Vereinigung Weihenstephaner Universitätsabsolventen Nr. 86 Sommer 1999

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1 Vereinigung Weihenstephaner Universitätsabsolventen Nr. 86 Sommer 1999 Landwirtschaft Gartenbau Landespflege Ökotrophologie Prof. W. Huber, Prof. W. Haber, Prof. G. Wenzel (Dekan), Prof. S. Weggemann, TU-Präsident W. A. Herrmann, Prof. G. Karg 25 Jahre»Ökotrophologie«an der Technischen Universität München in Weihenstephan Vor 25 Jahren entließ die Fakultät für Landwirtschaft und Gartenbau die ersten Absolventinnen des vier Jahre zuvor gegründeten Diplom-Studienganges Ökotrophologie. Dieses Ereignis jährte sich 1999 zum 25. Mal. Das feierte die Fakultät in einem Festakt am 18. Februar Fast gleichzeitig schied Frau Prof. Dr. Sigrid Weggemann aus dem aktiven Hochschuldienst aus. Sie hat ihr Leben der Weihenstephaner Ökotrophologie in einer Weise gewidmet, die höchste Anerkennung verdient. Entscheidend hat sie dazu beigetragen, daß der Studiengang Ökotrophologie mittlerweile die meisten Studierenden an der Fakultät vorweisen kann und einen ausgezeichneten Ruf genießt. Den Titel»Ökotrophologe«hatte die Universität Gießen für die Absolventen ihres Studienganges 1965 geschaffen. Die Bezeichnung Ökotrophologie, die ihre Wurzel im Griechischen (oicos = Haus, trophein = ernähren) hat, stieß anfänglich auf Verständnisschwierigkeiten in der Öffentlichkeit, da Assoziationen zur Ökologie aufkamen. Aber eben diese Unklarheit über den Inhalt des unbekannten Studiums bot die Möglichkeit, in Diskussionen eingehender über die Studieninhalte und die Qualifikation der Absolventen aufzuklären. Kaum jemand hat sich hier solche Verdienste erworben wie die Weihenstephaner Professorin Dr. Sigrid Weggemann. Auf ihre Initiative hin wurden Studienanfänger schon seit den siebziger Jahren umfassend über Inhalt und Organisation des Studiums sowie Berufsmöglichkeiten informiert. Dieses Angebot in Kombination mit einem klaren Studienplan ermöglicht den Studierenden einen zügigen Studienablauf ohne Umwege. Heute pendelt die Studienzeit in Weihenstephan zwischen 10 und 11,5 Semestern. Damit ist sie etwas günstiger als an den Universitäten Bonn, Gießen und Kiel. Erkenntnisobjekt der Ökotrophologie in Forschung und Lehre ist der Haushalt. Haushalte bilden die sozialen und wirtschaftlichen Elementarzellen jedes Gemeinwesens. Sie müssen die Grundbedürfnisse der in ihnen lebenden Menschen befriedigen, d.h. sie ernähren, kleiden und ihnen eine Behausung bieten, die Reproduktion sowie Erziehung der nachfolgenden Generationen sichern. Darum steht in ihrem Mittelpunkt der Mensch. Nur intakte Elementarzellen können eine intakte Gesellschaft gewährleisten. Darin liegt die enorme soziale, ethische und ökonomische Bedeutung der Haushalte für Gegenwart und Zukunft. Der Haushalt stellt darum ein Erkenntnisobjekt von höchster politischer Bedeutung dar. Den inhaltlichen Kern des Studiums der Ökotrophologie bilden seit seiner Einführung Haushalte und hauswirtschaftliche Betriebe wie z.b. Kantinen oder Heime mit ihrer weiten Vernetzung innerhalb einer sich stetig wandelnden Gesellschaft mit wechselnden Wertvorstellungen und Präferenzen. Um sie zu erkennen und damit auch beeinflussen zu können, ist es unerläßlich, die vielfältigen Funktionen von Haushalten und hauswirtschaftlichen Betrieben hinsichtlich Ablauf, Hilfsmitteln, Erfolg und Konsequenzen für Mensch, Gesellschaft und Umwelt zu erfassen, zu analysieren und zu bewerten. Darin spiegelt sich die Komplexität des Forschungs- und Lehrgebietes»Ökotrophologie«wider. Diese stellt an Forscher, Dozenten und Studierende besondere Anforderungen und unterstreicht nachdrücklich die Notwendigkeit zu interdisziplinärer Kooperation und vernetztem Denken. Gerade diese Anforderungen eröffnen den Absolventen Berufschancen, welche Spezialisten aus Fortsetzung Seite 2

2 2 aktuell 25 Jahre»Ökotrophologie«an der Technischen Universität München in Weihenstephan Fortsetzung von Seite 1 anderen Studiengängen verschlossen bleiben. Gemäß dem Motto»Stärken stärken«erscheint es deshalb konsequent, das bisherige Grundkonzept des Ökotrophologiestudiums in Weihenstephan weiterzuverfolgen und auf die zu enge Spezialisierung zugunsten einer Ausbildung von breit einsetzbaren Generalisten zu verzichten. Soweit sich der berufliche Werdegang Weihenstephaner Absolventen verfolgen läßt, gibt die Berufspraxis diesem Konzept recht. Anfänglich beschränkte sich das Stellenangebot für die Absolventen des Studienganges auf den höheren landwirtschaftlich-hauswirtschaftlichen Dienst beim Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Alle übrigen Berufsfelder, in denen heute Ökotrophologen aus Weihenstephan anzutreffen sind, mußten sie sich in zäher Pionierarbeit durch fachliche Kompetenz, Fleiß, persönliche Einsatzbereitschaft und Leistungsfähigkeit neu erschließen. Dazu gehören Einsatzgebiete wie z.b. Großhaushalte, Industrie, Beratung. Als Beispiele für neu erschlossene Berufsmöglichkeiten aus letzter Zeit seien genannt: Medien, Gastgewerbe und Fremdenverkehr sowie Umweltberatung für Haushalte, Finanzwesen, Gesundheitswesen. Ökotrophologiestudenten haben stets ein überdurchschnittliches Interesse an einem Studienaufenthalt im Ausland gezeigt. So beteiligten sich am Erasmus-Programm aus dem Studiengang Ökotrophologie mehr Studierende als aus irgend einem anderen Studiengang der TU München. Weitgespannt sind auch die internationalen wissenschaftlichen Kontakte und Kooperationen der Lehr- und Forschungseinheiten der Ökotrophologie. Auf allen Kontinenten gibt es ausländische Partner. Gastwissenschaftler aus aller Welt sind eine häufige Erscheinung. Derzeit wird überlegt wie das Ökotrophologiestudium an die geplante Bachelor-Master-Struktur angepaßt werden kann, ohne seine in mühevoller Arbeit über ein Vierteljahrhundert erreichte und vom Arbeitsmarkt stets honorierte Qualität zu beeinträchtigen. Die Absicht, an die Stelle der bisher bewährten inneruniversitären Struktur ein Departmentsystem zu setzen, droht die bisher unter dem Dach der Ökotrophologie vereinten unterschiedlichen Fachgebiete auseinanderzureißen. Die Ökotrophologie als sehr junger Wissenschaftszweig könnte dadurch gehindert werden, sich wie schon bisher durch interdisziplinäre Zusammenarbeit eine ähnlich gesicherte Basis zu schaffen wie seit langem etablierte Wissenschaften. Interdisziplinäre Ansätze sind der Ökotrophologie angesichts ihres Erkenntnisgegenstandes Haushalt auf den Leib geschneidert. Sie sollten nicht durch forcierte intradisziplinäre Kontakte in Departments zurückgedrängt werden. Interdisziplinäre Kooperation in Lehre und Forschung auch unter widrigen äußeren Umständen zu verwirklichen, ist die entscheidende Herausforderung der Zukunft für alle in der Ökotrophologie tätigen Wissenschaftler. Prof. Dr. Gerhard Wildbrett/ Prof. Dr. Joachim Ziche Inhalt Aktuell 25 Jahre»Ökotrophologie« Festakt Ökotrophologie Jahre Krabbelstube Weihenstephan Gerste contra Mehltau Neues Mineral: Schwertmannit Studentische Arbeiten in Entwicklungsländern Abbau / Immobilisierung von Trinitrotoluol in Böden....8 Humusdynamik Indikator für nachhaltige Landnutzung....8 Räumliche Variation des Bodenwassergehaltes Sorption hydrophober Umweltchemikalien Wareneingangsprüfung bei Verarbeitungsfleisch Heißluftdämpfer für gewerbliche Küchen Neue Medien für alte Industrieanlagen Außenlager Mühldorf Geräte zur physikalischen Unkrautregulierung Neuer Freisetzungsversuch in Roggenstein Mißbrauch / Biodegradation von Sexualhormonen...13 Rückgang der Fischart Äsche PC-Museum im Internet Ökologische Produktion / regionale Vermarktung Entwicklung von Ackerwildpflanzen Zweinutzungsgeflügel Dissertationen Der Landwirt als Anbieter von Dienstleistungen Umweltbewußtsein und Information Erosionsanfälligkeit unterschiedlich genutzter Böden...16 Personen Altrektor Prof. Dr. Dr. h.c. Gustav Aufhammer Manfred Kirchgeßner Hugo Steinhauser Hannelore Daniel Walter Feucht Weitere Mitteilungen aus den Lehrstühlen Ackerbau und Informatik im Pflanzenbau Botanik Bromatologie Ernährungswissenschaften Haushalttechnik Landschaftsarchitektur und Planung Landschaftsarchitektur und Entwerfen Landtechnik Marktlehre Obstbau Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung Physiologie Phytopathologie Sozialökonomik des Haushalts Tierernährung und Ernährungswissenschaft Tierhaltung und Verhaltenskunde Tierhygiene/Fischbiologie Tierwissenschaften Vegetationsökologie Wirtschaftslehre des Gartenbaus Wirtschaftslehre des Landbaues Impressum Veranstaltungskalender-Vorschau Beitrittserklärung/Änderungsmitteilung

3 In eigener Sache aktuell 3 Unsere Mitteilungen erscheinen jetzt zum zweiten Mal in ihrem neuen Format. Die Reaktionen unserer Mitglieder auf die neue Form verstehe ich gemäß dem alten Spruch aus der Juristerei:»Schweigen bedeutet Zustimmung«. Ausdrückliche Zustimmungen erreichten mich wenige. Ein Mitglied schrieb mir:»die neuen Mitteilungen sind jetzt so groß, daß sie gut in einen Leitzordner passen und so dünn, daß sie auch ein Haushaltslocher unbeschadet bewältigen kann. Abheften wird man die Mitteilungen, wenn sie interessant sind. Letzteres hängt natürlich auch vom Leser ab.«ich hoffe, daß auch die Ihnen jetzt vorliegende Sommer-Ausgabe für jeden Leser etwas so Interessantes enthält, daß er das Heft abheften würde, falls er überhaupt einen entsprechenden Leitzordner angelegt hätte. Unsere Mitgliederzahl hält sich bei rund Personen. Es liegt in der Natur des Menschen, daß unsere ältesten Diplomjahrgänge jetzt in ein Alter vorgerückt sind, in dem das Leben des Menschen zu Ende zu gehen pflegt. Das führte uns kürzlich der Jahrgang 1949 vor Augen. Diese»Goldenen Absolventen«trafen sich vom Mai hier in Weihenstephan. Frau Dr. Hanna Thierer aus Freising, selber Neunundvierzigerin, hatte nach manchmal langwierigen Verhandlungen ein beeindruckendes Programm zusammengestellt. Im Dekanatssaal in der Alten Akademie, dem»asamsaal«, begrüßte der Prodekan, Prof. Dr. Forkmann, die hochwillkommenen Gäste. Sie informierten sich dabei auch über das»agrarstudium gestern und heute«, besichtigten das Agrarmuseum am Schafhof, die neue Weihenstephaner Molkerei und das auf ökologischen Landbau umgestellte Versuchsgut Viehausen. Dieser Besuch verschaffte uns»aktiven«eine der eher selten gewordenen Gelegenheiten, uns an die Bedingungen erinnern zu lassen, denen die ersten Nachkriegssemester in Weihenstephan ausgesetzt waren. Frau Dr. Thierer beschreibt sie so: Studienbeginn Wintersemester 1946: alle Kommilitonen waren Kriegsteilnehmer und froh, aus dem Inferno mehr oder weniger heil herausgekommen zu sein. Auch die Kommilitoninnen hatten Arbeitsund Kriegsdienst hinter sich. Manch einer hatte seine Heimat in den Ostgebieten verloren. Die zur Verfügung stehenden Hörsäle Weihenstephan war damals noch teilweise von der amerikanischen Militärregierung besetzt waren in diesem Winter fast ungeheizt, so daß die Studenten in Mänteln in den Vorlesungen saßen. Die Kleidung war aus heutiger Sicht spärlich bis ärmlich. Textilien wurden ja nur auf Bezugscheine abgegeben. Nahrungsmittel gab es nur auf Lebensmittelmarken oder teuer auf dem Schwarzen Markt. Studenten aus der Landwirtschaft boten Lebensmittel zum Tausch an. Ohne Marken war in den Freisinger Gaststätten ein sogenanntes Stammgericht zu haben, das in der Regel aus Kartoffelgemüse mit einer undefinierbaren Soße oder aus Blutwurstgröstel bestand. Später wurde auf amerikanische Initiative hin Schulspeisung an die Studenten ausgegeben: Grieß- oder Reisbrei mit Rosinen. Die Studenten wohnten meistens in gemieteten Zimmern bei Freisinger Familien, die einfach eingerichtet, aber preisgünstig waren. Studentenwohnheime gab es noch nicht. Etliche Kommilitonen waren in der glücklichen Lage, als Fortbewegungsmittel ein Fahrrad zu besitzen. Motorrad oder gar Auto war nur ein Traum. Die Lebensweise der Studenten war äußerst einfach und bescheiden. Fachbücher waren kaum zu haben, am Anfang gab es noch nicht einmal Skripten. Einige Studenten, die gut stenographieren konnten, schrieben die Vorlesungen mit. Das Stenogramm wurde auf eine Schreibmaschine übertragen, auf der mehrere Durchschläge gefertigt wurden. Die gingen dann von Hand zu Hand. In das Sommersemester 1948 fiel die Währungsreform. Die Reichsmark wurde abgewertet und jeder erhielt 40 DM als Kopfgeld. Genau um diese Zeit waren die Hörgelder fällig, denn damals mußten noch Studiengebühren bezahlt werden. Da kaum einer sie bezahlen konnte, wurden sie gestundet. Hörgeldermäßigung gab es nur, wenn man Semestralprüfungen ablegte (Semestralprüfungen waren in der Regel mündliche Prüfungen über den Stoff eines Semesters, sie waren unmittelbar im Anschluß an das Semester abzulegen). Nach der Währungsumstellung war plötzlich wieder alles zu haben, aber das Geld war knapp. Gleich nach dem Sommersemester 1949 legten wir in einem Zuge unsere Diplomhauptprüfung ab. Die meisten Kommilitonen gingen in den Staatsdienst, wo sie als Referendare anfingen. Einige kamen in der Industrie an, die langsam angekurbelt wurde. Jeder fand Arbeit und konnte nun daran denken, nach langen Jahren der Entbehrung vom Kriegsbeginn bis Studienende 1949 waren das immerhin zehn Jahre sein Leben nach eigenen Wünschen zu gestalten. Seit dreißig Jahren kommt das alte Semester Jahr für Jahr für ein paar Tage zusammen. Es ist selten geworden, daß Menschen nach so langer Zeit immer noch zusammenhalten, aber gerade die schweren Jahre haben uns zusammengeschweißt. Wie sagt doch eine alte Weisheit: Not verbindet Wohlstand trennt. In diesem Jahr wollen sich auch die Absolventen zusammenfinden, die zehn Jahre nach unseren»goldenen«ihre Diplome in Empfang nahmen, also die Absolventen des Jahrgangs Sie werden ihr Programm mit dem Hochschultag 1999 am Freitag, 19. November 1999, in Weihenstephan kombinieren. Alles Nähere erfahren die 59er in einem persönlichen Brief, den ich selber 59er ihnen rechtzeitig zugehen lassen werde. Den 19. November sollten sie sich aber schon jetzt freihalten. Der Hochschultag 1999 ist im übrigen ein Termin, den sich alle unsere Mitglieder sogleich in ihre Terminkalender eintragen sollten. Das Vorbereitungskommittee unserer Fakultät ist dabei, ein Programm auszuarbeiten, das möglichst alle Interessen unserer Mitglieder berücksichtigt. Wir hoffen, daß bis dahin auch einige schwerwiegen- de politische Entscheidungen gefallen sein werden, an denen die Zukunft unserer Alma Mater hängt. Dazu gehören u.a. Entscheidungen über die künftige administrative Zugehörigkeit der Forstwissenschaftlichen Fakultät der Ludwig Maximiliansuniversität München, den Umzug und die Eingliederung der biologischen Lehrstühle der TU München aus der Münchner Innenstadt und aus Garching nach Weihenstephan sowie die Gestaltung der wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Lehrstühle unserer eigenen Fakultät. In diesem Heft ist es noch zu früh, im einzelnen über die künftige Gestalt des Life and Food Science Center Weihenstephan zu berichten, noch ist zu vieles im Fluß. Prof. Dr. Joachim Ziche Geschäftsführer der Vereinigung Weihenstephaner Universitätsabsolventen

