Grundsatzprogramm und Strategie 2020 der Bundesvereinigung Lebenshilfe

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1 Grundsatzprogramm und Strategie 2020 der Bundesvereinigung Lebenshilfe Prof. Dr. Jeanne Nicklas-Faust Bundesvereinigung Lebenshilfe e.v. Marke der Lebenshilfe Welche Koordinaten bestimmen unsern Kurs? 26./27. Oktober 2015, Mülheim

2 Gliederung Einführung Inklusion als Leitbild der UN-Konvention (BRK) Das Grundsatzprogramm der Lebenshilfe Strategie 2020 Diskussion Evtl. Sozialraum gestalten Fazit und Ausblick 2

3 Einführung Entwicklung der UN-Konvention für die Rechte von Menschen mit Behinderung (BRK) - Nichts über uns ohne uns: Verschiedene Arten von Behinderungen repräsentiert - Zur Klarstellung wie die Menschenrechte für Menschen mit Behinderungen anzuwenden sind - Ein Menschenrechtsdokument mit ausdrücklicher sozialer Komponente 3

4 Artikel 3 BRK: Die Grundsätze dieses Übereinkommens sind a) die Achtung der dem Menschen innewohnenden Würde, seiner individuellen Autonomie, einschließlich der Freiheit, eigene Entscheidungen zu treffen, sowie seiner Unabhängigkeit; b) die Nichtdiskriminierung c) die volle und wirksame Teilhabe an der Gesellschaft und Einbeziehung in die Gesellschaft; d) die Achtung vor der Unterschiedlichkeit von Menschen mit Behinderungen und die Akzeptanz dieser Menschen als Teil der menschlichen Vielfalt und der Menschheit; f) die Zugänglichkeit; 4

5 Inklusion - das Leitbild der BRK Abbildungen nach Dorrance,

6 Das Grundsatzprogramm der Lebenshilfe Das sind unsere Grundsätze: Lebenshilfe = Menschen-Rechte sichern Teilhabe verwirklichen Gesellschaft für Alle gestalten 6

7 Die Geschichte Mit ihrer ersten Satzung hat sich die im Jahr 1958 gegründete Bundesvereinigung Lebenshilfe für das geistig behinderte Kind die Förderung aller Maßnahmen und Einrichtungen, die eine wirksame Lebenshilfe für geistig Behinderte aller Altersstufen bedeuten zur Aufgabe gestellt. 7

8 Die Geschichte Das Grundsatzprogramm der Bundesvereinigung Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung von 1990 stand dann unter dem Motto: Es ist normal verschieden zu sein. Die Lebenshilfe bekräftigt hier als ihr zentrales Ziel das Wohl geistig behinderter Menschen und ihrer Familien. Und sie setzt sich dafür ein, dass jeder geistig behinderte Mensch so selbstständig wie möglich leben kann und dass ihm so viel Schutz und Hilfe zuteil werde, wie er für sich braucht. Dabei stellt sie Menschen mit schweren geistigen Behinderungen unter den besonderen Schutz der Lebenshilfe. 8

9 Das aktuelle Grundsatzprogramm Das will die Lebenshilfe Im Grundsatz-Programm sagen wir, was die Lebenshilfe will. Was sind ihre Grundsätze und Ziele? Wie will sie ihre Ziele erreichen? Damit viele es verstehen, schreiben wir so verständlich wie möglich. 9

10 Das aktuelle Grundsatzprogramm Das Grundsatz-Programm gilt für alle Lebenshilfen in Deutschland. - Die Mitglieder und Mitarbeiter orientieren sich daran. - Neue Mitglieder und Freunde können sagen: Das wollen wir auch. - Mitbürger und Politiker sollen wissen, was die Lebenshilfe will. 10

11 Das Grundsatzprogramm Das sind unsere Grundsätze: Lebenshilfe = Menschen-Rechte sichern Teilhabe verwirklichen Gesellschaft für Alle gestalten 11

12 Das Grundsatzprogramm Die Lebenshilfe. Wer wir sind und was wir erreicht haben Die Lebenshilfe setzt sich vor allem für Menschen mit geistiger Behinderung ein Die Lebenshilfe ist stark durch ihre Mitglieder Die Lebenshilfe hat eigene Dienste und Einrichtungen geschaffen Die Lebenshilfe hat bessere Gesetze erreicht 12

