Das Schweizer System
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- Martina Schmitt
- vor 9 Jahren
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1 Das Schweizer System Das Schweizer Turniersystem hat seinen Ursprung im Schachsport. Es stellt eine Mischung aus einem Gruppensystem (Jeder gegen Jeden) und dem KO-System dar. Es stellt sicher, dass 1. alle Teilnehmer die gleiche Anzahl von Spielen austragen, 2. Teilnehmer unterschiedlicher Spielstärke an einem Turnier teilnehmen können (Damen und Herren, Jugendliche und Schüler mit Senioren, spielstärkere und spielschwächere Spieler), 3. die meisten Spiele, vor allem gegen Mitte und Ende des Turniers, zwischen Teilnehmer annähernd gleicher Spielstärke ausgetragen werden, 4. auch die Spiele zwischen Spielern unterschiedlicher Stärke Bedeutung haben, da nicht nur Sieg, Unentschieden oder Niederlage, sondern auch das Wertungspunktergebnis eine wichtige Rolle spielt (unabhängig davon, ob man verliert oder nicht), 5. man gegen viele verschiedene Spieler, aber nie zweimal gegen dieselben spielt, 6. nicht alle Teilnehmer gegen alle anderen spielen müssen, 7. alle Teilnehmer interessante Spiele absolvieren, da Sie einen individuellen, ihrer Leistung entsprechenden, Turnierverlauf haben, 8. es kein Auslosungspech gibt, da nur die Leistung über die Platzierung entscheidet. Es kann prinzipiell in jeder Sportart angewendet werden. Die Spielpaarungen der 1. Runde können gesetzt oder auch zufällig gelost werden. Bei einer Setzliste empfiehlt es sich, die Spielstärken der Teilnehmer zu berücksichtigen. Der vermutlich stärkste Teilnehmer erhält z.b. Startnummer 1, der vermutlich schwächste Teilnehmer die letzte Startnummer. Sollte eine ungerade Anzahl von Teilnehmern existieren, so erhält das Freilos die letzte Startnummer.
2 Durch diesen Spielmodus wird erreicht, dass ab ca. der dritten Runde annähernd gleichstarke Gegner aufeinander treffen. Es ist lediglich zu gewährleisten, dass eine ausreichende Anzahl von Runden gespielt wird. Die Anzahl der zu spielenden Runden hängt von der Anzahl der Teilnehmer ab. Die Mindestanzahl ist die Anzahl der Runden, die auch im einfachen KO-System zu spielen wären. In der Praxis haben sich 1-2 Runden mehr als im einfachen KO-System bewährt. Spieleranzahl Min. Rundenanzahl Empf. Rundenanzahl etc. Beachten Sie, dass im Schweizer System die Anzahl der zu spielenden Runden deutlich unter der Anzahl der Teilnehmer liegen sollte. Der Mathematiker Dr. Model entwickelte dazu folgende Formel: T = Teilnehmer / R = Runden / n = Anzahl der auszuspielenden Plätze (z.b. Anzahl der Teilnehmer, die einen Preis erhalten sollen!) R 0,2 T + 1,4 n (hierbei wird immer nach oben gerundet!) Beispiel: (65 Teilnehmer und 8 Plätze): R = 0, ,4 8 = 24,2 25 Runden In jedem Falle sollte die Rundenanzahl vor Turnierbeginn von der Turnierleitung festgelegt und den Teilnehmern bekannt gemacht werden. Dies hängt jedoch auch enorm von der zeitlichen Planung des Turniers ab! ABER: Das Schweizer System ist ein reines Zeitspiel und ist prinzipiell nicht an eine feste Rundenzahl gebunden! Der große Vorteil des Schweizer Systems beruht darin, dass KEIN Teilnehmer vorzeitig ausscheiden kann. Prinzipielle Vorgehensweise im Ablauf des Schweizer Systems: In der 1. Runde werden die Spielpaarungen nach Wahl ausgelost oder gesetzt. Nach Beendigung aller Spiele der 1. Runde wird in der Regel nach einem allgemeinen und einem speziellen Schlüssel des Schweizer Systems eine Tabelle erstellt. Die Wertungskriterien des allgemeinen Schlüssels können z.b. sein: Wertungspunkte Tordifferenz erzielte Tore wie im Fußball, Handball, usw. Die Wertungskriterien des speziellen Schlüssels des Schweizer Systems bestehen aus den Hauptkomponenten: BHZ (Buchholzzahl) FBHZ (Feinbuchholzzahl) SCHZ (Schochzahl). (Begriffe sind unten erläutert) Die Reihenfolge der Wertungskriterien kann beliebig festgelegt werden. Häufig wird die Reihenfolge Wertungspunkte BHZ FBHZ SCHZ Tordiff./Satzdiff. erzielte Tore/Punkte verwendet.
