Was kostet Sie ihr Klima?
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- Kristin Beyer
- vor 9 Jahren
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1 Was kostet Sie ihr Klima? Prof. Dr. agr. Martin Ziron und B. Sc. Benedikt Große Lutermann An der Fachhochschule in Soest wurde im Rahmen einer Bachelorarbeit untersucht, wie viel Energie für das Stallklima in der Schweinemast benötigt wird. Die Ergebnisse zeigt der folgende Bericht. Die Gestaltung des Stallklimas ist in der Schweinemast in den letzten Jahren immer wichtiger geworden und gehört heute zum festen Bestandteil der Gebäudetechnik. Die richtige Luftführung und Klimaregelung hat großen Einfluss auf das Wohlbefinden und auf die Leistung der Tiere. Neben dem genetischen Material, der Fütterung und der Tierbeobachtung durch den Landwirt, sind die Luftqualität und die passende Temperatur einer der wichtigsten Einflussfaktoren für den Erfolg im Stall. Hauptaufgabe der Lüftung und Klimagestaltung ist die Frischluftzufuhr der Tiere und der Abtransport von gebäudeschädlichen und gesundheitsschädlichen Stoffen, die als Raumlasten bezeichnet werden. Bei den Raumlasten muss zwischen Sommer und Winter unterschieden werden. Im Sommer bestehen die Raumlasten im Wesentlichen aus der überschüssigen Wärme, die abgeführt werden muss, um einen Wärmestau und somit Stress für die Tiere zu vermeiden. Im Winter dagegen bestehen die Raumlasten aus Wasserdampf, Kohlendioxid, Ammoniak und Schwefelwasserstoff, für die es Grenzwerte gibt, die einzuhalten sind. Wird auf eine Kühlung des Stallgebäudes verzichtet, stellt der Abluftstrom im Sommer die einzige Möglichkeit dar, die Temperatur anzupassen. Viel schwieriger als der Abtransport der Schadgase, ist die gleichmäßige Versorgung der Tiere mit Frischluft. Diese Aufgabe stellt wesentlich höhere Anforderungen an die Lüftungstechnik. Pauschal kann nicht gesagt werden, welche Lüftungsvariante die Beste ist, da dies von vielen Faktoren abhängt und betriebsindividuell gelöst werden muss. Je nach Alter und Haltungsabschnitt stellen die Tiere verschiedene Anforderungen an das Klima. Dabei wird hier versucht, den Aufwand so niedrig wie möglich zu halten, um zusätzliche und unnötige Kosten in Form von Energie zu vermeiden. Wie hoch aber die Kosten dafür sind ist den meisten Betrieben nicht bekannt. Um dennoch Daten aus der Praxis zu erfassen, wurden in drei Praxisbetrieben ein Jahr lang Messungen durchgeführt und die Daten erfasst. Dazu wurden alle Ställe mit separaten Stromzählern ausgestattet, die ausschließlich den Strom der Lüftungsanlage messen. Der Gasverbrauch wurde über Gaszähler ermittelt. Der Betrieb A, auf dem die Messungen durchgeführt wurden, besitzt einen Schweinemaststall für 1440 Tiere und wurde im Jahr 2010 gebaut. Es handelt sich um einen Doppelkamm- Stall mit 13 Abteilen. Der Stall ist in massivbauweise gebaut worden. Die Lagerung der Gülle erfolgt unter dem Stall in 1,5 m tiefen Kanälen. Das Mauerwerk wurde einschalig aus dem Wieneberger Agrarziegel errichtet. Das Dach ist aus Nagelbindern errichtet worden, welche mit Eternitplatten eingedeckt wurden. Die Innenwände des Stalls sind aus Kunststoff hergestellt. Die Tiere werden auf einem Betonvollspaltenboden gehalten und mit einer Flüssigfütterung am Sensortrog mit Futter versorgt. Die Heizung des Stalles erfolgt mittels Gaskanone. Als Lüftungsanlage arbeitet ein Luft-Luft-Wärmetauscher. Der Wärmetauscher ist in der Ohne ausreichende Lüftung können Warmställe nicht tiergerecht geführt werden. 1/5
