YACHT-test Saffier 26

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Transkript:

YACHT-test Saffier 26 Die Werft Saffier Maritiem baut ihr Kerngeschäft weiter aus. Der klassische Daysailer Saffier 26 soll ursprünglichen, simplen Segelspaß für Aktive bieten Dicht dran 68 Ya c h t 1 8 / 2 0 0 8

Selten. Klassisches Heck und ein Rad auf dem nur acht Meter langen Boot Ya c h t 1 8 / 2 0 0 8 69

YACHT-test saffier 26 Effizient. Die einfachen Schotführungen für Groß und Traveller reichen aus E s gibt sie noch, die kleinen, feinen Werftbetriebe, die sich wacker im Schatten der großen Massenproduk tionen halten und mit immer neuen Ideen und frischen Ansätzen diejenigen Lücken zu füllen versuchen, die von den Großen der Branche übrig gelassen werden. Wer in der Oberliga nicht mitspielen will oder kann, muss häufig in die Nische flüchten. Das setzt Mut voraus und feines Gespür für besondere Produkte. Und genau dies ist die Stärke zum Bei spiel von Saffier Maritiem. Das kleine Fami lienunternehmen in IJmuiden an der hollän Versteckt. Alle Funktionen sind unter Deck geführt, so auch das Achterstag Versenkt. Die Rollanlage für das Vor segel ist im Bug eingelassen dischen Nordseeküste kümmert sich seit vie len Jahren recht erfolgreich um die Bedürf nisse von Kunden, die das einfache, unkom plizierte Segelvergnügen suchen, die sport lich unterwegs sein wollen, aber nicht un bedingt Regat ten gewinnen müssen. Bei Saf fier Maritiem gehen jene Segler ein und aus, denen ein gutes Schiff mit hübscher Op tik wich tiger ist als Volumen, Wohnkomfort oder Rennwerte. Saffier 8,0, mit denen die Werft insbesondere die Segler auf Hollands flachen Binnenrevie ren glücklich macht. Mit der Saffier 32 (Test in YACHT 9/2006) findet sich seit Anfang 2006 zudem eine richtig bewohnbare Fahr ten yacht mit Innenausbau im Programm. Mit dem jüngsten Projekt kehrt Saffier Maritiem jedoch wieder zurück zu den Wur zeln, dem Daysailing. Die neue Saffier 26 erfüllt al le dafür nötigen Vorgaben: simple Bedienung, handige Bootsgröße, überschau bare Bordtechnik, uneingeschränkte Ein handtauglichkeit und immerhin minimaler Wohnkomfort unter Deck. Daysailer in Reinkultur Bekannt sind vor allem die kleinen, offenen und halb offenen Kielboote Saffier 6,5 sowie Praktisch. Die Schoten und Fallen laufen ausnahmslos auf die Podeste im Cockpit 70 Ya c h t 1 8 / 2 0 0 8 Variabel. Die große Sprayhood schützt bei Schlechtwetter. Das Teakdeck erhält der Kunde nur gegen Aufpreis

Schick. Der neue Daysailer von Saffier gefällt optisch mit seinen klaren, unverbauten Linien. Auf einen Kajütaufbau wird gänzlich verzichtet. Die Steuerung mit Ruderrad gibt es auf Wunsch. Standard ist die einfachere Pinnensteuerung Das Boot ist fast schon zu lebendig. Anfänger werden damit üben müssen Bei Saffier Maritiem haben die Brüder Dennis und Dean Hennevanger längst die Führung des Werftbetriebs von ihrem Vater Richard übernommen. Sie kommen aber stets gern auf das Wissen und Können ihres alten Herrn zurück, etwa wenn es darum geht, ein neues Schiff zu zeichnen. Der Senior arbeitet noch ohne Computer und komplizierte Designprogramme, einfach so, auf einem Stück Papier. Die Entwürfe werden anschließend nochmal von einem Konstruktionsbüro überarbeitet, vor allem hinsichtlich der Struktur- und Balanceberechnungen. Auch die neue Saffier 26 stammt aus der Feder von Richard Hennevanger. Der dürfte damit allerdings nicht so viel Arbeit gehabt haben, denn der Rumpf des neuen Bootes wird in derselben Form gebaut wie die Kaskos der Saffier 8,0. Darunter werden dann wahlweise zwei verschiedene Bleikiele gebolzt. Ein breiter Flossenkiel mit 1,03 Meter Tiefe oder, schlanker und sportlicher, ein Performance-Kiel mit Ballastbombe und 1,30 Meter Tiefgang. Spannender ist die Gestaltung an Deck. Trotz seiner Schlupfkajüte mit drei oder vier Schlafplätzen bleibt das Boot gemäß seiner Ausrichtung als offener Daysailer gewollt ohne Aufbau. Bei der Saffier 8,0 ist das anders. Sie hat einen Kajütaufbau und ist deshalb das deutlich wohnlichere und mehr auf Cruising ausgerichtete Boot im hausinternen Vergleich. Dafür steht auf der 26 eine große Sprayhood zur Verfügung, die bei Nichtgebrauch komplett in einer Garage vor dem Niedergang verschwindet. Optional ist zudem ein üppiges Cockpitzelt erhältlich, das die Außenzone vollständig schützt und bei Schietwetter den sonst eingeschränkten Wohnbereich erfreulich vergrößert. Ungewöhnlich, aber nicht ganz neu ist das Layout in der Plicht. Zwei zentrale Podeste links und rechts mit jeweils einer Batterie Fallenstopper und einer selbstholenden Winsch nehmen hier alle Schoten, Fallen und Trimmleinen auf, die ausnahmslos unter Deck zurück ins Cockpit geführt werden. Ein ähnliches System hat zum Beispiel schon die US-Werft Morris Yachts mit ihrer Interpretation des modernen Daysailers Morris 36 (Test in YACHT 12/2007) vorgestellt. Das Konzept ist gut und bedienerfreundlich. Der Steuermann hat auf diese Art alle Funktionen in seinem unmittelbaren Zugriff. Er steuert übrigens, wie auf dem Testschiff, an einem relativ großen Ruderrad. Das ist unüblich für ein Boot von nur acht Meter Länge, ja fast schon exotisch. Aller

