112 b ü r g e r. nachrichten Zeitschrift der Bürgerinitiative Rettet Lübeck Nr. 112 Juli/ August/ Sept Jahrg.

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1 In dieser Ausgabe Auf dem Schrangen 2 Lübeck bald schuppenfrei? 3 St. Annen-Museum Umwertung oder Abwertung? 4 Schöner Einkaufen im Welterbe 6 Wie mit der Nähmaschine 7 Schuppen 10 & 11: Alles neu 8 Grundsteinlegung Hansemuseum 9 Gewölbekeller wird zur Mensa 10 Keine Planung ohne Forschung 11 Lübecks Seegrenzschlachthof 12 Neue Bücher: Der Corpus 18 Verdoppelung des Buddenbrook-Hauses 19 Mengstraße 6 21 Südriegel am Markt 22 Nachlese zur Hanseschule 23 In eigener Sache 24 Barockes Haus unentdeckt verbaut 25 Was ist los in Lübecks Gängen? 26 Reihenhaus im Grünen Gang 27 Würfelhusten für die Wallhalbinsel 28 Impressum b ü r g e r nachrichten Zeitschrift der Bürgerinitiative Rettet Lübeck Nr. 112 Juli/ August/ Sept Jahrg. Silberstreifen am Horizont Freude allenthalben in Lübeck Es geht voran: Die Baukräne drehen sich über der Baustelle des Hansemuseums, die Betonmauern streben gen Himmel und bald wird das größte Loch, das die Archäologen jemals in Norddeutschland gebuddelt haben, zugebaut sein. Vernünftige Menschen hätten das Hansemuseum lieber an anderer Stelle gesehen was nicht heißen soll, dass die verantwortlichen Promotoren unvernünftig wären. Sie wissen genau, was sie tun und weshalb. Mit Museum hat das weniger zu tun als mit der Pflege des Wirtschaftsstandorts Lübeck, und da ist jeder Euro gut angelegt. Das weiß die Geld gebende Possehl- Stiftung sehr gut, und was als Endsumme dann zu bezahlen sein wird innerhalb weniger Jahre kletterte die Schätzung der Gesamtkosten von 18 auf 32 Millionen ist überhaupt nicht wichtig. Und da Geld keine Rolle spielt, sind alle Beteiligten überzeugt: Das wird ganz toll. Jedenfalls glaubten sie das bei der Grundsteinlegung noch (siehe Seite 9). Es geht auch voran auf Lübecks Einkaufsstraßen, die Kunden mehren sich und beruhigende, dabei den Konsum stimulierende Maßnahmen zeigen ihre Wirkung; so in der Hüxstraße, die seit einiger Zeit sonnabends zur Fußgängerzone wird. Unumstritten ist das nicht und gefährlich dazu, wie die von erstaunten Autofahrern immer wieder umgenieteten Poller zeigen. Eine Folge der Aufwertung gefällt besonders: Geschäftsleute entdecken, dass Denkmalschutz und Einbeziehung historischer Ausstattungsdetails ins Geschäfts- Design ein Alleinstellungsmerkmal bedeuten können (siehe Seite 6). Voran geht s auch im Gründerviertel: Die letzte Runde für das nach 1942 im Erdreich verbliebene bauliche Erbe der großen Kaufmannshäuser ist eingeläutet; alles muss raus. Hier, an originaler Stelle, braucht niemand mehr einen Hinweis auf das Gedächtnis der Stadt schon deshalb nicht, weil es nicht mehr da ist. Es reicht zu wissen, dass man sich das Weggeschaffte später zwischen zwei Buchdeckeln erschließen kann. Doch jetzt ist erst einmal die Natur dran: Schon gibt s erste Öko-Nischen in der verlassenen Grabungslandschaft. Über die abgebrochenen Berufsschulen ein Nachtrag auf Seite 23. Schließlich das in städtebaulicher Hinsicht wichtigste Vorhaben: Voran geht s mit dem KWL-Lieblingsprojekt KaiLine oder nicht? Die Chancen dagegen stehen nicht schlecht. Wie sich die Aussichten für das Alternativkonzept entwickeln, also pro Erhalt und nachhaltiger Modernisierung, werden die nächsten Monate zeigen. Es ist sehr viel dafür gearbeitet worden. Lübeck darf gespannt sein. Zum Stand in knapper Klarheit siehe Seiten 3 und 28. Lübecks Schlachthöfe und Viehmärkte Mit der angestrebten Neubebauung des ehemaligen Schlachthofgeländes zwischen Schwartauer Allee und Katharinenstraße lohnt sich der Rückblick auf dessen Geschichte und Bedeutung für Lübeck wie das gesamte Land. Als Teil des industriellen Gürtels entlang der Wasserläufe um die Altstadt ist bis heute erkennbar geblieben, wie einst die Stadtplaner die Betriebsabläufe von Handel, Schlachtung und Verarbeitung von Vieh bzw. Fleisch, Neben- und Folgeprodukten in die bestehende Hafen- und Eisenbahninfrastruktur eingebunden haben gekrönt von erstklassiger Architektur aus den 1920er Jahren. Siehe hierzu die Beiträge auf den Seiten 11 und 12 ff.

2 Lübsche Baukultur Auf dem Schrangen Wir erinnern uns: Beschlossen war, zwischen den beiden Karstadt-Blöcken als formale Zäsur ein Bauwerk zu errichten. Dafür gab es Mitte der 1990er Jahre einen Wettbewerb. Von den drei damals prämierten Entwürfen war nur das Lübeck-Haus von Ivan Peter Chlumsky* von hoher Qualität: Ein schlanker, langer Baukörper mit Satteldach, der zwischen den zwei Kaufhaus-Blöcken wie ein scharfes Rasiermesser gewirkt hätte. Bekanntermaßen wurde aber nichts gebaut, auch deshalb, weil der von Karstadt unterkellerte untere Schrangen keine schwergewichtige Überbauung zulässt. Immerhin gibt es seitdem einen rechtskräftigen B-Plan, der auf dem unteren Schrangen ein Gebäude vorsieht, eher so etwas wie einen Pavillon. Denn die Platzfläche selbst gehört der Stadt: sie hat ihren Finger drauf. Im Rahmen der von der Perspektivenwerkstatt Mitten in Lübeck initiierten Verschönerung der Einkaufszone tauchte auch der Pavillon auf dem Schrangen wieder auf fand erneut ein Wettbewerb statt, Sieger diesmal das Büro Petersen Pörksen Partner (PPP). Gebaut wurde abermals nichts, und zwar nicht wegen der Kritik an der formalen Lösung ( ein Klotz zwischen Klötzen ) und an der wie ein Gottesurteil hingenommenen Jurierung, sondern wegen des darin zu betreibenden Cafés, für das sich kein Pächter fand. Doch die Architekten gaben nicht auf: Sie änderten diesen Entwurf für ein Café mit Aussichts-Terrasse geringfügig und empfahlen ihn zur Verwendung als Ausstellungs- und Veranstaltungsgebäude für UNESCO-Welterbe- Aktivitäten, um so eine öffentliche Nutzung zu bedienen. Der verwegene Titel Zentrum für Baukultur offenbarte allerdings, dass es weniger um jenes Welterbe geht, den der Nominationstext der UNESCO beschreibt. Sollte PPP gemeint haben, Lübeck brauche einen Ort, wo die Architektenschaft ihr reiches Schaffen präsentierte, möchte man sofort fragen: Hatten es der BDA oder das ArchitekturForum denn jemals nötig, über die Ergebnisse ihrer Arbeit in und an Lübeck offen und öffentlich diskutieren zu lassen? Die Antwort ist natürlich nein, und da dies so ist, fehlt jede Rechtfertigung für die Forderung, sich jetzt, auf einmal und ganz plötzlich, eine öffentlich oder von Stiftungen finanzierte Showbühne hinstellen zu lassen womöglich noch mit der Aura der Gemeinnützigkeit. Ein solches Forum hätte man längst haben können, wenn es denn gewollt gewesen wäre. Erstaunlich ist auch, dass Senator Boden den Petersen-Vorschlag mit dem Gewicht seines Amtes zu einem Stück Stadtreparatur hochstilisiert hat. Doch, um dem alten B-Plan gerecht zu werden, muss er sich nicht an eine Interessengruppe hängen, namentlich an die Lübecker Standesvertretung ArchitekturForum, deren einflussreichster Vertreter Klaus Petersen ist. Wenn Senator Boden sagt: Ich würde mich freuen, wenn es in meiner aktiven Zeit bis Mai 2014 noch zu einem positiven Beschluss käme und seine Freude nicht an den doppelt verpatzten PPP-Entwurf koppeln würde, wäre das ja schon was. Das setzt voraus, dass die Bauverwaltung sich mal hinsetzt und städtische Zielvorstellungen entwickelt und zwecks Realisierung ernsthaft mit der UNESCO (und Geldgebern) verhandelt. Also: Will Lübeck überhaupt das von der UNESCO angemahnte Welterbe-Zentrum? Dringend ist dabei in Erinnerung zu rufen, dass ein Welterbe-Zentrum kein Baukultur -Zentrum sein kann. Ein Welterbe-Zentrum hätte Lübeck als Städtebau-Denkmal der frühen Hansezeit zu dokumentieren, die Aufsiedlungsstrukturen, die Bauten und den konservatorisch-denkmalpflegerischen Umgang damit. Ein Welterbe-Zentrum sollte auch die Gefährdungen benennen, denen es ausgesetzt ist. Daher geht es hier zunächst weniger um demonstrative Zeitgenossenschaft und zeitgemäßes Architekten-Design, sondern um eine überzeugende Verbindung zum Welterbe Altstadt von Lübeck. Glaubhafter wäre daher ein solches Zentrum nicht in einem funkelnden Neubau, sondern in einem Gebäude, wo die Probleme deutlich werden. Das Haus Königstraße 51 mit der So entstand der Schrangen-Blick: Abbruch der Feuerwache vor der Karstadt- Erweiterung von Nicht der Platz, sondern seine heutige Umbauung mit weitgehend geschlossenen Rückseiten ist das Problem, welches keine Flächengestaltung lösen können wird. Foto: Verlag Ludwig Möller, Lübeck. Unten: Zwischen den Karstadt-Blöcken das PPP- Baukultur-Zentrum. (fälschlich) so genannten Königsdiele ist so ein Problemfall, mehr noch das Haus Königstraße 25, ebenso Königstraße 93. Der Umgang mit diesen und vergleichbaren Bauwerken ist die Messlatte dafür, wie wir es im UNESCO- Weltkulturerbe mit der Baukultur halten. Mit einem Schrangen-Pavillon lösen wir die Baukultur -Frage nicht. M. F. *) Vormals CPH Ivan Chlumsky, Werner Peters, Brigitte Hildebrandt-Chlumsky 2 Bürgernachrichten 112

3 Bürgerschaft tagt im August: Lübeck bald schuppenfrei? Zwischenzeitlich mochte man meinen, alles sei gegessen. LN, KWL, Senat, und die willigen Mehrheitsbeschaffer im Rathaus verpassten keine Gelegenheit, diesen Eindruck zu erwecken. Was wahr und was unwahr ist, konnte der gemeine Bürger mitunter kaum auseinander halten. Das passte den bauwütigen KaiLine-Protagonisten gut ins Kalkül. Man sei Kaufmann und müsse sich an die Fakten halten, hieß es, als wären alle diejenigen, welche die Stadt vor einer irreversiblen Stadtbildzerstörung und auch vor finanziellen Risiken bewahren wollten, schöngeistige Träumer. Fakten sind im Hinblick auf den kolportierten Geist der Lübecker Hafen City aber folgende: 1. Im September 2011 wurde ein Bebauungs- und Flächennutzungsplan verabschiedet, der m² neue Bruttogeschossfläche mit 60 % Wohnungen im Luxussegment und 40 % Gewerbe vorsieht. Die Beschlussvorlage, kurzfristig eingebracht, war unverzüglich in der Bürgerschaft zu beraten, denn man hatte mit der Anpreisung der Baufelder bereits begonnen und Besucher der Immobilienmesse Expo Real in München freuten sich schon auf ein Get-together mit den munteren Marketingstrategen aus der Hansestadt. Die Abgeordneten waren folglich sauer. Doch sie ließen sich überzeugen, man könne ja nun nicht wieder zurückrudern, um noch einmal grundsätzlich in der Sache zu diskutieren. Die Strategie des Senats war also aufgegangen, scheinheilig gelobte man Besserung. 2. Nach den ersten Verkaufsbemühungen der KWL stand dann ein Jahr später die Anhandgabe (nicht der Verkauf!) an die ersten Interessenten zur Debatte. Wieder war die Beschlussvorlage nur kurz vor Beginn der Expo Real in München eingebracht worden, wo man die nächsten beiden Grundstücke bewerben wollte. Der Hauptausschuss, der sich vor der Bürgerschaftssitzung zu beraten hatte, lehnte die Anhandgabe jedoch ab; Fragen zu Risiken für die Stadt, zur Erhaltenswürdigkeit der historischen Kaischuppen und zur sozialen Durchmischung bei zukünftigen Mietern und Pächtern waren innerhalb eines Jahres nicht befriedigend oder gar nicht beantwortet worden. Die zwischenzeitliche Beschäftigung mit der städtebaulichen und stadtbildprägenden Bedeutung des alten Hafenareals sowie mit alternativen Entwicklungsperspektiven ließ die Bündnisgrünen zurückrudern. Doch nun erkannte die FDP-Fraktion ihre Chance, sich trotz bisheriger Ablehnung des Projekts als investorenfreundliche Verlässlichkeitsgarantin zu produzieren. Sie sprang Senat und SPD zur Seite. 3. Die Anhandgabe ermöglichte infolgedessen den ersten Investoren, im Rahmen eines Architektenwettbewerbs ihre konkreten Architektur- und Nutzungskonzepte auszuarbeiten. Die Entwürfe der vier- und fünfgeschossigen Gebäuderiegel der Architekten Petersen Pörksen Partner und BKSP sehen nun rund 80 exklusive Wohnungen sowie Gastronomie, Geschäfte und Büroflächen vor. Ob diese Architektur- und Nutzungsvorstellungen nun verfangen oder ob das Bewusstsein der städtebaulichen, stadtentwicklungsperspektivischen und langfristig ökonomischen Dimension dieses Vorhabens darüber erhaben ist, wird nun die Augustsitzung der im Mai des Jahres neu gewählten Bürgerschaft zeigen. Noch ist also nichts verloren. Die Tür zu neuen Wegen steht offen, offener als lange zuvor. Glaubt man den Aussagen in Wahlprogrammen und Wahlkampfveranstaltungen, dürfte das KaiLine-Projekt in seiner jetzigen Form im August beendet sein. In der Folgezeit dürfte dann darüber debattiert werden, wie der westliche Altstadtrand ganzheitlich, identitätswahrend, altstadtverträglich und für die Stadt ökonomisch nachhaltig entwickelt werden kann. Was dann endlich auch mit Bürgerbeteiligung diskutiert und von der Bürgerschaft entschieden werden sollte, wären unter anderem folgende Aspekte: Änderung des Bebauungs- und Flächennutzungsplans Zuschnitt der Baufelder unter Berücksichtigung der vorhandenen Kaischuppen mit Ausweisung ergänzender Bereiche für Neubauten; Einbeziehung der Mittleren Wallhalbinsel in ein Gesamtkonzept für Erholung, Freizeitgestaltung, Wohnen, Gewerbe und Parken auch für die MuK und die Altstadt. Umgang mit der historischen Bebauung und Oberflächengestaltung Aussagen zum Erhalt von Gebäuden und Pflasterungen und zum möglichen Umgang mit diesen; Antworten darauf, wie Sanierung, Umbau, Ausbau und Erweiterung innerhalb der äußeren Hüllen gelingen kann oder welche Teile unter bestimmten Bedingungen einem städtebaulich einfühlsamen Neubau weichen dürfen. Erörterung der Nutzungszuweisungen zu einzelnen Gebäuden, um z. B. im Schuppen F auch eine Veranstaltungs- und Messehalle, im Winter eine Markthalle einrichten zu können, in der Lärm entwickelndes Gewerbe untergebracht sein darf (Proberäume, Konzerte, Feiern etc.), also Dinge, die in den Schuppen auf der Altstadtinsel nicht gestattet sind. Einbindung des aktuellen Investoreninteresses Ausweisung von Neubaufeldern auf der Mittleren Wallhalbinsel als Ausweichflächen, damit die aktuellen Bewerber ihre Bauvorhaben dort verwirklichen können. Die dort bereits vorhandene Erschließung, die Einsparung von Kosten für Abriss, Bodensanierung und Oberflächengestaltung bedeuten ein minimiertes Investitionsrisiko für die Stadt; der bessere Baugrund und die fußläufige Nähe zur Altstadt sind Vorteile für neubauwillige Investoren. Aktives und bedarfsgerechtes Liegenschaftsmanagement Erörterung des Umgangs mit bestehenden Pächtern der Schuppen und der Fläche des Strandsalons im Hinblick auf längere Pachtverträge; damit Erreichung von Planungs- und Investitionssicherheit für die Nutzer sowie angemessene Pachterträge für die Stadt (bis zu viermal höher als bisher, in Summe rund Euro jedes Jahr); Erörterung, wie mit dem Eigentum an den historischen Schuppen weiter verfahren werden soll; in Frage käme auch, diese durch die Stadt an private Käufer zwecks Erhalt/ Sanierung/ Aus- und Umbau zum Erwerb auszuschreiben. Lübecks Antlitz als Hafenstadt kann also noch bewahrt, die Funktionsfähigkeit der Altstadtinsel als Oberzentrum gestärkt, den umliegenden Wohngebieten dort nicht realisierbare Angebote unterbreitet, ein touristisches Erlebnisziel mit Alleinstellungscharakter entwickelt und die Gestaltungspotenziale der Industrieareale traveabwärts für zukünftige Generationen gesichert werden. Das sind wir ihnen schuldig, die durch Raubbau der 1950er bis 70er Jahre verloren haben, was heute nicht mehr angetastet werden würde. J. S. Bürgernachrichten 112 3

