Teil 7. Seite 7. Die Ladeeinheiten-Sicherung ist die zweite Stufe bei der Betrachtung der Transportphase. In der VDI-3968 Blatt wird unter Begriffsbestimmungen definiert: Ladeeinheiten im Sinne von DIN 3078 sind Güter, die zum Zwecke des Umschlages durch einen Ladungsträger zusammengefasst sind und es heißt weiter: Eine Ladeeinheit ist ein aus einem einzelnen oder mehreren Stück - gutteilen bestehendes Transportgut, das als Ganzes während des Durchlaufens der Transportkette bzw. in der Warendistribution transportiert, umgeschlagen und/oder gelagert wird. Damit wird klar zum Ausdruck gebracht, eine Ladeeinheit ist so herzustellen, dass sie sich wie ein Stück verhält und die feste Verbindung der Güter mit dem Ladungsträger eine unabdingbare Forderung ist. An dieser Stelle setzt die Ladeeinheitensicherung an. Im Vorfeld muss überlegt werden, welche Art Güter auf einem Ladungsträger zusammengefasst werden muss. Eine Haupt - unterscheidung ist die Frage, ob die Ladeeinheit aus kommissionierten, unterschiedlichsten Gütern besteht oder aus einheitlichen Produkten mit immer gleichen Abmessungen.
Teil 7. Seite 2 Ladeeinheitensicherung Die sich daran anschließende Frage ist die Beantwortung der Stapelfähigkeit. Können die Güter gestapelt werden und falls ja, wie hoch. Hier spielt die Auswahl des richtigen Kartonmaterials eine große Rolle, denn neben der statischen Stapellast sind auch die dynamischen Belastungen während der Transportphase zu berücksichtigen und die Kräfte, die durch die Methode und das Material der Ladeeinheitensicherung entstehen. Dann sind noch die Fragen zu beantworten, wie viele Ladeeinheiten pro Tag gepackt/gesichert werden müssen und was der zweckmäßigste Ladungsträger ist. Daraus ergeben sich drei Denkrichtungen für die Ladeeinheitensicherung: eine manuelle eine halbautomatische oder eine vollautomatische Methode. Manuelle und halbautomatische Ladeeinheiten sicherung Dieses Werk will sich auf die manuelle und halbautomatische Ladeeinheiten - sicherung beschränken, weil zu den vollautomatischen Methoden auch Überlegungen der Fabrik- und Betriebsgestaltung gehören und dies den Rahmen sprengen würde. Die manuellen Methoden zur Ladeeinheitensicherung sind aus Erfahrung dann geeignet, wenn die Anzahl der Ladeeinheiten 20-30 Stück pro Tag nicht übersteigt. Werden es mehr, kann über eine halbautomatische Methode nachgedacht werden, falls die zu packenden Ladeeinheiten 50 Stück pro Tag nicht überschreiten. Danach sollte eher über eine vollautomatische Methode nachgedacht werden. Um den richtigen Ladungsträger auszuwählen, bietet die VDI-3968 Blatt 2 detaillierte Hinweise, die durch ergänzenden Überlegungen und Erfahrungen unterstützt werden sollen. Die Europalette ist ein in vielen Bereichen benutzter Ladungsträger. Er ist aber nicht für alle Güter geeignet, vor allem dann nicht, wenn die Güter die Palettenabmessungen überschreiten.
Teil 7. Seite 3 Grundsätzlich sollte der Ladungsträger immer mindestens so groß sein wie die Güter, die darauf platziert werden. Stehen die Güter über, ist immer mit einem Transportschadensrisiko zu rechnen. Die Kräfte, die beim Transport entstehen können, sollen von Ladungsträger zu Ladungsträger übertragen werden und nicht über die Ladung selbst. In dem vorstehenden Bild ist der Ladungsträger viel zu kurz, weshalb bereits ein Warenschaden eingetreten ist. Bei Anlagen mit Anbauteilen, Anschlusstücken usw. sollte der Ladungsträger immer so bemessen sein, dass sich wenigstens 50 mm Abstand zwischen der Ladungs trägerkante und dem Anbauteil ergibt. Damit lassen sich Minibe - wegungen, die während des Transportes nicht zu vermeiden sind, kompensieren. Unter Umständen kann es sogar Sinn machen, dass auch mit einer Deckplatte gearbeitet wird, um die Kräfte ausschließlich über den Ladungsträger zu übertragen.
