3. Element: Luft (18. März) Guten Abend, liebe Schwestern und Brüder. Wir haben uns zur dritten Abendmeditation zusammengefunden. In dieser Betrachtung umkreisen wir ein wenig das dritte antike Element : Die Luft. Die Luft ist etwas Besonders gegenüber den anderen drei Elementen. Sie ist da aber man kann sie nicht sehen. Sie ist unsichtbar, aber in ihrer Wirkung sehr stark spürbar. Sogar spürbarer als alle anderen Elemente, die wir sehen können. Das wird uns sofort deutlich, wenn wir für kurze Zeit wie wir sagen die Luft anhalten. Luft anhalten, bedeutet: wir unterbrechen ihr Ein- und Ausströmen in und aus unserem Körper. Kein Element ist so sehr an unserem Leben dran wie die Luft, die wir andauernd ein- und ausatmen. Sogar wenn wir schlafen! Liebe Schwestern und Brüder, wir kommen bei der Betrachtung des Elementes Luft gar nicht umhin, einmal die Luft an zu halten. Wir müssen dieses unsichtbare Element, das uns umgibt, einfach einmal anhalten, um seine lebensbedeutende Ein- und Auswirkung leibhaftig zu spüren.
Dazu werde ich gleich einen zarten Cymbelton erklingen lassen, bei dem wir anfangen, die Luft anzuhalten. Nach genau 30 Sekunden erklingt der Cymbelton ein zweites Mal, bei dem wir uns dann wieder für den Luftstrom öffnen. Dreißig Sekunden sind nicht lang, aber sie machen doch deutlich, wie sehr die Luft zu unserem Leben gehört. Also beginnen wir: Cymbelton 30 Sekunden Luft anhalten Cymbelton Luft anhalten so spüren wir bald, heißt Leben anhalten. Ein Leben, das nicht weitergeht, ist bald tot. Nach dieser kleinen Übung spüren wir, wie wichtig das Ein- und Ausatmen von Luft ist. So wird uns auch das folgende Bibelwort in seiner Bedeutung klarer, welches vom Beginn des menschlichen Lebens spricht. Lesung aus dem Buch Genesis : Da formte Gott, der Herr, den Menschen aus Erde vom Ackerboden und blies in seine Nase den Lebensatem. So wurde der Mensch zu einem lebendigen Wesen. (Gen 2, 7) LIED : GL-Nr.: 242 1 + 2 Luft lässt uns leben; macht uns zu einem lebendigen Wesen. So verkündet es die Heilige Schrift. Aber sie sagt noch mehr. Sie verkündet: Das Leben kommt von Gott. Gottes Lebensatem wird uns in die Nase geblasen.
Wir sollen also wissen: Jeder Atemzug ist ein Ein- und Ausatmen von Gottes Odem, von Gottes Lebensatem. Unser Leben ist Leben durch Gott und mit Gott. Gott lebt unser Leben mit. Jeder Atemzug ist ein Einströmen von Gottes Lebenswillen: Ich will, dass Du lebst!. Ob wir das jemals so bedacht haben? Vor lauter Atemholen, vor lauter Selbstverständlichkeit vergessen wir, dass jeder Atemzug laut Bibel das Einströmen des göttlichen Lebens in uns ist. Liebe Schwestern und Brüder, auch diese Einsicht verlangt geradezu nach einer leibhaftigen Erfahrung also nach einer bewusst machenden Atemübung. Denn es wäre fatal, wenn wir das Selbstverständlichste - das Atemholen - unserem Unterbewusstsein allein überließen, obwohl wir gerade gehört haben: Gott erhebt das Selbstverständlichste das Atemholen in den Rang einer göttlichen Lebensgabe. Das sollten wir uns wirklich bewusst machen! Ist es nicht wunderbar, uns überall, wo wir uns auch befinden, bewusst machen zu können: Gottes Lebensgabe strömt in mich ein! Gott ist bei mir in meinem ununterbrochenen Atmen und Atem! Gott will geradezu mit diesem unsichtbaren Element seine unsichtbare Gegenwart deutlich machen. Darum lade ich Euch, liebe Schwestern und Brüder, ein, unter einer bewussten Atemanleitung, das Einströmen der Atemluft wahrzunehmen ebenso das Ausströmen, um einmal ganz bewusst wahrzunehmen : Gott strömt in mich ein. - Einatmen Ich nehme ihn auf. - Anhalten Dann hauche ich aus. - Ausatmen
Wenn ich also sage: Gott strömt in mich ein, dann atmen wir ein. Wenn ich sage: Ich nehme ihn auf, dann halten wir den Atem kurz an. Und wenn ich sage: Dann hauche ich aus, lasse ich die verbrauchte Luft ausströmen. Das wiederholen wir im Zeitraum von einer Minute. ATEMÜBUNG - 1 Minute - Liebe Schwestern und Brüder, diese bewusst machende Übung können wir immer wieder am Tag durchführen. Luftholen wird dann zu einem Glaubensakt, zu dem Vertrauen: Gott strömt in mich ein. Eine Minute für den Odem Gottes das könnte viel verändern. Es könnte Erholung sein, Einströmen von Frieden, Durchatmen mit Gott. So wird Gottes Wort in uns einströmen: Er blies in seine Nase den Lebensatem. Die 3. Strophe des Liedes: Ich steh vor Dir mit leeren Händen Herr..., die wir nun singen, macht das deutlich. Es heißt: Du bist mein Atem, wenn ich zu Dir bete. LIED : GL-Nr.: 621, 3
