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Transkript:

Nachdem wir "Wiederholungstäter" auf der Eye of the Wind sind, werde ich jetzt nicht so viel über das Schiff selbst schreiben, sondern in erster Linie über die super Crew und die stürmischen Tage in der Dänischen Südsee: Bei dem Wort "Südsee" denkt man ja eigentlich an Wärme und Sonnenschein. Man sollte also das "Dänisch " nicht überlesen. Nach einer eingehenden Studie der Wetterprognosen ist uns schnell klar, dass bei diesem Törn Fleecepulli, Windbreaker und Overall angesagt sind. Es gibt schließlich kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung! So checken wir also bei eher trübem, aber trockenem Wetter am Sonntag auf der Eye ein und werden herzlich von bekannten und auch neuen Gesichtern begrüßt. Als Kapitän ist dieses Mal Julius an Bord. Unter ihm habe ich bereits bei einem Segeltörn Teneriffa erkundet. Erster Maat ist Britta, als Matrosen sind Jonas, Bastien, Tom und Sanne mit dabei und für die Gästebetreuung ist Kristina zuständig. Nicht zu vergessen, der wichtigste Mann an Bord, gleich nach dem Kapitän: Frank unser Koch! Bei einem kleinen Sektempfang zeigt uns Julius auf der Seekarte, was wir, wenn es die Winde erlauben, bei unserer Segeltour vorhaben: Kiel - Sønderborg - Middelfahrt - kleiner Belt Samsoe - großer Belt Svendborg - Kappeln - Kiel... eine schöne Tour. Danach führt uns Britta in die Sicherheitsregeln auf dem Schiff ein. Ein wirklich wichtiger Bestandteil bei einer Segeltour! Sehr beruhigend ist: Bei einem kleinen Feuer-Fehlalarm steht doch tatsächlich die ganze Crew nach fünf Sekunden etwas verwundert auf dem Mittelschiff. Das klappt also. Dann

kann ja gar Nichts passieren. Da wir an diesem Tag nicht mehr auslaufen, werden erst einmal die Kojen bezogen und dann gibt es das berühmte erste Abendessen von Frank: lauter Fischspezialitäten vom Feinsten. Die letzten Zweifler sind beruhigt - hier sorgt man erstklassig für uns! Am nächsten Tag, Montag früh, wird um 8.30 Uhr gefrühstückt. Währenddessen macht die Crew schon das Schiff zum Auslaufen klar. Das Wetter spielt noch mit: trocken, etwa 13 Grad und für Segler ganz wichtig: ein richtig schöner Wind mit vier bis fünf Windstärken bläst uns um die Nase. Doch das soll sich im Laufe der Woche noch ändern. Während die Crew noch mit den Segeln beschäftigt ist, übernimmt Britta das Ruder und Julius führt mit uns einen Theoriekurs im Segeln durch. Die Sprache an Bord ist Englisch und so sollten die Gäste, die gerne beim Segeln mithelfen wollen, die englischen Begriffe für die Segel und Taue kennen. Dies ist natürlich kein Muss, aber wer sich für das Schiff interessiert und beim Segeln mit Hand anlegen möchte, kommt so natürlich viel besser zurecht. Anhand eines Schiffmodels erklärt uns Julius auch die Abläufe einiger Manöver. Durch die besondere Takelage, das vergisst man als normaler Segler schnell, laufen die Manöver ganz anders ab, wie auf einem Einmaster. Mir persönlich hat der kurze Segelunterricht sehr viel gebracht. Die Anweisungen der Crew waren nun logischer und leichter verständlich. Am frühen Abend erreichen wir Sønderborg, eine nette kleine Stadt am Anfang des Kleinen Belts. Der kleine und der große Belt" werden die Gewässer rund um die Insel Fünen bezeichnet, die wir die nächsten Tage umfahren wollen. Der obligatorische Landgang fällt sprichwörtlich ins Wasser. Es regnet und stürmt inzwischen so stark, dass man an der Küste überhaupt nicht mehr gehen kann. So werden ein paar Bilder von den typischen dänischen Häusern gemacht und nichts wie zurück auf unser gemütliches Schiff. Aus der Küche duftet es schon verführerisch und bis uns Frank verwöhnt wird geratscht und sich kennengelernt. Der Abend klingt noch gemütlich aus und dann geht es ab in die Koje.

