Lehrbrief für Fußball-Schiedsrichter

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Transkript:

Ausgabe 48 Vorteil und der verzögerte Pfiff Art: Einführungsreferat mit anschließender Partnerarbeit (ggf. Arbeit in Gruppen), Videoanalyse Dauer: ca. 75 Minuten Teilnehmer: beliebig viele Anspruch: Weiterbildung für Schiedsrichter aller Klassen Material: Arbeitsblätter 1 3, Flipchart, Edding (ggf. Metaplanwand, Moderatorenkarten, Folien, OHP), 10 DFB-Videoszenen, Laptop, Beamer, Leinwand Günther Thielking Hagen, Cuxhaven Carsten Voss Berlin Liebe Freunde, noch liegt auf einigen Sportplätzen tiefer Schnee, die Spielfelder dort sind kaum bespielbar und etliche Spiele müssen abgesagt werden - und doch beginnen in diesen Tagen die ersten Schiedsrichter sich intensiver als sonst auf die Spiele der Rückrunde, aber auch auf die in den nächsten Monaten anstehenden Prüfungen vorzubereiten. Für sie gilt im Sport, wie auch in zahlreichen anderen Bereichen des Lebens das geflügelte Wort Stillstand bedeutet Rückschritt. Nur wer an sich arbeitet, wer übt, wer lernt und nach vorn schaut, der wird in seiner Aufgabe als Schiedsrichter erfolgreich arbeiten können und damit Motivation für die Tätigkeit als Unparteiischer sammeln können. Sicherlich gibt es eine große Zahl von Menschen, die das Amt Schiedsrichter um seines selbst Willen ausüben. Sie leiten ihre Spiele ausschließlich aus Begeisterung für die Sache, ohne das Ziel, am Ende der Saison aufzusteigen. Andere wiederum wandern, schwimmen, segeln oder joggen nur so, weil es ihnen Freude bereitet. Doch auch sie alle wollen sich in ihrer Tätigkeit verbessern und werden erfahren, dass sie nur durch regelmäßiges Training und durch kontinuierliche Aktivitäten ihre Fähigkeiten und Leistungen steigern können. Für uns Schiedsrichter bedeutet dies, dass wir uns in unserem Hobby ständig weiterzubilden haben, wir müssen an Lehrgängen und Lehrabenden teilnehmen. Nur so können wir im Verlauf jeder Fortbildung bestehendes Wissen auffrischen und neue Kompetenzen erwerben. Auf diese Weise gelingt es uns, unser Leistungsvermögen durchgängig zu verbessern und mehr Freude an unserer Tätigkeit zu bekommen. Bedingung dafür ist jedoch, dass wir unsere Aufgaben ernst nehmen. Basis jeder Tätigkeit einer Schiedsrichterin und eines Schiedsrichters sind die körperliche Fitness, wie auch ein umfangreiches, qualifiziertes Regelwissen. Über weitere Qualifikationen wie eine sichere Kommunikationskompetenz, die Fähigkeit, die Spielregeln umzusetzen, oder auch die Kenntnis 1

der obligatorischen administrativen Aufgaben haben wir in anderen Lehrbriefen bereits gesprochen. Zusätzlich zu diesen Fähigkeiten gibt es im Regelwerk zum Teil im Wortlaut, aber auch in der Interpretation der 17 Spielregeln Bereiche, deren Kenntnis ebenfalls einen guten Unparteiischen ausmachen. Hierzu gehören die Anwendung von Vorteil gemäß Regel 5 (Rechte und Pflichten) und der vertretbare Einsatz vom verzögerten Pfiff. Wir beschäftigen uns deshalb im Lehrbrief 48 mit diesem Thema und geben wieder Arbeitshilfen und Anregungen für eine abwechslungsreiche Lehrarbeit. Dazu bieten wir in Zusammenarbeit mit Heinz Willems einige Videoszenen, die eine interessante Arbeit zum Thema Vorteil möglich machen. 1. Einleitende Worte Vorteil - eher ja - eher nein? Diese kurze Formel macht deutlich, dass die Anwendung von Vorteil, aber auch der Einsatz vom verzögerten Pfiff nicht als absolut wertfreie Entscheidungen gesehen werden können. Immer spielen hierbei mehr als sonst subjektive Wertungen des Schiedsrichters in die Entscheidungsfindung hinein. Er muss u.a. abwägen: Wie stellt sich der Spielcharakter beim Zweikampfverhalten der Spieler dar, wie sind die Platzverhältnisse, welche Dynamik steckt in dem jeweiligen Spiel. Auch denken wir zu begrenzt, wenn wir ein sicheres Erkennen von Vorteil als Ergebnis aus reichlich Erfahrung, Übersicht und Glück ansehen. Wer die Entscheidung auf Vorteil in einem Fußballspiel auf diese drei Faktoren begrenzt, für den wäre die Lehreinheit in diesem Lehrbrief unnötig. Denn die Erfahrung eines Unparteiischen ist nicht zuletzt das Ergebnis eines ständigen Lernprozesses, verbunden mit zahlreichen eigenen Erlebnissen, regelmäßigen Fortbildungen und einer Vielzahl von Gesprächen mit anderen Unparteiischen. Sie ist ebenso wenig in einer einzigen Lehreinheit erlernbar, wie ein sicheres Auftreten in Konfliktsituationen oder die gezielte Ansprache an Spieler. Sicher können in einer solchen Einheit Hilfestellungen zum Auftreten des Schiedsrichters gegeben werden, so z.b. Hinweise zur Körpersprache, zur Rhetorik. Doch den sicheren Umgang mit den Aktiven und Offiziellen von der ersten bis zur letzten Minute erlernt ein Schiedsrichter erst mit der Zeit. Und das Glück? Selbstverständlich gehört auch ein gewisses Quäntchen Glück zu einer gelungenen Entscheidung auf Vorteil, ebenso wie der richtige Pfiff bei einer knappen Abseitsentscheidung oder das Erkennen eines eigentlich kaum wahrnehmbaren Handspiels. Doch wer sich als Schiedsrichter vorrangig auf sein Glück verlässt, den wird der Erfolg sehr schnell verlassen, der wird als Unparteiischer nicht akzeptiert. Dabei ist die Vorteilsbestimmung von der untersten Spielklasse bis zum bezahlten Fußball eine der Vorgaben unserer Spielregeln, in denen der Sinn und Geist des Fußballspiels am deutlichsten wird. Ziel eines Spieles ist es nämlich, dass eine möglichst hohe effektive Spielzeit erreicht wird, in der die Mannschaft Spielvorteile erhält, die im Rahmen der Spielregeln handelt. Wer 2

