deutsch-digital.de Sprachbetrachtung Lernjahr: Jahrgangsstufe 5 und 6 Schwerpunkt: Die Zeiten - die Tempora Verfasser: Eckehart Weiß Der Gebrauch der Zeiten ist in vielen Sprachen im Detail unterschiedlich. Deshalb ist es wichtig, sich eine Vorstellung von grammatischer Zeit zu machen. Grammatische Zeit hat nur wenig mit Uhrzeit zu tun. In der Sprache bauen wir eher ungefähre Zeitbeziehungen auf. Deshalb sprechen wir auch vom Tempus oder den Tempora (Plural). Beobachte dich selbst beim Sprechen und überlege, wann du welche Zeit verwendest. Im Prinzip gehen alle Zeiten von der Gegenwart, dem Jetzt aus, weil du dich als Sprecher immer in der Gegenwart befindest. So verwendest du für alle Handlungen, die sich ungefähr auf das Jetzt beziehen das Präsens. Erzählst du von Vergangenem schriftlich, verwendest du das Präteritum. Erzählst du von Vergangenem mündlich, verwendest du das Perfekt. Blickst du in die Zukunft, brauchst du das Futur. Futur, Präteritum und Präsens sind die Zeitstufen, die am ehesten mit unserer Zeitvorstellung übereinstimmen. Alle anderen Zeiten treten zu diesen Grundrichtungen in Beziehung. Stelle dir das als Stufen vor: Vergangenheit Präteritum Gegenwart Präsens Zukunft Futur I Du stehst immer auf der Stufe der Gegenwart. Allerdings gibt es zur Zukunft und zur Vergangenheit einen großen Abstand, zumindest in Gedanken. Präteritum bedeutet: Das Ereignis liegt wirklich schon für dich zurück. Zukunft bedeutet: Das hat mit deiner Gegenwart nur noch wenig zu tun. Vor zwei Jahren besuchte ich noch die Grundschule (Das ist für dich ganz schön lange her!) In sieben Jahren werde ich mein Abitur machen. 1
(Das liegt sicher vor dir, aber es dauert noch lange, bis du das erreicht hast.) Es gibt nun drei weitere Zeitstufen, die Brücken schlagen. Schau dir die erweiterte Treppe an: Zukunft Futur I Perfekt des Futurs Futur II Gegenwart Präsens Perfekt Vergangenheit Präteritum Vorvergangenheit Plusquamperfekt Du kannst alle weiteren Zeitstufen verstehen, wenn du sie von der Gegenwart aus betrachtest. Gehen wir zunächst Richtung Vergangenheit: Du verwendest das Perfekt, wenn du Vergangenes erzählst, das dir frisch im Gedächtnis ist, also sozusagen noch in die Gegenwart hineinwirkt. Stell dir vor, was ich heute erlebt habe. Manche Grammatiker bezeichnen diese Zeitstufe auch als vollendete Vergangenheit. Wenn etwas noch vor der Vergangenheit liegt, dann verwendest du das Plusquamperfekt. Diese sogenannte Vorvergangenheit benötigt als Bezugspunkt einen Zeitpunkt der Vergangenheit und wird deshalb häufig mit einem Hauptsatz verbunden, der im Präteritum steht. Nachdem sie ihren Hund festgebunden hatte, legte sie sich genüsslich in den Strandstuhl Blicken wir jetzt noch in die Zukunft. Du kannst jetzt auch noch sagen, dass sich etwas zu einem Zeitpunkt der Zukunft vollendet haben wird. Das ist das Futur Perfekt oder das Futur II. Morgen wirst du diese Zeilen verstanden haben. "Morgen" liegt in der Zukunft und du sagst, was am Folgetag vollendet sein wird. Es gibt leider eine Reihe von Ausnahmen und Sonderregelungen, die wir einfach weglassen. Vielleicht hilft dir folgende Vorstellung der Zeiten weiter 2