4 4 aktuell Festakt Ökotrophologie an der Fakultät für Landwirtschaft und Gartenbau in Weihenstephan am 18. Februar 1999 Am 18. Februar 1999 veranstaltete der Diplom- Studiengang Ökotrophologie aus doppeltem Anlass einen Festakt im Zentralen Hörsaalgebäude der TUM Freising-Weihenstephan: Zum einen wurde das 25jährige Jubiläum der Verabschiedung der ersten Absolventen des Studiengangs Ökotrophologie gefeiert. Die Anfänge des Studiengangs reichen in das Jahr 1965 zurück. Zunächst bestand er in einer sechs-semestrigen Form als Haushalts- und Ernährungswissenschaften. Der Ausbau zum achtsemestrigen Diplom-Studiengang Ökotrophologie erfolgte zum WS 1970/71. Vier Jahre später konnten die ersten Diplom-Ökotrophologinnen und -Ökotrophologen entlassen werden. Dieses Ereignis jährte sich nun zum 25. Mal. Zum anderen beendete Frau Prof. Dr. Sigrid Weggemann im Herbst 1998 ihren aktiven Hochschuldienst. Sie wirkte, nach Studium und Promotion im Fachgebiet Ökotrophologie an der Universität Gießen, seit 1974 in Weihenstephan im Fach Verbrauchs- und Beratungslehre. Als langjährige Vorsitzende der Studienkommission Ökotrophologie war Frau Weggemann maßgeblich an der Entwicklung des Studiengangs beteiligt. Beide Ereignisse waren Anlass für die Ökotrophologie, ihre Absolventen, Freunde und Förderer zu einem Festakt einzuladen. Trotz des ungünstigen Winterwetters fand die Veranstaltung einen sehr großen Zuspruch. Grußworte zum Festakt sprachen Prof. Dr. Gerhard Wenzel (Dekan der Fakultät für Landwirtschaft und Gartenbau), Prof. Dr. Drs. h.c. Wolfgang A. Herrmann (Präsident der Technischen Universität München) und Ministerialdirektor Anton Adelhardt (Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten). Mit Prof. em. Dr. Dr. h.c. Wolfgang E. Haber konnte ein inner- und außerhalb unserer Alma Mater hochgeschätzter Wissenschaftler als Festredner zum Thema»25 Jahre Absolventen der Ökotrophologie«gewonnen werden. Herr Haber war Dekan der Fakultät in den Gründerjahren des Diplom-Studiengangs und kennt deshalb die Ökotrophologie von Anfang an. In seiner Festrede würdigte Herr Haber objektiv und kompetent die Entwicklung des Studiengangs. Absolventinnen der vergangenen 25 Jahre berichteten über ihre Berufserfahrungen in folgenden Branchen: Frau Dr. Weinberger-Miller in der Forschung an der Bayerischen Landesanstalt für Ernährung, Frau Dr. Exl im Marketing eines internationalen Lebensmittelkonzerns, Frau Dr. Thamm im Management einer regionalen Geschäftsbank und Frau von Cramm als freie Journalistin. Prof. Dr. Georg Karg hielt die Laudatio auf Frau Prof. Dr. Sigrid Weggemann. Durch die langjährige Zusammenarbeit am Institut für Sozialökonomik des Haushalts kennt er aus nächster Nähe das außerordentliche Engagement von Frau Weggemann für die Ökotrophologie. In der Forschung hat sie sich mit den Themenbereichen Konsumentenverhalten einschließlich Informationsverhalten sowie Beratung auf den Gebieten Haushalt, Ernährung und Gesundheit befasst. Aus diesen Arbeiten heraus hat sie in der Lehre die Fächer Verbrauchs- und Marktlehre sowie Beratungs- und Kommunikationslehre aufgebaut. Die starke Nachfrage und die große Anzahl von Diplomarbeiten auf diesen Gebieten belegen den Erfolg ihrer Lehrtätigkeit. Als Vorsitzende der Studienkommission Ökotrophologie (1979 bis 1996) wirkte sie wegweisend an der Gestaltung des Fächerangebotes mit. Die Pflege der Kontakte zu den Studierenden vor, während und nach dem Studium war ihr stets ein besonderes Anliegen. Daher war dank Frau Weggemann die Studienbetreuung im Studiengang Ökotrophologie schon viele Jahre Praxis, bevor sie offizielles Programm der Fakultät wurde. Ihr Engagement hat mit dazu beigetragen, dass der Studiengang Ökotrophologie inzwischen der zahlenstärkste der Fakultät ist. Herr Karg dankte Frau Weggemann für ihren Einsatz zum Wohl des Studiengangs und der Studierenden und wünschte ihr Gesundheit und Glück für die Zukunft. Eine Zwischenbilanz des in den vergangenen 25 Jahren Geleisteten stellt die Festschrift»Ökotrophologie Wissenschaft für die Menschen«dar, die Prof. Dr. Günter Wolfram im Rahmen des Festakts der Öffentlichkeit überreichte. Die Festschrift enthält einen Rückblick auf die bisherige Entwicklung des Studiengangs Ökotrophologie, einerseits in seinem nationalen und internationalen Kontext, andererseits speziell am Standort Weihenstephan. Sie enthält außerdem einen Überblick über das gegenwärtige Studienangebot der Ökotrophologie in Weihenstephan und gibt einen Einblick in das Arbeitsgebiet von Frau Weggemann. Da der Festakt mitten in die strukturpolitischen Überlegungen zum»center of Life Sciences«am Standort Weihenstephan fiel, gingen die Vortragenden mehrfach auf die Diskussion über die weitere Entwicklung des Studiengangs Ökotrophologie in Weihenstephan ein. Angeregt durch TU-Präsident Prof. Herrmann haben die Beratungen bislang zu vielfältigen Ergebnissen geführt. Beispiele sind das Leitbild Ökotrophologie und die geplante Neukonzeption des Studienganges Ökotrophologie. Letztere ist durch die Internationalisierung der Abschlüsse (Bachelor- und Masterabschluss) und die Einführung von Vertiefungsrichtungen charakterisiert. Die geplanten Änderungen sollen die Zukunftsfähigkeit der Ökotrophologie gewährleisten und dafür sorgen, dass dieser Studiengang auch weiterhin der begehrteste am Standort Weihenstephan bleibt. Diese Erwartung erhält Rückenwind aus der Studienstatistik der Fakultät. Danach haben sich für das Wintersemester 1998/99 insgesamt 245 Studierende um einen Ökotrophologie-Studienplatz in Weihenstephan beworben, von denen aufgrund der bestehenden Numerus-Clausus-Regelung aber nur 116 zum Studium in Weihenstephan zugelassen werden konnten.

5 10 Jahre Krabbelstube Weihenstephan aktuell 5 Die studentische Elterninitiative e.v. mit Sitz in Freising wurde im Oktober 1989 mit dem Ziel gegründet, die Situation studierender Eltern an den Hochschulen in Weihenstephan zu verbessern. In erster Linie wurde dieses Ziel mit der Übernahme der Trägerschaft der»krabbelstube«als Betreuungseinrichtung für Kinder studierender Eltern verwirklicht. Aber der Verein sieht seine Aufgabe auch darin, studierende Eltern während des Studiums zu unterstützen. Kinder zu erziehen und gleichzeitig zu studieren ist mit einem großen Organisationsaufwand verbunden und oft entstehen trotz Krabbelstube Engpässe, so daß die Krabbelstube nicht nur Betreuung für die Kinder bietet, sondern auch den Eltern in vergleichbarer Lebenssituation die Möglichkeit zur gegenseitigen Unterstützung gibt. Die Krabbelstube In der Krabbelstube werden ganztags 12 Kinder studierender Eltern im Alter von ein bis drei Jahren betreut. Zur Betreuung der Kinder stehen eine Erzieherin als Leiterin der Einrichtung und eine Kinderpflegerin zur Verfügung. Zudem werden zwei Praktikantinnen der Fachoberschule (FOS) in Freising, Bereich Soziales, im Rahmen des schulbegleitenden Praktikums in der Krabbelstube ausgebildet. In einem ehemaligen Betriebsgebäude der TU München Weihenstephan stehen ein großer Gruppenraum mit Holzdielenboden, ein Ruheraum, kindgerechte sanitäre Einrichtungen und ein Büro zur Verfügung. Vor dem Gebäude befindet sich eine Außenspielfläche mit einem Sandkasten und verschiedenen Spielgeräten. Der Gruppenraum und die Außenfläche wurden von den Eltern selbst gestaltet. So entstanden 1996 unter dem Motto»natürliche Spielgeräte«ein Doppelkreis aus jungen Weiden und ein Tunnel für Lauf- und Krabbelspiele. In diesem Jahr wurde eine Erweiterung der Rasenfläche genehmigt, so daß nun die Gestaltung dieser zusätzlichen Spielfläche ansteht. Neben denjenigen Eltern, die als»gartenwarte«ideen und Planung für eine modellierte Hügelspiellandschaft entwickelt haben, sind auch alle anderen Eltern gefragt, wenn es um die Gartenarbeit geht. Voraussetzung für die Aufnahme in die Krabbelstube ist, daß mindestens ein Elternteil studiert. Zudem ist aber auch eine aktive Beteiligung der Eltern an der Gestaltung und Organisation der Krabbelstube notwendig. Um einen reibungslosen Ablauf in der Krabbelstube zu gewährleisten müssen die Eltern auch einen nicht unerheblichen Anteil an Aufgaben und Diensten übernehmen. Dazu zählen die Zubereitung des Mittagessens, das Putzen der Einrichtung, Wäsche waschen, Wartungs- und Reparaturarbeiten und auch, soweit erforderlich, die Mitbetreuung der Kinder. In der Regel werden studierende Eltern auch als Vorstände gewählt. Es können aber auch andere Mitglieder als Vorstand gewählt werden. Das Konzept Schwerpunkte des pädagogischen Konzeptes sind: ò Aufgreifen gegenwärtiger Situationen das bedeutet zum Beispiel im Winter den ersten Schnee aktiv zu erleben, sich Gedanken über das Leben eines Regenwurmes zu machen oder bei starkem Wind Drachen steigen zu lassen. Daß Geburtstage bei Kakao, Kuchen und Kerzenschein gebührend gefeiert werden, versteht sich von selbst. ò Gemeinsames Musizieren Lieder rund ums Jahr sind ein fester Bestandteil der»krabbelstubenwoche«. Wer noch Schwierigkeiten mit dem Text hat, summt einfach mit oder wiegt sich im Rhythmus der Musik. ò Basteln, Malen, Singen, Tanzen da werden zum Beipiel Ostereier bemalt, Gläser zu bunt beklebten Windlichtern umfunktioniert oder auch mal die Betreuerinnen porträtiert. ò Sinneserfahrung in der Natur und das Erleben der Jahreszeiten spielen eine wichtige Rolle in der Krabbelstube. Häufige Spaziergänge zu jeder Jahreszeit und auch Ausflüge in den Wald machen es den Kindern möglich, die Veränderungen in der Natur im Jahreskreis bewußt zu erleben. Kinder fühlen sich ja bekanntlich im Freien am wohlsten und genießen besonders den zur Krabbelstube gehörenden Garten. ò Vollwertige Ernährung Besonderen Wert legen wir auf eine vollwertige Ernährung unserer Kinder und darauf die Krabbelstube möglichst mit Produkten aus kontrolliertem, biologischem Anbau zu versorgen. Finanzierung Über Geld spricht man bekanntlich nicht, man hat es. Wir haben nur sehr wenig Geld zur Verfügung und sind deshalb auf Unterstützung in Form von Geld- und Sachspenden angewiesen. Nach 10 Jahren Krabbelstube muß natürlich einiges Spielmaterial ersetzt werden, Bastelmaterialien müssen angeschafft werden, und auch die Erweiterung des Gartens ist mit Kosten verbunden. Das Studentenwerk München unterstützt den Trägerverein und somit die Krabbelstube auf der Grundlage des Bayerischen Hochschulgesetzes. Der finanzielle Spielraum des Vereins ist aber sehr eng gesteckt. Durch die straffe Organisation konnte der Verwaltungsaufwand auf ein Minimum reduziert werden, damit der vorhandene Etat ganz der Betreuungseinrichtung zugute kommt.

6 6 aktuell Identifizierung und molekulare Lokalisierung neuer Resistenzloci der Wildgerste (Hordeum vulgare ssp. spontaneum) gegen Mehltau (Erysiphe graminis f.sp. hordei) lautet das Thema der Dissertation von Dr. Ralf-Michael Schönfled. Am dies academicus 1998 wurde er dafür mit einem Preis des Bundes der Freunde der TUM ausgezeichnet. Hier stellt er die Arbeit vor, die er bei Prof. Gerhard Fischbeck, emeritierter Ordinarius für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung der TUM in Freising-Weihenstephan, angefertigt hat. Neues Mineral: Schwertmannit Giftfänger im Bergbauabraum Das Elektronenmikroskop zeigt die igelartigen Kristallaggregate des neu entdeckten Minerals Schwertmannit, der in den saueren Bergbauwässern in großer Menge gebildet wird. Der Mehltaupilz Erysiphe graminis parasitiert in der obersten Gewebeschicht von Getreideblättern und ist auf die unterschiedlichen Getreidearten sehr stark spezialisiert. Er zählt zu den bedeutendsten Krankheitserregern weltweit; besonders in den Ländern der gemäßigten Klimazonen verursacht er erhebliche Verluste von Ernteerträgen und Brauqualitäten. In Deutschland wird Gerste entweder als Wintergetreide zur Tierfütterung oder Sommergetreide zur Malzerzeugung angebaut. Zur wirtschaftlichen und Ökologischen Basis der landwirtschaftlichen Pflanzenproduktion gehört die Züchtung gesunder Sorten gegenüber den Krankheitserregern. Eine erfolgreiche Resistenzzüchtung wie zum Beispiel gegen den Gerstenmehltau ist darauf angewiesen, natürliche Genressourcen zu erforschen und zu bewahren. Die wichtigste Genquelle und gleichzeitiger Vorläufer der Kulturgerste ist die Wildgerste, deren Verbreitungsgebiet sich vom Südosten der Türkei un dem Kaukasus über Syrien und Israel bis Äthiopien nach Nordafrika erstreckt. Zwischen Mehltaupilz und Wildgerste hat eine gemeinsame Evolution (Ko- Evulution) zwischen Wirt und Parasit stattgefunden, die sich durch eine ungewöhnlich hohe Mannigfaltigkeit und Einmaligkeit von Resistenzgenen seitens der Gerste besonders in den Regionen Israels manifestiert hat. Diese Gene sind durch die über Jahre andauernde Kultivierung der Gerste vielfach verlorengegangen und werden Gerste contra Mehltau Erforschung von Resistenzgenen jetzt über Forschungsprojekte zurückgeholt. In 15 Pflanzenlinien wurden 20 unterschiedliche Resistenzgene gegen Mehltau untersucht. Die erste Analyse dieser Gene ergab, daß keines von ihnen bereits identifiziert worden war. Nun ging es darum herauszufinden, auf welchen Chromosomen diese Gene liegen. Gene sind auf den Chromosomen entweder auf verschiedene Positionen (Genorte oder Genloci) verteilt oder befinden sich auf identischen Positionen und werden dann als Allele bezeichnet. Bisher waren in der Kulturgerste auf vier (Chromosom 2, 4, 5, 6) der insgesamt sieben Chromosomen Mehltauresistenzgene bekannt gewesen. Mit Hilfe gentechnisch entwickelter Gen-Marker hier wurden RFLPs (Restriktions-Fragmentlängen-Polymorphismen) eingesetzt deren Position auf den Chromosomen bereits bekannt war, konnten 14 der 20 Gene auf den Chromosomen 1 und 7 identifiziert werden. Diese Gene verteilten sich dort auf drei unterschiedlichen Genloci. Nur drei Gene fanden sich auf bereits bekannten Genpositionen wieder, während die Positionen dreier weiterer Resistenzgene nach wie vor unbekannt bleibt. Der Abstand zwischen Gen-Marker und Resistenzgen auf dem Chromosom ist zum Teil so gering, daß der Gen-Marker ähnlich wie beispielsweise bei der Früherkennung von Erbkrankheiten in der Humanmedizin zur Diagnose eingesetzt werden kann. Auf diese Weise ist es mit solchen Markern nicht nur erstmals gelungen, neue Genposition für Gerstenmehltau-Resistenzgene in großem Ausmaß zu identifizieren, sonder mit ihrer Hilfe wird es auch erstmals möglich sein, die Gene in neuen Gerstensorten gezielt zu kombinieren. Vorteil: Der Mehltaupilz kann die Resistenz dieser Sorten schwerer überwinden, und die Sorte wird länger gesund bleiben. Die Funktionsweise der Resistenzgene ist bisher unbekannt, aber es gebt Indizien dafür, daß diese Gene an der spezifischen Erkennung des Parasiten beteiligt sind und zielgesteuert dessen Abwehr einleiten. Der Mehltaupilz hat Mittel und Wege gefunden, der Erkennung durch die Pflanze zu entgehen; derartige Resistenzdurchbrüche sind in Deutschland bereits beobachtet worden. Der Pilz verhält sich dabei nicht einheitlich, und je nach Fähigkeit, ein Resistenzgen zu durchbrechen, unterscheidet man seit den 30er Jahren verschiedene Mehltaurassen. Die Wildgerste begegnet während ihrer Evolution diesen Resistenzdurchbrüchen, indem sie ständig neue Resistenzgene produziert. Diese Gene sind nun die Quelle für die Kulturgerste weltweit. Aus: TUM Mitteilungen 4-98/99 Wässer, die aus Bergbauabraum abfließen, können Ökosysteme erheblich schädigen. Eine internationale Wissenschaftlergruppe am Lehrstuhl für Bodenkunde der TUM in Freising-Weihenstephan (damalige Leitung: Prod. Udo Schwertmann) entdeckte in solchen Abwässern große Mengen eines neuen Minerals, das sich als Fänger für toxische Stoffe erwies und den Namen Schwertmannit erhielt. Viele wertvolle Stoffe, die der Bergbau an die Oberfläche befördert, wie etwa Braunkohle und Buntmetallerze, enthalten Pyrit. Kommt diese auch Schwefelkies genannte Verbindung auf den Abraumhalden mit Luft und Wasser in Berührung, zerfällt sie: Spezielle Bakterien oxidieren den Schwefel zu Schwefelsäure und das Eisen vom 2- wertigen zum 3-wertigen. Diese Oxidation hat weitreichende Folgen: Die von den Halden abfließenden Wässer enthalten große Mengen Schwefelsäure, die ihnen extrem tiefe ph-werte (bis <1) bescheren. Sie sind überdies reich an Eisen und mit den unterschiedlichsten, zum Teil toxischen Elementen aus dem Pyrit belastet. Hohe Säuremengen, Arsen, Selen und viele Schwermetalle wie Kupfer, Blei, Zink und Cadmium wandern so in aquatische und terrestrische Ökosysteme meist zu deren Schaden. In Gewässern, die solche Abwässer aufnehmen müssen, können zum Beispiel Fische nicht überleben. Im amerikanischen Bundesstaat Ohio sind etwa km Wasserläufe verseucht, in den gesamten USA rund km, ha Seen und Wasserreservoirs, gespeist von 5 x t Abraum auf mehr als Halden. Das Schicksal der toxischen Stoffe aus den Grubenund Bergwässern ist daher von großem ökologischem Interesse. Ob sie ökologisch wirksam werden, hängt allerdings unter anderem von den Mineralen ab, die sich bilden, wenn die sauren Wasser in ihrem weiteren Verlauf allmählich neutralisiert werden. Dann fällt nämlich das Eisen als Eisenoxid-Schlamm aus, der die Bäche und Teiche durch leuchtende Farben zwischen Rot und Orange auffällig färbt, und mit ihm das meiste dieser toxischen Stoffe. Wie funktioniert das? In den Schlämmen waren bisher keine kristallinen Eisenoxide erkannt worden; man sprach daher von

