Bonuskapitel Bildstapel und Smartobjekte Mehrere nicht ganz optimale Versionen einer Aufnahme zusammenwerfen, um daraus eine perfektionierte Bildversion zu machen? In Photoshop geht das sogar auf verschiedene Weise. Sie können Fotos in einer Datei stapeln, repositionieren und Details herausretuschieren. Oder Sie erzeugen einen Bildstapel aus einer Motivserie und lassen die Bilder automatisch überblenden, um ein Foto zu erzeugen, dass perfekt ausgeleuchtet und an jedem Punkt scharf ist. Und auch die HDR-Funktion arbeitet im Prinzip mit mehreren, gestapelten Belichtungsversionen eines Motivs. Der Stapelmodus von Smartobjekten Das wirksame Dateistapel-Prinzip lässt sich in auch in Verbindung mit Smart-Objekten nutzen. Unter dem Menüpunkt Ebene Smartobjekte Stapelmodus finden Sie smarte Funktionen, mit denen Sie wirksam Bildrauschen beheben, Motivvarianten im Handumdrehen zu einem Bild verschmelzen oder sogar Passanten und andere bewegte Objekte automatisch aus Aufnahmen herausretuschieren können. Seit Photoshop CC stehen diese Befehle allen Usern zur Verfügung, zuvor gab es sie nur in Photoshop Extended. Die Vorteile: zerstörungsfreie Bearbeitung wie immer bei Smartobjekten und zahlreiche äußerst wirksame Automatikfunktionen, die Ihnen viel Handarbeit sparen. Ich zeige Ihnen anhand der»touristenweg-funktion«median im Detail, wie Sie vorgehen. Wenn Sie einen der anderen Smartobjekt- Stapelmodi nutzen wollen, gehen Sie ähnlich vor. Zum Weiterlesen: Bildstapel und HDR Mehr über Bildstapel, Repositionierung und die Automatische Überblendung lesen Sie im gedruckten Buch in Kapitel 23.1,»Inhaltsbasiert: Ebenen automatisch ausrichten«. Wie Sie HDR-Fotos erzeugen, steht in Kapitel 23.4,»HDR Bilder mit realitätsgetreuem Luminanzumfang«. Schritt für Schritt: Störende Bildelemente zerstörungsfrei retuschieren Um eine der smarten Stapelfunktionen anzuwenden, brauchen Sie eine Bilderserie vom gleichen Motiv. Die Aufnahmen müssen nicht exakt deckungsgleich sein es ist also durchaus möglich, einmal ohne Stativ Beispieldateien:»Bryggen_01.JPG«bis»Bryggen_08.JPG«im Ordner Bryggen 1
aus der Hand zu fotografieren, sollten jedoch vom gleichen Standort geschossen werden. Im Beispiel sehen Sie ein Holzhaus aus Bergen in Norwegen. Das Hanseviertel Bryggen ist selten ganz menschenleer das Weltkulturerbe ist ein Touristenmagnet. Hier zeige ich Ihnen, wie Sie die Passanten verschwinden lassen. Das Verfahren funktioniert auch mit anderen bewegten Elementen wie beispielsweise Autos. Wichtig ist, dass Ihnen eine Serie vorliegt, bei der jede wichtige Bildpartie einmal frei von störenden Objekten (Touristen, Autos, Radler ) ist. G Abbildung 1 Einige der Beispielbilder aus der Bryggen-Serie. Wir würde das Holzhaus wohl ohne Passanten aussehen? 1 Bilder als Ebenen in einer Datei stapeln Als erstes suchen Sie sich in der Bridge die Bilder, die Sie zusammenfügen wollen, aus und markieren Sie. Wählen Sie dann den Befehl Werkzeuge Photoshop Dateien in Photoshop-Ebenen laden. Photoshop öffnet sich, die Einzeldateien werden dann als Ebenen in eine neue, gemeinsame Datei geladen. Je nach Anzahl und Größe der Bilder kann das einige Augenblicke dauern. 2
F Abbildung 2 Die Bilder sind in der Bridge ausgewählt und werden mit dem Befehl Dateien in Photoshop-Ebenen laden zusammengefügt F Abbildung 3 Aufbau der neuen Datei 2 Bilder in Deckung bringen Ganz gleich, welche der smarten Stapelfunktionen Sie später nutzen wollen: damit es funktioniert, müssen die Motive genau deckungsgleich übereinanderliegen. Das Ausrichten der Ebenen müssen Sie jedoch nicht per Hand erledigen, dazu gibt es eine Autmatik. Markieren Sie zunächst alle Ebenen in der Ebenenpalette und wählen Sie dann den Befehl Bearbeiten Ebenen automatisch ausrichten. Im Dialogfeld wählen Sie in jedem Fall die Option Auto. 3
