Entwicklungsbiologie 02

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Transkript:

Entwicklungsabschnitte Embryonalphase: entscheidende Entwicklungsprozesse: (Embryogenese) Furchung, Gastrulation, Organogenese Entwicklungsbiologie 02 Ernst A. Wimmer Abteilung Entwicklungsbiologie Juvenilphase: intensives Wachstum auf zellulärer Ebene: Spezifikation, Determination, Differenzierung direkte Entwicklung indirekte Entwicklung Larvalstadien mit Metamorphose Adultphase: regenerative Prozesse (adulte Stammzellen) Seneszenzphase: Alterungsprozesse, Tod Befruchtung Rotation des cortikalen Cytoplamas zur Eintrittsstelle des Spermiums Grauer Halbmond in Äquatornähe Festlegung der ersten Furchungsebene und der Achsen Furchung beim Froschkeim Ergebnis der Furchungsteilungen Blastomeren einzelne Zellen der ersten mehrzelligen Entwicklungsstadien Morula kompakter Zellhaufen aus Blastomeren (Maulbeerkeim) Blastula vielzelliges frühes Entwicklungsstadium in Form einer Hohlkugel (Blasenkeim) Blastocoel innerer Hohlraum der Blastula (primäre Leibeshöhle) Animaler Pol Pol der polarisierten Eizelle, an dem meist der Zellkern liegt Vegetaler Pol dem animalen Pol gegenüberliegender, dotterreicher Eipol 1

Querschnitt durch die Frosch-Blastula Gastrulation Entwicklungsvorgang, führt zur Ausbildung der: Gastrulation durch Invagination Gastrula (aus der Blastula) und der Keimblätter verbunden mit morphogenetischen Bewegungen Morphogenese = Bildung der Gestalt Lewis Wolpert: Nicht Geburt, Hochzeit oder Tod sondern die Gastrulation ist der wichtigste Augenblick im Leben des Menschen Branchiostoma lanceolatum 2

Gastrula becherförmiges Entwicklungsstadium entsteht durch Einstülpung oder Einwanderung von Zellen der Blastula Zellschichten entsprechen den ersten beiden Keimblätter (Ektoderm und Entoderm) Entspricht prinzipiell der Organisation bei adulten Schwämmen, Cnidaria und Ctenophora Gastraea-Theorie (Haeckel): Monophylie der Metazoa Ergebnis der Gastrulation Primäre Leibeshöhle Volumen des Blastocoels (Körperhohlraum zwischen Ekto- und Entoderm) wird eingeengt Urdarm entodermaler Hohlraum der Gastrula, (gaster, griechisch Magen) entsteht durch Einstülpung des Blastulaepithels: Archenteron Urmund Einstülpungsstelle des Urdarms: Blastoporus Unterteilung der Bilateria nach Schicksal des Urmundes Protostomier (Urmünder) Tierstämme, bei denen der Urmund der Gastrula zum definitiven Mund wird und der After neu gebildet Formen der Gastrulation Invagination Bildung des Urdarms durch Einstülpung (Branchiostoma, Cnidaria, Echinodermen) Immigration Einwanderung von einzelnen Zellen ins Blastocoel (Ingression) (primäre Mesenchymzellen beim Seeigel) Deuterostomier (Neumünder) Tierstämme, bei denen sich in der Ontogenese der definitive Mund neu bildet und der Urmund der Gastrula zum After wird. Diese Aufteilung ist noch in vielen Lehrbüchern zu finden, da Unterteilung an sich korrekt, aber die Definition ist in dieser Form heute eigentlich nicht mehr haltbar (siehe Anteroposteriore Achse und Hox-Gene)! Gastrulation durch Immigration und Invagination Seeigel Paracentrotus lividus 3

Formen der Gastrulation Invagination Bildung des Urdarms durch Einstülpung (Branchiostoma, Cnidaria, Echinodermen) Gastrulation durch Delamination Huhn Gallus gallus Immigration Einwanderung von einzelnen Zellen ins Blastocoel (Ingression) (primäre Mesenchymzellen beim Seeigel) Delamination Entodermbildung durch plattenartige Einwanderung: Abblätterung von Zellschichten (Hypoblast-Bildung bei Vögeln und Säugetieren) Formen der Gastrulation Invagination Bildung des Urdarms durch Einstülpung (Branchiostoma, Cnidaria, Echinodermen) Gastrulation durch Involution und Epibolie Immigration Einwanderung von einzelnen Zellen ins Blastocoel (Ingression) (primäre Mesenchymzellen beim Seeigel) Delamination Entodermbildung durch plattenartige Einwanderung: Abblätterung von Zellschichten (Hypoblast-Bildung bei Vögeln und Säugetieren) Involution Umstülpung, Umströmung: Einwanderung über den Blastoporusrand (Mesodermbildung bei Amphibien) Epibolie Umwachsung einer inneren Masse Ektoderm der Amphibien umschließt Zellen des vegetativen Pols: (Dotterpfropf) Krallenfrosch Xenopus laevis 4

