Pluntke Lehrrettungsassistent und Dozent im Rettungsdienst Für die Ausund Weiterbildung
Lehrrettungsassistent und Dozent im Rettungsdienst
Steffen Pluntke Lehrrettungsassistent und Dozent im Rettungsdienst Für die Aus- und Weiterbildung Mit 120 Abbildungen 123
Steffen Pluntke Otto-Hahn-Ring 9 14480 Potsdam ISBN-13 978-3-642-34939-3 DOI 10.1007/978-3-642-34940-9 ISBN 978-3-642-34940-9 (ebook) Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar. Springer Medizin Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2013 Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Die dadurch begründeten Rechte, insbesondere die der Übersetzung, des Nachdrucks, des Vortrags, der Entnahme von Abbildungen und Tabellen, der Funksendung, der Mikroverfilmung oder der Vervielfältigung auf anderen Wegen und der Speicherung in Datenverarbeitungsanlagen, bleiben, auch bei nur auszugsweiser Verwertung, vorbehalten. Eine Vervielfältigung dieses Werkes oder von Teilen dieses Werkes ist auch im Einzelfall nur in den Grenzen der gesetzlichen Bestimmungen des Urheberrechtsgesetzes der Bundesrepublik Deutschland vom 9. September 1965 in der jeweils geltenden Fassung zulässig. Sie ist grundsätzlich vergütungspflichtig. Zuwiderhandlungen unterliegen den Strafbestimmungen des Urheberrechtsgesetzes. Produkthaftung: Für Angaben über Dosierungsanweisungen und Applikationsformen kann vom Verlag keine Gewähr übernommen werden. Derartige Angaben müssen vom jeweiligen Anwender im Einzelfall anhand anderer Literaturstellen auf ihre Richtigkeit überprüft werden. Die Wiedergabe von Gebrauchsnamen, Warenbezeichnungen usw. in diesem Werk berechtigt auch ohne be sondere Kennzeichnung nicht zu der Annahme, dass solche Namen im Sinne der Warenzeichen- und Markenschutzgesetzgebung als frei zu betrachten wären und daher von jedermann benutzt werden dürfen. Planung: Dr. Anna Krätz, Heidelberg Projektmanagement: Gisela Schmitt, Heidelberg Lektorat: Dr. Doortje Cramer-Scharnagl, Edewecht Projektkoordination: Barbara Karg, Heidelberg Umschlaggestaltung: deblik Berlin Fotonachweis Umschlag: Manoj Singh / fotolia.com Zeichnungen: Christine Goerigk, Ludwigshafen Satz: Fotosatz-Service Köhler GmbH Reinhold Schöberl, Würzburg Gedruckt auf säurefreiem und chlorfrei gebleichtem Papier Springer Medizin ist Teil der Fachverlagsgruppe Springer Science+Business Media www.springer.com
V Vorwort»Die Kunst des Lehrens hat wenig mit der Übertragung von Wissen zu tun. Ihr grundlegendes Ziel muss darin bestehen, die Kunst des Lernens auszubilden.«(ernst von Glasersfeld, amerikanischer Kommunikationsforscher, 1917 2010) Der Rettungsdienst in Deutschland ist ein integraler Bestandteil des Gesundheitssystems. Die Qualität der rettungsdienstlichen Leistung wird nicht nur durch die notfallmedizinische Infrastruktur bestimmt, sondern auch durch die Aus-, Fort- und Weiterbildung der Rettungsfachkräfte. Um diese Aufgabe wahrzunehmen, braucht man Lehrkräfte, die sowohl notfallmedizinisch als auch pädagogisch qualifiziert sind. Die praktische Ausbildung von Rettungsassistenten und Rettungssanitätern auf den Rettungswachen wird von Lehrrettungsassistenten übernommen. Die schulische Ausbildungsphase begleiten hingegen haupt- und nebenberufliche Lehrkräfte an den Rettungsdienstschulen. Die Anforderungen an ihre pädagogische Qualifikation sind länderspezifisch geregelt. In der Regel sollten sie