Auch am Dienstag legen wir zeitig ab. Die Strecke für heute ist nicht zu unterschätzen, aber da der Wind stetig zunimmt, wohl kaum ein Problem. Die morgendliche Mannschaftsbesprechung hat sich inzwischen auch auf uns Gäste ausgeweitet. Julius erklärt uns anhand der Karten die Route, die natürlich immer von Windrichtung und Windstärke abhängig ist. So wird es auch heute ein seglerisch wertvoller Tag: Wind und Wellen - diese unglaublich schöne Schiff und viel Spaß mit der Crew, die uns ganz schön fordert! Am Abend erreichen wir den Jachthafen Middelfahrt und beim Landgang erfreuen wir uns über all die schönen Schiffe, die hier vor Anker liegen! Am Mittwoch geht es früh auf nach Samsoe, eine kleine Insel oberhalb der Insel Fünen. Dass wir hier aufgrund des starken Windes zwei Tage hängen bleiben werden, ahnt noch niemand. Unter voller Besegelung und einem frischen sechser Wind erleben wir einfach einen tollen Segeltag: Es ist natürlich viel zu tun. Wer möchte - und wir wollen natürlich - kann mit Segel setzen, brassen, aufräumen. Mittags sind wir alle dankbar für eine erstklassige Kürbis-Ingwer-Suppe. Bei mittlerweile nur noch 13 Grad, ordentlich Spritzwasser und den ersten Regengüssen das Beste, was es gibt. So genießen wir die Überfahrt. Bis zum späten Nachmittag nimmt der Wind allerdings bis auf acht Windstärken zu, einige Segel werden vorsichtshalber geborgen und das Ganze wird ein bisschen ruppiger. Die alte Dame stampft durch die hohen, grauen Wellen. Spritzwasser fliegt über uns hinweg und es wird etwas ungemütlich aber dennoch schön. Jetzt ist natürlich gute Kleidung angesagt. Der Wind lässt uns schnell frieren und die Fleecejackenschicht wird größer. Die Finger werden langsam klamm und auch die Füße werden kalt. So stellt man sich das Segeln im Norden aber auch vor. Am Abend laufen wir unter einer dramatischen Bewölkung, auflandigem Wind und hohen Wellen in den kleinen Hafen von Samsoe ein. Das Anlegemanöver wird richtig spannend bis hektisch, weil Welle und Wind uns auf das Land drücken. Dann legt auch noch eine Fähre ab und verkleinert unseren Aktionsradius enorm. Ein bisschen mulmig ist es mir schon, aber wir haben einen ruhigen und gelassenen Steuermann. Schließlich liegen wir nur wenig später fest verankert im Hafen. Samsoe ist eine zauberhafte kleine Insel: verträumt, natürlich und wild. Nur das Wetter spielt nicht mehr mit. Es fängt an in Strömen zu regnen, kühlt merklich ab und der Wind nimmt weiter zu. Am Abend befällt