13 Das Grundsatzprogramm So verwirklicht die Lebenshilfe ihre Grundsätze Wir wirken in die Gesellschaft hinein Wir gehen mit gutem Beispiel voran Wir bieten Begleitung, Förderung und Unterstützung 13

14 Das Grundsatzprogramm Wen brauchen wir zur Verwirklichung unserer Grundsätze? Wir brauchen Menschen mit Behinderung in der Lebenshilfe Wir brauchen Eltern und Angehörige Wir brauchen engagierte Mitbürger Wir brauchen Menschen mit Fachwissen Wir brauchen die Mitarbeiter unserer Dienste und Einrichtungen Wir brauchen die Unterstützung der Politik 14

15 Strategie 2020 Welcher Kurs liegt an? - Selbstvertretung stärken und Beteiligungskultur fördern - Entwicklung von (Fach-)Konzepten stärken Intensivierung der (Massen-) Kommunikation - in Verbindung mit Leichter Sprache - Qualifizierung für die Übernahme von Verantwortung in Orts- und Kreisvereinigungen - Einbindung anderer Elternvereinigungen - Mitarbeiter zu Botschaftern 15

16 Strategie 2020 Selbstvertretung stärken und Beteiligungskultur fördern Ausgangslage: Beteiligung von Selbstvertretern in Gremien seit mehr als 15 Jahren innerverbandlich (Rat/Beirat behinderter Menschen und in Vorständen, AG und Ausschüssen) rechtlich vorgegeben (Werkstattrat, Heimbeirat) - Assistenz und strukturelle Barrierefreiheit (Leichte Sprache, Sitzungsdauer und Organisation usw.) wichtig - Unterschiedliche Formen der Beteiligung bieten unterschiedliche Möglichkeiten 16

17 Strategie 2020 Selbstvertretung stärken und Beteiligungskultur fördern Was ist in Zukunft wichtig? Weitere Stärkung und Weiterentwicklung Beteiligung besonders bei Interessenvertretung nach außen Als Konsequenz Weiterentwicklung der verbandlichen Identität: Selbstvertreter-, Eltern- und Fachverband (und das ist gerade für Eltern nicht immer einfach ) 17

18 Strategie 2020 Konzeptentwicklung stärken Aufgabe als Fachverband - Im Rahmen von Projekten wie Index Inklusion, Behinderung und Migration uvm. - Für Weiterentwicklung der Praxis in Diensten und Einrichtungen, unter Beteiligung von Experten aus der Praxis, mit Selbstvertretern und Eltern für ein innovatives Profil, das verschiedene Perspektiven integriert 18

19 Strategie 2020 Intensivierung der (Massen-) Kommunikation - in Verbindung mit Leichter Sprache Neue Schwerpunkte: - Personalisierung - Geschichten von Menschen - Systematische und aktive Pressearbeit - Nutzen der Leichten Sprache, als Botschaft und als Aufhänger - Zur Stärkung der Interessenvertretung und um das Bild von Menschen mit (geistiger) Behinderung zu verändern 19

20 Strategie 2020 Qualifizierung für die Übernahme von Verantwortung in Orts- und Kreisvereinigungen - Ehrenamtliche Vorstände und leitendes Elternengagement in Vereinen Alleinstellungsmerkmal der Lebenshilfe - Große Herausforderung angesichts der Vielzahl und Größe der Dienste und Einrichtungen - Rechtliche, finanzielle und persönliche Qualifizierung wichtig Corporate Governance Kodex als Leitschnur für Aufgabenverteilung, Seminare zur Qualifizierung 20

21 Strategie 2020 Stärkere Einbindung von Elternvereinen, die bisher nur kooperierende Mitglieder sind Ausgangslage: Neben der etablierten Lebenshilfe entstehen vielfältige Vereinigungen, auf Orts- wie auf Bundesebene Was ist in Zukunft wichtig? Elternvereinigungen zu speziellen Behinderungen auf Bundesebene stärker einbinden Elterninitiativen auf lokaler Ebene zur Kooperation einladen Elternverein stärken und engagierte Mitstreiter gewinnen 21