7 Studentische Arbeiten in Entwicklungsländern Weihenstephan ist zwar nicht so wie andere deutsche Agrarfakultäten auf die Ausbildung von Fachleuten für Landwirtschaft und Gartenbau in den Tropen und Subtropen spezialisiert, aber es gibt doch immer wieder bemerkenswerte studentische Arbeiten auf diesem Gebiet. Nur ein Beispiel: Ein Gartenbaustudent hat kürzlich eine Diplomarbeit mit dem Thema»Chancen guatemaltekischer Gemüsekooperativen«abgeschlossen. Dafür reiste er mehrere Male nach Guatemala und lebte dort monatelang mit den einheimischen Indianern unter einem Dach. Die Arbeit hat folgenden Inhalt: Rund Tote forderte der 36- jährige Bürgerkrieg in Guatemala. Der im Dezember 1996 unterschriebene Friedensvertrag zwischen den Militärs und der Guerilla konnte bislang keine Verbesserungen der Infrastruktur auf dem Lande bewirken. Große Finanzmittel wurden seitens der guatemaltekischen Regierung vertraglich zugesagt. Zwischen den beiden großen Ethnien Guatemalas, den Indígenas (Mayanachfahren) und den Ladinos (Spaniernachfahren) herrscht ein tiefer Rassismus. Die Analphabetenquote beträgt 44%. Die gesellschaftlich und wirtschaftlich ausgegrenzten Indígenas, denen rund 50% der Bevölkerung Guatemalas angehören, sprechen Spanisch nur als Fremdsprache. In ihren Dörfern verständigen sie sich in einer der 25 verschiedenen Indianersprachen. 65% der landwirtschaftlichen Flächen konzentrieren sich auf 2,6% der Großgrundbesitzer Guatemalas schlug der bisher einzige Versuch einer Agrarreform fehl. Die kleinbäuerliche Landwirtschaft der indigenen Bauern hat sich seit Jahrhunderten bis heute nicht geändert: Traditionell werden Mais und Bohnen, seit 12 Jahren auch Gemüse per Hand und Hacke angebaut. Eine Vielzahl unterschiedlichster Vermarktungskanäle erschwert die Übersicht über den regionalen Gemüseabsatz. Der hohe Bevölkerungsdruck im Hochland führte bereits zu Landknappheit und starken Erosionsschäden. Der Begriff»Kooperative«steht in Guatemala für den»problematischen aber auch vorteilhaften Doppelcharakter«einer»Personengemeinschaft und Unternehmung.«Die Wurzeln der»gemeinsamen Kooperation«reichen weit in die Zeit der Mayas zurück. Ein General importierte 1903 den Kooperativengedanken aus England zur Entwicklung der ländlichen Region wurde das heute noch gültige Kooperativengesetz,»Ley General de Cooperativas«, verabschiedet. Jedoch waren von den offiziell registrierten Kooperativen im Jahr 1994 lediglich 751 aktiv. Auf der Grundlage der Rahmenbedingungen für Gemüsekooperativen und des Genossenschaftswesens in Guatemala wurden für die Diplomarbeit zwei Gemüsekooperativen und eine Gemüsevereinigung auf ihre Entwicklungschancen hin analysiert. Es lassen sich folgende Ergebnisse festhalten: ó Die Bildung und Ausbildung stellt aufgrund des niedrigen Bildungsniveaus eine wichtige Grundvoraussetzung für die Entwicklung einer Kooperative dar. Mit zunehmendem Wettbewerb auf den Märkten ist qualifiziertes und spezialisiertes Personal notwendig. ó Die staatlichen Einrichtungen funktionieren schlecht. Ihr Jahresetat ist zu niedrig. Ohne Dezentralisierung, besser bezahlten Fachkräften, Fortbildungen für das Personal und der nötigen Fahrzeuge kommen die Berater nicht beim»kunden«, dem Kleinbauern und der Kooperative, an. ó Die Indígenas werden in Bereichen des öffentlichen Lebens immer noch als Personen zweiter Klasse behandelt. Zu Konflikten kann es kommen, wenn Indígenas und Ladinos auf verschiedenen Ebenen in einer Kooperative zusammenarbeiten. ó Die Frauen gelten als verantwortungsbewußt und gewissenhaft. Sie können oft besser mit dem Geld umgehen, als die Männer. ó»der Neokooperativismus ist eine Symbiose aus Sozialismus und Kapi- aktuell talismus«. Vom Bauern wird die Bereitschaft sich einem Produktionsplan unterzuordnen erwartet. Der Geschäftsführer muß die nötige Qualifikation mitbringen. Es ist außerdem eine gewisse Menge von Kapital als Grundvoraussetzung für eine»moderne«und wirtschaftsorientierte Kooperative erforderlich. Eine bisher einmalige Neuheit: die Diplomarbeit besteht nicht nur aus dem üblichen Text samt Abbildungen, Tabellen und Grafiken, sondern ein Bestandteil ist ein etwa halbstündiger Videofilm über Leben und Arbeit in einer kleinen Gemüsekooperative im schwer zugänglichen Hochland von Guatemala. Der Film würde sich auch für den Unterricht in Schulen und als Aufhänger für Arbeitskreise zur Dritten Welt eignen. Der Autor (Magnus Schmid, Giggenhauserstr. 25B, Freising, Tel ) ist gerne bereit, mit ernsthaften Interessenten in Verbindung zu treten. 7 amorphen Phasen oder»limonit«. Eine internationale Gruppe von Wissenschaftlern der TU München (Udo Schwertmann, Enver Murad) und der Universitäten Columbus, Ohio (Jerry M. Bigham) und Helsinki (Liisa Carlson) ging am Lehrstuhl für Bodenkunde der TUM dieser Frage nach. Studienobjekte waren zahlreich»saure Grubenwässer«, die aus Abraummassen des Steinkohlebergbaus in Ost- Ohio, Australien, Japan, England und Bosnien abfließen und hier erhebliche Umweltproblem verursachen. Als natürliches Analogon wurde der Rötlbach in den Zillertaler Alpen untersucht, der in pyrithaltigen Glimmerschiefern entspringt. Im Rötlbach entsteht bei einem ph-wert von etwa 2,5 als erstes Mineral der zitronengelbe Jarosit (Gelbeisenerz). Einfach war die Eisenoxid-Mineralogie dort, wo der ph des Wassers über 4 lag: Die Ockerschlämme enthielten die bekannten Oxide Goethit und Ferrihydrit. Im ausgedehnten Bachbereich zwischen ph 2,5 und 4, wo ebenfalls große Mengen Ocker gebildet wurden, fehlten diese Oxide jedoch. Der leuchten orange gefärbte Schlamm in diesem Bereich entpuppte sich bei eingehender Analyse mit moderner Röntgendiffrakometrie, Mößbauerspektroskopie und Elektronenmikroskopie als ein sulfathaltiger Eisenoxid von bisher unbekannter Zusammensetzung und Struktur. Auf der Basis dieser Informationen hat die Internationale Mineralogische Vereinigung dieses Eisenoxid (genauer: Eisenoxyhydroxysulfat) als neues Mineral mit dem Namen Schwertmannit anerkannt; inzwischen ist Schwertmannit auch im Abraum des Lausitzer Braunkohlebergbaus gefunden worden. Der Schwertmannit hat also wie jedes Mineral sein eigenes Gesicht: Unter dem Elektonenmikroskop sieht man sehr eigenartige igelförmige Kristallaggregate, deren»stacheln«aus wenige Nanometer (einmilionenstel Millimeter) dünnen Kristallfasern bestehen wohl ein Grund dafür, daß das neue Mineral trotz massenhaften Auftretens bisher nicht gefunden wurde. Die Stacheln haben innen einen Tunnel, in den die Sulfationen eingebaut sind. Um Schwertmannit im Labor herzustellen, simulierten die Wissenschaftler die Natur: Sie ließen das Bakterium Thiobacillus ferrooxidans in einer schwfelsauren, Eisen-2-haltigen Lösung bei einem ph-wert um 3 wachsen. Allerdings funktioniert dieser Kniff in einer Lösung mit Eisen-3 auch ohne das Bakterium; das zeigt, daß diesem offenbar lediglich die Oxidation des Eisens obliegt. In der stark sauren Lösung vermag das nur das Bakterium; der Schwertmannit selbst bildet sich dann auf rein abiotischem Wege. Ökologisch bedeutsam ist nun, daß man bei der Synthese statt Sulfat auch Selenat und Chromat und vermutlich auch Arsenat einbauen kann, also toxische Stoffe, die der Pyrit in der Regel enthält und bei seiner Verwitterung freigibt. Dies ist offenbar auch in der Natur so, denn die gefundenen Schwermannite enthielten bis zu zwei Prozent Arsen! Neutralisation und Entgiftung der sauren Minenwässer stellen weltweit wichtige ökologische und technisch Probleme dar. Entsäuert werden die Wässer meist durch Zugabe von gemahlenem Kalkstein oder Löschkalk; dabei fällt das Eisen als Schwertmannit aus und bindet gleichzeitig ein Großteil der toxischen Elemente. Udo Schwertmann aus: TUM Mitteilungen 4-98/99

8 8 aktuell 15 N-Festkörper NMR spektroskopische Untersuchungen des Abbaus und der Immobilisierung von Trinitrotoluol in Böden Heike Knicker Der Sprengstoff 2,4,6-Trinitrotoluol (TNT) wurde im II. Weltkrieg in beträchtlichen Mengen produziert. In Folge nicht fachgerechter Handhabung gelangten vielerorts große Mengen an TNT, sowie seine Nebenund Folgeprodukte über Abwasser und Abfalldeponien in die Umwelt. Die chemische Stabilität, geringe Wasserlöslichkeit und die nur unter bestimmten Bedingungen mögliche mikrobielle Abbaubarkeit des TNT haben dazu geführt, daß die Schadstoffe an den ehemaligen Produktionsstandorten aus dem II. Weltkrieg noch weitgehend unverändert vorliegen. Der Austrag der toxischen und möglicherweise kanzerogenen Kontamination in das Grundwasser gefährdet in zunehmendem Maße die Trinkwasserversorgung der anliegenden Gemeinden. Eine Sanierung dieser Altstandorte ist daher dringend erforderlich. Alternativ zur Verbrennung wurden verschiedene biologische Sanierungsverfahren für TNT-kontaminierte Böden entwickelt, die eine langfristige Immobilisierung der TNT-Metaboliten im Boden zum Ziel haben. Zur ökotoxikologischen Bewertung dieser Verfahren erweist sich die Kenntnis der chemischen Struktur der gebundenen Rückstände als unumgänglich. Diese können jedoch mit konventionellen naßchemischen Verfahren nur schwer erfaßt werden. Eine Alternative dazu stellt die Festkörper NMR Spektroskopie dar, die es erlaubt unlösliche makromolekulare Strukturen auch ohne vorherige Extraktion zu analysieren. Im Rahmen des Forschungsvorhabens» 15 N Festkörper NMR Spektroskopische Untersuchung des Abbaus und der Immobilisierung von TNT in Böden«(BMBF) soll an mit 15 N-TNT dotierten und inkubierten Böden getestet werden, inwieweit die Festkörper 15 N NMR Spektroskopie zur Charakterisierung solcher festgelegter Rückstände verwendet werden kann. Ziel der Arbeit ist es, mehr Informationen über die chemischen Prozesse zu erhalten, die am Abbau von TNT im Boden beteiligt sind. Weiter soll untersucht werden, ob und in welcher Form die Reaktionsprodukte im organischen Bodenmaterial während verschiedener biologischer Sanierungsverfahren festgelegt werden. Um die Effizienz der Immobilisierung von TNT-Metaboliten als mögliches Sanierungskonzept abschätzen zu können, soll die Langzeitstabilität dieser gebundenen Rückstände in zweijährigen Inkubationsversuchen getestet werden. Humusdynamik landwirtschaftlicher Böden Indikator für nachhaltige Landnutzung? Bodenkunde Nachhaltige landwirtschaftliche Nutzungsformen haben das Ziel, betriebswirtschaftliche Notwendigkeiten einerseits und Erhaltung bzw. Verbesserung ökologischer Eigenschaften andererseits miteinander zu verbinden. Der Boden ist ein maßgeblicher Standortfaktor landwirtschaftlicher Betriebe und weist in Abhängigkeit von der Bewirtschaftung unterschiedliche Humusgehalte auf. Der Humushaushalt ist daher eine durch die Landnutzung beeinflußbare Größe von ökologischer Relevanz. In einem neuen Projekt des FAM (Forschungsverbund Agrarökosysteme München) wird am Lehrstuhl für Bodenkunde die Auswirkung der Landnutzung in Scheyern sowohl im konventionellen als auch im ökologischen Landbau auf die Humusdynamik untersucht. Darunter werden zeitliche und strukturelle Veränderungen der organischen Bodensubstanz verstanden. Zum einen geht es dabei um die Frage, mit welchen Meßgrößen diese Dynamik am besten beschrieben werden kann und zum anderen darum, welche anderen Einflußgrößen, wie z.b. die Textur, eine Rolle spielen. Eine Hypothese ist, daß bestimmte Bestandteile des Humus wie z.b. isoliert vorliegende partikuläre organische Substanz schneller auf Veränderungen des Agrarökosystems reagieren als stabilere Humusfraktionen, wie sie z.b. in organo-mineralischen Komplexen vorliegen. Diese relativ kurzlebigen Fraktionen haben daher vermutlich eine Indikatorwirkung für die Humusdynamik. Diese Annahme wird in Scheyern überprüft. Daneben wird auch der Zusammenhang zwischen der Strukturstabilität der Böden und der Zusammensetzung einzelner Humusfraktionen näher untersucht. Ziel ist es, anhand von zeitlich eng gefaßten Untersuchungen Aussagen über die Entwicklung der Humusgehalte in landwirtschaftlich genutzten Böden treffen zu können, die sich im Verlauf von Jahrzehnten einstellen. Räumlich soll dies zunächst für Scheyern geschehen mit der Option, möglicherweise auch regionale Aussagen treffen zu können. Untersucht wird der Boden mit physikalischen Fraktionierungsmethoden (Zusammenhang Humus und Strukturstabilität) und nachfolgender chemischer Charakterisierung. Letztere umfaßt strukturchemische Untersuchungen des Humus ( 13 C NMR Spektroskopie, Bestimmung des Abbaugrades verschiedener Pflanzenbestandteile) sowie voraussichtlich auch Mineralisierungsexperimente und die Bestimmung der mikrobiellen Biomasse. Die Erfassung der räumlichen Variation des Bodenwassergehaltes in einem Agrarökosystem Dipl. Geophys. Carsten Sperl (Bodenkunde) Akkurate Messungen des Bodenwassergehaltes auf dem Feldmaßstab sind für die Landwirtschaft von zentraler Bedeutung. Die Gründe dafür sind, daß der Bodenwassergehalt eine wichtige Steuergröße für eine Vielzahl von biotischen und abiotischen Prozessen in einem Agrarökosystem ist, wie z. B. für das Pflanzenwachstum und den Ertrag eines Standortes oder die Verfügbarkeit von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln. Da in Agrarökosystemen der Bodenwassergehalt sowohl den zeitlichen Variationen der Wassernachlieferung und der Verdunstung wie auch der natürlichen Variabilität der Bodeneigenschaften, der Nutzung und dem Relief unterliegt, stellt sich die Frage, wie der Wassergehalt auf Flächen von m 2 erfaßt werden kann. Bekannte Methoden wie z. B. die Gravimetrie oder die Technik der Time Domain Reflectometry erfassen Volumina von einigen cm3 und stoßen somit beim Einsatz auf großen Flächen schnell an ihre Grenzen. Eine Alternative zu diesen Verfahren stellt das geophysikalische Meßverfahren Ground-Penetrating Radar (GPR) dar. In einer Dissertation im Rahmen des Forschungsverbundes Agrarökosysteme München (FAM) wurde am Lehrstuhl für Bodenkunde das Verfahren eingesetzt und auf den Flächen der Versuchsstation des Klostergutes Scheyern getestet. Beim GPR wird die Geschwindigkeit einer elektromagnetischen Welle ermittelt, mit der sie von einer Sende- zu einer Empfangsantenne durch den Boden läuft. Da die Geschwindigkeit stark vom Wassergehalt im Boden abhängt, läßt sich dieser mit dem GPR ermitteln. Entscheidender Vorteil dieser Methode ist, daß die Antennen über die Bodenoberfläche gezogen werden können, wodurch eine zerstörungsfreie und flächenhafte Erfassung des Bodenwassergehaltes auf der Skalenebene eines Ackerschlages möglich ist. Dabei hängt die von den Wellen erfaßte Bodentiefe umgekehrt proportional von der Antennenfrequenz ( MHz) und außerdem von der elektrischen Leitfähigkeit des Bodens ab. Je höher die elektrische Leitfähigkeit ist, umso stärker werden die Wellen gedämpft. Untersuchungen mittels numerischer Simulationsrechnungen und Messungen an physischen Modellen (Sandgrube) ergaben bei Antennenfrequenzen von 35 MHz erreichbare Tiefe von 25 bis 50 cm. Mit dieser Tiefe und einem üblichen Antennenabstand bei den Feldmessungen von einigen Metern ergibt sich ein Meßvolumen beim GPR von etwa 1-3 m 3. Diese ist um den Faktor 104 größer als das der konventionellen Methoden und somit geeigneter, um den Wassergehalt in der durchwurzelten Bodenzone zu charakterisieren. Auf einer ca. 1 ha großen Fläche der Versuchsstation in Scheyern wurden flächenhafte GPR-Messungen mit verschiedenen Frequenzen und zu verschiedenen Terminen durchgeführt. Die Vergleiche mit der klimatischen Wasserbilanz eines ähnlichen Bodens und mit Karten des mittleren Tongehaltes und der elektrischen Leitfähigkeit zeigten plausible räumliche wie zeitliche Variationen der ermittelten Bodenwassergehalte. GPR ist derzeit das einzige Verfahren, mit dem flächenhafte, zerstörungsfreie und räumlich hochaufgelöste Messungen des Bodenwassergehaltes in der durchwurzelten Zone auf der Feldskala möglich sind.

