Putz und Mörtel Allgemeines

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Transkript:

4.1 Allgemeines Monolithische Wände bestehen im Allgemeinen nicht nur aus dem eigentlichen Wandbildner. Baustoffe aus haufwerksporigem Leichtbeton werden in aller Regel außen und innen verputzt. Besteht die Wand aus herkömmlichem Mauerwerk, müssen die einzelnen Mauersteine durch einen geeigneten Mörtel kraftschlüssig miteinander verbunden werden. Erst aus der Kombination der genannten Baustoffe entsteht ein Wandsystem, das die unterschiedlichen bauphysikalischen Funktionen sicher und dauerhaft erfüllen kann. Außenwände schützen vor Witterungseinflüssen wie Kälte, Wärme und Regen, sie sind ein wichtiger Teil des optischen Gesamtbildes eines Hauses und tragen entscheidend zur Statik eines Gebäudes bei. Innenwände sorgen für ein behagliches Wohnklima und tragen zum Schallschutz innerhalb des Gebäudes bei. Damit diese Funktionen aber erfüllt werden können, müssen die physikalischen Eigenschaften des Wandbildners, des Mauermörtels und der verschiedenen Putze aufeinander abgestimmt sein, um Schäden, wie sie durch ungeeignete Kombinationen entstehen können, zu vermeiden. Putze und Mörtel sind in Deutschland seit vielen Jahren genormt, d. h. ihre Eigenschaften sind in umfangreichen Regelwerken festgelegt, die darüber hinaus Aussagen zu werkseigener Produktionskontrolle und Fremdüberwachung treffen. In den letzten Jahren wurden aber auch diese Produktgruppen von der Europäischen Normung erfasst. Wir befinden uns zur Zeit in einer Umstellungsphase, in der die nationalen Normen an die Vorgaben der Europäischen Regelungen angepasst werden müssen. So muss die Deutsche Mauerwerksnorm DIN 1053 im Bereich Mauermörtel der Europäischen Norm EN 998, Teil 2 entsprechen, während die Deutsche Putznorm, die DIN 18550 mit der EN 998, Teil 1 in Einklang gebracht werden muss. Deshalb sind in den folgenden Ausführungen zu Putz und Mörtel meist beide Normen nebeneinander genannt, da diese aufgrund der langen Übergangsfristen wohl noch mehrere Jahre verwendet werden. Putze und Mörtel bestehen aus einem Gemisch, das folgende Bestandteile enthält: - Bindemittel: meist Zement, Kalk und/oder Gips - Gesteinskörnungen: mit geschlossenem Gefüge (z.b. Natursande) oder offenporigem Gefüge (Leichtzuschläge, z. B. Liapor-Sande) - Zusatzmittel zur Verbesserung der Verarbeitungseigenschaften Während die Bindemittel für den Zusammenhalt und Festigkeit der Mischung sorgen, bringen die Gesteinskörnungen Volumen und sorgen für den inneren Aufbau, das Gefüge, des Baustoffs. Die Zusammensetzung dieser Mischung bestimmt maßgeblich die Eigenschaften, die ein Mauer- oder Putzmörtel nach seinem Abbinden hat. So kann z. B. über die Wahl der richtigen leichten Gesteinskörnungen die Wärmedämmung eines Leichtmauermörtels entscheidend beeinflusst werden. Im Folgenden soll zunächst auf die Anforderungen an die einzelnen Mauermörtel und auf deren Eigenschaften eingegangen werden.

4.2 Mauerm rtel 4.2.1 Eigenschaften und Anforderungen Entsprechend der EN 998 Festlegungen für Mörtel im Mauerwerksbau, Teil 2: Mauermörtel versteht man unter einem Mauermörtel ein Gemisch aus einem oder mehreren anorganischen Bindemitteln, Gesteinskörnungen, Wasser und gegebenenfalls Zusatzstoffen u./o. Zusatzmitteln für Lager-, Stoß- und Längsfugen, Fugenglattstrich und nachträgliches Verfugen. Innerhalb dieser allgemeinen Definition gibt es eine Reihe von Unterteilungen, die zum einen auf der Druckfestigkeit des abgebundenen Mörtels, zum anderen auf seiner Trockenrohdichte und schließlich auf der Anlieferungsform beruhen. Unterschiedliche Mauerwerksarten mit unterschiedlichen statischen Anforderungen werden mit Mörteln ausgeführt, die sehr stark in ihrer Druckfestigkeit varriieren können. Man unterscheidet entsprechend verschiedene Mörtelklassen, die die Mindestfestigkeit des Mörtels festlegen: Klasse M 1 M 2,5 M 5 M 10 M 15 M 20 M d Druckfestigkeit N/mm 2 1 2,5 5 10 15 20 d Alte MG nach DIN 1053 I II IIa III III III III d bedeutet eine vom Hersteller angegebene Druckfestigkeit, die höher als 25 N/mm 2 ist Bild

4.2 Mauerm rtel 4.2.1 Eigenschaften und Anforderungen Bisher galt für Mauermörtel die DIN 1053, deren Mörtelgruppen (MG) zum Vergleich in der unteren Zeile der Tabelle angegeben sind. Mörtel, deren Druckfestigkeit über einem Mindestwert von 10 N/mm² liegt, wurden bisher in die MG III eingeordnet. Grundsätzlich steigen die anderen wichtigen mörteltechnischen Kennwerte wie Biegezug- und Haftscherfestigkeit mit der Druckfestigkeit an. Für normales aufgehendes Mauerwerk aus Liaporsteinen der Festigkeitsklassen 2 und 4 wird normalerweise ein Mörtel verwendet, der sich in die Mörtelgruppe M 5 (IIa) einordnen lässt. Mörtel niedrigerer Festigkeitsklassen finden vor allem in der Altbausanierung und im Denkmalschutz Anwendung, Mörtel mit höheren Festigkeiten für Mauerwerk mit sehr hohen Anforderungen an die Tragfestigkeit. Als sog. Normalmauermörtel werden alle Mörtel bezeichnet, deren Trockenrohdichte über 1300 g/m³ liegt. Leichtmauermörtel dagegen nennt man alle Mörtel, deren Trockenrohdichte unter diesem Wert liegt. Sie werden mit leichter Gesteinskörnung hergestellt, die im Teil 2 der DIN 4226 bzw. DIN EN 13055-1 genormt sind. Mörtel, die Liaporsande als leichte Gesteinskörnung enthalten, eignen sich besonders gut zum Vermauern von Liaporsteinen, da sich Steine und Fugen dann nur wenig in ihren Eigenschaften unterscheiden. Auf diese Weise wird ein weitgehend homogenes Mauerwerk hergestellt, das z. B. einen guten, einheitlichen Putzgrund darstellt. Seit vielen Jahren sind in Deutschland im Wesentlichen zwei verschiedene Leichtmauermörtel im Gebrauch, die sich in ihrer Trockenrohdichte und der daraus resultierenden Wärmeleitfähigkeit unterscheiden: Leichtmauermörtel LM 36 LM 21 Eigenschaft Trockenrohdichte kg/dm 3 1000 700 (1) Bemessungswert der Wärmeleitfähigkeit W/(mK) 0,36 0,21 Mörtelklasse M 5 (IIa) M 5 (IIa) (1) Wert aus der Eignungsprüfung ± 10 % Der Bemessungswert der Wärmeleitfähigkeit λ geht in die Berechnung der Wärmeleitfägkeit des Mauerwerks und damit des U-Wertes (früher: k-wert) des Wandaufbaus ein. Für wärmedämmendes Außenmauerwerk wird daher fast ausschließlich Leichtmauermörtel LM 21 verwendet. Neben diesen genormten Mörteln wurden vor einiger Zeit noch leichtere und damit noch wärmedämmendere Leichtmauermörtel entwickelt, die als LM Ultra bezeichnet werden. Diese Mörtel besitzen einen Bemessungswert der Wärmeleitfähigkeit von 0,16 W/(mK) und können daher in Anlehnung an die Bezeichnungen in der DIN 1053 als LM 16 betrachtet werden. Diese Mörtel sind zur Zeit Bestandteil der bauaufsichtlichen Zulassungen von Mauersteinen und gehen dort in die Berechnung der Wärmeleitfähigkeit des Mauerwerks entsprechend ein (siehe Kapitel II Mauerwerk unter der jeweiligen Steinbezeichnung). Als drittes Kriterium zur Unterteilung der Mauermörtel gilt schließlich die Anlieferungs- bzw. Verarbeitungsform auf der Baustelle. Hier gibt es grundsätzlich 3 Formen:

