1.5.4 Quantile und Modi. Bem [Quantil, Modus]

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1.5.4 Quantile und Modi 1.5 Erwartungswert und Varianz Bem. 1.73. [Quantil, Modus] und Vertei- Analog zu Statistik I kann man auch Quantile und Modi definieren. Gegeben sei eine Zufallsvariable X mit Wahrscheinlichkeitsverteilung P X lungsfunktion F X. a) Für α (0, 1) heißt x α zugehöriges α-quantil genau dann, wenn F (x α ) = α. Insbesondere ergeben sich für α=0.5 der Median und für α=0.25 bzw. 0.75 das 25% bzw. 75% Quantil. b) Ist X diskret, so heißt jedes x mod mit Modus von P X. P (X = x mod ) P (X = x), für alle x X 1 Wahrscheinlichkeitsrechnung 198

1.5 Erwartungswert und Varianz Ist X stetig mit Dichtefunktion f X, so heißt jedes x mod mit f X (x mod ) f X (x), für alle x X Modus von P X (bezüglich der Dichte f X ). Bem. 1.74. [Modalbereiche] Ist der Modus x mod eindeutig und X diskret, so ist dies derjenige Punkt, der die höchste Wahrscheinlichkeit besitzt, einzutreten. Dies kann man auf zusammenhängende Bereiche mit vorgegebener Sicherheit ausweiten: Sei γ (0, 1). Ein Intervall A γ R, A γ = [a, b], heiße Modalintervall zum Niveau γ, wenn gilt P (X A γ ) γ und P (X C) < γ für alle Intervalle C R, C = [c, d] mit d c < b a. Dann ist A γ X kleinster ( präzisester ) zusammengehöriger Bereich, der mindestens Wahrscheinlichkeit γ besitzt. Ist X diskret, so ist A γ X ein Bereich benachbarter Punkte, bei stetigem X mit Träger R ist A γ ein Intervall. 1 Wahrscheinlichkeitsrechnung 199

Wir behandeln hier nur die Binomial-, die Poisson- und die Normalverteilung. Einige weitere Verteilungsmodelle werden direkt dort eingeführt, wo sie benötigt werden. 1.6.1 Binomialverteilung Konstruktionsprinzip: Ein Zufallsexperiment wird n mal unabhängig durchgeführt. Wir interessieren uns jeweils nur, ob ein bestimmtes Ereignis A eintritt oder nicht. X = absolute Häufigkeit, mit der Ereignis A bei n unabhängigen Versuchen eintritt. Träger von X: X = {0, 1, 2,..., n}. 1 Wahrscheinlichkeitsrechnung 200

Herleitung der Wahrscheinlichkeitsfunktion: Bezeichne π = P (A) die Wahrscheinlichkeit für A in einem Experiment. Das Ereignis {X = x} tritt z.b. auf, wenn in den ersten x Versuchen A eintritt und anschließend nicht mehr. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist P (A 1... A x Āx+1... Ān) = π }.{{.. π} (1 π)... (1 π) }{{} x mal n x mal = π x (1 π) n x. Diese Überlegung gilt analog für jede Auswahl von x Plätzen. Insgesamt gibt es ( n ) x Möglichkeiten für die Verteilung der x Erfolge (Auftreten von A) auf n Plätze. Damit gilt: P (X = x) = ( ) n π x (1 π) n x. x 1 Wahrscheinlichkeitsrechnung 201

Definition 1.75. Eine Zufallsvariable heißt binomialverteilt mit dem Parameter π bei n Versuchen, kurz X B(n, π), wenn sie die Wahrscheinlichkeitsfunktion besitzt. f(x) = ( ) n π x (1 π) n x, x = 0, 1,..., n x 0, sonst Die B(1, π)-verteilung heißt auch Bernoulliverteilung. 1 Wahrscheinlichkeitsrechnung 202

Zum Begiff Parameter: Dies ist eine Größe, die die Wahrscheinlichkeitsverteilung steuert. Ist der Parameter bekannt, so kennt man wenn man die Modellklasse als bekannt voraussetzt die Wahrscheinlichkeitsverteilung. Später, in der induktiven Statistik, spricht man dann von parametrischen Modellen, d.h. der Verteilungstyp wird als bekannt/gegeben ( Verteilungsannahme ) vorausgesetzt (z.b. dadurch, dass man durch die Versuchsanordnung mit n unabhängigen Versuchen ein Binomialmodell erzeugt), der konkrete Wert des Parameters bzw. allgemeine Aussagen über seinen Wert sind dann anhand der Stichprobe zu bestimmen. 1 Wahrscheinlichkeitsrechnung 203