YACHT-TEST SAFFIER 26 M E S SWE RT E T E C H N I S CH E DAT E N Segelleistungen ohne Abdrift und Strom Konstrukteur.... Richard Hennevanger CE-Entwurfskategorie.. C (küstennah) Lüa (Rumpflänge)............... 8,00 m Länge Wasserlinie (LWL)....... 7,00 m Breite............................... 2,44 m Tiefgang/alternativ....... 1,03/1,30 m Gewicht............................... 1,6 t Ballast/-anteil............. 0,78 t/49 % Großsegel........................ 19,0 m2 Selbstwendefock............... 14,0 m2 Maschine (Lombardini).. 9 kw/12 PS Am Wind (ca. 35 Grad) 5,9 kn 6,5 kn 60 Grad Windeinfall 7,0 kn 90 Grad Windeinfall 6,1 kn 120 Grad 180 Grad 2 kn 5,2 kn 4 kn 6 kn 8 kn 10 kn Windgeschwindigkeit: 18 kn (5 Bft.), Wellenhöhe: ca. 1,5 Meter Potenzial 4,9 STZ 1 4,0 Cruiser Performance-Cruiser 5,0 Trotz Selbstwendefock ist die Segeltragezahl mit 4,9 relativ hoch. Mit dem tiefen Performance-Kiel und dem schlanken Ruder zeigt die Saffier 26 sportliche Segeleigenschaften Kojenmaße Vorschiff 2,10 x 1,80/0,10 m 2,33 x 0,60 m Bänke seitlich Knapp Durchschnitt Komfortabel Dimensionslose Zahl. Berechnung: 2 S/3 V. Je höher der Wert, desto mehr Segelfläche (S) hat das Schiff in Relation zur Verdrängung (V) 2 Gemäß YACHT-Definition 1 Rumpf- und Decksbauweise GFK-Volllaminat (mit Iso-Polyester) für Rumpf. Deck als GFK-SandwichKonstruktion mit Schaumkern PR E I S U N D WE R FT Grundpreis ab Werft....... 59 850 Euro Preis segelfertig 2......... 62 465 Euro Garantie/gegen Osmose... 2/5 Jahre Werft und Vertrieb Saffier Maritiem, 1976 IJmuiden, Niederlande Tel. 0031/255 51 28 60 www.saffierjachten.com dings gibt es das Rad nur als Option. Standard ist eine Pinnensteuerung. Y-B E W E R T U N G Hübscher Daysailer in Retro-Optik. Die Segeleigenschaften sind überraschend gut, die Stabilität auffällig hoch. Der Preis ist angemessen Konstruktion und Konzept Å Attraktive Optik im Retro-Design Å Rundes und stimmiges Konzept Å Klare, kompromisslose Ausrichtung Segelleistung und Trimm Å Ungeahnt viel Potenzial Å Einfaches und sicheres Handling Å Hohe Steifigkeit am Wind Í Für einen Daysailer fast zu lebendig Wohnen und Ausbauqualität Å Das Nötigste ist vorhanden Å Varianten für mehr Komfort Å Vier Kojen im kleinen Boot Ausrüstung und Technik Å Radsteuerung als Option Å Reichlich Stauraum Å Verdeckte Schotführung Å Hochwertige Ausstattung Die Linienführung mit positivem Yachtheck ist knuffig. Im Wasser wirkt die Saffier 26 eleganter Im YACHT-Test vor IJmuiden zeigt die Saffier im aufkommenden Starkwind, was sie so auf der Pfanne hat. Ohne Murks und schnurgerade segelt die kleine Yacht bei 18 Knoten Wind und mehr durch die bereits auflaufende Dünung eines sich nähernden Sturmtiefs. Ein flaches Reff wäre im Großsegel vorgesehen, ist aber nicht nötig. Auch in den kräftigen Böen bleibt das Boot kursstabil und segelt sehr steif. Der Ballastanteil von satten 49 Prozent zeigt hier Wirkung. Und: Das Testboot ist mit dem tieferen Performance-Kiel ausgestattet. Überraschend gut sind außerdem die ermittelten Werte am Wind. Trotz hoher Wellen macht die Saffier 26 solide 5,9 Knoten Fahrt über Grund und wendet über einen erstaunlich engen Winkel von nur 70 Grad. Diese Daten allein würden den kleinen Daysailer eher in den Bereich schneller Sportboote kategorisieren. Etwas gewöhnungsdürftig ist die Arbeit am großen Steuerrad, wohl wegen der im Verhältnis dazu recht kurzen Bootslänge. Die Saffier 26 liegt bei den Testbedingungen sehr oder sogar zu agil auf dem Ruder und reagiert außerordentlich lebendig. Darüber hinaus ist bei den inkonstanten Winden eine schnelle Hand an der Großschot gefragt. Jollen- und Regattasegler kommen mit diesem Verhalten klar, Ungeübte dagegen dürften Probleme haben. Allerdings werden sie das Boot ja nicht zwangsweise bei fünf Windstärken und viel Welle über die Nordsee prügeln wollen. Und wenn doch, sitzt die Crew durch den hohen Süllrand gut geschützt und hinter der aufgespannten Sprayhood relativ trocken. Geräumig. Im nicht separierten Vorschiff schlafen auch zwei Personen bequem Optional. Eine Toilette unter dem Vorschiff wird bei Bedarf eingebaut Speziell. Der Motor ist invers installiert. Der Saildrive sitzt vor dem Aggregat Robuster Kreuzer 72 YA C H T 1 8 / 2 0 0 8