4.2 Mauerm rtel 4.2.1 Eigenschaften und Anforderungen 4.2.1.1 Baustellenmörtel Dieser Mörtel wird direkt auf der Baustelle aus Bindemitteln, Gesteinskörnungen und Wasser gemischt. Meist werden diese Stoffe in Volumeneinheiten abgemessen, so dass die Mischung relativ starken Schwankungen unterliegt. Mörtel, speziell Leichtmauermörtel, mit exakt definierten Eigenschaften lassen sich auf diese Weise nur sehr schwer herstellen. Wir raten vor allem bei hochwärmedämmendem Außenmauerwerk davon ab, solche Baustellenmörtel zu verwenden. 4.2.1.2 Werktrockenmörtel Hier sind alle Trockenkomponenten des Mörtels in einem Herstellwerk bereits vorgemischt und werden auf der Baustelle lediglich noch mit Wasser zu einer verarbeitungsfähigen Konsistenz angemischt. Die Eigenschaften solcher Mörtel lassen sich genau einstellen, Schwankungen können daher weitestgehend ausgeschlossen werden. Üblicherweise werden Werktrockenmörtel im Silo mit Mischeinrichtung auf die Baustelle geliefert, es ist jedoch auch Sackware erhältlich. 4.2.1.3 Werkfrischmörtel Solche Mörtel werden im Herstellwerk bereits mit Wasser gemischt und in einer verarbeitungsfähigen Konsistenz geliefert. Sie enthalten Verzögerer, damit sie über einen längeren Zeitraum verwendet werden können, ohne anzusteifen. Auch diese Mörtel unterliegen nur geringen Schwankungen und erlauben die Herstellung von Mauerwerk mit exakten Eigenschaften. 4.2.2 Verarbeitung Mauerwerk besteht immer aus dem eigentlichen Wandbildner, dem Mauerstein, und dem Mörtel, der diese Steine kraftschlüssig verbindet. Früher war es üblich, die Steine sowohl horizontal als auch vertikal mit Mörtel zu verbinden, auf diese Weise entstehen dann die sog. Lagerund Stoßfugen. Mit der Entwicklung neuer, wärmedämmender Mauersteine mit Verzahnung entfiel dann immer mehr das Ausfüllen der Stoßfugen mit Mörtel, so dass Mörtel heute hauptsächlich im Bereich der horizontalen Lagerfugen eingesetzt wird. Die Höhe dieser Lagerfugen liefert ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal, das hilft, die Mörtel in verschiedene Verarbeitungsklassen einzuteilen. Die EN 998, Teil 2 und die DIN 1053 unterschieden zunächst Mörtel mit 12 mm Fugenstärke (sog. Normalbettmörtel ) und Mörtel mit 1 bis 3 mm Fugenstärke ( Dünnbettmörtel ). Zu diesen beiden Klassen gesellte sich in den letzten Jahren der sog. Mittelbettmörtel mit einer Fugenstärke von 6 mm, der in den Normen aber nicht geregelt ist und daher über eine bauaufsichtliche Zulassung verfügen muss. Für alle drei Arten von Mauerwerk gilt aber der folgende Grundsatz: Während des Errichtens muss Mauerwerk vor eindringender Feuchtigkeit geschützt werden, d. h., dass vor allem Mauerkronen und Bereiche, die starkem Schlagregen ausgesetzt sind, abgedeckt werden müssen. Durchfeuchtetes Mauerwerk schwindet stärker und kann erst nach einer entsprechenden Wartezeit verputzt werden.

4.2 Mauerm rtel 4.2.2 Verarbeitung 4.2.2.1 Normalbettmörtel Der überwiegende Anteil von Mauerwerk aus Liaporsteinen wird mit einer 12 mm dicken Lagerfuge errichtet. Für wärmedämmendes Außenmauerwerk verwendet man normalerweise einen Leichtmauermörtel LM 36 oder meist LM 21. Für Innenwände kommt ein Normalmauermörtel zum Einsatz, der aufgrund seiner höheren Trockenrohdichte bessere Schallschutzwerte besitzt. Diese Mörtel werden entweder als Werktrockenmörtel oder als Werkfrischmörtel auf die Baustelle geliefert. Während der Werkfrischmörtel bereits in verarbeitungsfertiger Form vorliegt, muss der Werktrockenmörtel noch mit Wasser versetzt werden. Das geschieht bei der heute meist üblichen Siloware mit Hilfe eines Durchlaufmischers, der fest am Silo montiert ist. Sackware kann auch in einem Freifall- oder Zwangsmischer angemischt werden. Der verarbeitungsfertige Mörtel wird dann meist von Hand mit einer Kelle auf die Oberseite der Steine aufgetragen und glattgestrichen. Da diese Oberseite bei Liaporsteinen weitgehend geschlossen ist, kann der Mörtel nicht in die Schlitze fallen. Auf diese Weise bleibt der Mörtelverbrauch gering, und die wärmedämmenden Eigenschaften des Steines werden nicht negativ beeinflusst. Mittlerweile gibt es auch eine Reihe pumpfähiger Mörtel, die mit Hilfe einer Mörtelpumpe direkt an den Einsatzort gefördert werden können. Dort werden sie entweder direkt auf die Steinoberfläche mit dem Schlauch aufgetragen oder in einen Behälter gefüllt und dann mit der Kelle verarbeitet. Auf dieses Mörtelbett wird dann die nächste Reihe Steine aufgesetzt und ausgerichtet. Da die Liaporsteine eine raue, griffige Oberfläche besitzen, kann sich der Mörtel gut damit verzahnen. Die sehr niedrige kapillare Saugfähigkeit schließlich sorgt dafür, dass dem Mörtel kaum Wasser entzogen wird, das das Bindemittel Zement zum Abbinden braucht. Der Mörtel kann also nicht aufbrennen und erreicht seine volle Druckfestigkeit. Solche Normalbettmörtel eignen sich auch gut, um kleinere Fehlstellen im Mauerwerk auszubessern bzw. Stoßfugen, die mehr als 5 mm aufklaffen, zu schließen. Größere Fehlstellen sollten dagegen mit zugerichteten Steinen gefüllt werden, die in den Mörtel eingebettet werden. 4.2.2.2 Mittelbettmörtel Mittelbettmörtel sind weder in der neuen EN 998, Teil 2 noch in der DIN 1053 enthalten. Es handelt sich also nicht um ein genormtes Bauprodukt, das aber sehr wohl bauaufsichtlich relevant ist. Daher müssen solche Mörtel zusammen mit den jeweiligen Mauersteinen in einer bauaufsichtlichen Zulassung geregelt sein. Seitens des IWM (Industrieverband Werkmörtel) existiert eine Verbandszulassung für Mittelbettmörtel. Zur Zeit gibt es keine Liaporsteine, für die zusammen mit Mittelbettmörtel eine bauaufsichtliche Zulassung vorliegt. Einige Werktrockenmörtel- und Frischmörtelhersteller bieten jedoch Mittelbettmörtel als Leichtmauermörtel an, die Liaporsande und / oder Liaver als leichte Gesteinskörnung enthalten. Deshalb hier einige grundsätzliche Informationen zur Verarbeitung dieses Mörteltyps:

