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Transkript:

EIN HOTEL FÜR OBDACHLOSE Das Drei-Sterne-Hotel Mozart in Brüssel ist ein besonderes Haus und das nicht nur wegen seiner orientalischen Einrichtung. Der Hotelbesitzer Ahmed Ben Adberahman lässt immer wieder Obdachlose kostenlos in seinem Hotel frühstücken oder in seinen Zimmern übernachten. Die anderen Gäste stört das nicht. Denn sie sind begeistert von der Hilfsbereitschaft des Hotelbesitzers. MANUSKRIPT ZUM VIDEO Eine Tasse Kaffee, ein Stück Brot, mehr braucht es nicht, damit Romain M Pembele sich als Mensch fühlt, als Gleicher unter Gleichen. Denn Romain ist eigentlich obdachlos einer am Rande der Gesellschaft, ohne Papiere, ohne Perspektive. Manchmal kann schon ein einfaches Frühstück die Welt bedeuten. Das ist ein unglaubliche Freude, eine ungeheure Befriedigung, in den Genuss der Nächstenliebe von Monsieur Ben zu kommen. Monsieur Ben oder einfach nur Ben, so nennen ihn alle: Eigentlich heißt er Ahmed Ben Adberrahman und kommt aus Marokko. Vor 19 Jahren hat er in Brüssel sein Hotel eröffnet und es Mozart genannt ein Stein gewordenes orientalisches Märchen. Ein Drei- Sterne-Hotel, so bunt wie Monsieur Bens Lebensgeschichte. AHMED BEN ADBERAHMAN (Hotelier): Die Hotels sind doch nicht immer voll! Vor allem im Winter, Januar, Februar, wenn es kalt ist, lasse ich die Menschen herein. Wissen Sie, ich versetze mich an ihre Stelle. Wenn sie mich dann mit dankbaren Augen ansehen, dann ist mir das eine Freude. Und so öffnet Ben seine Tür für Menschen in Not. Jeder bekommt hier ein Frühstück und oft auch ein Zimmer, egal, ob er bezahlen kann oder nicht. Und bisher hat sich noch keiner der zahlenden Gäste beschwert, sagt Ben im Gegenteil. WEIBLICHER GAST: Das ist doch fantastisch. Ich wünschte, es gäbe mehr Menschen wie ihn. Seite 1/5

MÄNNLICHER GAST: Darüber kann man doch nur froh sein! Es gibt so viel Unglück in der Welt. Es ist immer das gleiche Lied: ohne Aufenthaltserlaubnis keine Arbeitserlaubnis, ohne Arbeit keine Aufenthaltserlaubnis. Dabei hatte Romain jahrelang Arbeit in einem Malereibetrieb. Doch irgendwann gab s nicht mehr genug zu tun sein Chef musste ihn entlassen. Die Arbeitserlaubnis war damit weg. Nach einem halben Jahr konnte er seine Wohnung nicht mehr bezahlen und landete auf der Straße. Über das Leben auf der Straße spricht Romain nicht viel. Und wenn, dann vermeidet er fast ängstlich, über sich selbst zu sprechen, erzählt nur von den anderen vom Leben auf der Straße allgemein. Hier, am Hintereingang einer Kirche im Zentrum Brüssels, hatte er seinen Schlafplatz viele Monate: ein gefährliches Leben. Wissen Sie, wenn Jungs zu sieben oder acht sind und angetrunken, dann kann alles passieren! Die drehen durch, werden gewalttätig, regen sich über alles auf. Die kümmern sich einen Dreck um das Leben der Leute, die hier schlafen. Die Schlafplätze sind picobello sauber und aufgeräumt. Die Leute, die hier schlafen, sagt Romain, sind keine Clochards: keine Drogen, kein Alkohol, sondern einfach nur Pech im Leben. Auf der anderen Seite der Kirche, zeigt uns Romain, liegen die, denen der Alkohol das Leben kaputtmacht. Es sieht anders aus dort. Dann traf Romain Ben. Sieben Monate ist das her. Seitdem lebt Romain hier. Ein Dach über dem Kopf, ein richtiges Bett, eine saubere Dusche. Romain wird diesen Moment nie vergessen. Das ist besser als bei mir zu Hause! Dusche im Zimmer und ein Fernseher! Als ich hier rein kam und das Bild vom Soldaten gesehen habe, habe ich gedacht: Voilà! Das muss ich tun: nicht aufgeben und kämpfen! Und so zieht er los, bewaffnet mit seinen Papieren. Mit niemand Geringerem als der Präsidentin des belgischen Senats will er reden. Und der Polizist am Haupteingang schickt ihn nicht weg, sondern erklärt freundlich den Weg zum Besuchereingang. Vielleicht ist es die Anwesenheit unserer Kamera, aber tatsächlich kommt nach einiger Zeit jemand, um sich Romains Fall anzuhören, und verspricht, sich darum zu kümmern eine Riesenüberraschung. Seite 2/5