4 St. Annen-Museum: Umwertung oder Abwertung? Ideelle Eigentümer des Sammlungsbestands der Museen sind die Bürger der Stadt. Also auch wir. Und wir haben ein Interesse daran, dass dieses Eigentum fachlich behandelt und nicht fachfremden Zwecken dienstbar gemacht wird. Eben dies ist in St. Annen im Ansatz versucht worden, ganz gezielt im Obergeschoss, wo die bürgerliche Seite des Lübecker Kulturerbes präsentiert wird, also Zimmer, Bilder, Hausgerät, Handwerk, Zunftwesen. Die Neuordnung wurde in den Lübecker Medien anlässlich der Eröffnung freudig begrüßt. Obwohl es an warnenden Stimmen nicht mangelte.1 Plattitüden, was sich schon in den blumigen Bezeichnungen der Räume widerspiegelt. Man kann von Entwertung der Kunstwerke sprechen, teilweise von bewusst vorgenommener Geschichtsfälschung und Irreführung. Eine böse Absicht sollte man aber nicht unterstellen: Die völlig disparate, nicht zusammenhängende bürgerliche Sammlung des St. Annen-Museums entzieht sich einer vergemeinschaftenden, übergeordneten Großen Erzählung. Man mache sich erst einmal bewusst, was im Museum tatsächlich verortet ist: Hinter vorgehaltener Hand haben sich viele Leute über den Jubel gewundert. Den Gipfel der Beweihräucherung lieferte kürzlich der Hauptakteur der Neugestaltung selbst, Theater-Bühnenbildner Prof. Michael Goden. Er habe das St. Annen-Museum mit enormer Feinfühligkeit und ausgeprägtem Farb- und Formensinn aufgewertet, was einhelliges Lob bei den Sponsoren hervorrief, schrieb er.2 Allerdings hatte keiner der ihm applaudierenden Sponsoren fachlich etwas mit Museum oder Kunstgeschichte zu tun. Inzwischen ist klar: Den von Herrn Goden so feinfühlig neu gestalteten Räumen wird keine lange Dauer beschieden sein. Ihr Rückbau hat in aller Stille begonnen. Aus Raum 1 (dem früheren Hanse-Saal ) wie aus Raum 5 ( Von Zünften und Künstlern ) ist bereits ein Teil der Goden-Zutaten wieder entfernt worden. Und es wird weiter gehen: Dringenden Rückbau-Bedarf empfindet man im Raum 3 ( Vor dem Fest ), einem abstrus-märchenhaften Burgküchen-Arrangement, ebenso im Raum 16 ( Zurück zur Natur? ) oder im Raum 15 ( Der große Unternehmer Thomas Fredenhagen), wobei es nicht nur um die Raum tötenden neuen Podeste und Sockel geht, die in den historisch verwinkelten, meist kleinen Räumen von St. Annen nur Schaden anrichten, wie das Hartwigsche Gartenzimmer (siehe Bild unten) anklagend beweist. Doch die rückbaufähige Verpodestierung durch Prof. Goden ist nicht das eigentliche Problem. Die große Aufgabe für die kommende Zeit wird sein, den Objekten peu à peu ihre eigene Sprache zurückzugeben. Die im Januar angeblich abgeschlossene Neuordnung wies den Exponaten nämlich eine nur dienende Rolle zu: Die ausgestellten bzw. ausgewählten Gegenstände schienen nur dazu da zu sein, Geschichtchen zur Geschichte zu illustrieren, eher historio-soziologische 4 Eine Kaufmannsdiele, die 1902/1915 (wie der Saaltext völlig korrekt wiedergibt) aus den barocken Baluster-Geländern einer Braudiele zusammengezimmert wurde, ein paar Kreuzstockfenster des 15. und 16. Jhs., eine kleine, noch spätgotisch anmutende Obergeschosskammer, eine mit grünen Akanthus-Ranken ausgemalte winzige Kammer, schöne Paneele der Gotik und der Renaissance, ein Zimmer mit barocken Ledertapeten, ein Raum mit gemalter Rokoko-Bespannung, ein Raum mit frühklassizistischen Pariser Papiertapeten, mehrere originale Zimmerdecken vom 17. bis ins 18 Jhd. Und zu dieser zufälligen Ansammlung bürgerlicher Wohnkultur mischen sich Rudimente des offiziellen Lübeck wie die Reste des gotischen HansesaalGestühls und der Renaissance-Kriegsstube aus dem Rathaus, Teile der zum Rats-Marstall gehörenden Burgschmiede und Terrakotten des Statius von Düren. Hinzu kommen Unmengen aus großbürgerlichem Erbe überstellten Porzellans, Geschirren und Bestecken, Kleidermode und Zufalls-Hinterlassenschaften von Handwerk und Gewerbe. Man merkt sehr schnell, dass versucht wurde, aus diesem vielschichtigen Bestand eine Lübsche Kaufmannshaus-Fabel zu stricken. Inhaltliche Schieflagen sind die zwangsläufige Folge. Beispielsweise besitzt das Museum keinen authentischen Raum aus dem professionellen Umfeld des Kaufmanns, auch keine Scrivekamer, d. h. die vorn auf der Diele als Geschäftszimmer und als gute Stube abgetrennte Dornse (wie etwa das berühmte Fredenhagen-Zimmer, das die Kaufmannschaft begreiflicherweise nicht herleihen wollte). Anstatt nun auf das Exponat Kontor zu verzichten, wird das Herz des Kaufmannshauses im Rundgang durch ein winziges weißwandiges Käfterchen (= Raum 7: Alles unter Kontrolle ) mit einem bescheidenen biedermeierlichen Stehpult gegeben. Das ist Theater. Natürlich fordert dieses Nichts zum Aufpfropfen einer Geschichte heraus. Ein Weinhändler namens Plessing übernimmt dankbar diesen Part. Bürgernachrichten 112

5 Kunst? Wie jetzt? Die aktuellen Museumskonzepte gehen weg von den Sachen, hin zu den Menschen, so Kulturstiftungschef Prof. Wißkirchen in einem Vortrag. 3 Genau dies dürfte er gemeint haben, als er bei der Wiedereröffnung am 19. Januar von Lübecks erstem modernen Museum sprach. Man erzählt also nichts mehr über die Exponate, sondern über die Menschen, die diese Dinge besaßen, benutzten, hinterließen. Von dieser Vermenschung zu wissen würde den Besuchern helfen, sich mit offensichtlichen Unzulänglichkeiten abzufinden, die sich durch das Desinteresse an Aussagen zu Qualität und Machart der Exponate und durch eine geradezu unerhörte Aversion gegen Kunst zu erkennen geben. Diese Geringschätzung fällt auf, wenn es einmal um richtige Kunst geht. Ein Beispiel für viele andere ist der Umgang mit dem bedeutenden Pariser Elfenbein-Diptychon aus dem beginnenden 14. Jhd. Das Klapp-Altärchen ist der internationalen Kunstgeschichte wohlbekannt. Die nächsten Vergleichsstücke sind im Victoria & Albert-Museum in London und im Louvre zu sehen. Dieses kostbare Werk, im Lübecker St. Annen- Museum in Raum 1 zwischen Schiffsmodellen und Heringsahm platziert, soll da wohl anzeigen, dass die Kirche im Mittelalter irgendwie wichtig war. Kann man ja nicht wissen, so etwas. Ganz offensichtlich werden kunsthistorische Einschätzungen und Werte als bildungsbürgerlicher Mief erachtet. Sie dürfen in St. Annen keine Rolle spielen. Deshalb hängen bedeutende Bilder von Hans Kemmer, Barthel Beham, Michael C. Hirt, Gottfried Kniller, Stefano Torelli und anderen ohne Namensnennung als blanke Illustration im Kontext der über die dargestellten Personen gebotenen Erzählungen falls überhaupt etwas erzählt wird. Viele Bilder sind nur so da, ohne Text und Verweis. Solche Missachtung von Kunst ist nicht modern, sondern arrogant sowohl den Kunstwerken als auch den Besuchern gegenüber. Eine erste Folgerung Die für die Entstehungszeit typische Präsentation von Dingen und Werten im fast 100 Jahre alten St. Annen-Museum war einigen Verantwortlichen ganz offenkundig ein Dorn im Auge. Die 1915 geschaffenen Räume, in die originale Zimmerdecken, Wandbespannungen etc. integriert sind, widersetzen sich dem freien Umgang, den die Kuratoren aus den weißen Räumen der Moderne gewohnt sind. Es ist aber sehr die Frage, ob deshalb das im St. Annen-Obergeschoss zusammengetragene charmante Sammlungs-Potpourri nach einer alles einbindenden Erzählung verlangte, um die Sammlung dadurch modern zu machen. Es ist eher umgekehrt: Eine Chance hätte darin bestanden, das Fragmentarische zu thematisieren (wie die gelungene Einbindung der von-melle-wunderkammer beweist, s. Raum 9), die Lücken zu benennen, die Schwerpunkte herauszustellen, das Nicht-Zugehörige scharf abzugrenzen. Eine Leitlinie dazu bietet der klare Text des früheren Museumsleiters und engagierten Kunsthistorikers Dr. Max Hasse (Museumsführer Bilder und Hausgerät, 1969). Die für die aktuelle Neuausrichtung Verantwortlichen meinten aber entgegen Hasse etwas Rundes, in sich Schlüssiges schaffen zu müssen. Das Ergebnis entspricht diesem hoch gesteckten Ziel nicht. Man wird weder dem voraussetzungslosen Besucher gerecht noch den nur instrumentierten Exponaten und Kunstwerken, um die es einem ehrlich leid tut. und eine zweite Wer hat die Neuordnung von St. Annen für nötig befunden und weshalb? Aus der Kulturstiftung war vor Jahren zu hören, die Sammlung im Obergeschoss sei verstaubt und keinem Besucher zumutbar. Kultursenatorin Annette Borns formulierte in einem Schreiben vom 3. November 2008: Der Bildungsauftrag für breite Bevölkerungsgruppen muss aktuell ganz nach vorne rücken Wissenschaft im Museum, Erforschung der Bestände und ihre Erweiterung durch Sammeln sind keine Begründungen für uninteressante, langweilige, textlastige Aneinanderreihung von Gegenständen in schlecht beleuchteten Vitrinen 4... Nur die besucherorientierte Ausstellungstätigkeit wird die Akzeptanz der Museen in der Gesellschaft nachhaltig untermauern. Da haben wir in Lübeck erheblichen Nachholbedarf. Es ist also nachgeholt worden. Herr Goden bestätigt: Meine Aufgabe war die Neugestaltung der Räume in guter Zusammenarbeit mit dem Direktor der Kulturstiftung Hansestadt Lübeck. Die Zusammenarbeit mit der Kulturstiftung (zu nennen sind die Namen Prof. Dr. Hans Wißkirchen und Geschäftsführerin Frau Gabriela Schröder) dürfte eher als Auftrags-Arbeit zu interpretieren sein. Wie rechtfertigt die Kulturstiftung museologisch und kunstdidaktisch vor den Besuchern und den wertvollen Exponaten ein Ausstellungskonzept, das den Objekten und Räumen die eigene Aussage nimmt und sie stattdessen als Illustration einer übergestülpten Thematik (M. Goden) benützt? Wahrhaft niederschmetternd auch der Audioguide: In diesem per Kopfhörer abzuhorchenden Führer smalltalken Julia und Paul über Was weiß man über seine Persönlichkeit, sein Wesen, sein Schicksal? Was fühlte er? Für ihr dummes Geschwätz bildet die Museums- location mit ihren Exponaten eine Allerweltskulisse wie eine Autobahnraststätte oder die Lieblings-Pizzeria. Man schämt sich für dieses Highlight lübscher Museumsarbeit und zwar deshalb, weil die Besucher hier zu Dummbeuteln degradiert werden. Womit haben sie das verdient? O Musica eine Randnotiz Neu ist die viel Ausstellungsfläche besetzende Hereinnahme des Sachfelds Lübeck als Musikstadt (= Raum 11). Zweifellos ist das musikalische Lübeck Tunders, Buxtehudes u. a. ein reizvolles Thema. Es ist aber nicht erkennbar, weshalb es in die Raumfolge des St. Annen-Museums hineingequetscht werden musste. Dafür wurden wichtige historische Räume okkupiert und ihrer eigenen Aussage entkleidet. Ärgerlich die kleine grüne Akanthusbarock-Kammer, die zu einer Abhör-Box zum gefühligen Eintauchen in die Sphären von Oboe, Theorbe und Gambe umgerüstet wurde ein sinnfreies Manifest des Glaubens an die Synästhesie als hoher Kunst der Didaktik. Was spricht eigentlich gegen eine moderne und nicht in den bekannten Rundgang eingebundene Musikalien-Präsentation samt Hör-Terminals, zum Beispiel in bisher nicht ausgebauten Dachbereichen? Man komme bitte nicht mit der Ausrede kein Geld. Das Hansemuseum zeigt, dass in Lübeck alles möglich ist. Ob das tröstlich ist, mag jeder selbst entscheiden. M. F. Bild links: Das Hartwigsche Zimmer, eingebaut vor rund 100 Jahren, wird vollgerümpelt mit Exponaten, denen eigens Podestflächen eingerichtet wurden. Die Raumwirkung ist dadurch völlig zerstört. LED-Stelen wirken wie Metalldetektoren am Flughafen. 1) 2) 3) 4) Vgl. Jörg Sellerbeck: Theater im Vitrinenwald, BN 106, S. 16 f. Michael Goden: Farben und Lichter im Museumsquartier St. Annen. Lübeckische Blätter 2013/12, S. 204 f.... gehalten auf der Literaturmuseumstagung Februar 2013 in Lübeck. Schlecht beleuchtete Vitrinen und Objekte sind auch nach Prof. Godens Neuordnung überall, siehe die Inszenierungen Schlüssel und Schlösser, Rituale der Freundschaft, Bildnis Kaufmann Sonnenschein und weitere mehr. Bürgernachrichten 112 5

6 Classico im ehemaligen Wohnflügel von Königstr. 73 Schöner Einkaufen im Welterbe Wie eine ansprechende Architektur und ein gehobenes Warensortiment sich gegenseitig befruchten können, lässt sich seit gut einem Jahr in der Hüxstraße erleben. Das Modegeschäft Classico, welches bislang in der Königpassage domizilierte und Kundschaft auch mit Hilfe seiner Internetpräsenz zum dortigen Ladengeschäft geleitet hatte, wagte trotz noch bestehender Miet- und Betriebsverpflichtungen den Umzug in ein architektonisches Kleinod. Das neue Ladenlokal befindet sich nun in den ehemaligen Wohnräumen eines gotischen Seitenflügels von 1497 und einer später daran angefügten gründerzeitlichen Hofüberbauung zur Hüxstraße hinter dem 1904 neu gebauten Vorderhaus Königstraße 73. Hier stand zuvor ein über Jahrhunderte als Brauhaus genutztes Dielenhaus. Mit dem nun erfolgten Umbau bei fachgerechter Restaurierung der Innenausstattungen von der Gotik, der Renaissance, dem Barock bis zum Jugendstil haben Eigentümer, Architekten und Restauratoren in fruchtbarer Zusammenwirkung mit der Lübecker Denkmalpflege einen längeren Leerstand beendet und so die Lübecker Einzelhandelslandschaft um ein überregional bedeutendes, nunmehr öffentlich erlebbares Kleinod bereichert. Der freigelegte und restaurierte Wand- und Deckenschmuck im hinteren Teil der Verkaufsfläche, also den ehemaligen Wohnräumen des zweigeschossigen Seitenflügels, umfasst Elemente aus folgenden Zeitschichten: Weinranken aus dem 3. Viertel des 14. Jhd. (Gotik) im ehemals ersten von drei aufeinander folgenden Räumen, darüber eine in Fragmenten erhaltene, ehemals farbig gefasste Stuckdecke aus dem 1. Viertel des 17. Jhd. (Renaissance) mit ovalen Feldern aus Blattkränzen, darin sinnbildlich zu verstehende Tierdarstellungen, deren Augen wahrlich eine Besonderheit aus Glasperlen bestehen, Deckenbalken und Bohlen mit hellgrau/ graugrüner Akanthusrankenmalerei mit zinnoberrot/ ockergelbem Besatz von Tieren, Früchten und Blüten aus der Zeit um 1700 (Barock) und aus der gleichen Zeit eine weitere Deckenfassung mit Akanthusranken in Grisaille-Malerei im ehemals hintersten Raum der Raumfolge. Der Seitenflügel besaß folglich, wenn dieser von der Diele des ehemaligen Haupthauses aus betreten wurde, eine in ihrer Repräsentativität stufenweise geminderte Ausstattung. Überdies sind im gründerzeitlichen Hofüberbau mit seinen heute großen Schaufensteröffnungen zur Hüxstraße auch die bemerkenswerten aus facettiertem Glas gefertigten Jugendstil-Innenfenster erhalten geblieben. Unter Einbeziehung dieser teils außergewöhnlichen historischen Elemente ist mit einer ansonsten sehr dezent gehaltenen und zurückhaltend möblierten Geschäftseinrichtung ein großer Wurf gelungen, der sich auch betriebswirtschaftlich sehr erfreulich auswirkt: Die Betreiber haben gegenüber ihrem ehemaligen Domizil in der Königpassage eine Geschäftsbelebung erfahren, so dass dadurch die Belegschaft von ehemals zwei (+ zwei Aushilfen) auf nunmehr vier (+ 3 Aushilfen) aufgestockt werden konnte. Dem interessierten Kunden wird ein Flyer ausgehändigt, in welchem die besondere Ausstattung wie die Geschichte des Hauses detailliert erläutert wird ein sehr zur Nachahmung empfohlener Geschäftsauftritt. (Vgl. auch Die Wirtschaft als Vorbild in BN 65 und 66). Jörg Sellerbeck, Jr. Bild oben links: Die heutige Ladenfläche mit erhaltener Jugendstilverglasung. Bilder links in der Mitte und unten: Ostgiebel des gotischen Seitenflügels, Dachwerk von innen und eine Ansicht vor der Sanierung aus den Jahren 1983/ 84 mit Friseur und Kneipe (Fotos: Hansestadt Lübeck, Abt. Denkmalfpflege). Bilder auf der Folgeseite: Erdgeschoss des heute aufgeständerten Seitenflügels. Darunter: Details der Deckengestaltungen der ehemals drei Zimmer. Unten: Unter der holzsichtigen Fläche am Deckenbalken hat einst die teilende Wand gesessen. 6 Bürgernachrichten 112