3 Die Spielpaarungen der anschließenden 2 Runde werden dann wie folgt zusammengestellt: Tabellenerster Tabellenzweiter Tabellenfünfter Tabellensechster : Tabellenvorletzter Tabellenletzter Nach Beendigung aller Spiele der 2. Runde wird wieder eine neue Tabelle mit dem gleichen Schlüssel erstellt. Die Spielpaarungen der 3. Runde werden dann erneut wie folgt zusammengestellt: Tabellenerster Tabellenzweiter Tabellenfünfter Tabellensechster : Tabellenvorletzter Tabellenletzter Es muss nur sichergestellt werden, dass keine Spielpaarung während des Turniers zweimal vorkommt. Sollte es dennoch laut Tabelle dazu kommen, dass sich ein Spiel zwischen zwei Teilnehmern wiederholen müsste, so wird der entsprechende Gegner übersprungen. Beispiel: Tabellenerster Tabellenzweiter (haben bereits gegeneinander gespielt) Somit wird der Tabellenzweite übersprungen: Tabellenerster Tabellendritter Tabellenzweiter Tabellenvierter So wird gewährleistet, dass immer diejenigen Teilnehmer mit annähernd gleicher Punktzahl gegeneinander spielen. Es gibt jedoch auch andere Vorgehensweisen zur Erstellung der Spiele. Ein abschließendes Finalspiel gibt es beim Schweizer System grundsätzlich nicht, kann jedoch durchaus gespielt werden.
4 Hier zur Verdeutlichung ein Auszug aus den Ergebnissen vom NikolausCup 2009:
5 Begriffserläuterung: BHZ (Buchholzzahl): Summe der Wertungspunkte der Gegner Die höhere BHZ entscheidet bei gleicher Wertungspunktzahl. Dieses vom Magdeburger Bruno Buchholz im Jahre 1932 entwickelte Wertungssystem dient zur Ermittlung des Siegers bei Wertungspunktegleichstand in einem Turnier nach dem Schweizer- System. Bei der Buchholz-Wertung geht man davon aus, dass die Punktezahl eines Teilnehmers, der erfolgreichere Gegner gehabt hat, höher zu bewerten ist als die eines anderen, dessen Gegner weniger Punkte erzielt haben. Sie ist ein Maß für die Spielstärke der Gegner. FBHZ (Feinbuchholzzahl): Summe der BHZ der Gegner (also die Summe der Wertungspunkte der Gegner der Gegner) Die höhere FBHZ entscheidet bei gleicher BHZ. Sie ist eine Verfeinerung der BHZ und ein Maß für die Spielstärke der Gegner der Gegner. SCHZ (Schochzahl): Die Schochzahl ist die Summe der Wertungspunkte aller bisherigen Gegner, gegen die ein Teilnehmer gewonnen hat. Sie ist ein Maß für die Spielstärke der unterlegenen Gegner. Wenn SCHZ = BHZ, dann hat der Teilnehmer alle seine Spiele gewonnen. Die SCHZ kann maximal den Wert der BHZ annehmen. BHZ, FBHZ und SCHZ berücksichtigen die Spielstärken der jeweiligen Gegner. Je höher diese Wertungen ausfallen, desto stärker war der jeweilige Gegner. Gewinnt/Verliert man also gegen spielstarke Gegner, so erhält man eine höhere Wertung im Vergleich zu denen, die gegen spielschwächere Gegner gewinnen/verlieren. Diese Wertungen werden nach jeder Spielrunde mit Hilfe der neu hinzugekommenen Ergebnisse aktualisiert. Danach wird dann die neue Tabelle erstellt.
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