4.2 Mauerm rtel 4.2.2 Verarbeitung Die Fugenstärke im sog. Mittelbettverfahren beträgt durchschnittlich 6 mm, d. h. sie liegt zwischen dem Normalbett- und dem Dünnbettverfahren. Der Mörtel wird entweder als Werkfrischmörtel oder als Werktrockenmörtel (Sack- oder Siloware) auf die Baustelle geliefert und mit Hilfe eines Mörtelschlittens auf die Oberseite der Steine aufgetragen. Es ist auch möglich, eine spezielle, gezahnte Kelle zu verwenden, die sich vor allem bei kleinteiligem Mauerwerk bewährt hat. Ähnlich wie Normalbettmörtel erlaubt auch der Mittelbettmörtel nachträgliche Korrekturen der aufgesetzten Steine und eignet sich für kleinere Ausbesserungsarbeiten. Für die Verarbeitung mit Mittelbettmörtel können nur Steine verwendet werden, die innerhalb einer Höhentoleranz von ± 2 mm hergestellt worden sind. 4.2.2.3 Dünnbettmörtel Dünnbettmörtel werden oft auch als Kleber bezeichnet, weil sie im Gegensatz zu herkömmlichen Mauermörteln nur in einer Fugenstärke von durchschnittlich 2 mm aufgetragen werden. Die EN 998, Teil 2 stellt an Dünnbettmörtel zusätzliche Anforderungen, so darf z. B. die maximale Korngröße nur 2 mm betragen. Um die geforderten mörteltechnischen Eigenschaften auch bei dieser geringen Auftragsstärke gewährleisten zu können, werden Dünnbettmörtel mit speziellen Zusatzmitteln hergestellt, die die Wasserrückhaltung und die Haftung auf dem Stein verbessern. Diese Eigenschaften müssen auf die jeweilige Steinart genau abgestimmt sein, so dass die Dünnbettmörtel meist in Verbindung mit den Steinen geliefert werden ( Paket ). Dünnbettmörtel stellen an die Maßgenauigkeit der Steine sehr hohe Anforderungen, die meist nur durch Schleifen oder Fräsen zu erreichen sind. Die Höhe der Steine darf nur um ± 1,0 mm variieren, damit das Mauerwerk noch exakt errichtet werden kann. Ein nachträgliches Korrigieren ist kaum mehr möglich. Normalerweise werden Dünnbettmörtel nur mit schweren Gesteinskörnungen nach DIN 4226, Teil 1 bzw. DIN EN 13139 hergestellt, d. h. entsprechend ihrer Rohdichte können sie als Normalmörtel angesehen werden. Im Rahmen der Liapor-Zulassungen für Plansteine gibt es jedoch auch einen Dünnbettmörtel, der mit Liaporsanden und Liaver hergestellt wird. Dieser Liapor-Plansteinkleber wird von der Firma Sakret Sachsen Trockenbaustoffe hergestellt und ist der einzige Dünnbettmörtel, der wärmetechnisch als LM 21 betrachtet werden kann. Seine geringe Wärmeleitfähigkeit liefert in Verbindung mit den entsprechenden Liapor-Plansteinen Mauerwerk mit den niedrigsten U-Werten. Meist werden Dünnbettmörtel als Sackware geliefert und auf der Baustelle mit einem Quirl oder einem speziellen Durchlaufmischer gemischt. Der feine Mörtel wird dann mit Hilfe eines Schlittens auf die Oberseite der Steine in einer Stärke von 2 bis 3 mm aufgezogen. Auch hier macht es sich positiv bemerkbar, dass die Oberseite der Liaporsteine weitgehend geschlossen ist, und der Mörtelverbrauch dadurch sehr gering wird. Beim Auftragen des Mörtels und dem Setzen der Steine muss sehr genau gearbeitet werden, da es kaum möglich ist, Ungenauigkeiten später wieder auszugleichen. Die angegebene sog. offene Zeit des Mörtels darf nicht überschritten werden, da sonst die Haftung auf der Steinoberfläche deutlich nachlässt. Dünnbettmörtel eignen sich in aller Regel nicht für Ausbesserungsarbeiten am Mauerwerk, hier muss dann auf ein anderes geeignetes Material zurückgegriffen werden.

4.3.1 Eigenschaften und Anforderungen Monolithische Wände werden in aller Regel außen und meist auch innen verputzt. So wird auf der einen Seite eine ansprechende Optik hergestellt, auf der anderen Seite aber auch der Witterungsschutz gewährleistet. Einschalige Wände mit mineralischem Außenputz werden nur relativ selten von Algen und Pilzen befallen, da die Oberfläche wärmetechnisch nicht vom Untergrund entkoppelt ist, d. h. zwischen Putz und Mauerwerk bzw. Wandelement findet ein Ausgleich statt, der bei anderen Wandaufbauten in dieser Form nicht gegeben ist. Putze sind in der alten Deutschen Norm DIN 18550, Teil 1, 2, 3 und 4 und in der neuen Europäischen Norm EN 998, Teil 1 genormt oder sie besitzen allgemeine bauaufsichtliche Zulassungen. Wir empfehlen grundsätzlich die Verwendung von werkseitig hergestellten Fertigmischungen, sog. Werktrockenmörteln, da sie in ihren Eigenschaften optimal auf die verschiedenen Untergründe abgestimmt sind und einer strengen Eigen- und Fremdüberwachung unterliegen. Im Folgenden sind einige Begriffe erklärt, die dann in den einzelnen Kapiteln zum Verputzen der verschiedenen Liapor-Untergründe immer wieder verwendet werden. 4.3.1.1 Putzsystem Als Putzsystem werden die Lagen eines Putzes, die in ihrer Gesamtheit und in Wechselwirkung mit dem Putzgrund die Anforderungen an den Putz erfüllen, bezeichnet. Auch einlagiger Putz kann in bestimmten Fällen als Putzsystem bezeichnet werden. Jedes Putzsystem muss auf den jeweiligen Untergrund abgestimmt sein. Für wärmedämmendes Mauerwerk sind deshalb Putze zu verwenden, die hinsichtlich ihrer Festigkeit und ihres Verformungsverhaltens geeignet sind; z. B. Leichtputze nach DIN 18550-4 oder Wärmedämmputze nach DIN 18550-3 oder mit bauaufsichtlicher Zulassung. Putze nach DIN 18550-2 sind nur geeignet, wenn sie wie Leichtputze in ihrer Festigkeit nach oben begrenzt sind. Putzsysteme für Außenputze müssen bei Leichtputzen und Wärmedämmputzen stets wasserabweisend eingestellt sein. Dies gewährleistet einen dauerhaften Schlagregenschutz auch bei extremer Beanspruchung. 4.3.1.2 Putzlagen Mit Putzlage wird die Lage eines Putzes bezeichnet, die in einem Arbeitsgang durch einen oder mehrere Anwürfe des gleichen Mörtels entsteht. Untere Lagen werden Unterputz, die oberste Lage Oberputz genannt. 4.3.1.3 Putzschicht Eine Putzlage kann mehrschichtig aufgetragen werden. Dies erfolgt frisch auf frisch und in der Regel gerüstlagenweise (Anm.: Der mehrschichtige Auftrag frisch auf frisch zählt nach DIN 18550-1 als ein Arbeitsgang).