7 Oberflächengestaltung rund um St. Petri: Wie mit der Nähmaschine Die BIRL klagt auf hohem Niveau, wird uns oft nachgesagt. Gemeint ist, dass Lübeck vergleichsweise sehr gut dasteht in Sachen Stadtbild, Denkmalschutz, Neubau-Qualität, also haltet mal s Maul. Nachfolgendes also nur unter vorgehaltener Hand: Die Verschönerung des öffentlichen Raumes in Lübeck mit chinesischen Granitfliesen macht auch vor stillen Kirchhöfen nicht halt (siehe Foto unten). Wahrscheinlich nicht aus gestalterischem Wohlwollen, sondern weil noch so viel Platten über waren nach Fertigstellung des Einkaufsboulevards von Karstadt bis Klingenberg. Der seinerzeit unter Bausenator Stimmann von der TH Hamburg-Harburg erarbeitete Straßenatlas scheint im Papierkorb gelandet zu sein. Jedenfalls fühlte man sich von Amts wegen verpflichtet, die Historie des Gässchens St. Petri-Kirchhof wieder einmal neu zu interpretieren, womöglich als historischen Prozessionsweg. Wenn es aber um einen High-Heals- und Abendgarderobe-gerechten Zugang zur Kultur- und Universitätskirche St. Petri gegangen wäre, hätte diese Promenade zumindest bis zum Westportal reichen müssen. Tut sie aber nicht, sie hört unvermittelt auf. Wie auch immer: Schön ist daneben die Granit-Kleinpflasterung zwischen Bordstein und Kirche. Bürgernachrichten 112 7

8 Halland- und Gesamthafen-Schuppen 10 & 11 Alles neu macht Klaus Mai sagt sich der Maurer und schwingt den Bosch-Hammer durchs Gemäuer. Die unter denkmal- und stadtbildpflegerischen Gesichtspunkten äußerst lobenswerte Sanierung und Umnutzung der alten Kaischuppen Nr. 10 und 11 von 1889 unter dem Projektnamen Gesamthafen sieht daher mitunter aus wie eine Rekonstruktion nach Befund. Als Privatmann würde man meinen, da könnte man sparen. Ein vernarbter Backstein, der bald 125 Jahre Regen, Wind und Wetter die Stirn gezeigt und am Hafen allerhand erlebt hat, kann ruhig seine Geschichte erzählen. Man darf daher in Frage stellen, ob daran die zukünftigen Pächter Anstoß genommen hätten bzw. ob die flächendeckende Zerstörung des alten Massivmauerwerks zugunsten einer runderneuerten Mauerschale den Mietwert nachweislich erhöhen wird. Architekt Klaus Mai meinte selbst, es wäre etwas zu viel des Guten gewesen, was vom ausführenden Maurerbetrieb ( Auftrag ist Auftrag ) gut gemeint oder ein Stück weit in die eigene Tasche gedacht war (ganz nach der Formel: jeder zerkloppte Stein = Umsatz ). Nun, wir freuen uns dennoch auf die Fertigstellung und auf eine gelungene Ergänzung des alten Bauwerks nach Sü- den, wo einst die erste der drei hölzernen Hallen damals nach alter Nummerierung die Nr. 18 dem Durchstich des Elbe-Lübeck-Kanals und der Neuordnung der Hafenbahngleise vor der Hubbrücke zum Opfer fallen musste (zur Geschichte der Schuppen siehe auch BN Nr. 108, S ). Die Gesamthafenschuppen werden dieses Jahr auch wieder am Tag des offenen Denkmals teilnehmen, diesmal am 8. September. Hauke Guttenberg, verantwortlicher Projektleiter und Architekt der KWL, wird das dann fertig sanierte Kulturdenkmal in neuer Nutzung um 10 und um 14 Uhr der interessierten Öffentlichkeit vorstellen. Ein weiteres Mal wird das Projekt am 17. August anlässlich der Tage der Industriekultur am Wasser am Beginn eines Rundgangs zu den Denkmalen am Hansa-Hafen präsentiert. Die Tage der Industriekultur werden von der Metropolregion um die Hansestadt Hamburg organisiert in Zusammenarbeit mit der BIRL und dem Ortskuratorium der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Beginn des Rundgangs um den Hafen am 17. August ist um 11 und 15 Uhr, Treffpunkt Hafenstraße 1 a. J. S. Bild links: Südliche Durchfahrt der Schuppen 10 & 11 nach Sanierung. Rechts: der eigentlich sehr ordentliche Vorzustand des Mauerwerks im Mai Bürgernachrichten 112

9 Verspätete Grundsteinlegung für das Hansemuseum Das wird ganz toll 250 Lübecker mit Rang und Namen durften sich am 25. Juni auf Kosten der Possehl-Stiftung im Festzelt auf der Baustelle des Europäischen Hansemuseums tummeln. Es war aber auch dringend Zeit für die Grundsteinlegung mit Uralt-Ziegeln. Ein großer Teil der aufgehenden Betonmauern des Südund des Nordtrakts steht nämlich bereits. Und alle Redner sprachen ihr Sprüchlein aufs Wohl der hochherzigen Sponsorin. Von Leuten wie Bürgermeister Saxe oder Ministerpräsident Albig, die selbst kein Geld für so etwas beisteuern können, erwartet man das. Ja: sie werden eigens dazu eingeflogen. Andere müssen ebenfalls gute Miene zum gar nicht so guten Spiel machen, besonders überzeugend etwa Stiftungsvorsitzende Renate Menken, die sich von ihrem Vorgänger Dr. Helmut Pfeifer das Projekt anfangs nur ungern auf den Tisch legen ließ. Andere standen weniger in der Pflicht der Gesichtswahrung. Etwa Bernd Möller, der ganz in der Rolle des Verantwortung tragenden Senators aufgegangen ist. Vor Jahren war Bernd Möller noch ein sehr scharfer und kompetenter Anwalt pro Denkmalschutz und Archäologie. Jetzt sagt er: Das Hansemuseum ist ein Schmuckstück für die nördliche Altstadt. Merke: Pass auf, was du sagst, wenn du Senator bleiben willst. Die Sprüche anderer Redner, die ihre Fachkompetenz in dem hier zur Diskussion stehenden Fall nie nachweisen mussten, etwa Bankkauffrau Antje Peters-Hirt oder die Literaturwissenschaftler Prof. Hans Wisskirchen und Dr. Holger Pils, sollte man daher nicht auf die goldene Waage legen. Es ist alles gut. inszenieren, weshalb können dann die paar Töppe, Koggennägel, Schreibgriffel und so weiter, die in ihren Hanse-Laboren Beweismittel sein sollen, nicht auch aus Kunststoff sein? Übrigens ist dem Hanse-Architekten Andreas Heller selbst aufgefallen, dass sich bei seinem Hansemuseum ein Authentizitätsloch auftut (Authentizität sei hier verstanden als selbst-referenzielle Aussage von Orginalsubstanz und Befund). Dass Heller den halben Burghügel abtragen und damit zigtausende Kubikmeter archäologisch kontaminierter Kulturschichten auf die Kippe fahren ließ, macht seine anstelle des Vernichteten entstehende Hanse -Fata- Morgana nicht sehr glaubhaft. Also hatte er beim Anblick der brutalen Abgrabungs-Arbeiten, denen er mit einer Träne im Knopfloch beiwohnte, die glorreiche Idee, eine Grabungssituation als kalten Saal stehen zu lassen, den Befund da unten irgendwie zu konservieren und von oben über eine Galerie einsehbar zu machen. Also: Von den Archäologen kam diese Idee nicht. Allerdings untersteht dieser nicht abgegrabene Rest dann den Auflagen des Grabungsschutzgebietes: Nicht dran rühren! Dieser Imperativ hätte dem gesamten Burghügel zugestanden. Zumindest, wenn die Projektanten sich bemüht hätten, den UNESCO-Welterbstatus ernst zu nehmen. M. F. Um das Ganze noch einmal auf eine seriöse Schiene zu setzen: Hansemuseum ja, natürlich in Lübeck. Wo denn sonst. Und da es in jedem Fall um Populäres geht, wären auch die populären Vorstellungen zu berücksichtigen, die für die Masse der erwarteten vielen Besucher Hanse bedeuten von Stadtanlage über Markt, Hafen und Schiffbau bis zur Architektur des Mittelalters. Als Standort des Hansemuseums wäre natürlich die Nördliche Wallhalbinsel ideal gewesen unter Nutzung und Ausbau der riesigen Hallen. Tempi passati, Chance verpasst. Die Macher und Ideengeber rümpfen aber die Nase über die verbreitete Vorstellung von Hanse als etwas zwischen Kogge, Markt und Speicherhaus und sagen: Hanse war eine Form des Wirtschaftens. Und wo sie Recht haben, haben sie Recht. Wenn man das aber ernst nimmt, hat man ein Problem: Man hat nichts auszustellen. Vielleicht ein paar Auftragsbücher oder Quittungen. Nicht so spannend. Das war den Verantwortlichen von vornherein klar. Deshalb ihr Konzept der Inszenierungen, wo bestimmten Jahreszahlen zwischen 1190 und 1540 fiktive Begebenheiten aus dem Wirtschaftsgebaren der Kaufleute zugeordnet werden und durch a- nimierte Puppen-Arrangements und/ oder hologrammetische Nachstellungen dem zum Mitspielen bereiten Publikum vorgeführt werden in jeweils nachgebautem historischen Original-Ambiente und auf hochdeutsch (vermutlich). Es gibt Wissenschaftler, die so etwas deshalb für seriös halten, weil es angeblich (so die Meinung der Marktforscher) die Masse anspricht. In diesem Theater sollen dann Original-Exponate für ein bisschen Authentizität sorgen. Die Archäologen als loyale und an Weisungen gebundene Bedienstete der Stadt werden ganz freiwillig das Gewünschte aus ihrer Sammlung am Meesenring hergeben. Merkwürdig nur, dass die Museumsmacher meinen, zur Illustration ihrer Einfälle ein paar richtige, d. h. originale Stücke, zeigen zu müssen. Wenn aber doch alles fake ist, was die Hanse-Museologen hier Der letzte Blick in den riesigen Burggrabungssaal. In der Bildmitte die gotische Blumenhofmauer, die in das Hansespektakel einbezogen werden soll. Bürgernachrichten 112 9

10 Gewölbekeller wird Ernestinen-Mensa: Dat har noch leeger war n kunt Es hätte wirklich noch schlimmer werden können, wenn nicht der Bund 2 ½ Millionen Euro für denkmalpflegerische Maßnahmen im Rahmen des Förderprogramms Nationale Welterbestätten überwiesen hätte. Man stelle sich vor, Schulbehörde und Hochbauamt (heute Gebäudemanagement) hätten ganz allein mit den minimalen Finanzmitteln Lübecks den Herzenswunsch der Ernestinen-Gemeinde nach Übernahme und Umbau des Kranenkonvents zwecks Attraktivitätssteigerung ihres Raumangebots erfüllen müssen. Jetzt lächeln alle selbstzufrieden: Wir haben es immer gewusst: Geht doch. Zitat aus der offiziellen Presse-Mitteilung der Pressestelle der Hansestadt Lübeck: Die Sanierung des historischen Gewölbekellers wurde erst acht Monate später abgeschlossen, da eine aufwändige separate Heizungs- und Lüftungsanlage für den Kellerbereich installiert werden musste. Dank hochsensibler Mess- und Regeltechnik ermöglicht es diese Anlage, die durch Gutachter als notwendig festgestellten Parameter für die Raumklimatisierung dauerhaft und kontinuierlich sicherzustellen. Durch Messpunkte in den einzelnen Bereichen wird in einem zweijährigen Monitoring-Verfahren die tatsächliche Reaktion des Mauerwerks mit den prognostizierten Ergebnissen, die Trocknung betreffend, abgeglichen. Auch die Steinrestaurierung im Gewölbekeller war sehr aufwändig und zeitintensiv. Es mussten über mehrere Monate Materialproben aufgetragen werden, die dann von der Bundesanstalt für Materialprüfung in Berlin ausgewertet wurden, um die optimale Verfahrensweise für die Sanierung des Mauerwerks festzustellen. Da können wir nur viel Glück wünschen sagen aber noch einmal deutlich, dass wir (und anfangs auch die Denkmalpflege) die kostenträchtige und technisch anfällige Umrüstung des einmaligen Gewölbekellers zur Mensa aus guten Gründen gern verhindert hätten. Die Keller-Nutzung war und ist keine zwingende Voraussetzung für das Funktionieren eines zukunftsorientierten (!) Gymnasiums. Die BIRL hat im Fall Kranenkonvent-Keller also verloren, um es platt zu sagen. Wir können uns hier nicht auf die Schulter klopfen, auch wenn durch unser Insistieren mindestens fünf Gutachter beauftragt wurden, deren teils widersprüchliche, insgesamt aber dem Glauben an teure Technik verbundene Vorschläge die Maßnahmen zumindest etwas sorgsamer und vorsichtiger haben ablaufen lassen. Auch dass baubegleitende Bauforschung im geleisteten Umfang möglich wurde, hat vielleicht ein bisschen mit der durch uns bewirkten Aufmerksamkeit zu tun. Dass die BIRL zur Keller- Vernissage am 19. April nicht eingeladen war, geschah uns nur zu Recht (dabei gab es doch so leckere und liebevoll zubereitete Häppchen!). Viel bemerkenswerter ist, dass im Presse-Papier weder die beteiligte (in der Nutzungsfrage weitgehend ausgebootete) Denkmalpflege noch der Bauforscher Dr. Michael Scheftel genannt werden. Auch der Architekt Thomas Tillmann, der hier wirklich allerhand zu leisten hatte, wird nicht erwähnt. Das ist nun wieder Lübeck-typisch. Oben: Der südliche Seitenflügel mit einem seltenen gespundeten Eichendielenboden des frühen 14. Jhs., die rechte Seite im Barock mit Akanthusranken bemalt. Die sich abzeichnende ehemals vom Vorderhaus bis zu einem Hinterausgang durchlaufende Trennwand teilte den Gang zum Abort von den übrigen Räumen ab. Diese Ansicht des Seitenflügels ist eine Momentaufnahme aus der Zeit der Freilegung. Heute befindet sich darin die aus hygienischen Gründen vollständig eingehauste und damit den historischen Bestand leider in Gänze verdeckende Küche der Ernestinen-Mensa. Darunter: Das zwölfjochige Kellergewölbe bestehend aus elf byzantinischen Hängekuppeln. Es hat durch den Einbau eines Heizungskellers und durch Beheizung während der Nutzung durch die Brocken-Sammlung, die hier Möbel und Kleidung verkaufte, über Jahre erheblichen Schaden erlitten. Fotos: Jörg Sellerbeck, Jr. Unsere Schritte in Sachen Kranenkonvent sind nachzulesen in den Bürgernachrichten-Ausgaben Nr. 103 (S. 7), 105 (S. 1-4), 107 (S. 4), 108 (S. 11) und abschließend 111 (S. 8). Dazu eine Menge Anschreiben und s Begehungen, Konferenzen und Gesprächsrunden wie unter anderem im Arbeitskreis Denkmalpflege der Lübecker Kulturverwaltung. Gebracht hat s nix... oder so gut wie nix. M. F. 10 Bürgernachrichten 112

