Neue Repetierbüchse von Bergara: Aus einem anderen Holz geschnitztt Mit seiner Modellreihe B14 drängt nun auch der spanische Waffenhersteller Bergara in das Segment der preiswerten Repetierbüchsen. VISIER war zwar schon bei der inoffiziellen Premiere dabei, aber nun folgt der erste ausführliche Testbericht. Im November des vergangenen Jahres durfte VISIER als einzige europäische Zeitschrift dabei sein, als der baskische Laufhersteller und Waffenbauer Bergara (www.bergararifles. com) seinen Europa-Vertriebspartnern erstmals seine neue Repetierbüchse B14 vorstellte (siehe VISIER 1/2015). Neben einem Blick in die Produktion stand auch ein Schießstandbesuch mit einigen Probeschüssen auf dem Programm, 30 VISIER.de
Bergara B 14 Timber in.308 Winchester TEST & TECHNIK Die B14 kommt ab Werk mit Klappdeckelmagazin. Der Drücker zum Öffnen der Klappe sitzt direkt vor dem Abzugsbügel. unter anderem mit der neuen B14. Zu diesem Zeitpunkt standen noch nicht alle Parameter für die eigentlich schon bis zur Serienreife gediehene Büchse fest. Zu den offenen Fragen zählte zum Beispiel noch, in welchen Kalibern und in welchen optionalen Ausstattungen die Waffe auf den Markt kommen sollte. Ebenso hatte Bergara die Verkaufsbezeichnungen der einzelnen Modellvarianten noch nicht definitiv festgelegt. Auf der IWA in Nürnberg konnten die Messe-Besucher im Frühjahr dann bereits zwei der drei neuen B14-Varianten erstmals unter ihrem richtigen Namen kennenlernen: Die B14 mit Holzschaft hört nun also auf die Bezeichnung Timber, was nichts anders heißt als Holz. Und das Modell im schwarzen Composite-Kleid mit Elastomereinlagen an den Kontaktflächen heißt Sporter. Inzwischen stieß mit der B14 Hunter eine weitere Spielart mit grünem Synthetikschaft hinzu. Sie orientiert sich am Vorbild des Timber-Schaftes, kommt aber mit der Schaftkappe der Sporter. Die kompensiert laut Werk den Rückstoß besser. Vom System her unterscheiden sich die drei Varianten nicht. In Sachen Lauf respektive Kaliber steht bei den Polymerschaft-Modellen neben den schon im November 2014 angekündigten Kalibern.308 Winchester,.243 Winchester,.270 Winchester,.30-06 Springfield,.300 Winchester Magnum und 7 mm Remington Magnum nun noch die 6,5 x 55 SE zur Wahl. Bis Ende des Jahres soll gemäß Bergara-Importeur Leader Trading noch die 9,3 x 62 mm folgen. Während die.308 und.243 Winchester eine Lauflänge von 22 Zoll aufweisen, kommen alle anderen Kaliber mit 24-zölligen Rohren. Mit Ausnahme der Läufe in.270,.30-06 und 7 mm RemMag schneidet Bergara zumindest bei den bisher zur Verfügung stehenden Rohren ein M 14 x 1er Gewinde zur Aufnahme von Schalldämpfern an der Mündung ein. Die Bergara-Läufe entstehen übrigens am selben Ort wie die Systeme der Waffen und erhalten ihr Innenprofil per Knopf- Zug-Verfahren alles in dem spanischen Bergstädtchen, von dem die Firma ihren Namen hat. Bei dem in einer stählernen Hülse laufenden System schauten die Basken wie inzwischen einige andere Waffenschmieden auch sich das eine oder andere beim seit mehr als 50 Jahren erfolgreichen Modell 700 des US- Herstellers Remington ab: Zwei-Warzen-Verschluss nach Mauser-Art mit in den zurückversetzten Stoßboden integriertem Ausstoßer und kurzem Auszieher in der rechten Warze. Letztgenannte nimmt zudem auch noch eine rund 1,5 mm breite Nut zur Führung durch die nach Remington 700er Maßen konstruierte Systemhülse auf. Die Kammer verriegelt noch im Bereich des Laufgewindes innerhalb dieser stählernen Hülse. Anders als bei der Remington nutzt Bergara bei seiner B14 eine an der linken Hülsenseite angebrachte Federwippe als Fang respektive Demontagedrücker für die Kammer. Auch bei der Form der Schlösschenabdeckung und des Schlagbolzenkopfes gingen die Spanier andere Wege. Aber in Sachen Zwei-Stellungs-Sicherung sieht die Bergara-Varinte der 700er Version wieder zum Verwechseln ähnlich. Für die Markteinführung blieben die Basken beim ursprünglich geplanten Mittelschaftmagazin mit Klappdeckel. Einen Umrüstsatz auf ein Einsteckmagazin soll aber demnächst angeboten werden, wie ein Blick auf die Firmenhomepage verrät. Der Preis dafür steht allerdings noch genauso wenig fest wie ein genauer Einführungstermin. VISIER.de 31
