DER SCHMUCKKÜNSTLER Otto Jakob stellt Schmuckstücke her, die auch Kunstwerke sind. Dazu verwendet er ungewöhnliche Materialien: neben Gold und Edelsteinen sind das zum Beispiel Holz oder Samen. Die Formen stammen oft aus der Natur, wichtig ist ihm aber die Symbolsprache seiner Werke. Sein Handwerk hat er sich selbst beigebracht. Heute ist er weltweit bekannt und hat schon für berühmte Künstler gearbeitet. MANUSKRIPT Ein Ring wie eine Skulptur mit Antilopenkopf, ein Kettenanhänger als tätowierte Hand mit Koi, die Finger, geschmückt mit Saphir- und Diamantringen Details, die oft erst auf den zweiten Blick auffallen. Die Kreationen des Karlsruher Goldschmieds Otto Jakob sind voller Humor und Andeutungen, wie dieser Ohrschmuck, den er Reiche Schwarze nennt. OTTO JAKOB (Goldschmied aus Karlsruhe): Schönheit ist für mich interessanterweise bei einem Schmuckstück dann vorhanden, wenn es ne Vibration hat, und die Vibration ist oft durch ne Störung, die sogar noch mit drin ist. Das heißt, das Schlimmste ist, wenn es so glattgebürstet schön ist. Otto Jakob ist Autodidakt. Das Handwerk hat sich der Goldschmied selbst beigebracht. Er orientierte sich dabei an der Schmiedekunst der alten Etrusker und Kelten Kulturen, die ihn schon als Kind faszinierten. Zehn Mitarbeiter setzen gemeinsam mit ihm seine Entwürfe um. Sie verarbeiten auch unkonventionelle Materialien wie Ebenholz oder tropische Samen, mischen sie mit Gold und Edelsteinen. Ich hätte wahrscheinlich keine so ne Vielfalt, wenn ich nicht alle möglichen Lieblingsmaterialien hätte. Es ist so, ich hab ne Sehnsucht nach nem bestimmten Material, dann arbeite ich mit dem, dann ist das irgendwann genug, und dann habe ich als Gegenpol oft das Bedürfnis, mit nem andersartigen Material zu arbeiten. Bevor der 64-Jährige sich dem Schmuck widmete, studierte er bei Georg Baselitz Malerei. Doch die erfüllte ihn nicht, und er begann, seine kreativen Fantasien in Schmuck umzusetzen. Für Georg Baselitz entwarf der Goldschmied diese Anstecknadel. Baselitz wurde sein erster zahlender Kunde. Weitere Aufträge folgten, wie von dem Künstler Jörg Immendorff. Der malte für den Juwelier sogar ein Bild. Darauf zu sehen: Immendorff auf dem Turm zu Babel. Die goldene Hand soll Otto Jakob symbolisieren. Ich hatte ja auch noch das Glück, großes Glück, dass ich mit diesen Künstlern zum Teil dann nicht nur zu tun hatte, sondern dass die Seite 1/5
begannen, meine Sachen zu wollen, und dass ich dann quasi die Ehre hatte, für die zu arbeiten, und natürlich ne hohe Stimulation das für mich war, denen nicht irgendein Durchschnittswerk zu fabrizieren, sondern denen etwas Bedeutendes zu machen. Und das war, man kann sagen, der Anfang meiner Arbeit. Inzwischen ist er seit mehr als zwanzig Jahren sehr erfolgreich, weltweit. Otto Jakobs Schmuckstücke sind kleine Kunstwerke. Sie erzählen Geschichten, oft mit einer starken Symbolik. Sie sind auch Kostbarkeiten, die schon mal eine Viertelmillion Euro kosten können. Das Schlimmste ist Deko! Das ist dieser etwas abwertende Begriff von Dekoration, die eigentlich nur noch ne Hülle ist, in der nichts hinter der nichts mehr enthalten ist. Das heißt, ich will immer Inhalte schaffen, die mein Leben bereichern. Viele von Otto Jakobs Arbeiten sind inspiriert von der Natur. In ihr sucht er nach aussagekräftigen Formen, die zu Schmuck werden können. So entstehen zum Beispiel Ohrringe in Form von Blättern oder Käfern. Ich hab mich in die Welt gestellt und hab Ideen gehabt, seitdem ich diese Dinge eben mache. Und es ist einfach nur das Notwendige, dass ich arbeite. Mit dieser Selbstverständlichkeit wird Otto Jakob auch zukünftig weiter Schmuck kreieren ausdrucksstark und immer auch ein bisschen fantastisch. Seite 2/5
