Herbert Spencer s Evolutionstheorie

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Transkript:

Herbert Spencer s Evolutionstheorie 13. Oktober 2008 René Saiu, Denise Schmid

Texte The Social Organism (1860), Herbert Spencer The Sociology of Herbert Spencer (2002), Jonathan H. Turner Soziologie: Seminar sozialer Wandel, HS08 2

Übersicht 1. Wer war Herbert Spencer 2. Historischer Hintergrund 3. Wichtige Werke 4. Herbert Spencer s Soziologie 5. Vergleich Organismus und Gesellschaft 6. Typen sozialer Organisation 7. Herbert Spencer s Modell der Evolution 8. Herbert Spencer s Phasen der Institutionalisierung 9. Herbert Spencer s Vermächtnis und Kritik 10. Fragen und Diskussion: Welche Bedeutung hat seine Evolutionstheorie heute Soziologie: Seminar sozialer Wandel, HS08 3

Wer war Herbert Spencer Geboren: 27. April 1820 in Derby (England) Vater Lehrer, Mutter Hausfrau 4 Brüder und 3 Schwester starben vor ihrem ersten Lebensjahr, Schwester Louise starb mit drei Jahren Privatunterricht durch seinen Vater und später durch seinen Onkel Eisenbahningenieur beim Bau der London-Birmingham Railway Studierte die Botanik Beginn der Karriere als Wissenschaftler, Schriftsteller und Journalist u.a. als Unterredakteur von The Economist Publikation vieler seiner Werke Tod: 8. Dezember 1903 in Brighton (England) Soziologie: Seminar sozialer Wandel, HS08 4

Historischer Hintergrund Industrielle Revolution geriet Ende des 19. Jahrhunderts in eine Kriese Staat beginnt Sozialpolitik zu betrieben Aufstieg der Mittelklasse in England Formierung der Arbeiterklasse (Zulassung von Gewerkschaften 1824) Populationstheorie: Thomas Robert Malthus (1766-1834) Evolutionismus: Jean Baptiste Lamarck (1744-1829), Charles Darwin (1808-1882) Karl Marx (1818-1883) Soziologie: Seminar sozialer Wandel, HS08 5

Wichtige Werke 1951: Social Statics 1860: System of Synthetik Philosophy 1860: The Social Organism 1861: Education 1860-1862: First Principles 1864-1867: Principles of Biology 1870-1872: Principles of Psychology 1874: Principles of Sociology 1879-1893: Principles of Ethics 1884: The man versus the State 1904: Autobiography Soziologie: Seminar sozialer Wandel, HS08 6

Herbert Spencer s Soziologie Survival of the Fittest Zwischen den gesellschaftlichen und dem individuellen Organismus bestehen Analogien Herbert Spencer wandte als erster die Evolutionstheorie auf die gesellschaftliche Entwicklung an und begründete damit das Paradigma des Evolutionismus, das von manchen als Vorläufer des Sozialdarwinismus angesehen wird. Soziale Evolution: unorganische Evolution, organische Evolution und superorganische Evolution Soziologie: Seminar sozialer Wandel, HS08 7

Vergleich Organismus und Gesellschaft Gemeinsamkeiten Kleine Aggregate, die an Grösse zunehmen Zunahme der Strukturkomplexität Entstehung gegenseitiger Abhängigkeit Beides sind Aggregate von Teilen und Beziehungen Das Ganze ist mehr als die Summe der Teile Soziologie: Seminar sozialer Wandel, HS08 8

Vergleich Organismus und Gesellschaft Unterschiede Gesellschaft hat keine spezifische externe Form Gesellschaft lebt über die Erde verteilt Gesellschaft hat Möglichkeit sich zu verschieben Gesellschaft ist mit Gefühlen ausgestattet Soziologie: Seminar sozialer Wandel, HS08 9

Vergleich Organismus und Gesellschaft: Beispiele Buschmänner Beginnender Zusammenschluss von Gesellschaft Einzelne Familien Inkonstante Union Keine Arbeitsteilung ausser zwischen Geschlechtern Protozoa und Protophyta Winzige Körper Einfache Struktur oder sogar strukturlos Keine Unterordnung, keine Organisation Leben für sich alleine, geben und nehmen keine Hilfe an Soziologie: Seminar sozialer Wandel, HS08 10

Vergleich Organismus und Gesellschaft: Beispiele Ureinwohner Gruppen formen sich zu einfacher Form von Gesellschaft Soziale Strukturen werden sichtbar Form von Behörde Unterschiede zwischen Klasse und Macht Entstehung von Kooperation Acrogens Zusammenschluss führt zu Strukturen Abhängigkeit und Funktionsteilung Gruppen von Zellen Soziologie: Seminar sozialer Wandel, HS08 11