jedoch gegen die Spielregeln verstößt, der darf daraus nicht auch noch einen Vorteil bekommen sei es durch einen unterlassenen Pfiff, durch den diese Mannschaft in Ballbesitz kommt oder durch einen Pfiff, der den Spielrhythmus des Gegners stört. So gehört die Umsetzung der sogenannten Vorteilsbestimmung zu den Aufgaben eines Schiedsrichters, bei der oft vom Fingerspitzengefühl gesprochen wird. Was sich hinter diesem Begriff beim Thema Vorteil verbirgt, das zu erkennen ist eines der Ziele der folgenden Lehreinheit. 2. Vorüberlegungen zum Thema 2.1. Auszüge aus dem Regelwerk Die Grundlage zur Anwendung von Vorteil und vom verzögerten Pfiff wird in Regel 5 gegeben. Dort geht das Regelwerk auf die Vorteilsbestimmung ein. Es heißt unter Rechte und Pflichten : Der Schiedsrichter hat von einer Spielunterbrechung abzusehen, wenn dies von Vorteil für dasjenige Team ist, gegen das sich das Vergehen richtete, und das ursprüngliche Vergehen zu bestrafen, wenn der erwartete Vorteil zu diesem Zeitpunkt nicht eintritt. Einige Abschnitte weiter geht die FIFA dann auch noch in einem besonderen Abschnitt auf dieses Thema ein und gibt unter der Überschrift Vorteil konkrete Hinweise. Der Schiedsrichter hat also die Möglichkeit, nach einem Vergehen sofort Vorteil zu gewähren oder einen kurzen Moment zu warten, wie sich die Situation entwickelt (verzögerter Pfiff). In den Auslegungen seitens der FIFA heißt es weiter: Der Entscheid zur Ahndung des ursprünglichen Vergehens ist innerhalb der nächsten paar Sekunden zu treffen. Dabei werden diese Sekunden im Regeltext nicht näher spezifiziert, so dass dem Schiedsrichter ein sicher zeitlich begrenzter Raum (in der Vergangenheit bis 3 Sekunden) gewährt wird. Wichtig für den Unparteiischen ist in diesem Zusammenhang, dass es sich bei der Anwendung der Vorteilsbestimmung um eine Tatsachenentscheidung handelt. Die Spieler haben keinen Anspruch und kein Recht darauf, ob der Schiedsrichter diese Bestimmung anwendet oder ob er das Spiel nach einer Regelübertretung unterbricht. Eine große Schwierigkeit liegt sicher darin, dass er bei der Zumessung einer solchen Entscheidung innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde Faktoren gegeneinander abzuwägen hat, die für oder gegen die Anwendung der Vorteilsbestimmung sprechen. 2.2. Praktische Hinweise Der Schiedsrichter muss zugleich beachten, dass es regeltechnische Vorgaben gibt, die Vorteil ausschließen. So darf diese Bestimmung z.b. nicht angewendet werden, wenn der Ball unkorrekt ins Spiel gebracht wurde, wenn er das Spielfeld für einen Augenblick verlassen hat oder wenn der Schiedsrichter das Spiel durch einen Pfiff unterbrochen hat. Hat sich der Schiedsrichter jedoch auf Vorteil entschieden und die Voraussetzungen durch die Spielregeln sind gegeben, so sollte er das den Spielern deutlich machen. Dies kann durch ein 3