9 aktuell 9 Sorption hydrophober Umweltchemikalien im Unterboden: Eigenschaften und Prozesse (Bodenkunde) Hydrophobe Umweltchemikalien (hydrophobic organic chemicals, HOC) weisen eine hohe Affinität zur organischen Bodensubstanz auf. Zahlreiche Arbeiten beschäftigen sich daher mit dem Sorptionsverhalten dieser Schadstoffe an Bodenmaterial vorwiegend aus Corg-reichen Oberböden. Das Sorptionsvermögen von Corg-armem Unterbodenmaterial, insbesondere der anorganischen Komponenten (Tonminerale, Quarze, Oxide, Hydroxide), wurde in Untersuchungen bislang vernachlässigt. Werden HOC allerdings aus dem humusreichen Oberboden in mineralische Unterbodenhorizonte verlagert, sind die Prozesse der Ad- und Desorption von HOC an mineralische Oberflächen wichtig zur Beurteilung von Verfügbarkeit und Mobilität dieser Schadstoffe, beispielsweise im Hinblick auf eine mögliche Grundwassergefährdung. Ziel eines DFG-Projektes ist es, die bei der Sorption von HOC im Unterboden beteiligten Prozesse zu identifizieren. Im Vordergrund steht die Frage, in welchem Ausmaß und unter welchen Bedingungen die Anlagerung von HOC an Corg-arme bzw. Corg-freie mineralische Sorbenten erfolgt. Die Sorption von HOC an mineralische Oberflächen wird mittels Batch- und Säulenversuche untersucht. Als repräsentative hydrophobe Umweltchemikalien werden drei unterschiedlich polare polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) ausgewählt: Phenanthren, Pyren, Benzo(a)pyren. Zunächst werden für die Versuche Mineralphasen als Modellsubstanzen eingesetzt, welche für Unterböden im Klimabereich der gemäßigten Breiten typisch sind: Quarzsand, goethit- und ferrihydritbeschichteter Quarzsand, Montmorillonit-Quarzsand-Mischung. Neben den definierten reinen Mineralphasen sollen auch natürliche Sorbenten, und zwar der Gesamtboden und die isolierte Tonfraktion mitteleuropäischer Unterbodenhorizonte eingesetzt werden: Bt einer Parabraunerde, Gr eines Gleys, Bs eines Podsols, Sd eines Pseudogleys. Basierend auf den Ergebnissen der Sorptionsversuche werden die Eigenschaften des Sorptionsprozesses (Reversibilität, Linearität, Kinetik der Sorption, Sorptionskapazität des Sorbenten) charakterisiert und mechanistisch beschrieben. Darüber hinaus sind weitere experimentelle Ansätze geplant: ò Untersuchung des Einflusses wechselnder physikalischer und chemischer Bedingungen auf Sorption / Desorption von PAK: ph-wert und Zusammensetzung der Lösung, Belegung der Austauscher, Temperatur, etc. ò Gegenseitige Beeinflussung unterschiedlicher PAK bei der Sorption ò Einfluß niedriger C-Gehalte (d.h. unvollständiger, nicht flächendeckender organischer Überzüge) auf die Sorption von PAK Projektträger: Deutsche Forschungsgemeinschaft (Projekt KO 1035 / 11-1) Projektbeginn: Projektbearbeitung: Silke Müller Wareneingangsprüfung bei Verarbeitungsfleisch Objektivierung der analytischen Zusammensetzung mit dem Infratec Meatanalyser Bromatologie/Diplomarbeit von cand.oec.troph. Claudia Drexler Heißluftdämpfer für gewerbliche Küchen Am Fachgebiet Haushalttechnik wurden Heißluftdämpfer verschiedener Hersteller in einem neutralen Test erprobt. Im Zeitraum eines Jahres wurden sechs Heißluftdämpfer in einer umfangreichen Untersuchung mit ganzheitlicher Methode miteinander verglichen. Gegenstand der Untersuchungen waren drei»pärchen«verschiedener Hersteller - je ein Gas- und ein Elektro-Gerät gleicher Größe. Die herstellerneutrale Untersuchung wurde von der Ruhrgas AG gesponsert. Die Beurteilung der Geräte erfolgte durch physikalische Messungen wie Temperatur-Verteilung, Energiebedarf, Wirkungsgrad, Die Herstellung konstant zusammengesetzter Fleischerzeugnisse von gleichbleibend hoher Qualität setzt die Erfüllung eines auf allen Stufen der Produktion verläßlichen Qualitätssicherungskonzeptes voraus. Zu den besonders wichtigen Kontrollpunkten der Produktion zählt die Überwachung des Wareneingangs auf Erfüllung der Vorgaben der Rohwarenspezifikation. Für die Verarbeitung bestimmtes Fleisch ist so v.a. auch auf seinen Gehalt an Fett, Eiweiß und Beffe zu prüfen. Das Schnellanalysegerät»Meatspec«eignet sich hierfür in besonderer Weise. Das methodische Prinzip des Verfahrens beruht auf der Bestimmung der Absorption von Nah-Infrarot-Licht und ermöglicht die Bestimmung der Zusammensetzung von Fleisch schon in drei Minuten. Die Genauigkeit der Meßergebnisse hängt von der Probennahme, Probenaufbereitung und der bei der Kalibrierung des Gerätes aufgewandten Sorgfalt ab. Aufgabe der Arbeit war es, den»meatspec«auf der Basis repräsentativer naßchemischer Referenzanalysen für die Ermittlung der Gehalte von rohem Verarbeitungsfleisch an Fett, Wasser, Eiweiß und Beffe zu kalibrieren und die Arbeitsanweisungen für die Probennahme, Probenaufbereitung und Probenuntersuchung zu erstellen. Um den Standardfehler der Meßresultate zu minimieren, wurde der Meatspec für Fleisch mit sehr hohem (>60%), hohem (40-60%), mittlerem (20-40%) und niedrigem (<20%) Fettgehalt kalibriert. Anheizzeit und Wasserverbrauch sowie Gebrauchstauglichkeitsuntersuchungen zu Handhabung, Sicherheit, Reinigung, Bedienung etc. Testreihen wurden sowohl unter Wasserlast als auch mit Bestückung von Lebensmitteln gefahren. Letztere wurden im Anschluß auf ihre sensorische Qualität überprüft.

10 10 aktuell Internationales Studienprojekt der Landschaftsarchitektur Neue Medien für alte Industrieanlagen Internationalisierung und neue Medien sind für Studierende am Lehrstuhl für Landschaftsarchitektur und Planung der TUM in Freising-Weihenstephan (Prof. Peter Die Turbinenhalle des Elektrizitätswerks Torbogenstraße Latz) keine abstrakten Begriffe mehr. Im Wintersemester 1998/99 hat eine Gruppe des 7. Semesters gemeinsam mit Studenten der Architektur und Stadtplanung der Universitäten Miami und Rio de Janeiro sowie der Kunsthochschule Berlin-Weißensee an einem Projekt gearbeitet. Den organisatorischen Rahmen bildete die»pilotphase Bauhaus Kolleg«der Abteilung Akademie des Bauhauses Dessau. Es war die Versuchsphase für ein Graduiertenkolleg, das im Herbst 1999 in Dessau beginnen soll. In der Pilotphase sollte erprobt werden, wie trotz großer räumlicher Distanz eine kontinuierliche Zusammenarbeit möglich ist. Zentrales Thema war»urban Sprawl - Siedlung versus Stadt«am Beispiel der Industrieregion Bitterfeld/Wolfen. Diese Region gehört noch nicht zu den»blühenden Landschaften«und sieht sich nach Proportionen der Fassade sind Gestaltprinzipien für den Park»Torbogenstraße«. dem Zusammenbruch der Chemieindustrie nach 1989 dem Problem der»schrumpfung«gegenüber. Die Bevölkerungsverluste sind groß, und die Neuansiedlung von Industrien gestaltet sich schwierig. Andererseits ziehen viele Bewohner der Plattensiedlungen, etwa Wolfen-Nord, in Einfamilienhausgebiete die Landschaft wird zersiedelt. Diesem komplexen Problemfeld sollten sich die Arbeitsgruppen bei der Bearbeitung einzelner Projekte stellen, wobei die Themen Plattensiedlung, Gartenstadt und Nachnutzung von Altindustrien zur Auswahl standen. Den Einstieg bildete im November 1998 eine gemeinsame Phase der Bestandsaufnahme und Konzeptdiskussion, in der alle Gruppen Gelegenheit hatten, sich vor Ort mit der Region und den einzelnen Projektgebieten auseinanderzusetzen, sich für eine Aufgabe zu Wasser ist verknüpfendes Element von Architektur und Freiraum. entscheiden und erste Konzepte zu entwickeln. Die Münchner Studenten wählten den Schwerpunkt Nachnutzung alter Industrien und entwickelten Arbeit am Bauhaus in kreativer Atmosphäre Ideen für die Emulsionsfabrik der ehemaligen ORWO- Film in Wolfen und für das ehemalige Elektrizitätswerk»Torbogenstraße«in Bitterfeld. Bei der Diskussion der ersten Konzepte wurden die erheblichen kulturellen Unterschiede der Teilnehmer deutlich, was sich in grundsätzlich verschiedenen Planungsansätzen der beteiligten Hochschulen zeigte. Die Münchner sahen bereits diese erste Evaluierung als Herausforderung, sich mit den eigenen gewohnten Ansätzen und Vorgehensweisen einer internationalen kritischen Diskussion zu stellen. In der zweiten Projektphase arbeiteten die Gruppen an ihren jeweiligen Heimatorten weiter. Konzepte und Zwischenschritte bereiteten sie digital auf und richteten projektbezogene Homepages ein, so daß Inhalte über das Internet abrufbar waren und sich die Gruppen in den verschiedenen Ländern über ihre Ansätze via austauschen konnten. Auch diente die regelmäßige Aktualisierung der Homepage zur Vorbereitung für eine Videokonferenz Ende Januar 1999, die vor allem unter zwei Aspekten bedeutsam war: Zum einen gab die direkte Diskussion von Zwischenergebnissen dem inhaltlichen Fortschritt des gesamten Projektes wesentliche Impulse, zum anderen hatte der»digitalpersönliche«kontakt Bedeutung für die Struktur des Graduiertenkollegs als Ganzes. Für die Studenten waren die Regeln des Mediums Videokonferenz eine besondere Herausforderung. Alle Pläne und Modelle mußten sie besonders deutlich aufbereiten und die Konzepte in jeweils vier Minuten auf Englisch präsentieren, denn die Leitungen waren nur für insgesamt zwei Stunden gemietet. Die Regie der Konferenz lag beim Bauhaus in einem Berliner Studio. Während der Konferenz wurden noch offene Fragen deutlich, und es wurden Schwerpunkte zur Vorbereitung des abschließenden Treffens in Dessau benannt. Anfang März dieses Jahres wurden die fertigen Entwürfe und Modelle zwischen den Gruppen abschließend diskutiert und der Öffentlichkeit vorgestellt. Zum Thema Nachnutzung alter Industrien präsentierten die TUM-Studenten innovative Konzepte. Den»dunklen Kasten«(61 m x 94 m x 48 m) der Emulsionsfabrik in Wolfen mit qm Geschoßfläche interpretierten sie als eigenständige Stadt. In diesem Gebäude, in dem es wegen der früheren Produktion lichtempfindlicher Emulsion in weiten Bereichen absolut dunkel ist, ergaben Umbauten und Öffnungen ein interessantes Spiel von Hell und Dunkel. Basierend auf der vorhandenen Modulstruktur des Komplexes, entstand eine»stadt«, in der Nutzungen wie Wohnen, Gewerbe und Freiflächen nicht horizontal, sondern vertikal organisiert sind. Beim Projekt Elektrizitätswerk»Torbogenstraße«inspirierte zum einen die existierende architektonische Qualität einer ehemaligen Turbinenhalle zur Entwicklung einer Parkanlage, die bestehende Proportionen als Gestaltungsprinzip für den Freiraum aufgreift. Ein zweites Konzept stellt die realen Nutzungspotentiale in den Vordergrund und entwickelt im Bestand ein Zentrum für den Chemiepark Bitterfeld. Alle Ergebnisse der Arbeitsgruppen können im Internet abgerufen werden: RIO: MIAMI: BERLIN: MÜNCHEN: lap/diplproj/aktuell/frdipl_bauh.html. Der erfolgreiche Abschluß dieses Projektes zeigt, wie neue Medien sinnvoll in der Lehre eingesetzt werden können. Die enge internationale Zusammenarbeit und die Umgangssprache Englisch machten dieses Projekt zu einem Pilotprojekt für den Masterkurs, dessen Vorbereitungen kurz vor dem Abschluß stehen. Die Internationalisierung der TUM ist mit diesem Projekt einen praktischen Schritt vorangekommen. Wolfram Höfer

11 aktuell überwachsenen Strukturen und Relikte aufzudecken. Die authentischen Orte sollten herausgestellt und erfahrbar gemacht werden. Um dieses»gelände des Terrors«für die Studenten zu erschließen und die Reste der Rüstungsanlage in ihrer Größe und Ausdehnung erfassen zu können, war der erste Schritt eine einwöchige Bauaufnahme vor Ort. In einzelnen Gruppen wurde vermessen, Vegetation kartiert, gezeichnet und Spuren gesucht. Dies wurde eine Art Tagebuch - für alle Teilnehmer einsehbar - und war wichtige Arbeitsgrundlage für die weitere Entwurfsbearbeitung. Mit Impressionen und Diskussionsansätzen hat eine Gruppe ihre Beobachtungen umschrieben (siehe Wort-Bild als Einführung). In etwa beschreiben diese Diskussionsansätze den Zustand, in dem sich die Studenten nach einer Woche Spurensuche und Konfrontation mit den authentischen Orten, befanden. Ein weiterer Weg zum Entwurf war ein Kolloquium, daß unter der Moderation von Ulrich Chaussy vom BR an der TU München-Weihenstephan stattfand. Gäste waren Max Mannheimer, der Auschwitz, Dachau und Mühldorf überlebt hat sowie Dr. Edith Raim, die zum Thema der Dachauer KZ-Außenlager promoviert hat. Dazu kam noch an einem späteren Termin ein Gastvortrag des Architekten Daniel Libeskind. Bei aller Betroffenheit hat uns Max Mannheimer mit seinen Ausführungen eine Brücke gebaut. 11 Der Bunkerbogen im Mühldorfer Hart Außenlager Mühldorf Projekte von Landschaftsarchitekturstudenten am Lehrstuhl für Landschaftsarchitektur und Entwerfen Eines der Außenlager des KZ-Dachau, die Rüstungsbunkeranlage im Mühldorfer Hart, war Gegenstand eines Projektes der Landschaftsarchitekturstudenten an der TU München-Weihenstephan im Sommersemester Die Frage war:»darf die Natur was der Mensch nicht darf?«denn mittlerweile hat die Natur längst von dem Gelände Besitz ergriffen. In 50 Jahren sind Kiefern, Gräser und Moose auf den in sich zusammengestürzten Bunkern gewachsen. Die Szenerie ist idyllisch, fast romantisch, hat heute auf den ersten Blick wenig von dem Schrecken, der in den Jahren 1944/45 an diesem Ort regierte. Nachdem im Juli 1998 der Plan der Bundesvermögensverwaltung als derzeitige Eigentümerin die gigantische Rüstungsanlage unter zigtausend Kubikmeter Kies verschwinden zu lassen aufgegeben wurde, droht nun die Einzäunung des Geländes um die sicherheitstechnischen Probleme zu lösen. Betreten verboten. Herr Dr. Vierneisel von Memento hatte die Idee, dieses Projekt von angehenden Landschaftsarchitekten bearbeiten zu lassen. Bei aller spontanen Bereitschaft, hatten wir zwei Vorbehalte. Erstens gab es keine geeigneten Lagepläne; sie sind aber notwendig um landschaftsarchitektonische Pläne für das Gelände zu entwerfen. Nur Schnitte durch die Betonkonstruktionen waren vorhanden. Und zweitens dies war gravierender wie konnte ein so subtiles Problem in einem Semester mit Mitteln des Entwurfs bewältigt werden? Ein Problem, das größtmögliches Einfühlungsvermögen, eher Zurückhaltung in der Gestaltung, eher eine unmerkliche Erschließung verlangt. Diese beiden Punkte haben die Semesterplanung maßgeblich beeinflußt: Den Ort, als eine Stätte des Erinnerns,»Gegen des Vergessen«zu erhalten, liegt zwar nahe. Die drohende Einzäunung in Frage zu stellen und dazu eine Gegenposition aufzubauen, liegt auf der Hand. Es stellt sich aber auch die Frage: Wie gehen wir heute mit solchen Orten um, welche Möglichkeiten der Annäherung an die Thematik bietet sich uns im Entwerfen? Wieviel Intervention verträgt ein solcher Ort überhaupt? Gibt es didaktische Ansätze für die Besucherinformation und -lenkung? Weiter war es schwierig, konkrete Vorgaben für ein Konzept zu beschreiben oder begrifflich zu definieren oder konkrete Nutzungen zu benennen. Leichter war es darzulegen, worauf die Konzepte nicht hinaus laufen sollten: Gewünscht war nicht die Überformung der Situation durch neu erdachte Superstrukuren oder größere Baulichkeiten; noch die visuelle Vereinheitlichung der Relikte und Spuren. Ziel war vielmehr, die Aufmerksamkeit wieder auf dieses eher vergessene Gelände zu lenken und die Spuren der im Laufe der Zeit verschütteten und

