Fact Sheet Polychlorierte Biphenyle (PCB) Stoffbeschreibung 209 mögliche PCBs, in Abhängigkeit von Anzahl und Stellung der Chloratome Chemische Formel Cl Abb. 1: Grund-Strukturformel PCB. Einsatzbereiche Cl Seit 1930 intensive industrielle Nutzung: in Transformatoren, Dichtungsmassen, Isolatoren (Elektrik) und Wärmetauscherflüssigkeiten Einsatzmengen Weltweit dürften insgesamt mehr als 1 Million Tonnen technische Gemische von PCB erzeugt worden sein. In der BRD schätzt man 40.000 bis 50.000 t verbliebene PCBs in Geräten und Produkten. Eigenschaften Log K OW : 4,3 (mono) 8,26 (deca) Dampfdruck: 0,9-2,5 Pa (mono) 0,00003 Pa (Deca) Wasserlöslichkeit und Dampfdruck nehmen mit dem Substituierungsgrad ab, Lipidlöslichkeit nimmt mit Chlorierungsgrad zu Toxikologie Abhängig von Anzahl und Position der Chloratome PCBs ohne ortho-substitution sind coplanar und werden, da sie wie Dioxin an den AH- Rezeptor binden, als dioxinähnliche PCBs bezeichnet (Bsp.: PCB 77, PCB 82, PCB 126, PCB 169). Alle anderen PCBs sind nicht planar (Bsp.: PCB 105, PCB 114, PCB 118, PCB 123, PCB 56, PCB 157, PCB 167, PCB 189). Alle PCBs können tumorpromovierend wirken. Polychlorierte Biphenyle (PCBs) gehören zu der Gruppe der Stoffe mit begründetem Verdacht auf krebserzeugendes Potenzial (Bundes-Grenzwerteverordnung-B-GKV, 2002). Einstufung durch IARC: Gruppe 2A (wahrscheinlich krebserregend beim Menschen): immuntoxische und neurotoxische Effekte von PCBs beim Menschen Bioakkumulation Biokonzentrationsfaktoren steigen mit Chlorierungsgrad und Abnahme der Wasserlöslichkeit Maximale BCF-Faktoren: hexachlorierte Kongenere Polychlorierte Biphenyle Vers. 01 02/2008 1 von 5
BCF für das technische PCB-Gemisch Aroclor 1260: (CAS Nr. 11097-69-1, EG-Nr. 602-039- 00-4) 1100-24000 (1 µg/l Expositionsdauer: 20 90 Tage in der Dickkopfelritze) (HSDB) Menschliche Exposition/ADI Der Hauptbelastungspfad für den Menschen ist die orale Aufnahme über fettreiche Lebensmittel und Fisch, in Einzelfällen (z. B. in stark kontaminierten Innenräumen) die Inhalation. Exposition im Menschen/tolerierbare tägliche Aufnahme: 0,02 µg/kg/tag für langfristige orale Aufnahme einer PCB-Mischung (IPCS, WHO, 2003) Für langfristige inhalative Aufnahme wurde aus Gründen der spärlichen Datenbasis für PCBs sowie der langen Persistenz im Organismus kein TRD-Wert quantifiziert. Problematisch ist darüber hinaus die Annahme einer definierten Mischung, da anzunehmen ist, dass die in der Umwelt vorliegenden PCB-Gemische in der Zusammensetzung variieren. Kaberlah und Mitarbeiter definierten toxikologisch begründete Richtwert-Vorschläge für die Belastung der Raumluft mit PCB (Kaberlah et al., 2002). In Deutschland wurde vom ehemaligen Bundesgesundheitsamt eine Innenraumkonzentration von 300 ng/m 3 als tolerierbar angesehen, 3000 ng/m 3 ist demnach der Eingreifswert (sofortige Sanierung), welcher in der PCB-Richtlinie definiert ist. Durch die WHO- wurde kein Luftqualitätsziel für PCB definiert da die Belastung über die Luft nur etwa ein Prozent der Aufnahmemenge beträgt. Gesetzliche Regelungen BGBl. II Nr. 393/2002 