Modell: Bergara BX14 Timber Preis: 995,- Kaliber: Kapazität:.308 Winchester 4 + 1 Patronen L a u fl ä n g e : 560 mm (Drall 1:12") Abzugsgewicht: Länge: Gewicht: 950 g 1065 mm 3568 g Ausführung: Zwei-Warzen-Zylinderverschluss- Repetierer, Direktabzug, Zwei-Stellungs-Sicherung, Klappdeckelmagazin, Monte-Carlo-Schaft mit Gummikappe, Pistolengriff und Fischhaut an den Kontaktflächen, offene Visierung mit seitlich driftbarer, von Lichtsammlern flankierter U-Kimme und starrem Lichtsammelkorn, M 14 x 1-Mündungsgewinde, Montagebohrungen. Die Testwaffe und mehr: Wie bereits erwähnt, konnte der Verfasser im Mutterland der Büchse bereits ein paar Schüsse mit der B14 abgeben. Davon blieben ihm vor allem die guten Schießergebnisse und der sehr ansprechende Schlossgang in Erinnerung. Freilich genügte dieser kurze erste Eindruck nicht für ein Urteil nach den VISIER- Maßstäben. Daher wurde schon damals beim Importeur eine B14 für einen umfassenden VISIER-Test reserviert, sobald die Büchse in Deutschland verfügbar sein sollte. Diese Büchse traf dann auch zeitig in der Redaktion ein in Form einer B14 Timber in.308 Winchester mit geöltem Schaft aus amerikanischem Nussbaum. Die Kammer der B14 verriegelt mit zwei Warzen in der Systemhülse. Die Bergara- Konstruktion orientiert sich am System der Remington 700 aus den USA. Nicht nur auf den ersten Blick machte die B14 einen sehr ordentlichen Eindruck, was die Verarbeitung der einzelnen Baugruppen sowie die Passungen von Metall- und Holzteilen betraf. Das Schaftholz an sich wirkte mit seiner schlichten Maserung eher unspektakulär. Es deutet darauf hin, dass Bergara sein Ziel erreicht hatte, die Büchse unter der 1000-Euro-Marke zu lancieren. Dazu ergab eine kurze telefonische Nachfrage in Ratingen bei Leader-Trading-Juniorchef Christopher Landich, dass der Importeur die B14-Büchsen hierzulande ausschließlich mit einer offenen Visierung in Umlauf bringen wird. Dieses, weil die meisten Jäger wohl ohnehin eine Büchse bevorzugen, die neben der Montage eines ZFs auch das Schießen über Kimme und Korn erlaubt. Der Endkunde zahlt demnach für die B14 Timber 995 Euro und für das Sporter- Der schlicht gemaserte Ölschaft aus amerikanischem Nussbaumholz besitzt eine Monte-Carlo-Backe, einen Pistolengriff und einen Rücken mit Monte-Carlo-Effekt. 32 VISIER.de
Bergara B 14 Timber in.308 Winchester TEST & TECHNIK Modell mit schwarzem Composite- Schaft 855 Euro. Was die brandneue und noch nicht verfügbare Hunter-Version kosten soll, das stand bei Redaktionsschluss übrigens noch nicht fest. Neben der Waffe steuerte die Ratinger Großhandelsfirma dann gleich auch die für den Test unabdingbaren Komponenten Optik und Montage bei. In diesem Fall waren dies ein UltimaX 2,5-10 x 50 mit beleuchtbarem 4A-Absehen (898 Euro) aus Japan, eine zweiteilige Weaver-Basis (35 Euro) von US-Hersteller Warne und Maxima Quick Detach-Ringe (113 Euro), ebenfalls von Warne. Nachdem alle Teile quasi ihre Hochzeit gefeiert hatten, ging es auf einen nahegelegenen Jagd- Schießstand zum Einschießen und dem daran anschließenden Präzisionstest. Praxis-Check: Schon bei den ersten Schüssen bestätigte sich der allgemeine positive Eindruck. Das Schloss des mit einem 90 -Öffnungswinkel arbeitenden Schließspanners ließ sich angenehm weich und dementsprechend schnell repetieren. Dabei lief die Kammer seidenweich durchs System. Der absolut trocken stehende Direktabzug der B14 brach bei durchnittlichen sowohl für die Jagd als auch für die Range sehr guten 950 Gramm hart wie Glas, ohne irgendwie zu murren oder durchzufallen. Auch der Schieber der nur auf den Abzug wirkenden Zwei-Stellungs-Sicherung verrichtet zuverlässig seinen Dienst. Den Jäger dürfte es zudem freuen, dass die B14 dabei lautlos ge- und entsichert werden kann. Das nur von oben zu bestückende Magazin der Büchse ließ sich auch bei montiertem ZF gut befüllen. Tiefer hätte die Montage allerdings nicht