12 12 aktuell Geräteentwicklungen zur physikalischen Unkrautregulierung Aus der Forschung in die Praxis Prof. Dr. hort. habil. J. Meyer, Dr. agr. A. Bertram Bild 1 Weihenstephaner Trennhacke für den Zwischenachsanbau Kunst und Landschaftsarchitektur In der aktuellen Diskussion zur Landschaftsarchitektur bekommt gegenwärtig die Auseinandersetzung mit dem Verhältnis unseres Faches zur Kunst ein neues Gewicht. Es stellt sich die Frage, ob Landschaftsarchitektur selbst Kunst ist, ob sie Räume für Kunst bereitstellt, oder ob dekorativ aufgestellte Kunstprojekte vielleicht nur eine Ausrede sind, wenn einem Landschaftsarchitekten nichts mehr einfällt. Im Wintersemester 98/99 hat sich ein Studienprojekt des 7. Semesters diesem Thema auf der Ebene des Entwurfes wie auch der theoretischen Reflexion angenähert. Entwerferisch wurde eine Fläche auf dem Campus (zwischen Lebensmitteltechnologie und Physik) bearbeitet. Ziel des Entwurfes war es, für diesen prominenten, aber trotzdem»vergessenen«ort Gartenkunst als Ausdruck eines Raumes zu formulieren. Kunst im Freiraum bedeutete in diesem Fall nicht, Skulpturen zu erfinden und zu verteilen. Der Raum selbst sollte als Garten-Raum-Kunst entwickelt werden. Die Ergebnisse wurden im ZHG vom Mai ausgestellt, eine Dokumentation ist am Lehrstuhl für Landschaftsarchitektur und Planung erhältlich. Wolfram Höfer Im Institut für Landtechnik der Technischen Universität München-Weihenstephan wird in der Abteilung»Technik im Gartenbau«seit einigen Jahren intensiv an der Entwicklung verbesserter mechanischer und thermischer Geräte und Verfahren zur Unkrautregulierung gearbeitet. Diese Verfahren haben dabei zunehmend an Bedeutung gewonnen. Das gilt sowohl für den ökologischen Anbau, der insbesondere durch den bei unzureichender Gerätewirkung sehr hohen Handarbeitsaufwand betroffen ist, als auch für den integrierten Anbau, der durch den Rückgang der zur Verfügung stehenden (chemischen) Mittel und seine eigenen Richtlinien zu einem verstärkten Einsatz physikalischer Verfahren zur Unkrautregulierung gedrängt wird. Eine verbesserte Gerätetechnik kann in beiden Anbausystemen helfen, den Kulturerfolg und damit den wirtschaftlichen Erfolg zu sichern. Grundsätzliche Probleme Die Arbeitsqualität der mechanisch arbeitenden Geräte zur Unkrautregulierung ist von Einsatzbedingungen wie Bodenart und -feuchte, Arbeitsgeschwindigkeit, Unkrautart und -größe sowie der Bearbeitungstiefe stark abhängig. Für die zur Verfügung stehenden Geräte gibt es in der Regel Einsatzbedingungen, unter denen sie gut arbeiten aber andere, unter denen das nicht geht. Der Einsatz der thermischen Geräte ist mit hohen Verfahrenskosten verbunden und offene oder nur unzureichend abgedeckte Brenner zwingen zu langsamen Arbeitsgeschwindigkeiten (ca. 2 km/h) und zu hohen Energieverbräuchen (ca. 60 kg/ha Flüssiggas). In beiden vorgenannten Bereichen konnten in den letzten Jahren am Institut für Landtechnik in Weihenstephan neue Geräte als Ergebnis wissenschaftlicher Untersuchungen zur Serienreife gebracht werden. Die Weihenstephaner Trennhacke Als mechanisch arbeitendes Gerät wurde die Weihenstephaner Trennhacke entwickelt. Als Arbeitsprinzip wird eine Kombination von gezogenen und angetriebenen Werkzeugen eingesetzt. Flach durch den Boden gezogene Gänsefußschare sollen die Unkrautpflanzen entwurzeln, große Wurzeln abschneiden und die bearbeitete Erde lockern und aufwerfen. Dabei werden die Wurzeln der Unkrautpflanzen durch die angetriebenen rotierenden Werkzeuge enterdet. (Bild 1). Dadurch kommen auch große Unkrautpflanzen auf der Beetoberfläche zu liegen und können so leichter austrocknen. Die Überprüfung der Trennhacke in Bezug auf den Regulierungserfolg und die Einsatzgrenzen wurde in praktischen Versuchen durchgeführt. Es konnte dabei eindrucksvoll bestätigt werden, daß die Einsatzgrenzen des Gerätes im Prinzip nur durch die Befahrbarkeit des Bodens definiert werden. Auch bei hohen Bodenfeuchten wird ein Wiederanwachsen des Unkrautes weitestgehend vermieden, insgesamt werden bessere und vor allem sicherere Regulierungserfolge erreicht, als beispielsweise mit der normalen Scharhacke. Das Streifenabflammgerät Bei den thermischen Verfahren geht es bei den verbesserten Geräten darum, den bei der Verbrennung entstehenden Heißluftstrom (und nicht nur die sichtbare Flamme!) möglichst lange am Boden zu halten, denn nur dort kann die darin enthaltene Energie auf die Unkräuter übertragen werden, diese somit erwärmen und abtöten. Die Verbesserungen führen im Vergleich zu einem Gerätekonzept mit offenen Brennern durchwegs zu geringeren variablen Kosten; für den flächig abgedeckten Gasbrenner um 50%, für ein Gerätekonzept mit 3-reihiger Streifenabdeckung um 66% und für ein Gerätekonzept mit 9-reihiger Streifenabdeckung um 78 % (Bild. 2, Seite 13). Die Gesamtkosten für eine thermische Behandlung reduzieren sich bei einer Einsatzfläche von 50 ha/jahr für das 3-reihige Gerätekonzept mit Streifenabdeckungen um 56% auf ca. 160 DM/ha. Bei grösseren Einsatzflächen schneidet das 9-reihige Gerätekonzept mit Streifenabdeckungen am besten ab. Bei einer jährlichen Einsatzfläche von 100 ha liegen die Gesamtkosten für eine thermische Behandlung bei knapp unter 100 DM/ha. Sowohl für die Reduzierung der variablen Kosten, als auch für die Erhöhung der Schlagkraft zeigen sich enorme Spielräume. Der modulare Aufbau erlaubt grosse Arbeitsbreiten und eine problemlose Anpassung an unterschiedliche Reihenweiten. Zusammenarbeit Die Weihenstephaner Trennhacke und das Streifenabflammgerät sind inzwischen kommerziell verfügbar und werden vertrieben von Gärtnereibedarf Asperg e.g. Postfach Asperg Ansprechpartner: Berhard Aichele Elchweg Aalen Tel: 07361/45603 Fax: 07361/43220 Mobil: 0171/ Es befinden sich Geräte in der Praxiserprobung im Institut für Gemüsebau der Technischen Universität München und in der Versuchanstalt»Queckbrunnerhof«der Staatlichen Lehr- und Forschungsanstalt für Landwirtschaft, Weinbau und Gartenbau in Neustadt an der Weinstrasse

13 aktuell 13 Mißbrauch sowie Biodegradation von Sexualhormonen Physiologie Bild 2: Streifenabflammgerät mit 8 Modulen (Arbeitsbreite 3m) Neuer Freisetzungsversuch in Roggenstein Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung Im Frühjahr 1999 stehen bei der World Trade Organisation (WTO) die Einsprüche der USA gegen die Direktiven der EU zur Verhandlung an (WTO, 1997), wonach ein Importverbot für Fleisch- oder Fleischprodukte von Tieren besteht, die mit den physiologischen Sexualhormonen Estradiol-17b, Progesteron bzw. Testosteron oder den körperfremden Hormonen Trenbolonacetat, Zeranol, und Melengestrolacetat (MGA) behandelt worden waren. Zentraler Streitpunkt ist, ob die EU-Maßnahmen auf einer Risikobewertung basieren, die dem internationalen»sps- Agreement«(Sanitary and Phytosanitary Measures) der Uruguay-Runde 1994 (siehe Amtsblatt der EG 1994) entsprechen. Zu dieser Problematik werden am Lehrstuhl für Physiologie Fragen zum Risiko nach Mißbrauch der Präparate sowie zur Biodegradation intensiv bearbeitet. Rückgang der Fischart Äsche (Thymallus thymallus) in alpinen und voralpinen Gewässern Lehrstuhl für Tierhygiene, Fachgebiet Fischbiologie Ende 1998 beantragte der Lehrstuhl beim Robert Koch Institut in Berlin die Genehmigung für die Freisetzung transgener Kartoffeln auf der Versuchsstation Roggenstein. Nachdem der Freisetzungsversuch mit transgenem Mais und Raps 1997 abgeschlossen und 1998 nur Nachmonitoring-Arbeiten durchgeführt wurden, sollen mit diesem Versuch pflanzenbaulich Parameter bei Kartoffeln, die den Phytochrom B Photorezeptor aus Arabidopsis enthalten, ermittelt werden. Die Transformanten wurden von Frau Prof. Dr. Christiane Gatz, Universität Göttingen, erstellt. Durch den Einbau des fremden Gens ändert sich eine Vielzahl von Eigenschaften, deren Ausprägung und Bedeutung nur in einem exakten Feldversuch reproduzierbar ermittelt werden kann. Unter anderem sind das Wachstum durch Verkürzung der Internodien, der Anthocyangehalt und der Stengelumfang verändert. Das spezifische Gewicht der Blätter ist um bis zu 50% erhöht, was auf die um ebenfalls bis zu 50% erhöhte Chlorophyllmenge pro Blattfläche zu erklären ist. Dies führt zu einer erhöhten Photosyntheseleistung. Dadurch kommt es zu vermehrter Wurzelbildung, zu erhöhter Knollenbildung und damit auch zu erhöhtem Ertrag. Die Abreife der Pflanzen ist deutlich verzögert. Ziel der Versuche in Roggenstein ist die Ermittlung der für diese veränderten Pflanzen optimalen Düngestrategie. Es soll in Parzellenversuchen abgesichert werden, ob sich die veränderte Ertragsbildung sichern läßt. Gelingt dies, könnten die transgenen Klone genutzt werden, um über sexuelle Kreuzung oder somatische Fusion diese Eigenschaft in neue Kartoffelsorten einzulagern, die dann sowohl im Food- als auch im Non-Food-Sektor zum Einsatz kommen könnten. Es werden aber vor allem generelle Antworten zur Ertragsbildung erwartet. Wegen einer Reihe von Nachforderungen zum Antrag wurden die Unterlagen erst am öffentlich ausgelegt. Bei einer Auslage- und Einspruchsfrist von je vier Wochen ist nicht damit zu rechnen, daß die Freisetzungsgenehmigung noch rechtzeitig für einen Anbau 1999 erfolgt. Mit dem Versuch soll dann im Jahr 2000 begonnen werden. Die Äsche als Charakterfisch der nach ihr benannten Gewässerregion hat vielerorts seit Beginn der achtziger Jahre drastische Bestandseinbußen zu verzeichnen. Sie existiert in den meisten alpinen und voralpinen Gewässern nur noch in überalterten Restbeständen. Die wenigen verbliebenen sehr großen Tiere werden altersbedingt in den nächsten Jahren verschwunden sein. Es besteht somit die akute Gefahr, daß die Äsche in vielen bayerischen Bächen und Flüssen ausstirbt. Der Bayerische Naturschutzfond bewilligte deshalb ein Untersuchungsprogramm zur Ermittlung, Darstellung und Wertung der Gefährdungsursachen dieser Art. Die Finanzierung erfolgt aus Mitteln der Glücksspirale. Für das Artenhilfsprogramm wurde ein Konzept entwickelt, das das Zusammenwirken von Verbänden, Institutionen und staatlichen Einrichtungen vorsieht. Beteiligt ist unter anderem das Fachgebiet Fischbiologie der TU München. Hier werden in den nächsten zwei Jahren die Reproduktions- und Aufwuchsbedingungen der Äsche an den betroffenen Gewässern und unter Laborbedingungen untersucht. Speziell sollen die Fruchtbarkeitsdaten der Äsche, die Funktionsfähigkeit der Laichplätze und Brutentwicklungsräume sowie die Reaktion der Äschenbrut auf verschiedene Umweltfaktoren untersucht werden. In der Zerstörung der Laichplätze, im Rückgang der Befruchtungsfähigkeit der Gameten und in der Wirkung der Umweltstressfaktoren werden potentielle Ursachen des Rückgangs gesehen. Als weitere potentielle Ursachen berücksichtigt das Programm den Fraßdruck fischfressender Vögel, die Strukturveränderung in den Gewässern, die Nutzungsänderung im Einzugsgebiet und die Wirkung punktueller und diffuser Einträge. Äschen sind sogenannte Kieslaicher, d.h. sie legen ihre Eier an überströmten Flußabschnitten mit kiesigem Substrat ab. Die Funktionsfähigkeit dieser Plätze kann durch den Eintrag von Feinsedimenten gestört werden. Da auch der Rückgang der Befruchtungsfähigkeit der Gameten als Rückgangsursache diskutiert wird, wurden bereits in der Fortpflanzungsperiode der Äsche im März 1999,soweit noch verfügbar, Elterntiere mit Hilfe der Elektrofischerei an den Laichplätzen gefangen. Die Eier wurden gewonnen, befruchtet und unter kontrollierten Bedingungen erbrütet. Befruchtungs- und Schlupfraten konnten herkunfstbezogen erhoben werden. In einzelnen Gewässern konnten nur noch wenige, in der Iller überhaupt keine Laichfische mehr gefangen werden. Die Entwicklung der Jungäschen wird an den Jungfischstandorten beobachtet. Äschen halten sich im Uferbereich der Gewässer auf und bevorzugen flache und wenig überströmte Zonen. Dort sind sie durch Aussehen und Verhalten gut von anderen Jungfischen, z.b. Bachforellen, zu unterscheiden. Diese Freilandbeobachtungen werden durch Verhaltensstudien und die Erfassung von Wachstums- und Überlebensparametern unter kontrollierten Bedingungen in Becken und mit Hilfe eines computergestützten Verhaltensmeßsystems ergänzt. Der Äschenrückgang vollzieht sich auch in den Gewässern Österreichs und der Schweiz. Auch dort werden Untersuchungen über die Rückgangsursachen durchgeführt. Erste Erfahrungen konnten unmittelbar nach Genehmigung des Artenhilfsprogramms anläßlich einer Fachtagung in Weihenstephan ausgetauscht werden. Daraus ergaben sich jedoch noch keine konkreten Hinweise auf Ursachen des Bestandsrückgangs, so daß die Referenten ein eher düsteres Bild von der weiteren Zukunft der Äschenbestände zeichneten.