Handzeichen oder durch einen Ruf erfolgen. Dabei bietet sich eher der Ruf als Signal an, denn die Spieler sind oft so mit dem Spiel beschäftigt, dass sie das Handzeichen nicht wahrnehmen. Dabei sollte der Schiedsrichter jedoch den Begriff Vorteil nicht benutzen, denn wenn sich dieser Vorteil zum Nachteil für die betroffenen Mannschaft entwickelt, so fühlen sich die beteiligen Spieler durch das Verhalten des Schiedsrichters benachteiligt. Besser ist der Ruf: Weiterspielen! Schließlich bleibt die Feststellung, dass eine gekonnte Anwendung der Vorteilsbestimmung als ein Qualitätsmerkmal für einen sehr guten Schiedsrichter anzusehen ist. Diese Entscheidung, ein Spiel laufen zu lassen, darf jedoch auf keinen Fall als Alternative zu einer unpopulären Entscheidung getroffen werden. Besteht zudem die Gefahr, dass aus einem vermuteten Vorteil für die betroffene Mannschaft eher ein Nachteil wird, so sollte der Schiedsrichter besser das Spiel unterbrechen und den fälligen Freistoß oder gar Strafstoß verhängen. 3. Lernziele 3.1. Grobziele Die Teilnehmer sollen erkennen, dass dem Schiedsrichter, im Rahmen der Regel 5, beim Anwenden von Vorteil ein Ermessensspielraum bei der Umsetzung des Regelwerkes gegeben wird, der eine besondere Sensibilität und ein hohes Maß an Verantwortlichkeit beinhaltet. 3.2. Feinziele Die Teilnehmer......sollen sich mit dem in Regel 5 (Auslegungen der FIFA) gegebenen Begriff Vorteil auseinandersetzen....müssen erkennen, dass es Faktoren gibt, die eine Entscheidung auf Anwendung der Vorteilsbestimmung eher positiv beeinflussen....müssen wissen, dass die Anwendung der Vorteilsbestimmung den Spielern durch ein deutliches Zeichen mitgeteilt werden soll....müssen erkennen, dass es Faktoren gibt, die eine Entscheidung auf Anwendung der Vorteilsbestimmung eher negativ beeinflussen, so dass der Schiedsrichter das Spiel besser unterbricht....müssen wissen, dass der Schiedsrichter im Rahmen der Regel 5 die Möglichkeit hat, nach einem Vergehen einen kurzen Moment zu warten, ehe er das Spiel doch noch unterbricht....müssen wissen, dass es Regelvorgaben gibt, die die Anwendung der Vorteilsbestimmung ausschließen. 4. Didaktisch / methodische Hinweise 4.1. Didaktische Vorüberlegungen Unter der Überschrift Rechte und Pflichten in Regel 5, wie auch bei den dazugehörigen Entscheidungen des IFAB wird dem Schiedsrichter aufgezeigt, dass ihm während eines Fußballspieles bei der Bewertung von Vorteil ein Ermessensspielraum zugestanden wird. Er muss dabei nicht nach einem exakt vorgegebenen Regeltext entscheiden. Er hat in solchen Situationen nach dem Sinn des Fußballspiels und der Logik der Spielregeln zu fragen. Konkrete Regelvorgaben zur 4

