Web 2.0 oder das Mitmachweb
1. Einleitung Der Begriff Web 2.0 wurde erstmals populär seit der Web 2.0 Conference von O`Reilly im Oktober 2004. Der Grundgedanke des Web gewinnt im Web 2.0 wieder an Bedeutung. Man könnte also behaupten, dass das Web an sich wieder einen Schritt zurück gemacht hat. Weg vom passiven Konsumenten (wie es in den 90er der Fall war, als das Buisness ins Web einzog) hin zum aktiven Gestallter, der sein eigenes Weblog führt, Fotos bei Flickr hochläd und anderen Usern seine Bookmarks empfiehl. Schlagwörter wie Freiheit, Offenheit und Standardisierung haben hierbei eine große Bedeutung. Auslöser für diese Entwicklung war nicht zuletzt die ernorme Blogging-Bewegung der vergangenen Jahre. Freiheit steht im weitesten Sinne dafür, dass jeder User mit seinen Daten umgehen kann wie er möchte. Es bestehen weitreichende Möglichkeiten des Personal Publishing, also der Veröffentlichung eigener Daten. Web 2.0-Systme leben von der Mitarbeit der User. Sei es insofern, dass sie selbst Inhalte erzeugen und die Systeme benutzen um diese Inhalte verfügbar zu machen. (z. B. Weblogs, Flickr etc.) Die Offenheit des Web 2.0 erfolgt aus der OpenSource-Bewegung. Mit OpenSource-Tools lassen sich schnell und einfach Services entwickeln, die noch vor ein paar Jahren teure und komplexe Software erfordert hätten. Offene Schnittstellen (APIs) ermöglichen den leichten Austausch von Daten und Interaktionen zwischen unterschiedlichen Systemen. So kann z.b. ein hochgeladenes Foto bei Flickr.com von anderen Services genutzt werden, was dann folglich Flickr wieder neue User bringt. Texte, Fotos oder Videos zu veröffentlichen war demnach noch nie so einfach wie heut zu tage. Anstatt sich stundenlang mit dem Programmieren von Seiten zu beschäftigen, eröffnet der Fotofan bei Flickr seinen eigenen Account innerhalb weniger Minuten. Der wichtigste Faktor für den Erfolg des Internet ist und bleibt die Standardisierung. Technische Grundlagen des Netzwerks sind für jeden frei verfügbar. Auch das Web 2.0 macht von diesen gebrauch (API-Schnittstellen, CSS, RSS etc.) 1
2. Das Aus für den Desktop? Die rasante Entwicklung im Internet lässt auch heimische Anwendungen immer mehr ins weltweite Datennetz verlagern. Wo bisher die Programme auf der lokalen Festplatte liefen wird jetzt einfach auf das Internet zugegriffen. Es gibt bereits jetzt unzählige Webanwendungen wie GoogleMail, die es ohne Probleme mit lokalen Anwendungen wie z.b. Outlook aufnehmen können. Diese Entwicklung wird sich sehr wahrscheinlich auch in den nächsten Jahren fortsetzen. So gibt es auch jetzt schon Online-Textverarbeitungsprogramme, die einem den Zugriff von jedem Ort zu jeder Zeit ermöglichen. Auch die Zusammenarbeit von mehreren Nutzern ist möglich. Darüber hinaus lässt sich beobachten, dass die Inhalte des Webs zunehmend über Handys, mp3-player oder pocket-pcs abgerufen werden. 3. Der gläserne User Im Internet ging es bisher immer darum, so anonym zu bleiben wie es nur irgendwie ging. Wer allerdings in Zeiten des Web 2.0 mithalten will, führt sein eigenes Weblog bei blogger.com und verfasst dort Privates wie auch Berufliches, um den Bekanntenkreis immer auf dem Laufenden zu halten, werden Fotos bei Flickr.com hochgeladen. Kommilitonen sucht man via Web bei studivz.net, die Lieblingsmusik empfiehlt man bei myspace.com und auch der momentane Aufenthaltsort ist dank plazes.com, mit der passenden Karte von google, kein Geheimnis mehr. Aus den verschiedenen Identitäten der einzelnen Angebote lässt sich leicht ein komplettes Profil erstellen. Das