14 14 aktuell Ein Blick in den Personal Computer PC-Museum im Internet Klaus Hank Bewertung, Prognose und Steuerung der Entwicklung von Ackerwildpflanzen Vegetationsökologie Als an der Professur für Unternehmensforschung und Informationsmanagement im Herbst 1998 einige veraltete, defekte Rechner ausgesondert wurden, wurden diese nicht einfach entsorgt, sondern ausgewählte Komponenten in einer Vitrine ausgestellt. Um den Inhalt der Vitrine einem größeren Publikum zugänglich zu machen, sollte dieser zudem im Internet dargestellt werden. So wurden denn weitere interessante Exponate gesucht, diese fotografiert und eingescannt, Hintergrundinformation über die Entwicklung des Personal Computers von 1981 bis heute beschafft und schließlich eine Reihe von Web- Seiten erzeugt und Anfang November 1998 im Internet veröffentlicht. Da der Platz in einer Vitrine begrenzt ist, standen zunächst kleinere Objekte wie Hauptplatinen, Prozessoren, Speicherchips und Festplatten im Vordergrund. Die WWW-Variante des PC- Museums befreite sich jedoch rasch von dieser Fessel. Hier sind seit Anfang 1999 auch Peripheriegeräte wie Tastaturen und Monitore zu besichtigen. Das PC-Museum im Internet enthält derzeit eine Beschreibung seiner Entstehungsgeschichte und eine Bildergalerie mit Fotos und Scans von»innereien«aber auch Peripheriegeräten von Personal Computern von 1983 (IBM Model 5160) bis heute. Für Interessierte gibt es überdies hintergründiges über Entwicklung und Funktion einzelner Komponenten. Als besonderes Schmankerl kann ein kurzer Film über eine geöffnete Festplatte in Aktion heruntergeladen werden. Die Vitrine kann werktäglich von 8-17 Uhr an der Professur für Unternehmensforschung und Informationsmanagement besichtigt werden. Im Internet hat sie rund um die Uhr unter der Adresse geöffnet. Seit wird vom Lehrstuhl für Vegetationsökologie das Teilprojekt»Bewertung, Prognose und Steuerung der Entwicklung von Ackerwildpflanzen«bearbeitet. Ziel dieses Teilprojektes ist die Analyse der Vegetationsveränderungen, die Bewertung von Ackerwildpflanzen als Umwelt- und Produktionsindikator und die Prognose der Auflaufraten in Abhängigkeit von Standort und Nutzung. Zudem sollen Möglichkeiten des Upscaling von Vegetationsdaten geprüft werden. Grundlage ist die flächenhafte Unter können zahlreiche Objekte aus den Anfängen der Personal Computer besichtigt werden. Ökologische Produktion und regionale Vermarktung Leitbild für nachhaltiges Wirtschaften? Wirtschaftslehre des Landbaues Im Rahmen der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung ausgeschriebenen Förderinitiative»Modellprojekte für nachhaltiges Wirtschaften«untersucht der Lehrstuhl für Wirtschaftslehre des Landbaues der TU München-Weihenstephan ökonomische und ökologische Parameter einer regionalen Produktion, Verarbeitung und Vermarktung. Im Mittelpunkt des Verbundprojektes steht die Erzeuger-Verbraucher Gemeinschaft Tagwerk e.g.. Diese produziert, verarbeitet und vermarktet Nahrungsmittel aus ökologischem Anbau im Raum Freising, Erding und Dorfen. Die Genossenschaft basiert auf einem hohen Maß an organisatorischer und sozialer Vernetzung der Mitglieder. Deren Engagement und Vertrauen in die Produkte stellt letztlich die Grundlage für den Erfolg dieses Vermarktungsweges dar. Diese Strukturen zu erfassen und zu generalisieren, ist Aufgabe des Verbundpartners ISF (Institut für sozialwissenschaftliche Forschung e.v. München). Nachhaltiges Wirtschaften erfordert die gleichrangige Beachtung von Umweltaspekten, wirtschaftlichen Erfordernissen und sozialen Rahmenbedingungen. Die angestrebte und notwendige Verbesserung der wirtschaftlichen Situation der im Tagwerk zusammengeschlossenen Produzenten, Verarbeiter und Vermarkter steht jedoch teilweise im Gegensatz zu den bislang verfolgten Leitgedanken dieses Vermarktungsweges. Das Forschungsvorhaben beschäftigt sich daher auch mit der Frage, inwieweit trotz wirtschaftlicher Zwänge die Beziehungen zwischen Landwirten und Verbrauchern gefestigt und ausgebaut werden können. Tagwerk bedeutet mehr als»nur«die Produktion von Nahrungsmitteln. Aus diesem Grund werden neben den ökonomischen Parametern auch externe Effekte von Produktion, Verarbeitung und Vermarktung (z.b. Erhaltung der natürlichen Ressourcen; Verringerung des Transportaufkommens; Sicherung von Arbeitsplätzen in der Region) erfaßt und bewertet. Diese Vorgehensweise ermöglicht es, Chancen und Grenzen regionaler Vermarktungsinitiativen aufzuzeigen. (Ansprechpartner: Dr. M. Köbler Dr. E.-M. Schmidtlein Erfassung von Gesamtdeckung, Artmächtigkeit, Individuendichte und Diasporenvorrat sowie die punktuelle Analyse der Phytomasse. Die Ergebnisse sollen als Bewirtschaftungsvorgaben in ein site specific weed management im integriert und ökologisch wirtschaftenden Betriebsteil der FAM-Versuchtation einfließen. Wirtschaftlichkeits- und Tierschutzaspekte von Zweinutzungsgeflügel Öko-Versuchsstation Viehhausen Die Anforderungen an eine möglichst produktive Legehennenhaltung oder Geflügelmast führten dazu, daß Hühnerrassen, die früher als Zweinutzungsgeflügel gehalten wurden, heute kaum mehr verbreitet sind. Die Leistungsansprüche können nur durch gezielte Zucht und Selektion erreicht werden. Diese Höchstleistung wird aber vielfach auf Kosten einer artgerechten Tierhaltung und auf Kosten der Tiergesundheit erreicht. Legerassen sollen möglichst leicht sein, um den Erhaltungsbedarf der Tiere zu reduzieren. Bei den Masthähnchen kommt das Wachstum des Bewegungsapparates nicht dem des Muskelfleischansatzes nach.»es ist belegt, daß mit der Leistungssteigerung unter anderem Knochenerweichungen, -verkrümmungen und -brüche, erhöhte Morbidität und Mortalität sowie Verhaltensstörungen (Federpicken, Kannibalismus, Pulkbildung mit Erdrücken) einhergehen«(ökolo- GIE & LANDBAU 4/98 S. 108). Da sich höchste Mast- und Legeleistung gegenseitig ausschließen bedeutet dies in der Praxis, daß die männlichen Küken der Legerassen nach dem Schlüpfen getötet werden. Das gleiche Los erwartet die weiblichen Küken der Mastrassen. In Zusammenarbeit mit dem Schweizer Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FIBL) und der Versuchsstation Thalhausen werden ab Herbst 1999 unterschiedliche Linien im Hinblick auf ihre Eignung als Zweinutzungsgeflügel untersucht. In Viehhausen erfolgt die Legeleistungsprüfung, auf der Versuchsstation Thalhausen wird parallel dazu die Mastleistungsprüfung durchgeführt. (Ansprechp. Dr. M. Köbler;

15 Der Landwirt als Anbieter von Dienstleistungen Folgerungen für die Beratungspraxis Erwin Huber (Marktlehre der Agrar- und Ernährunswirtschaft) Aufgrund veränderter Rahmenbedingungen durch die Agenda 2000 und der fortschreitenden Globalisierung der Märkte ist es vielen landwirtschaftlichen Betrieben heute nicht mehr möglich, allein aus der landwirtschaftlichen Produktion ein ausreichendes Einkommen zu erzielen, das den Lebensunterhalt für die bäuerliche Familie gewährleistet. Insbesondere Betriebe in kleinstrukturierten Regionen, wie im Bundesland Bayern, sind starken strukturellen Schwächen und Wettbewerbsnachteilen ausgesetzt, um unter den Bedingungen des künftigen Weltmarkts konkurrieren zu können. Demgegenüber ist die Landwirtschaft ein Wirtschaftszweig, dessen Funktionen sich nicht auf die bloße Sicherung der Nahrungsmittelproduktion beschränken. Über die Bewirtschaftung der Landesfläche werden von landwirtschaftlichen Betrieben Umwelt und Landschaft gestaltet, die natürlichen Lebensgrundlagen erhalten und kulturelle Leistungen zur Erhaltung wirtschaftlicher gesunder, attraktiver ländlicher Räume erbracht. Viele Landwirte haben bei dem Bestreben, sich dem Anpassungsdruck zu stellen, die Grenzen ihrer Möglichkeiten zur Aufstockung, Produktionsausweitung oder Ertragssteigerung weitgehend erreicht. Für unternehmerorientierte Landwirte, die ihre selbständige Existenz beibehalten wollen, ergeben sich gute Marktchancen durch den zielgerichteten Einsatz freier Produktionsfaktoren im Dienstleistungssektor. Als Folge vermehrter Arbeitsteilung, steigenden Wohlstands, zunehmender Freizeit und technisch anspruchsvoller Produkte mit mehr Servicebedarf wird der Anteil der Dienstleistungen an der volkswirtschaftlichen Güter- und Leistungserstellung weiterhin steigen. Wie intensiv landwirtschaftliche Unternehmer in ihren Tätigkeitsfeldern bereits mit dem Dienstleistungssektor verzahnt sind, beweist die hohe Anzahl an landwirtschaftlichen Unternehmern in Bayern, die bereits Einkommen im Zusammenhang mit Dienstleistungen erwirtschaften. Nach einer Studie der Professur für Marktlehre der Agrar- und Ernährungswirtschaft der TU München- Weihenstephan läßt sich ersehen, daß sich die Landwirtschaft bereits in einem engen, arbeitsteiligen Verhältnis mit dem Dienstleistungssektor befindet. Rund ein Viertel aller bayerischen Betriebe bieten ihre Dienste in den verschiedensten Formen an, wie z. B. im touristischen Bereich, im kommunalen Bereich, im Freizeitbereich oder beim Absatz von Konsumgütern. Nicht nur die Vielzahl an Erscheinungsformen, sondern auch die Vielfalt der aufgezeigten Möglichkeiten beweisen, daß sich Dienstleistungen als integraler Bestandteil bei landwirtschaftlichen Betrieben etablieren konnten und zahlreiche neue Geschäftsfelder eröffnen. Die abnehmende Breiten- und die zunehmende Tiefenfunktion der Produktion führen dazu, daß immer mehr Teilfunktionen ausgelagert werden. Insbesondere im Zusammenhang mit Transport, Versand-, Handwerks,- Reparatur- aber vermehrt auch mit Informationsdiensten, sind neue Geschäftsfelder in den verschiedensten Bereichen entstanden. Zur schnelleren, erfolgreicheren Weichenstellung für die Zukunft ist es unabdingbar, Methoden und Techniken für neue, am Markt noch nicht erprobte Geschäftsfelder zu entwickeln. Wegen der übergreifenden Vernetzung mit anderen Produkt- und Dienstleistungsbereichen muß zunehmend in übersektoralen Dimensionen gedacht werden. Die Agrarberatung muß die Notwendigkeit ergänzender Erwerbstätigkeiten deutlich machen. Probleme des Agrarbereichs sind nur im Gesamtzusammenhang mit der volkswirtschaftlichen Entwicklung bei Beachtung der speziellen regionalen Gegebenheiten zu sehen und zu lösen. Welches der jeweiligen Geschäftsfelder im Dienstleistungsbereich für ein landwirtschaftliches Unternehmen geeignet sein könnte, muß immer individuell geprüft werden. Dabei bestehen die Möglichkeiten, höchste Gewinne zu erzielen, bei den Feldern, in denen der landwirtschaftliche Unternehmer als Erstanbieter auftreten kann. Da durch die Erweiterung der landwirtschaftlichen Leistungspalette der Angebotszuwachs auf einigen Märkten in geringem Umfang reduziert worden ist, können staatliche Ausgaben und Transferzahlungen möglicherweise gemindert werden. Daraus würden sich positive Impulse und Effekte für die gesamte Landwirtschaft ergeben. Die Vorstellung, der Einstieg in neue Tätigkeitsfelder in Form von Dienstleistungen als»betrieblicher Rettungsanker«stelle einen globalen Lösungsansatz dar, entbehrt jedoch jeder Realität. Für die Gruppe von landwirtschaftlichen Unternehmern, deren ungenügende Einkommenssituation nicht allein aus den ungünstigen agrarstrukturellen Bedingungen, sondern auch aus mangelhafter Produktionstechnik, Betriebsführung oder der persönlichen Situation (Alter, Gesundheitszustand, Qualifikation etc.) resultiert, erscheint die Möglichkeit, neue Tätigkeitsfelder aufzugreifen, wenig opportun. Tendenziell überdurchschnittlich erfolgreiche Landwirte werden sich dagegen auch in neuen Märkten mehr oder weniger erfolgreich etablieren können. Das Wohlergehen der Landwirtschaft wird fortan nicht mehr allein von der Produktionsseite her bestimmt. Es erfordert das Einbeziehen eines breiten Straußes von Entwicklungsmöglichkeiten sowie die Bereitschaft, sich aus der vorherrschenden standespolitischen und ideologischen Enge der bäuerlichen Landwirtschaft zu lösen. Aus diesen Bedingungen kann man ableiten, daß sich der Begriff des Landwirts vom reinen Produzenten von Nahrungsmitteln und biogenen Stoffen hin zum modernen, innovativen Unternehmer im ländlichen Raum wandeln wird. Faktoren, die für eine erfolgreiche Teilnahme landwirtschaftlicher Unternehmer am Dienstleistungsmarkt bestimmend sind, hängen weniger stark von agrarpolitischen Entscheidungen ab. Vielmehr dürfen in Zukunft eher wesentliche volkswirtschaftliche Komponenten, worunter die Höhe des gesamtwirtschaftlichen Wachstumsprozesses oder die Nachfrage der übrigen Wirtschaftssektoren zu verstehen sind, nicht außer acht gelassen werden. Potentielle Aufgabenfelder für die staatliche Beratung können sein: ó Anwendung adäquater Methoden und Techniken zur Identifkation neuer Geschäftsfelder. Ansätze, die allein dem Zufall entstammen, sollten eher die Ausnahme sein. Hierbei sind Kreativitätstechniken und explorative Methoden hervorzuheben. ó Ermittlung tertiärer Bedürfnisse. Trends und Entwicklungen im Freizeitbereich sowie Chancen, die sich durch den demographischen Wandel ergeben und die im Zusammenhang mit den landwirtschaftlichen Produktionsfaktoren zu realisieren sind, soll- Dissertationen Neben den traditionellen Geschäftsfeldern entstehen zunehmend neue, z.b. Transport, Versand-, Handwerks- und Informationsdienste. Dissertationen ten in den Leistungskatalog mit aufgenommen und in die Agrarstatistik integriert werden. ó Wissenstransfer in Form von neu einzurichtenden Lehrbereichen. Die Vermittlung von volks- und gesamtwirtschaftlichen Zusammenhängen, konzeptioneller Angebotsplanung, Kenntnissen rechtlicher und steuerlicher Rahmenbedingungen und gewerbliche Unternehmensführung sind nur einige wenige Aspekte, die künftig für die Situation eines landwirtschaftlichen Unternehmers prägend sein könnten. ó Veränderung von Lehr- und Beratungsinhalten. Durch die gezielte Weitergabe strategischer Ansätze und die Vermittlung von Marktkenntnissen kann ein Anstoß zur wirtschaftlichen Umorientierung gegeben werden. Vor dem Hintergrund der angespannten Budgetsituationen in den Staatshaushalten sowohl auf nationaler als auch auf Länderebene empfiehlt sich nach Meinung des Verfassers eine Abkehr von finanziell aufwendigen Maßnahmen außerhalb der klassischen landwirtschaftlichen Produktion, wie z. B. bei der Förderung der Gebäudeumnutzung. Eine zu einseitig orientierte Sonderbehandlung landwirtschaftlicher Unternehmer, wie dies z. B. in der Förderpolitik (Ausbau alter und Schaffung neuer Förderprogramme) oder im Steuerrecht der Fall ist, kann kontraproduktiv zur Verflechtung der Landwirtschaft mit den übrigen Sektoren sein. Mehr denn je erscheinen als Voraussetzungen für eine erfolgreiche, nachhaltige Betriebsbewirtschaftung die persönliche Bereitschaft jedes einzelnen, den externen Wandel, den Strukturwandel in der Landwirtschaft, zu akzeptieren sowie die Fähigkeit, den inneren Wandel, sprich den ökonomisch optimierten Einsatz der vorhandenen Produktionsfaktoren, zu vollziehen. 15