22 Strategie 2020 Mitarbeiter zu Botschaftern - Dienste und Einrichtungen bundesweit Gesicht der Lebenshilfe - Mitarbeitende häufig hoch identifiziert mit der Sache er Lebenshilfe - Mitgliedschaft in Vereinen nicht überall und nicht mit allen Rechten möglich, da Konflikt mit der Arbeitgeberrolle der Vereine und Vorstände - Stärkere Einbindung wichtig der Weg noch unklar Was denken Sie dazu? 22

23 Behindertenhilfe im Wandel der Zeit Pädagogische Prägung mit dem Ziel der Förderung Ziele der Förderung zumeist fachlich bestimmt, letztlich höchstmögliche Unabhängigkeit und Selbstständigkeit Orientierung am sogenannten Normalen historisch Normalisierungsprinzip Fortschritt! Empowerment: Nichts über uns ohne uns Emanzipationsbewegung, Grenzen von Selbstbestimmung werden eher negiert 23

24 Anforderungen an die Leistungserbringer im Reformprozess Individuelle Leistungserbringung Flexibilität in den Strukturen Breites Angebot Dienste und kleine gemeindenahe Einrichtungen, stärker integrativ ausgerichtet Attraktiv für Leistungsempfänger 24

25 Öffnung in den Sozialraum - Öffnung spezifischer Angebote - Gestaltung neuer Angebote für alle - Nutzung bestehender Angebote durch alle Index für Inklusion als Instrument der inklusiven Ausgestaltung und Weiterentwicklung 25

26 Gestaltung des Sozialraums Lebenshilfe als Akteur der Zivilgesellschaft Beteiligung an Sozialraumanalysen und Planungen Impulsgeber für eine inklusive Sozialraumentwicklung Gestaltung des Sozialraums unter Berücksichtigung der Perspektive von Menschen mit geistiger Behinderung und ihren Familien 26

27 Herausforderungen vor Ort Sparbemühungen der öffentlichen Hand, keine Refinanzierung von Tarifsteigerungen Konkurrenz durch große Träger, die mit ihren Angeboten in den Sozialraum drängen Fachkräftemangel bei schwierigen Arbeitsbedingungen/- zeiten Konzentration von Menschen mit hohem Hilfebedarf in stationären Einrichtungen Steigender Pflegebedarf über höheres Alter und höheren Hilfebedarf 27

28 Weiterentwicklung von Diensten und Einrichtungen der Lebenshilfe Ausbau individueller und personenzentrierter Angebote Vielfalt der Dienstleistung für die jeweiligen Lebensbereiche um Wahlmöglichkeiten zu gewährleisten Normalisierung und Raum für die Bildung von Peer- Gruppen weiterführen Stärkung ambulanter Dienstleistungen Gestaltung des Sozialraums Öffnen der Dienstleistungen für Menschen ohne Behinderung 28

29 Professionelle Unterstützung und Inklusion ein Widerspruch? Mitarbeitende haben mit ihrer Expertise zentralen Anteil an der Entwicklung zu einer inklusiven Gesellschaft: In der Förderung und Begleitung von Menschen mit Behinderung Als Brückenbauer in die Gesellschaft In der Weiterentwicklung von Diensten und Einrichtungen Im Austausch mit Selbstvertretern und Angehörigen (-verbänden) 29

30 Teilhabe - Dabei sein und wahrgenommen werden - Mitgestalten und mitbestimmen des Gemeinschaftsleben in einer Gesellschaft, die alle Menschen in ihrer Vielfalt willkommen heißt und ihre Fähigkeiten und ihren Beitrag zur Gemeinschaft wertschätzt Zentrale Rolle von Kommunikation und Brückenbauern 30

31 Fazit Inklusion als verbandliches Ziel und Aufgabe der Lebenshilfe Gute Ausgangsbedingungen bei einer stark im Sozialraum verankerten Struktur, nicht zuletzt durch glaubwürdige Vereinsvertreter Flexibilität kleiner Einheiten bei gleichzeitig geringerer finanzieller Kraft Vereinskonstellation als positives Alleinstellungsmerkmal, aber Nachwuchsprobleme bei Vorständen Vielfalt der Lebenshilfen als Stärke, Gemeinsamkeit nutzen voneinander lernen, gemeinsam engagieren! 31

32 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! 32

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