4.3.1 Eigenschaften und Anforderungen 4.3.1.4 Leichtputz Leichtputze sind in DIN 18550-4 genormt. Im Gegensatz zu üblichen Putzen (z. B. nach DIN 18550-2) ist die Festigkeit der Leichtputze auch nach oben begrenzt ( 5,0 N/mm²). Leichtputze können als Ober- und Unterputz eingesetzt werden. Leichtputzmörtel als Oberputz dürfen allerdings keine organischen Zuschläge enthalten. Leichtputz ist auch für den Innenbereich geeignet. Leichtputze sind keine Wärmedämmputze. 4.3.1.5 Ultraleichtputz Ultraleichtputze wurden in den letzten Jahren speziell zum Verputzen von hochwärmedämmenden Wandbildnern entwickelt. Ihre Trockenrohdichte liegt unter 1000 g/dm³, sie werden in die Putzmörtelgruppe P Ic (CS I) eingeordnet und besitzen daher ein niedriges E-Modul, das sie sehr spannungsarm abbinden lässt. Da sie von der Norm nicht ausdrücklich definiert sind, werden sie in Anlehnung an DIN 18550, Teil 4 gefertigt. Für diese Putze gelten die dort für Leichtputze gemachten Aussagen sinngemäß. 4.3.1.6 Wärmedämmputzsysteme Als Wärmedämmputzsystem wird ein Putzsystem aus wärmedämmendem Unterputz und wasserabweisendem Oberputz bezeichnet. Ggf. gehört ein Ausgleichsputz zum System. Die Putzlagen sind in ihren Eigenschaften aufeinander abgestimmt und müssen aus Werktrockenmörtel nach DIN 18557 hergestellt werden. Wärmedämmende Unterputze nach DIN 18550-3 oder mit bauaufsichtlicher Zulassung bestehen aus den mineralischen Bindemitteln Kalk und Zement und organischen Zuschlägen und/oder mineralischen leichten Gesteinskörnungen sowie Zusatzstoffen und Zusatzmitteln. Detaillierte Angaben zu den verschiedenen Wärmedämmputzsystemen sind den Herstellerangaben sowie für EPS - Wärmedämmputzsysteme der DIN 18550-3 und für Wärmedämmputze mit mineralischen Gesteinskörnungen den jeweiligen bauaufsichtlichen Zulassungen zu entnehmen. Hinsichtlich des Brandschutzes sind nach DIN 18550-3 hergestellte EPS- Wärmedämmputzsysteme als schwer entflammbar (Baustoffklasse B1 nach DIN 4102) eingestuft; solche mit besonderer bauaufsichtlicher Zulassung können als nicht brennbar (Baustoffklasse A2) eingestuft werden. Wärmedämmputze mit mineralischen Gesteinskörnungen sind nicht brennbar (Baustoffklasse A1 bzw. A2). Die Wärmeleitfähigkeit von Wärmedämmputzsystemen liegt üblicherweise zwischen 0,07 und 0,15 W/(mK). Für Wärmedämmputzsysteme mit expandiertem Polystyrol (EPS) als Zuschlag sind die Wärmeleitfähigkeiten in DIN 18550-3 geregelt; überwiegend wird die Wärmeleitfähigkeitsgruppe 070 angeboten [Bemessungswert der Wärmeleitfähigkeit λ = 0,070 W/(mK)]. Wärmedämmputz nach DIN 18550-3 wird als Unterputz in Dicken zwischen 20 und 100 mm aufgetragen. Beispiel: Bei einer 30 cm dicken Wand aus Liaporsteinen mit dem Bemessungswert der Wärmeleitfähigkeit λ = 0,21 W/(mK) wird durch Verwendung eines 6 cm dicken Wärmedämmputzes (Wärmeleitfähigkeitsgruppe 070) der U-Wert von 0,62 auf 0,40 W/(m²K) verbessert.

4.3.1 Eigenschaften und Anforderungen 4.3.1.7 Innenputz Für Innenputz können ein- oder zweilagige Putzsysteme angewandt werden. Auch im Innenbereich sind Leichtputze geeignet. Bei Verwendung einlagiger Innenputze aus Werktrockenmörtel ist eine mittlere Dicke von mindestens 10 mm einzuhalten, bei anderen Innenputzen mindestens 15 mm. Gipshaltige Putze dürfen nicht in Feuchträumen und Nassräumen eingesetzt werden. Häusliche Küchen und Bäder gelten nicht als Feucht- oder Nassraum im Sinne der DIN 18550, so dass gipshaltige Putze für diese Bereiche geeignet sind. 4.3.1.8 Außenputz Putzsysteme aus mineralisch gebundenen Mörteln zeichnen sich aufgrund ihrer bauphysikalischen Vorteile durch langfristige Haltbarkeit und hohe Witterungsbeständigkeit aus. Der mineralische Aufbau sorgt dafür, dass Niederschlagsfeuchtigkeit schnell wieder abtrocknen kann. In vielen Forschungsvorhaben und in der Praxis wurde nachgewiesen, dass Haarrisse, etwa bis zu Rissbreiten von 0,2 mm, die Funktionalität richtig ausgeführter Putzsysteme aus mineralisch gebundenen Mörteln nicht beeinträchtigen.

4.3.2 Verputzen von Mauerwerk aus Liaporsteinen Die folgenden Hinweise gelten für das Verputzen von Innen- und Außenwänden aus Liaporsteinen und beziehen sich sowohl auf die neue europäische Norm EN 298, Teil 1 als auch auf die alte deutsche Norm DIN 18550, Teil 1, 2, 3 und 4. Grundlage für die Empfehlungen ist das Merkblatt Putz auf Mauerwerk aus Leichtbetonsteinen, das von verschiedenen Verbänden (u. a. dem Deutschen Stuckgewerbebund) herausgegeben wurde und den aktuellen Stand der Technik wiedergibt. Liaporsteine bestehen im Wesentlichen aus der porigen mineralischen leichten Gesteinskörnung Liapor (= Blähton) und dem Bindemittel Zement. Sie besitzen eine haufwerksporige Struktur und einen rein mineralischen Aufbau. Auch Putze sind mineralische Baustoffe und bilden somit eine ideale Ergänzung zu Liaporsteinen. Putze schützen das Mauerwerk vor Witterungseinflüssen und verbessern den Wärme-, Schall-, Brand- und Feuchteschutz. Unverputztes Mauerwerk kann nicht als regendicht angesehen werden. Mit Liaporsteinen und Putz werden nicht nur die bauphysikalischen Anforderungen erfüllt, sondern es bieten sich auch nahezu unbegrenzte Möglichkeiten der architektonischen und optischen Gestaltung. Verputztes Mauerwerk aus Liaporsteinen ist langlebig, einfach instandzuhalten,recyclingfähig - und damit ökonomisch wie ökologisch zeitgemäß. 4.3.2.1 Grundsätzliches Ein einschaliger Wandaufbau, der dauerhaft seine bauphysikalischen Funktionen erfüllen kann, besteht in der Regel aus einem monolithischen Mauerwerk, das außen und innen verputzt ist. Mineralische Putze auf Liapor-Mauerwerk sind ein wichtiger Bestandteil des Systembauteils Wand. Außen- und Innenputze werden aus den mineralischen Bindemitteln Kalk und Zement (Innenputze auch unter Verwendung von Gips) sowie mineralischen Gesteinskörnungen hergestellt. Wärmedämmputze und Leichtputze können zusätzlich organische Zuschläge enthalten. Putzmörtel werden in der Regel als Werkmörtel angeliefert und maschinell verarbeitet. In vielen Fällen erlangt die Wand erst durch den Putz die für die Nutzung erforderlichen Eigenschaften wie Widerstandsfähigkeit gegen Witterungseinflüsse, Luftdichtigkeit, Schall- und Brandschutz. 4.3.2.2 Mauerwerk Mauerwerk ist grundsätzlich nach DIN 1053 zu errichten. Es muss im Verband gemauert werden. Zur Gewährleistung eines verformungsarmen Untergrundes muss das in der DIN 1053 geforderte Überbindemaß von mind. 40 % der Steinhöhe bzw. 45 mm (maßgebend ist der größere Wert) eingehalten werden. Die Steinhersteller bieten dazu geeignete Eck- und Ergänzungssteine an. Die Lagerfuge wird bei wärmedämmenden, einschaligen Außenwänden meist mit Leichtmauermörtel in einer Fugendicke von 12 mm vollfugig hergestellt. Bei Liapor-Plansteinen beträgt die Fugendicke 1 bis 3 mm, als Dünnbettmörtel wird hier ein spezieller Leichtmörtel eingesetzt, der Bestandteil der bauaufsichtlichen Zulassungen der Steine ist.

