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Transkript:

BERUFSAUSSTIEG ALS CHANCE Obwohl sie gut verdienen, sind viele Menschen in Deutschland mit ihrer Arbeit nicht zufrieden. Manche steigen deshalb aus ihrem alten Beruf aus und machen sich selbstständig. Andreas Dürr hat früher in einer Bank gearbeitet, heute veranstaltet er Drachenbootrennen. Auch Catharina Bruns gab ihren Job bei einem IT-Konzern auf. Sie hat sich selbständig gemacht und stellt mit einer Freundin Bastel-Sets zusammen, die sie in ihrem Online-Shop verkauft. Trotz aller Unsicherheiten, die eine Selbstständigkeit mit sich bringt, sind Andreas Dürr und Catharina Bruns heute glücklicher. DAS MANUSKRIPT ZUM VIDEO Boote bauen statt Geld verleihen Andreas Dürr war früher Banker, jetzt veranstaltet er Drachenbootrennen. ANDREAS DÜRR: Ich glaube dieses Wort Arbeit ist so belegt, vielleicht auch mit ner gewissen Schwere, und man muss arbeiten gehen. Das empfinde ich nicht so, sondern ich habe mich davon gelöst, weil es eben meins ist. Ob es die Berufung war? Ich habe das Gefühl, mit der Perspektive kann man, glaube ich, immer erst ein bisschen mehr sehen. Aber ich fühle mich gut und kraftvoll und möchte die Dinge, die ich mache, weiterentwickeln und insofern, glaube ich, bin ich schon näher an der Berufung, als wenn man sagt, man hat nur so abstrakt n kleinen Beruf, den man jetzt für jemanden ausfüllt. Catharina Bruns betreute die Werbekunden eines großen IT-Konzerns. Statt Online- Kampagnen zu starten, kehrt sie nun zurück zu Handfestem: Sie entwirft Bastel-Sets mit denen man Taschen, Schals oder Schmuck selbst herstellen kann. Für mich war der Leidensdruck tatsächlich auch zu hoch. Und ich war eigentlich komplett unterfordert, und das ist ja eigentlich der Witz an der Sache, dass dort die Leute ausbrennen, weil, ich meine, wir hatten natürlich Stress, man hat Stress usw., aber man ist eigentlich menschlich unterfordert. Also, die Jobs sind zu klein für das, was wir eigentlich leisten können. Die Bastel-Kisten werden vor allem von Frauen gekauft, die wieder Lust auf altmodische Handarbeit haben. Alle zwei Monate bringt sie zusammen mit ihrer Geschäftspartnerin eine neue Idee heraus. Dann gehen regelmäßig mehrere tausend Bestellungen im Web- Shop ein. Seite 1/5

Na klar, also, ich hatte schon alle Annehmlichkeiten, hatte nen sehr guten Job, und ich habe in der Selbstständigkeit am Anfang nicht so viel verdient. Jetzt verdiene ich mehr. Und: Sie kann sich ihre Zeit selber einteilen. Arbeit und Freizeit ist bei ihr kein Gegensatz. Jobs sind das, was andere von mir wollen und erwarten. Arbeit ist das, was ich selbst von mir will und was ich selbst von mir erwarte. Und das ist ein riesiger Unterschied. Und sich darüber klar zu werden, kann das ganze Leben verändern. Vor allem Akademiker sind mit ihrer Arbeit oft unzufrieden. Uta Glaubitz erklärt in Seminaren, wie es klappen kann, den Beruf zu wechseln. UTA GLAUBITZ (Berufs-Coach): Wenn man nur so in irgendwas reingerät, weil einem nix Besseres einfällt, das entwickelt keine Kraft, und dadurch kostet ein Beruf unheimlich viel, gibt einem aber nichts zurück. Also, er gibt einem zurück, ja, dass man seine Miete bezahlt, und das ist ja auch schön so. Aber es gibt ne Menge Leute, die sagen, es ist ihnen eben nicht genug. Sie möchten etwas machen, was mehr mit ihnen zu tun hat. Wie zum Beispiel die Leidenschaft für den Rudersport, die jetzt Teil von Andreas Dürrs Arbeit ist: Auch er hat sich beraten lassen. Inzwischen organisiert er mehr als 80 Sport- Events jedes Jahr für bis zu 1000 Leute. Firmen buchen bei ihm zum Beispiel Drachenbootrennen zur Mitarbeitermotivation. Risiken einzugehen mit Frau und Kindern ist das nicht immer so leicht. ANDREAS DÜRR: Es gibt immer wieder Phasen, wo man sich hinterfragen muss, ist das richtig, wo man an seine Grenze kommt. Deshalb auch diese Wachheit und Gucken und auch ein Stück Demut, dass man sagt, also, grade wenn s großartig und grandios läuft, es hat nichts zu sagen. Aber genauso auch, wenn man vielleicht am Boden liegt. Mal gucken, wer weiß, wofür es gut ist. Erst mal ist der 46-Jährige zufrieden, so wie es ist. Wie es weiter geht das lässt er in Ruhe auf sich zukommen. Seite 2/5

