Mo, 07.10.2013 Der Häuptling wird 70 Gerd Egger feiert einen runden Geburtstag Unser BJV-Präsident gehört ohne Zweifel zu den ganz Großen im deutschen Judosport Dies nicht nur, weil er ein hervorragender Kämpfer war, sondern, weil er auch andere Aufgaben, die ihm der Judosport abverlangte, meisterhaft löste. In allen Bereichen avancierte er schnell zum Häuptling. Er gehört zu den wenigen Judoka, die nach einer aktiven und erfolgreichen Kämpferlaufbahn dem Judosport nicht den Rücken zukehrten. Gerd Egger gab seine ganze Erfahrung später viele Jahre als Übungsleiter und Trainer an den Nachwuchs weiter. Auch als Funktionär des DJB und des BJV gestaltete er den Deutschen Judosport mit. Er ist zu recht Träger des 8.Dan, der ihm 2002 für seine Verdienste verliehen wurde. Heute ist er unser BJV-Präsident. Grund genug, noch einmal seine Judo-Vita Revue passieren zu lassen Der Kämpfer Gerd Egger sagt über sich selbst, er habe schon als Kind immer gerne gerauft. Als im TSV Lindau endlich unter dem Kaplan Fleiner eine Judoabteilung gegründet wurde, meldet er sich 1957 als 13jähriger sofort an. Aber er hat Schwierigkeiten wegen seinem Alter. Damals war Judo, im Gegensatz zu heute, ein reiner Erwachsenensport. Man glaubte in Deutschland, dass die Ausübung eines Kampfsports wegen der Gefährlichkeit nicht in Kinderhände gehöre. Gerd Egger verdankte die Aufnahme in die Judoabteilung nur seiner Hartnäckigkeit. Es war sein eigener Entschluss gewesen. Auch seine Eltern hatten ihn nicht dazu ermuntert. Von da an führte sein Judo-Weg steil nach oben. Bereits 1961 wurde er in der Gewichtsklasse -60kg Deutscher Jugendmeister. Seine Haupttechnik war der tiefe Tai Otoshi Tiefer Tai Otoshi
Gerd Egger als Jugendlicher (unten rechts) mit Kaplan Fleiner Alle Kyu-Prüfungen legt er beim TSV Lindau ab. Ein Highlight war 1959 die Prüfung zum 4.Kyu. Prüfer waren Heinrich Frantzen, der maßgebende Begründer des DJB, und der damalige Bundestrainer Nagaoka. Japaner galten für den damals jungen Judoka immer als großes Vorbild. Als Grüngurt nahm er damals an einem Lehrgang in Köln-Müngersdorf teil. Die Referenten waren Nagaoka und Kurokawa. Beeindruckend für den jungen Egger war, dass die Japaner eine einzige Technik aus jeder nur erdenklichen Situation beherrschten. In den Jahren von 1962-1966 wechselte er wegen seines Bauingenieurstudiums zum Post SV Konstanz. Auch hier war sein Trainingsfleiß ungebrochen. 1963 wurde er Deutscher Meister und Europameister der Junioren, wofür ihm 1964 vom DDK der 1.Dan verliehen wurde. Das war damals noch möglich. Die Prüfung zum 2. Dan legte er im März 1966 ab. Danach ging es nach Japan. Es war das Jahr, in dem der DJB Mitgliedern der Nationalmannschaft einen Japanaufenthalt ( ½ Jahr) bezahlte. Gerd Egger, der auch zu diesem Kreis gehörte, zögerte keinen Moment. Er kündigte seine Stellung im Statikbüro, wo er nach Abschluss seines Studiums arbeitete. Der Flug war damals noch zu teuer. So fuhren die deutschen Judoka Gerd Egger, Peter Herrmann und Klaus Glahn mit der transsibirischen Eisenbahn durch Russland und setzten dann später mit dem Schiff nach Japan über. Da die Vergütung der deutschen Judoka durch den DJB sehr knapp bemessen war, suchte Gerd nach einer Möglichkeit, sich zusätzlich Geld zu beschaffen. Er fand sie, indem er an der Tenri-Universität Deutschunterricht erteilte. Das Training war sehr hart. Der Trainer von der Tenri-Universität, Matsumoto, verlangte sich und seinen Schützlingen alles ab. Das Training begann jeden Morgen mit einem langen Dauerlauf zum Dojo. Olympiasieger Okano, so erzählt Gerd Egger, habe dabei an jedem Schuh Gewichte von 2kg getragen. Die Trainingseinheiten hätten zum größten Teil aus Randori bestanden Wieder in Deutschland angekommen wurde Gerd Egger in den Jahren 1967 1969 jeweils Internationaler Deutscher Meister. In dieser Zeit (1967) wechselte Gerd Egger, der jetzt im Baureferat München arbeitete, zum TSV Großhadern mit dem er 1968 Deutscher Mannschaftsmeister wurde. Es war eine Hochzeit des Deutschen Judosports. Auch mit der Nationalmannschaft gewann Gerd Egger in den Jahren 1967 und 1969 die Europameisterschaft.