Konvergente Ausdehnung einer Zellschicht Xenopus_Giant.mov Formen der Gastrulation Invagination Bildung des Urdarms durch Einstülpung (Branchiostoma, Cnidaria, Echinodermen) Immigration Einwanderung von einzelnen Zellen ins Blastocoel (Ingression) (primäre Mesenchymzellen beim Seeigel) Delamination Entodermbildung durch plattenartige Einwanderung: Abblätterung von Zellschichten (Hypoblast-Bildung bei Vögeln und Säugetieren) Veränderungen der Zellform und der Zellposition bewirken, dass die Zellschicht schmaler und länger wird. Zellen strecken sich in eine bestimmte Richtung und kriechen zwischen einander (konvergieren). Das Ergebnis dieser Konvergenz ist einer Ausdehnung (Extension) der Zellschicht senkrecht zur Konvergenzrichtung. Involution Umstülpung, Umströmung: Einwanderung über den Blastoporusrand (Mesodermbildung bei Amphibien) Epibolie Umwachsung einer inneren Masse Ektoderm der Amphibien umschließt Zellen des vegetativen Pols: (Dotterpfropf) Ergebnis der Gastrulation: Keimblätter embryonale Zellschichten, die während der Gastrulation gebildet werden aus ihnen gehen die verschiedenen Organsysteme und Gewebe hervor äußeres Epithel: Ektoderm (1. Keimblatt) inneres Epithel: Entoderm (2. Keimblatt) bei Bilateria dazwischen zusätzlich 3. Keimblatt (Mesoderm): triplobastisch im Gegensatz zu den diploblastischen Radiata Organogenese Aus den Keimblättern bilden sich Organe. Für die Organogenese müssen die verschiedenen Keimblätter miteinander interagieren. Ende der Präformationstheorie in den 1820ern. Ausbildung von verschiedenen Gewebetypen: Epithelien: Haut-, Darm,- Lungen- und Blasenepithel Nervengewebe Muskelgewebe: quer gestreifte, schräg gestreifte, glatte, Herzmuskulatur Bindegewebe: lockeres und formgebendes Ektodermale Organe Epidermis und deren Derivate: Hautdrüsen, Haare, Schuppen, Federn Nervensystem und Neuralleistenderivate Plakoden: beteiligt am Aufbau von Sinnesorganen Vorder- und Enddarm (Stomodaeum, Proctodaeum) Protonephridien (vieler Wirbelloser) Malpighi-Gefäße der Insekten Tracheen 5

Entodermale Organe Mitteldarm und Anhangsorgane: Leber, Bauchspeicheldrüse Lungen, Kiementaschen, Schwimmblase einige endokrine Organe: Schilddrüse, Nebenschilddrüse Thymus Blase Malpighi-Gefäße der Spinnen Mesodermale Organe Coelom (sekundäre Leibeshöhle) Notochord Muskulatur Bindegewebe Skelett Blut und Lymphgefäße Exkretionsorgane: Nephridien, Nieren Gonaden und Gonadenausführgänge (aber nicht die Keimzellen selbst) Neurulation Formänderungen der Zelle während der Neurulation Neurulation Auf Gastrulation folgender Entwicklungsvorgang bei Chordaten Einfaltung der Neuralplatte Aufwölbung der Neuralleisten (Neuralwülste) Einsinken der Neuralplatte: Anlage des Neuralrohrs Cytoskelett-Reorganisation: Verlängerung der Makrofilamente (Mikrotubuli) bei gleichzeitiger Kontraktion von Mikrofilamenten (Actin) 6

Neurulation Ektodermale Organe der Neuralplatte Neuralrohr ZNS: Hirnbläschen, Augenblase, Rückenmark, Hypophysenhinterlappen Neuralleistenzellen Cranial- und Spinalganglien Hirnhäute Pigmentzellen Knorpel und Knochen des Visceralskeletts Teile des Seitenliniensystems Mesoderm: Somiten Chordamesoderm Mesodermale Organe Chorda dorsalis bzw. Notochord (Zwischenwirbelscheiben) Segmentierte Somiten: Ursegmente Sklerotom, bildet Wirbel Myotom, bildet Muskeln Dermatom, bildet Unterhautgewebe (Dermis) Seitenplattenmesoderm: unsegmentiert bildet Körpercoelom Mesoderm: Somiten Furchung, Gastrulation und frühe Organogenese beim Hühnerembryo. 7

Furchung, Gastrulation und frühe Organogenese beim Hühnerembryo. Furchung, Gastrulation und frühe Organogenese beim Hühnerembryo. Frühe Entwicklung des menschlichen Embryos Frühe Entwicklung des menschlichen Embryos Frühe Entwicklung des menschlichen Embryos Frühe Entwicklung des menschlichen Embryos 8

Embryonalhüllen Dottersack Entsteht durch Umwachsen der Dottermasse von seitlichen Ränder Mit ento-mesodermaler Hülle Dient der Ernährung des Embryos Bei Säugetieren als Relikt erhalten Embryonalhüllen beim Hühnerembryo. Amnion ekto-mesodermale innere Embryonalhülle der Amnioten (Reptilien, Vögel, Säuger) Wand der flüssigkeitsgefüllten Amnionhöhle, die den Embryo umgibt Serosa (Chorion) äußerste Embryonalhülle der Amnioten Zwischen Amnion und Serosa: extraembryonales Coelom Allantois Aussackung des Enddarms: Exkretspeicher und Atmungsorgan Embryonalhüllen beim Hühnerembryo. Embryonalhüllen beim Hühnerembryo. Embryonalhüllen des menschlichen Embryos Embryonalhüllen des menschlichen Embryos 9