4.3.2 Verputzen von Mauerwerk aus Liaporsteinen Bei Steinen mit glatter Kopfseite wird die Stoßfuge vermörtelt, wobei die Stoßfugenbreite rund 10 mm betragen soll. Im Regelfall besitzen die Kopfseiten jedoch eine Nut- und Federausbildung, so dass die Steine knirsch gestoßen werden und die Stoßfugen mörtelfrei bleiben. Unter dem Begriff knirsch wird eine Verlegeart der Steine verstanden, bei der an der Wandoberfläche praktisch kein Zwischenraum zwischen den Kopfseiten der Steine verbleibt. Tolerierbar ist maximal ein Zwischenraum von 5 mm. Wenn trotzdem einzelne Zwischenräume entstehen, die größer als 5 mm sind, so müssen sie direkt beim Mauern mit Mörtel verschlossen werden. Das Gleiche gilt für Mörteltaschen und Verzahnungen an Wandenden und Mauerecken sowie Fehlstellen in der Wand. Wurde dies versäumt, sind die Fugen und Fehlstellen vor dem Verputzen nachträglich mit geeignetem Mörtel und unter Beachtung der dann erforderlichen Standzeiten zu schließen. 4.3.2.3 Liapor-Mauerwerk als Putzgrund Liaporsteine besitzen eine haufwerksporige Struktur und sind nur schwach kapillar saugend. Für den Putzmörtel heißt dies, dass ihm nach dem Auftragen das Anmachwasser nur in geringem Umfang entzogen wird. Liaporsteine ermöglichen aufgrund ihrer rauen Oberfläche einen besonders guten Haftverbund zwischen Putz und Steinoberfläche. Liaporsteine sind bei der Lagerung auf der Baustelle vor Nässe und Verschmutzung zu schützen. Das gilt auch für die gemauerte Wand. Besondere Schutzmaßnahmen, z. B. Abdecken mit Folie, sind bei Mauerkronen und Brüstungen zu ergreifen. Das von Geschossdecken oder halbfertigen Dächern unkontrolliert ablaufende Regenwasser muss unbedingt von der Wand ferngehalten werden. Formänderungen aus Schwindvorgängen verlaufen entsprechend der Austrocknung, so dass spätere Formänderungen um so geringer sind, je trockener die Steine zum Einbauzeitpunkt und vor allem zum Zeitpunkt des Putzauftrages sind. Da ein Großteil der Formänderungen in den ersten Monaten nach der Bauwerkserstellung erfolgt, lässt sich durch eine ausreichende Wartezeit vor dem Verputzen das Risiko einer Rissbildung erheblich verringern. Erfahrungsgemäß sollte diese Wartezeit mindestens ein halbes Jahr betragen. 4.3.2.4 Putzsysteme für Mauerwerk aus Liaporsteinen Siehe 4.3.1: Eigenschaften und Anforderungen, sowie Tabelle 1: Außenputz und Tabelle 2: Innenputz

4.3.2 Verputzen von Mauerwerk aus Liaporsteinen 4.3.2.5 Putzgrundprüfung Vor Beginn des Putzauftrags muss der Auftragnehmer der Putzarbeiten im Zuge der Wahrnehmungen der Prüf- und Hinweispflicht den zu verputzenden Untergrund gem. VOB Teil C, DIN 18350, prüfen. Bedenken müssen schriftlich angemeldet werden. Die Prüfungen müssen jedoch nicht über den Rahmen des Gewerbeüblichen hinausgehen. Der Stuckateur-Fachunternehmer kann davon ausgehen, dass ordnungsgemäß hergestelltes Mauerwerk nach DIN 1053 den Anforderungen genügt. Dabei ist besonders darauf zu achten, dass das in der Norm geforderte Überbindemaß (s. Abschnitt 3.2) eingehalten ist und Fehlstellen sowie mehr als 5 mm breite Fugen bereits bei der Errichtung des Mauerwerks geschlossen wurden. Der Putzgrund muss tragfähig und trocken sein. Die Temperatur des Putzgrundes darf + 5 C nicht unterschreiten. Auf sichtbar durchfeuchtete Wandteile darf nicht geputzt werden. Weiterhin muss der Putzgrund frei von losen, die Putzhaftung beeinträchtigenden Bestandteilen sein. Lose anhaftende Ausblühungen müssen trocken entfernt werden. 4.3.2.6 Putzgrundvorbehandlung Im Allgemeinen ist keine Vorbehandlung des Putzgrundes erforderlich. Im Zweifelsfall ist die Empfehlung des Mörtelherstellers, ggf. auch des Steinherstellers, einzuholen. Durch mechanische Einwirkungen oder Frost usw. geschädigte Mauerwerksoberflächen sind wie Fehlstellen zu behandeln. Sie müssen ausreichend lange vor dem Verputzen mit geeignetem Mörtel verschlossen werden. 4.3.2.7 Ausführung Das Verputzen von Mauerwerk aus Liaporsteinen erfolgt grundsätzlich nach den üblichen Verarbeitungsrichtlinien. Bei ungünstigen Bedingungen, z. B. heißer Witterung, hat sich für das Aufbringen des Unterputzes die mehrschichtige Arbeitsweise bewährt. Die Standzeiten zwischen Aufbringen des Unterputzes und Aufbringen des Oberputzes betragen bei mineralischen Putzen und Leichtputzen im Allgemeinen einen Tag je mm Putzdicke; bei Wärmedämmputzen einen Tag je 10 mm Putzdicke, mindestens jedoch 7 Tage. Genaue Zeitangaben können den technischen Unterlagen der Putzhersteller entnommen werden. Für das Überputzen von örtlich als Wärmebrückendämmung eingelegten Wärmedämmplatten sind die einschlägigen Merkblätter (z. B. [9], [10], [11]) zu beachten.

4.3.2 Verputzen von Mauerwerk aus Liaporsteinen 4.3.2.8 Putzbewehrung Über Fenster- und Türstürzen wird die fachgerechte Anordnung eines geeigneten Bewehrungsgewebes empfohlen. Darüber hinaus sind die Eckbereiche von Gebäudeöffnungen durch diagonal verlegte Zusatzbewehrung zu verstärken. Putzbewehrungen dienen zur Verminderung der Rissbildung. Das Armierungsgewebe muss alkalibeständig sein und in der oberen Hälfte der Putzlage eingebettet sein. Es muss reißfest sein und ein ausreichendes Flächengewicht besitzen. Bei Wärmedämmputzsystemen mit einem Ausgleichsputz wird das Bewehrungsgewebe in diesen eingebettet. Der Anschluss an andere Bauteile wie Gesimse, Fensterbänke, Fensterrahmen usw. erfolgt, wo ein beweglicher Anschluss erforderlich ist, mit geeigneten Dehnfugen- oder Anschlussprofilen.