liegen dürfen und auch eine durchgehende Montageschiene kann hier nur hinderlich sein. Und Vorsicht: Mit etwas Nachdruck bekommt man auch fünf.308er Patronen in das Magazin, dann lässt sich die Büchse jedoch nicht mehr per Herunterdrücken des Inhaltes und Drübergleitenlassen des Verschlusses Bei gespanntem Schloss tritt der Schlagbolzen hinten aus dem Schlösschen heraus. Dabei wird ein roter Signalring sichtbar. Der geriffelte Kipphebel der Zwei-Stellungs- Sicherung (direkt hinter dem Kammergriff) steht hier vorn in der Position feuerbereit. Hier ist das Schloss zwar entspannt, aber die Waffe noch immer entsichert. Die Montagebohrungen entsprechen wie die Verschlusshülsenmaße jenen der Modell- Reihe Remington 700, so dass es hier hinreichend Zubehörteile zu kaufen gibt. Das Mittelschaftmagazin fasst in Standardkalibern vier Patronen. Hier wurde es zum Entladen geöffnet. Sowohl Klappdeckel als auch Feder und Zubringer bestehen aus Metall. Ebenso handelt es sich beim Magazinschacht mit Abzugsbügel um ein Metallteil. VISIER.de 33
Zum deutschen Kunden kommt die B14 nur mit einer offenen Visierung. Sie besteht aus rotem Leuchtkorn und einer von zwei grünen Lichtsammlern flankierten, seitlich driftbaren U-Kimme. Zur Aufnahme von Mündungsbremsen oder Schalldämpfern hat die B14 Timber ein M 14 x 1-Mündungsgewinde. Eine Überwurfmutter schützt das Gewinde an der gesenkten Mündung. unterladen. Auch das Zuführen der ersten Patronen geht dann wesentlich schwerer und nicht ohne Abschaben von Messing vonstatten. Mit den vom Hersteller vorgebenen vier Patronen im Tank führte die Bergara B14 aber alle im VISIER-Test verwendeten Munitionssorten anstandslos und sauber zu. Auch das Entladen via Öffnen des Klappdeckels funktionierte nach kurzem Druck des Zeigefingers auf den direkt vor dem Abzugsbügel angebrachten Löseknopf gut. Mit Handschuhen dürfte sich dieses Procedere aufgrund des geringen Abstands zwischen Knopf und Deckel jedoch etwas schwieriger gestalten. Nichts zu mäkeln gab es am Schießergebnis der B14. Mit der 165 grs GECO Express gelang ein Fünf-Schuss-Streukreis von 24 mm, wobei vier der Einschusslöcher auf ein Centstück gepasst hätten. Auch mit der 185 grs Lapua Scenar lieferte die B14 eine solche Vierergruppe ab. Hier lag der Ausreißer allerdings knapp zwei Zentimeter weiter weg als bei der GECO-Patrone. Auch die mit bleifreier Munition erzielten Trefferbilder erwiesen sich mit maximal 45 mm als jagdlich voll im grünen Bereich angesiedelt. Fazit: Die Bergara B14 erfüllt die in sie gesetzten Erwartungen voll und ganz. Für knapp 1000 Euro bekommt der Waidmann hier eine schlichte, aber sehr ordentlich verarbeitete Repetierbüchse, die sich in Sachen Präzision nicht hinter den deutschen Low-Budget-Büchsen à la Sauer S 101 oder Mauser M 12 verstecken muss. Schade nur, dass man hier nochmals Geld in die Hand nehmen muss, um die Büchse auf das hierzulande inzwischen gängige Einsteckmagazin umzurüsten. Text: Andreas Wilhelmus Fotos: Michael Schippers Testwaffe: Leader Trading GmbH (www. leader-trading.com) vielen Dank! Schießtest Bergara B14 Timber in.308 Winchester Nr. Fabrikpatronen SK 100 1 165 grs (10,7 g) Barnes Vor-TX TTSX BT 45 mm 2 165 grs (10,7 g) GECO Express 24 (12) mm 3 165 grs (10,7 g) RWS HIT 42 mm 4 180 grs (11,7 g) Sellier & Bellot Match HPBT 33 (22) mm 5 185 grs (12,0 g) Lapua Scenar HPBT 41 (13) mm Anmerkungen/Abkürzungen: SK 100 = Streukreis auf 100 m Entfernung in Gruppen zu je fünf Schuss (Werte in Klammern nach Abzug eines Ausreißers), gemessen von Einschussmitte zu -mitte, angegeben in Millimetern, sitzend mit aufgelegter Waffe und Zielfernrohr vom Typ UltimaX 2,5-10 x 50 geschossen. grs = Grain. g = Gramm. TTSX = Tipped Tripple Shok expandable (bleifreies Deformationsgeschoss). HIT= High Impact Technology (bleifreies Deformations-geschoss). BT = Boat Tail (Bootsheck). Neben Büchsen vertreibt Bergara auch Zubehör der Marke Quake Industries, etwa den zerlegbaren Klapp-Drehstuhl Stag für Jäger und Angler (99 Euro) sowie Trageriemen und anderes Zubehör. 34 VISIER.de