Entscheidung auf Vorteil gibt es nicht. Es heißt lediglich: Der Schiedsrichter kann bei jeglichem Vergehen Vorteil geben. Etwas später werden dazu Aspekte aufgeführt, die ihm die Entscheidungsfindung erleichtern sollen. Für jeden Unparteiischen ist es deshalb wichtig, dass ihm hierzu Hilfen im Rahmen der Lehrarbeit gegeben werden. Er muss trennen können zwischen Entscheidungen, die unumstößlich als Fakt vorgegeben sind und eben diesem Ermessensspielraum, der nicht selten kritische zu hinterfragende Entscheidungen von ihm fordert. Geht der Ball knapp über die Seitenlinie oder hat der Schiedsrichter nach einer Regelübertretung das Spiel bereits unterbrochen, so ist es unbedeutend ob ein Spiel 1:0 oder 10:0 steht - die jeweiligen Sanktionen bzw. Spielfortsetzungen sind festgelegt und müssen umgesetzt werden. Eine Anwendung der Vorteilsbestimmung wäre hier ein Regelverstoß. Wie aber hat der Schiedsrichter zu entscheiden, wenn ein Abwehrspieler auf der eigenen Strafraumlinie versucht, seinen Gegner festzuhalten, dieser jedoch noch eine gute Möglichkeit hat, den Ball ins Tor zu spielen? Wie ist diese Situation bei schwer bespielbarem Boden zu bewerten - ist Vorteil und Weiterspielen sinnvoller? Oder wäre der Strafstoß der größere Vorteil? Gibt es bei der Bewertung solcher Situationen Unterschiede in den Spielklassen? Hat ein Spieler in der 8. Kreisklasse die gleichen körperlichen Voraussetzungen, die gleiche Athletik, die gleiche Standfestigkeit wie ein Spieler der höchsten Verbandsklasse - wieweit sind diese Überlegungen bei der Gewährung von Vorteil zu berücksichtigen? Diese Vorüberlegungen machen deutlich, dass das Thema Vorteil immer mal wieder zur Lehrarbeit gehören muss, um den jungen wie älteren Schiedsrichtern diese Problematik deutlich zu machen. 4.2. Methodische Schritte Ziel einer Einleitung mit einem Impulsreferat muss es sein, bei den Teilnehmern mit konkreten Beispielen das Interesse für die folgenden Inhalte der Einheit zu wecken. Diese müssen nicht in jedem Fall aktuell sein, wichtig ist die inhaltliche Aussage des jeweiligen Vorganges. So bietet sich beim Thema Vorteil als Einstieg die Szene beim Finale der Champions-League 2006/07 an, als der deutsche Torwart Jens Lehmann im Spiel gegen den FC Barcelona den Angreifer Samuel Eto o zu Fall brachte, um einen Treffer zu verhindern. Schiedsrichter Terje Hauge pfiff sofort, obwohl der Ball unmittelbar danach noch ins Tor gespielt wurde. Er hatte damit eine klare Vorteilssituation unterbunden. Außerdem gibt es in jeder Einleitung zu einer Lehreinheit wichtige Hinweise zum Ablauf bzw. zur Organisation der gesamten Einheit. Bei der weiteren Behandlung des Themas unter der Frage Vorteil eher ja oder nein werden in Arbeitsphase 1 in Partnerarbeit spontan Kriterien zur Entscheidungsfindung herausgearbeitet. Dies ist arbeitsteilig (Arbeitsauftrag 1: Vorteil - eher ja bzw. Arbeitsauftrag 2: Vorteil - eher nein) zu leisten. Hierfür sind nicht mehr als 10 Minuten 5

einzuplanen. Die Ergebnisse werden dann von jeweils zwei Teilnehmern, die zu Auftrag 1 bzw. Auftrag 2 zusammen gearbeitet haben, im Gespräch im Plenum an einer Tafel (Flipchart, Metaplanwand, bei großer Teilnehmerzahl mit Folie und OHP) vorgestellt und besprochen. Der Lehrwart greift nur zurückhaltend, korrigierend in den Vortrag mit der Aussprache ein. 4.2.1. Arbeit in Gruppen Bei kleineren Teilnehmerzahlen am Lehrabend bzw. in einer Fortbildung sind diese Kriterien zur Entscheidungsfindung in jedem Fall von den Teilnehmern in Kleingruppen selbst herauszufinden! Dies kann in den Gruppen auf Moderatorenkarten oder an einem Flipchart erfolgen und danach im Plenum vorgestellt werden. Hier ist eine ähnliche Arbeitsform wie o.a. zu sehen (Siehe Arbeitsblatt 1). Es muss auch hier gelten: Der Lehrwart ist nur Lernhelfer und nicht Selbstdarsteller. Lerninhalte und Lernziele müssen am besten von den Schiedsrichtern selbst erarbeitet werden! 4.3. Analyse von Videoszenen Zur Visualisierung an aktuellen, konkreten Beispielen bieten sich als Abschluss dieser Lehreinheit die auf Arbeitsblatt 2 aufgeführten Szenen an. Eine erste Bewertung dieser Szenen hat nach zweimaligem Abspielen von einem der Teilnehmer zu erfolgen. An besonders markanten Situationen ist die Szene beim zweiten Abspielen anzuhalten. Die anschließende Besprechung erfolgt prozessorientiert im Plenum. Hierbei sind u.a. die oben herausgefundenen Entscheidungskriterien zu berücksichtigen. Deshalb sollte der Lehrwart alternative Fragen zulassen: Wie würdest du in der Situation in der Kreisklasse, in einem Jugendspiel, bei tiefem Boden, auf knüppelhart gefrorenem Platz, in einem extrem kampfbetonten Spiel, in einem überaus fairem Spiel entscheiden? Dieses Was wäre wenn? ist Fußballalltag und wird in jedem Spiel von jedem Schiedsrichter gerade bei der Frage nach Vorteil z.t. bewusst aber auch unbewusst in seine Entscheidungsfindung einbezogen. So wäre es fahrlässig, wenn ein Unparteiischer in einem überaus aggressiv geführten Spiel, mit zahlreichen hart geführten Zweikämpfen und nach mehreren Persönlichen Strafen zu viel Vorteil gewähren würde. So ein Spiel muss er konsequent und eher kleinlich leiten. 4.4. Abschluss Am Ende dieser Lehreinheit fasst der Lehrwart wie üblich den Ablauf des Lehrabends zusammen, gibt eine Bewertung der geleisteten Arbeit ab und lässt den Teilnehmern die Möglichkeit zu einem abschließenden Statement. Anschließend verteilt er das Arbeitsblatt 3 mit den Regelfragen zum Thema Vorteil und dem Hinweis, dass er die richtigen Antworten beim nächsten Lehrabend geben wird. 6