Wahrscheinlichkeitshistogramme von Binomialverteilungen mit n = 10: (graphische Darstellung der Wahrscheinlichkeitsfunktion) 1 Wahrscheinlichkeitsrechnung 204

π =0.1 π =0.25 0.4 0.4 0.3 0.3 0.2 0.2 0.1 0.1 0 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 0 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 π =0.5 π =0.75 0.4 0.4 0.3 0.3 0.2 0.2 0.1 0.1 0 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 0 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 1 Wahrscheinlichkeitsrechnung 205

Erwartungswert und Varianz: Zur Berechnung von Erwartungswert und Varianz der Binomialverteilung ist folgende Darstellung hilfreich: X = X 1 +... + X n mit den binären Variablen X i = { 1 falls A beim i-ten Versuch eintritt, 0 sonst. Die X i sind stochastisch unabhängig mit E(X i ) = 0 P (X i = 0) + 1 P (X i = 1) = π Var(X i ) = E(X 2 i ) (E(X i )) 2 = 1 P (X i = 1) π 2 = π π 2 = π(1 π). 1 Wahrscheinlichkeitsrechnung 206

Erwartungswert der Binomialverteilung: E(X) = E(X 1 +... + X n ) = E(X 1 ) +... + E(X n ) = nπ Die direkte Berechnung über E(X) = n i P ({X = i}) = i=1 n ( ) n i π i (1 π) n i =... = nπ i i=1 ist deutlich komplizierter! Varianz der Binomialverteilung: Var(X) = Var(X 1 +... + X n ) = Var(X 1 ) +... + Var(X n ) = nπ(1 π) 1 Wahrscheinlichkeitsrechnung 207

Bsp. 1.76. Risikobereite Slolalomfahrer stürzen mit Wahrscheinlichkeit 10%, vorsichtigere mit 2%. a) Schlagen Sie ein Modell für diese Situation vor und diskutieren Sie kurz die zugrunde gelegten Annahmen. b) Wie groß sind jeweils die Wahrscheinlichkeiten, dass von 20 Fahrern mindestens einer stürzt? c) Vergleichen Sie die durchschnittlich zu erwartende Anzahl von Stürzen von je 100 Rennläufern! 1 Wahrscheinlichkeitsrechnung 208

Exkurs: Zur Problematik der Argumentation mittels natürlicher Häufigkeiten (vgl. v.a. Kap 1.2 und Kap 1.3): Es wurde wiederholt vorgeschlagen, Wahrscheinlichkeiten anschaulich über natürliche Häufigkeiten zu kommunizieren, also z. B. P (A) = 0.3753 darstellen als von 10000 Personen haben 3753 die Eigenschaft A. Man würde demgemäß die Wahrscheinlichkeit π r = 0.1 kommunizieren als von 100 stürzen 10 Rennläufer. Diese Darstellung läuft Gefahr, die beträchtliche Variabilität zufälliger Prozesse zu verschleiern. In der Tat ist hier die Wahrscheinlichkeit, dass genau 10 von 100 Läufern stürzen, ( ) 100 P (X = 10) = 0.1 10 0.9 90 0.13, 10 also lediglich etwa 13%. Natürliche Häufigkeiten müssen also unbedingt als Durchschnittswerte bzw. Erwartungswerte begriffen und kommuniziert werden. 1 Wahrscheinlichkeitsrechnung 209

Eigenschaften der Binomialverteilung: Symmetrieeigenschaft (vertausche Rolle von A und Ā): Summeneigenschaft: Seien X B(n, π) und Y B(m, π). Sind X und Y unabhängig, so gilt X + Y Tabellierung der Binomialverteilung: Tabelliert ist oft P (X x) π = 0.3 n =11 n =12... x 0 0.0198 0.0138 1 0.1130 0.0850... 2 0.3127 0.2528... 1 Wahrscheinlichkeitsrechnung 210

Daraus lassen sich die interessierenden Wahrscheinlichkeiten ablesen: P (X = x) = P (X x) P (X x 1), x N 0 Zum Beispiel: P (X = 2) = P (X 2) P (X 1) = ( = 0.1997 ( ) 11 ) = 0.3 2 0.7 2. 2 Wegen der Symmetrieeigenschaft gibt es meist nur Tabellen für π 0.5. Für großes n verwendet man Approximationen durch die Normalverteilung (vgl. Abschnitt??). 1 Wahrscheinlichkeitsrechnung 211