wiederum kann gerade bei Situationen wie Vorstellungsgesprächen nicht unbedingt von Vorteil sein. Denn wer möchte schon, dass das aus Spaß eingestellte Foto von der letzten Party, bei dem Personalchef auf dem Schreibtisch landet.. Auch Kinder und Jugendliche sollten in Sachen Datenschutz aufgeklärt werden. So gab es in den USA bereits mehrere Fälle von Kindesmissbrauch, bei denen sich Täter und Opfer über myspace.com kennen gelernt hatten. Zwar setzen solche Dienste mittlerweile verdeckte Sheriffs ein, dennoch sollte man seine persönlichen Daten nicht allzu akribisch eintragen. 2
ChEck it! http://web2.0validator.com testet Webseiten ob sie Web 2.0 tauglich sind HiT it! www.ning.com -> nach dem Baukastenprinzip kann man hier eine Web 2.0 Anwendung zusammenklicken www.netvibes.com -> bietet den persönlichen Start ins Netz www.writely.com ->textdokumente online verfassen www.ajaxwrite.com -> weniger Funktionen als writely.com aber man benötigt keine Registrierung www.thinkfree.com -> persönliches Weboffice, bei dem die Daten entweder im Web oder auf dem eigenen Rechner gespeichert werden können. Tagging- und Kommentarfunktionen möglich. www.earth.google.com -> es gibt keinen Ort, an dem google noch nicht war ;-) WEB 2.0 ABC A Ajax (Asynchronous JavaScript and XML) Kombination von Techniken, die bestimmte Daten zwischen Browser und Server austauschen. Ajax bringt neue Inhalte auf Seiten, ohne diese komplett neu zu laden. Bsp.: Beim Verfassen einer Email, ist es nicht mehr nötig die gewünschte Empfängeradresse auswendig zu wissen. Bei Anbietern wie GoogleMail wird die Eingabe automatisch mit dem Adressbuch verglichen und Adressen werden sofort vorgeschlagen. B Bookmarks Persönliche Lieblingsseiten, die der User im Browser oder Web abspeichern kann. (Bsp. del.icio.us, www.furl.net, www.mister-wong.de) D Dynamische Web-Seiten Im Gegensatz zu statisch aufgebauten Internet-Seiten mit fest definierten Inhalten rufen dynamische Web 2.0-Seiten sekundenschnell und vollautomatisch die Inhalte div. Quellen ab und bauen diese zu einer neuen Seite zusammen passgenau auf die Interessen des Nutzers zugeschnitten. Neben anderen bieten auch Google, Yahoo und Microsoft solche personalisierten Seiten an. 3
P Permalink Ein kombinierter Begriff ( permanent und Link ) für Verweise in Weblogsystemen. Vorteil: Besteht dauerhaft, Blogger können so ohne Probleme aufeinander verweisen. R RSS (Really Simple Syndication) RSS-Feeds berichten Usern wenn sich etwas auf Webseiten geändert hat. Hier ein Bsp. eines RSS-Feeds einer Nachrichten-Seite: (Quelle: ftp://ftp.oreilly.de/pub/katalog/web20_broschuere.pdf) S Sozial Software Fasst Software-Systeme zusammen, die den Aufbau und die Pflege sozialer Netzwerke und Gemeinschaften unterstützen; diese Systeme beruhen meist auf Selbstorganisation. Bekanntestes Bsp. Bei uns die Online-Enzyklopädie Wikipedia T Taggen Der eingedeutschte Begriff bezeichnet das Kennzeichnen von Dateien, Fotos, Orten und anderem mit Schlüsselworten. Ursprünglich stammt der Begriff aus der Graffitiszene. Tag-Cloud dt. Wortwolke, ist eine optische Darstellung von Tags bsp. bei einem Blog: Je häufiger ein Blogger über ein bestimmtes Thema schreibt, desto größer erscheint der Begriff in der Wolke. W Wiki Webseite, die jeder Benutzer lesen und auch verändern kann. Bekanntestes Bsp. Wikipedia (www.wikipedia.org) 4
Quellenangabe http://web-zweinull.de/index.php/was-ist-web-2/ ftp://ftp.oreilly.de/pub/katalog/web20_broschuere.pdf http://www.dw-world.de/popups/popup_printcontent/0,,1790308,00.html Focus Ausgabe 41/2006