Hier siegt Egger 1967 im Finale gegen Desmet und wird mit der Mannschaft Europameister Außerdem nahm er in den Jahren 1967, 1969 und 1971 an den Weltmeisterschaften teil, und errang 1972 auf der Olympiade in München den 7.Platz. Dies alles sind nur die wichtigsten Stationen in seiner Judo-Vita. Insgesamt war er 12x Deutscher Meister, 3x Europameister, mehrfacher Sieger bei Weltturnieren, 50x bei Länderkämpfen eingesetzt, 3x Teilnehmer auf Weltmeisterschaften und errang 1972 den 7.Platz auf der Olympiade in München Auf Lehrgängen und Trainingslagern des Nationalkaders war es ein gewohntes Bild geworden, dass das Schwergewicht Alfred Meier beim Mittagessen immer neben Gerd Egger saß. Sie ergänzten sich in vorbildlicher Weise. Alfred Meier, dem die Portionen nie ausreichten, wusste, dass bei Gerd immer was abfiel, weil der ständig Gewicht machen musste. Aber nicht nur beim Mittagessen, auch auf der Matte war Gerd meistens mit den Schwergewichten zusammen. Das war wohl auch der Ausschlag dafür, dass Ko Uchigari und O Uchigari mehr und mehr seine Spezialtechniken wurden, weil hier große Techniken nicht so wirksam waren.
Gerd Der Trainer Schon während seiner aktiven Zeit begann sich Gerd Egger auch für die Trainerlaufbahn zu interessieren. Er stieg in die Übungsleiterausbildung ein und erwarb 1970 die damals höchsten Trainerlizenzen, den DJB-Judolehrerschein und die Trainer A-Lizenz. Beim BSP Großhadern war er aber bereits seit 1969 Trainer und war zusätzlich für die Aufstellung der Mannschaft des TSV Großhadern verantwortlich, in der er selbst mitkämpfte. Auch als Trainer entwickelte Gerd Egger Ehrgeiz. Er wollte, dass sein Wissen, sein Können und seine Erfahrung bei seinen Schülern wirklich ankam. Und genau das bewies er in den Jahren 1969-2000. Unter seiner Leitung als verantwortlicher Stützpunkttrainer erkämpften viele Bayerische Judoka, die uns allen bekannt sind, für Deutschland wichtige Medaillen.Es waren Paul Barth, Günther Neureuther, Marc Meiling, Richard Trautmann, Udo Quellmalz, Florian Wanner, Gerhard Dempf, Peter Jupke, Johanna Hagn um nur einige zu nennen. Bei Welt- und Europameisterschaften betreute und coachte er die Athleten des DJB Die Mannschaft des TSV Großhadern wurde in dieser Zeitspanne 9x Deutscher Meister und erkämpfte sich beim Europa-Cup einen 2. und 3.Platz Der Funktionär Ein Glücksfall war es wohl auch, dass er seine Position als Trainer und Funktionär oft parallel ausübte.
Von 1972 2012 war er Referent für Leistungssport des BJV für U20, Männer und Frauen Von 1992 2012 war er ehrenamtlicher Sportwart Männer des DJB Diese Ämter hatte er wohl auch seinen intensiven Kontakten zur japanischen Judoszene zu verdanken, die er seit seinem ersten Japanaufenthalt pflegte. So gelang es ihm immer wieder, japanische Spitzenjudoka und andere Topathleten als Trainer nach Bayern zu holen. Besonders profitierte davon die Bayerische Frühjahrsschule im Kleinwalsertal, die er seit 1980 organisierte. Hier war er zugleich auch oft Referent. Gerd Egger mit Bundestrainer Nakatani
v.l.n.r: Gerd Egger, Neil Adams, Günther Neureuther Gerd Egger mit Weltmeister Okano und Aoki Bei der Weltmeisterschaft 1987 in Essen war er der Hallenchef. Von 1991 2001 organisierte er das jährlich stattfindende Worldmasters in München. Es war von Beginn an ein hochklassisches A-Turnier, bei dem bis zu 60 Nationen teilnahmen. Sein größtes Erlebnis als Funktionär, so spricht er heute, war die Weltmeisterschaft 2001 in München. Die Vergabe unter vielen Mitbewerbern fand 1995 in Makuhari, einem kleinen Vorort von Tokio statt. Für den DJB waren auch Günther Romenath und W. Höfken dabei. Egger sagt heute, er habe sich damals nicht auf die unmittelbar bevorstehende Weltmeisterschaft konzentriert, weil die Konkurrenz zu stark war. An die darauffolgende Weltmeisterschaft dachte damals noch niemand. Diese Chance ließ sich Gerd Egger nicht entgehen, und München bekam den Zuschlag. Er organisierte diese Weltmeisterschaft als OK-Direktor von Beginn an. Es wurde eine tolle Veranstaltung. Als 2012 sein Funtionärsposten beim DJB gestrichen wurde, gab er auch seinen Posten im BJV auf. Dies aber nicht, um seine Hände in den Schoß zu legen. Nein, ein Gerd Egger ist aus einem anderen Holze geschnitzt. Er bewarb sich prompt um das vakante Amt des BJV-Präsidenten, und wurde auch zum Präsidenten gewählt.
Gerd Egger heute (mitte) mit seinen Vizepräsidenten Otto Kneitinger (links) und Andreas Adam (rechts) Bayernjudo gratuliert seinem Präsidenten an dieser Stelle recht herzlich und wünscht ihm für die Zukunft noch viel Kraft bei den kommenden Aufgaben im BJV Bilder: Gerd Egger/Lutz Meier-Staude Lutz Meier-Staude BJV-Presseteam