Borderlinepersönlichkeitsstörung

Ähnliche Dokumente
Persönlichkeitsstörung (ICD 10, DSM IV)

Borderline- Persönlichkeitsstörung

Basiswissen Kinder- und Jugendpsychiatrie und Entwicklungspsychopathologie. Persönlichkeitsstörungen

Borderline Störung Psychosescreening Screening Sexueller Funktionsstörungen

Die Borderline-Persönlichkeitsstörung unter besonderer Berücksichtigung krankheitsspezifischer Störungs- und Therapiemodelle

Persönlichkeitsstörungen

Entwicklungspsychologische Konzepte zum Verständnis von Borderline-Störungen. Karl Heinz Brisch

Persönlichkeitsstörungen

Borderline-Quiz. Wer wird Super-Therapeut?

Achterbahn der Gefühle

Borderline Persönlichkeitsstörung

Basiswissen Kinder- und Jugendpsychiatrie und Entwicklungspsychopathologie. Persönlichkeitsstörungen

Borderline und Mutter sein

Irre verständlich: Umgang mit Klient/innen mit Persönlichkeitsstörungen in der Betreuung

.. Aspekte.. Eröffnung der Netzwerk-Info-Treffen

Inhaltsverzeichnis. Zusammenfassung... 1

DIALEKTISCH BEHAVIORALE THERAPIE MARSHA LINEHAN

Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie

Herausforderungen beim Umgang mit betreuungsrelevanten Krankheitsbildern

Tabelle 1. Persönlichkeitsstörungen in ICD-9, ICD-10, DSM-III(-R) und DSM-IV (Abfolge und Gruppierung der Störungsbilder in Anlehnung an das DSM-IV).

Modul 1 Klassifikationssysteme. Übersicht über Gruppen und Kategorien der ICD-10. Kapitel V Psychische und Verhaltensstörungen (F00- F99)

Sucht und Persönlichkeitsstörungen

BORDERLINE PERSÖNLICHKEITSSTÖRUNG UND ABHÄNGIGKEIT NEUE ENTWICKLUNGEN. PD Dr. med. Marc Walter, MONA, Basel,

Persönlichkeitsstörungen. Prof. Dr. med. Michael Günter Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie

Borderline Persönlichkeitsstörungen. Sonnenberg Klinik

Themenwoche Psychische Gesundheit Achterbahn der Gefühle Borderline besser verstehen Anja Link

ADHS und Persönlichkeitsentwicklung

Psychiatrische Krankheiten und Störungen Borderline-Persönlichkeitsstörungen

Diagnose und Therapie der Borderline-Persönlichkeitsstörung

Herausforderung für Betroffene, Eltern und Pädagogen

FOSUMOS Persönlichkeitsstörungen: Ein alternativer Blick. Felix Altorfer 1

Herzlich Willkommen. zum Vortrag Psychische Störungen und ihre (Aus)Wirkungen

Persönlichkeitsstörungen. Prof. Dr. med. Michael Günter Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie

Zwei Seiten derselben Medaille?

CIP-Medien Nymphenburger Str München Tel Fax

Dissoziative Störungen, Konversionsstörungen

Basiswissen Kinder- und Jugendpsychiatrie und Entwicklungspsychopathologie. Persönlichkeitsstörungen

Persdnlichkeitsstorungen

Persönlichkeitsstörungen

Dr. Volker Premper MEDIAN Klinik Schweriner See

Andrea Jäger. Borderline-Störung. Betroffene verstehen. Diplomica Verlag

Prozessdokumentation. Wünsche und Erwartungen

Essstörungen und Sexualstörungen. Persönlichkeitsstörungen, Lernkarten. Lernkarten zur Prüfungsvorbereitung. Heilpraktiker Psychotherapie.

Border...line. "Die Grenze ist der eigentliche Ort der Erkenntnis!" Paul Tillich

Helpline Glücksspielsucht Spielsucht und komorbide Erkrankungen

Psychische Störungen Einführung. PD Dr. Peter Schönknecht Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie Universitätsklinikum Leipzig

Krankheitswertige Beziehungs- und Kommunikationsstörungen Wann sind Missverständnisse eine psychiatrische Diagnose wert?

Altern Persönlichkeitsstörungen?

Gegen Bullying, Mobbing

Dialektisch-Behaviorale Therapie für Adoleszente (DBT-A)

1 Differenzialdiagnostische Abklärung Schritt für S chritt... 1

Störung des Sozialverhaltens. Dr. Henrik Uebel Universität Göttingen Kinder- und Jugendpsychiatrie/ Psychotherapie

Epidemiologische Ergebnisse von MAZ.