11 Zur Neubebauung des Schlachthofgeländes Keine Planung ohne Forschung Umfährt man das Gelände des alten Schlachthofs im Bereich von Verwaltungsgebäude und Schlachthalle, also das Areal zwischen Schwartauer Allee und Katharinenstraße, fallen einem heute allenfalls die beiden Pförtnerlogen auf, die noch auf eine einst in architektonischer, logistischer und technischer Hinsicht herausragende Anlage hinweisen mit einer ehemals bedeutenden, über Lübecks Grenzen weit hinaus reichenden Funktion. Im Übrigen haben Anbauten und Neubauten der letzten 50 Jahre die ganz im Geist der Moderne errichteten Gebäude in eine zweite Hülle gekleidet, dass diese kaum noch ausgemacht werden können. Erst beim Betrachten von Luftbildern lässt sich erkennen, dass die gesamte historische Struktur jedoch weitgehend erhalten geblieben ist und damit auch wieder freigelegt werden könnte, würde man die jüngere Umbauung entfernen. Führt man sich die gesamte Anlage des ehemaligen Seegrenzschlachthofs vor Augen, die sich über die Bahngleise hinweg bis zu den Kaianlagen des Wallhafens an der Roddenkoppel erstreckt, erschließt sich als nächstes auch die ebenfalls besondere städtebauliche Situation. Für die Entwicklung dieses gesamten Areals mit neuen Nutzungszuweisungen, z. B. auch für Wohnungen und nichtstörende Gewerbebetriebe, besitzen die vorhandenen Strukturen daher Potenziale, mit denen Lübeck Großartiges schaffen und bewirken könnte. Der übliche Weg, den Lübeck dabei meist zu beschreiten neigt also einem Investoreninteresse folgend nur einzelne Grundstücke einer Neubebauung zuzuführen würde jedoch Fakten schaffen, welche die derzeit noch vorhandenen Entwicklungsmöglichkeiten auf Dauer verbauten. Für die Neuordnung eines Areals dieser Lage, Größe und Geschichte, noch dazu in unmittelbarer Nähe zur Altstadt und dem ebenso dicht besiedelten Stadtteil St. Lorenz bedarf es einer bedie noch zum Originalbestand gehörigen Bauwerke von Schlachthof und Viehmärkten: 1. Viehauktionshalle Schwarzbunte (1926); 2. Seegrenzschlachthof (1929, heute völlig umbaut) mit a. Pförtnerlogen, b. Verwaltungsgebäude, c. Viehhof (heute überbaut), d. Viehtriftbrücke zur Quarantänestation und zum Hafen, e. Großviehschlachthalle, f. ehemaliger Verlauf der Schlachthofgleise mit Anbindung an Hafenbahn- und Reichsbahnstreckennetz (das Teilstück auf der Brücke über die Bundesbahngleise ist noch vorhanden), g. Schweineschlacht- Bürgernachrichten 112 hutsameren Vorgehensweise. Wie schon bei den Planungen für die Nördliche Wallhalbinsel wäre hier die Fortschreibung und Erweiterung des Rahmenplans für die Innenstadt und die Altstadtrandgebiete einer Bebauungsplanentwicklung voranzustellen. Damit könnte endlich wieder das große Ganze in den Blick genommen, zukünftige Entwicklungen im Umfeld berücksichtigt und die sich daraus ergebenden Chancen und Risiken identifiziert werden. Der ehemalige Schlachthof ist schließlich mehr als nur irgendein Betrieb in einem ehemaligen Gewerbegebiet; er ist ein wesentlicher Bestandteil des vor rund 100 Jahren gewachsenen Industriegürtels entlang des unteren Travelaufs, der ein einzigartiges Beziehungsgeflecht aus Handelslogistik, Bahnund Hafeninfrastruktur, Schiffbau und verarbeitendem Gewerbe darstellte. Einer baugeschichtlichen Aufarbeitung und einer denkmalpflegerischen Überprüfung des baulichen Bestands sollte daher zunächst ein Ideenwettbewerb unter öffentlicher Beteiligung besonders der angrenzenden Wohngebiete folgen. Er sollte auch die Möglichkeiten beleuchten, die überlieferten Strukturen in neue Nutzungsvorstellungen einzubeziehen. Ende der 1980er Jahre hatte das Denkmalamt in Person von Hanna Schuldt das Areal eingehend untersucht. Doch obwohl das Ensemble in Teilen in seinem bauzeitlichen Originalbestand erhalten war und in seiner geschichtlichen, architektonischen und technischen Bedeutung durchaus erkannt und gewürdigt wurde, ist der nächste Schritt zu einer Unterschutzstellung zumindest einmal nur von Teilen leider unterblieben. Während andere Städte wie z. B. Berlin, Dresden und Halle nur noch Reste ihrer Zentralschlachthöfe besitzen, wurden diese dagegen bereits in den 1990er Jahren als Kulturdenkmale erkannt. In Berlin, wo nur noch 30 % der historischen Anlagen erhalten waren, wurden noch vorhandene Gebäude und Hallen, Triftrampen und -tunnel in die Planungen der Nachwendezeit einbezogen und restauriert ein gutes Beispiel, welches Lübeck zur Orientierung dienen könnte. halle, h. Kaldaunen-Wäsche, i. Resteverwertung und k. Versandhalle; 3. Großviehstallung des ersten Schlachthofs (1884); 4. Schlachtviehmarkthalle (1935) zwischen den Gleisen mit eigener Viehtriftbrücke, 5. Viehquarantänestation für a. Rinder (am 4. Oktober 2011 durch Feuer zerstört), b. Schweine und c. Pferde, 6. Viehhofkai mit Stallgebäude am Wallhafen mit vorhandenen Laderampen, an denen einst drei Dampfer gleichzeitig löschen und laden konnten. Luftbilder: Simmons, Bing Maps/ Microsoft Corp. 11

12 Ein Hauptwerk der frühen Moderne Der Seegrenzschlachthof von 1929 Vorgeschichte der Schlachthöfe und Lübecks erster städtischer Schlachthof Bis in das 19. Jhd. hinein war das Schlachten von Nutzvieh eine privatwirtschaftlich an den jeweiligen lokalen Märkten individuell organisierte Angelegenheit. Bereits im Hochmittelalter waren örtlich gültige Rechtsnormen in Kraft, welche den Handel und die Verarbeitung von Schlachtvieh und Fleischerzeugnissen regelten. Sachverständigen Meistern aus den Ämtern der Küter und Fleischhauer oblagen die Qualitätskontrollen von Schlachttieren und Fleisch. Doch da beanstandetes Fleisch nicht vernichtet wurde, sondern zu geringeren Preisen in den Handel gelangte, wirkten diese Regelungen zum Schutz der Verbraucher nur selektiv. Mit dem raschen Bevölkerungswachstum im Zuge der Industrialisierung konnten diese Verfahrensweisen und die zugehörigen Einrichtungen den quantitativen und qualitativen Anforderungen an die Versorgung der Bevölkerung nicht mehr gerecht werden. Besonders die mangelhaften hygienischen Bedingungen und, wenn nicht fehlende, dann zumindest unzureichende Kontrollen von Schlachtvieh und Schlachtgut führten wiederholt zu Trichinose-Epidemien und Lebensmittelvergiftungen, an denen oftmals Menschen sterben mussten. Um der Seuchengefahr zu begegnen, wurde 1866 erstmals im Herzogtum Braunschweig die amtliche Trichinenschau eingeführt erließ dann auch die preußische Regierung das Gesetz über die Errichtung öffentlicher, ausschließlich zu benutzender Schlachthäuser, das so genannte Schlachtzwanggesetz. Es sollte den Bau von kommunalen Schlachthäusern fördern und das anschließende Verbot privater Schlachtereien ermöglichen. Diese gesetzliche Aufgabe, ein öffentliches Schlachthaus zu errichten und dort hygienische Kontrollen durchzuführen, galt zunächst nicht im damals unabhängigen Stadtstaat Lübeck. Doch auch hier wurden die Gefahren erkannt und die hygienischen Verhältnisse aufgrund der Belastungen von Trinkwasser und Abwasser durch unkontrolliert entsorgte Schlachtabfälle und Dung mit der Errichtung eines öffentlichen Schlachthauses begegnet. Die auf den Senatsbeschluss von 1871 folgende Auseinandersetzung zwischen Senat und Schlachterinnung führte jedoch zu einer Verzögerung seiner Umsetzung bis in das Jahr Ein Jahr später war nach Plänen von Ferdinand Herman Arnold Münzenberger 1 der erste Lübecker Schlachthof auf der Roddenkoppel zwischen Schwartauer Allee und Katharinenstraße fertig gestellt. Umgehend erließ der Senat das Lübsche Schlachtzwanggesetz, welches die private Schlachtung untersagte und die Untersuchung von Tieren und Fleisch zur Pflicht machte. Die bisher privat betriebenen Küterhäuser an Wakenitz und Krähenteich wurden geschlossen. Die Lage bereits dieses ersten Schlachthofs, von dem heute noch die Stallungen an der Schwartauer Allee vorhanden sind, war so gewählt, dass er an die Bahn- und Schiffstransportwege angeschlossen werden konnte. Das Schlachtvieh kam sowohl per Viehtrieb über die Triftstraße, per Bahn aus Holstein als auch per Schiff von Fehmarn und aus Dänemark und Schweden. Am Ufer des Wallhafens wurde an der sonst noch unbefestigten Roddenkoppel-Seite des Wallhafens eigens eine Kaianlage mit Viehhof errichtet. Eine Triftstraße führte unter den Gleisen der Hafenbahn und der Reichsbahn auf die Katharinenstraße und dort in die Schlachthofstraße, welche einst gegenüber der Drögestraße das Gelände zwischen Schwartauer Allee und Katharinenstraße durchschnitt. Die Schlachthofstraße ist später im Firmengelände der Kühlhaus Lübeck AG, heute Nordfrost Kühl- und Lagerhaus Gesellschaft, aufgegangen. 1 Münzenberger plante unter anderem auch das Schlachthaus von Wismar und in Lübeck das ehemalige Dommuseum und die frühere Synagoge im damals maurischen Stil. Er war bei etlichen städtischen Großbauten für die Bauleitung verantwortlich, so bei dem alten Reichspostgebäude auf dem Markt, dem Sitz der Deutschen Lebensversicherungs-Gesellschaft in der Königstr. 1/3 und der Herz-Jesu-Kirche an der Parade. Oben: Die rote Umrandung verdeutlicht die Lage des ersten städtischen Schlachthofs von 1883 zwischen Schwartauer Allee und Katharinenstr. (Plan: Fotoarchiv des St. Annen-Museums; Luftbild: Google Inc.). Die Neue Straße im Süden, später Schlachthofstraße genannt, ging im heutigen Firmengelände der Nordfleisch AG auf. Einziger erhaltener Bau ist die westlich gelegene Großviehstallung. In der Mitte des Geländes befanden sich die Schlachthallen für Großvieh und für Kleinvieh nebst Stallung. Im Süden links und rechts der Einfahrt mit Portierhaus das Kantinen- und das Verwaltungsgebäude. Im Norden das Düngerhaus, die Kaldaunenwäsche, die Wasserstation und die Rossschlachterei. Südlich des ersten städtischen Schlachthofs schloss sich das zunächst belegte Gelände der Kühlhaus AG an. Ihre Einrichtungen wurden später auf das Areal des alten Schlachthofs verlegt. Einzig das Verwaltungsgebäude an der Katharinenstraße ist noch heute erhalten. Blaue Umrandung: Areal des 1929 in Betrieb genommenen Seegrenzschlachthofs. Hervorgehoben ist der bauzeitliche Gebäudebestand mit den Pförtnerlogen, dem Verwaltungsgebäude, den Schlachthallen für Groß- und für Kleinvieh (mit Kaldaunenwäsche und Auskühlhalle) und der Viehtriftbrücke zum Hafen. Bürgernachrichten Herausgeber: Adresse: Auflage: Redaktion: Internet: Bürgerinitiative Rettet Lübeck (BIRL) e.v. Postfach 1986, Lübeck Exemplare Manfred Finke, Jörg Sellerbeck jr. (verantwortlich) Anschrift: Große Burgstraße 7, Lübeck Tel.: 0451/ Redaktionsschluss für Nr. 112: 30. Juni Mit Namen bzw. Signatur unterzeichnete Beiträge müssen nicht der Meinung der Redaktion bzw. der BIRL entsprechen. Beiträge und Abbildungen sind urheberrechtlich geschützt. Nachdruck mit Genehmigung der Redaktion. Bankverbindung (BLZ seit 1. Januar 2013 geändert): Santander Consumer Bank AG, BLZ , Konto IBAN: DE BIC: SCFBDE33XXX 12 Bürgernachrichten 112

13 1894 wurde das Reichsseuchengesetz verschärft. Importiertes Vieh musste zunächst in Quarantäne gehalten werden, bevor es im Reich verkauft werden durfte. Hinter den Gleisen der Hafenbahn wurde 1895 daher am Viehtrift eine Quarantänestation eingerichtet, die getrennte Stallungen für 660 Rinder und Schweine besaß wurde unter dem Lübecker Bauinspektor Carl Mühlenpfordt eine weitere Halle für Pferde errichtet, die einem späteren Neubau weichen musste. Auch die Stallungen für Rinder fielen erst 2011 einem Großbrand ungeklärter Ursache zum Opfer. Die große Hitze des Feuers zerstörte die gesamte stählerne Innen- und Dachkonstruktion, so dass die dadurch einsturzgefährdeten Giebelwände noch während der Löscharbeiten vom Technischen Hilfswerk eingerissen werden mussten. Markt- und Auktionshallen und der Großmarkt-Viehhof an der Katharinenstr. Im gleichen Jahr wie die Quarantänestation wurde nördlich des alten Schlachthofs die erste Viehmarkthalle eröffnet. Sie wurde in spätere Erweiterungs- und Neubauten des neuen Seegrenzschlachthofs in geänderter Nutzung einbezogen. Aufgrund der starken Zunahme der Handels- und Schlachtaktivitäten, mussten auf diese Viehmarkthalle weitere Einrichtungen folgen: In der Wisbystraße nahe des 1908 eingeweihten neuen Hauptbahnhofs wurde bereits 1913 nach den Entwürfen von Carl Mühlenpfordt eine weitere Markthalle für Nutzvieh errichtet, welche über die Meierbrücke eine Viehtriftanbindung zur Verladestation am Güterbahnhof besaß. Diese dreischiffige in Holzbauweise errichtete Halle hatte nach einer Zwischennutzung im Ersten Weltkrieg als Rekrutierungskaserne bis 1979 noch die ihr ursprünglich zugedachte Funktion, fiel aber 1994 auch einem Großbrand zum Opfer. Ebenfalls für den Handel mit Schlacht- und Zuchtvieh bestimmt waren weitere Einrichtungen wie die 1925 von Alfred Runge und Wilhelm Lenschow entworfene Zuchtviehauktionshalle für den Verband Schwarzbunte Schleswig-Holsteiner e. V. an der Karlstr. und der 1935 errichtete Viehhof mit seiner Großmarkthalle für Schlachtvieh parallel zum Schlachthofgelände zwischen den Gleisen von Reichs- und Hafenbahn. Dieser dient bis heute dem Viehgroßhandel. Einrichtung der ersten industriellen Kühlung mit der Kühlhaus Lübeck AG Mit seinen Schlachthofkapazitäten und Markthallen für lebendes Vieh zu Schlachtzwecken fiel Lübeck in der Versorgung des Deutschen Reichs mit Lebensmitteln und Schlachtvieh aus dem Ostseeraum eine neue bedeutende Rolle zu. Lage und Einbindung von Schlachthof und Markthallen in die Hafen- und Bahninfrastruktur führten zu einem rasanten Wachstum der Mengen an gehandeltem Lebendvieh wie Fleischprodukten. Noch mussten Schlachtfleisch und verderbliche Importlebensmittel mit Natureis gekühlt werden, Oben: Die Markthalle in der Wisbystraße von 1913, 1994 abgebrannt. Foto: Kunstverlag Friedrich Wessel, Lübeck. Mitte: Die Zuchtviehauktionshalle von 1925 an der Karlstraße, heute innen umgebaut und von allen Seiten umbaut nur noch im Bereich der oberen Giebelseiten von außen wahrnehmbar. Darunter: Großmarkthalle des Viehhofs am Bahnweg von 1935, heute im Privatbetrieb. Unten: Kühlhaus Lübeck AG im Werbefoto von In der Mitte die Kraftzentrale mit Dampfmaschinen und Schornstein. Von der abgebildeten Anlage ist nichts mehr erhalten, ein Sky-Markt und ein Recyclinghof teilen sich die Flächen. Bürgernachrichten

