Video-Thema Begleitmaterialien



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Transkript:

ALTE BRÄUCHE IM ADVENT In den Alpen gibt es sehr alte Traditionen zur Advents- und Weihnachtszeit. Der deutsche Fotograf Carsten Peter hat in verschiedenen Regionen der Alpen in Deutschland, Österreich und der Schweiz recherchiert und stellt in seinem Buch Alpendämonen verschiedene Traditionen vor - unter anderem auch den Buttnmandllauf in Berchtesgaden. Jedes Jahr im Advent ziehen der Nikolaus und seine Begleiter hier verkleidet durch die Straßen. Die Masken und Kostüme sollen auch ein bisschen Angst machen. Sie sind laut und schwer zu bändigen. Die Buttnmandl und Kramperl unheilige Begleiter des Heiligen Nikolaus. Zwölf Kilometer legen sie an diesem Abend zurück. Mit dabei der deutsche Fotograf Carsten Peter. Seit vielen Jahren reist er durch die Alpen. Unzählige Bräuche und Riten hat er in dieser Zeit fotografiert. CARSTEN PETER (Fotograf): Es ist unheimlich von der Klangfülle, von der Archaik. Also, es ist einfach wild und mystisch und das zieht mich einfach an. Also, seit Kindesalter hat mich diese Magie fasziniert und dem spür ich einfach nach. Das Ergebnis hat Carsten Peter in einem Bildband veröffentlicht. In Alpendämonen zeigt er heimische Bräuche, die an fremde Kulturen erinnern. Dabei stammen sie aus Ländern wie Deutschland, Österreich und der Schweiz. CARSTEN PETER: Ich versuche irgendwie die Originalität von diesen Bräuchen zu filtern und herauszugreifen, also was wir vielfach, in vielen Bereichen der Alpen verloren haben. Und ich hoffe irgendwie auch, dafür einzutreten, dass diese Bräuche schützenswert sind. Man kann da auch nicht genug Aufmerksamkeit und Sympathie dafür erregen. Ein Jahrhunderte alter Brauch der ein eigenes Kunsthandwerk hervorgebracht hat. Maskenschnitzer Philipp Motz arbeitet das ganze Jahr über an den so genannten Larven, bis zu 450 Euro kann eine solche Holzmaske kosten. Getragen wird sie nur an einem Tag im Jahr. PHILIPP MOTZ (Maskenschnitzer): Das soll den Leuten schon ein bisschen einen Schrecken einjagen. Das ist schon ein bisschen dazu da, dass man etwas Respekt vor dem Ganzen hat. Seite 1/7

Am späteren Nachmittag, wenn es dunkel wird, bereiten sich die so genannten Bassen auf den Lauf vor. Auch bei der Rosenhofer Bass steigt die Aufregung. Gerade werden die letzten Buttnmandl in Stroh eingeschnürt. Das Ritual ist jedoch ein großes Geheimnis, Außenstehende sind unerwünscht. Für die Einheimischen aus dem Ort ist der Buttnmandllauf vor allem überliefertes Brauchtum. FRAU 1: Die jungen Burschen, die das machen, die machen das nicht für den Tourismus oder für die Kurgäste, sondern wirklich weil es ihnen unheimlich Spaß macht, obwohl es sehr anstrengend ist. Aber sie warten praktisch schon das ganze Jahr darauf. MANN: Ich bin selber gelaufen. Das ist einfach, wenn man das so anschaut faszinierend, das Geläut, was die haben, das ist einfach a Schau. FRAU 2: Der Brauch eben vom Buttnmandllaufen das ist halt das Schöne und das gehört eben dazu zum Advent. Es geht los. querfeldein zieht der Tross von Haus zu Haus. 18 Mann zählt die Rosenhofer Bass. Wer dazu gehören will, muss ledig und männlich sein. Wer nicht dazu gehört, sollte lieber das Weite suchen. CARSTEN PETER: Die wollen nicht, dass sie fotografiert werden, wenn die Larven irgendwie vorm Gesicht sind. Also, es gibt: Autsch! Es gibt alles Mögliche. Also hin und wieder wird man geschlagen, man wird auch verprügelt. Also, die sind uns noch wohlgesonnen. Das kann sich schnell ändern. Aber der Nikolaus bringt mit seinen Begleitern nicht nur Ärger. Im Haus von Familie Murr freuen sich die Kinder auf kleine Geschenke. Buttenmandl und Kramperl sind dabei, um den Kindern Respekt einzuflößen. NIKOLAUS: Ich erleb das immer, wenn sie ganz klein sind, sind sie ganz unbefangen und haben überhaupt keine Angst. Im Jahr danach hat man oft keine Chance, weil sie vor lauter Angst schreien und im Jahr drauf ist es wieder anders. Seite 2/7

Höhepunkt des Abends: die Ankunft der Bassen auf dem Marktplatz in Berchtesgaden. Wer jetzt noch unterwegs ist, bekommt die Rute zu spüren. CARSTEN PETER: Die sind wild, das gehört dazu. Man muss vor denen Angst haben. Wenn man keine Angst hat, dann hauen sie immer umso härter zu. Man wird s sehen. Ich werd s sehen. Ich werd wahrscheinlich von Striemen übersät sein. Also man sieht s: schwarz im Gesicht, Striemen überall. Aber die Mühe lohnt sich, wenn ein Bildband entsteht, der die eigene Tradition verblüffend fremd erscheinen lässt. Seite 3/7