Tabelle 1: Mineralische Putzsysteme für Außenputz auf Mauerwerk aus Liaporsteinen Mittlere Putzdicke bei mehrlagigen Putzen (Gesamtdi cke aus Unterputz + Oberputz): einlagigen wasserabweisenden Putzen: Wärmedämmputzsysteme nach DIN 18 550-3 Unterputz Oberputz Ausgleichsputz (falls erforderlich) Putzart Kellerwand - Außenputz Besondere Anforderungen/ Bemerkungen dient als Träger der vertikalen Abdichtung Mörtel- *1) gruppe Zweilagige Ausführung min. 20 mm min. 15 mm min. 20 mm u. max. 100 mm min. 10 mm min. 6 mm Einlagige Ausführung Unterputz Oberputz Einlagenputz Druck- *2) festigkeit N/mm² P II, CS II 5 *3) Mörtel- *1) gruppe Druck- *2) festigkeit N/mm² Mörtel- *1) gruppe Druck- *2) festigkeit N/mm² - - - - Außensockelputz wasserabweisend P II, CS II 5 *3) P II, CS II 5 *3) P II, CS II 5 *3) Außenwandputz Leichtputz *4) *5) wasserabweisendes Putzsystem Ultraleichtput z *6) Wasserabweisendes Putzsystem Wärmedämmputzsy stem wasserabweisend P Ic, CS I 1 P Ic, CS I 1 P II, CS II *3) 5 P II, CS II 5 P II, CS II 5 P Ic, CS I 1 P Ic, CS I 1 P Ic, CS I 1 - > 0,40-0,8...3,0 nicht als Einlagenputz möglich *1) Gemäß DIN 18550-1, Tabelle 1 und DIN 18550-2, Tabelle 2 bzw. EN 998-1, Tabelle 1 *2) Ermittelt an Prismen gemäß DIN 18555-3 *3) Abweichend von DIN 18550-1, jedoch Stand der Technik *4) Leichtputze mit organischem Zuschlag mit porigem Gefüge sind außen nur als Unterputze zu verwenden (s. DIN 18550-4). *5) Putze nach DIN 18550-2 sind nur geeignet, wenn sie wie Leichtputze in ihrer Festigkeit (wie angegeben) nach oben begrenzt sind *6) Ultraleichtputze in Anlehnung an DIN 18550, Teil 4 Tabelle 2: Mineralische Putzsysteme für Innenputz auf Mauerwerk aus Liaporsteinen Mittlere Putzdicke bei mehrlagigen Putzen (Gesamtdi cke aus Unterputz + Oberputz): einlagigen Putzen aus Werk -Trockenmörtel: min. 15 mm min. 10 mm Anforderung bzw. Putzan wendung Geeignete Putzsysteme *1) Übliche Beanspruchung *2) Erhöhte Abriebfestigkeit (z. B. Treppenhäuser, Flure öffentlicher Gebäude usw.) Feuchträume Ein- und mehrlagige Putzsysteme der Mörtelgruppen P Ic, CS I Leichtputz, Kalk - oder Kalkzementmörtel P II, CS II Leichtputz, Kalk - oder Kalkzementmörtel (Druckfestigkeit *3) 5 N/mm²) P IVa, b, c Gips- oder Gipskalkmörtel Ein- und mehrlagige Putzsysteme der Mörtelgruppen P II, CS II Leichtputz, Kalk - oder Kalkzementmörtel (Druckfestigkeit *3) 5 N/mm²) P IVa, b, c Gips- oder Gipskalkmörtel Es kommen die gleichen Putzsysteme zur Anwendung wie bei Außenwandputzen (s. Tabelle 1). *1) Mörtelgruppen gemäß DIN 18550-1, Tabelle 1 und DIN 18550-2, Tabelle 2 *2) Schließt die Anwendung in häuslichen Küchen und Bädern bei üblicher Beanspruchung ein *3) Ermittelt an Prismen gemäß DIN 18555-3

4.3.3 Verputzen der Liapor- Massiv-Wand Bei Außenwänden spielt die Wärmedämmung eine entscheidende Rolle, so dass hier Leichtbeton mit haufwerksporigem Gefüge nach der alten DIN 4232 bzw. der neuen DIN EN 1520 in Verbindung mit DIN 4213 zum Einsatz kommt. Dies bedeutet, dass die einzelnen Liapor-Kugeln nur durch den Zementleim miteinander verklebt sind, also keine geschlossene Bindemittelmatrix vorliegt. Die raue, griffige Struktur dieser Liapor-Massivwand stellt einen idealen Putzgrund dar, dessen Eigenschaften mit Mauerwerk aus Leichtbetonsteinen vergleichbar sind. Es handelt sich um einen Putzgrund nach Norm, für den daher die Regelungen in der DIN 18550, Teil 1, 2, 3 und 4 und der EN 998, Teil 1 gelten. Mineralische Putzmörtel können sich in der rauen, offenporigen Struktur optimal verkrallen. Aufgrund der geringen kapillaren Saugfähigkeit steht dem Putz über den gesamten Abbindezeitraum genügend Feuchtigkeit zur Verfügung, so dass keine gesonderte Untergrundvorbereitung erforderlich ist, der Putz aber trotzdem nicht aufbrennt. Im Allgemeinen sind Wandelemente aus haufwerksporigem Leichtbeton ähnlich wie Mauerwerk aus Leichtbetonsteinen zu behandeln. Wir verweisen daher auf das Merkblatt Putz auf Mauerwerk aus Leichtbetonsteinen, das von verschiedenen Verbänden herausgegeben wurde und den Stand der Technik darstellt, und auf das Kapitel 4.3.2 Verputzen von Mauerwerk aus Liaporsteinen. Die materialtechnischen Kennwerte der Innen- und Außenputze müssen auf diesen wärmedämmenden Untergrund abgestimmt sein. 4.3.3.1 Innenputz Geeignet zum Verputzen der Innenseiten der Liapor-Massivwand sind alle Putzsysteme, die in der Tabelle 2: Innenputze zusammengefasst sind. Demnach können sowohl kalkzement-gebundene als auch gipsgebundene Putze auf diesem Untergrund verwendet werden. Der Putz wird nach Herstellerangaben meist einlagig aufgetragen und entsprechend nachbearbeitet, also geglättet oder gefilzt bzw. aufgeraut, um später mit einem Oberputz überzogen zu werden. Die Stärke der Putzlage richtet sich nach den örtlichen Gegebenheiten und liegt zwischen wenigen mm und ca. 15 mm, d. h. die Wände können dünnschichtig verputzt ( gespachtelt ) oder mit einem herkömmlichen, dicklagigen Innenputz beschichtet werden. Wir empfehlen dringend entlang der Wandkanten, insbesondere entlang des Deckenanschlusses einen Trennschnitt ( Kellenschnitt ) auszuführen, um die Putzflächen sauber voneinander zu trennen. Ähnlich wie bei Mauerwerk müssen alle Bereiche, die besonderen Belastungen ausgesetzt sind, mit einem geeigneten Armierungsgewebe aus alkalibeständigem Glasfasergewebe bewehrt werden. Dazu zählen die Ecken der Gebäudeöffnungen, der Brüstungsbereich, Übergänge zu anderen Putzgründen, Kamine, innenliegende Leitungsschächte u.ä. Sollten die Montagefugen der Wandelemente im Innenbereich sichtbar sein, muss der Putz auch in diesem Bereich armiert werden. Zunächst wird ca. 2/3 der Putzlage aufgebracht, in diese wird das Armierungsgewebe glatt und faltenfrei eingebettet und dann mit dem Rest der Putzlage beschichtet, so dass das Gewebe in der oberen Hälfte des Putzes zu liegen kommt.