Der Komfort unter Deck ist bescheiden. Für den kurzen Törn aber reicht s allemal Das einfache Rigg von Sparcraft mit einer Salingspreize steht auf dem Deck und kann von Hand oder über eine optionale Jütt-Einrichtung ohne viel Aufwand gelegt werden. Gerade für die Segler auf Hollands Binnengewässern mit ihren zahlreichen Brücken ist dies ein erheblicher Vorteil. Die standardmäßige Schotschiene für eine Selbstwendefock macht das Boot zudem einfach segelbar und bedingungslos einhandtauglich. Das Vorsegel wird über eine unter Deck eingebaute Rollanlage aufgewickelt. Das sieht gut aus und verbessert die Performance. Wer gern sportlich segelt, bekommt gegen Aufpreis einen Gennaker mit den entsprechenden Schotführungen. Ebenfalls eher ungewöhnlich ist die Montage der Einbaumaschine weit achtern. Das Aggregat wird deshalb invers installiert, das heißt, mit dem Saildrive nach vorn. Ein Umkehrgetriebe sorgt dann für Schub in die richtige Richtung. Durch eine Klappe im achterlichen Cockpit ist die Maschine zudem sehr gut erreichbar. Für Fender, Festmacher, Schoten und Segel ist in der Achterpiek ein relativ geräumiger Staukasten ausgewiesen. Für kleinere Gegenstände sollen in der Serie zusätzliche Schwalbennester in die Süllumrandung eingelassen werden. Auf dem Testschiff war dies noch nicht der Fall. Unter Deck bleibt der Wohnkomfort wie bereits erwähnt bescheiden. Ein symmetrisches Grundlayout sieht vier einfache, aber ausreichend große Schlafplätze vor (mehr als zwei Meter lang), zwei im Vorschiff und zwei auf den seitlichen Sitzbänken. Auf Wunsch wird optional ein Kühlschrank eingebaut oder unter den Kojenbrettern im Vorschiff ein Pump-WC installiert. Auch unter Deck erweist sich das Angebot an gut nutzbaren Stauräumen für ein Boot dieser Größe als überdurchschnittlich. Die Saffier 26 ist ein sauber gefertigter, durchdacht konzipierter, sympathischer und vor allen Dingen gut segelnder Daysailer mit einer gelungenen, klassischen Optik. Etwas für Individualisten, die dem puren, unverfälschten Segelvergnügen den Vorzug geben. Die Option auf ein Steuerrad macht das Boot zudem zu etwas ganz Besonderem. Der Markt bietet kaum direkte Konkurrenz oder vergleichbare Projekte, deshalb ist die preisliche Einordnung schwierig. Für 59 850 Euro erhält der Kunde ein Schiff in ordentlicher Bauund Ausbauqualität, mit solider Grundausstattung sowie Einbaumaschine. Die Saffier 26 wurde von der Jury der elf wichtigsten europäischen Wassersportmagazine für die Wahl zu Europas Yacht des Jahres 2009 nominiert. Ob das kleine Boot den Vorschusslorbeeren gerecht werden kann, muss sich noch erweisen. Das Potenzial dafür ist allemal vorhanden. Michael Good Tests zu Vergleichsschiffen als PDF- Download: www.yacht.de/test Saffier auf der Hiswa te water: Stand AA 07 alle fotos: yacht/b. kolthoff; zeichnung: A. hoppenhaus Schlau. Der Kühlschrank wird in einem zusätzlichen Einbaumöbel platziert Überschaubar. Einfache, aber vollständige Bordtechnik im Niedergangsbereich