5. Ablauf der Unterrichtseinheit 5.1. Vorteil und der verzögerte Pfiff Lernphase / Aktivität Einstieg (Einleitung) Begrüßung, Informationen zum weiteren Verlauf der Lerneinheit Arbeitsphase 1 Arbeitsphase 2 Erarbeitung / Dialog / Vortrag Erarbeitung / Vortrag Ausstieg (Schluss) Zusammenfassung durch den Lehrwart Inhalte Hinweise auf Regelvorgaben zum Thema und den Ermessensspielraum bei der Frage nach Vorteil Fragestellungen entsprechend Arbeitsblatt 1 Videoszenen Hinweise auf Arbeitsblatt 2 (für den Lehrwart) 1. Reflexion der Lehreinheit 2. Ausgabe von Arbeitsblatt 3 mit Regelfragen zum Thema Vorteil Ziele Motivation für das Thema Erlernen bzw. Verfestigen von Kriterien, die bei der Bewertung von Vorteil von Bedeutung sind 1. Visualisieren der vorher theoretisch erarbeiteten Kriterien 2. Erkennen von Bewertungen bei Vorteilssituationen 1. Feedback für den Lehrwart 2. Wiederholen und Verfestigen der Arbeitsergebnisse Lehr-,, Sozial- formen, Methoden Frontalvortrag Partnerarbeit (evtl. Arbeit in Gruppen) anschl. Vortrag mit Aussprache im Plenum 1. Analyse von Videoszenen 2. Arbeit im Plenum mit Aussprache 1. Frontalvortrag mit Aussprache 2. Selbständiges Arbeiten außerhalb der Lehreinheit Medien Das gesprochene Wort Arbeitsblatt 1 Flipchart, Edding, Moderatorenkarten, Metaplanwand, Folie, OHP Videoszenen des DFB zum Thema Vorteil Laptop, Beamer, Leinwand Arbeitsblatt 3 mit Regelfragen zum Thema Vorteil 15 Minuten 25 Minuten 25 Minuten 10 Minuten 7

Arbeitsblatt 1: Vorteil und der verzögerte Pfiff Führe weitere konkrete Kriterien (Beispiele) an, die deine Entscheidung auf Vorteil mit eher ja bzw. eher nein beeinflussen Faktoren zur Entscheidung auf... Rahmenbedingungen vor einem Spiel (z.b. Platzverhältnisse, Tabellenstand, Spielklasse Spielphasen, Zeitpunkt im Verlauf des Spieles, Ergebnis Position auf dem Spielfeld Vorteil eher JA Sehr gut bespielbarer Rasen Vorteil eher NEIN Kampf gegen den Abstieg Qualität der Regelübertretung bzw. des Fouls Qualität des Spiels (kampfbetont, technisch stark) Altersstufe bzw. Spielklasse der Mannschaften Position des Schiedsrichters zum Geschehen..... 8

Arbeitsblatt 1: Vorteil und der verzögerte Pfiff - Mögliche Lösungen Führe weitere konkrete Kriterien (Beispiele) an, die deine Entscheidung auf Vorteil mit eher ja bzw. eher nein beeinflussen Faktoren zur Entscheidung auf... Rahmenbedingungen vor einem Spiel (z.b. Platzverhältnisse, Tabellenstand, Spielklasse Spielphasen, Zeitpunkt im Verlauf des Spieles, Ergebnis Position auf dem Spielfeld Qualität der Regelübertretung bzw. des Fouls Qualität des Spiels (kampfbetont, technisch stark) Altersstufe bzw. Spielklasse der Mannschaften Position des Schiedsrichters zum Geschehen... Vorteil eher JA Sehr gut bespielbarer Rasen Mannschaften aus dem Mittelfeld Ruhige Zuschauer Höhere Spielklassen Freundschaftsspiel Ab der 20. Minute Bei klarem Ergebnis In der Angriffshälfte Bei leichten Regelübertretungen (Halten, Stoßen) Bei technisch guten Mannschaften Bei ruhig verlaufendem Spiel Bei jüngeren Jugendmannschaften Bei 1. und 2. Mannschaften Nah am Geschehen Vorteil eher NEIN Hart gefrorener Boden Kampf gegen den Abstieg Untere Kreisklasse In den ersten Minuten Bei Unentschieden wenn beide Mannschaften die Punkte benötigen Im Strafraum bei Strafstoß Im Strafraum für die verteidigende Mannschaft In Höhe der Mittellinie Schwere Vergehen, die zu Verletzungen führen können (Treten, Beinstellen) Bei kampfbetont spielenden Mannschaften Bei aggressiv verlaufendem Spiel Bei unterklassigen Mannschaften, Ü40 - Mannschaften Aus großer Distanz 9

