Anspruch und Wirklichkeit
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- Christoph Sachs
- vor 9 Jahren
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1 Anspruch und Wirklichkeit Energetische Effekte und Wirtschaftlichkeit von Solaranlagen Vorstellung der Ergebnisse des Projektes FKZ: A: Integration von Heizkesseln in Wärmeverbundsysteme mit großen Solaranlagen 25. April 2012 in Wolfenbüttel Prof. Dr.-Ing. Dieter Wolff EOS Institut für energieoptimierte Systeme Ostfalia Hochschule Wolfenbüttel 1
2 Überblick 2
3 Erfahrungen aus zurückliegenden DBU/BMU - Projekten Schwerpunkt: Endenergieeinsparung durch Solarwärme Verschwendungspotenziale durch Qualität und Monitoring begrenzen! Verordnungen und Gesetze EnEV/EEWärmeG 2009 kritisch hinterfragen! 1. Ordnungsrecht, Förderpolitik und Marktanreizprogramme dürfen sinnvolle Investitionen nicht verhindern bzw. sinnlose Pakete fördern! Beispiele: EnEV EEWärmeG Programm : Solare Sanierung von Mehrfamilienhäusern mit 11% Modernisierungsumlage Förderung der Fläche? 2. Klimaschutz muss alle Beteiligten verpflichten! Effizienzdefizite in der Praxis und Verbesserungsvorschläge 3. Klimaschutzmaßnahmen evaluieren! Energieanalyse aus dem Verbrauch (E A V) für Monitoring und Erfolgskontrolle Fazit: Die in den Feldversuchen vermessene und meist nicht optimierte solare Anlagentechnik liefert keine wesentlichen Endenergieeinsparungen; in vielen Fällen sogar einen Mehrverbrauch 3
4 Korrekte Bilanzen zur Vermeidung von Fehlentwicklungen es zählt nicht: der Solarertrag Q KK oder Q Solar es zählt nicht: die Verminderung der Kesselnutzwärme ΔQ K, wie es das EEWärmeG ansetzt (> 15% Wärmeenergie ab Erzeuger) Q KK Q End ΔQ K es zählt allein: die Endenergieeinsparung Q End (im Vergleich ohne und mit Solaranlage) diese ist messbar und damit der Erfolg nachweisbar! 4
5 Empfehlungen für Solaranlagen eine Wirtschaftlichkeit nur für Warmwasserbereitung nicht für Heizungsunterstützung - ist im EFH typisch erst bei mehr als 3 Nutzern erreicht sowohl die Energiemengen als auch deren Temperaturniveau sind maßgeblich für den Solarertrag kritisch sind Zirkulationssysteme so geringe Speichervolumina wie möglich verwenden und darüber hinaus gut gedämmte Leitungen vorsehen die Beheizung des Pufferspeichers mit fossilen Energieträgern (nur aus Gründen der Nachheizung), z.b. Gas oder Öl, ist kritisch aus Sicht der optimierten Verteilsysteme kommen ggf. auch Systeme in Betracht, bei denen erst lokal die Endtemperatur per elektrischer Nachheizung erfolgt: Solargespeiste und witterungsgeführte Zweileitersysteme 5
6 Detaillierte Auswertung am Beispiel 6
7 Ein typisches Beispiel im Schnelldurchgang Gebäude zwei Mehrfamilienhäuser mit gesamt 30 WE (ca m²); Baujahr 1973 Anlage 33,6 m² Flachkollektoren; 2 Pufferspeicher mit je 950 Liter Inhalt Trinkwarmwasserbereitung und Heizungsunterstützung Frischwasserstation eine Zentrale mit Gas-Brennwertkessel: 220 kw Leistung verbunden über Vierleitersystem Heizung und Zirkulation Trinkwarmwasser ca Mehrinvestition Messwerterfassung WMZ für Kessel, Solar, TWW, Zirkulation und Raumheizung seit Okt Tausch der WMZ am
8 Feldanlage komplexes Anlagenschema WMZ WMZ WMZ WMZ Gas WMZ 8
9 Kollektorfeld Flachkollektoren Kollektorfläche 33,6 m² 9
10 Wärmeverluste der Heizzentrale - Thermografie Heizkreis Verteiler/Sammler Frischwasserstation 10
11 Auswertung Zählerwerte mittlere Leistungen Bilanzflussbild weitere Auswertungen E-A-V Alternative Bilanzen Steckbrief Thermografie Heizlast des Heizraums/ Plausibilisierung der Verluste 11