14 welches im Winter aus Seen und Flüssen geschnitten wurde. Um von schlechten Eisernten in milden Wintern unabhängig zu sein und aus hygienischen Überlegungen kam zum Ende des 20. Jhs. die industrielle Eisproduktion auf, welche insbesondere auf den Erfindungen des deutschen Ingenieurs Carl Paul Gottfried von Linde beruhte. Mit Hilfe von Dampfmaschinen konnten durch Kompression und Dekompression von Kühlmitteln Kühlhäuser und so genannte Kristall-Kunsteisproduktionen betrieben werden, für welche die Gesellschaft für Lindes Eismaschinen Aktiengesellschaft die Anlagen lieferte. In Lübeck wurde 1913 südlich des Schlachthofs nach der im Jahr zuvor erfolgten Gründung der Kühlhaus Lübeck AG das erste industrielle Kühlhaus mit Kunsteisproduktion in Betrieb genommen. Es bestand aus 600 m² Vorkühlhalle, m² Kühl- und Gefrierhaus und einer Eisfabrik mit einem Ausstoß von 20 Tonnen entkeimtem Kunsteis täglich, wurde aber mehrfach erweitert und erreichte bis 1930 eine Kapazität von m² Kühl- und Gefrierraumflächen und einen täglichen Eisausstoß von 100 Tonnen. Neben den Schlachterzeugnissen des städtischen Schlachthofs wurden zunehmend kühlbedürftige Handelsgüter wie Butter, Eier und Pelze aus Russland sowie nordisches Wild- und Geflügelfleisch gelagert und verschickt. Die Kühlhäuser erhielten daher wie der Schlachthof einen eigenen Gleisanschluss an das Netz der Hafenbahn. Mit seiner direkten Anbindung an den Schlachthof galt das Kühlhaus als die einzige derartig vernetzte Anlage und als das größte Unternehmen seiner Art im Deutschen Reich und im gesamten Ostseeraum. Die Einheit von Hafen, Eisenbahn, Schlachthof und Kühlhaus für die Versorgung Deutschlands insbesondere der explosionsartig zunehmenden Bevölkerung im Ruhrgebiet war zu dieser Zeit sowie durch beide Weltkriege hindurch für das Land und auch für die wirtschaftliche Prosperität Lübecks bedeutend. Allein von den gewaltigen Viehimporten aus Dänemark wurden 30 % über Lübeck umgeschlagen und weiter verarbeitet. Neubau des Seegrenzschlachthofs Das Schlachtaufkommen in Lübecks städtischem Schlachthof war seit seiner Einrichtung im Jahr 1884 kontinuierlich gestiegen. Von rund im Jahre 1890 erreichte es in den Kriegsjahren zwischen 1914 und 1918 ein Jahrespensum von bis zu Tieren. Die innerhalb eines eng gesteckten Areals einzigartig integrierte Wertschöpfungskette vom Seeimport über das Schlachten, Kühlen, Gefrieren, Handeln und Versenden der Fleischerzeugnisse, Zuliefer- und Nebenprodukte war sicherlich maßgeblich für einen derart beeindruckenden Kapazitäts- und Leistungszuwachs auf den zur Verfügung stehenden Flächen. Erst in den 1920er Jahren kam es zu einer Neuordnung der Arbeitsabläufe und damit auch zur Erweiterung der dafür erforderlichen baulichen Infrastruktur in Form eines neuen, zusätzlichen Schlachthofs für importiertes Vieh, dem so genannten Seegrenzschlachthof. Sie war eine Folge der Verordnung über die veterinärpolizeiliche Behandlung des auf dem Seewege zur Einfuhr gelangenden Schlachtviehs nebst Grundsätzen für die Einrichtung und den Betrieb von Seegrenzschlachthäusern für ausländisches Schlachtvieh aus dem Jahre Dieses Reichsgesetz regelte, an welchen Orten und unter welchen Bedingungen Schlachtvieh importiert und verarbeitet werden durfte. Dazu gehörten neben Lübeck auch Altona, Hamburg, Flensburg, Kiel, Bremen und Warnemünde; aber auch Wismar erhielt 1928 ein Seegrenzschlachthaus. Neben der Vermeidung von Tierseuchenausbreitung diente dieses Reichsgesetz im Kontext der damals grassierenden Weltwirtschaftskrise sicher auch als nationalpolitische Fördermaßnahme, denn das Zoll- und Gebührenaufkommen war für die davon profitierenden Städte erheblich. Ferner waren mit den Seegrenzschlachthöfen zugleich Importschleusen eingerichtet, mit denen die heimische Landwirtschaft auch mittels Kontingentierung vor importiertem Preisdruck geschützt werden konnte. Der neue Seegrenzschlachthof entstand nördlich des alten städtischen Schlachthofs als eigene Einrichtung und wurde am 1. Oktober 1929 in Betrieb genommen. Federführend für seine Planung verantwortlich war der da- 14 Bürgernachrichten 112

15 malige Stadtbaudirektor Hans Pieper. In den Seegrenzschlachthöfen durfte das importierte Schlachtvieh nicht mit lebendem heimischen Vieh in Kontakt gelangen. Von daher wurde zwischen Viehhofkai am Wallhafen, der Quarantänestation und dem neuen Seegrenzschlachthof eine von öffentlichen Wegen unabhängige Viehtrift eingerichtet, die unter den Gleisen der Hafenbahn hindurch und über eine 235 Meter lange und vier Meter breite Brücke aus Stahlbeton führte, mit der die Katharinenstraße und die Gleise der Reichsbahn überwunden werden konnten. Bis auf einen Abschnitt über die inzwischen elektrifizierten Gleise der Bundesbahn ist diese Viehtrift bis heute erhalten geblieben. Auf dem neuen, von der Außenwelt abgeschirmten Schlachthofgelände endete die Viehtrift auf einem großen von Gattern unterteilten Viehhof. Nach zwölfstündigem Aufenthalt in der Quarantänestation wurden die Tiere von hier aus den östlich und südlich gelegenen Schlachthäusern für Großund für Kleinvieh zugeführt. Die Großviehschlachthalle ist ein ca. 100 Meter langer und 16 Meter tiefer, parallel zum Viehhof und den Schlachthofgleisen liegender, flach gedeckter Ziegelbau, der mit ehemals neun über die Traufe hinausragenden Lichtgaden rhythmisch gegliedert war. Oberhalb einer Erdgeschosszone, in der 19 doppelflügelige Schiebetore in die Schlachthalle führten, war die gesamte Fassade mit einer dichten Reihe stehender Fensterbänder geöffnet. Die etwa doppelt hohen Fenster der Lichtgaden ließen sich zu allen Seiten mit einem Kurbelmechanismus seitlich herausdrehen und sorgten neben dem natürlichen Lichteinfall für die im Schlachtvorgang erforderliche Entlüftung. Im Innern der Halle erfolgte die Tötung, Ausschlachtung und Fleischbeschauung durch die Veterinäre. Mit acht Schlachtwinden konnten in einer achtstündigen Schicht 720 Rinder oder Pferde geschlachtet und über die rückwärtige Rampe zum Schlachthofgleis verladen werden. Die Jahreskapazität allein der Großviehschlachteinrichtungen lag damit bei sechs Arbeitstagen pro Woche im Einschichtbetrieb bei rund Stück. Seite gegenüber oben: Der Viehhofkai mit Laderampen für das gleichzeitige Löschen von bis zu drei Seeschiffen sowie Zollhaus und Stallungen. Darunter: Die Viehtriftbrücke über die Bahngleise und die Katharinenstraße zum Schlachthofgelände. Zwischen den Stützen ist im Hintergrund die Großviehschlachthalle mit der Verladerampe mit dem davor verlaufenden Schlachthofgleis nebst Wagons erkennbar. Unten: Der Weg von der Rampe auf das Schlachthofgelände. Links im Bild die Großviehschlachthalle, rechts das Verwaltungsgebäude mit Treppenaufgang zur Kantine. Hinten am Ende des Viehhofs befindet sich die Kleinviehschlachtung mit dem hoch aufragenden Bau der Kaldaunenwäsche. Ganz unten: die Großviehschlachthalle vom Viehhof aus gesehen im Detail. Diese Seite oben: Die Großviehschlachthalle um 1929 mit den seitlich aufgedrehten Lichtgadenfenstern. Darunter eine aktuelle Ansicht der umbauten und verschlossenen Fassade aus dem Inneren des heute überbauten Viehhofs. Darunter: Die Schlachthalle bei Inbetriebnahme 1929 bzw. heute im umgenutzten Zustand als Stallung für per Lastkraftwagen angelieferte Schweine. Die Fenster bis auf diejenigen im Lichtgaden und die ehemaligen Türen zum Viehhof sind weitgehend vermauert, die Beleuchtung daher elektrisch geregelt. Historische Aufnahmen: Foto-Archiv des St. Annen-Museums. D e u t s c h e r M i e t e r b u n d M i e t e r v e r e i n L ü b e c k e.v. (seit 1920) Dazu muss es doch erst gar nicht kommen! Kommen Sie lieber zu uns, Ihrem erfahrenen Partner bei allen Fragen zu Mühlenstraße 28, Lübeck Tel. 0451/ M i e t v e r t r ä g e n H e i z - / N e b e n k o s t e n M i e t e r h ö h u n g e n W o h n u n g s m ä n g e l K ü n d i g u n g e n usw. Bürgernachrichten

16 Am Südende des Viehhofs lag die Schlachthalle für Kleinvieh mit der hoch aufragenden Kaldaunenwäsche für die Weiterverarbeitung der Innereien. Hier konnten einst Schweine täglich geschlachtet und verarbeitet werden. An die Schlachthalle direkt angebunden war eine gut m² große Auskühlhalle. Von hier aus konnten die Schweinehälften über eine nordöstlich anschließende vollständig überdachte Rampe mit aus dem Schlachthaus hinausführenden Laufschienen zu zwei parallel liegenden Gleisen verbracht und verladen werden. Nach Süden führte eine weitere überdachte Rampe durch das Gelände des alten Schlachthofs in die Vorkühlhallen und von dort in die Kühl- und Gefrierhäuser der Kühlhaus Lübeck AG. In der Kaldaunenwäsche mit einer Grundfläche von 300 m² wurde neben dem zu so genanntem Pansendünger weiterverwendeten Mageninhalt der Schlachttiere nun auch das Blut aufgefangen und nach Einkochen zu Blutmehl verarbeitet. Hierfür wurden in Erweiterung des Bestands im alten Schlachthof neue Kesselanlagen nebst Schornstein eingerichtet. Blutmehl zählt zu den organischen, an Phosphor, Kalium und Stickstoff besonders reichen Volldüngern. In Folge der nunmehr vorgenommenen Weiterverarbeitung des bei der Schlachtung anfallenden Tierbluts wurde die bislang erhebliche Belastung der Schlachthausabwässer wesentlich gemindert. Auch der bisher im alten Schlachthof nur auf offenen Wagen zu den Gärtnereien transportierte Pansendünger wurde von nun an mit Kalkmilch keimfrei gebunden, getrocknet und gepresst und war damit in lager- und transportfähiger Qualität auch für die Weiterverarbeitung und den Fernhandel geeignet. Oben: Die südliche Schmalseite der Kleinviehschlacht- und Auskühlhalle mit dem Rampenansatz zum zweiten und dritten Schlachthofgleis. Darunter: Die Kleinviehschlachthalle, im Durchblick die Kaldaunenwäsche. Lange Lichtgaden versorgen die Halle mit Tageslicht. Im Rücken befindet sich die Auskühlhalle mit Ausgängen zum Bahnsteig. Unten: Die Schlachthalle heute. Die inzwischen undichten und verrotteten Dachkonstruktionen brechen durch die abgehängten Decken. Historische Aufnahmen: Foto-Archiv des St. Annen-Museums. Auf der Westseite des Geländes ist bis heute der lange Riegel des Verwaltungsgebäudes mit Waschkaue und Kantine erhalten geblieben. Einst wie ein Schiff gedacht, bei dem die Kommandozentrale der Geschäftsleitung wie eine Brücke auf dem Unterbau thront, haben Reparaturen von Kriegsschäden, besonders aber die jüngeren An- und Umbauten und die fast völlige Entfernung der gesamten bauzeitlichen Innenausstattung dem Gebäude alles genommen, was es einst als Inkunabel der hier in Backstein ausgeführten Streamline-Moderne mit ihren nautischen Elementen ausgemacht hatte. In der historischen Aufnahme wird deutlich, welche Wirkung von den mit Bedacht angeordneten, quer-oblong proportionierten und von durchlaufenden Gesimsbändern zusammengefassten Fensterreihen ausgeht, die im Obergeschoss durch maritim wirkende Rundfenster abgeschlossen werden. Heute ist der gesamten hofseitigen Fassade eine zweite Gebäudeschale vorgelegt, welcher die historischen Treppenaufgänge, Eingangssituationen sowie der markante Pylon mit der Werksuhr weichen musste. Als letzter vollständig erhaltener Originalbestand dürften neben der Betriebskantine heute noch die beiden gegenüberliegenden Pförtnerlogen gelten, die als solche in ihrer Qualität auch vom neuen Eigentümer erkannt und in seine Planungen für das Gelände einbezogen werden sollten. Sie besaßen einst die elementare Funktion, nur befugten Personenkreisen den Zutritt zu gewähren, denn an dieser Schnittstelle zur Außenwelt lauerte die größte Gefahr, über See eingeschleppte Seuchen zu verbreiten. Entsprechend durften Arbeitskleidung und Schlachtwerkzeuge das Gelände nie verlassen und auch die privaten Schuhe mussten stets desinfiziert werden. Der alte öffentliche Schlachthof stellte nach dem Zweiten Weltkrieg seine Tätigkeit ein. Außer der Großviehstallung, die bis heute gewerblich genutzt wird, wurden in den 1950er Jahren alle weiteren Gebäude geschleift übernahm die Kühlhaus Lübeck AG das Gelände und rückte folglich mit seinem durch Neubauten verjüngten Betrieb direkt an den Seegrenzschlachthof heran. Das bisherige Gelände der Kühlhaus Lübeck AG wurde weitgehend geräumt, 1986 wurden die alten Anlagen für die Einrichtung eines Supermarkts und des Recyclinghofs St. Lorenz abgerissen. Das Verwaltungsgebäude an der Katharinenstraße ist bis heute geblieben und von der Rechtsnachfolgerin, der Nordfrost Kühl- und Lagerhaus KG, bis heute in Nutzung. 16 Bürgernachrichten 112

17 Mit Beginn der 1970er Jahre unterlagen Art und Umfang der Tätigkeiten in den Seegrenzschlachthöfen signifikanten Veränderungen; der Großteil der Fleischerzeugung wurde inzwischen preisbedingt vom Ausland erbracht. Aufgaben wie Hygieneuntersuchung, Taxierung oder Zwischenlagerung und Weiterverarbeitung wie Zerlegung und versandfertige Verpackung von angeliefertem Fleisch lösten den Schlachtbetrieb im herkömmlichen Sinne immer mehr ab. Der Betrieb vieler, seit der Zeit des Schlachtzwanggesetzes etablierter öffentlicher Schlachthöfe war mitunter nicht mehr ökonomisch vertretbar und wurde nach und nach privatisiert oder eingestellt. Der Lübecker Seegrenzschlachthof ging 1972 in die Hände der Nordfleisch AG über, die sich mithilfe von Übernahmen im deutschen Markt zur Nr. 2 aufschwingen konnte, dann aber ihrerseits durch den holländischen Konkurrenten Bestmeat Company übernommen wurde, der heute wiederum zum internationalen Nahrungsmittelkonzern Vion N. V. gehört. Die grenzüberschreitenden Kooperations- und Konzentrationsentwicklungen innerhalb des europäischen Lebensmittelhandels, aus denen mächtige Konzerne wie Metro, Aldi, Lidl oder Rewe hervorgegangen sind, erfasste zur Erlangung eines entsprechenden Gegengewichts nun auch die Lebensmittelhersteller. Der Seegrenzschlachthof Lübeck wurde vor diesem Hintergrund zu einem modernen Versandschlachthof umgebaut, wobei die alten Gebäude zum Teil ihre ursprüngliche Funktion verloren und der Schlachtbetrieb in ergänzende Neubauten verlegt wurde. Die mit der Verdichtung einhergehenden Eingriffe in die historische Substanz erfolgten ausschließlich nach wirtschaftlichen Erwägungen unter dem Diktat kurzfristiger Amortisierungsanforderungen. Demzufolge ließen diese jegliches Gespür für die Wertigkeit der überlieferten Architektur und ihrer Ausstattung vermissen. Noch in den 1990er Jahren profitierte Lübeck von der Stilllegung anderer, selbst moderner und leistungsfähiger Schlachthöfe zwecks Konzentration auf wenige Fleischzentren. Doch im Jahr 2006 teilte auch Lübeck mit seinen 58 Mitarbeitern dieses Schicksal und musste seinen Betrieb einstellen. Seither ist mit dem Gelände eine der dringlichsten Konversionsaufgaben Lübecks verbunden mit dem Ziel, die bislang ausschließlich industrielle Verwendung in eine städtebaulich verdichtete Mischnutzung zu überführen. Die präzisierten Nutzungszuweisungen an das Schlachthofgelände sind derzeit noch Gegenstand widerstreitender politischer Interessen. Die Unsicherheiten bei der konkreten Ausgestaltung eines Bebauungsplans scheinen allerdings darin begründet zu sein, dass eine Rahmenplanung über die städtebaulichen Entwicklungsperspektiven bislang unterblieben ist auch im Hinblick auf eine visionäre Einbindung der angrenzenden industriellen Areale auf der Roddenkoppel bis hin zum ehemaligen Viehhofkai und der seit langem brachliegenden Teile des LMG-Geländes. Hierfür hatte Hanna Schuldt bereits 1989 als Mitarbeiterin der Denkmalpflege mit einem detailreichen Bericht zur Architektur und Nutzungsgeschichte der hier beschriebenen Liegenschaften den Grundstock gelegt 20 Jahre zu spät, um den Seegrenzschlachthof als einzigartiges architektonisches wie technisches Ensemble mit seinem besonderem geschichtlichen Wert zu schützen. Ihre Arbeit ist aber immer noch zeitig genug geleistet worden, um die noch vorhandenen Strukturen und die Bedeutung des Orts in eine städtebauliche Neuordnung und architektonische Gestaltung einfließen zu lassen. Jörg Sellerbeck, Jr. Bürgernachrichten