GLOSSAR Advent (nur Singular, m.) der Zeit vor Weihnachten jemanden bändigen jemanden, der sehr wild ist, beruhigen/zur Ruhe bringen Buttnmandl eine traditionelle Figur in Berchtesgaden in Bayern, die Glocken, Stroh und eine Maske trägt und bei Umzügen im Advent vorkommt Kramperl eine traditionelle Figur in Berchtesgaden in Bayern, die eine Maske trägt, die Angst machen soll und bei Umzügen im Advent vorkommt der Heilige Nikolaus ein Heiliger der christlichen Religion, heute bringt er den Kindern in Deutschland am 6. Dezember kleine Geschenke etwas zurück legen hier: eine bestimmte Strecke gehen unzählige sehr viele Brauch, Bräuche (m.) die Tradition; etwas, was man immer zu einem bestimmten Anlass tut; das Ritual; der Ritus Ritus, Riten (m.) die Tradition; der Brauch, das Ritual Klangfülle (nur Singular, f.) die Kraft der Töne Archaik (nur Singular, f.) hier: die sehr alte Tradition mystisch geheimnisvoll jemanden an ziehen hier: interessant und spannend für jemanden sein Magie, n (f.) hier: der Zauber; das Geheimnisvolle jemanden faszinieren jemanden begeistern; interessant für jemanden sein einer Sache nach spüren ein Thema, das man interessant findet, verfolgen und Informationen darüber sammeln Bildband, -bände (m.) ein Buch mit Fotos Seite 4/7

heimisch hier: regional etwas filtern hier: etwas auswählen etwas heraus greifen etwas auswählen für etwas ein treten für etwas kämpfen; etwas unterstützen schützenswert so, dass man etwas schützen sollte, weil es wertvoll ist Sympathie für etwas erregen andere davon überzeugen, dass etwas gut und schön ist Kunsthandwerk, -e (n.) die Gebrauchskunst, eine Kunstrichtung, die kunstvolle Gegenstände macht, die man benutzen kann (z.b. Keramik) etwas hervor bringen für die Entstehung von etwas verantwortlich sein Maske, -n die Gesichtsbedeckung, die z.b. im Theater oder zu bestimmten traditionellen Festen verwendet wird; die Larve Schnitzer, -/Schnitzerin, -nen eine Person die Figuren aus Holz macht Larve, -n (f.) die Gesichtsbedeckung, die z.b. im Theater oder zu bestimmten traditionellen Festen verwendet wird; die Maske jemandem einen Schrecken einjagen jemandem Angst machen Bassen (Plural) regional: die Bezeichnung für die Personen, die verkleidet am Buttnmandllauf teilnehmen jemanden einschnüren hier: jemanden verkleiden; jemandem ein Kostüm anziehen Ritual, -e (n.) die Tradition; der Brauch; der Ritus Außenstehende, -n (m./f.) die Person, die nicht zu einer bestimmten Gruppe gehört Einheimische, -n (m./f.) die Person, die aus dem Ort/der Region kommt und dort wohnt überliefertes Brauchtum (nur Singular, f.) eine Tradition, die schon lange immer weitergegeben wurde Seite 5/7

Bursche, -n (m.) regional: der Junge; der junge Mann Kurgast, -gäste (m.) eine Person, die sich an einem Ort aufhält, um sich zu erholen unheimlich hier: sehr Geläut (nur Singular, n.) regional: die Glocken a (bayrischer Dialekt) eine Schau, -en (f.) eine Show; ein Schauspiel querfeldein nicht auf dem Weg/auf der Straße, sondern über Wiesen und Felder Tross, -e (m.) hier: der Zug von Personen durch die Straßen Bass (Singular, f.) regional: der Zug/die Gruppe von Buttnmadln, Kramperln und Nikolaus das Weite suchen weglaufen; flüchten Larve, -n (f.) die Gesichtsbedeckung, die z.b. im Theater oder zu bestimmten traditionellen Festen verwendet wird; die Maske Autsch! Ausruf des Schmerzes jemanden verprügeln jemanden schlagen jemandem wohlgesonnen sein freundlich zu jemandem sein jemandem Respekt einflößen jemandem Angst vor etwas machen unbefangen sein hier: nicht ängstlich sein die Rute zu spüren bekommen geschlagen werden härter stärker Striemen, - (m.) eine längliche Wunde, die man hat z.b. von einem Stock oder Gürtel übersät sein von etwas etwas in großer Zahl am Körper haben Mühe, -n (f.) die Anstrengung Seite 6/7

sich lohnen hier: sinnvoll sein; gut sein verblüffend überraschend; erstaunlich etwas als etwas erscheinen lassen etwas wie etwas aussehen lassen Autoren: Oliver Sallet/Bettina Schwieger Redaktion: Raphaela Häuser Seite 7/7