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1 FOTOGRAFIE IM PORTAL DER INDUSTRIEKULTUR DER BLICK DER SACHLICHKEIT ZECHE ZOLLVEREIN IM SPIEGEL DER FOTOGRAFIE Albert Renger-Patzsch / Anton Meinholz / Dieter Blase

2 DIE ZECHE ZOLLVEREIN IM SPIEGEL DER FOTOGRAFIE Als der Industriefotograf Albert Renger-Patzsch um 1930 im Auftrag von Fritz Schupp die Zeche Zollverein in Schwarz-Weiß-Fotografien festhielt, galten von Kohle und Stahl geprägte Industrieregionen noch nicht als bildwürdig. Knapp hundert Jahre später ist das heutige UNESCO-Welterbe mit seiner beeindruckenden Industriearchitektur ein beliebtes und bekanntes Fotomotiv. Die Ausstellung Der Blick der Sachlichkeit im Portal der Industriekultur zeigt die Zeche Zollverein im Spiegel dreier Fotografen. 30 Jahre nach der Schließung der Zeche Zollverein werden Fotografien von Albert Renger-Patzsch und Anton Meinholz aus der Anfangszeit der Schachtanlage XII um 1930 zwei Fotografie- Serien von Dieter Blase gegenübergestellt. Die erste Serie ist während der Stilllegungsphase der Zeche im Winter 1986 entstanden, die zweite aus dem Jahr 2016 thematisiert den Strukturwandel auf Zollverein. Die Fotografien vermitteln eindrucksvoll, wie sich die Zeche Zollverein und die öffentliche Wahrnehmung des Geländes innerhalb eines Jahrhunderts verändert haben.

3 BILDSPRACHEN IN DER TRADITION DER KLASSISCHEN MODERNE Die Fotografien von Renger-Patzsch, Meinholz und Blase eint ihre sachliche Bildsprache. Sie ähneln sich in der Fokussierung auf die Formen und Strukturen der Zeche Zollverein. Dennoch zeugen sie von einem jeweils unterschiedlichen Blick auf die Industriebauten. Sie ermöglichen dem Betrachter Vergleiche zwischen der ehemaligen und der heutigen Nutzung der Anlagen und zeigen dadurch ein Gelände im Wandel. Darüber hinaus stehen die Fotografien durch die Ausstellung im historischen Rundeindicker unter dem Dach der ehemaligen Kohlenwäsche von Schacht XII im unmittelbaren Dialog mit dem Ort, an dem sie entstanden. Insgesamt vermitteln die ausgewählten Bilder einen Eindruck davon, wie die Fotografie der Zechenarchitektur die Rezeption der Industrielandschaft des Ruhrgebiets in den vergangenen 90 Jahren bildästhetisch geformt hat. Gleichzeitig zeigt die Ausstellung, dass nicht nur die Klassische Moderne in den ersten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts eine eigene Bildsprache hervorbrachte, sondern auch das Zechensterben in den 1980er Jahren und die Ernennung Zollvereins zum UNESCO-Welterbe. WANDEL DES SEHENS Als Renger-Patzsch und Meinholz die Zeche Zollverein in den 1930er Jahren fotografierten, waren die Anlagen in Betrieb und die Innenräume mit den Maschinen noch nicht im Blickfeld des öffentlichen Interesses. Fotografien aus dieser Zeit zeigen daher stets den Außenraum. Erst mit der Stilllegung der Zeche 1986 und dem Wandel des Geländes zu einem öffentlichen Ort wird das Innere der Gebäude sichtbar und entwickelt sich zum Motiv. Blase ist einer der ersten Fotografen, der den Beginn dieser Veränderung im Bild festhält. Nach und nach ändert sich so auch die öffentliche Wahrnehmung der Anlagen: Die Zeche als einst verbotener Ort wird zum Industriedenkmal und schließlich zu einem Gelände, auf dem Besucher ihre Freizeit verbringen. Die präsentierten Fotografien aus drei unterschiedlichen Epochen markieren daher sichtbar eine Grenze zwischen Innen- und Außenraum und zeigen, dass mit dem Strukturwandel ein Wandel des Sehens einhergeht. Am Beispiel der Zeche Zollverein verdeutlicht die Ausstellung, welchen Einfluss die Fotografie darauf hat, wie ein Ort wahrgenommen wird und welche Bedeutung ihm zugeschrieben wird. Man sollte wohl in der Fotografie vom Wesen des Gegenstandes ausgehen und mit rein fotografischen Mitteln versuchen, diesen darzustellen. Albert Renger-Patzsch

