Statement. Der Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse Augsburg Richard Fank zum Weltspartag Macht Sparen überhaupt noch Sinn?

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1 Der Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse Augsburg Richard Fank zum Weltspartag Macht Sparen überhaupt noch Sinn? Am 28. Oktober ist Weltspartag. Die Kreissparkasse Augsburg macht daraus eine ganze Aktionswoche. Vom 31. Oktober bis 4. November wollen wir insbesondere jungen Menschen, Kindern und Jugendlichen, zeigen, wie wichtig es ist, Geld zurückzulegen: um sich später größere Wünsche erfüllen zu können, sich abzusichern und finanziell unabhängiger zu werden wichtige Motive, finden wir. Deswegen ist es der Kreissparkasse auch mehr als 90 Jahre nach der Einführung des Weltspartags ein Anliegen, diesen besonderen Tag zu würdigen. Nr.18/16 Vorstandssekretariat/Medienreferat Martin-Luther-Platz Augsburg Sandra Strüwing Telefon: (08 21) Telefax: (08 21) kreissparkasse-augsburg.de 26. Oktober 2016 Gleichzeitig müssen wir uns an einem Tag wie diesem aber auch die Frage stellen, was in den vergangenen Jahren mit unserem Finanzsystem passiert ist. Wohin wird uns der Weg führen, den die Europäische Zentralbank (EZB) mit ihrer Null-Zins-Politik eingeschlagen hat? Sie hat ein bisher funktionierendes System komplett auf den Kopf gestellt mit völlig irrationalen Folgen: Bestraft werden all jene, die vorausschauend an Morgen gedacht haben. Die EZB bürdet ihnen all die Risiken auf, die entstehen, weil andere sorglos konsumieren können. Sie lässt gerade kleine und mittle- Seite 1 von 5

2 re Sparvermögen dahinschmelzen. Wollen wir diesen Weg wirklich weiter gehen? Es lohnt der Blick zurück: Es war im Jahr 1924 als in Mailand über 350 Vertreter von Sparkassen aus 28 Ländern eine Resolution verabschiedeten, die den 31. Oktober, den Schlusstag des ersten internationalen Sparkassenkongress zum Weltfeiertag der Sparkassen erhob. Der Kongress wollte mit dem Weltspartag der Bevölkerung vermitteln, dass gespartes Geld finanzielle Sicherheit schafft und zu einem höheren Lebensstandard beitragen kann. Die Welt litt damals unter den Folgen des ersten Weltkriegs und steuerte geradewegs auf die Weltwirtschaftskrise zu. Besonders in Deutschland hatte die Währungsreform von 1923 das Vertrauen in das Finanzsystem und den Wert des Geldes tief erschüttert. Der Weltspartag sollte helfen, den Menschen die Idee des Sparens schmackhaft zu machen, sie dazu zu bewegen, Geld für Krisenzeiten zurückzuhalten. Mit ihren Einlagen sollten die Sparer den Banken zugleich das nötige Kapital liefern, um die Wirtschaft mit Krediten anzukurbeln. Sparen als Voraussetzung für Investitionen und Wirtschaftswachstum sozusagen. Der Plan ging auf. Aus den Deutschen sind wahre Spar-Weltmeister geworden. Die Sparquote also jener Anteil des Einkommens, der zurückgelegt wird lag 2015 bei 9,7 Prozent. Das ist fast ein Zehntel des verfügbaren Bruttoeinkommens. Unsere europä- Seite 2 von 5

3 ischen Nachbarn sind da wesentlich konsumfreudiger und denken weniger an Morgen. Ein Umstand, der für die europäische Finanzpolitik nicht unkritisch ist, wie die Krisen in Italien, Portugal oder Spanien zuletzt gezeigt haben. Doch daran scheint EZB-Chef Draghi nicht zu denken, wenn er den Markt mit billigem Geld überschwemmt, um die Konjunktur in diesen Ländern anzukurbeln bislang mit mäßigem Erfolg. Und genau das ist der kritische Punkt: Die deutschen Sparer, die die Voraussetzung für unsere erfolgreiche und stabile mittelständische Wirtschaft schufen, werden durch die Politik der EZB abgestraft. Belohnt werden dagegen die, die sorglos konsumieren, notfalls auf Kredit. Wohin dieser Weg führen kann, hat uns die Finanzmarktkrise von 2007 gezeigt. Einer ihrer Auslöser damals: der völlig überhitzte Immobilienmarkt in den USA. Auch da hat der ungezügelte Drang nach Konsum vereinfacht dargestellt die Menschen verleitet, sich überteuerte Häuser und Wohnungen zu kaufen, ohne tatsächlich über die notwendigen Mittel zu verfügen. Mit schlimmen Folgen: Die vielen faulen Kredite dieser Immobilienbesitzer haben die US-Banken und letztlich das weltweite Finanzsystem ins Wanken gebracht. Von solchen Szenarien sind wir derzeit freilich weit entfernt. Trotzdem ist es höchste Zeit gegenzusteuern. Wie sollen wir den jungen Menschen noch Lust aufs Sparen machen, wenn sie darin keinen Sinn Seite 3 von 5

4 mehr sehen? Wenn der schnelle Konsum doch viel verlockender scheint? Dabei wäre es in Zeiten, in denen der Staat mehr und mehr private Vorsorge fordert, so wichtig, Geld für Morgen zurückzulegen. Doch seit fast fünf Jahren bewegen sich die Zinsen in Europa auf niedrigstem Niveau, seit rund zwei Jahren liegt der Zinssatz, den die EZB für Einlagen zahlt, sogar unter null. Das bedeutet konkret, dass Banken, die vorübergehend Geld bei der Bundesbank parken, keine Zinsen mehr bekommen, sondern dafür bezahlen müssen und damit statt Geld zu verdienen, Geld verlieren. Ein Geschäftsmodell wurde vollkommen auf den Kopf gestellt. Wer hätte das vor einigen Jahren gedacht? Die Sparkassen schultern hier die Hauptlast. Denn mit 40 Prozent der privaten Einlagen tragen sie eine besondere Verantwortung für die Sparer. Allein bei der Kreissparkasse Augsburg beliefen sich die Gesamteinlagen im Jahr 2015 auf fast 2,6 Milliarden Euro, davon rund 2 Milliarden Euro von Privatpersonen. Die hohe Summe ist grundsätzlich positiv zu sehen, können wir mit diesem Geld doch Investitionen in die heimische Wirtschaft unterstützen oder Privatleuten helfen, sich ihre Träume zu erfüllen. Doch die niedrigen Zinsen der EZB lassen den Banken kaum noch Spiel, mit dem Geld zu wirtschaften und die für sie lebensnotwendigen Überschüsse zu erzielen. Wir als Kreissparkasse haben früh gegengesteuert, unsere Kosten reduziert und in anderen Geschäftsfeldern Seite 4 von 5

5 erfolgreich operiert. Doch die Grenzen des Möglichen sind irgendwann erreicht. Wir als Kreissparkasse möchten, dass unsere Sparer auch weiterhin für ihr vorausschauendes Denken belohnt werden. Dass die jungen Menschen, die heute mit ihren Sparschweinen zu uns kommen, später auch etwas davon haben. Dass der Weltspartag wieder den Sinn bekommt, den er früher einmal hatte. Sparen und Vorsorgen ist langfristig sinnvoll. Davon sind wir überzeugt. Seite 5 von 5

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