst; du darfst Spaß haben und glücklich sein. Das schadet niemandem. Es ist in Ordnung, wenn du mit jemandem über deine Sorgen und Ängste sprichst. Du bist deswegen nicht gemein zu deiner Familie. Du hast das Recht dazu. Es ist in Ordnung, Hilfe zu holen, wenn du zuhause Angst hast oder es einfach nicht mehr aushältst.

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