Zeichen von Dank, Liebe und Hingabe Eucharistische am Gründonnerstag im Seniorenheim Einleitung: In den Kirchen wird heute, am Gründonnerstag, die Messe vom letzten Abendmahl gefeiert. Sie nimmt uns hinein in die Ereignisse des Abends vor dem Leiden und dem Tod Jesu. Wir haben hier leider nicht die Möglichkeit zu dieser Feier, doch können wir uns auf andere Weise die Ereignisse des Gründonnerstags vergegenwärtigen. Als sich Jesus mit seinen Jüngern im Abendmahlssaal versammelt hat, spürt er, dass sein Leben zu Ende geht. Er übergibt den Menschen, die ihm am nächsten stehen, sein Vermächtnis. Sie sollen seine Botschaft weiter zu den Menschen tragen und durch ihr Leben zeigen, was ihm wichtig war und worauf es im Leben ankommt. Als Christinnen und Christen gehören wir zu den Freunden Jesu. Jesus hat seinen Auftrag auch uns übergeben. Er traut uns zu, dass wir diesem Auftrag in unserem Alltag, nach mit nachlassenden Kräften und Möglichkeiten nachkommen können. Dies ist für uns Anlass zur Besinnung, aber auch Grund, Jesus zu danken. Wir danken ihm für das Vorbild seines Lebens. Wir danken ihm, dass er auch in uns sein Vertrauen setzt und uns bittet, in seiner schweren Stunde bei ihm zu bleiben. Wir gestalten den Gründonnerstag-Abend in un- serem Heim als eucharistische. Brot und Wein sind die Zeichen, die uns Jesus gegeben hat. Sie stehen für sein Leben und Sterben, für seine ganze Lebenshaltung. Für uns sind Brot und Wein sowohl Vermächtnis als auch Kraftquelle. Zur Aussetzung des Allerheiligsten singen wir: Das Heil der Welt, Herr Jesus Christ (GL 498) Eröffnungsgebet: Herr Jesus Christus, du hast zu deinen Jüngern am Ölberg gesagt: Bleibt in meiner Nähe, wachet und betet. (vgl. Mk 14,34) Wir sind zusammengekommen, um uns die Ereignisse des Abends vor deinem Leiden zu vergegenwärtigen. Sie sind zwar in ferner Vergangenheit geschehen, doch betreffen sie uns auch heute - unseren Alltag und unsere Gegenwart. Du bist ja nicht ein ferner Gott, sondern der Gott in unserer Nähe. Aus eigener Erfahrung kennst du unser Leben mit all seinen Höhen und Tiefen. In den Gestalten von Brot und Wein, aber auch auf vielfache andere Weise bist du unter uns gegenwärtig. So können wir dich anbeten und dir danken. Herr Jesus Christus, du bist da in der Brotsgestalt: V/A: Wir kommen zu dir und beten dich an. du bist da, wenn wir in deinem Namen zusammen sind: du bist da, wenn wir miteinander reden: du bist da bei unseren Fragen: du bist da, wenn wir leiden: Seite 1 - April 2015
du bist da, wenn wir Abschied nehmen: du bist da, wenn wir nicht mehr aus und ein wissen: du bist da, wenn wir wachen und schlafen: du bist da, wo immer wir auch sind: Wir singen eine weitere Strophe des Aussetzungsliedes mit dem Lied Beim letzten Abendmahle Am Gründonnerstag wird die Lebenseinstellung Jesu, wie er sein Leben verstanden und gestaltet hat, besonders greifbar. Sie besteht aus Dank, Liebe und Hingabe. Das Lied Beim letzten Abendmahle im Gotteslob Nr. 282, regt uns zu einer Besinnung darüber an. Wir singen immer eine Strophe, hören die dazu passenden Worte aus dem Evangelium und halten danach eine. Zum Abschluss überlegen wir, was das Leben Jesu für unser Leben bedeutet. Jesu Dank Beim letzten Abendmahle, die Nacht vor seinem Tod nahm Jesus in dem Saale Gott dankend Wein und Brot. Er nahm den Kelch, sprach das Dankgebet und sagte: Nehmt den Wein, und verteilt ihn untereinander. Und er nahm Brot, sprach das Dankgebet, brach das Brot und reichte es ihnen. (Lk 22, 17.19a) Jesus spricht über Brot und Wein ein Dankgebet. Brot und Wein sind Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit. Als solche sind sie Zeichen für die Welt, in der wir leben: für Alltag und Feiertag, für Freude und Anstrengung, für Mühe und Leid. Sie sind Zeichen für die Welt, die uns oft zur Last wird, auf der zu sein für uns oft beschwerlich ist. Jesus hat die Belastungen des Lebens gespürt, aber auch erfahren, dass Gott, sein Vater, mit ihm geht. Er