12 Nutzleistungen 12
13 Energiebilanz QN, Kollektorkreis 8,1 MWh/a 241 kwh/m²koll Pufferspeicher I QV,Kessel 46,6 MWh/a QF, Kessel 319,7 MWh/a Gaskessel Buderus Logano GE 315 mit Abgas-WÜT 220 kw QV, Verteil und Speicher 12,0 MWh/a 8,9 kwh/m²nutz QN, Zirkulation 35,5 MWh/a 26,3 kwh/m²nutz QN, Trinkwarmwasser 18,9 MWh/a 14,0 kwh/m²nutz QK, gesamt 273,2 MWh/a QN, Raumheizung 214,9 MWh/a 159,2 kwh/m²nutz Nutzungsgrad: 85,4 % Messstellen Der spezifische Kollektorkreisertrag ist als gering anzusehen. Der Kesselnutzungsgrad ist sehr schlecht. Die Zirkulationsverluste sind viel zu hoch. 13
14 Alternative Energiebilanz welcher Aufwand an Gas hätte sich ergeben, wenn die Solaranlage nicht vorhanden wäre die Anlage eine dann übliche Trinkwarmwasserbereitung gehabt hätte der Kessel einen dann üblichen Nutzungsgrad hätte ( %) 14
15 Gebäudesteckbrief 15
16 Andere Projektbeispiele und Erkenntnisse 16
17 Alter Schlachthof, Speyer solare Nahwärme "Alter Schlachthof" 17
18 Installiert wurden 550 m² Kollektorfläche und 100 m³ Speicher und ca. 1,4 km Nahwärmeleitungen für 61 Neubauten Macht das Sinn? 18
19 Feldanlage Speyer Alter Schlachthof Energieflussdiagramm ( bis ) QV,Kessel QN, Kollektorkreis 40 MWh 209 MWh QF, Kessel 715 MWh GasBrennwertkessel Viessmann Vitocrossal 300 CT 575 kw QK, gesamt 675 MWh QV, Speicher+ Heizzentrale 14 MWh QN, Nahwärmenetz 870 MWh QV,Nahwärmenetz 197 MWh QN, Wohnhäuser 673 MWh 19
20 Braunschweig, Allensteinstraße E-A-V Feldanlage Braunschweig-Wenden; E-A-V Allensteinstraße ( bis ) 45 effektive Gebäudeheizlast bei -14 C: 39,6 kw 40 Steigung H = 1,41 kw/k h = 1,26 W/(m² K) 35 Nutzleistung [kw] Gebäudenutzfläche: m² Wohneinheiten: 16 (32 Personen Stand 06.11) Gebäudeheizlast ((HT+HV) 34 K): 48,1 kw mittlere Temperatur y = -1,4149x + 19,796 in der Heizzeit: 5,3 C Grundleistung 4,7 kw mittlere (TWW 2,3 kw + Zirku. 2,4 kw) Heizleistung: 12,3 kw 0-15 C -10 C -5 C 0 C Heizgrenze: 14,0 C 5 C 10 C 15 C 20 C 25 C Außentemperatur [ C] Raumheizung Zirkulation Warmwasser Solar 20
21 Braunschweig, Allensteinstraße Bilanz Energiebilanz QN, Kollektorkreis QV, Speicher+ QV,Kessel Heizzentrale 7,7 MWh/a 12,5 MWh/a 495 kwh/m² 1,9 MWh/a Koll QF, Kessel 111 MWh/a GasBrennwertkessel Brötje EuroCondens SGB 90 F 22,5-90 kw Nutzungsgrad: 88, 7 % QN, Trinkwarmwasser 19,7 MWh/a 17,6 kwh/m²nutz QK, gesamt 98,5 MWh/a Messstellen QN, Raumheizung 63,3 MWh/a 56,5 kwh/m²nutz QN, Zirkulation 21,3 MWh/a 19,0 kwh/m²nutz Der spezifische Kollektorkreisertrag ist als sehr gut anzusehen. Der Kesselnutzungsgrad ist eher mittelmäßig. Die Zirkulationsverluste sind zu hoch. 21
22 Braunschweig, Allensteinstraße Alternativbilanz & Fazit Der energetische Vergleich zeigt, dass eine Anlage ohne thermische Solaranlage aber mit einem guten Kessel wahrscheinlich einen Mehraufwand an Endenergie zur Folge gehabt hätte. Trotzdem ist die Differenz zum tatsächlichen Verbrauch aus wirtschaftlicher Sicht als zu gering anzusehen. 22
23 Sommerliche Dauerleistung als Indikator für gute Solarnutzung Übersicht Aufwand Gas in den Sommermonaten (Messwerte bei einer Außentemperatur von über 15 C) Grundleistung [W/Person/a] Sotzmannstraße Berlin-Spandau 02 Allensteinstraße Braunschweig 03 Eichendorffstraße Braunschweig 04 Wurmebrgstraße Braunschweig 05 Brautstraße Eberswalde 06 Gustv-Hirsch-Platz Eberswalde 07 Uckermarkstraße Eberswalde 08 Rellinger Straße Hamburg 09 Magdeburger Straße Hannover 10 Olbersstraße Hannover 11 Siegfried-Czapski-Straße Jena 12 Gorch-Fock-Weg Norderney 13 Alter Schlachthof Speyer 14 Am Roseneck Wolfenbüttel / Atzum sehr gut! * Fernwärme 40 Bei diesen Anlagen ist eine Auswertung nicht bzw. zurzeit nicht möglich! * Anlagen Nummer 23