16 16 Dissertationen Altrektor Professor Dr. Dr. h. c. 100ster Geburtstag Umweltbewußtsein und Information Ingrid Jositz-Pritscher (Land- und Agrarsoziologie) Umweltbewußtsein ist seit etwa 20 Jahren Gegenstand empirischer Untersuchungen. Im Zentrum der meisten bisherigen Untersuchungen stehen die einzelnen Komponenten des Umweltbewußtseins, nämlich das Umweltwissen, die Umwelteinstellungen und das Umweltverhalten. Die vorliegende Untersuchung hat zwei Schwerpunkte: zum einen eine Darstellung des Umweltbewußtseins zweier Populationen, einer nichtagrarischen und einer agrarischen, zum anderen eine Bestimmung des Einflusses von Information auf das Umweltbewußtsein. Dazu wurde eine Panelstudie durchgeführt. Die beiden untersuchten Bevölkerungen wohnen in der Region um das Versuchsgut Scheyern (40 km nördlich von München). Als Methode der Datengewinnung wurde die persönlich mündliche Befragung gewählt. Obwohl das Umweltbewußtsein (gemessen an den Umwelteinstellungen) bei der nichtagrarischen Bevölkerung hoch ist, ist ihr Umweltwissen gering und unterscheidet sich erheblich von den naturwissenschaftlichen Erkenntnissen. Wie unsere Ergebnisse jedoch zeigen, kann dieses Wissen in kurzer Zeit und teilweise mit geringem Aufwand vermehrt werden. Eine Umwelterziehung, die die Vermittlung von Umweltwissen zum Ziel hat, kann demnach schnelle Erfolge verbuchen. Im Vergleich zum Umweltwissen handelt es sich bei den Umwelteinstellungen um einen deutlich komplexeren Bereich. Es gibt Einstellungen, die bereits so gefestigt sind, daß sie sich trotz Informationen nicht verändern. Es gibt aber auch Einstellungen, die sich unter Informationen in eine bereits eingeschlagene Richtung weiterentwickeln und solche, die noch hin- und herschwanken. Eine Umwelterziehung, die Einstellungen ändern will, ist demnach kompliziert und kann nicht so schnell erfolgreich sein wie die Wissensvermittlung. Bei der agrarischen Bevölkerung steht das Umweltverhalten der Landwirte auf ihren Betrieben im Zentrum der Untersuchungen. Wenngleich durch die Situationsanalyse die hypothetisch angenommene abwehrende Haltung der Landwirte gegenüber ökologisierenden Einflüssen von außen bestätigt werden konnte, zeigte sich im Verlauf der drei Befragungsjahre dennoch eine zunehmende Offenheit für ökologisch förderliche Maßnahmen und auch die Bereitschaft, sie umzusetzen. Erosionsanfälligkeit unterschiedlich genutzter Ackerböden Bodenkunde Wie wirksam sind die Maßnahmen, die Landwirte auf der Fläche ergreifen können, um Oberbodenverluste durch Erosion zu minimieren? Um dieser Frage nachzugehen, wurden im Rahmen einer Dissertation am Lehrstuhl für Bodenkunde die Bodenbedeckung durch Pflanzen, Stoppel und Steine, die Oberflächenrauhigkeit und die Aggregatstabilität von Böden erfaßt. Die zeitliche und räumliche Variabilität dieser Größen wurde auf zwei benachbarten Betrieben nach Umstellung auf Ökologischen Landbau und Integrierten Pflanzenbau untersucht. Die räumliche und zeitliche Variabilität aller genannten Größen war hoch. Es zeigte sich, daß durch Mulchsaaten, den Anbau von Zwischenfrüchten und das Einbringen von Untersaaten nicht nur der Schutz der Bodenoberfläche vor erosiven Niederschlägen erhöht werden kann, sondern auch eine deutliche Stabilisierung der Aggregatstruktur erzielt wird. Hierdurch werden die Abfluß- und Abtragsmengen deutlich reduziert. Häufiges und oder intensives Bearbeiten der Böden dagegen, z.b. beim Kartoffelroden, verringerte die Aggregatstabilität gegenüber Wasser. Die zeitliche Variabilität der Aggregatstabilität war eng mit der Dynamik der organischen Bodensubstanz und damit dem Humusmanagement verknüpft. Im integriert bewirtschafteten Betrieb stiegen die Gehalte an organischer Substanz durch die deutliche Verringerung der Bearbeitungsintensität und Stoppelabfuhr um über 900 kg C ha-1 auf den obersten drei Zentimetern in den ersten drei Jahren nach Bewirtschaftungsumstellung. Im ökologisch bewirtschafteten Betrieb stiegen die Gehalte an organischer Substanz in Grünbrache- oder Futteranbauperioden, im gesamten Untersuchungszeitraum blieben sie jedoch gleich oder sanken, was vor allem auf die häufigen und intensiven Bodenbearbeitungsgänge zur Wildkrautbekämpfung zurückzuführen ist. Durch detaillierte Mikroreliefuntersuchungen ließ sich nachweisen, daß durch Querbearbeitung und möglichst rauhe Saatbettbereitung bereits auf Quadratmeterebene die Tortuosität der Abflußbahnen und die Stabilität des Mikroreliefs erhöht und die mittlere Abflußgeschwindigkeit gesenkt werden kann. Am jährte sich der Geburtstag des 1988 verstorbenen Altrektors der TU München Professor Dr. Dr. h.c. Gustav Aufhammer zum 100sten Male. Er entstammte einer mittelfränkischen Lehrerfamilie. In den frühen 20er Jahren nahm er das Studium der Landwirtschaft an der damaligen Technischen Hochschule München auf. Nach Diplomabschluß und 2. Staatsexamen bot sich die Möglichkeit zur Anfertigung einer Dissertation und Promotion bei Prof. Kießling, und danach die Chance, wissenschaftliches Interesse und beruflichen Werdegang miteinander zu verbinden. Über einige Zwischenstationen kam er 1935 an die Bayerische Landessaatzuchtanstalt in Weihenstephan, 1938 wurde ihm dort die Leitung der Weizenabteilung übertragen. Dies gab ihm Gelegenheit, die Möglichkeiten zur Erzeugung und Erfassung von Qualitätsweizen aus einheimischen Weizensorten nicht nur zu demonstrieren, sondern auch in Form größerer»qualitätsweizen-aktionen«erfolgreich zu organisieren. Darüber hinaus brachte er in die laufenden Züchtungsarbeiten der Landesanstalt neues Basismaterial mit erheblich verbesserten Resistenzeigenschaften insbesondere gegen Mehltau ein, das der Sortenentwicklung in der Weizenzüchtung über mehrere Jahrzehnte zugute kam. Auf der Grundlage solcher wissenschaftlichen und organisatorischen Leistungen wurde er zum Wintersemester 1949/50 in die Nachfolge von Prof. Dr. H. Raum an die TH München berufen und ihm die Leitung des damaligen Instituts für Acker-und Pflanzenbau an der Fakultät für Landwirtschaft übertragen, die auf Grund der Initiativen von Professor Raum bereits 1946 ihren Lehrbetrieb nicht in München (wie vor dem Kriege) sondern in Weihenstephan wieder aufgenommen hatte. Da es sich um eine der ersten Neuberufungen an die wiederbegründete Fakultät handelte, fiel Prof. Aufhammer neben den Lehrverpflichtungen zur Vertretung seines Fachs in zunehmendem Maße eine Schlüsselrolle bei der Lösung der zunächst offenen Frage des Verbleibs der Fakultät in Weihenstephan oder ihrer Rückkehr nach München zu. Mit großer Entschiedenheit argumentierte er für den Verbleib in Weihenstephan, und mit der ihm eigenen Konzilianz und Beharrlichkeit trachtete er in den verschiedenen Positionen der akademischen Selbstverwaltung unermüdlich danach, bei weiteren Neuberufungen profilierte Persönlichkeiten für Weihenstephan zu gewinnen, sowie durch bauliche Investitionen die noch unzureichenden Voraussetzungen für erfolgreiche landwirtschaftliche und gartenbauliche Forschung zu verbessern. Ein wichtiges Anliegen war ihm ferner die wissenschaftliche Kooperation mit der Weihenstephaner Nachbarfakultät für Brauwesen, und es gelang ihm auch bald internationale Kontakte herzustellen und auszubauen. Forschungsarbeiten auf dem Gebiet von Züchtung, Anbau und Verwertung von Braugerste bildeten dabei einen neuen Schwerpunkt in den Forschungsaktivitäten seines Instituts. Der Neubau eines Hörsaalgebäudes für die Fakultät für Landwirtschaft und Gartenbau und von drei neuen Institutsgebäuden auf dem Weihenstephaner Berg, die mit der Hochschultagung im Jahre 1958 eingeweiht werden konnten, besiegelte die Endgültig

17 Personen 17 Gustav Aufhammer Manfred Kirchgeßner 70 Jahre keit dieser Weichenstellungen. Der Aufschwung der Weihenstephaner Fakultäten trug dennoch eher zur Stärkung als zur Schwächung der Verbindungen mit den im Stammgelände der TH in München angesiedelten Fakultäten bei. Dies fand nicht zuletzt sichtbaren Ausdruck in der Wahl von Prof. Aufhammer zum Rektor der TH für die akademischen Jahre 1960/61 und 1961/62. Damit war ihm während dieser Zeit besondere Verantwortung für die Gesamtentwicklung seiner Hochschule anvertraut. In die Zeit seines Rektorates fiel z. B. der Beginn der Umbauarbeiten für die Installation der Großrechenanlage bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften im Südgelände der TH, dem heutigen Leibniz-Rechenzentrum. Ein besonderes Anliegen war es ihm, die Verbindung der Fakultät für Landwirtschaft und Gartenbau zur Öffentlichkeit und insbesondere zu ihren Absolventen aufrecht zu erhalten und zu pflegen. Hierzu gehörte die regelmäßige Abhaltung von Hochschultagungen und die von ihm initiierte Gründung einer Absolventenvereinigung, zu deren Ehrenvorsitzenden er 1974 gewählt wurde. Auch in den letzten Jahren seiner aktiven Tätigkeit als Hochschullehrer wurden seine Fachkompetenz und seine Urteilskraft für übergeordnete Aufgaben in Anspruch genommen. So wirkte er an der Ausarbeitung des Gutachtens der Kommission des Wissenschaftsrates zu»neuordnung des Studiums der Agrarwissenschaften im (damaligen) Bundesgebiet«mit, das der Öffentlichkeit übergeben wurde. Darin wurde empfohlen, die Zahl landwirtschaftlicher Fakultäten im Bundesgebiet deutlich zu verringern, die wissenschaftliche Kapazität der verbleibenden Fakultäten jedoch erheblich auszubauen und im Zuge des weiteren Ausbaus von Hochschulen fachverwandte Lehr- und Forschungseinrichtungen der angewandten Biowissenschaften auch räumlich näher zusammenzuführen. Aus diesem Grundgedanken entstand dann der Begriff»Grünes Zentrum Weihenstephan«, der dem Ausbau Weihenstephans bis in die jüngste Zeit zugrunde lag, und es fällt nicht schwer, darin wesentliche Elemente der neuerdings angestrebten Entwicklung Weihenstephans zum»life and Food Science Center«wiederzuerkennen. Auch nach seiner Emeritierung im Jahre 1968 ist Prof. Aufhammer weiterhin mit zahlreichen Veröffentlichungen aus seinem engeren Fachgebiet hervorgetreten, und noch über nahezu 2 Jahrzehnte hat er die weiteren Entwicklungen an seiner Hochschule und insbesondere in Weihenstephan aufmerksam und mit regem Interesse verfolgen können. Die öffentliche Anerkennung seiner vielseitigen Verdienste für die Hochschule fand ihren Ausdruck in der Verleihung des Bayerischen Verdienstordens (1965) sowie des Bundesverdienstkreuzes (1968). Seine wissenschaftlichen Leistungen wurden in der Verleihung der Ehrendoktorwürde durch die Universität Bonn (1968) sowie mit der Roemer-Medaille für hervorragende Leistungen auf dem Gebiet der Getreideerzeugung und der Getreidezüchtung (1969) gewürdigt. Mit der 1986 erfolgten Aufnahme in den Maximiliansorden, Abteilung Wissenschaft wurde ihm noch in hohem Alter eine der höchsten Auszeichnungen Bayerns zuteil. Prof. Dr. G. Fischbeck Prof. Manfred Kirchgeßner, emeritierter Ordinarius für Ernährungsphysiologie und Tierernährung der TU München Freising-Weihenstephan, feierte am 21. Mai 1999 seinen 70. Geburtstag. Nach dem Studium der Agrarwissenschaften an der Universität Hohenheim und der Chemie an der Universität Stuttgart, der Promotion (1955) und Habilitation (1958) erhielt und folgte Manfred Kirchgeßner 1961 mit erst 31 Jahren einem Ruf als Ordinarius an die Technische Hochschule München in Freising-Weihenstephan. Dort begann er, räumlich zunächst sehr beengt, einen eigenen Forschungsbereich und ein schlagkräftiges Team aufzubauen. Galt seine Liebe zunächst vor allem der Spurenelementforschung, erweiterte er seine wissenschaftlichen Aktivitäten bald auf alle wichtigen Gebiete der Ernährungsphysiologie und wandte sich auch vielen praktischen Ernähungsfragen zu. Eine ehrenvolle Berufung nach Hohenheim wie auch auf den Lehrstuhl für Tierphysiologie in Göttingen lehnte er ab, was ihm zuerst mit dem Neubau einer großen Versuchsanlage und anschließend mit dem Neubau eines Institusgebäudes nicht zu schwer gemacht wurde. Aus bescheidenen Anfängen hat Manfred Kirchgeßner in den 37 Jahren bis zu seiner Emeritierung mit enormem wissenschaftlichem Ideenreichtum, mit Zielstrebigkeit und Durchsetzungsvermögen eines der national und international bedeutendsten Universitätsinstitute für Ernährungsphysiologie und Tierernährung aufgebaut. Kirchgeßner wollte immer Wissenschaft fördern und gestalten. Gemäß dieser Maxime ist die Liste seiner Verpflichtungen in Fakultät und Universität sowie seiner Mitgliedschaften in internationale Gesellschaften, Arbeitsgemeinschaften, Kommissionen, Beiräten, Juries und Akademien überaus umfangreich. Es ist kaum zu glauben, daß er auch noch Herausgeber oder Mitglied im Editorial Board von 16 nationalen und internationalen wissenschaftlichen Zeitschriften war. Sein wissenschaftliches Werk umfaßt über Originalveröffentlichungen, Reviews und 6 Fachbücher. 145 Akademiker sind heute stolz darauf, bei ihm promoviert zu haben; 19 Wissenschaftler führte er zur Habilitation. 22 seiner ehemaligen Mitarbeiter sind national und international als Professoren tätig. Die Liste seiner wissenschaftlichen Ehrungen ist fast unüberschaubar. Speziell erwähnt sei die beachtliche Zahl von 6 Ehrendoktorwürden, verliehen von Universitäten im In- und Ausland. Als weiteren Ausdruck seiner vielfältigen wissenschaftlichen Kontakte rund um den Erdball gilt die Verleihung zweier chinesischer Ehrenprofessuren für Medizin bzw. Naturwissenschaft durch das Basical Medical Science Research Institut in Beijing und der Nanchang Universität. Auch seine Wahl in den Senat der Leopoldina spricht für die hohe wissenschaftliche Wertschätzung dieser verdienstvollen Persönlichkeit. Wer nun glaubt, Manfred Kirchgeßner sei ein einseitiger und nur arbeitsbesessener»workaholic«, der irrt gewaltig. Er hat eine geistvolle, wohltuend fröhliche Art. Seine heitere Ironie und seine in privaten Begegnungen spürbare offene menschliche Wärme sind erfrischend und sehr sympathisch. Als Ausgleich zur beruflichen Belastung pflegte Kirchgeßner viele sportliche Aktivitäten wie Skifahren, Tennis und nach der Emeritierung auch Golf. Eine weniger bekannte Seite seiner Persönlichkeit ist sein Kunstverständnis mit einer besonderen Vorliebe für moderne Malerei. Dem junggebliebenen Jubilar sind weiterhin beste Gesundheit, Glück und Wohlergehen sowie der Erhalt seiner bewundernswerten Vitalität zu wünschen. Günther Wolfram. Aus: TUM Mitteilungen 4-98/99 Hugo Steinhauser 70 Jahre Am 21. März 1999 vollendete Prof. Hugo Steinhauser, emeritierter Ordinarius für Wirtschaftslehre des Landbaus der TU München in Freising-Weihenstephan, sein 70. Lebensjahr. Hugo Steinhauser studierte in Hohenheim und Weihenstephan Agrarwissenschaften und promovierte 1958 zum Dr. agr. bei Prof. Paul Rintelen legte er außerdem das Staatsexamen für den höheren landwirtschaftlichen Dienst ab. Die Habilitation erfolgte 1963 an der damaligen Technischen Hochschule München in Freising-Weihenstephan. Bereits 1965 wurde Steinhauser als Nachfolger von Prof. Georg Blohm auf den Lehrstuhl für landwirtschaftliche Betriebs- und Arbeitslehre an der Christian-Albrecht-Universität in Kiel berufen. Im Jahre 1971 folgte er dem Ruf an seine alte Wirkungsstätte in Weihenstephan als Nachfolger seines hochgeschätzten Lehrers Paul Rintelen. Neben der eigentlichen Hochschullehrertätigkeit engagierte Fortsetzung Seite 18