Therapiebedürftige Kinder und Jugendliche im Schulalter. Erfahrungen aus psychotherapeutischer Sicht und präventive Ansätze

ADHS-Abklärung. am APD-E

Familien stärken- Förderung von Resilienz

Wie entstehen psychische Erkrankungen? L.Thun-Hohenstein Salzburg

Genderaspekte: Herausforderungen nach Erkenntnissen zur Depression

ADHS und andere psychische Störungen bei Patienten mit Pathologischem Glücksspielen

Persönlichkeitsstörungen

Cut-off Werte und Normwert-Tabellen zum Fragebogen zur Erfassung von DSM-IV Persönlichkeitsstörungen, ADP-IV

Tutorium zur Vorlesung Differentielle Psychologie

Elterliche psychische Erkrankung, Erziehungsfähigkeit und kindliche Entwicklung

Depressionen bei Persönlichkeitsentwicklungsstörungen was kann die Schematherapie hier leisten?

Persönlichkeitsstörungen

Instabile Persönlichkeiten- Stabile Beziehungen?

Peter Fiedler. Persönlichkeitsstörungen. Mit einem Geleitwort von Prof. Dr. Christoph Mundt. 5., völlig neu bearbeitete Auflage EEUZPVU

ADHS und Persönlichkeitsstörungen Entwicklungswege und Differentialdiagnose. 8. Kinder- und Jugendpsychiatrischer Nachmittag

S2-Leitlinien für Persönlichkeitsstörungen

Inhaltsverzeichnis. Vorwort Modelle der Klinischen Psychologie Klinische Psychologie: ihre Bereiche und Nachbardisziplinen

Anlage zur Vereinbarung gemäß 118 Abs. 28GB V vom

Stationäre Intensivpsychotherapie bei Borderline-Persönlichkeitsstörung

Entwicklungslinien der jugendlichen Borderline-Persönlichkeitsstörung

Die Borderline- Persönlichkeitsstörung

Borderline Persönlichkeitsstörung

ADHS und Persönlichkeitsentwicklung: früh beginnende Persönlichkeitsstörungen. ADHS Gipfel Hamburg

(Früher: Psychopathologie des Kindes- und Jugendalters )

Basiswissen Kinder- und Jugendpsychiatrie und Entwicklungspsychopathologie. Persönlichkeitsstörungen

In der Vergangenheit gab es keine klaren Kriterien für die

Individuelle Risikofaktoren

Junge Erwachsene Psychiatrie

Multiaxiales Klassifikationsschema für psychische Störungen des Kindes- und Jugendalters nach ICD-10 der WHO

Womit beschäftigt sich Resilienz?

Psychosen bei Jugendlichen

Jahrestagung Deviantes oder delinquentes Verhalten. Wann fängt es an und wie gehen wir professionell damit um?

Zurück ins gesunde Leben

Die Borderline-Persönlichkeitsstörung

Kinder und Jugendliche im Gefühlschaos

Transkript:

Borderlinepersönlichkeitsstörung im Jugendalter

Adoleszenzkrise nach Resch 1996, 2008) Identitätsprobleme Probleme der Sexualentwicklung Autoritätsprobleme Körperbildprobleme Narzißtische Krisen Dissoziative Symptome Depressivität und suizidale Krisen

Allgemeine Charakteristiken von Persönlichkeitsstörungen (ICD-10) Störung führt zu deutlichem subjektiven Leiden, manchmal erst im späteren Verlauf (bei Jugendlichen häufig ego-synton) Die Störungen beginnen immer in der Kindheit oder Jugend und manifestieren sich auf Dauer im Erwachsenenalter Psychosozialer Funktionsverlust

Drei-Cluster-Einteilung der Persönlichkeitsstörungen Cluster A: paranoide, schizoide und schizotypische Persönlichkeitsstörung Cluster B: emotional instabile, histrionische, narzisstische, antisoziale und Borderline-Störung Cluster C: selbstunsichere, abhängige, zwanghafte und passiv-aggressive Persönlichkeitsstörung

Borderline-Persönlichkeitsstörung (DSM-IV-Kriterien) 1. Verzweifelte Versuche, tatsächliches oder vorgestelltes Verlassenwerden zu vermeiden 2. Muster von instabilen und intensiven Beziehungen 3. Identitätsstörung mit durchgängig instabilen Selbstbild oder Selbstwahrnehmung 4. Impulsives Verhalten mit potentiell selbstschädigenden Verhaltensweisen