Bundes-GrenzwerteVO BGBl. II Nr. 459/2004 AbfallbehandlungspflichtVO BGBl. II Nr. 477/2003 ChemikalienverbotsVO BGBl. I Nr. 102/2002, zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 43/2007 AbfallwirtschaftsG 2002 BGBl. II Nr. 292/2001 KompostVO BGBl. 210/1993 Verbot von halogenierten Biphenylen, Terphenylen u. a. Stockholmkonvention Vorkommen und Verhalten in der Umwelt PCBs verbinden sich mit dem organischen Anteil von Boden, Sedimenten, biologischen Geweben und mit der Partikelphase in aquatischen Ökosystemen. Sie verflüchtigen sich von der Wasseroberfläche oder werden durch die Luft transportiert. Die Abbaubarkeit hängt vom Chlorierungsgrad ab. Polychlorierte Biphenyle Vers. 01 02/2008 2 von 5
Ergebnisse Tabelle 1: PCB Monitoring an österreichischen Immissionsmessstellen (dioxinähnliche PCBs) (Quelle: 1997-1998 1998-1999 WHO-TEQ WHO-TEQ Winter Sommer Winter Sommer Graz Süd 8,4 14 8,5 2,5 Leoben Donawitz 13 11 8,8 5,4 St. Pölten 7,7 8,4 3,5 1,7 Linz ORF Zentrum 8,2 16 7,6 3,5 Lustenau 4,7 7,1 2,4 3,0 Zöbelboden 1,5 4,9 0,8 1,2 Tamsweg 3,6 13 3,2 2,4 Wien AKH 6,2 13 2000-2001 2001-2002 3,0 8,1 Tabelle 2: PCB Monitoring an österreichischen Immissionsmessstellen (PCBs) (Quelle: 1997-1998 1998-1999 Σ I-TEQ Σ I-TEQ Winter Sommer Winter Sommer Graz Süd 140 330 170 150 Leoben Donawitz 130 270 99 150 St. Pölten 200 260 100 120 Linz ORF Zentrum 310 500 150 170 Lustenau 74 180 98 160 Zöbelboden 57 120 30 100 Tamsweg 59 160 89 140 Wien AKH 93 340 2000-2001 2001-2002 57 390 Polychlorierte Biphenyle Vers. 01 02/2008 3 von 5
Tabelle 3: Durchschnittliche Winter- und Sommerkonzentrationen von PCB (TEQ WHO, 1997) und Ballschmiter-PCB aus Immissionsmessungen an den angegebenen Standorten (Quelle: PCB (TEQ-WHO, 1997) PCB (Σ Ballschmiter) pg/nm 3 Messstelle Winter Sommer Winter Sommer Graz 8,4 14 139 329 Donawitz 13 11 127 268 St. Pölten 7,7 8,4 199 265 Linz 8,2 16 312 501 Lustenau 4,7 7,1 74 185 Zöbelboden 1,5 4,9 57 122 Tamsweg 3,6 13 59 156 Wien 6,2 13 93 336 Tabelle 4: Jahresverlauf der Konzentrationen von PCB in Leoben/Donawitz (Quelle: TEQ (WHO, 1998) Σ Ballschmiter Zeitraum pg/nm 3 Nov. 1999 12 183 Dez. 1999 17 191 Jan. 2000 25 208 Feb. 2000 15 149 Mrz. 2000 n.a. n.a. Apr. 2000 17 474 Mai 2000 20 707 Jun. 2000 17 305 Jul. 2000 19 574 Aug. 2000 17 477 Sep. 2000 3,0 360 Okt. 2000 6,4 295 Jahresdurchschnitt 15 333 n.a. wurde nicht analysiert Polychlorierte Biphenyle Vers. 01 02/2008 4 von 5
Tabelle 5: PCBs in Klärschlammproben (Quelle: M-095 Zur Situation der Verwertung und Entsorgung des kommunalen Klärschlammes in Österreich, Umweltbundesamt 1997). Dim. Anz. Proben Min. Max. MW Median PCB 28 mg/kg TS 16 < 0,004 0,079 0,012 0,006 PCB 52 mg/kg TS 16 < 0,004 0,030 0,007 0,005 PCB 81 mg/kg TS 16 n.n. < 0,004 - - PCB 101 mg/kg TS 16 n.n. 0,024 0,009 0,007 PCB 126 mg/kg TS 16 n.n. < 0,004 - - PCB 138 mg/kg TS 16 0,007 0,061 0,022 0,020 PCB 153 mg/kg TS 16 0,005 0,043 0,014 0,012 PCB 169 mg/kg TS 16 n.n. < 0,004 - - PCB 180 mg/kg TS 16 0,005 0,034 0,014 0,012 Ballschmiter mg/kg TS 16 0,030 0,187 0,082 0,070 Polychlorierte Biphenyle Vers. 01 02/2008 5 von 5