Die Frage nach dem Sinn des Seins Antworten der Metaphysik Europas

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1 Die Frage nach dem Sinn des Seins Antworten der Metaphysik Europas Prof. Dr. Gerald Weidner

2 Metapysik Definition Metaphysik war seit Aristoteles die erste Philosophie, weil sie Fragen der allgemeinsten Strukturen und ersten Prinzipien der Wirklichkeit behandelt (Seele, Kosmos, Gott, Sein, Sinn). So ist Metaphysik die Lehre von dem empirisch nicht mehr Erfahrbaren, von den hinter unseren Wahrnehmungen verborgenen (oder vermuteten) Tatbeständen.

3 Metaphysik Fragen über uns hinaus: Wo kommen wir her, warum sind wir überhaupt da? Wo gehen wir hin (Ziel).? Warum gibt es etwas und nicht nichts (Sein)? Wer hat die Welt und uns warum geschaffen (Sinn)? Gibt es eine höhere Macht (Gott)?

4 Metapysik Besonders die Erfahrung von Krankheit, Leiden, Ungerechtigkeit, Schuld, Sinnlosigkeit und Tod halten die eben formulierten Fragen wach, nähren Ängste und haben die Menschen immer zum tieferen Nachdenken inspiriert.

5 Metaphysik Bis heute wurde auf die Fragen nach der Herkunft des Menschen, nach seiner Stellung in der Natur, nach dem Sinn seines Daseins, nach dem Grund seines Sterben-müssens mit Glauben (Mythen, Religion) oder/und Nachdenken ( Philosophie) geantwortet.

6 Metaphysik Die Frage nach Sein und Sinn Zur Antwort der christlichen Religion: Wir sind von Gott (Person in drei Gestalten) geschaffen. Der Sinn des Lebens im Christentum ist, die Einheit mit Gott im Leben wie im Tod zu erreichen. Wege sind hier zu Leben nach den Geboten, Buße, Umkehr und der Glaube an bzw. die Annahme der Erlösung durch Jesus Christus, wie sie in der Bibel beschrieben wird. Der Mensch als Sünder kann sein Leben verfehlen, durch Glauben kann er sein Leben retten, gewinnen und ewig leben. Diese christliche Metaphysik setzt den Glauben an Gott voraus.

7 Beispiele für begrenzte Wahrnehmung Das mittelalterliche Weltbild Erde als Mittelpunkt, Himmel als Überwelt, Hölle als Unterwelt (Gott ist die Wahrheit)

8 Metaphysik Pascalsche Wette zum Glaubensproblem Vier Möglichkeiten Wir glauben an Gott und er existiert tatsächlich. Möglichkeit des Glücks der ewigen Seligkeit. Wir glauben, aber er existiert nicht. Damit gewinnt man nicht, man verliert aber auch nichts. Wir glauben nicht an Gott und er existiert auch nicht. Ebenfalls kein Gewinn, kein Verlust. Wir glauben nicht an Gott, aber er existiert doch. Folge: Ewige Verdammnis. Folgerung Pascals: Mit Glauben können wir nur gewinnen, mit Unglauben alles verlieren.

9 Religion Jacob Burckhardt (Kunsthistoriker):»Die Religionen sind der Ausdruck des ewigen und unzerstörbaren metaphysischen Bedürfnisses der Menschennatur.«Aber: Wahrheitsproblem, Glaubensproblem, Dogmatisierungsproblem.

10 Metaphyik Antworten der Philosophie Gott hält als unbewegter Beweger, als immaterielle Vernunft alles in Gang (Aristoteles) Es ist kein Gott der Gebote. Nach Aristoteles ist der Sinn unseres Lebens das Streben nach Glückseligkeit. Umstritten war auch bei den Griechen schon, was Glück und der richtige Weg dahin ist.

11 Antworten der Philosophie Das Höhlengleichnis von Platon Der Mensch ist ursprünglich nicht frei und verkennt seine Beschränkung. Der Einzelne ist von sich entfremdet durch Fixierung auf Sinneswahrnehmung Gebundenheit in gesellschaftlicher Praxis Platonisches Ideal: Zweckfreies Schauen der ganzen Wirklichkeit (Sinnbild: Sonne)

12 Das Höhlengleichnis als Sinnbild für Stufen der Freiheit Stufen der Freiheit Erste Stufe: Oberflächenwahrnehmung (Schatten für Wirklichkeit halten) Zweite Stufe: Motivationswahrnehmung (Verharren in Gewohnheiten erkennen) Dritte Stufe: Übergreifende Sinnstruktur, Metaperspektive Gesellschaftliche Perspektive, anspruchsvoller Wahrheitsbegriff (Sokrates), Grenzen des Erkennens (Kant). Selbstbestimmtheit in Beziehung und Selbstdistanz, Dienst am Ganzen für das Ganze (Selbsttranszendenz).

13 Antworten der Philosophie Existenzphilosophie: Das menschliche Sein ist bestimmt durch Freiheit und Möglichkeit, die es nicht nur hat, sondern die es ist, aufgrund dieser es sich verlieren oder sich selbst finden kann. Damit steht und fällt der Sinn des menschlichen Seins des Einzelnen in der Annahme dieser Grundsituation.

14 Antworten der Philosophie Nach Martin Heidegger kann unsere Existenz im Man aufgehen und damit zum Nichts werden, oder im Erkennen und Verwirklichen der eigenen individuellen Möglichkeiten sein potentielles Sein verwirklichen. Das Letztere ist ein Leben im Sinn. Der Sinn des Seins ist so das Erkennen und Verwirklichen des individuell Möglichen.

15 Antworten der Philosophie Jean-Paul Sartre: der Mensch ist zur Freiheit verurteilt, er muss sein Wesen immer erst noch entwerfen in Verantwortung vor sich und den anderen. Der Mensch (nicht Gott) ist Schöpfer seiner Selbst.

16 Antworten der Philosophie Karl Jaspers Die Besonderheit der Existenz des Menschen ist bestimmt durch die Freiheit (die sich weder beweisen noch widerlegen lässt), die den Menschen in dessen Lebenspraxis ständig in Entscheidungssituationen stellt. Durch die Freiheit wählt der Mensch sich selbst in der Kommunikation mit anderen. Hingegen Sartre: Die Hölle, das sind die anderen.

17 Beispiel für begrenzte Wahrnehmung Das neuzeitliche wissenschaftliche Weltbild Die Wissenschaft findet die Wahrheit. Wissenschaftsaberglaube: Die Wissenschaft hat die Wahrheit! Religion ist bloß Mythos? Dagegen Ludwig Wittgenstein: Wenn alle wissenschaftlichen Fragen beantwortet sind, sind unsere Lebensprobleme noch gar nicht berührt.

18 Der Weg der Freiheit Dialektik von Angst und Freiheit Angst ohne geistiges Geländer verengt und verkürzt den Blick. Wege aus der Angst: Distanz, Loslassen, Erkennen und Verstehen. Habe Mut, dich deines Verstandes zu bedienen (Kant). Wissen und Glauben in Bewegung: Zwischen Fakten, Sehnsucht nach Gesamtbildern und vereinfachender Dogmatik.

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