Lehrrettungsassistent oder Dozent im Rettungsdienst sein. Bislang fehlte auf dem deutschsprachigen Büchermarkt ein Standardwerk, das alle berufspädagogischen Themen der Aus-, Fort- und Weiterbildung im Rettungsdienst umfassend abdeckt. Diese Lücke wird nun geschlossen. Den Leser erwartet eine systematische und verständlich dargestellte Einführung in die rettungsdienstliche Berufspädagogik. Das Konzept des Buches greift dazu die curricularen und praktischen Schwerpunkte der Qualifizierung zum Lehrrettungsassistenten und zum Dozenten im Rettungsdienst auf, um angehende Rettungsdienstausbilder zu einer handlungs- und teilnehmerorientierten Aus-, Fort- und Weiterbildung zu befähigen. Aber auch erfahrene Lehrkräfte können mithilfe des Buches nicht nur ihre Kenntnisse erweitern und vertiefen, sondern auch Lehrveranstaltungen für künftige Lehrrettungsassistenten und Dozenten im Rettungsdienst planen, durchführen und nachbereiten. Das Themenspektrum ist breit angelegt und umfasst folgende Bereiche: rettungsdienstliche Berufskunde, Bildungssystem, Lernpsychologie, Arbeits- und Zeitmanagement, Unterrichtsplanung, Unterrichtsmethoden und -medien, Lernkontrollen und Beurteilungen, Kommunikation, Gruppenprozesse, Konfliktmanagement sowie Grundlagen des Arbeits- und Sozialrechts. Um den Textfluss nicht zu stören, ist nur die männliche Sprachform gewählt worden. Alle personenbezogenen Aussagen gelten jedoch für Frauen und Männer gleichermaßen. Im Text wird anstatt der Langform für Lehrrettungsassistent (LRA) und Dozent im Rettungsdienst (Dozent) die in Klammer angegebene allgemein übliche Abkürzung verwendet. Nur durch die geduldige Unterstützung durch meine Frau Nicole und meine Tochter Nastasia war die Arbeit an diesem Buch überhaupt möglich. Dafür möchte ich ihnen herzlich danken. Michael Baumann und Mario Garbrecht gaben mir wertvolle Hinweise zum Manuskript. Meine Danksagung gilt auch Dr. Stefan Schnittger, Marianne Prenz und Hubertus C. Diemer vom DRK Landesverband Brandenburg e. V. Erst sie ermöglichten es mir, dieses Buchprojekt zu verwirklichen. Nicht zuletzt gebührt auch Frau Dr. Anna Krätz vom Springer-Verlag für die intensive Betreuung mein Dank. Steffen Pluntke Potsdam, November 2012
Der Autor Steffen Pluntke Der Autor ist Pädagoge und Bildungsreferent beim DRK Landesverband Brandenburg e. V. In Zusammenarbeit mit der Landesrettungsschule Brandenburg bildet er Lehrrettungsassistenten aus. Der Autor hat nach dem Abschluss der mittleren Reife zunächst eine Verwaltungslehre abgeschlossen. Anschließend hat er auf dem zweiten Bildungsweg sein Abitur nachgeholt. Mit dem Zivildienst ist er in Kontakt mit dem DRK und der Lehrtätigkeit gekommen. Nach ersten Anfängen als Ausbilder für Erste Hilfe war er als Multiplikator in der Erwachsenenbildung tätig. Parallel hat er das Studium für das Lehramt an Gymnasien an der Universität Potsdam absolviert. Nach einer Tätigkeit an einer Privatschule hat er hauptberuflich an den DRK Landesverband Brandenburg e. V. als Bildungsreferent gewechselt. Dort hat er sich zum Dozenten in der Erwachsenenbildung und zum Qualitätsmanager weiterqualifiziert. Seit 2003 veröffentlicht er als Fachautor regelmäßig zu unterschiedlichen Fragen des Gesundheitsdienstes, Arbeitsschutzes und der pädagogischen Qualifizierung. 2010 hat er sein Buch»Richtiges Verhalten bei Notfall, Unfall und Beinaheunfall am Arbeitsplatz«publiziert.