Ich bin sehr zufrieden. Ich habe den Sprecher der Senatspräsidentin getroffen. Das ist ein Schritt nach vorn. Und dann geht es Romain wieder wie so vielen vor ihm im Hotel Mozart: Er muss warten auf den Anruf vom Senat hoffen darauf, dass endlich etwas besser wird in seinem Leben. Das Warten, sagt er, ist das Schwerste. Seite 3/5

GLOSSAR Obdachloser, Obdachlose/Obdachlose, - jemand, der keine Wohnung hat und auf der Straße lebt (Adjektiv: obdachlos) einer am Rande der Gesellschaft jemand, der kein Mitglied der Gesellschaft ist, sich nicht als Teil der Gesellschaft empfindet oder von anderen gesehen wird Perspektive, -n (f.) die positive Aussicht die Welt bedeuten sehr wichtig sein ungeheuer hier: sehr groß Befriedigung (f., nur Singular) das Vergnügen; die Freude in den Genuss von etwas kommen etwas Positives erfahren/erleben dürfen Nächstenliebe (f., nur Singular) die Hilfsbereitschaft gegenüber Fremden Monsieur, -s (m., Französisch) Herr ein Stein gewordenes Märchen gemeint ist hier: ein reales Bauwerk, das so aussieht, als könnte es auch in einer Geschichte vorkommen orientalisch hier: so, dass etwas dem traditionellen prächtigen Baustil des Nahen Ostens entspricht sich an die Stelle von jemandem versetzen überlegen, wie es einer anderen Person geht und wie sie sich fühlt sich beschweren einer dritten Person sagen, was eine andere Person Negatives gemacht hat immer das gleiche Lied sein; etwas ist immer das gleiche Lied etwas Negatives passiert immer wieder in der gleichen Art und Weise; negative Ereignisse bewirken weitere negative Ereignisse Aufenthaltserlaubnis, -se (f.) hier: die Genehmigung, in einem Land bleiben zu dürfen Arbeitserlaubnis, -se (f.) die Genehmigung, in einem Land arbeiten zu dürfen Seite 4/5

auf der Straße landen hier umgangssprachlich für: seine Wohnung verlieren und obdachlos werden etwas vermeiden etwas nicht tun angetrunken sein Alkohol getrunken haben und sich deshalb anders verhalten als normalerweise durch drehen hier: sich nicht mehr normal verhalten; sich verrückt verhalten sich über etwas/jemanden auf regen sich über etwas/jemanden ärgern sich einen Dreck um jemanden/etwas kümmern sich überhaupt keine Gedanken darüber machen, ob das eigene Verhalten etwas/jemanden schädigt picobello (auch: picobello sauber) sehr sauber; sehr ordentlich Clochard, -s (m., französisch) hier: negative Bezeichnung für der/die Obdachlose voilà (französisch) gemeint ist hier: das ist es! genau! auf geben sich nicht mehr bemühen; nicht mehr weiter für etwas kämpfen; resignieren los ziehen hier: losgehen; sich auf den Weg machen mit etwas bewaffnet ausgerüstet mit etwas, das man für einen bestimmten Zweck benötigt niemand Geringerer als jemand jemand, der eine hohe Stellung hat oder sehr wichtig ist Senat, -e (m.) hier: Teil des belgischen Parlaments Fall, Fälle (m.) hier: die Situation ein Schritt nach vorne sein ein erster Erfolg sein Autoren: Veit-Ulrich Braun/Stephanie Schmaus Redaktion: Shirin Kasraeian Seite 5/5