18 Diese Bücher sind wichtig Der Corpus : ein Segen für Lübeck Kunsthistoriker werden in Lübeck immer seltener, die großen Zeiten wichtiger Veröffentlichungen von engagierten Lübecker Fachleuten zur Lübecker Kunstgeschichte insbesondere des Mittelalters und der frühen Neuzeit sind längst vorbei. Dieses tempora mutantur ist gewiss eine billige Klage, in der Wertschätzung des Faches Kunstgeschichte durch die Lübecker Museumspolitik hat sich allerdings wirklich eine entscheidende Weichenstellung vollzogen. Regiert werden wir, soweit es die Sicht auf unser künstlerisches historisches Erbe betrifft, von Literatur-Fachleuten und von Hanse-Historikern, denen seitens ihrer politisch argumentierenden Dienstherrn das Befolgen angeblich neuer massentauglicher Museologie-Trends dringend zur Aufgabe gemacht wird. Auf Dauer wird dies dem Ruf Lübecks als Standort überregional bedeutenden Kunstbesitzes spürbaren Schaden zufügen. Vor diesen nebelgrauen Aussichten leuchtet nun seit einiger Zeit die Publikationsreihe Corpus der mittelalterlichen Holzskulptur und Tafelmalerei umso heller. Herausgeber und Mitverfasser ist der Kunsthistoriker Dr. Uwe Albrecht, Professor an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Die Finanzierung der langjährigen Recherchen der beteiligten Mitarbeiter wird der Deutschen Forschungsgemeinschaft verdankt, die Drucklegung beider Lübecker Bände ermöglichten diverse Lübecker Stiftungen (z. B. die Possehl-, Sparkassen- und Jarchow-Stiftung, auch der Verband Frau und Kultur), aber auch auswärtige Stiftungen, wie die Deutsche Stiftung Denkmalschutz. Band 1, der sakralen Sammlung des St. Annenmuseum gewidmet, erschien bereits Im Prinzip haben wir es mit einem Inventar zu tun. Zu den einzelnen Kunstwerken, die datiert und in Technik und Erhaltungszustand vorgestellt werden, wird die zu ihrer Erforschung erschienene Literatur angeführt. Werturteile erfolgen selten. Beziehungen zu anderen Kunstwerken und Zuschreibungen an Künstler und Werkstätten spielen dagegen eine große Rolle. Rückführung in die wissenschaftliche Diskussion Lübecks Bedeutung als Schwerpunkt künstlerischer Produktion und des Kunstimports, aber auch des Austauschs von Ideen im späten Mittelalter wird dem Leser des zweiten Bands (Lübeck, Die Werke im Stadtgebiet) noch stärker bewusst, insbesondere dadurch, dass hier auch die Kriegsverluste (an Palmarum 1942) aufgelistet, durch hervorragendes Fotomaterial dokumentiert und in ihrer kunsthistorischen Dimension diskutiert werden. Das geht über ein nüchternes Inventar weit hinaus. Uwe Albrecht begründet dies so: Trotz weitgehender Zerstörung durch die Ereignisse des 2. Weltkriegs dürfen die mittelalterlichen Prinzipal-Ausstattungsstücke der Lübecker Marienkirche aufgrund guter urkundlicher Quellenlage, nahezu lückenloser fotografischer Dokumentation und präziser objektarchäologischer Auswertung von jüngst erst als zugehörig erkannten Fragmenten auch weiterhin in der wissenschaftlichen Diskussion den ihnen gebührenden Platz beanspruchen. Wieder in die kunsthistorische Diskussion zurückgeholt: Beispielsweise Benedikt Dreyers Lettner-Skulpturen in St. Marien (siehe dazu auch die Monografie von Tamara Thiesen: Benedikt Dreyer, Kiel 2007). die wertvollsten Ausstattungsstücke. Die schlimmen Folgen beschleunigten dann die entsprechenden Arbeiten in Köln, Nürnberg, Danzig etc. erheblich. Die Einschätzung des Verlorenen durch Prof. Albrecht sollte uns zu denken geben: ein Verlust, der zu den schmerzlichsten seiner Art in ganz Deutschland zählt. Sicherlich wird man dieses Urteil relativieren wollen, wenn man an die Zerstörungen und Verluste durch die NS-deutsche Kriegsführung im restlichen Europa denkt. Das Aufrechnen der deutschen Kriegsverbrechen gegen die (schließlich auch selbst verschuldeten) eigenen Verluste an Kulturgütern führt aber nicht weiter. Im Corpus II geht es ganz sachlich darum, frei von Schuldzuweisungen eine Vorstellung vom einstigen künstlerischen Reichtum der kriegszerstörten Altstadtkirchen Lübecks zu geben. Übrigens: Im letzten Jahr, von Juni bis September, waren die 1942 verbrannten Kunstwerke in Form von schwarz-weiß-reproduktionen in der Marienkirche aufgestellt, im Maßstab eins zu eins, und wer das gesehen hat, wird es nicht vergessen. Auch das war eine Aktion von Prof. Albrecht, unterstützt von Frau Dr. Nürnberger, Frau Dr. Vogeler und anderen, nicht zuletzt auch von Studenten des Kunsthistorischen Instituts der Christian-Albrechts- Universität. Es scheint, dass die wissenschaftliche Arbeit an Lübecks Erbe an mittelalterlicher Kunst jetzt ganz an der Kieler Uni geleistet wird. Wie sehr unsere Kultur-Verantwortlichen froh darüber sind (die Stellen kann man streichen), soll hier nicht ausgelotet werden. Kurz: Die bislang vorliegenden beiden Corpus -Bände (mit zusammen über Seiten) bereichern unsere Kenntnisse vom mittelalterlichen Lübeck ganz außerordentlich und bieten für weiter gehende Forschungen die unverzichtbare Grundlage. M. F. Von 632 Seiten sind also 168 den Kriegsverlusten gewidmet unter der Frage: Was ist im Dom und in St. Marien an mittelalterlichen Skulpturen und Gemälden verbrannt? Man wusste es natürlich so ungefähr. Jetzt aber gibt es präzise Informationen über das Verlorene, das somit dem Vergessen-Sein entrissen wird so über den Levitenstuhl im Dom, über die Prospekte der gotischen Orgeln in Marien, die berühmten Retabel dort, etwa den Greveradenaltar, das Schinkel-Retabel, den Altar der Stockholmfahrer, den berühmten Dreikönigsaltar von Adrian Isenbrandt, Bernt Notkes monumentale Gregorsmesse, den Bergenfahreraltar, sodann über den Lettner mit den phantastischen Skulpturen des Benedikt Dreyer Lübeck erlitt einen der ersten Brandbombenangriffe der Kriegsgeschichte und war dafür nicht gerüstet: Die Kunstwerke der Altstadtkirchen waren noch nicht ausgelagert, nicht einmal 18 Bürgernachrichten 112

19 Zur Verdoppelung des Buddenbrook-Hauses Virtualität Faktizität Authentizität Februar 2013: Auf Einladung der Buddenbrookhaus-Mannschaft und der Kulturstiftung Lübeck und auf Kosten der VW-Stiftung und anderer Förderer kommen viele bekannte Literaturwissenschaftler und Baufachleute im großen Saal des Medizinhistorischen Instituts zusammen, um sich über neue Konzepte von Literatur- und Event -Museen auszutauschen. Anlass ist die anstehende Verdoppelung des Literaturmuseums Buddenbrookhaus das Nachbarhaus Mengstraße 6, bislang im Besitz der Karstadt-Grundstücksgesellschaft, ist bekanntermaßen für diese Erweiterung angekauft worden. Bis 2017, immerhin noch 4 Jahre, sollen Konzept und Umbaupläne fertig sein. Da ist es gut und richtig, sich die Erfahrungen von Kuratoren anderer Museen anzuhören und Meinungen einzuholen. Das Haus Mengstraße 6 ist für uns natürlich ein wichtiger Punkt. Ist das etwa wieder ein Denkmal? Wir sind also sehr gespannt auf die Ausführungen zu diesem Themenkomplex. Man hofft auf Gedanken über das städtebauliche Umfeld, darf man dazu -bauen, etwas weiter in Richtung des geplanten neuen Wehdehof-Parkhauses? Auch: Welche Haltungen zum Bauen in Nachbarschaft bedeutender Baudenkmäler (die Marienkirche steht gegenüber) wären hier denkbar etc. Dass nun die angekündigten drei Koryphäen des Faches Städtebau/Architektur kurzfristig abgesagt haben, ist überaus enttäuschend. Also kein Vortrag von Winfried Nerdinger, kein Vortrag von Christoph Mäckler, kein Vortrag von Hans Stimmann. Es bleibt das Referat über den Wieder-Aufbau von Schloss Herrenhausen/ Hannover als Verwaltungs- und Veranstaltungszentrum der VW-Stiftung. Der Architekt Kotulla bewertet die Bau-Aufgabe als zeitgenössisch (schon weil Schloss Herrenhausen innen ein modernes Tagungszentrum ist) und eben nicht geschichtsrevisionistisch. In Herrenhausen ist ein Bild wiederhergestellt worden. Man diskutiert über neue Ansätze der Denkmalpflege, um den Kampf der Bewahrer/ Wiederhersteller eines Bildes gegen die Substanz- Fetischisten. Der richtige Weg liege irgendwo dazwischen; sowieso sei jeder Fall gesondert zu gewichten. Man sollte aber historischen Neubau nicht von Die nach Zerstörung 1942 in der Fischstraße gesicherten Fassaden. Foto unten: Rückseite der drei Giebel mit den Stützmauern. Nach Abbruch wegen der hier geplanten Berufsschulen wurden die Ziegel der gotischen Front Nr. 19 (links) dem Neubau Mengstraße 6 vorgeklebt. Vorher musste dort der gerettete Barockgiebel verschwinden. vornherein ablehnen. Ein bedenkenswerter Satz aus dem Munde eines Architekten. Ein Plädoyer für eine städtebauliche Denkmalpflege hält auch Prof. Sonne, Kollege von Christoph Mäckler, von der TU Dortmund. Interessant wieder die Sektion Virtualität, Digitalität, Authentizität und Erinnerung. Museen, Ausstellungen, Gedenkstätten werden unter dem Aspekt Einsatz neuer Medien untersucht. Man warnt zwar vor zu viel Vertrauen in die sich schnell und dann auch kostspielig wandelnde Technik, hält es dann aber sehr wohl mit ihr. Den Gipfel bringt der Egg-head-Digi-Virtuose Ulrich Schwarz von der UdK Berlin, der Freiheit des Besuchers predigt, aber mit seinen den Besucher leitenden Installationen, Licht- und Bewegungsszenerien das genaue Gegenteil bewirkt (das scheint ihm gar nicht aufzufallen). Er zeigt virtuelle Räume, wandgroße Bildschirme, auf denen in echt historische Inszenierungen vom Besucher mitspielend eingegeben Bürgernachrichten

20 werden können. Unser zukünftiges Hansemuseum lässt grüßen. Merkwürdig, dass nur die Technik als solche problematisiert wird. Wer aber formuliert die Inhalte, wer schreibt die Texte? Die Fachleute sind sich anscheinend einig, dass solche ans eigene Revers gehende Fragen hier nicht hergehören. In der letzten Sektion am Sonntag (17.2.) sind bemerkenswerte Neu- Definitionen zu erleben: Das nach dem Kriege als Kopie wiedererrichtete Frankfurter Goethe-Haus bewertet die Literaturhistorikerin Bohnekamp- Renken nach der neuerlichen Renovierung als authentisches Bild der Zeit, in welcher der junge Goethe lebte und: Der rekonstruierte Ort ist wieder der auratische Ort. Also Aura jetzt ohne Beleg durch das Original? Da tun sich der Märchen erzählenden Museologie ja grandiose Zukunftschancen auf. Wie weit man da Umwertungen bewirken und damit einer verehrenden Gemeinde entgegen gehen kann, zeigt der Planer Sven Friedrich am Beispiel Richard Wagner Museum in Bayreuth. Seine hehre, zum Klassizismus tendierende Umwidmung des Erdgeschosses von Haus Wahnfried räumt den historistischen Plüsch weg und schafft ein streng-nobles Walhalla, eben Klassik für einen Klassiker. So sollen wir Wagner wollen. Einhellig die Begeisterung der versammelten Literaten über Orhan Pamuks Museum der Unschuld, das vom Architekturbüro Sunder-Plassmann gemeinsam mit dem Nobel-Preisträger in Istanbul realisiert wurde. Die Nähe zum Surrealismus, namentlich zu den in den 1940er/ 50er-Jahren entstandenen Kästen und Vitrinen des amerikanischen Künstlers Joseph Cornell, ist so augenfällig, dass man sich über das allgemein zuerkannte Prädikat, Pamuks Museum sei modern, etwas wundern muss. Dem Zeitgenossen ist alles ihm Neue modern. Doch im Saal hat niemand etwas mit Surrealismus am Hut und mit Joseph Cornell schon gar nicht. Die Wahrnehmungsgrenzen zwischen Literaten und bildenden Künstlern scheinen hermetisch dicht zu sein, jedenfalls im Fall Unschuldsmuseum. Zu behaupten, dass ein in einem Schaukasten arrangiertes Konstrukt aus Dingen ein Gefühl für die Stimmung in den jeweiligen Roman-Kapiteln hervorrufe, zeigt, dass man der geschriebenen Wahrheit mehr vertraut als der Wahrheit, die man mit eigenen Augen wahr - nimmt. Gefühle! Man nehme Buddenbrooks Teil 11, Kap. 3. Mit welchem eingekasteten Ding-Arrangement stellt man die Gefühle dar, die dem Leser beim Lesen von Hannos Tod kommen. Ein absurder Gedanke (wie jeder Buddenbrooks-Film beweist). Dennoch: Unsere Literatur-Koryphäen Eickhölter und Wißkirchen dürften die Ohren gespitzt haben: Wär das nicht etwas für Buddenbrooks Zwo? 29. März 1942: In Bildmitte die noch stehenden Barock-Giebel Mengstraße 4 und 6, darunter die L-förmig in den Blockinnenhof eingepasste gründerzeitliche Markthalle (heute steht hier in Teilen das Wehdehof-Parkhaus). Prof. Wißkirchen schließt die Tagung mit einer sehr interessanten Bemerkung: Die Museums-Wissenschaft arbeite jetzt weg vom Dinge-Museum hin zu einem Menschen-Museum. Da kann man das olle Zeugs ja schon mal wegräumen (oder auf dem Flohmarkt verticken). Hinter dieser Neu- Ausrichtung steckt das Problem, das auf dieser Tagung niemand zum Thema machen wollte: Die Museen stehen unter dem politischen Diktat, schwarze Zahlen zu schreiben. Deshalb soll jetzt die so genannte breite Masse an die Kasse. Wie man die Masse anspricht und begeistert darum geht s. M. F. 20 Bürgernachrichten 112

21 Mengstraße 6 Die Frage mag befremdlich klingen: Ist Mengstraße 6 ein Denkmal? Selbstverständlich ist das ein Denkmal, denkt der Betrachter, wenn er sich den gotischen Backsteingiebel anschaut. Tatsächlich stehen wir vor einem kompletten Neubau von 1953, einem simplen Bürogebäude mit Beton-Decken, aber mit hohem Satteldach. Die Front an der Mengstraße ist zu großen Teilen aus alten Ziegeln errichtet, die aus dem Abbruch der 1942 stehen gebliebenen Fassade Fischstraße 19 stammen. Von dieser einst so berühmten Kaufmannshaus-Straße waren bei den Aufräumarbeiten 1942 neben einigen Sandstein- Portalen nur die Fronten von Nr. 15 (Stufengiebel des 17. Jhs.) Nr. 17 (klassizistisch), und eben 19 (gotisch) gesichert und rückwärtig mit Stützmauern versehen worden. Das Schild Stehen lassen! Kulturgut tat seine Wirkung (die gesamte Straße stand zudem vor dem Krieg unter Denkmalschutz). Der Neuaufbau der Innenstadt hatte dann aber sehr schnell andere Prioritäten. Viele der gesicherten Ruinen wurden ohne Aufsehen weggeräumt. Die o- bere Mengstraße, wo die drei monumentalen Giebelfronten Nr. 10, 12, 14 sowie weiter oben die Nr. 4 (heute: Buddenbrookhaus) und die Nr. 6 erhalten waren, sollte zunächst wohl eine Art barocke Denkmal-Insel werden. Als in den frühen 1950er Jahren die ersten Berufsschulneubaupläne für die Trümmerflächen zwischen Braun-, Fisch- und Alfstraße entstanden, wurde schnell klar, dass die drei einsam in der Wüste stehenden Fronten der Fischstraße 15, 17 und 19 einer zeitgemäßen Neubebauung des Gründerviertels im Wege stehen würden. Der Abbruch erfolgte 1953, nur die gotische Front Nr. 19 wurde als hinreichend wertvoll eingestuft, um transloziert, also an eine andere Stelle verschoben zu werden, was bei einem Ziegelbau überaus kritisch ist. Als nun ein neues, solides Geschäftshaus auf der Parzelle Mengstraße 6 über dem erhaltenen Gewölbekeller errichtete wurde, klebte man die geretteten Ziegel von der Fischstraße 19 der Neubaufassade außen vor. Dieser Neu- Gotik musste allerdings die 1942 ebenfalls stehen gebliebene Barockfassade Nr. 6 weichen. Vermutlich wurde diese Front wegen ihrer zu schmalen Durchfahrt zum Gelände der einstigen Markthalle, wo es jetzt um Parkplätze ging, anstandslos zum Abbruch frei gegeben. Die neue Durchfahrt ist natürlich entschieden breiter als der alte Markthallen-Weg. Auch die eingangs genannten drei Barock-Ruinen Nr. 10/ 12/ 14 wurden 1957 sang- und klanglos abgebrochen. Statt der mit nur drei Vollgeschossen überplanbaren Denkmal- Fassaden entstand eine überaus schlichte Neubau-Reihe mit viereinhalb Etagen. So rechnet sich das. Die Traditionsinsel des großbürgerliche Barock an der oberen Mengstraße war damit gestorben. Weshalb der gotische Giebel Nr. 6 weder der wahre noch das Wahre ist: 1. Seine Proportionen stimmen nicht mit dem zerlegten Original überein, woran natürlich auch das nur verfügbare Baugrundstück Schuld hat. 2. Steinsetzung (Verband) und Bogenkonstruktion entsprechen nicht dem Original, siehe z. B. die Spitzbögen aus hochkant gesetzten Steinen. 3. Der entscheidende horizontal durchlaufende Schichtwechsel glasierter und unglasierter Ziegel ist aufgelöst, es herrscht eine Zufallsverteilung wie bei den in den 1950ern beliebten Mosaikfliesenoberflächen. 4. Es ist in sehr hohem Maße neues Ziegelmaterial eingesetzt worden, weil beim Abbruch eben doch sehr viel zu Bruch ging. Also kein Denkmal? Doch, aber ein Denkmal für den Umgang mit einmaligem Kulturgut zu Zeiten der Nachkriegs-Stadtplanung, wofür die pseudogotische Front selbst eher unwichtig ist. Wie wir heute damit umgehen könnten, ist auf besagter Buddenbrooks-Tagung schon mal vorsichtig angedeutet worden: Abbruch und Neubau. Vielleicht darf man die Frage auch einmal ernsthaft erörtern. Und zwar in Zusammenhang mit den Gründerviertel- Neubauten: Das Grundstück Fischstraße 19 wird nämlich neu bebaut Oben: Die klassizistisch überformte Barockfassade Mengstraße 6 (links) im Sommer Sie wurde 1953 durch eine aus den Materialien und nach dem Muster der Fassade vom Haus Fischstraße Nr. 19 gebaute gotische ersetzt. Unten: die Durchfahrt zur ehemaligen Markthalle. Unten: Mengstraße 6 und 4 heute. Die breite Parkhaus-Durchfahrt unter der Wiederaufbau-Gotik soll verschwinden. Gut zu erkennen: die Glasursteine sind nicht mehr in wechselnden Schichten, sondern nach Zufallsprinzip vermauert worden. Auch wie ein gotischer Verband aussieht, war wohl noch unbekannt. Bürgernachrichten