hat gespürt, dass Gott da ist. Er hat dies den Menschen nicht nur unermüdlich gepredigt, sondern auch durch sein Leben gezeigt. Er weiß, dass Gott an der Seite der Menschen steht. Zwar sind Gottes Wege oft anders, als es sich die Menschen vorstellen, sie führen aber zum Ziel, denn er, der Schöpfer weiß, was für die Menschen gut ist. Hier gibt es viel Grund zum Dank. Jesus dankt Gott aus dem Vertrauen heraus, dass - was immer auch kommen mag - Gott für die Seinen da ist. Er ist der Schöpfer, der weiß, was er tut. Gott dankend nimmt Jesus Brot und Wein, die Zeichen für unseren Alltag. Er wandelt sie und sagt damit, dass Gott auch unseren Alltag wandeln möchte. Er ist immer in unserer Nähe. So können auch wir danken. V/A: Jesus Christus, wir danken dir und beten dich an. Du sagst uns, dass hinter allem Gott, der Schöpfer, steht: Du sagst uns, dass Gott unser Vater ist: Seite 2 - April 2015
Du sagst uns, dass wir ihn im Alltag finden können: Du sagst uns, dass Gott unser Leben wandelt: Du sagst uns, dass wir Gott vertrauen können: V/A: Jesus Christus, mein Herr und mein Gott! Jesu Liebe Nehmt, sprach er, trinket, esset: Das ist mein Fleisch, mein Blut, damit ihr nie vergesset, was meine Liebe tut. Er brach das Brot und reichte es ihnen mit den Worten: Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. Tut dies zu meinem Gedächtnis! Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sagte: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird. (Lk 22, 19-20) ausgesetzt und auf die, die alleingelassen sind. Ihnen allen sagt er, dass auch sie Kinder Gottes sind, Menschen mit Sinn und Wert. Er verurteilt andere nicht, lässt sich auch nicht von irgendeiner Seite vereinnahmen. Er hält jene aus, die ihm Steine in den Weg legen und nimmt die Menschen an, wie sie sind. Wo Jesus ist, verspüren die Menschen Gottes Reich. Auch als ihn seine Freunde nicht verstehen, ihn immer wieder enttäuschen, ja einer von ihnen Jesus sogar an seine Feinde verrät, kündigt er ihnen seine Gemeinschaft nicht auf. Er fragt nicht danach, was für ihn, sondern was für sie - die anderen - gut ist. Er ist davon überzeugt, dass Liebe stärker ist als Bosheit und Tod. Die Atmosphäre, die er verbreitet, lässt erahnen, wie es auf der Welt ausschauen würde, würden sich die Menschen an ihn halten. Denen, die nach seinem Vorbild leben, schenkt er sich in Brot und Wein. Dadurch gibt er ihnen die Kraft, die sie zum Leben brauchen. Brot und Wein werden zum Zeichen dafür, dass die Kraft Gottes im Menschen wirkt, wenn er sich auf Jesus einlässt. Worin besteht Jesu Liebe? Sie besteht in seiner Zuwendung zu den Menschen. Aus Liebe kommt er, Gottes Sohn, zu den Menschen. Er wird einer von ihnen, begegnet ihnen auf Augenhöhe, aber doch so, dass sie spüren, hier ist mehr als ein Mensch. Jesus geht auf die Menschen zu, die weder Macht noch Einfluss haben: auf die Frauen und Kinder, auf die Kranken, auf die, die den Vorurteilen ihrer Mitmenschen V/A: Jesus Christus, wir loben dich und beten dich an: Du bist als Mensch zu uns gekommen und in allem uns gleich geworden: Du bist der Gott, der weiß, wie es um uns Menschen steht: Du nimmst jeden an, wie er ist: Du machst Dinge des Alltags, Brot und Wein, zum Zeichen deiner Nähe: Du schenkst uns in der Eucharistie die Kraft, die wir zum Leben brauchen: V/A: Jesus Christus, mein Herr und mein Gott! Seite 3 - April 2015
