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Wie aus einem Ei ein Huhn wird Nach den Sommerferien begann der Unterricht für die 5. Klasse mit einem spannenden Projekt. Im Rahmen der Tierkunde wurde im Klassenzimmer ein Gehege aufgebaut, und die Schüler konnten in den folgenden Wochen miterleben, wie Hühnereier ausgebrütet wurden, die Küken ausschlüpften und grösser wurden. Die Klassenlehrerin Julia Schmid gibt nun einen Einblick in das Projekt, und dann kommen auch die Schülerinnen und Schüler zu Wort. Wir hatten in der 5. Klasse das Glück, mit einem grossen Projekt das neue Schuljahr zu beginnen. Wir erhielten am ersten Schultag von einem Bauernhof 20 Hühnereier. Jedes dieser Eier beschrifteten wir auf einer Seite mit einem+, auf der anderen Seite mit einem. Dann wurden die Eier in einen 38 40 Grad warmen Brutkasten gelegt und alle 8 Stunden gewendet. Durch die Beschriftung hatten wir eine Kontrolle: ohne dieses Drehen würde die Schale an das sich entwickelnde Küken anwachsen. 21 Tage beobachteten wir also die Eier, die in feuchter Wärme hin und her rotierten. Dass daraus ein Wesen entsteht, ist nicht fassbar und ein Wunder ohnegleichen. Wir alle sind gewohnt, beim Öffnen eines Eies Dotter und Eiweiss vorzufinden. Bei unseren Eiern entstand nach drei Wochen ein Riss in der Schale, und wir durften ganz genau sehen, wie sich ein Lebewesen mit Schnabel und feuchten Federn aus der Eierschale quälte. Oder um es mit Leandros Worten zu sagen: Wie kann aus einem Ei etwas so Fleischiges werden? 7
Dieses Alltägliche, Unglaubliche hat die ganze Klasse enorm berührt. Wir alle wissen mit dem Kopf, dass aus einem Apfelkern auch ein Apfelbaum entsteht, aus einem Ei ein Vogel, oder wie bei uns ein Huhn. Es aber wirklich vor sich zu sehen, ist nochmals eine ganz andere Geschichte. Aus dieser Ehrfurcht dem Leben gegenüber lässt sich dann auch ableiten, wie sorgfältig und liebevoll die Schüler mit den kleinen Küken umgegangen sind. Schaute ich am Anfang etwas beunruhigt zu den cholerischen, unruhigen Kindern, so konnte ich schon nach kürzester Zeit aufatmen. Alle bemühten sich, sanft zu den zarten Wesen zu sein. Die Klassengemeinschaft stützte einander, man konnte mit Necken und Streiten auch einmal bis zur grossen Pause warten. Schön war auch, wie Schüler aus anderen Klassen zu den Küken kamen und staunten. Aufbauend auf der Menschen- und Tierkunde von Rudolf Steiner haben wir uns im 4. Schuljahr ganz mit dem Menschen beschäftigt, um dann auf die Tiere zu sehen und auch zu bemerken, welch ein vielseitiges Wesen der Mensch ist. Das Tier aber ist ein Spezialist. Das konnten wir jetzt ein Schuljahr später in der Tierkunde nochmals anschaulich erleben: das Tier als fühlendes Wesen wahrnehmen, bewundern und auch wieder loslassen. Die Küken haben nun bei einem Schüler der Klasse einen guten Platz gefunden. 8
Zuerst haben wir den Brutkasten geholt, und dann haben wir die Eier angeschrieben mit + und -. Ohne die Küken ist es langweilig. Sie haben uns viel bedeutet. Dass aus einem Ei ein Küken schlüpfen kann, haben wir nicht gewusst. (Naim) Es ist spannend mit den Küken. Sie sind leider laut, sie piepsen. (Edward) Die Küken sind schön und machen manchmal laut pieps. Sie haben schöne Augen. Alle 9 Küken kommen zu Janik. Er kriegt die Weibchen und die Anderen kommen zum Bauernhof. Wie kann aus einem Ei etwas so Fleischiges kommen? (Leandro) 9
Ich habe ein Küken auf die Hand genommen, und es war einfach lustig. Sie haben auch viel geschlafen. (Luana) Wir haben die Eier in den Brutkasten gemacht, und wir haben gesehen, wie sie geschlüpft sind. Und ich bin traurig, dass sie gross sind, und nun kommen die weiblichen Hühner in Janiks Schrebergarten. (Jasmin) 10
Dass wir einem Küken beim Schlüpfen zusehen konnten, hat mir am Besten gefallen, und dass wir sie auch noch in der Hand halten durften. Wow! (Janik) 11
Die Küken waren beim Schlüpfen ganz nass und mussten erst trocken werden. Wir haben aus Karton einen Stall gemacht, und da sind sie gross geworden. Die Küken essen viel. (Melihate) Mir hat am Besten gefallen, dass sie da waren. Die Küken waren niedlich und klein. Ich habe sie gerne. (Carlotta) 12
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