Die Zeiten - Tempora stellen sich vor Das Präsens - die Gegenwart Ich bin das Präsens. Ich beschreibe alles, was jetzt geschieht. Ich beschreibe dir die Zeiten und du lernst sie. Das geht ganz einfach. Zeitlos und demnach immer im Präsens sind ewige Wahrheiten: Die Erde ist rund. Das Präteritum - die Vergangenheit Ich bin die Vergangenheit oder das Präteritum. Mich brauchst du, um etwas zu erzählen, was schon vorbei ist. Gestern sah ich dich mit Nicki im Wald. Er bellte laut. Das Perfekt - die vollendete Vergangenheit Ich heiße Perfekt und schlage eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Ich komme fast nur mündlich vor. Ich habe dich gesehen. Hast du mich verstanden. Er hat lange gearbeitet. Im Englischen heiße ich Present Perfect. Das Plusquamperfekt - die Vorvergangenheit Ich heiße Plusquamperfekt. Ich komme vor, wenn du sagen möchtest, dass noch etwas vor dem Präteritum geschehen ist. Er machte seine Aufgaben (Präteritum). Nachdem er geschlafen hatte (das war noch vorher), machte er seine Aufgaben. Das Futur I - die Zukunft Ich heiße Futur I. Du brauchst mich, um zu sagen, was künftig einmal sein wird. Die 7.Klasse wird kommen. Du wirst viel lernen. Wir werden uns schon verstehen. Dein nächster Geburtstag wird nächstes Jahr sein. Das Futur II - Futur Perfekt Ich komme selten vor, bin aber doch vorhanden. Ich heiße Futur II. Ich schlage eine Verbindung von der Gegenwart zur Zukunft. Mich brauchst 3
du, um zu sagen, was künftig einmal geschehen sein wird. Morgen wirst du das verstanden haben. Die Formen der Zeiten Präsens: Stamm des Verbs und Endung je nach Person Ich geh (Stamm) e (Endung) Du geh - st... Er Wir Ihr Sie Präteritum: Stamm des Verbs und - te oder starke Form plus Endung je nach Person Ich lach (Stamm) - te (Endung für die Vergangenheit) Ich ging (Änderung innerhalb des Stammes bei den sogenannten starken oder unregelmäßigen Verben): Ich lachte Du lach Er Wir Ihr Sie Ich ging Du Perfekt: Personalformen von haben und sein und Partizip Perfekt des Verbs Leider wird im Deutschen das Perfekt und das Plusquamperfekt mit den Hilfsverben 'haben' und 'sein' gebildet. Das Hilfsverb 'sein' tritt häufig in Verbindung mit Verben der Bewegung auf. 4
Du musst also zwei Beispiel aufschreiben: Ich habe (Personalform des Hilfsverbs) gelacht (Partizip Perfekt von lachen oder auch dritte Form des Verbs, die normalerweise an der Vorsilbe ge- zu erkennen ist). lachen laufen Plusquamperfekt: Personalform der Vergangenheitsform von haben und sein und Partizip Perfekt Ich hatte (Personalform der Vergangenheitsform von haben) gelacht (Partizip Perfekt von lachen) Ich war (Personalform der Vergangenheitsform von sein) gelaufen (Partizip Perfekt von laufen) lachen laufen 5
Futur I: Personalform von werden und Infinitiv Du wirst (Personalform von werden) verstehen (Infinitiv - Nennform des Verbs) verstehen Futur II : Personalform von werden und Partizip Perfekt des Verbs und Infinitiv von haben und sein. Ich werde (das nächste Woche) verstanden haben. Er wird (nächste Woche) gelaufen sein verstehen laufen Es ist gut, wenn du die Zeitstufen verstehst. Die Formen musst du leider auswendig lernen. Nur wenn du auch die Formen sicher beherrschst, kommst du nicht durcheinander! copyright: deutsch-digital.de 6