GLOSSAR Skulptur, -en (f.) eine Figur, die von einem Künstler aus einem bestimmten, festen Material (z. B. Stein oder Holz) herausgearbeitet wurde Antilope, -n (f.) ein Tier mit Hörnern, das meist Afrika oder Asien lebt und oft ähnlich wie ein Reh aussieht Kettenanhänger, - (m.) das Schmuckstück, das an einer Kette, z. B. einer Halskette, hängt jemanden tätowieren jemandem mit einer Nadel ein Bild auf die Haut zeichnen Koi, -s (m., aus dem Japanischen) ein Fisch in verschiedenen Farben; ein Karpfen Saphir, -e (m.) ein wertvoller, meist blauer Stein Detail, -s (n.) ein kleiner Teil eines Ganzen; die Einzelheit auf fallen bemerkt werden Kreation, -en (f.) hier: das Kunstwerk Goldschmied, -e/goldschmiedin, -nen jemand, der Schmuck und andere Gegenstände aus Gold herstellt Andeutung, -en (f.) der Hinweis auf etwas, der aber nicht deutlich ist vorhanden sein da sein; existieren Vibration, -en (f.) die sehr schnelle Bewegung; gemeint ist hier auch: die Tatsache, dass die Oberfläche von etwas nicht einheitlich und glatt ist glattgebürstet hier umgangssprachlich für: langweilig; normal; so, dass etwas keine Fehler hat Autodidakt, -en/autodidaktin, -nen jemand, der etwas kann oder lernt, ohne von einem Lehrer unterrichtet zu werden sich etwas beibringen etwas selbst lernen, ohne dabei Hilfe zu bekommen sich an etwas/jemandem orientieren beobachten oder studieren, wie etwas gemacht wurde oder wie jemand etwas macht und versuchen, es ähnlich zu machen Etrusker, -/Etruskerin, -nen jemand, der zu einem Volk gehört, das etwa vom 8. bis 1. Jahrhundert vor Christus in Mittelitalien gelebt hat Seite 3/5
Kelte, -n/keltin, -nen jemand, der zu einer indoeuropäischen Volksgruppe gehört, die etwa ab dem 9./8. vor Christus auf verschiedenen Gebieten des heutigen Europas gelebt hat jemanden faszinieren eine besondere Wirkung auf jemanden haben etwas um setzen etwas durchführen; etwas wie geplant machen Entwurf, Entwürfe (m.) der Plan; das Konzept unkonventionell besonders; ungewöhnlich; anders als normal Ebenholz (n., nur Singular) ein Holz, das sehr hart und sehr dunkel ist tropisch so, dass etwas aus Ländern (in den Tropen) kommt, in denen es immer heiß ist Samen, - (m.) ein Korn, aus dem sich eine Pflanze entwickeln kann Edelstein, -e (m.) ein sehr wertvoller Stein Vielfalt (f., nur Singular) die große Anzahl von Unterschiedlichem/Verschiedenem Sehnsucht, -süchte (f.) der große Wunsch nach etwas oder jemandem Gegenpol, -e (m.) hier: etwas ganz anderes als das, was man sonst macht Bedürfnis, -se (n.) der Wunsch; das, was man dringend braucht sich etwas widmen sich mit etwas beschäftigen; sich auf etwas konzentrieren jemanden erfüllen; etwas erfüllt jemanden hier: etwas (z. B. eine Tätigkeit) ist für jemanden so schön, dass er nichts anderes machen möchte; etwas gibt jemandem einen tieferen Sinn Anstecknadel, -n (f.) ein kleines Schmuckstück, das man mithilfe einer Nadel an seiner Kleidung (z. B. einer Jacke) befestigen kann Juwelier, -e/juwelierin, -nen jemand, dessen Beruf es ist, Schmuck zu verkaufen; hier auch: jemand, der Schmuck herstellt Turm zu Babel (m., nur Singular) ein Turm, über den in der Bibel berichtet wird und dessen Bau dort als Ursache für die Entstehung der verschiedenen Sprachen auf der Welt beschrieben wird etwas symbolisieren ein Symbol für etwas sein; für etwas stehen; etwas bedeuten mit jemandem zu tun haben hier: mit jemandem Kontakt haben; mit jemandem arbeiten Seite 4/5
Stimulation, -en (f.) hier: etwas, das jemand hört oder sieht und das ihn dazu bringt, sich noch mehr anzustrengen und besser zu werden Durchschnittswerk, -e (n.) hier: ein Kunstwerk, das nichts Besonderes ist etwas fabrizieren umgangssprachlich für: etwas herstellen (oft negativ) stark hier: groß; deutlich Symbolik (f., nur Singular) die tiefere Bedeutung Kostbarkeit, -en (f.) ein meist kleiner Gegenstand, der sehr wertvoll ist Deko (f., nur Singular) Abkürzung für: die Dekoration; die Verzierung; etwas, was nur hübsch aussehen soll und keine tiefere Bedeutung hat abwertend negativ; so, dass man etwas absichtlich schlecht macht Hülle, -n (f.) gemeint ist hier: etwas, das nur äußerlich schön ist, aber keinen tieferen Sinn hat etwas enthalten etwas als Inhalt haben; hier: etwas haben, das einen tieferen Sinn hat etwas bereichern etwas durch seine Arbeit/seine Tätigkeit besser machen inspiriert sein von etwas so, dass jemand gute neue Ideen durch etwas/jemanden bekommt aussagekräftig so, dass etwas einen Sinn hat, der deutlich wird; eindrucksvoll Selbstverständlichkeit (f. nur Singular) hier: ein Verhalten, das zeigt, das jemand etwas für ganz normal, natürlich und nicht für etwas Besonderes hält etwas kreieren etwas gestalten; etwas herstellen ausdrucksstark hier: so, dass etwas eine große künstlerische Wirkung auf Menschen hat Autorinnen: Stephanie Drescher/Fidaniya Mukhamadieva Redaktion: Ingo Pickel Seite 5/5