Prinz und Bettelknabe

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Mark Twain Prinz und Bettelknabe Aus dem Englischen von Helene Lobedan Mit 36 Illustrationen von Willy Planck Anaconda

Titel der amerikanischen Originalausgabe: The Prince and the Pauper (1881). Die Übertragung von Helene Lobedan folgt der Ausgabe Prinz und Bettelknabe. Eine Erzählung für die reifere Jugend. Mit 8 Vollbildern und 28 Textillustrationen von Willy Planck. Sechste Auflage. Stuttgart: Loewes Verlag Ferdinand Carl o. J. [1925]. Orthografie und Interpunktion wurden auf neue deutsche Rechtschreibung umgestellt, überkommene grammatische und stilistische Eigenheiten behutsam modernisiert. Die Reproduktion der Illustrationen von Willy Planck (1870 1956) erfolgt ohne ausdrückliche Genehmigung, da ein Rechteinhaber trotz eingehender Bemühungen nicht ausfindig gemacht werden konnte. Rechtmäßige Ansprüche werden auf Anfrage abgegolten. Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet unter http://dnb.d-nb.de abrufbar. 2016 Anaconda Verlag GmbH, Köln Alle Rechte vorbehalten. Umschlagmotiv: Arthur C. Michael (gest.1945),»the two went and stood side by side before a great mirror«(1923), Private Collection / Bridgeman Images Umschlaggestaltung: www.katjaholst.de Satz und Layout: www.paque.de Printed in Czech Republic 2016 ISBN 978-3-7306-0342-0 www.anacondaverlag.de info@anacondaverlag.de

Vorwort Ich will eine Geschichte erzählen, die mir mein Vater erzählt hat, der sie von dem seinen gehört hatte, und dieser wieder von dem seinen; und so rückwärts mehr denn dreihundert Jahre hatten die Väter diese Erzählung ihren Söhnen überliefert und sie so der Nachwelt aufbewahrt. Vielleicht ist es eine geschichtliche Tatsache, vielleicht nur eine Sage. Vielleicht hat es sich so zugetragen, vielleicht hat es sich nicht so zugetragen; aber es hätte so sein können. Vielleicht haben in alten Tagen weise und gelehrte Leute es geglaubt, vielleicht aber haben nur schlichte und ungelehrte Leute diese Geschichte geliebt und sie für wahr gehalten. 5

Die Art der Gnade weiß von keinem Zwang, Sie träufelt wie des Himmels milder Regen, Zur Erde unter ihr: zwiefach gesegnet: Sie segnet den, der gibt und den, der nimmt: Am mächtigsten in Mächt gen zieret sie Den Fürsten auf dem Thron mehr wie die Krone. Der Kaufmann von Venedig

Inhalt 11. Kapitel. Die Geburt des Prinzen und des Bettelknaben..... 9 12. Kapitel. Toms Jugend............................... 10 13. Kapitel. Tom lernt den Prinzen kennen................. 18 14. Kapitel. Des Prinzen Not beginnt..................... 26 15. Kapitel. Tom als Königssohn......................... 32 16. Kapitel. Toms Ratgeber............................. 42 17. Kapitel. Die königliche Tafel......................... 52 18. Kapitel. Das große Staatssiegel........................ 57 19. Kapitel. Der Festzug auf der Themse................... 60 10. Kapitel. Die Leiden des Prinzen....................... 64 11. Kapitel. In Guildhall............................... 75 12. Kapitel. Der Prinz und sein Befreier................... 82 13. Kapitel. Der Prinz verschwindet...................... 98 14. Kapitel.»Le roi est mort, vive le roi!«................... 103 15. Kapitel. Tom als König............................. 118 16. Kapitel. Die öffentliche Tafel......................... 132 17. Kapitel. Foo-Foo der Erste........................... 136 18. Kapitel. Der Prinz unter den Landstreichern............. 150 7

19. Kapitel. Der Prinz im Bauernhaus..................... 160 20. Kapitel. Der Prinz und der Einsiedler.................. 168 21. Kapitel. Hendon! Zu Hilfe!.......................... 177 22. Kapitel. Ein Opfer des Verrats........................ 182 23. Kapitel. Der Prinz als Gefangener..................... 190 24. Kapitel. Die Flucht................................ 194 25. Kapitel. Hendon Hall.............................. 198 26. Kapitel. Verleugnet................................ 208 27. Kapitel. Im Gefängnis.............................. 214 28. Kapitel. Das Opfer................................. 227 29. Kapitel. Nach London.............................. 232 30. Kapitel. Toms Erlebnisse............................ 234 31. Kapitel. Der Huldigungszug......................... 238 32. Kapitel. Der Krönungstag........................... 246 33. Kapitel. Eduard als König........................... 262 Schluss. Gerechtigkeit und Vergeltung..................... 273 Erläuternde Anmerkungen.............................. 277 8

1. Kapitel Die Geburt des Prinzen und des Bettelknaben An einem Herbsttag im zweiten Viertel des sechzehnten Jahrhunderts wurde in der alten Stadt London einer armen Familie namens Canty ein Knabe geboren; und sie freute sich gar nicht über diesen Zuwachs. Am selbigen Tag wurde ein anderes englisches Kind geboren und zwar der mächtigen Familie Tudor, die diesen Knaben heiß ersehnt hatte. Ganz England hatte nach ihm verlangt. England hatte den Knaben so erwünscht, so auf ihn gehofft, Gott um seinetwillen so heiß angefleht, dass, als er nun wirklich da war, die Leute vor Freude beinahe von Sinnen waren. Selbst diejenigen, die einander nur oberflächlich kannten, herzten und küssten sich und vergossen Freudentränen. Der Tag wurde ein Feiertag für alle: Hoch und Gering, Reich und Arm tafelten, tanzten und sangen, und waren sehr gerührt; und das dauerte mehrere Tage und Nächte lang. Bei Tag bot 9

London einen prächtigen Anblick dar, denn von jedem Dach und jedem Balkon wehten bunte Fahnen, und glänzende Festaufzüge durchzogen die Straßen. Abends war das Schauspiel nicht minder sehenswert, denn an jeder Ecke brannten große Freudenfeuer, und Scharen von Zechern hatten sich um sie gelagert. In ganz England redete man von nichts anderem als dem neugeborenen Kind, Eduard Tudor, dem Prinzen von Wales, der, in Seide und Atlas gehüllt, nichts von dieser großen Aufregung merkte, nicht wusste, dass vornehme Herren und Damen ihn pflegten und bewachten und wenn er es gewusst, sich nichts daraus gemacht hätte. Von dem anderen Knaben, Tom Canty, der in Lumpen gebettet war, redete niemand außer seiner Familie, der er zur Last fiel. 2. Kapitel Toms Jugend Überspringen wir eine Reihe von Jahren. London war fünfzehnhundert Jahre alt und war, nach damaligen Begriffen, eine große Stadt. Es hatte einhunderttausend Einwohner oder, wie einige Leute meinen, noch einmal so viel. Die Straßen waren sehr schmal, winkelig und unsauber, besonders in der Gegend, wo Tom wohnte, nämlich unweit der Londoner Brücke. Die Häuser bestanden aus Holz; das zweite Stockwerk überragte das Untergeschoss, und das dritte Stockwerk lehnte sich über das zweite vor. Je höher die Häuser wurden, desto breiter baute man sie. Sie hatten ein Gerippe von Fachwerk mit festem Mauerwerk dazwischen, das mit Mörtel übertüncht war. Die Balken aber malte man rot, blau oder schwarz an, je nach dem Geschmack des Besitzers, 10