4 DIE FOTOGRAFEN RENGER-PATZSCH, MEINHOLZ UND BLASE Der Fotograf Albert Renger-Patzsch ( ) zählt zu den wichtigsten Vertretern der Neuen Sachlichkeit. Sein 1928 erschienenes Werk Die Welt ist schön erregte bei Zeitgenossen große Aufmerksamkeit und entwickelte sich zu einer Grundlage der modernen Fotografie. Im Auftrag des Architekten Fritz Schupp, mit dem ihn eine enge Freundschaft verband, setzte Renger-Patzsch dessen Industriebauten in eindrucksvolle Bilder um. Als Fotograf der Stadtbildstelle Essen hielt Anton Meinholz ( ) ab 1913 im Auftrag der Stadt Essen die Architektur und Menschen im Stadtbild fest. Stilistisch war er von Renger-Patzsch deutlich beeinflusst. Da Meinholz neben den Aufnahmen von Schacht XII auch andere fotografische Arbeiten für Schupp übernahm, liegt auch hier eine gute Bekanntschaft bzw. Freundschaft nahe. Dieter Blase (*1953) studierte künstlerische Fotografie bei Prof. Heinrich Riebesehl. Er ist berufenes Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Photographie (DGPh). Seine Arbeiten lassen sich weder der traditionellen Industriefotografie noch der kommerziellen Architekturfotografie zuordnen. Sein besonderes künstlerisches Interesse gilt der Wahrnehmung von Orten und deren Bedeutungswandel, womit er sich in Griechenland, in Ostfrankreich und auf Zechenanlagen im Ruhrgebiet auseinandergesetzt hat. IMPRESSUM Stiftung Zollverein Bullmannaue 11, Essen / [email protected] / Fon Kommunikation und Marketing Leitung: Delia Bösch Gesamtredaktion: Christina Kemnitz Text: Anna Thelen / Gestaltung: Sonja Rybak Bildnachweise: Dieter Blase Courtesy/Leihgabe des Ateliers Dieter Blase 2016 / Karin Blase Courtesy/Leihgabe des Ateliers Dieter Blase 2016 / Albert Renger-Patzsch - Archiv Ann und Jürgen Wilde Zülpich/ VG Bild-Kunst Bonn 2016 / Anton Meinholz - Courtesy Sammlung Ann und Jürgen Wilde, Zülpich 2016 Stand: September 2016 Änderungen sind nicht beabsichtigt, bleiben aber vorbehalten. eingetragene Marke der Stiftung Zollverein, Deutschland Förderer: Regionalverband Ruhr

5 DER BLICK DER SACHLICHKEIT ZECHE ZOLLVEREIN IM SPIEGEL DER FOTOGRAFIE Albert Renger-Patzsch / Anton Meinholz / Dieter Blase ZEIT: 29. Oktober 2016 bis 29. Januar 2017 täglich Uhr, am 24., 25. und 31. Dezember geschlossen EINTRITT: 2 (Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren frei) Enthalten in allen Kombitickets mit dem Portal der Industriekultur ORT: Portal der Industriekultur, UNESCO-Welterbe Zollverein, Areal A [Schacht XII], Kohlenwäsche [A 14], Rundeindicker I, Gelsenkirchener Str.181, Essen KATALOG: Der Blick der Sachlichkeit Zeche Zollverein im Spiegel der Fotografie Klartext Verlag, ISBN FOTOGRAFIE IM PORTAL DER INDUSTRIEKULTUR In den beiden Rund- beziehungsweise Dorreindickern der ehemaligen Kohlenwäsche auf Schacht XII wurde zu Betriebszeiten der Zeche Zollverein der in Wasser gebundene Kohlenschlamm für die Weiterverarbeitung zu Kokskohle vorbereitet. Beide Rundeindicker gehören heute zum Portal der Industriekultur, das unter dem Dach der Kohlenwäsche einen beeindruckenden Überblick über das industriekulturelle Angebot des Ruhrgebiets und Nordrhein-Westfalens bietet. Während in einem der beiden Rundeindicker der Film RUHR360 zu sehen ist, wurde der andere zu einem Vortrags- und Ausstellungsraum umgestaltet. Seit 2011 wird der Rundeindicker I außerdem als Ort für Fotoausstellungen mit dem Schwerpunkt zeitgenössische urbane Fotografie genutzt Sebastian Möllecken, Menschen u. Landschaften an der A Florian Monheim, Die andere Schönheit. Industriekultur in NRW 2012 Industriegeschichten. Route der Technikdenkmäler. Polen Oliver Kern, Die deutsche Aussicht 2013 Ellen Bornkessel, PLAY 2014 Joachim Schumacher, Von dieser Welt 2015 Thomas Prochnow, Der Zweite Öffentliche Raum. Eine Werkschau 2016 Der Blick der Sachlichkeit Zeche Zollverein im Spiegel der Fotografie Albert Renger-Patzsch, Anton Meinholz, Dieter Blase

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