Arbeitsblatt 2: Vorteil und der verzögerte Pfiff Analyse von DFB - Videoszenen zum Thema Vorteil Bearbeitet die vorgeführten Szenen unter folgenden Aufgabestellungen: 1. Berichtet den Ablauf der Szene 2. Wie reagiert der Schiedsrichter bzw. das Schiedsrichter-Team? 3. Führt Kriterien an, die bei der Entscheidungsfindung eher Vorteil bzw. eher kein Vorteil in der jeweiligen Szene eine Rolle spielen. 4. Welche Entscheidung hat der Schiedsrichter eurer Meinung nach in der jeweiligen Situation auf der Grundlage dieser Kriterien zu treffen (begründet diese)? Vorgehen: 1. Betrachtet die jeweilige Szene zunächst vollständig. Haltet sie in einem zweiten Durchlauf zu dem unten stehenden Zeitpunkt an und besprecht sie dann. 2. Macht euch beim Ansehen bzw. danach zusammen mit eurem Tischnachbarn einige wenige Notizen zu den gestellten Fragen zu den Szenen (Dauer max. 2 Minuten). 3. Tragt sofort nach jeder Szene mit zusammenhängenden Worten eure Ergebnisse im Plenum vor und beantwortet Fragen der Teilnehmer. 4. Der Lehrwart teilt danach die Entscheidung des DFB zu der jeweiligen Szene mit und begründet diese. 1. Szene Nr. 10344 FC Energie Cottbus Karlsruher SC 2. Szene Nr. 11923 TSG 1899 Hoffenheim FC St. Pauli 3. Szene Nr. 13620 Frauen-WM 2011: England Frankreich 4. Szene Nr.20922 SpVgg Greuther Fürth Erzgebirge Aue 5. Szene Nr. 22811 1. FC Kaiserslautern Hamburger SV 10

6. Szene Nr. 23220 Borussia Dortmund Borussia Mönchengladbach 7. Szene Nr. 23529 EURO 2012: Spanien Italien 8. Szene Nr. 30505 Hannover 96 1. FC Nürnberg 9. Szene Nr. 31509 VfR Aalen 1860 München 10. Szene Nr. 31510 (11.16.) FC Augsburg Bayern München 11

Arbeitsblatt 2: Vorteil und der verzögerte Pfiff - Für den Lehrwart Analyse von DFB - Videoszenen zum Thema Vorteil Bearbeitet die vorgeführten Szenen unter folgenden Aufgabestellungen: 1. Berichtet den Ablauf der Szene 2. Wie reagiert der Schiedsrichter bzw. das Schiedsrichter-Team? 3. Führt Kriterien an, die bei der Entscheidungsfindung eher Vorteil bzw. eher kein Vorteil in der jeweiligen Szene eine Rolle spielen. 4. Welche Entscheidung hat der Schiedsrichter eurer Meinung nach in der jeweiligen Situation auf der Grundlage dieser Kriterien zu treffen (begründet diese)? Vorgehen: 1. Betrachtet die jeweilige Szene zunächst vollständig. Haltet sie in einem zweiten Durchlauf zu dem unten stehenden Zeitpunkt an und besprecht sie dann. 2. Macht euch beim Ansehen bzw. danach zusammen mit eurem Tischnachbarn einige wenige Notizen zu den gestellten Fragen zu den Szenen (Dauer max. 2 Minuten). 3. Tragt sofort nach jeder Szene mit zusammenhängenden Worten eure Ergebnisse im Plenum vor und beantwortet Fragen der Teilnehmer. 4. Der Lehrwart teilt danach die Entscheidung des DFB zu der jeweiligen Szene mit und begründet diese. 1. Szene Nr. 10344 FC Energie Cottbus Karlsruher SC Anhalten nach 5 Sek. Der Spieler Nr. 26 vom FC versucht einige Meter hinter der Mittelinie einen Angreifer des KSC durch einen Tritt zu Fall zu bringen. Dieser kommt ins Stolpern und kann den Ball gerade noch einem Mitspieler (Nr. 35) kontrolliert zuspielen. Vor ihm befinden sich mehrere Abwehrspieler des FC. Unter Berücksichtigung des bis dahin fairen Spiels hätte der Schiedsrichter nicht unterbrechen sollen, denn es entwickelt sich aus dieser Situation ein guter Angriff mit einem Tor. Vorteil wäre hier die richtige Entscheidung gewesen. 2. Szene Nr. 11923 TSG 1899 Hoffenheim FC St. Pauli Anhalten nach 2 Sek. / 13 Sek. Der Spieler Nr. 13 (FC) führt den Ball am Fuß wenige Meter vor dem Strafraum der TSG und wird von einem Abwehrspieler zu Fall gebracht. Der gut postierte Schiedsrichter erkennt, dass die mitgelaufene Nr. 18 (FC) die Chance hat, in eine erfolgversprechende Position zum Tor zu kommen. Er lässt zu Recht Vorteil gelten und gibt das Tor. Die Nr. 25 (TSG) bekommt nach der Torerzielung die Gelbe Karte. 3. Szene Nr. 13620 Frauen-WM 2011: England Frankreich Anhalten nach 6 Sek. In Höhe der Mittellinie verliert Nr. 10 (England) den Ball an Nr. 15 (Frankreich). Als Nr. 15 diesen annimmt und zur Seite spielt, wird sie von Nr. 10 getreten und kommt zu Fall. Mehrere englische Abwehrspielerinnen stehen für die französische Mannschaft noch auf dem Weg in Richtung englischem Strafraum. Da in dieser Position ein Vorteil kaum gegeben ist, hätte die Schiedsrichterin hier eingreifen müssen. Wenn sich das Vergehen in der Nähe des Strafraumes von England ereignet hätte und bei einem bis dahin fairen Spielcharakter wäre auch Vorteil möglich gewesen. 12