Vergleich Organismus und Gesellschaft: Beispiele Mittelklasse Entstehung der Mittelklasse Beginn des Handels und der Distribution Ware wird vom Ort der Produktion zum Ort der Konsumation transportiert Vaskuläres System Trennung von Schichten und dazwischen Entstehung von neuen Schichten Transfers zwischen den verschiedenen Schichten Soziologie: Seminar sozialer Wandel, HS08 12

Typen sozialer Organisation Primitive Gesellschaften Nur geringe Arbeitsteilung Zusammenballung von Einzelnen (Aggregate) Wenig regulierte Gruppenarbeit Soziale Kontrolle erfolgt durch die Sitte Nahrungsmittelproduktion und Verteilung ist Aufgabe aller Mitglieder Natürliche Umwelt dominiert Soziologie: Seminar sozialer Wandel, HS08 13

Typen sozialer Organisation Militärische (kriegerische) Gesellschaften Mehr Arbeitsteilung und Berufsdifferenzierung Zusammenhalt wird durch Macht garantiert Kooperation erfolgt durch Zwang Kontrolle der Gesellschaft erfolgt durch die Politik Wirtschaftliche Überschüsse fliessen in die Staatskasse Handlung nach Befehlen Konformität ist erzwungen Soziale Positionen verteilt durch Geburt/Zugehörigkeit zu sozialen Gruppen geschlossene Gesellschaft Soziologie: Seminar sozialer Wandel, HS08 14

Typen sozialer Organisation Industrielle Gesellschaften Hohe Komplexität, grosse Differenzierung Einzelne Teile sind dadurch stark voneinander abhängig Zusammenhalt wird durch Verträge garantiert Kooperation erfolgt freiwillig, staatliche Kontrolle wird abgebaut Staat nur für Sicherheit und Aussenpolitik zusätndig Verteilung sozialer Positionen nach Leistung Chancen auf Nonkonformismus offene Gesellschaft Soziologie: Seminar sozialer Wandel, HS08 15

Herbert Spencer s Modell der Evolution Systemwachstum, Differenzierung und Integration 1. Wachstum der Gesellschaft 2. Differenzierung der Gesellschaft 3. Weiterer Wachstum durch Zusammenschluss von Gesellschaften Wachstum ist immer begleitet von struktureller Differenzierung 4. Wachstum und strukturelle Differenzierung müssen durch Integration begleitet sein 5. Bedeutungsvolle Integration durch gegenseitige Abhängigkeit und Zentralisierung der Kontrolle erhöht Zusammenhalt und Adaption Soziologie: Seminar sozialer Wandel, HS08 16

Herbert Spencer s Modell der Evolution ermöglicht Zunahme Erfolg Integration Wechselbeziehung/ Machtkonzentration Differenzierung der Struktur und Kultur Populationswachstum Integrationsprobleme Potential zur Zerstörung Auslese zur Lösungsfindung Zusammenhalt/ Adaption Misserfolg Kollaps/ Eroberung durch andere Gesellschaften zerstört Soziologie: Seminar sozialer Wandel, HS08 17

Herbert Spencer s Phasen der Institutionalisierung Differenzierung und Diversifikation von Einheiten Druck zur Konsolidation der veränderten Einheiten Probleme der Stagnation durch Überregulierung Integrationsprobleme Dezentralisierung der Behörde Zentralisierung der Behörde Druck zur Deregulation Enge regulierende Kontrolle von operativen und distributiven Prozessen Soziologie: Seminar sozialer Wandel, HS08 18

Herbert Spencer s Vermächtnis Luhmann übernahm das Konzept der Differenzierung für seine Systemtheorie In kleinen Schritten vorgehen, Aushandlung von Prozessen, Finden von neuen Formen, Schaffung von Strukturen Prägte den Begriff survival of the fittest Popularisierte den Begriff der Evolution für die gesellschaftliche Entwicklung Soziologie: Seminar sozialer Wandel, HS08 19

Kritik an Herbert Spencer Stigmatisierung durch moral philosophy Zu viel geschrieben Problem des Funktionalismus Soziologie: Seminar sozialer Wandel, HS08 20

Danke für eure Aufmerksamkeit! René Saiu, Denise Schmid

Literaturverzeichnis Soziologische Klassiker/Herbert Spencer; www.wikibooks.org/wiki, Abfrage vom 18.09.08 Spencer, Herbert (1892) The Social Organism. In: Spencer s Essays: Scientific, Political ans Speculative. London and New York. Turner, Jonathan H., Beeghley, Leonard, Powers, Charles H. (2002) The emergence of sociological theory (5th edition). Belmont, CA: Wadsworth Thomson Learning, S. 54-89 Soziologie: Seminar sozialer Wandel, HS08 22