GLOSSAR Ausstieg (m., nur Singular) die Tatsache, dass man etwas nicht mehr so weiter macht wie bisher; die Veränderung im Leben (z. B. beruflich) (Verb: aus etwas aus steigen) Drachenboot, -e (n.) ein langes Paddelboot, das ursprünglich aus China stammt IT (f.) Abkürzung für: Informationstechnik etwas basteln etwas aus Papier, Stoff oder Ähnlichem mit seinen Händen herstellen Set, -s (n.) hier: das Paket, in dem sich mehrere Dinge befinden, die man zur Herstellung von etwas braucht (z. B. der Stoff, der Faden, die Nadel) Banker, -/Bankerin, -nen (aus dem Englischen) jemand, der in einer Bank in einer (meist) führenden Position arbeitet belegt sein eine bestimmte Bedeutung haben etwas so empfinden hier: eine bestimmte Meinung über etwas haben sich von etwas lösen gemeint ist hier: etwas nicht als wichtig empfinden jemandes sein; etwas ist meins umgangssprachlich für: zu jemandem passen Berufung, -en (f.) das besondere Gefühl, für einen bestimmten Beruf vorgesehen zu sein Perspektive, -n (f.) der Blick/die Sichtweise, den/die man auf etwas hat; gemeint ist hier: die Tatsache, dass man seinen Beruf als Berufung versteht kraftvoll voller Kraft; so, dass jemand viel Energie hat abstrakt so, dass etwas für jemanden nur schwer zu verstehen ist etwas aus füllen gemeint ist hier: etwas ausüben; etwas machen Kampagne, -n (f.) die öffentliche Aktion, die ein bestimmtes Ziel verfolgt; hier: die Werbung etwas Handfestes (n., nur Singular) gemeint ist hier: praktische Arbeit mit den Händen Leidensdruck (m., nur Singular) die Tatsache, dass man unter etwas leidet; die Tatsache, dass etwas einem große Probleme bereitet Seite 3/5

unterfordert so, dass eine Tätigkeit/eine Aufgabe nicht anspruchsvoll genug für jemanden ist der Witz an der Sache ist, dass umgangssprachlich für: das Komische an einer bestimmten Situation ist, dass (es einen Gegensatz gibt) aus brennen hier: keine Kraft mehr haben Handarbeit, -en (f.) etwas, das jemand z. B. genäht oder gestrickt hat Web-Shop, -s (m., aus dem Englischen) die Internetplattform, über die man etwas kaufen kann alle Annehmlichkeiten haben perfekte Bedingungen (z. B. bei der Arbeit) haben sich seine Zeit ein teilen entscheiden, was man wann und wie lange macht sich über etwas klar werden etwas erkennen klappen umgangssprachlich für: funktionieren Coach, -es (m., aus dem Englischen) der Trainer in etwas rein geraten umgangssprachlich für: in etwas hineingeraten; sich plötzlich in einer Situation befinden, ohne dies beabsichtigt zu haben nix umgangssprachlich für: nichts kosten hier: belasten; schaden unheimlich hier umgangssprachlich für: sehr jemandem etwas zurück geben; etwas gibt jemandem etwas zurück hier: man bekommt etwas (z. B. Anerkennung oder Lob) für seine Mühe mit sich zu tun haben einen Bezug zum eigenen Leben/den eigenen Interessen haben Event, -s (n., aus dem Englischen) die Veranstaltung Mitarbeitermotivation (f., nur Singular) die Tatsache, dass in einer Firma durch unterhaltsame Maßnahmen versucht wird, eine bessere Leistung der Mitarbeitern zu bekommen Phase, -n (f.) die Situation; die Zeitdauer Seite 4/5

an seine Grenzen kommen erkennen, dass man keine Kraft oder Fähigkeiten hat, um eine Aufgabe zu erledigen oder etwas zu machen gucken umgangssprachlich für: sehen ein Stück hier: ein bisschen; etwas Demut (f., nur Singular) hier: die Dankbarkeit grade umgangssprachlich für: gerade; hier: vor allem grandios besonders gut; großartig laufen umgangssprachlich für: funktionieren etwas hat nichts zu sagen etwas bedeutet nichts Besonderes am Boden liegen hier umgangssprachlich für: keinen Erfolg haben etwas auf sich zukommen lassen alles akzeptieren, was passieren wird; nichts vorherplanen Autorinnen: Claudia Laszczak/Stephanie Schmaus Redaktion: Raphaela Häuser Seite 5/5