VII Inhaltsverzeichnis 1 Qualifikationen im Rettungsdienst............................. 1 1.1 Rettungspersonal............................................ 2 1.2 Bildungspersonal............................................ 12 2 Bildungssystem der Bundesrepublik Deutschland.................. 17 2.1 Organisation des Bildungssystems................................. 18 2.2 Struktur des Bildungssystems.................................... 19 2.3 Bildungsurlaub.............................................. 24 3 Grundbegriffe der Erwachsenenbildung......................... 25 3.1 Andragogik und Erwachsenenbildung.............................. 26 3.2 Aus-, Fort- und Weiterbildung.................................... 26 3.3 Pädagogik................................................. 27 3.4 Didaktik.................................................. 27 3.5 Lehrplan und Curriculum....................................... 28 4 Grundlagen des Lernens..................................... 31 4.1 Biologische Grundlagen des Lernens............................... 32 4.2 Lernen................................................... 36 4.3 Lerntheorien............................................... 39 4.4 Lerntypen und Lernstile........................................ 46 4.5 Motivation................................................. 49 4.6 Besonderheiten des Lernens im Erwachsenenalter...................... 56 5 Gedächtnis............................................... 59 5.1 Das Dreispeichermodell........................................ 60 5.2 Gedächtnisarten............................................. 63 5.3 Vergessen und Behalten........................................ 64 6 Organisation und Förderung des Lernens......................... 67 6.1 Lernstrategien.............................................. 68 6.2 Gedächtnisregeln............................................ 71 6.3 Lern- und Mnemotechniken..................................... 71 6.4 Arbeits- und Zeitmanagementmethoden............................ 79 7 Unterrichten und Ausbilden................................... 83 7.1 Funktionen von Unterricht und Ausbildung........................... 84 7.2 Formen des Lehrens.......................................... 84 7.3 Kompetenzen von Ausbildern im Rettungsdienst....................... 85 7.4 Motivierendes Ausbilderverhalten................................. 88 8 Lernziele................................................. 93 8.1 Lernzielbereiche............................................. 94 8.2 Lernzieltaxonomie........................................... 95
VIII Inhaltsverzeichnis 8.3 Lernzielhierarchie............................................ 96 8.4 Formulierung von Lernzielen.................................... 98 8.5 Aufgaben von Lernzielen....................................... 100 9 Planung von Aus- und Weiterbildung............................ 103 9.1 Formen von Lehrveranstaltungen................................. 104 9.2 Prinzipien der Aus- und Weiterbildung.............................. 108 9.3 Phasen des Unterrichts........................................ 109 9.4 Unterrichtsplanung........................................... 114 10 Unterrichtsmethoden....................................... 119 10.1 Sozialformen............................................... 122 10.2 Aktionsformen.............................................. 127 11 Unterrichtsmedien.......................................... 137 11.1 Grundsätze und Funktionen des Medieneinsatzes....................... 138 11.2 Einteilung der Medien......................................... 138 11.3 Standardmedien............................................. 139 12 Lernkontrollen und Beurteilungen.............................. 147 12.1 Bezugsnormen.............................................. 148 12.2 Lernkontrollen.............................................. 149 12.3 Beurteilungen.............................................. 157 13 Soziales Management....................................... 169 13.1 Grundlagen der Kommunikation.................................. 170 13.2 Gruppenprozesse............................................ 182 13.3 Konfliktmanagement.......................................... 186 14 Grundlagen des Arbeitsrechts................................. 201 14.1 Aufgaben des Arbeitsrechts..................................... 202 14.2 Rechtliche Grundlagen des Arbeitsrechts............................ 203 14.3 Hauptgebiete des Arbeitsrechts................................... 