Borderline-Persönlichkeitsstörung (DSM-IV-Kriterien) 5. Wiederholte suizidale Handlungen, Suizidandrohungen oder selbstverletzendes Verhalten 6. Affektive Instabilität 7. Chronisches Gefühle der inneren Leere 8. Unangemessene, sehr heftige Wut oder Schwierigkeiten Wut zu kontrollieren 9. Vorübergehende, stressabhängige paranoide Vorstellungen oder dissoziative Symptome

Entwicklungsaufgaben (EA) der Adoleszenz Identitätsentwicklung Selbstwertregulation und Selbstbehauptung Individuation und Autonomie Intimität/Sexualität Körperselbst Soziales Selbst Lernen Affektive Regulation

Schutzfaktoren (Resilienzfaktoren) im Jugendalter (Masten, 2004) Ein oder mehr effektiver Elternteil Bindungen an andere kompetente und fürsorgende Erwachsene Problemlösungsfähigkeiten (exekutive Funktionen) Effektive Emotions- und Verhaltensregulation Positive Selbstwahrnehmung (Selbstwirksamkeit, Wertschätzung) Sinngehalt des Lebens

Resilienz im Jugendalter (Masten, 2004) Durch Gesellschaft gewertschätzte Attribute (z. B. Talente, Attraktivität) Prosoziale Freunde Soziökonomische Vorteile Effektive Schullaufbahn/bindung Effektives Gemeinschaftswesen (Sicherheit, soziale Infrastruktur)

Funktionen riskanten Verhaltens (nach Resch 2008) Interpersonelle Funktionen Gruppenzugehörigkeit Flucht vor sozialer Überforderung Internale und externale Verstärkung durch soziale und gesellschaftliche Anerkennung Werther-Effekt

Borderline-Störung Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) stellt sowohl im Jugendalter als auch im Erwachsenenalter eine schwere und chronische psychiatrische Störung, charakterisiert durch ein hohes Ausmaß an Impulsivität Instabilität im Affekt und sozialen Beziehungen selbschädigendem Verhalten BPS hat ihren Beginn in der Adoleszenz oder frühem Erwachsenalter und zeigt ihre schwerste Symptomatik in der Spätadoleszenz und am Beginn der 20er (Blum et a., 2002)

Inanspruchnahmeverhalten Hohe Inanspruchnahme der ärztlichen Primärversorgung (Gross et al., 2002) zugrunde liegende Störung wird häufig durch Ärzte der Primärversorung nicht erkannt (42%) Patienten mit BPS zeigen im Vergleich mit anderen Persönlichkeitsstörungen oder Achse-I Störungen (Bender et al., 2001) eine extensive Inanspruchnahme sämtlicher psychiatrischer Settings eine Vorgeschichte im Gebrauch aller Arten von Psychopharmaka

Komorbidität der BPS Achse-I-Störungen (Mattanah et al., 1995) 46% affektive Störungen 37% Substanzmissbrauch 28% Verhaltensstörungen 20% Angststörungen Signifikante Komorbidität mit Substanzmissbrauch und depressiven Störungen, jedoch nicht mit Verhaltensstörungen bei der BPS in der Adoleszenz (Fehon et al., 97; Grilo et al., 95/97)

Probleme der Diagnosestellung von Persönlichkeitsstörungen im Jugendalter Hohe Prävalenzzahlen Artefakt der Erhebungsmethodik? Fehlen altersangemessener Diagnosekriterien Persönlichkeitsstörungsdiagnosen Abbild temporärer Zustände der Adoleszenz? Problematische Persönlichkeitsmuster setzen sich aus der Kindheit häufig nicht ins Erwachsenenalter fort Reifungs- und Sozialisationsprozesse?

Diagnosestellung von Persönlichkeitsstörungen im Jugendalter Vergabe von Persönlichkeitsstörungsdiagnosen vor dem 16. oder 17. Lebensjahr wahrscheinlich unangemessen, aber möglich (ICD-10) Zeitkriterium im DSM-IV: 1-Jahres-Stabilität

Allgemeine Charakteristiken von Persönlichkeitsstörungen (ICD-10) Beeinträchtigung mehrerer Bereiche wie Affektivität, Antrieb, Impulskontrolle, Wahrnehmung und Denken sowie der sozialen Interaktion Das abnorme Verhaltensmuster ist andauernd und nicht auf Episoden psychischer Krankheiten begrenzt Das abnorme Verhaltensmuster ist tiefgreifend und in vielen persönlichen und sozialen Situationen eindeutig unpassend