2 Lage, durch die warme Abluft genügend warme Zuluft zu produzieren, um die einzelnen Abteile auf Temperatur zu halten und trotzdem höhere Luftraten zu fahren. Die Zuluft wird als Rieselkanal über dem Stichgang in die Abteile geleitet. Die Abluft wird im Abteil als Unterspaltenabsaugung abgeführt und dem Wärmetauscher zugeleitet. Der Wärmetauscher kann helfen Heizkosten zu sparen, aber es entstehen höhere Stromkosten für die Ventilation. Der Schweinemaststall im Betrieb B wurde im Jahr 2009 gebaut. Er bietet Platz für ca Tiere und wurde als Doppelkammstall mit vier Abteilen errichtet. Der Stall wurde in massivbauweise einschalig aus dem Wieneberger Agrarziegel aufgebaut und mit Nagelbindern und Eternitplatten eingedeckt. Die Güllelagerung erfolgt unter dem Stall mit Kanälen von 1,55 m Tiefe. Die Fütterung der Tiere erfolgt flüssig mit einem Sensortrog. Als Lüftungsanlage arbeitet hier eine Anlage der Firma Devrie aus Holland. Die Anlage ist jeweils für zwei Abteile als Zentralabsaugung aufgebaut. Die Abluft wird mittig im Abteil als Oberflurabsaugung betrieben. Die Zuluftversorgung erfolgt als Schlitzganglüftung, die vom Lüftungsrechner gesteuert wird. Alle Zuluftelemete sind über ein Drahtseil miteinander verbunden und werden über einen Stellmotor gesteuert. Der Betrieb C wurde als dritter Vergleichsbetrieb ausgewählt, da auch hier ein neuwertiger Stall im Betrieb steht. Der Schweinemaststall wurde im Jahr 2005 als Fertigstall der Firma Ako Funki errichtet. Der Stall bietet Platz für 480 Tiere in vier Abteilen und besteht aus massiven Betonelementen mit Dämmung. Die Güllelagerung erfolgt in 80 cm tiefen Kanälen im Wechselstauverfahren. Die Fütterung der Tiere erfolgt am Mit zusätzlichen Schlitzöffnungen in der Decke können lange Ganglüftungen betrieben werden. Sensortrog. Die Abluftführung erfolgt dezentral für jedes Abteil. Als Besonderheit ist die Zuluftführung zu nennen. Die Zuluft wird außen angesaugt und unter dem Stall durch Betonrohre geführt. Im Zentralgang steigt die Luft auf und gelangt dann in die einzelnen Abteile, wo sie dann durch eine diffuse Decke verteilt wird. Die Abluft wird Oberflur abgesaugt. Durch dieses System wird erreicht, dass die Zuluft im Winter bereits angewärmt ist und im Sommer dagegen gekühlt wird. Die Steuerung erfolgt auch hier über einen Klimacomputer. Betrieb A hat die Lüftungsanlage kwh Strom verbraucht. In diesem Zeitraum wurden 4369 Schweine verkauft. Daraus resultiert ein Stromverbrauch von 5,89 kwh pro verkauftes Mastschwein. Bei einem Strompreis von 0,21 ergeben sich pro verkauftes Schwein 1,24 an Stromkosten. Der gesamte Gasverbrauch liegt bei 158,36 m³. Umgerechnet ergibt sich ein Gesamtverbrauch von 1548,76 l abzüglich des Verbrauchs 2/5
3 Verbrauchs der Gastherme mit 620,52 l Gas die den Hygienebereich heizt. Werden die Werte nun subtrahiert, so errechnet sich ein Gasverbrauch von 928,24 l. Bei einem Gaspreis von 0,47 und ebenfalls 4369 verkauften Schweinen, ergibt dies einen Wert von 0,10 für Gas pro verkauftes Schwein. Alle Preise sind Nettopreise. Betrieb B hat die Lüftungsanlage 6716 kwh Strom verbraucht. Im diesem Zeitraum wurden 2583 Schweine verkauft. Daraus resultiert ein Stromverbrauch pro verkauftes Mastschwein von 2,60 kwh. Bei einem Strompreis von 0,21 ergeben sich pro verkauftes Schwein 0,55 an Stromkosten. Der gesamte Gasverbrauch liegt bei 277,51 m³. Umgerechnet ergibt sich ein Gesamtverbrauch von 2714 l. Bei einem Gaspreis von 0,47 und ebenfalls 2583 verkauften Schweinen, ergibt dies einen Wert von 0,49 für Gas pro verkauftes Schwein. Alle Preise sind Nettopreise. Betrieb C hat die Lüftungsanlage 9703 kwh Strom verbraucht. In diesem Zeitraum wurden 1554 Schweine verkauft. Daraus resultiert ein Stromverbrauch pro verkauftes Mastschwein von 6,24 kwh. Bei einem Strompreis von 0,21 ergeben sich pro verkauftes Schwein 1,31 an Stromkosten. Der gesamte Gasverbrauch liegt bei 67,36 m³. Umgerechnet ergibt sich ein Gesamtverbrauch