18 18 Personen Fortsetzung von Seite 17 Steinhauser sich wiederum sehr stark in der universitären Selbstverwaltung. Von 1982 bis 1984 war er Dekan der Fakultät für Landwirtschaft und Gartenbau. Von 1975 bis 1996 war er Geschäftsführer der Versuchsstation für landwirtschaftliche Betriebslehre mit den Teilbetrieben Dürnast und Viehhausen. Hugo Steinhauser hat sich stets um die Verbreitung der erarbeiteten, wissenschaftlichen Erkenntnisse bemüht. Dies unterstreichen die etwa 570 Veröffentlichungen, die bisher erschienen sind. Besonders guten Anklang hat das gemeinsam mit C. Langbehn und U. Peters verfaßte Lehrbuch»Einführung in die landwirtschaftliche Betriebslehre Allgemeiner Teil«gefunden, das als eingeführtes Standardwerk bereits 1992 die 5. Auflage erreicht hat und in zwei Fremdsprachen übersetzt ist. Die Praxisnähe seiner wissenschaftlichen Arbeiten und die immer klaren Ausführungen machten Steinhauser zu einem geschätzten Vortragenden. Immerhin konnte er in nahezu 300 öffentlichen Vorträgen zu aktuellen agrarökonomischen Fragen Stellung nehmen. Steinhauser genießt über den engeren Fachbereich hinaus hohes Ansehen. So war er über 20 Jahre Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Von 1975 bis 1987 war er bei demselben Ministerium auch Mitglied im Beirat für Naturschutz und Landschaftspflege. Die bisher höchste Anerkennung fand er in der Verleihung des Henneberg-Lehmann-Preises 1984 durch die Universität Göttingen. Der erfolgreiche Abschluß von 43 Promotions- und 4 Habilitationsverfahren unterstreicht sein stetes Bestreben, jüngere Mitarbeiter durch eine fundierte wissenschaftliche Ausbildung zu fördern. Nach wie vor nimmt Hugo Steinhauser regen Anteil an den wissenschaftlichen Veranstaltungen innerhalb und außerhalb Weihenstephans. Wir freuen uns, den Jubilar bei guter Gesundheit zu wissen und wünschen ihm noch viele Jahre Lebensfreude und Interesse am universitären Geschehen. Alois Heißenhuber, Helmut Hoffmann. Aus: TUM Mitteilungen 3-98/99 Hannelore Daniel Walter Feucht 70 Jahre Zum 1. Dezember 1998 wurde Prof. Hannelore Daniel, Professorin für Biochemie der Ernährung an der Justus-Liebig-Universität Gießen, auf den Lehrstuhl für Ernährungsphysiologie der TU München berufen. Zur Person Hannelore Daniel, 1954 in Ehringshausen (Lahn-Dill-Kreis) geboren, studierte an der Justus-Liebig- Universität Gießen von 1972 bis 1977 Ernährungswissenschaft im Studiengang Haushalts- und Ernährungswissenschaften. Mit der Diplomarbeit wurde ihr Interesse an zellbiologischen und biochemischen Prozessen gelegt. Konsequenterweise fertigte sie in der von Prof. G. Rehner geleiteten Arbeitsgruppe»Biochemie der Ernährung«am Institut für Ernährungswissenschaft in Gießen auch ihre Dissertation über die Mechanismen der Aufnahme wasserlöslicher Vitamine in die Darmepithelzellen an, die mit einem Preis der Universität Gießen ausgezeichnet wurde. Nach der Promotion 1982 war sie mit Unterbrechungen durch Forschungsaufenthalte am Max- Planck-Institut für Biophysik, Frankfurt, und am Institute of Physiology der University of Glasgow am Institut für Ernährungswissenschaft in Gießen tätig habiltierte Hannelore Daniel für das Fach Physiologie und Biochemie der Ernährung. Wichtige Forschungsarbeiten aus dieser Zeit wurden 1988 mit dem Preis der Herbert-Quandt-Stiftung zur Förderung der Ernährungswissenschaften und 1989 mit dem Franz-Vogt-Preis der Justus-Liebig-Universität Gießen in der Sektion Naturwissenschaften ausgezeichnet. Auf Einladung von Prof. S. Adibi war Daniel dann für drei Jahre in der Clinical Nutrition Unit der School of Medicine der University of Pittsburgh/USA tätig erhielt sie zunächst einen Ruf auf den Lehrstuhl für Humanernährung der Friedrich-Schiller- Universität Jena, kurz danach auf die bis dahin einzige deutsche Professur für Biochemie der Ernährung an der Justus-Liebig- Universität Gießen. Zur Forschung Für die Ernährungsphysiologie sind Wechselwirkungen von Nahrungsinhaltsstoffen mit Funktionsproteinen des Organismus von besonderer Bedeutung. Als Grenzfläche zwischen Außen- und Innenwelt des Körpers bildet das Darmepithel dabei eine entscheidende Barriere. Für die Überwindung der Zellmembranen an dieser Grenzfläche sorgen - ebenso wie bei allen Körperzellen - spezifische Transportproteine. Um diese Membrantransporter zu identifizieren, ihre Struktur und Funktion aufzuklären, wendet die Arbeitsgruppe Daniel molekular- und zellbiologische sowie immunologische und elektrophysiologische Techniken an. Da einige Nährstofftransporter auch Pharmaka transportieren, ist das Arbeitsgebiet auch für die Pharmakologie relevant. Darüber hinaus beschäftigt sich Hannelore Daniel mit der Bedeutung der Ernährung bei der Entstehung von Dickdarmkrebs, wobei ihr Hauptinteresse nichtnutritiven Nahrungsinhaltstoffen aus der Gruppe der pflanzlichen Flavonoide gilt. Zur Lehre Durch Lehrangebote vertritt Hannelore Daniel seit 1982 die Ernährungsphysiologie vom zellulären Ereignis bis zur Regulation auf der Ebene des Gesamtorganismus. Dabei dienen ihr»news from natural sciences«mit aktuellsten Forschungsergebnissen zum Einstieg in die jeweilige Vorlesung und eine Zusammenfassung in englischer Sprache als Abschluß. Zur Vertiefung werden einerseits Seminare, andererseits Workshops angeboten, in denen Studierende in ganztägigen Veranstaltungen ein Thema bearbeiten und nach eigenen Vorstellungen präsentieren. Dabei steht der Umgang mit dem wissenschaftlichen Schrifttum sowie englischer Sprache und die Didaktik der Präsentation im Mittelpunkt der Lernziele. Wahlvertiefungsveranstaltungen zur Molekularbiologie für Ökotrophologen, Zellbiologie und zum Stoffwechsel von Vitaminen und Mineralstoffen ergänzen die Pflichtveranstaltungen. Aus: TUM Mitteilungen 2-98/99 Prof. Walter Feucht, emeritierter Ordinarius für Obstbau der TU München in Freising-Weihenstephan, feierte am 30. Januar 1999 seinen 70. Geburtstag. Als Walter Feucht vor zehn Jahren der»ehrenteller«des Bayerischen Landwirtschaftsministeriums überreicht wurde, hat er diesen selbst etwas wehmütig als»altersteller«bezeichnet. Die mit dem Bewußtsein des Älterwerdens oftmals verbundene»lag-phase«war und ist bis heute bei ihm nicht zu beobachten. Über die zahlreichen Aktivitäten und Publikationen, die nach wie vor in herausragender Qualität seinen Schreibtisch verlassen, wurde erst kürzlich anläßlich seiner Emeritierung berichtet. Es soll deshalb an dieser Stelle darüber nachgedacht werden, was diesen Wissenschaftler als Persönlichkeit ausmacht und was er seinen Mitarbeitern und dem wissenschaftlichen Nachwuchs vermittelt hat. Feucht konnte als Institutsleiter seine Studenten, Diplomanden und Doktoranden faszinieren durch die Art, wie er mit Forschung allgemein und mit der Pflanze, insbesondere mit dem Obstgehölz, umging. Bis in die Prüfungen hinein stand er auch verrückt erscheinenden Ideen immer aufgeschlossen gegenüber. Forschung bedeutet für ihn bis heute die intensive Auseinandersetzung mit Hypothesen, so daß er keine Gelegenheit zur konstruktiven Diskussion ausläßt. Überall und fast zu jeder Tages- und Nachtzeit kann man ihn mit einem wissenschaftlichen Problem überfallen. Alle seine Mitarbeiter hat er stets angehalten, sich um die Wissenschaft zu kümmern. Den Zeitaufwand für Politik und Verwaltung hat er sich und allen Institutsangehörigen nach Möglichkeit erspart und auf das Nötigste reduziert. Die Situation an seinem 60. Geburtstag, als das gesamte Institut mit zahlreichen Gästen einen ganzen Tag lang feierte, wurde von den Mitarbeitern in einigen kleinen Versen folgendermaßen charakterisiert:»schon wieder ist ein Tag für die Forschung verlor n. Es ruhn Mikroskop und Chromatographie» Auf vollbrachten Leistungen hat sich Feucht nie ausgeruht - er schöpft seine Energie und unermüdliche Schaffenskraft nicht aus der Vergangenheit, aus dem bereits Geleisteten, sondern aus seinen neuen Ideen für die Zukunft. Seinem Weitblick und seiner Ausdauer hat er es zu verdanken, daß er sich niemals von seiner Begeisterung über Sekundärstoffe abbringen ließ. Allen seinen Mitarbeitern sind Erzählungen bekannt,

19 aus den Lehrstühlen 19 Weitere Mitteilungen aus den Lehrstühlen in denen er Anfeindungen durch namhafte Botaniker und Pflanzenphysiologen schilderte, die eine biologische Aktivität phenolischer Pflanzeninhaltsstoffe nicht wahrhaben wollten. Auch die Gartenbauwissenschaftler bezeichneten ihn gern etwas abfällig als»phenolforscher«. Es gelang Feucht durch sein Vorbild, seine Mitarbeiter voll und ganz auf dieses Spezialgebiet einzustimmen. Mittlerweile hat sich längst gezeigt, daß diese konsequente Arbeit richtig und zukunftsweisend war. Niemand wird heute noch die Bedeutung der bioaktiven Sekundärstoffe für Pflanze und Mensch anzweifeln wollen. Zu seinem 70. Geburtstag wird Walter Feucht wohl seine wissenschaftliche Arbeit wieder durch eine kleine Pause unterbrechen müssen, denn ein kleines Fest bleibt ihm nicht erspart. 70 aktive Jahre sind Grund und Anlaß genug, sich zu freuen. Für alle ehemaligen Mitarbeiter gratuliert auf diesem Weg Dieter Treutter. Aus: TUM Mitteilungen 2-98/99 Ackerbau und Informatik Habilitationen: Herr Dr. Thomas Engel habilitierte am zum Dr. agr. habil. mit dem Thema:»Neuronale Netzwerke Funktionsweise und Nutzungsmöglichkeiten im Pflanzenbau«. Er erhielt die Lehrbefähigung für das Fachgebiet Pflanzenbau Botanik Tagungen und Vorträge ò Vom fand in Las Vegas the»third Workshop on Biosensors amd Biological Techniques in Environmental Analysis«statt. Herr Prof. Hock referierte dort über»enzyme- Linked Receptor Assay for Estrogens and Xenoestrogens. ò Am 11. und tagte in Frankfurt der Vorstand der Fachgruppe Wasserchemie. Herr Hock ist Vorstandsmitglied. ò Am tagte die Arbeitsgruppe»Wirkungsbezogene Analytik«in der Fachgruppe Wasserchemie der GDCh in Mainz, deren Vorsitzender Herr Hock ist. ò Vom nahm Herr Prof. Hock bei ESTEC in Nordwijk (NL) als Experte für Biologische Experimente auf der ISS-Raumstation teil. ò Vom fand in Tarragona (Spanien) die erste Sitzung des gemeinsamen EU-Projekts TECACOR statt. ò Herr Prof. Hock referierte am bei Herrn Prof. Grill in München über Immunchemische Methoden. ò Herr Hock hielt sich vom bis anläßlich der Pittcon- Conference in Orlando (Florida) auf. Er hielt dort einen Plenarvortrag mit dem Thema»Immuno-chemical methods: Environmental analysis and perspectives«. ò Auf Einladung der DFG nahm Herr Prof. Hock an der Sitzung des DFG- Schwerpunktprogramms ROSIG (Refraktäre organische Säuren in Gewässern) in Bonn teil. ò Am fand beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) eine Besprechung über ein geplantes BMBF-Projekt statt. ò Herr Prof. Hock hielt am auf der InCom 99 (Heinrich-Heine- Universität Düsseldorf) einen Vortrag über»rezeptortests zum Nachweis endokriner Disruptoren«. ò Am 07. und fand in Cranfield (UK) die erste Arbeitsbesprechung des neu genehmigten EU-Projektes»Algaetox«statt. Herr Prof. Hock und Herr Matthias Kania nahmen daran teil. ò Die Arbeitsbesprechung des gemeinsamen EU-Projektes»Envirosense«fand am in Paris statt. Herr Dr. Karl Kramer hielt dort einen Vortrag über»measurement of priority metabolites using optoelectronic biosensors derived from antibody and macrocyclic receptor libraries«. ò Herr Prof. Hock und Herr Dr. Karl Kramer nahmen vom am Bioset EU Workshop Biosensors for Environmental Monitoring teil. Herr Hock sprach dort über Rezeptorassays. ò Das BIOSENSOR-Symposium 99 fand vom in München statt. Herr Prof. Hock (Mitglied des wissenschaftlichen Komitees), Herr Dr. Karl Kramer und Herr Dipl.- Biol. Martin Seifert nahmen daran teil. ò Am wurde in Berlin die erste Arbeitsbesprechung des neu genehmigten EU-Projektes»Sandrine«abgehalten. ò Vom fand in Wermelskirchen eine Klausurtagung des Vorstandes der Fachgruppe Wasserchemie statt. ò Am referierte Herr Prof. Hock im Rahmen des 11. Europäischen Abwasser- und Abfallsymposiums über»neues von der Enzymfront«. ò Vom fand in Regensburg die Jahrestagung der Fachgruppe Wasserchemie statt. Herr Dipl.-Biol. Martin Seifert hielt dort einen Vortrag mit dem Thema»Wirkungsbezogene Analytik von Östrogenen und Xenoöstrogenen«. Ausländische Gäste Am besuchte eine Delegation des Cosmo Research Centers aus Saitama (Japan) den Lehrstuhl für Botanik. Herr Dr. Michael Berg und Dr. Michael Emmenegger von der EAWAG (Dübendorf, Schweiz) hielten sich vom am Lehrstuhl für Botanik auf und informierten sich über die Messungen von Schadstoffen in Wasserproben. Herr Dr. Stephan Müller von der der EAWAG, Dübendorf (Schweiz), hielt am im Rahmen des Lehrstuhl-Seminars einen Vortrag über Schadstoffmonitoring in der Schweiz. Am besuchte Herr Dr. Peter Kern von der Dornier GmbH Friedrichshafen den Lehrstuhl für Botanik.

20 20 aus den Lehrstühlen Bromatologie Tagungen und Vorträge ò Frau Dipl. Ökotroph. Gabriele Pichel, geb. Schneider, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrgebiet Bromatologie - Hygiene und Technologie der Nahrung referierte am anläßlich des 3. Kompetenz-Kongresses der HypoVereinsbank in München über»speisen und Speisenzubereitung für Menschen ab 50«. Sich genußvoll und dabei gesund zu ernähren, ist für das Wohlbefinden von außerordentlicher Bedeutung. Menschen ab 50 sollten ihr Leben so gestalten, daß Lebensfreude gefördert und Vitalität erhalten wird. Speisen für den Menschen ab 50 müssen nicht nur möglichst energiearm und möglichst nährstoffdicht sein. Sie sollen auch Vorlieben hinsichtlich der Aufmachung, Anrichtung und Geschmacksgebung erfüllen, durch ihre sensorische Beschaffenheit Appetit und Verdauung anregen und so Bekömmlichkeit vermitteln. ò Herr Professor Dr. G. Pfeiffer, Vorstand des Lehrgebietes Bromatologie - Hygiene und Technologie der Nahrung, referierte am anläßlich des 610. KIN- Seminares»Neue Wege der industriellen Verarbeitung von Roh- und Zusatzstoffen«in Neumünster zum Thema»Lebensmittel aus Lupinenkorn«und am anläßlich der vom Kultusministerium geförderten gemeinsamen Fortbildungsveranstaltung für Fleischer des Landkreises und Lehrer der Berufsschule Schwandorf am Beruflichen Schulzentrum Oskar-von-Miller in Schwandorf zum Thema»Hygiene in der Fleischerei - Verpflichtung der Betriebe zur Schulung der Mitarbeiter«. Sonstiges Non scholae, sed vitae discimus»zur bestmöglichen Versorgung des Verbrauchers mit bestmöglichen Lebensmitteln und Speisen beizutragen, zählt zu denjenigen Aufgaben von Ernährungswissenschaft, für die das Studium der Ökotrophologie in Weihenstephan hervorragend qualifiziert.«(dipl.ökotroph. Barbara Müller, Gastvortrag in Weihenstephan am Frau Müller ist Beauftragte für Qualitätsmanagement Catering in der Firma Dr. Rettler Service GmbH.)»Eine zu Recht als Ernährungswissenschaftlerin bezeichnete Ökotrophologin Weihenstephaner Provenienz bringt bei entsprechender Studiengestaltung jegliche Wissensgrundlagen mit, die für eine erfolgreiche Tätigkeit auf dem Gebiet von Qualitätssicherung in der Ernährungswirtschaft befähigen.«(dipl.ökotroph. Annette Bongartz, Gastvortrag in Weihenstephan am Frau Bongartz ist Leiterin der Abteilung Qualitätssicherung in der Firma Micarna SA/Schweiz.)», es ist allerdings Tatsache, daß auf dem Gebiet der lebensmittelhygienischen Eingenkontrollberatung auch andere akademische Berufe Kompetenz besitzen und mit Ihrem Leistungsangebot in Konkurrenz zu den Tierärzten und Tierärztinnen stehen. Hervorzuheben sind diesbezüglich in erster Linie Lebensmittelchemiker und Ökotrophologen.«(Deutsches Tierärzteblatt 11/1998. Die Anerkenntnis ist sehr erfreulich, müßte jedoch - nachdem Haushalts- und Ernährungswissenschaftler bereits zum meistvertretenen akademischen Berufsstand auf dem Aufgabenfeld von Qualitätssicherung in der Ernährungswirtschaft geworden sind - zutreffender lauten»... in erster Linie Ökotrophologen und...«.) Ernährungswissenschaften Auszeichnung Dr. oec. troph. Jakob Linseisen, wissenschaftlicher Assistent am Institut für Ernährungswissenschaften der TUM in Freising-Weihenstephan (Prof. G. Wolfram) wurde für seine wissenschaftlichen Arbeiten über Cholesterinoxidationsprodukte mit dem Helmut-Haenel-Preis der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.v. (DGE) 1999 ausgezeichnet. Der mit DM dotierte Preis wurde im Rahmen des Jahreskongresses der DGE in Stuttgart-Hohenheim überreicht. Die ausgezeichneten Arbeiten beschäftigen sich mit der intestinalen Absorption von Cholesterinoxidationsprodukten aus Lebensmitteln und mit der Beeinflussung der körpereigenen Bildung von Cholesterinoxidationsprodukten beim Menschen. Da sich die Beteiligung von Cholesterinoxidationsprodukten an der Entstehung der Arteriosklerose zunehmend belegen läßt, sind Erkenntnisse über deren Zufuhr mit der Nahrung sowie über Möglichkeiten, das Ausmaß der endogenen Bildung zu verringern, von herausragendem wissenschaftlichem Interesse. Haushalttechnik Promotionen Deutscher Haushaltstechnik-Preis Herr Dr.-Ing., Dipl.-W. Ing. Bodo Jaspert wurde für die hervorragende wissenschaftliche Leistung seiner Doktorarbeit zum Thema»Entwicklung eines klimatechnischen Modells zur Optimierung der Feuchtlagerbedingungen frischer pflanzlicher Lebensmittel (auf der Grundlage einer neuartigen Untersuchungsmethode)«mit dem»deutschen Haushaltstechnik-Preis«ausgezeichnet. Dieser von den Firmen Robert Bosch Hausgeräte GmbH und Siemens Elektrogeräte GmbH gestiftete Preis ist mit DM dotiert. Die Preisverleihung fand im Rahmen der VDOE-Jahrestagung am 11. Juni 1999 in Bonn - Bad Godesberg statt. Tagungen und Vorträge ò Dipl.oec.troph. Christine Maluche, Isar Amperwerke Rosenheim; Gastvortrag im Rahmen der»aktuellen Themen der Ökotrophologie«am 23. November 1998 zum Thema»Rationeller Einsatz von elektrischer Energie in Haushalt, Gewerbe und Großküche«ò Dr.oec.troph. Elvira Baier, Institut für Ökotrophologie Kranzberg; Gastvortrag im Rahmen der»aktuellen Themen der Ökotrophologie«am 11. Januar 1999 zum Thema»Stauraum in Einbauküchen«ò Dr.oec.troph. Monika Blechinger-Zahnweh, Fachgebiet Haushalttechnik, TUM-Weihenstephan; Gastvortrag im Rahmen des Vertiefungsseminars»Haushalttechnik und Arbeitslehre«am 01. Dezember 1998 zum Thema»Barrierefreie Gestaltung technischer Produkte, Wohnungen und deren Umfeld. Aktuelle Situation und Trends«ò Dr.oec.troph. Florian Heidinger, Ergonomie Institut München; Gastvortrag im Rahmen des Vertiefungsseminars»Haushalttechnik und Arbeitslehre«am 12. Januar 1999 zum Thema»Maßnahmen betrieblicher Gesundheitsförderung«. Landschaftsarchitektur und Planung Berufung und Neuanstellung Dipl.-Ing. Matthias Lampert, wissenschaftlicher Mitarbeiter ab Tagungen und Vorträge ò An der I Biennal de Paisatge, Barcelona 1999 mit dem Themenschwerpunkt»Remaking of Landscapes«nahm Prof. Peter Latz am mit dem Vortrag»Metamorphosis of Industrial Areas«teil. ò Im März/April 1999 trat Prof. Peter Latz eine Vortragsreise in die USA an.