4.3.3 Verputzen der Liapor- Massiv-Wand 4.3.3.2 Außenputz Da der Außenbereich größeren Temperaturschwankungen und Witterungseinflüssen ausgesetzt ist als der Innenbereich, muss beim Verputzen der Außenflächen sorgfältig auf die Auswahl des richtigen Putzes und dessen vorschriftsgemäße Verarbeitung geachtet werden. Als Außenputze (Unterputze) eignen sich alle Putzsysteme, die in der Tabelle 1: Außenputze zusammenfasst sind. Wir empfehlen besonders, die sog. Ultraleichtputze zu verwenden,die aufgrund ihrer mörteltechnischen Kennwerte optimal auf haufwerksporigen Leichtbeton abgestimmt sind. Hier haben sich besonders Putze bewährt, die mineralische leichte Gesteinskörnungen enthalten. Diese Putze sind in ihrer Trockenrohdichte und in ihrem Elastizitätsmodul nach oben begrenzt, d. h. sie sind in der Lage, Spannungen, die z. B. aus dem Untergrund kommen oder durch Temperatureinflüsse verursacht werden, durch Relaxation besser abzubauen. Auch an den Außenflächen müssen ähnlich wie bei Mauerwerk alle Bereiche, die besonderen Belastungen ausgesetzt sind, mit einem geeigneten Armierungsgewebe aus alkalibeständigem Glasfasergewebe bewehrt werden. Dazu zählen die Ecken der Gebäudeöffnungen, der Brüstungsbereich, Übergänge zu anderen Putzgründen, Rolladenkästen u. ä. Das Gewebe muss dabei in der oberen Hälfte der Putzlage liegen. Der Bereich der Montagefugen muss besonders sorgfältig behandelt werden. Hier kann der Putz entweder durch einen geeigneten Putzträger (z. B. Ziegelrabbitz, Streckmetall, Mineralfaservlies etc.) vom Untergrund entkoppelt oder durch eine doppelte Armierung geschützt werden. Dabei wird der Fugenbereich zunächst mit einem dünnlagigen Spachtelputz überzogen, in den ein alkalibeständiges Glasfasergewebe eingebettet wird. Dann wird der Grundputz aufgetragen, der wie beschrieben nochmals mit einem Gewebe bewehrt wird. Mineralische Kalk-Zement-Leichtputze und Ultraleichtputze können strukturiert und gestrichen werden, auf den Unterputz wird aber normalerweise nach einer Wartezeit von 1 Tag pro mm Putzstärke der Oberputz aufgetragen. Dazu eignen sich diffusionsoffene Putze: Mineralische (dünnschichtige) Edelputze bzw. Silikat- und Silikonharzputze. Die Putze werden nach den Angaben des Herstellers verarbeitet und sollten mit einem diffusionsoffenen, aber hydrophoben Schlussanstrich versehen werden. Dazu eignen sich je nach Putzsystem und Witterungseinflüssen Silikat- und Silikonharz-Fassadenfarben. Neben dieser zweilagigen Putzweise aus Grund- und Oberputz eignet sich auch ein einlagiger Kratzputz, der meist auf Spritzbewurf aufgebracht und dann durch Kratzen der Oberfläche strukturiert wird.

4.3.4 Verputzen von Wandelementen aus gefügedichtem Leichtbeton Vor allem tragende Innenwände werden im Gegensatz zur Liapor- Massiv-Wand aus Leichtbeton mit geschlossenem Gefüge nach DIN 4219 hergestellt. Innerhalb eines solchen Gefüges sind die leichten Gesteinskörnungen in die Bindemittelmatrix vollständig eingebettet, was eine relativ glatte, geschlossene Oberfläche zur Folge hat. Die Eigenschaften dieser Wände sind mit Flächen aus Normalbeton vergleichbar. Deshalb sind Normalbeton und gefügedichter Leichtbeton auch in der neuen DIN 1045 / Norm DIN EN 206-1 zusammengefasst worden. Die materialtechnischen Kennwerte der Innen- und Außenputze müssen auf die speziellen Anforderungen einer geschlossenen, relativ glatten Betonfläche abgestimmt sein. 4.3.4.1 Innenputz Grundsätzlich können auch die glatten Oberflächen der Wandelemente aus gefügedichtem Leichtbeton nach DIN 4219 bzw. DIN 1045/EN 206-1 im Innenbereich verputzt werden. Dies kann sowohl dicklagig als auch dünnlagig erfolgen. Für den Innenputz eignen sich folgende Putzarten nach DIN18550, Teil 2 und Teil 4 - Kalkgebundene Putze nach DIN 18550 bzw. EN 998, Teil 1 Putzmörtelgruppe P I (CS I), z. B. Kalk-Innenputze, Putzmörtelgruppe P Ic - Kalk-Zement-Putze, Putzmörtelgruppe P II (CS II) - Kalk-Zement-Leichtputze, Putzmörtelgruppe P II (CS II) Gipsgebundene Putze, Putzmörtelgruppe P IV nach DIN 18550 eignen sich zum Verputzen solcher Wandelemente erst wenn sich die Ausgleichsfeuchte des Betons eingestellt hat. Da dies in der Regel nicht mit dem erforderlichen Baufortschritt in Einklang zu bringen ist, empfehlen wir solche Putze nicht zu verwenden. Es hat sich vielmehr bewährt, einen dünnlagigen Kalk- bzw. Kalk- Zement-Putz zu verwenden, dessen Haftung auch auf glatten Betonuntergründen optimiert ist. Hier bietet die Werktrockenmörtelindustrie eine Reihe von speziellen Putzen an, die sich in der Praxis als gut geeignet erwiesen haben. Für einen solchen Putz ist eine Vorbehandlung des Untergrunds (z. B: eine Grundierung) in der Regel nicht notwendig. Der Putz wird nach Herstellerangaben meist einlagig aufgetragen und entsprechend nachbearbeitet, also geglättet oder gefilzt. Die Stärke der Putzlage richtet sich nach den örtlichen Gegebenheiten und liegt zwischen wenigen mm und ca. 15 mm, d. h. die Wände können dünnschichtig verputzt ( gespachtelt ) werden, größere Unebenheiten aber mit dem selben Material ausgeglichen werden. Wir empfehlen dringend entlang der Wandkanten, insbesondere entlang des Deckenanschlusses einen Trennschnitt ( Kellenschnitt ) auszuführen, um die Putzflächen sauber voneinander zu trennen. Ein solcher Putz eignet sich als Untergrund für Anstriche und Tapeten, er kann mit einer Putzglätte oder mit einem strukturierten Oberputz überzogen werden. Er dient auch als Grundputz unter keramischen Fliesenbelägen.

4.3.4 Verputzen von Wandelementen aus gefügedichtem Leichtbeton 4.3.4.2 Außenputz Wandelemente aus gefügedichtem Leichtbeton werden normalerweise als tragende Innenwände eingesetzt und nur selten als Außenwände verwendet. Dann werden Sie im Wohnungsbau aber in aller Regel mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Werden die Elemente aber außen doch herkömmlich verputzt, gelten die gleichen Empfehlungen und Regelungen wie bei Wandelementen aus haufwerksporigem Leichtbeton nach DIN 4232 bzw. DIN EN 1520. Es eignen sich also alle Putze, die in der Tabelle 1: Außenputz (Pkt. 4.3.2.8) zusammengefaßt sind. Bilder