Abbildung 4 E Ob die Optionen Vignettierungsentferung und Geometrische verzerrung das Ergebnis verbessern, ist motivabhängig einfach ausprobieren. Beim Bild wird die Arbeitsfläche automatisch vergrößert, damit die verrückten Bildebenen genug Platz haben. Die entstandenen ungleichmäßigen Bildkanten können Sie später beschneiden. Abbildung 5 E Bild und Ebenenaufbau 4
3 Ebenen zu einem Smartobjekt vereinen Lassen Sie die Ebenen markiert. Wählen Sie den Befehl In Smartobjekt konvertieren entweder aus dem Kontextmenü der Ebenenpalette oder im Menü unter Ebene Smartobjekte In Smartobjekt konvertieren. F Abbildung 6 Konvertieren der Ebenen in ein Smartobjekt G Abbildung 7 Das neu entstandene Smartobjekt erkennbar am Quadratsymbol in der Miniatur enthält nun alle Bildebenen. Um die Ebenen des Smartobjekts erneut zu erreichen, genügt ein Doppelklick auf die Smartobjekt-Miniatur. Die Datei mit allen Ebenen öffnet sich dann in einem neuen Fenster und kann dort bearbeitet werden. Nach dem Speichern werden diese Änderungen auch in das Smartobjekt übernommen. Schritt für Schritt: Smarten Stapelmodus anwenden Alle bisherigen Arbeitsschritte waren Vorbereitung. Nun passiert das Wesentliche: Wählen Sie den Befehl Ebene Smartobjekte Stapelmodus Median. Die Funktion sucht nach den Elementen, die in allen Ausgangsebenen gleich sind. Abweichende Elemente, die sich von Ebene zu Ebene unterscheiden, werden eliminiert. Durch die Vielzahl der zugrundeliegenden Ebenen entstehen dabei jedoch keine»löcher«, die retuschiert werden müssen. Die Passanten verschwinden einfach aus 5
dem Bild. Je nach Umfang der Datei kann die Berechnung auch hier wieder einige Zeit in Anspruch nehmen. Abbildung 8 E Das Bild nach der Median- Berechnung Alle Passanten, die vor dem gelben Holzhaus vorbeiliefen, sind verschwunden. Die beiden Banksitzer und die zwei stehenden Frauen links im Bild wurden nicht herausgerechnet sie haben sich während der Aufnahmeserie nicht vom Fleck bewegt. Hier hilft nur manuelle Retusche oder eine bessere Aufnahmeserie. Zum Abschluss sollten Sie das Bild noch beschneiden und natürlich speichern. 6
F Abbildung 9 Die beschnittene Version Weitere Bearbeitungsmöglichkeiten mit Smartobjekt-Stapelmodi Im Menü Ebene Smartobjekte Stapelmodus finden Sie neben der im Schritt-für-Schritt-Workshop benutzten Funktion Median noch zahlreiche andere Stapelmodi mit recht exotischen, in jedem Fall nicht selbsterklärenden Namen. Was können Sie damit anfangen? Die grundlegenden Arbeitsschritte sind dieselben wie im Workshop beschrieben: einen Ebenenstapel aus Dateien erzeugen, bei Bedarf exakt ausrichten (wenn Sie mit einem Stativ gearbeitet haben, ist das in der Regel unnötig), die Ebenen in ein Smartobjekt verwandeln, Stapelbefehl wählen. Welchen Befehl Sie wählen, hängt von der Aufgabe ab. Einige der Funktionen sind sehr speziell, manche aber durchaus alltagstauglich: E Den oben vorgestellten Befehl Median können Sie auch zur Rauschunterdrückung verwenden. G Abbildung 10 Smartobjekt-Stapelmodi 7
EE EE Zur Rauschunterdrückung geeignet ist außerdem Arithmetisches Mittel. Mit Maximum können Sie helle Bildbereiche in ein ansonsten eher dunkles Bild hineinrechnen, etwa um bei einer Gewitter-Serie die Blitze mehrerer Einzelbilder zu einem dramatischen Gesamtbild zu kombinieren. Weitere detaillierte Infos zu den einzelnen Funktionen finden Sie in der Photoshop-Hilfe. 8