22 Unterstützen Sie unsere Arbeit: BIRL-Mitglied werden! Wenn Sie der Meinung sind, dass der UNESCO-Welterbe-Rang Lübeck zu mehr verpflichtet als zu einer bunten Tourismus-Broschüre, dass Altstadtsanierung gleichbedeutend ist mit der Altstadt-Erhaltung und in erster Linie angemessenen Denkmalschutz bedeutet und dass Stadtentwicklung und Stadtplanung auch die in der Altstadt Lebenden etwas angeht, dann sollten Sie Mitglied der BIRL sein. Ihre Beitritts-Erklärung senden Sie bitte an die BIRL e. V. Postfach Lübeck. Ihre Erklärung können Sie alternativ auch bei einem Sprecher abgeben: Manfred Finke, Engelswisch 24, Lübeck Franziska Kiefer, Große Burgstr. 7, Lübeck Dieter Schacht, Moltkeplatz 7, Lübeck Jörg Sellerbeck jr., Große Burgstr. 7, Lübeck Roland Vorkamp, Hundestraße 94, Lübeck. Den Jahresbeitrag von 12 Euro (ermäßigt: 6 Euro) überweisen Sie bitte auf das Kto , Santander Consumer Bank AG, BLZ Ja, ich möchte der BIRL beitreten. Name/ Geburtsdatum Straße und Hausnummer PLZ und Ort Südriegel am Markt: Verhaltenes Lob Dass hier eine Chance verpasst wurde, darf man wohl noch sagen. Eine Option wäre Abriss und ordentlicher Neubau in städtebaulicher Lage des Vorkriegs-Südriegels gewesen, um den Kohlmarkt wieder auf Normalmaß zu bringen. Das kollidierte natürlich mit den Verkehrs-Vorstellungen des Senats, der den Kohlmarkt/ die obere Wahmstraße zum innenstädtischen, den Kaufhäusern zugeordneten Busbahnhof machte. Die andere Option war Umbau und Modernisierung des bestehenden 50er-Jahre-Riegels, also kleine Brötchen backen, und zwar nicht nur deshalb, weil Stadtbäcker Junge hier zu den Ankermietern gehört. Das Ergebnis ist auf lübsche Weise ernüchternd. Von Belang eigentlich nur die energetische Sanierung (das Wort kann man nicht mehr hören), siehe verdickte Giebelüberstände, verpackte Abluftrohre. Von wenig Mut zeugt auch die Neuanfertigung der breitrahmigen Alu- Drehkippfenster. Kann sein, dass jemand diese gestaltungsfreie Form für ein denkmalpflegerisch unerhört wichtiges Highlight der 50er-Jahre-Ästhetik hält, aber wer? Stadtbildpfleger Hans-Achim Körber kann es nicht gewesen sein und die fünf Weisen vom Gestaltungsbeirat stehen nicht im Verdacht. Ein Alleingang des Architekten Christian Rosehr ist auch nicht vorstellbar. Wenn es hier etwas Positives gibt, dann die Schließung der Arkade an der Kohlmarktseite, was zur Vergrößerung der Ladenflächen führte ( damit haben wir sie gekriegt ). Einher ging damit der Wunsch der Stadtplanung, die Läden auch zur Marktseite hin zu öffnen und durch große, durchgehende Verglasung Transparenz und Durchlässigkeit herzustellen. Man mag sich daran klar machen, dass wir uns hier auf dem Markt befinden alle Bauten wie Rathaus, St. Marien, der P&C-Koffer, der Nord-, der Ost- und eben auch der Südriegel stehen auf dem Markt. Woran sich die Bedeutung des einstigen Hanse-Markts zwischen Kohlmarkt, Mengstraße, Schüsselbuden und Heumarkt (Breite Str.) ermessen lässt. Durchblick wär da ganz schön. Die Stadtbäckerei-Filiale kann damit gut umgehen, sie nutzt ihr Vorfeld mit einem offenen Markt-Café. Der Filialist Blume 2000 macht das auf seine Weise: Blumen stehen nicht nur am Kohlmarkt vor der Tür, sondern auch hinten. Wenn das Gefühl von Rückseite schwindet, hat die Stadtplanung tatsächlich etwas erreicht. -Adresse/ Telefon Ermächtigung für den Lastschrifteinzug Name der Bank/ Ort Kontobezeichnung (falls abweichend von Ihrem eigenen Namen) Kontonummer/ Bankleitzahl IBAN BIC Betrag: (Beitrag zuzüglich ggf. gewünschter Spende) = Gesamtbetrag Datum/ Unterschrift 22 Bürgernachrichten 112

23 Gründungsviertel Nachlese zur Hanseschule Die konzertierte Aktion der Schul- und Bauverwaltung samt dienstbaren Archäologen geht ihren Gang: In wenigen Maitagen wurde, nachdem das Pendant, die Dorothea-Schlözer-Schule, bereits vor zwei Jahren verschwand, auch die Hanseschule platt gemacht. Die letzten Trümmer sind abgefahren, die Archäologen, die bereits im kleinen Hof der Hanseschule wirkten, haben ihr großes Festbierzelt umsetzen lassen und mit dem letzten Grabungsabschnitt begonnen ist alles vorbei. Die Hanseschule bzw. Handelsschule wurde in zwei Bauabschnitten 1954 und 1957 fertig gestellt, etwas später die Hauswirtschaftliche Berufs- alias Dorothea-Schlözer-Schule. Kurt Mai, seinerzeit leitender Mitarbeiter im Hochbauamt, gibt in seiner höchst informativen Auflistung der im Verlauf des Wiederaufbaus entstandenen städtischen Gebäude* einige Punkte zu bedenken, die uns helfen, diese Schulen aus ihrer Zeit heraus zu verstehen: Nach dem Bombenangriff 1942 wurden die ganz oder teilweise zerstörten Bereiche, insbesondere das Gründerviertel, abgeräumt einschließlich der noch stehenden Umfassungsmauern. Die noch während des Krieges ausgearbeiteten Pläne sahen für den Wiederaufbau der Innenstadt eine möglichst vollständige Auslagerung der Wohnnutzung in die Vorstädte und in die neuen Trabantenstädte vor. Die Innenstadt sollte reines Verwaltungs- und Geschäftszentrum werden. Diese Meinung wurde in der Tendenz noch von dem damaligen Stadtbaudirektor Dr. Münter vertreten:,die Aufgabe, die Handelsschule gemeinsam mit der Mädchenberufsschule im Gründerviertel zu planen, ist baukünstlerisch wie städtebaulich äußerst schwierig der Komplex der verlangten Schulbauten (ist) so groß, dass seine Einpassung in den alten Stadtkern besonders in Hinblick auf den Maßstab sehr umsichtig durchdacht und nur von künstlerisch äußerst behutsamer Hand vorgenommen werden kann. Die Entscheidung, die Brachflächen zwischen Alf- und Braunstraße mit den Schulen zu besetzen, wurde sicherlich durch die Tatsache begünstigt, dass die Stadt durch Grundstückstausch und -kauf in den Besitz dieses Baulands gekommen war. In der Bauverwaltung war man früh der Meinung, dass die künstlerische Lösung der Bauaufgabe Sache eines Wettbewerbs sein müsse. Offenbar reichte dafür das Geld nicht und die IHK drängte aus welchen Gründen auch immer zur Eile. Daher: In Anbetracht der enormen künstlerischen Schwierigkeiten und der offenbar großen Eile schlägt die Bauverwaltung vor, jetzt von einem Wettbewerb abzusehen und stattdessen einen oder zwei Fachleute, die als Städtebauer bekannt und auch im Bau von Schulen Erfahrung haben, heranzuziehen. Sie schlägt Prof. Diez Brandi, Göttingen, oder Prof. Petersen von der TH Braunschweig vor. Die Bauverwaltung sympathisiert mit beiden, weil sie beide nicht Anhänger einer abstraktmodernen Baurichtung sind, vielmehr durch ihre Bauten bewiesen, dass sie in der deutschen Tradition den Ausgangspunkt für unser heutiges Schaffen sehen. Bekanntermaßen erhielt Diez Brandi den Auftrag. Er hat einen ausgezeichneten Namen, ist ein sehr feinfühliger Baukünstler, dem man die Bewältigung dieser großen Bauaufgabe ohne weiteres anvertrauen könnte. Brandi lieferte allerdings nur den Vorentwurf, die Ausführungsplanung machte das Hochbauamt. Die 1961 der Hanse-Schule folgende Mädchen- Berufsschule zwischen Fisch- und Braunstraße konnten unsere Hochbauamtsbeamten dann ganz allein. Nachzutragen wäre, dass die zeittypische Qualität der Bauten im Schulentwicklungsplan von 2000, der die Aufgabe des Standorts Gründerviertel festlegte, zu keiner Zeit irgendeine Rolle spielte und auch von der Denkmalpflege nicht thematisiert wurde. Als es dann im Jahre Millionen Euro für eine Gründerviertel-Grabung aus Bundesmitteln regnete, wurde eilends beschlossen, die leer gezogenen Schulen abzubrechen und die von den Archäologen frei geräumten Areale zugunsten der Stadtkasse zu verscherbeln. Das 2004 vom ArchitekturForum in seinem Architektursommer veranstaltete Colloquium Wiederaufbau Lübeck Gründungsviertel protestierte zwar ehrenhaft dagegen, blieb aber absolut folgenlos. Dieselben Architekten, die 2004 pro Erhalt/ Umbau/ Weiterbau/ Alternativen plädierten, zeichnen nun modische Altstadt-Giebel. Der Zeitgeist weht woher er will. M. F. *) Kurt Mai: Bauen in Lübeck. Städtische Hochbauten und Kunst am Bau Lübeck S.58-61, 108/ 109. Hanseschule: solide und gute 50er-Jahre-Architektur. Entwurf: Dietz Brandi, Göttingen, Ausführung: Hochbauamt Lübeck. Foto: Jörg Sellerbeck. Bürgernachrichten

24 In eigener Sache Pamphlete, Glossen und Satiren In seriösen Publikationen, die sich dem legendären Lübschen Bürgersinn verpflichtet fühlen wie unsere allseits geschätzten Lübeckischen Blätter, ist die sachliche, bewertungsfreie Berichterstattung so etwas wie ein ehernes Gesetz. Meinungen sind etwas für den Stammtisch, abgesehen davon, dass Meinungen dem Geschäft und der eigenen Position abträglich sein können. Eine Hand wäscht zwar die andere, aber nicht jede andere. Allenfalls wird in den Grünen Blättern gelegentlich anzumerken gewagt, dass eine junge, aparte Violinistin (oh diese über Seiten sich dehnenden, wunderbaren Konzert- und Theater- Besprechungen!) noch nicht ganz ausgereift ist, aber zu großen Hoffnungen berechtigt. Was Insider als totalen Verriss verstehen, umschreibt den hochsprachlich formulierten Wunsch, es sich mit namentlich angeführten Personen nicht verderben zu wollen. Wir sind eine Kleinstadt, da kennt jeder jeden. Mit unseren Bürgernachrichten sind wir etwas besser dran, weil wir nichts auf Gegenseitigkeit anzubieten haben. Was die BIRL auf ihren Feldern Denkmalpflege und Altstadtplanung vorschlägt oder als Ziel anmahnt, können wir nicht mit Gegenleistungen befördern. Wir sind notgedrungen immer außen und auf Abstand. Dieser Abstand hat uns aber hin und wieder auch Zuspruch und Freunde gebracht. Man muss also genau hinsehen bzw. -hören, wenn über die BIRL hergezogen wird und weshalb. Beispielsweise über Bürgernachrichten 111. Leider ist nichts verwertbares Schriftliches bei uns eingegangen, nur ein einziger Leserbrief, kein Kommentar, keine Gegendarstellung (obwohl wir immer wieder darum bitten). Uns paar Verfassern bleibt also nur übrig, selbst eine Kritik zu schreiben. Das geht ganz flott: Erstens: Viel zu umfangreich. Statt 32 Seiten (wie geplant und bereits geschrieben) wurden es nur 28, aber auch das ist zu viel. 24 Seiten wären optimal. Und dann bitte regelmäßig erscheinen, möglichst viermal im Jahr. Zweitens: Wo bleibt das Positive? Ja wo bleibt es denn? Liebe Leser: Wenn da etwas gewesen wäre im Berichts-Zeitraum, hätten wir es doch nicht unterdrückt. Wir haben in BN 111 diese Fälle gehabt: a) die Baustelle Hansemuseum, b) Sprachstil und Tonart einer für die Nördliche Wallhalbinsel entscheidenden Bürgerschaftssitzung, Zurück zum Anfang: Man tritt nicht zum Spaß an die Schienbeine anderer. Weshalb einige in den Bürgernachrichten erwähnte Personen sich aber gleich an ihre Schienbeine getreten fühlen, wäre eine Frage für sich. Beleidigt ist beispielsweise die halbe Bauverwaltung wegen unserer Kritik an ihrer 25- Jahre-Hochglanz-Broschüre ja warum eigentlich? Wir haben doch nicht kritisiert, dass die Welterbebeauftragte die Welterbe-Broschüre als große organisatorisch-editorische Leistung außerhalb ihrer normalen Tätigkeit zu organisieren hatte. Und zu den von einer AG aus Bauamts- und Denkmalamts- Beamten verfassten Beiträgen selbst: Stimmt es nicht, was darin zu lesen war? Natürlich kann man alles anders sehen. Falls wirklich etwas falsch war, gibt es die Möglichkeit zu Gegen-, zumindest Richtigstellungen, es gibt Gesprächsangebote, es gibt im Ernstfall auch Androhung rechtlicher Schritte. Aber intern zu verlautbaren, die BIRL habe sich nun endgültig als seriöser Gesprächspartner verabschiedet, ohne irgendwelche Gründe auch nur anzudeuten, führt nicht weiter. Auch bei einigen zum ArchitekturForum gehörenden Architekten haben wir keine guten Karten. Unsere Argumente betreffend Erhalt und Umbau der Nördlichen Wallhalbinsel und unsere Vorbehalte gegen die Neuplanung des Gründerviertels wurden als Eingriffe in die Gewerbe- und Gestaltungsfreiheit, sprich erhoffte Auftragslage missverstanden. Aus standespolitischer Sicht ist das in Ordnung und nachvollziehbar die hier gemeinten Standesvertreter fordern für sich jene Sachlichkeit ein, von der im ersten Absatz die Rede war. Red. c) die 25-Jahre-Welterbe-Broschüre der Bauverwaltung, d) die Enthaltsamkeit der zum Archäologenkongress auf Kosten der Steuerzahler angereisten Fach-Eminenzen zu politischen Fragen ihres Tuns, e) die kontraproduktive Werbung der Kulturstiftung für St. Annen und f) der schön gewordene Kranenkonvent, ein abschließender Beitrag über eine vermeidbare Fehlentscheidung. Positiv war, so man will, der Rettungsaufruf für den Doppelstockwagen der Lübeck-Büchener Eisenbahn, die Aussichten pro Hotel am Markt und die Problemlagen pro Gründerviertel-Bebauung. Kritik an diesen Texten: Zu lang? Zu schwierig? Zugegeben man wird aber nicht alles in bündiger Kürze abhandeln können. Zwei mit A. A. unterzeichnete Satiren bzw. Glossen haben einige Leser als solche nicht erkannt und sind darüber heftig in Harnisch geraten. Wir werden zukünftig also wieder den Zu-Risiken-und- Nebenwirkungen-fragen-Sie-Ihren-Arzt-oder-Apotheker-Satz darüber setzen: Bitte diesen Beitrag nicht oder nur auf eigene Gefahr lesen er erfüllt den Tatbestand unsachlicher Satire. Niemand muss etwas lesen, was als unsachlich deklariert wurde. 24 Bürgernachrichten 112