203 14.4 Arbeitsvertrag.............................................. 205 14.5 Berufsausbildung............................................ 214 14.6 Duale Struktur der Interessenvertretung............................. 217 15 Grundlagen des Sozialrechts.................................. 221 15.1 Prinzipien der sozialen Sicherung................................. 222 15.2 Entwicklung der Sozialversicherung................................ 223 15.3 Versicherungspflicht.......................................... 224 15.4 Zweige der Sozialversicherung................................... 224 15.5 Sozialgerichtsbarkeit.......................................... 227 Serviceteil..................................................... 229 Literatur........................................................ 230 Stichwortverzeichnis............................................... 236
1 1 Qualifikationen im Rettungsdienst 1.1 Rettungspersonal 2 1.1.1 Rettungshelfer 2 1.1.2 Rettungssanitäter 3 1.1.3 Rettungsassistent 4 1.1.4 Exkurs Ausgewählte Rechtsfragen 7 1.2 Bildungspersonal 12 1.2.1 Lehrrettungsassistent 13 1.2.2 Dozent im Rettungsdienst 15 S. Pluntke, Lehrrettungsassistent und Dozent im Rettungsdienst, DOI 10.1007/978-3-642-34940-9_1, Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2013
2 Kapitel 1 Qualifikationen im Rettungsdienst 1 Eine Qualifikation ist die Fähigkeit einer Person, eine bestimmte geistige bzw. praktische Tätigkeit auf einem gewissen Niveau auszuführen. Man erreicht sie durch Aus- bzw. Fortbildung, Übung und Erfahrung. Das Spektrum der Qualifikationen im Rettungsdienst ist breit. Für die Arbeit des Lehrrettungsassistenten (LRA) und des Dozenten im Rettungsdienst (Dozent) sind vor allem die Qualifikationen des Rettungs- und Bildungspersonals von besonderem Interesse. 1.1 Rettungspersonal In Deutschland gibt es auf der nichtärztlichen Seite mehrere Qualifikationen, die sich mit der Rettung in medizinischen Notfällen beschäftigen. LRA/Dozenten sind aufgrund ihrer Stellung gleichermaßen Ratgeber und Ansprechpartner, wenn es um die (Weiter-)Qualifizierung im Rettungsdienst geht. Sie sollten deshalb mit den Grundzügen der rettungsdienstlichen Berufskunde des nichtärztlichen Personals vertraut sein. Grundlagen der Ausbildung des Personals im Rettungsdienst 4 Grundsätze zur Ausbildung des Personals im Rettungsdienst des Bund-Länder-Ausschusses Rettungswesen vom 20.09.1977 4 Rettungsassistentengesetz (RettAssG) vom 10.07.1989 4 Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Rettungsassistentinnen und Rettungsassistenten (RettAssAPrV) vom 07.11.1989 4 Rettungsdienstgesetze der Bundesländer 4 Gemeinsame Grundsätze der ausbildenden Hilfsorganisationen (ASB, DRK, JUH, MHD) für die Ausbildung von Praktikanten an Lehrrettungswachen 4 Gemeinsame Rahmenbedingungen der ausbildenden Hilfsorganisationen (ASB, DRK, JUH, MHD) zur Ausbildung der»verantwortlichen Ausbilder an der Lehrrettungswache«(Lehrrettungsassistent) jallgemeine Fortbildungspflicht Die Tätigkeit im Rettungsdienst setzt eine regelmäßige Fortbildung voraus. Rettungshelfer, Rettungssanitäter und Rettungsassistenten sind unabhängig von ihrer Qualifikation jährlich fortzubilden. Diese Fortbildung basiert zum einen auf der Empfehlung der ausbildenden Hilfsorganisationen, zum anderen auf den in den verschiedenen Ländern vorhandenen Gesetzen und Verordnungen sowie auf der Empfehlung der Bundesärztekammer zur Notkompetenz. Je nach länderrechtlichen Regelungen umfasst die Fortbildung zwischen 24 und 40 h. Sinn der medizinisch-fachlichen Fortbildungen ist die Festigung der Kenntnisse und Fertigkeiten in den notfallmedizinischen Bereichen und die Vermittlung neuer medizinischer Aspekte. Die Überwachung der Aus- und Weiterbildung des nichtärztlichen Personals obliegt dem Ärztlichen Leiter Rettungsdienst (ÄLRD). 1.1.1 Rettungshelfer 160 h 80 h 80 h Theoretische und praktische Ausbildung im Lehrgang Prüfung Die einfachste Form der Ausbildung im Rettungsdienst ist der Rettungshelfer (. Abb. 1.1). Es han delt sich dabei um Personen, die an einer über die Fachdienstausbildung für den Sanitätsdienst hinausgehenden rettungsdienstlichen Ausbildung teilgenommen haben. Aufgrund der geringeren berufsspezifischen Qualifikation sind Rettungshelfer nicht zur alleinigen Überwachung von Notfall patienten im Regelrettungsdienst geeignet. Je nach Landesrecht ist ein begleitender Einsatz auf verschiedenen Rettungsmitteln möglich. Rettungswachenpraktikum Klinikpraktikum. Abb. 1.1 Ausbildungsablauf zum Rettungshelfer nach den Grundsätzen der Hilfsorganisationen