Lesedetektive Endlich fängt die Schule an Christian Tielmann
Lesedetektive Endlich fängt die Schule an! Christian Tielmann mit Bildern von Carola Holland Dudenverlag Mannheim Zürich
Schlendrian war kein normales Faultier. Normale Faultiere hängen den ganzen Tag am Ast rum und fressen Blätter. Weil sie mit dem Kopf nach unten hängen, sehen die Faultiere die ganze Welt auf dem Kopf. Der Himmel ist für die Faultiere unten und die Wurzeln der Bäume sind für die Faultiere oben. Und weil sie so faul sind, bewegen sie sich den lieben langen Tag so wenig wie möglich. So machten es Schlendrians Mama, Papa und Opa. Nur Schlendrian nicht. Ihm war das viel zu langweilig. Eines Morgens sagte Schlendrian: Ich will in die Schule gehen! Was?, fragte Mama Faultier. Eigentlich hätte sie Wie bitte?, fragen sollen, denn das wäre höflicher gewesen, aber das wären zwei Wörter gewesen und Schlendrians Mutter 2
war viel zu faul, um auch nur ein einziges Wort zu sagen, dass sie sich auch sparen konnte. Ich will in die Schule gehen und lesen und schreiben und rechnen lernen, sagte Schlendrian. So wie alle anderen Kinder auch! Ich will etwas über die Welt und unseren Dschungel lernen! Quatsch!, sagte Schlendrians Mama. Und auch sein Opa nuschelte: Alles, was ein Faultier können muss, ist rumhängen und Blätter fressen. Und das kannst du doch schon ganz prima. Also mach hier nicht so eine Hektik und hör mir auf mit Schule! Aber Schlendrian wollte unbedingt lesen und schreiben und rechnen lernen. Deshalb quengelte er. Und er zappelte. Und er meckerte. Und er plapperte und schnatterte und schimpfte auf seine Eltern ein, bis sein Vater endlich sagte: Schluss! Dann schwieg Schlendrian gespannt. Er schwieg eine halbe Stunde. Dann kratzte sich sein Vater am Moos, das auf 3
seinem Fell wuchs, und knurrte: Wenn du mit dieser Hektik aufhörst, dann darfst du von mir aus in die Schule! 4
Schlendrians Mutter und auch sein Opa wollten noch etwas dazu sagen, aber bevor sie ihre Münder öffnen konnten, hatte Schlendrian 5
seinem Papa schon längst einen Kuss gegeben, war vom Baum runtergeklettert und zur Schule gerannt. Ih, ein Faultier!, sagte das fleißige Lieschen,
ein klitzekleiner Kolibri, der direkt vor der Tafel flatterte. Was willst du denn hier in der Schule?, fragte auch der Ameisenbär Bertram.
Faultiere machen doch niemals ihre Hausaufgaben! Nur das Flussschwein Basti sagte freundlich: Hallo, Schlendrian! Aber da betrat schon der Lehrer, ein alter grauer Gorilla, die Klasse unter dem schützenden Blätterdach des Dschungels. Die Kinder setzten sich auf die Wurzeln und Äste und hielten ihre Schnauzen, Mäuler und Schnäbel. Der Gorilla mit dem grauen Silberrücken lächelte und sagte: Guten Morgen! Guten Morgen!, antwortete die ganze Klasse. Dann begann der Gorilla mit dem Unterricht. Heute lernen wir den besten Buchstaben aus dem ganzen Alphabet, sagte der Gorillalehrer. Das G. G wie Gorilla! Schreibt man Kolibri auch mit G?, wollte das fleißige Lieschen wissen. Nein, sagte der Gorilla. Sonst hieße er ja Golibri und nicht Kolibri. Er sah von Tier zu Tier. 8
Den ganzen Tag nur am Ast rumhängen, Blätter fressen und faul sein das ist Schlendrian viel zu langweilig! Er ist nämlich ein überaus fleißiges Faultier. Sein größter Wunsch ist es, wie alle Kinder lesen und schreiben und ganz viel über die Welt und den Dschungel zu lernen. Wie Schlendrian es schafft, in die Schule gehen zu dürfen, und was er dort alles lernt, erfährst du in dieser lustigen Geschichte. www.lesedetektive.de ISBN 978-3-411-81021-5 2,99 3 (D) 3,10 3 (A),!7ID4B1-ibacbf!