Ein großer Künstler Johann Sebastian Bach hat ein Stück komponiert, das vielleicht viele von uns kennen. Es will Luft in Musik umsetzen. Er nannte sein Stück Air, das englische Wort für Luft. Hören wir uns einmal musikalisch jenes unsichtbare Element Luft an. Vielleicht hilft uns dieser musikalische Luftzug, ganz friedlich zu atmen und Gottes Odem in uns klingen zu lassen. Versuchen wir beim Hören ganz bewusst und ruhig zu atmen. Air von J. S. Bach einspielen Du bist mein Atem, wenn ich zu Dir bete. So endete vorhin das Lied mit seinem Text. Beten ist das Einatmen und Ausatmen mit Gott. Lasst uns nun beten. Lasst uns das Gespräch mit Gott einatmen. Denn unsere Seele braucht diese Luft, dieses Durchströmen der Gegenwart Gottes. ALLE: Guter Gott und Vater Einatmend nehme ich wortlos den Lebensatem auf. Einatmend schweige ich. Ausatmend spreche ich zu Dir. Mit dem empfangenen Odem fange ich an zu sprechen und lobe Dich. Du kommst mir mit Deiner Lebensgabe zuvor. Dein Odem schenkt mir Leben. Dein Atem macht mich sprechend, damit ich reden kann. Schenke mir immer diesen Lebensvorgang:
Dass ich Dich einströmen lasse und dann daraus lebe und handle. Ströme in mich ein, damit alles aus Deinem Geist entsteht. Gib mir nicht nur einen langen Atem, sondern Deinen ewigen Odem und mache mir bewusst dass Du bei jedem Atemzug mein Leben erfüllst. Amen. LIED : GL-Nr.: 279, 4 + 5 (auf Melodie 241) Liebe Schwestern und Brüder, Luft trägt auch obwohl sie wie ein Nichts erscheint. Man sieht sie nicht. Man spürt sie nicht, aber doch trägt sie und ü b e r t r ä g t auch. Schauen wir zunächst nur mal eine Feder an. Die Vögel schwingen sich damit in die Luft. Feder in der Luft gleiten lassen Aber die Luft trägt nicht nur. Sie überträgt. Jeder von uns kann das erfahren.
Hauchen wir nur einmal die eigene Hand an. Hand anhauchen Die Luft überträgt die Wärme. So wird der Hauch, die Luft, der Wind zum Symbol des Geistes, der Leben, Wärme, Liebe, aber auch neues Denken in das Herz der Menschen überträgt. Am bedeutendsten ist die Luft für uns als Überträgerin des Duftes. Duft und Luft sind nicht nur sehr ähnlich klingende Worte. Sie gehören untrennbar zueinander. Ein Duft macht deutlich, dass Luft da ist. In der Kirche wird aber die Luft manchmal auch sichtbar. Die unsichtbare Luft wird sichtbar im Weihrauch. Sein Dunst lässt die Luft Gestalt annehmen und man spürt, wie die Luft den Duft weiter trägt. Darum lassen wir einmal die Luft sichtbar werden im Weihrauchopfer. Es symbolisiert die Wandlung durch Hingabe. Das Weihrauchopfer ist kein Opfer zum Untergang, sondern zum Aufstieg in der Luft und zur Verbreitung von Duft. Weihrauch auf Kohle legen Seht Ihr? Das Unsichtbare wird sichtbar. Und es steigt auf.
Die Kirche sagt: Erkenne darin, dass Dein Vertrauen in Gott, also Deine unsichtbare Beziehung sichtbar wird. Mehr noch, sie wird hörbar, erkennbar wird in Deinen Gebeten, in Deinen Liedern, in deinen Handlungen aus dem Glauben. Lass Deine unsichtbare Beziehung sichtbar werden wie Weihrauch die Luft sicvhtbar macht. Der Geist, der Dich durchweht, nehme Gestalt an und breite sich aus wie Weihrauchduft im Gotteshaus. Darum wollen wir nun Beten: Für alle, die mit Gott leben, als wäre es ein Ein- und Ausatmen. Für alle, die seinen Geist durch ihre Gedanken wehen lassen. Für alle, die frischen Wind in die Kirche bringen. Für alle, in deren Nähe man nicht aufatmen kann. Für alle, die keinen frischen Wind zulassen wollen. Für alle, deren Verhalten einem die Luft nimmt. Für alle, in deren Gegenwart man wieder zu Atem kommt. Für alle, deren Geist wie ein erfrischender Wind ist. Für alle, deren Geisteshauch, eingefrorene Beziehungen auftaut. Für alle stürmischen Menschen. Für alle Luftikusse. Für alle windigen Menschen. Für alle, die an seelischer und körperlicher Atemnot leiden.
Für alle, die in den letzten Zügen liegen. Für alle, die heute Nacht ihr Leben aushauchen VATERUNSER GEBET in KREUZESFORM SEGEN: Der Herr wehe wie frische Luft durch Eure Gedanken. Er schenke Euch den langen Atem seiner Liebe und lasse Euch so im Glauben leben, dass die unsichtbare Welt durch Euren Lebenswandel sichtbar werde. Das gewähre Euch der Dreieinige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. AMEN. SCHLUSSLIED: GL-Nr.: 830, 3 Ausklang mit Air-Suite von J.S. Bach