4. Szene Nr.20922 SpVgg Greuther Fürth Erzgebirge Aue Anhalten nach 13 Sek. Ein Spieler der SpVgg legt sich im Mittelfeld den Ball zu weit vor und kann ihn nicht mehr kontrollieren. Als ihm Nr. 17 (Aue) entgegenkommt, tritt der Spieler von Fürth nach dem Ball und trifft Nr. 17 unkontrolliert auf den Oberschenkel. Vorteil und Weiterspielen ist ausgeschlossen, denn bei einem derartigen brutalen Foul muss das Spiel unterbrochen werden. Entscheidungen: Rote Karte und direkter Freistoß. 5. Szene Nr. 22811 1. FC Kaiserslautern Hamburger SV Anhalten nach 24 Sek. / 26 Sek. S Einen vor dem Torraum quer gespielten Ball kann Nr. 11 (HSV) auf das Tor schießen. Nr. 25 (FCK) wehrt diesen Schuss mit dem Arm ab und verhindert damit eine klare Torchance. Unmittelbar danach kann Nr. 7 (HSV) den abprallenden Ball ins Tor schießen. Auf Grund der Schnelligkeit, mit der diese Szene abläuft, kann der Schiedsrichter nicht eingreifen, wendet Vorteil an und gibt das Tor. Die Gelbe Karte gegen die Nr. 25 (FCK) hätte gezeigt werden müssen. 6. Szene Nr. 23220 Borussia Dortmund Borussia Mönchengladbach Anhalten nach 17 Sek. Nr. 9 (BVB) führt den Ball seitlich links vom Strafraum von Mönchengladbach. Als er erkennt, dass sein Mitspieler Nr. 27 (BVB) in eine gute Position zum Tor läuft, spielt er diesem den Ball zu. Danach wird er von Nr. 39 (MG) zu Fall gebracht. Der Schiedsrichter, in einer sehr guten Position stehend, erkennt den Ablauf und gibt zu Recht Vorteil. Entscheidung ist Tor und Gelbe Karte gegen Nr. 39 7. Szene Nr. 23529 EURO 2012: Spanien Italien Anhalten nach 3 Sek. Ein Angriffsversuch, der noch in der eigenen Hälfte von Italien aufgebaut werden soll, wird durch ein taktisches Foul (Halten) von Nr. 17 (Spanien) in der Hälfte von Spanien gestört (am rechten oberen Bildrand). Hier ist kein Vorteil gegeben. Der Schiedsrichter hätte das Spiel unterbrechen müssen, um dem spanischen Spieler zu zeigen, dass er auch Situationen im Blick hat, die nicht im Bereich des Balles ablaufen. Entscheidungen sind Gelbe Karte gegen Nr. 17 (Spanien) und direkter Freistoß. 13