Jesu Hingabe Dann ging er hin zu sterben aus liebevollem Sinn, gab, Heil uns zu erwerben, sich selbst zum Opfer hin. Jesus verließ die Stadt und ging zum Ölberg; seine Jünger folgten ihm. Als er dort war, sagte er zu ihnen: Betet darum, dass ihr nicht in Versuchung geratet. Dann entfernte er sich von ihnen kniete nieder und betete: Vater, wenn du willst, nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht mein, sondern dein Wille soll geschehen. Da erschien ihm ein Engel vom Himmel und gab ihm neue Kraft. (Lk 22, 39-42) Jesu Liebe zu den Menschen, seine Predigt vom liebenden Gott, hat sich in seinem Leben bisher in Worten, im Gebet, in Zeichen der Zuwendung oder Wundertaten erwiesen. Nun wird Jesus bewusst, dass er sein Ziel, dem Bösen die Macht zu nehmen, nur mit einem sehr hohen Einsatz, dem Einsatz seines Lebens, erreichen kann. Den Weg, den er einmal eingeschlagen hat, kann er nun nicht mehr zurück. Dies führt ihn an die Grenzen seines Gottvertrauens. Im Gebet ringt er mit Angst und Verzweiflung um sich und seinen Weg letztlich ganz in die Hände Gottes zu legen. In Leben eines jeden Menschen - dies bleibt auch Jesus nicht erspart - gibt es Situationen, die den Glauben an den guten Gott ins Wanken bringen. Jesu Weg, damit umzugehen, ist das Gebet. Allen seinen Jüngern, auch uns, rät er dazu. Gott zu sagen, was man denkt, wenn Ängste, Zweifel und Befürchtungen einen bedrängen, hilft, eine schreckliche, ja lebensbedrohliche Situa- tion auszuhalten. Das Gebet bewahrt davor, an Gott und seinen Plänen irre zu werden. - Brot und Wein sind Zeichen der Hingabe Jesu, aber auch Zeichen, dafür, dass Gott uns stärken möchte. Jesus hat sich ganz in die Hände Gottes gegeben und so seinen Weg gehen können. Nun gibt er sich in unsere Hände, damit wir mit ihm zusammen unseren Weg gehen, unseren Weg durch die Höhen und Tiefen des Lebens, durch den Tod in die Hände Gottes. V/A: Herr Jesus Christus wir preisen dich und beten dich an: Du bist deinen einmal eingeschlagenen Weg zu Ende gegangen: Du sagst uns, dass Zweifel und Ängste zum Glauben gehören: Du bist das Beispiel an dem wir sehen können, dass Gott die Menschen stärkt: Du zeigst uns, wozu Liebe fähig ist: Du gehst unseren Weg mit uns: V/A: Jesus Christus, mein Herr und mein Gott! Unsere Antwort an Jesus O lasst uns ihm ein Leben, von jeder Sünde rein, ein Herz ihm ganz ergeben, zum Dankesopfer weihn. Der Mann, der mich verrät und ausliefert, sitzt mit mir am Tisch. Der Seite 4 -April 2015
Menschensohn muss zwar den Weg gehen, der ihm bestimmt ist. Aber weh dem Menschen, durch den er verraten wird. (Lk 21, 22) Kaum ein Mensch wird zusammen mit seinem Verräter essen, beten und feiern. Jesus jedoch lässt sich in seiner Treue und Liebe zu den Menschen nicht beirren, weder durch Verrat, noch durch Verleumdung oder Verleugnung. Seine Liebe ist unendlich, unbegreiflich, immer größer. Der Mensch, der sie abweist, bringt sich selbst ins Verderben. Wir können auf Jesu Liebe antworten durch Dank und Gegenliebe. So geht es in dieser letzten Strophe unseres Liedes noch einmal wie bereits in der ersten um den Dank. Jetzt aber dankt nicht Jesus dem Vater, sondern wir danken Jesus. Wir tun es, so gut wir es können, indem wir versuchen, in seine Liebe hineinzuwachsen. Wir wollen aus ihr leben und sie auf unsere Art und Weise sichtbar machen. Wer hineingenommen ist in Jesu Liebe, wird denken und handeln wie er. Das Brot, das wir essen (und der Wein, den wir trinken) stärken uns dazu Sie verbinden uns mit Jesus und lassen uns wachsen zu einer Gemeinschaft des Dankes, der Liebe und der Hingabe. Herr Jesus Christus, du hast uns am Gründonnerstag Spuren hinterlassen. Wir wollen diesen Spuren folgen: der Spur des Dankes der Spur des Vertrauens der Spur der Liebe der Spur der Hingabe. Sie zeigen uns den Weg, unser Leben mit dir zu gehen. Sie zeigen uns auch den Weg, auf dem wir deine Liebe in unsere Welt, tragen können. Wir danken dir, dass du uns die Kraft dazu schenkst und rufen: V/A: Jesus Christus, mein Herr und mein Gott! Lied O Jesu, all mein Leben bist du (GL 377) Segensbitte Jesus hat am Gründonnerstag Enttäuschung, Dunkelheit und Todesangst erfahren. Er begleite uns, wenn es um uns dunkel wird, er sei uns Zuflucht, wenn wir enttäuscht werden, er bleibe uns treu, wenn unser Glaube erschüttert wird, er sei in unserer Nähe, wenn wir sterben sollen. So segne Gott, der sich an Jesus als der treue Gott erwiesen hat, auch uns heute und alle Tage und in alle Ewigkeit. Amen. ggf. noch Möglichkeit zur weiteren stillen Hanns Sauter Seite 5 -April 2015