uns schon die dumpfe Vorahnung, dass wir am nächsten Morgen nicht ablegen können. Unter diesen Vorzeichen wird der Abend doch recht feucht fröhlich. Man muss ja schließlich auch die einheimischen Getränke kennenlernen und so stirbt ein Aquavit nach dem andern. Am nächsten Morgen fällt Julius dann bei der Mannschaftsbesprechung die vernünftige, aber natürlich auch traurige Entscheidung den Hafen nicht zu verlassen. Der Wind und die Wellen sind immer noch stark auflandig und ein Auslaufen ist bei diesen Voraussetzungen nicht möglich. So erkunden wir noch einmal die Insel. Ich jogge bis zu einem wildromantischen Strand. Wer Einsamkeit und Natur liebt, sollte auf Samsoe Urlaub machen. Wer allerdings Action sucht, ist hier fehl am Platz. Außer viel Wind ist hier gar nichts los. Am Abend sitzen wir mit der Crew zusammen. Es wird lustig und wieder spät. Freitagmorgen heißt es früh aufstehen. Wir wollen auslaufen und sind durch den verloren gegangenen Tag in Verzug. Der Wind hat nachgelassen und wir werden den größten Teil der Strecke die Maschine benötigen. Das heißt heute Faulenzen für die Gäste. Die Crew ist mit Instandhaltungsmaßnahmen und Schönheitsreparaturen beschäftigt. Also alles, was sonst unter der Zeit liegenbleibt. Wir lassen uns natürlich viel erklären. Ein paar ganz fleißige Gäste helfen mit. Ich genieße das erste Mal die Sonne, liege auf meinem Lieblingsplatz und strecke die Nase in die Sonne. Bei 15 Grad aber auch eher ein etwas kühles Vergnügen. Doch wir haben heute eine unglaublich abwechslungsreiche Strecke mit imposanten, langen, aus dem Nichts auftauchenden Brücken. Einfach toll! Die längste Brücke verbindet Nyborg auf Fyn mit Korsor auf dem Festland. Sie ist über 13km lang und führt scheinbar ins Nirgends. Wir werden mit solch einem schönen Regenbogen belohnt, dass es schon wieder kitschig ist. Foto: Dr. Hermann Weigand

Die Nacht verbringen wir in einer Bucht unterhalb von Svendborg - der längste Schlag dieses Törns geht im Dunkeln zu Ende bis wir endlich vor Anker liegen. Die Crew wird in die Wachen eingeteilt und auch dieser Tag geht mit einer netten Runde zu Ende. Am Samstag erwartet uns viel Arbeit: Der Wind hat gedreht und wir müssen gegen den Wind nach Kappeln kreuzen. Das bedeutet sehr oft die Segel umlegen. Ein ständiges "release and pull". Aber es macht viel Spaß nach unserem Ruhetag und das Verhältnis zwischen der Crew und den Gästen hat sich in acht Tagen so schön entwickelt, dass fast nur noch geblödelt und gelacht wird. Ein richtig schöner, fröhlicher Segeltag bringt uns nach Kappeln und wir haben wieder deutsches Festland unter den Füßen. Schade, unser Segeltörn neigt sich dem Ende zu. Aber natürlich nicht ohne das legendäre Captain s Dinner von Frank: King Prawns auf Salat mit Cocktailsoße. Ein Traum! Nach dem Essen machen wir uns landfein und lassen den letzten Abend zusammen mit der Crew ausklingen: Es wird viel gelacht, diskutiert und einfach gefeiert. Auslaufen nach Kiel - die Wehmut macht sich langsam breit. Während Julius uns unter Motor Richtung Heimat fährt, packen wir unsere Sachen zusammen: Betten abziehen und Koje klarmachen. Das Wichtigste dürfen wir natürlich nicht vergessen: das Gästebuch. Manchmal so verhasst, aber einer so lieben Crew möchte man doch ein bisschen was hinterlassen! So nähern wir uns Kiel, während wir fleißig malen und schreiben und all unsere positiven Eindrücke und Gedanken zu Papier bringen. Tja... Abheuern ist schwerer wie Anheuern! Es war eine sagenhaft schöne Woche. Verglichen mit einem Segeltörn in den Kanaren ganz anders: kalt, windig und rau... aber Segeln pur! Ich würde es sofort wieder machen, schaue mir aber jetzt erst einmal das Segeln in der Karibik an! Vielleicht lesen wir uns wieder - ich werde diesem schönen Schiff und der tollen Crew treubleiben! Ahoi!