8. Szene Nr. 30505 Hannover 96 1. FC Nürnberg Anhalten nach 12 Sek. Spieler Nr. 11 (96) spielt den Ball quer vor dem Strafraum von Nürnberg eng am Fuß und wird von Nr. 3 (FCN) gehalten. Nr. 11 kommt kurz ins Stolpern, kann den Ball aber noch kontrollieren. Er umspielt danach einen weiteren Abwehrspieler und trifft dann ins Tor. Gute Anwendung von Vorteil. 9. Szene Nr. 31509 VfR Aalen 1860 München Anhalten nach 12 1 Sek. Wenige Meter hinter der Mittellinie wird Nr. 2 (Aalen) von Nr. 10 (1860 München) mit einem taktischen Foul (Halten) in seiner Ballführung erkennbar gehindert. Er kann den Ball aber noch kontrolliert zu einem Mitspieler spielen, der sich auf dem Weg zum gegnerischen Tor befindet und zu einem Torschuss kommt. Weiterspielen ist in dieser Situation der größere Vorteil als ein direkter Freistoß im Mittelfeld, bei dem die Abwehr genügend Zeit bekommt, eine Mauer zu bilden. 10. Szene Nr. 31510 (11.16.) FC Augsburg Bayern München Anhalten nach 24 Sek. Das Spiel des FC Bayern läuft in Richtung gegnerisches Tor, als der Ball im Strafraum von Augsburg von Nr. 39 (FCB) zu einem Mitspieler des Bayernspielers weitergeleitet werden soll. Im gleichen Moment reißt ein Abwehrspieler des FCA den linken Arm hoch und hält den Ball absichtlich und klar erkennbar auf. Jedoch pfeift der Schiedsrichter erst wesentlich später und gibt dann zu Recht Strafstoß. Aus der guten Position zum Geschehen hätte der Pfiff des Schiedsrichters deutlich schneller kommen müssen. Vorteil wäre nicht sinnvoll gewesen, da der Angriff der Bayern unterbrochen wurde und auch hier noch ein gegnerischer Spieler umspielt werden musste. 14

Arbeitsblatt 3: Vorteil und der verzögerte Pfiff - Regelfragen 1. Ein Angreifer läuft frei auf das gegnerische Tor zu und hat nur noch den Torwart vor sich. Als er in den Strafraum eindringt, versucht der Torwart, ihn zu Fall zu bringen. Der Angreifer gerät ins Stolpern, kann sich aber noch fangen und den Ball in Richtung leeres Tor spielen. 2. Ein Angreifer in einer sehr guten Position zum Tor wird im Strafraum von einem Verteidiger unsportlich festgehalten. Der Schiedsrichter pfeift und will Strafstoß geben. Da kann sich der Angreifer gerade noch losreißen und den Ball ins Tor schießen. 3. In Höhe der Mittellinie passt Spieler Nr. 6 den Ball seinem Mitspieler quer zu, der in einer Außenposition eine gute Chance hat, mit dem Ball in Richtung Tor zu laufen. Da wird Nr. 6 von einem Gegner mit einem heftigen Tritt in die Wade zu Fall gebracht. 4. Im eigenen Strafraum wird ein Abwehrspieler beim Versuch, den Ball mit einem langen Pass ins Mittelfeld zu spielen, zur Seite gestoßen. Der Abwehrspieler kann den Ball zwar noch abspielen, der jedoch fliegt unkontrolliert weit in die gegnerische Hälfte in Richtung Mitspieler. 5. Beim Stand von 6:1 in der 88. Minute für den FC Aue spielt deren Nr. 4 den Ball aus dem eigenen Strafraum heraus auf die linke Außenposition zu einem Mitspieler. Da wird Nr. 4 von einem Gegner heftig, unsportlich zur Seite gestoßen. 15

6. Nach mehreren Querpässen des FC Aue kommt es auf hart gefrorenem Boden vor dem Strafraum des SV Wupper zu einer Rangelei, wobei ein Abwehrspieler des SV seinen Gegner zu Fall bringt. Der Angreifer kann den Ball noch zu einem seitlich stehenden Mitspieler passen. 7. In einem Freundschaftsspiel beim Stand von 4:1 und sehr guten Platzverhältnissen will Spieler Nr. 8 an der Mittellinie den Ball seinem Mitspieler zupassen. Dabei versucht ein Abwehrspieler ihn durch Rempeln in den Rücken zu Fall zu bringen. Der Ball kann noch kontrolliert gespielt werden, dann fällt Nr. 8 hin. 8. Am letzten Spieltag kommt es zum Spiel FC Hunte SV Weser, bei dem es gegen den Abstieg geht. Nach hektischem, kampfbetontem Beginn wird in der 12. Min. die Nr. 7 (FC) von Nr. 3 (SV) im Mittelfeld zu Fall gebracht. Nr. 7 kann den Ball jedoch noch zu einem neben ihm frei laufenden Mitspieler passen. 9. Ein Spiel im Februar. Heftige Regenschauer und ein schwer bespielbarer Platz lassen kaum ein Kombinationsspiel zu. Da wird beim Stand von 0:0 ein Spieler des FC Weiß vor dem Strafraum des SV Rose festgehalten. Als der Schiedsrichter erkennt, dass sich der Angreifer noch losreißt und in den Strafraum eindringt, um den Ball an zwei Abwehrspielern vorbei in Richtung Tor zu schießen, ruft er laut Weiterspielen!. Der Ball jedoch geht weit am Tor vorbei. Handelte der Schiedsrichter richtig? 10. Ein Angreifer wird an der Seitenlinie von einem Verteidiger zur Seite gestoßen. Er kann den Ball aber noch am Fuß führen. Der Schiedsrichter unterbricht das Spiel zunächst nicht, um zu sehen, ob der Angreifer im Ballbesitz bleibt. Da rollt der Ball vom Fuß des Angreifers knapp über die Seitenlinie - der SR pfeift. 16