Organspende und -verteilung

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1 Organspende und -verteilung Eckhard Nagel WissensWerte - Workshop Pro & Contra Organspende 27. November 2012

2 Warum Organspende? Folie 2 2

3 Transplantation als Hoffnung Transplantationsmedizin als moderne, reguläre Versorgungsaufgabe ( Goldstandard-Therapie ) für lebensbedrohliche Organerkrankungen Transplantable Organe: Niere, Leber, Herz, Lunge, Pankreas, (Hornhaut) Patientinnen und Patienten im Alter zwischen 0 und > 70 Jahre Überlebenschance, Lebensperspektive und hohe Lebensqualität Folie 3 3

4 Wie werden Organe zugeteilt? Folie 4 4

5 Das Dilemma der Allokation Allokationsentscheidungen sind normative Werturteile. Diese Urteile werden aktuell anhand mathematischer Algorithmen gefällt......mit dem Ziel die medizinische Dringlichkeit und den langfristigen Transplantaterfolg unter Wahrung der Chancengleichheit zu berücksichtigen. Folie 5 5

6 Allokation Tragic Choices Die Frage zu beantworten, wie knappe medizinische Ressourcen zu verteilen sind, bedeutet, darüber zu, welcher Patient nichts bekommt welche individuellen Interessen hinten angestellt werden sollen welches Leiden nicht gemindert werden soll welche Krankheit nicht geheilt werden soll Die Allokation ist also eine tragische Entscheidung, weil es immer Verteilungsverlierer gibt, die in ihren Lebens- und Gesundheitsinteressen existenziell betroffen sind. Folie 6 6

7 Rechtliche Rahmenbedingungen Am 1. Dezember 1997 ist das Gesetz über die Spende, Entnahme und Übertragung von Organen und Geweben (Transplantationsgesetz TPG) in Kraft getreten. Deutschland hat damit im europäischen Vergleich eher spät Rechtssicherheit für die Transplantationsmedizin als wichtige Versorgungsaufgabe hergestellt. Vorher mussten spezifische Regelungen und Handlungsgrundsätze z. B. aus allgemeinen verfassungs- oder zivilrechtlichen Rechtssätzen zu Persönlichkeitsrechten abgeleitet werden. Folie 7 7

8 Institutionelle Rahmenbedingungen Die Dreiteilung der Transplantationsmedizin Organisation der Organspende - Koordinierungsstelle: Deutsche Stiftung Organtransplantation - Zusammenarbeit mit KH und Tx-Zentren Organvermittlung - Vermittlungsstelle: Eurotransplant - Richtlinien der Bundesärztekammer Transplantation Medizinische Versorgung: Transplantationszentren Kontrolle durch die Ständige Kommission Organtransplantation (StäKO) sowie die Selbstverwaltung Folie 8 8

9 Rechtliche Rahmenbedingungen Die letzte wichtige Änderung des Transplantationsgesetztes trat am 1. November 2012 in Kraft: Regelung zur Entscheidungslösung Krankenkassen und private Krankenversicherungen fordern die Versicherten auf eine Erklärung zur Organspende zu dokumentieren. CAVE: Eine Pflicht zur Entscheidung gibt es aber nicht. 2 (2a) TPG: Niemand kann verpflichtet werden, eine Erklärung zur Organ- und Gewebespende abzugeben. Diese Regelung bleibt im Hinblick auf das Spendeaufkommen hinter den Möglichkeiten einer Lösung mit Entscheidungspflicht zurück. Folie 9 9

10 Welche Möglichkeiten gibt es die Lücke zwischen Spendeaufkommen und -bedarf zu schließen? Folie 10 10

11 Lücke zwischen Spendeaufkommen und -bedarf Prävention, Neue OP-Verfahren, Verbesserte Immunsuppression Xenotransplantation Non Heart beating Donors Organpool Organknappheit Auswege? Organhandel (Anonyme cross-over) Lebendspende Verbesserte Koordination des Meldeverfahrens Entscheidungspflicht, Widerspruchslösung Folie 11 11

12 Welche Rolle spielt das Vertrauen in die Transplantationsmedizin? Folie 12 12

13 Ökonomische Anreize Offenbar haben auch im Bereich der Transplantationsmedizin ökonomische Anreize vertraglich Eingang in die Versorgung gefunden. Mindestzahl an durchgeführten Transplantationen Von der Anzahl der Transplantationen abhängige Vergütung Diese Anreize müssen grundsätzlich in Frage gestellt werden. In einem solidargemeinschaftlich organsiertem Gesundheitswesen haben sie keinem Platz. Im Umgang mit der Vergabe knapper Ressourcen verbieten sie sich. Folie 13 13

14 Manipulationsvorwürfe Manipulationen bei der Vergabe von Spenderorganen haben zu einem deutlichen Vertrauensverlust in die Transplantationsmedizin geführt. Die öffentliche Auseinandersetzung berührt dabei Schwachstellen aktueller Regelungen sowie Kontroll- und Sanktionsmöglichkeiten. Folie 14 14

15 Vertrauen in die Organtransplantation Die aktuelle Diskussion macht deutlich, wie wichtig transparente, nachvollziehbare und kontrollierbare Kriterien und Abläufe für die Akzeptanz der Transplantationsmedizin sind. Eine strikte Aufklärung und Identifikation von Verbesserungsmöglichkeiten ist notwendig, um das verlorengegangene Vertrauen in diesen existentiell wichtigen Bereich der Medizin wiederherzustellen. Folie 15 15

16 Bin ich bereit Organe zu spenden? Folie 16 16

17 Die Organspende kann eine Tat der Nächstenliebe über den Tod hinaus sein. Gott ist ein Freund des Lebens Die Organspende ist der sichtbare Beweis, dass der menschliche Körper sterben, dass aber die Liebe, die ihn hält, niemals sterben kann. Folie Spanische Bischofskonferenz, 1984

18 Wie umgehen mit Ängsten und Informationslücken? der anhaltenden Diskussion über den Hirntod? Verunsicherung und Misstrauen? Folie 18 18

19 Hirntod - Definition Mit dem Hirntod ist naturwissenschaftlichmedizinisch der Tod des Menschen festgestellt. Quelle: Wissenschaftlicher Beirat der Bundesärztekammer (1997; Dritte Fortschreibung): Richtlinien zur Feststellung des Hirntodes Folie 19 19

20 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! Eckhard Nagel

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