24 Vergleichsobjekt ohne Solaranlage: 5 Liter-Haus im Bestand Energieanalyse aus dem Verbrauch Gas (Brennwert), Albertstraße 3 Messpunkte Winterleistung Sommerleistung ausgewertete >> Sommerpunkte << ausgewertete Winterpunkte 5,0 4,5 Leistung aus Verbrauch, in kw 4,0 3,5 << ausgew ertete Steigung H = 0,183 kw/k Winterpunkte 3,0 ausgew ertete >> Sommerpunkte 2,5 2,0 1,5 1,0 Heizgrenze 14,8 C Grundleistung 0,18 kw 0,5 0, Außentem peratur, in C sommerliche Dauerleistung ohne Solarthermie: 90 W/Person 24
25 Fazit 25
26 Fazit in vielen Anlagen: hohe kollektorflächenbezogene Erträge, aber kaum Einsparung extrem knappe Dimensionierung der Kollektorfläche die Solarflächen sind zur Heizungsunterstützung eigentlich viel zu klein die zusätzliche Verrohrung, Speicher, Hydraulik verschlechtern das Gesamtsystem, teilweise bis zum Mehrverbrauch in vielen Anlagen: hohe Zirkulationsverluste und/oder Nahwärmeverluste ungünstige Ausgangsbedingung für Solarthermienutzung wegen des ganzjährig hohen Temperaturniveaus ungünstig für die Gesamtbilanz des fossilen Energieträgers, dezentrale Systeme (gebäudezentrale Heizung, gebäude- oder dezentrale TWWBereitung) sind vielfach besser in fast allen Anlagen: schlechte Peripherie Regelungseinstellungen (Dokumentation) oft mangelhaft nachvollziehbar Hydraulikschaltbilder komplex und energetisch suboptimal schlechte Bedingungen für Brennwertnutzung & Solarthermienutzung 26
27 Vergleichsbilanzierung: was wäre gewesen, wenn Übersicht Einsparung bzw. Mehraufwand ohne Solaranlage bei Kesselnutzungsgrad 90 % Einsparung / Mehraufwand ohne Solar [kwh/m²/a] Sotzmannstraße Berlin-Spandau 02 Allensteinstraße Braunschweig 03 Eichendorffstraße Braunschweig 04 Wurmebrgstraße Braunschweig 05 Brautstraße Eberswalde 06 Gustv-Hirsch-Platz Eberswalde 07 Uckermarkstraße Eberswalde 18,0 08 Rellinger Straße Hamburg 09 Magdeburger Straße Hannover 10 Olbersstraße Hannover 11 Siegfried-Czapski-Straße Jena 12 Gorch-Fock-Weg Norderney 13 Alter Schlachthof Speyer 14 Am Roseneck Wolfenbüttel / Atzum 5 2,3 3,5 3, ,1 5,3 5, , * -2,5-14,4 In der Mehrzahl der Anlagen ergab sich eine geringfügige Endenergieeinsparung Mittlere Einsparung: ca. 1 kwh/(m²a) * Fernwärme -20 Anlagen Nummer 27
28 Thesen & Ausblick Konzentration bisher bei EEWärmeG, Förderung und MAP auf Effizienz und Ertrag der einzelnen Komponente nicht auf Endenergieeinsparung im System künftig ändern! solare Nahwärme mit fossil befeuertem Kessel oder BHKW nicht sinnvoll solare gebäudeweise TWW-Bereitung bei hoher Abnehmerzahl sinnvoll solare Heizungsunterstützung heutiger Bauart? Nein! zusätzliche Heizungsunterstützung erfordert doppelt so große Kollektorflächen und Speichergrößen; zusätzliche Verluste liegen oft in der Größenordnung des winterlichen Solarertrags oder sogar darüber Solarspeicher als Vorwärmer sinnvoll, nicht zur Nachheizung durch konventionellen (fossilen) Erzeuger. Gas Solar Strom (Windgas BDEW) wachsen zusammen! 28
29 Mehr Informationen: Jagnow, Fundort Wismar,
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ENERGIEAUSWEIS für Wohngebäude
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