Teil 7. Seite 4 Ladeeinheitensicherung ➊ ➋ ➊ Bei rechteckigen Packstücken ist die Verbundstapelung stets anzustreben, weil sich somit durch das Packmuster eine wesentlich höhere Eigenstabilität ergibt als beim Säulenstapel. ➋ Lässt sich der Säulenstapel nicht umgehen, muss die dadurch entstehend Instabilität durch andere Packhilfsmittel kompensiert werden, z.b. mit stehenden Kantenschutzwinkeln an den Ecken, die aber dann mit Umreifungs band gehalten werden müssen. Im Idealfall reichen diese Winkel auch noch über den Palettenboden hinaus und ergeben so in der Horizontalen noch einen zusätzlichen Formschluss. ➌ ➌ Die Säulenstapelung sollte möglichst vermieden oder wenigstens niedrig gehalten werden. ➍ Sollte sich aufgrund der zu verpackenden Gütermenge ergeben, dass die oberste Lage nicht komplett ausgefüllt werden kann, dann soll eine symmetrische Form angestrebt werden, weil dadurch die nachfolgenden Sicherungs - maß nahmen optimal wirken können. ➍
Teil 7. Seite 5 Welche Methoden stehen nun für die feste Verbindung der Güter mit dem Ladungsträger zur Verfügung? Auch hier bietet die VDI-3968 mit dem Blatt 3 Umreifen, Blatt 4 Schrumpfen und Blatt 5 Stretchen eine wertvolle Hilfe für die Entwicklung einer optimalen Ladungssicherung. Das Blatt 6 befasst sich dann mit den Sonstigen Sicherungs-Methoden. Wollen wir uns erst mit der Methode Umreifen auseinander setzen. Für das Umreifen stehen unterschiedliche Materialien zur Verfügung. Hauptsächlich werden jedoch die Materialien Stahl, Polyester (PET) und Polypropylen (PP) verwendet. Die Materialkosten haben sich in den letzten Jahren am Markt stark verändert, weshalb man heute davon ausgehen kann, dass sie in der Reihenfolge: PP, PET, Stahl steigen. Das führt häufig dazu, dass sich der Einkauf für ein im Preis niedriges Band entscheidet, obwohl es für die beabsichtigte Anwendung nicht oder nur wenig geeignet ist. Das Bandmaterial und dessen Qualität muss immer aus Sicht der Anwendung ausgewählt werden, erst danach können Preisunterschiede zum Tragen kommen. Umreifen Ein wesentlicher Unterschied der Materialien zeigt sich in einem Kraft-Deh - nungsdiagramm, das nachfolgend skizzenhaft dargestellt werden soll. Quelle: Oragpack Hier zeigt sich, dass Stahlband zwar eine sehr hohe Zugfestigkeit besitzt, aber eine geringe Dehnung, weshalb Änderungen im Umfang der umreiften Lade - einheit so gut wie gar nicht kompensiert werden können. Demgegenüber steht das PET-Band mit einer geringeren Zugfestigkeit, dafür aber einer größeren Dehnung, weshalb Änderungen am Umfang besser abgefedert werden. PP- Band hat die größte Dehnfähigkeit, aber auch die geringste Zugfestigkeit. Dieses Kraft-Weg-Diagramm ist eine Betrachtungsweise, die andere Frage ist, wie verhält sich das Material unter der dauerhaften Belastung im Einsatz?
Teil 7. Seite 6 Ladeeinheitensicherung Quelle: VDI-3968 Diesen Zusammenhang zeigt die Grafik, indem der Spannungsverlust über der Zeit dargestellt wird. Und es ist eindeutig zu sehen, dass PP sehr schnell die aufgebrachte Spannung verliert. Daraus ergeben sich folgende Überlegungen: Das Umreifungsmaterial muss auch unter dem Blickwinkel der Lager- und Transportdauer betrachtet werden. Je länger also die wahrscheinliche Lageroder Transportdauer sich ergibt, desto eher kann die Verwendung von PP-Band ausgeschlossen werden und der Einsatz von PET-Band liegt nahe. Die PP- Bänder sind meist schwarz eingefärbt und in den Breiten von 2,7 bis 9 mm erhältlich. Die Farbgebung ist nur in Deutschland bindend. Bänder, die unter 2,7 mm Breite liegen, sind meistens solche, die in Automaten verwendet werden. Die Hersteller geben meistens die Reißfestigkeit oder Bruchlast an. Dabei verwenden sie als Einheit sowohl Kilogramm (kg) als auch in Newton (N) und machen es dem Anwender dadurch nicht leichter. Unter Außerachtlassung einiger Ungenauigkeiten kann angenommen werden, dass kg etwa 0 N oder dan entspricht. Die Bruchlast liegt beim PP-Band zwischen 0 und 380 dan. Die Tabelle zeigt nur eine Auswahl und keine Gesamtübersicht. Polypropylen Breite Stärke Bruchlast Dehnung mm mm dan % 2 0.55 0 20% 2 0.60 30 20% 2 0.80 240 20% 5 0.60 90 20% 5 0.80 250 20% 5.5 0.70 230 20% 6 0.60 220 20% 6 0.70 260 20% 6 0.80 300 20% 8 0.80 370 20% 8 0.90 380 20% 9 0.55 250 20%
Teil 7. Seite 7 PET-Bänder werden in den Breiten zwischen 2,7 und 32 mm angeboten, wobei im Bereich der Ladeeinheiten-Sicherung die Breiten bis 9 mm überwiegen. Jene über 9 mm sind eher für Sonderanwendung, z.b. bei Baustahlprodukten gedacht. Die Bruchlast wird zwischen 350 und 880 dan angegeben. Polyester Breite Stärke Bruchlast Dehnung mm mm dan % 2.5 0.60 350 2-8% 2.5 0.68 400 2-8% 5.5 0.60 440 2-8% 5.5 0.70 500 2-8% 5.5 0.76 600 2-8% 6 0.80 630 2-8% 6 0.88 650 2-8% 6.00 700 2-8% 9.0 0.80 700 2-8% 9.0.00 880 2-8% Ein Umreifungsband hat an der Ladeeinheit die gleiche Funktion wie ein Spanngurt auf dem LKW. Das heißt, die Sicherungswirkung ist nur dann vorhanden, wenn auch eine ausreichende Spannung anliegt. Wie kann diese aufbracht werden? Welches Gerät sollte dazu eingesetzt werden? Die meisten verwendeten Handgeräte werden mit Akku betrieben und sind damit unabhängig von einer Stromverbindung nutzbar, was sie sehr flexibel macht. Die Verschlußtechnik ist das so genannte Reibschweißverfahren. Dabei wird über eine Excenter-Welle ein Reibelement sehr schnell bewegt, wobei sich das Band erhitzt und unter Druck miteinander verschmolzen wird. Sofern die Geräteeinstellungen optimal vorgenommen sind, können Ver - schlußfestigkeiten von ca. 75 % der Bandbruchlast erreicht werden.