von 658,75 l. Bei einem Gaspreis von 0,47 und ebenfalls 1554 verkauften Schweinen, ergibt dies einen Wert von 0,20 für Gas pro verkauftes Schwein. Alle Preise sind Nettopreise. Betriebsvergleich Beim Vergleich der drei Praxisbetriebe stellten sich einige Unterschiede in den Strom- und Gasverbräuchen heraus und somit auch im Gesamtverbrauch, der an Kosten für die Klimagestaltung aufgewendet wurde im Jahr der Messungen. Die Abbildung veranschaulicht den Verbrauch der einzelnen Betriebe, bezogen auf die verkauften Mastschweine im Jahr der Verbrauchsmessungen. Bei der Lüftungs- und Heiztechnik in der Schweinemast haben sich in der Praxis nur einige wenige Verfahren durchgesetzt, die in Deutschland in Mastschweineställen eingebaut werden. Bei der Auswahl der Technik spielt in erster Linie die Funktionssicherheit und der günstige Unterhalt bzw. die günstige Anschaffung eine Rolle. Auf den Energieverbrauch der benötigt wird, um die Anlage richtig zu betreiben, wird kaum Rücksicht genommen. Soll der Energieverbrauch dieser Anlagen dann ermittelt werden, wird deutlich, dass in der Praxis kaum jemand den Energieverbrauch der installierten Anlage kennt. Häufig ist der Gesamtverbrauch des Stalls noch bekannt, aber wieviel Energie die Lüftungsanlage verbraucht, wissen die Betriebsleiter in der meisten Fällen nicht exakt und selbst die meisten Firmen, mit einigen Ausnahmen, wollen oder können keine Aussagen machen, wie viel Energie deren Anlage verbraucht. Dabei wird in Zukunft die Energie in Form von Strom und Gas immer teurer werden und ein zu hoher Energieverbrauch kann somit den Gewinn in der Schweinemast deutlich reduzieren. Dazu muss man allerdings wissen, wo die Schwachstellen bzw. der zu hohe Energieverbrauch herkommt. Wird die Luft unter dem Stall angesaugt, kann sie natürlich abgekühlt oder angewärmt werden. Gasheizgeräte erwärmen den Stall schnell, erzeugen aber auch höhere Mengen an CO 2 im Stall. 3/5
4 Die Messungen innerhalb eines Jahres zeigen, wie unterschiedlich die Kosten für die Klimagestaltung sind und vor allem, dass es deutliche Unterschiede zwischen den Strom- und Gasverbräuchen gibt. Auf den ersten Blick zeigt die Arbeit, dass der Betrieb B mit der Schlitzganglüftung die geringsten Kosten pro Tier hat, wenn die Gesamtkosten der Klimagestaltung betrachtet werden. An zweiter Stelle liegt der Betrieb A mit dem installierten Wärmetauscher. Die diffuse Decke im Betrieb C hat den höchsten Energieverbrauch für die Gestaltung des Stallklimas. Die drei Praxisbetriebe liegen im Umkreis von 17 km um den Betrieb A relativ dicht beieinander, sodass die Außentemperatur keine großen Auswirkungen hat. Es gibt eine Summe weiterer Faktoren mit, die Einfluss auf den Energieverbrauch haben. Den größten Einfluss auf den Energieverbrauch hat der Landwirt selbst, gefolgt vom Stallgebäude, den Ferkeln sowie vielen weiteren Einflussfaktoren. Alle diese Faktoren sind auf allen drei Praxisbetrieben verschieden. Somit wurden diese Einflüsse nicht berücksichtigt. Der Betrieb B hat im Zeitraum der Messungen 2,6 Umtriebe pro Stallplatz erreicht. Im Betrieb A waren es pro Mastplatz 3,0 Umtriebe und im Betrieb C sogar 3,2 Umtriebe pro Platz und Jahr. Diese Aussage verdeutlicht bereits, dass die Betriebe sich auch in der Leistung deutlich unterscheiden. Aufgrund der Unterschiede in der Anzahl an Umtrieben darf natürlich der Betrieb mit vielen Umtrieben pro Mastplatz auch mehr Energie verbrauchen wie ein Betrieb mit wenigen Umtrieben. In diesem Versuch wurde die Luftqualität, die kaum messbar ist, nicht berücksichtigt. Auch die Luftrate wurde nicht mit einbezogen, da es sehr schwer ist, diese in den Betrieben zu erfassen. Eigentlich müssten aber genau diese Parameter, wie Luftrate und Luftqualität, mit einbezogen werden. Hohe Luftraten erhöhen den Energieverbrauch. Niedrige Luftraten dagegen vermindern diesen erheblich, sodass zugeheizt werden muss. Niedrige Luftraten wirken wiederum negativ auf die Luftqualität. Die Arbeit gibt ausschließlich den Energieverbrauch der Klimagestaltung von den drei verschiedenen Praxisbetrieben wieder, um generell zu wissen, wie hoch die Energiekosten für die Klimagestaltung in der Schweinemast liegen. Dennoch sticht der Betrieb C mit der diffusen Decke im Stromverbrauch deutlich heraus. 