4.3.5 Verputzen der Liapor- Verbundwand Die Liapor-Verbundwand wird nach der bauaufsichtlichen Zulassung Z-2.2-40 Wandbauart mit Liaver Wärmedämmschicht 080 gefertigt und besteht in der Regel aus einer tragenden Schicht aus haufwerksporigem Leichtbeton der Festigkeitsklasse LB 2 und einer Wärmedämmschicht aus Liaver mit einer maximalen Schichtstärke von 175 mm. Diese Wärmedämmschicht aus Liaver und Zement wird im Werk frisch in frisch auf die tragende Leichtbetonschicht aufgebracht. Erstarrt und abgebunden stellt sie nach dem Errichten des Rohbaus einen relativ anspruchsvollen Putzgrund für den abschließenden Außenputz dar. Aufgrund der sehr niedrigen Trockenrohdichte von 290 bis 350 kg/m³ ergibt sich neben dem niedrigen Bemessungswert der Wärmeleitfähigkeit λ von 0,08 bzw. 0,09 W/(mK) auch eine geringe Festigkeit und hohe Elastizität, die sich in einem E-Modul 1000 N/mm² ausdrückt. 4.3.5.1 Innenputz Die Innenseiten der Liapor-Verbundwand bestehen in aller Regel aus haufwerksporigem Leichtbeton und sind daher wie die Liapor- Massivwand zu betrachten. Es gelten also alle Aussagen zum Innenputz aus dem Kapitel 4.3.3 Verputzen der Liapor-Massivwand. Als Putze für den Innenbereich eignen sich alle Innenputzsysteme, die in der Tabelle2: Innenputze (Seite...) zusammengefasst sind. Bestehen die Innenseiten jedoch aus Leichtbeton mit geschlossenem Gefüge (glatte, dichte geschlossene Oberfläche) eignen sich gipsgebundene Putze nur mit erheblichen Einschränkungen. Es gelten daher die Ausführungen im Kapitel 4.3.4 Verputzen von Wandelementen aus gefügendichtem Leichtbeton, Innenputz. Wir empfehlen grundsätzlich, kalk-zement-gebundene Putzsysteme mit abgesimmten Eigenschaften zu verwenden. 4.3.5.2 Außenputz Herkömmliche Leichtputze nach DIN 18550, Teil 4 sind aufgrund ihrer zu hohen Trockenrohdichten, Druckfestigkeiten und E-Module nicht zum Verputzen von Untergründen wie der Liaver-Dämmschicht geeignet. Um Spannungen, dadurch bedingte Rissbildungen, Hohlstellen und Putzablösungen zu vermeiden, muss der Putz speziell auf diesen Untergrund abgestimmt sein. Deshalb wurden von der Werktrockenmörtelindustrie sog. Ultraleichtputze in Anlehnung an DIN 18550, Teil 4 entwickelt, die sich zum Beschichten der Dämmschicht sehr gut eignen. Entsprechend der Zulassung Z-2.2-40 Wandbauart mit Liaver Wärmedämmschicht 080 kann die Dämmschicht auf zwei Arten verputzt werden: a) Dünnbettarmierungsputz MG P II (CS II) in einer Dicke von 4-8 mm b) Ausgleichsputz im Dickbettverfahren MG P Ic (CS I) in einer Dicke von 15 mm ( Ultraleichtputze ) Dünnbettarmierungsputze können dann zum Einsatz kommen, wenn keine Unebenheiten und Versätze ausgeglichen werden müssen. Diese Spachtelputze enthalten mineralische leichte Gesteinskörnung und eine entsprechende Kunststoffvergütung. Sie werden von Hand oder mit einer handelsüblichen Putzmaschine aufgetragen und mit der Glättkelle in entsprechender Stärke abgezogen. Die Dünnbettarmierungsputze müssen folgende technische Eigenschaften besitzen:

4.3.5 Verputzen der Liapor- Verbundwand - Putzmörtelgruppe: P II nach DIN 18550, Teil 2, (CS II nach EN 998, Teil 1) - Wasseraufnahme: Wasseraufnahmekoeffizient: w 2,0 kg/(m² h 0,5 ) (DIN 52617) wasserhemmend nach DIN 18550, Teil 3 und 4 - Diffusionseigenschaften: Wasserdampfdiffusionswiderstandszahl μ < 11 - Brandschutzklasse: A1 nach DIN 4102. In diese Spachtelschicht wird am besten vollflächig, zumindest aber an allen kritischen Stellen, z.b. an Fugenstößen und Wandöffnungen, ein geeignetes alkalibeständiges Glasfaser-Armierungsgewebe faltenfrei eingebettet. Das Gewebe muss vollständig in der Spachtelschicht liegen und an den Stößen mindestens 10 cm überlappen. Der Armierungsputz muss immer mit einem geeigneten Oberputz überzogen werden. Wenn eine derartige Armierungsschicht nicht ausreicht, um eine ebenmäßige Oberfläche zu schaffen, wird die Verbundwand mit einem sog. Ultraleichtputz verputzt, der über folgende technische Eigenschaften verfügen muss: - Putzmörtelgruppe: P Ic nach DIN 18550, Teil 2, (CS I nach EN 998, Teil 1) - Trockenrohdichte: 1000 g/dm³ (bevorzugt ca. 800 g/dm³) - Druckfestigkeit: max. 2,5 N/mm² - Biegezugfestigkeit: max. 1,5 N/mm² - Wasseraufnahme: Wasseraufnahmekoeffizient: w 2,0 kg/(m² h 0,5 ) (DIN52617) wasserhemmend nach DIN 18550, Teil 3 und 4 - Brandschutzklasse: A1 nach DIN 4102. Ultraleichtputze werden in den meisten Fällen ähnlich wie normaler Leichtputz mit einer handelsüblichen Putzmaschine verarbeitet. An allen kritischen Stellen, z.b. an Fugenstößen und Wandöffnungen wird ein geeignetes, alkalibeständiges Glasfaser-Armierungsgewebe faltenfrei eingebettet. Das Armierungsgewebe muss im oberen Drittel der Putzschicht liegen und an den Stößen mindestens 10 cm überlappen. In der Regel wird ein solcher Ultraleichtputz aufgeraut (rabotiert) und mit einem geeigneten Oberputz beschichtet. Es ist aber auch möglich, diesen Putz nur zu filzen und eine Oberfläche zu schaffen, die nur noch gestrichen werden muss. Insbesondere bei der Gestaltung von Fensterfaschen und sonstigen Umrahmungen und gestalterischen Elementen ist dies sehr vorteilhaft. Nach einer Standzeit von mindestens 1 Tag pro mm Putzstärke werden sowohl der Dünnbettarmierungsputz als auch der Ausgleichsputz im

4.3.5 Verputzen der Liapor- Verbundwand Dickbettverfahren mit einem mineralischen Oberputz beschichtet, der die folgenden Eigenschaften besitzen muss: - Putzmörtelgruppe: P Ic oder P II nach DIN 18550, Teil 2, (CS I oder CS II nach EN 998, Teil 1) - Druckfestigkeit: ca. 2,5 N/mm 2 - Biegezugfestigkeit: max. 1,5 N/mm 2 - Wasseraufnahme: Wasseraufnahmekoeffizient: w 0,5 kg/(m² h 0,5 ) (DIN 52617) wasserabweisend nach DIN 18550, Teil 3 und 4 - Brandschutzklasse: A1 nach DIN 4102. Diese Oberputze enthalten in der Regel mineralische leichte Gesteinskörnung und eine Kunststoffvergütung. Die Körnung sollte 3 mm nicht unterschreiten. Bei farbigen Edelputzen muss entsprechend dem Merkblatt Egalisationsanstriche auf Edelputzen ein diffusionsoffener Anstrich mit einer Silikat- oder Silikonharzfarbe vorgesehen werden. Um Schäden zu vermeiden, die durch eine falsche Putzauswahl bzw. applikation entstehen, sollte immer im System gearbeitet werden, d. h. die einzelnen Produkte müssen aufeinander abgestimmt sein. Die genauen Verarbeitungsvorschriften, Abbindezeiten und sonstige zu beachtende Details können den technischen Unterlagen der jeweiligen Hersteller entnommen werden.