25 So etwas passiert noch: Barockes Haus unentdeckt verbaut Trotz mehrfacher Bitte an die Denkmalpflege, sich dieses Objekt doch einmal anzusehen, ist die einmal mitgeteilte Auffassung, das Haus sei nicht auf der Denkmalliste und stehe daher auch nicht unter Denkmalschutz, unbeirrt beibehalten worden. Es handelt sich um das stattliche Hofgebäude Beckergrube 22, das bis 1942 völlig eingekeilt von rückwärtigen Gewerbebauten der Fischergrube und von der Hausreihe Ahrens Torweg unerkannt sein Hinterhof-Dasein fristete. Seit der Neuordnung der kriegszerstörten Umgebung steht das Haus frei in auffälliger Position am Rand des großen Blockbinnenhof-Parkplatzes zwischen Stadttheater und Kupferschmiedestraße. Es hätte eigentlich entdeckt werden können. Eine Begehung erbrachte einfachste Einsichten: Das besonders im EG und an der Nordseite sehr stark gestörte, an der Hofseite Beckergrube unter Putz liegende Mauerwerk besteht aus Petriformatziegeln, die im 18. Jhd. üblich waren. Über dem bislang als Werkstatt und Garagen genutzten Erdgeschoss liegt eine neuere Beton- bzw. Eisenträger-Decke. Das Dach ist ein Mansarddach und entspricht in verkleinerter Form dem Dach der Reformierten Kirche. Die Kiefernholzgebinde tragen an geschmiedeten Eisenstangen einen Überzug, der mit viereckigen, geschmiedeten Schraubmuttern an den Standen befestigt ist. Der Dachstuhl der Reformierten Kirche (vor Mitte 18. Jhs.) zeigt dieselben konstruktiven Details. Die amtliche Auskunft, es handele sich um einen gründerzeitlichen Gewerbebau, darf man also in Frage stellen. Welcher Unternehmer hätte sich um 1880/90 in seinem Hinterhof einen Gewerbebau mit einem konstruktiv aufwändigen Mansarddach hingestellt? Das Normale in der Zeit waren nackte Ziegelwände (im Reichsformat) mit flach geneigtem, geteertem Papp-Dach. Hat die Hinterhof-Lage vielleicht dazu geführt, dass sich niemand so recht zuständig fühlte? Steht das Haus überhaupt einsehbar in der Öffentlichkeit? Fakt ist, das Objekt ist ohne die in der Altstadt übliche bauhistorische Voruntersuchung in ein Mietshaus umgebaut worden: Erdgeschoss plus drei Etagen aus Leichtbauwänden und Rigips, ein weiteres Wohngeschoss mit mächtigen neuen Gauben in der Mansarde, pro Etage zwei Wohnungen. Im oberen Dachboden Keller-Ersatzräume in Form abgetrennter Bretter-Verschläge. Die alten Dachziegel (womöglich in Teilen noch aus der Bauzeit) wurden entsorgt, immerhin aber durch neue rote S- Tonpfannen ersetzt. Im Mai ist das ganze Haus mit 20 cm starken Styropor- Blöcken verbunkert worden euphemistisch als energetische Sanierung bezeichnet. Was eine Sanierung nach denkmalpflegerischen Gesichtspunkten erbracht hätte (z. B. anstelle einer Außen- eine Innen-Dämmung), will man da gar nicht mehr wissen. Damit soll nichts gegen die Umnutzung zu Wohnungen gesagt sein, im Gegenteil. Aber vielleicht hätte es auch interessierte Mieter für Wohnungen mit sichtbarer Geschichte gegeben. Foto links: Die Nordseite des Hofgebäudes Beckergrube 22, etwa um 1985, hier noch verdeckt von rückwärtigen Gewerbebauten hinter Fischergrube 25/27. Auffallend das Mansarddach und das stark gestörte Petriziegel-Mauerwerk (eine aktuelle Aufnahme derzeit nicht machbar, weil das Haus seit fast einem Jahr hinter Bauplanen und seit Ende Mai hinter Styroporblöcken steckt). Rechts: Die Luftaufnahme zeigt in der Hervorhebung den palaisartig angelegten Barockbau. Er steht am Ende eines ehemals tiefen, nach hinten erweiterten Grundstücks des 1942 zerstörten Bürgerhauses Nr. 22 von Joseph Chr. Lillie. Bürgernachrichten

26 Ambiente im Umbruch Was ist los in Lübecks Gängen? Diese Frage klingt nach Party Lübecks Gänge haben ja wirklich etwas Einmaliges. Für das Feiervolk wären sie echt die trendige Location. Hoffen wir aber mal, dass der Trend die Gänge nicht erwischt und dass die hippen Feiern woanders stattfinden. Wenn die Gänge, die in den Blöcken gelegenen, mehrhundertjährigen Reihenhaus-Zeilen, als städtebauliche Besonderheit überleben sollen, müssen sie ihre Ruhe bewahren dürfen. In der Wahrnehmung der Gänge hat sich in den letzten Jahren allerdings einiges geändert. Die Gänge, in den Nachkriegsjahrzehnten als menschenunwürdig denunziert und auf Abbruch verwirtschaftet, sind im Laufe des Altstadt- Revivals als ruhige City-nahe Refugien von Leuten entdeckt worden, die meistens über etwas mehr Geld als die einstige Bewohnerschaft verfügen und die Bruchbuden nach denkmalpflegerischen Grundsätzen restaurieren und modernisieren konnten. Doch einige Eigentümer haben auch schnell begriffen, dass man so etwas teuer vermieten, ja sogar als Ferienhäuser vermarkten kann. Die Begehrlichkeiten der Vermieter-Szene sind in jüngster Zeit kontinuierlich gestiegen, wie man an der zunehmenden Zahl der Ferienhäuser in Lübecker Gängen ablesen kann. Die Behörden sehen da kein Problem: Es werde ja auch in Ferienhäusern nur gewohnt, insofern werde hier nicht gegen die ausgewiesene Nutzungskategorie Reines Wohngebiet verstoßen. Bequemer kann man es sich nicht machen: Als ob Immobilienwirtschaft kein Gewerbe wäre. In Wirklichkeit sind Politik und Behörden nur zu träge ( zu faul wäre ja beleidigend), um hier die quartierserhaltende Rechtsform festzulegen und durchzusetzen. Das gleiche Desinteresse und eine nicht hinnehmbare Pflichtvergessenheit auch bei der Bauaufsicht und bei der Denkmalpflege. Liegen die Gänge denn nicht im UNESCO-Welterbe-Bereich, gelten hier nicht die denkmalpflegerischen und stadtbildpflegerischen Grundsätze wie in den Straßen und Gruben vorne bzw. nebenan? Der prekärste Fall passierte jüngst im Grünen Gang Fischergrube 44. Die linke Hälfte eines Doppelhauses aus dem 17. oder 18. Jahrhundert ( Doppelhaus im Gang ist eine denkmalschutzwürdige Kategorie) wurde nach und nach abgebrochen und durch einen Ferienhaus- Neubau ersetzt. Die Denkmalpflege, auf solche Fälle angesprochen, teilt gewöhnlich mit, das Objekt stehe nicht rechtskräftig unter Denkmalschutz (weshalb das versäumt wurde, wird auch gleich gesagt: weil das Amt zu viel zu tun hat ). Die Bauaufsicht sagt: Der Bauantrag sei entsprechend der neuen Gesetzgebung korrekt, bei kleinen Maßnahmen sei die Baugenehmigung zu erteilen, wenn ein Planvorlageberechtigter angegeben wird: Aha, Architekt! Alles in Ordnung. Was dann vor Ort, also im Grünen Gang, von diesem ortsunkundigen Planvorlageberechtigten tatsächlich gemacht wurde und wird, reißt keinen Baubeamten aus dem Sessel. Für Spaziergänge haben sie keine Leute. geprägten Quartier ziemlich arrogant und großbürgerlich-mondän auftrumpfte. Heraus- und abheben Wollen liegt jetzt offenbar voll im Trend. Die Erklärung ist einfach: Die Sozial-Landschaft ist längst ausgewechselt und erfordert nun eine zeitgemäße Repräsentation. Im belobigenden Text für den BDA- Preis-verdächtigen Bau in Kellings Gang heißt es: trotz begrenzter Fläche (90 Quadratmeter!) wirkt es im Inneren hell und großzügig mit dem Charakter eines Einfamilienhauses. So versteht man sehr gut, was die auftragnehmenden Architekten unter Weiterbauen am Welterbe verstehen. Macht Ganghäuser zu Villen. Manfred Finke Bild unten: Schlimme Zeiten der Kreuz Gang (Große Kiesau Nr. 5) kurz vor dem Zusammenbruch Doch dieser Gang wurde rechtzeitig unter Denkmalschutz gestellt, konnte damit gerettet und zufrieden stellend saniert werden. Doch nicht nur in der unteren Liga, auch in besten Architektenbüros und im Gestaltungsbeirat haben sich die traditionellen Vorstellungen von quartierstypischem Weiterbau oder Einfügen von Neubauten in Gängen völlig ins Gegenteil verkehrt. Mode oder Zeitgeist? Den Architekten Schümann/ Sunder-Plassmann kann man wirklich nicht vorwerfen, böses Zeugs zu bauen, doch ihr Ganghaus in Kellings Gang Dankwartsgrube 9, das mit (sehr schöner) zweigeschossiger Panorama-Glasfront wie eine Villa am See aufwartet, hebelt alle bislang geltenden Übereinkünfte für Bauen in historisch definierter Umgebung aus. Man erinnere sich: Vor Jahren wurde der ebenfalls sehr ambitionierte Entwurf der Hamburger Architektin Mariana Markowic für Große Gröpelgrube 30 wegen seiner quartiersuntypischen Sprache abgelehnt es war ein die Nachbargärten hoch überragender Glas-Pavillon, der in einem kleinbürgerlich 26 Bürgernachrichten 112

27 Renaissance-Reihenhaus muss Neubau weichen Weiterbauen am Welterbe Was als energetische Dachertüchtigung beantragt worden war, geriet nach und nach zu einem Komplettneubau eines nunmehr als Ferienhaus gedachten Reihenmittelhauses. Während die übrigen Eigentümer im Grünen Gang ihre Wohnscheiben unter einem historischen Dach nach vorherrschender Kenntnis und Praxis der jeweiligen Sanierungszeit in einen mehr oder weniger ordentlichen Zustand gebracht haben und sich dabei wie in einer Wohngemeinschaft üblich gegenseitig zur Hand gingen, schlägt ein neuer Eigentümer von Haus 8 so richtig ins Kontor: Erst wandert das gesamte historische Dachwerk auf den Müll, dann fallen die historischen Fachwerkseitenwände zu den Nachbarn und schließlich muss auch die Fassade nach vorne wie nach hinten einem Komplettneubau weichen. Im Ergebnis entstand ein Neubau, an dem nahezu alles falsch ist, was das einstige Reihenmittelhaus ausgemacht hatte: Der neue Fassadenaufriss steht im Widerspruch zur historisch belegten Anzahl, Anordnung und Ausführung seiner Öffnungen. Die einst als Gaube konstruierte Dachöffnung weicht einem überdimensionierten Zwerchhaus sowohl vorne wie zur ehemals geschlossenen Rückseite, die nun zu einer zweiten Fassade aufgewertet wird. Deko-Maueranker in Baumarktoptik erwecken den Eindruck, als ruhten die Geschossdecken auf nur einem bzw. zwei Holzbalken. Alle Wände nun mit der Wasserwaage ausgerichtet fallen aus dem historischen, in rund 400 Jahren aus dem Lot gewichenen Rahmen. Dachneigungen und -flächen springen aus der Flucht mit den Nachbarn und ein blecherner Ortgang entrückt dem ehemals gemeinsamen Dach. Bürgernachrichten 112 Was bei der völligen Entsorgung eines brauchbaren Befunds nicht rechtens war und was in diesem Fall auf amtlicher Untätigkeit beruhen mag, bleibt zu klären. Eine Schadenbegrenzung durch Rückbau wäre sehr zu wünschen. Jörg Sellerbeck, Jr. Wie auf dem historischen Foto unten links zu erkennen ist, war die Reihenhauszeile teils in spiegelbildlich angeordneten Zwillingshäusern organisiert. Auf ggf. erst später in Backstein ausgeführten Erdgeschosswänden setzen heute noch die durchgehenden Fachwerke der Obergeschosse auf (teilweise überputzt). Im Anschnitt rechts ist Haus Nr. 6 zu erkennen, darauf folgt Nr. 7 mit einem neunteiligen Dielenfenster und der Tür auf der rechten Seite. Das nun vollkommen zerstörte Haus Nr. 8 besaß das gleiche Dielenfenster auf der rechten Seite und den Hauseingang links. Darüber sorgten je drei flächig mit der Wand abschließende, an Riegel und Ständer des Fachwerks anschlagende, biedermeierliche Fenster für eine gute Belichtung der Obergeschosse. 27

28 Investoren stellen erste Architekturentwürfe vor Würfelhusten für die Wallhalbinsel Im bisherigen Erscheinungsbild der Nördlichen Wallhalbinsel stellen die media docks einen so genannten Topos, eine städtebauliche Dominante dar, die sich in ihrer Höhen- und Größenerscheinung aus der sonst eingeschossigen Kaischuppenbebauung deutlich absetzt. Diese Besonderheit war folglich gemäß den Empfehlungen des Gutachtens von Herrn Professor Ulrich Nieschalk von 1991 auch einer der Gründe für ihre selektive Unterschutzstellung. Die angedachte neue Bebauung mit vier- und fünfgeschossigen Baukörpern auf einem halb eingekellerten Sockelgeschoss für Kfz-Stellplätze ist kein Ergebnis des ersten Architektenwettbewerbs; sie gründet auf den Vorgaben des allein schon nach denkmalpflegerischen Gesichtspunkten abzulehnenden Bebauungsplans. Das Besondere des Kaufmannsspeichers (media docks), einem viergeschossigen als Lagerhaus errichteten Baukörper, ist schließlich gerade seine Differenzierung von der sonst flächig angelegten, eingeschossigen Hafenschuppenbebauung. Der mit dem Denkmalschutz sonst prinzipiell einhergehende Umgebungsschutz verlangt daher unter normalen Umständen, diese Besonderheit in ihrem Umfeld zu bewahren. Die Neubebauung gemäß Bebauungsplan konterkariert jedoch diese Situation, indem nunmehr die bislang einzigartige Größenausdehnung des Kaufmannsspeichers aufgenommen und nivellierend fortgeschrieben wird. Angesichts der Möglichkeiten, die der Bebauungsplan hinsichtlich der Höhenbeschränkungen und äußeren Erscheinung im Backsteinkleid vorgibt, sind die nun vorgelegten Entwürfe weder unerwartet noch beeindruckend. Der Würfelhusten nach Hamburger Muster bricht sich nun auch in Lübeck seine Bahn, denn die Investorenvorgabe, möglichst viel Geschossfläche auf einem definierten Baugrundstück unterzubringen, bietet kaum Gestaltungsmöglichkeiten über die klassische Betonkiste hinaus, die dann mit einer Backsteintapete zu verkleiden wäre. Sie ist als Konzession an die Gestaltungsvorgaben zu verstehen und nicht als individuelles schöpferisches Mittel der Architekten, der Bedeutung und Geschichte des Ortes gerecht zu werden. Insofern können die im Grunde erwartbaren Entwürfe kaum die Begeisterung hervorrufen, von der die Jury des Wettbewerbs offenbar in Unacht der Besonderheiten der überlieferten Situation gern Reden macht. Mit den nun vorgelegten Entwürfen wird daher erreicht, dass das Wechselspiel zwischen einer auf der Altstadtinsel wie in St. Lorenz Nord eher vertikal ausgerichteten Architektur und einer sich zurücknehmenden eher liegenden, weil eingeschossigen Hafenrandbebauung zerstört wird. Diese Bebauung hat Die ersten von der Fach-Jury vergebenen Preise: Oben der Entwurf des Lübecker Büros Petersen, Pörksen, Partner anstelle des Schuppens F vier Blöcke mit einer Gesamthöhe von 16,80 Metern (vorne). Darunter: Die Entwürfe des Hannoveraner Büros BKSP für das gleiche Baufeld am Hansahafen und dahinter eines Fünfgeschossers am Wallhafen (1. Preis). Bilder: KWL GmbH. Unten: Altstadt mit Wallhalbinsel von Westen vor dem Jahr Foto: Appel. sich an den hier einst anlandenden Schiffen orientiert, welche ihre Ladung vorübergehend in den Kaischuppen zwischengespeichert haben, um die Diskontinuitäten zwischen der Ankunft von Empfängerschiffen oder den Zügen der Hafenbahn auszugleichen. Dimension und Anordnung dieser bereits 1885 gedachten Hafensituation wird damit ebenso verworfen wie deren Gehalt als Verkörperung eines Erscheinungsbildes, welches Lübeck bis jetzt noch den Charakter einer Hafenstadt verleit. Ein Latte-Macchiato-Ghetto, bestehend aus Luxus-Wohnungen oberhalb einer Einkaufs- und Belustigungstheke für die Generation 60+, wird Lübeck für alle Zeit ärmer machen beraubt um ein wichtiges Element seiner urbanen Identität und ihrer erlebbaren geschichtlichen Bedeutung. Jörg Sellerbeck, Jr.

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