1,60 Betrieb A 1,52 1,20 Betrieb B Betrieb C 1,24 1,31 1,34 0,80 0,49 0,40 0,21 0,10 0,00 Gaskosten/verk. Schwein ( ) Stromkosten/verk. Schwein ( ) Gesamtkosten ( ) Tabelle 1: Vergleich der Energiekosten pro Schwein in Abhängigkeit vom Betrieb 4/5
5 Nach Analyse des Betriebs liegt dies aller Voraussicht daran, dass sich die Steinwolle, die als Dämmmaterial auf den Lochplatten liegt, auf Grund des Alters zugesetzt hat und erneuert werden sollte. Dadurch, dass im Betrieb C der Energiebedarf und vor allem der Strombedarf deutlich höher liegt, wird deutlich, wie wichtig es ist, den Stromverbrauch zu erfassen. Aus den Messergebnissen lässt sich aber deutlich schließen, dass es in jeden Fall große Unterschiede in der Klimagestaltung und den daraus resultierenden Energieverbrauch gibt. Dadurch, dass der Energieverbrauch erfasst wurde, gibt es jetzt Zahlen, wie hoch der Strom- und Gasverbrauch für Mastbetriebe liegt. Zwar ist es nicht möglich, diese Zahlen auf andere Betriebe zu übertragen, aber diese Arbeit gibt Anhaltspunkte. Dies könnte dazu führen, dass Praktiker in Zukunft Strom- und Gaszähler in ihre Ställe einbauen, um ihren Energieverbrauch zu erfassen. Anhand dieser Ergebnisse können die Betriebe Rückschlüsse auf ihren Energieverbrauch ziehen und Maßnahmen zur Einsparung ergreifen. Dies würde nicht nur den Energieverbrauch senken, sondern sich auch monetär für den Betriebsleiter rentieren. Fazit Alles in allem ist zu sagen, dass es vielfältige Möglichkeiten gibt, Mastställe mit frischer Luft zu versorgen und die Abteile und Ställe zu heizen. Doch kaum jemand weiß, wie viel Energie sein Stall benötigt und wie viel Energie dann davon anteilig für die Lüftung verbraucht wird. Diese Arbeit zeigt, dass mit einfachen Mitteln der Stromund Gasverbrauch ermittelt werden kann und jeder sich so ein eigenes Bild von seinem Betrieb machen kann. Dadurch ergeben sich eventuell Möglichkeiten, Energie und somit Geld in seinem Betrieb einzusparen. Allerdings muss immer darauf geachtet werden, dass die gemessenen Werte ganz betriebsindividuell zu betrachten sind und in der Regel kaum miteinander vergleichbar sind. Nur wenn viele Landwirte ihre Ställe mit Strom- und Gaszählern ausstatten und die Daten auch gewissenhaft erfassen, können in Zukunft Aussagen dazu gemacht werden, wie hoch der Energieverbrauch in der Praxis liegt. Somit gelingt es vielleicht, vorhandene Schwachstellen zu beheben, wenn der Stromverbrauch zu hoch ist. Dies wird für die erfolgreichen Betriebe eine nicht zu unterschätzende Optimierungsmöglichkeit sein. DER DIREKTE DRAHT Prof. Dr. agr. habil. Martin Ziron Fachhochschule Südwestfalen Fachbereich Agrarwirtschaft, Fachgebiet Tierproduktion Lübecker Ring 2, Soest Telefon [email protected] Für eine Abluftreinigungsanlage werden zusätzliche Energieaufwendungen nötig. Stand: Mai 2016 Redaktion Proteinmarkt c/o AGRO-KONTAKT Bahnhofstraße 36, Nörvenich Tel.: ( ) Fax: ( ) [email protected] proteinmarkt.de ist ein Infoangebot vom Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland e. V. (OVID) in Zusammenarbeit mit der Union zur Förderung von Oelund Proteinpflanzen e. V. (UFOP). 5/5
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