Apostelgeschichte 2, 1-18 Pfingsten 2001 Vorbereitung: In der Predigt geht es um ein "Lauffeuer". Dieses soll dargestellt werden, indem eine Reihe von Streichhölzern aufgebaut wird, die sich dann selbst entzündet. Ich nutze dafür einen Styroporblock, den ich in Alufolie einwickele. Dort werden die Streichhölzer hineingesteckt, so dass sich sich gegenseitig entzünden. Für den Schluß des Gottesdienstes oder der Predigt werden Streichholzschachteln benötigt. Ich werde diese noch mit einem Bibelvers versehen (Aufkleber mit dem Spruch bedrucken). Die soll an den Gottesdienst und seine Aussage erinnern. Was ist Pfingsten? Was bedeutet das Pfingstfest? Was heißt es, dass Menschen vom Heiligen Geist erfüllt werden? Das sind Fragen, die uns am Pfingstfest immer wieder beschäftigen. Dieses Fest kennen viele Menschen, aber die innere Bedeutung ist doch verloren gegangen. Wir sind noch relativ viele Menschen in der Kirche an diesem Tag, aber die christliche Bedeutung dieses Festes ist doch aus dem Blick verloren worden, das müssen wir wohl realistischer Weise sagen. Was ist Pfingsten? Ich möchte darauf kurz antworten, wie es im Konzept unseres Kindergartens steht: Pfingsten, das Fest der Gemeinschaft und der Zusammengehörigkeit, des Füreinanderdaseins. Es ist sicher schwierig den Heiligen Geist lebendig zu machen, aber als der Ruf in die Gemeinschaft und die Verantwortung füreinander steht dieses Fest für uns im Jahreskreis. Die Pfingstgeschichte erzählt uns auch davon. Damals in Jerusalem, als die Jünger das große Pfingstereignis hatten, da standen auch viele Menschen zusammen. Wir haben es gehört, aus aller Herren Länder kamen sie in Jerusalem
zusammen, um ein Fest zu feiern. Darin waren sie untereinander verbunden, sonst wären die Menschen nicht beieinander gewesen. Dieses Fest wollten sie alle feiern. Ansonsten haben sie sich kaum verstanden. Sprachliche Barrieren waren da, und mit den sprachlichen Barrieren, waren sicherlich auch viele Vorurteile da, die die Menschen voneinander trennten. So wie ja auch wir unsere Vorurteile gegen Fremde haben oder solche, die andere Gedanken in sich tragen, als wir sie haben. Und doch geschah es dann, dass diese Menschen Verständnis füreinander entwickelten. Es geschah etwas, das dazu führte, dass die Menschen einander wahrgenommen haben, sich einander zugewandt haben, dass sie einander plötzlich verstanden haben. Man sprach eine Sprache. Es kamen Zungen, wie von Feuer vom Himmel, und die Menschen veränderten sich. Der Geist Gottes veränderte die Menschen, und plötzlich gingen die Menschen aufeinander zu. Und wie ein Lauffeuer verbreitete sich die gute Nachricht, wie ein Lauffeuer ging es zu, dass die Menschen ihre eigenen Gedanken beiseite schoben. Ich habe Ihnen mal ein solches Lauffeuer vorbereitet. Ich hoffe, dass es jeder sehen kann, was das heißt: Lauffeuer. Entzünden des Lauffeuers Was passierte bei unserem Lauffeuer hier? Da wird das erste Streichholz angezündet, es lässt sich entzünden und gibt dann seine Energie weiter an das nächste Streichholz. Und so wird ein Streichholz nach dem anderen angezündet, ein Streichholz nach dem anderen entflammt. Jedes Streichholz nimmt etwas von der Energie des vorhergehenden und gibt auch etwas weiter an das nächste. Dies ist auch ein Symbol für Pfingsten und für das, was das Pfingstfest ausmacht. Die Streichhölzer heute Morgen stehen für uns Menschen, für die Menschen damals in Jerusalem genauso, wie für uns Menschen heute. Damit Menschen zueinander finden, bedarf es im Grunde immer eines inneren Feuers, wie klein es auch sein mag. Es gehört Wärme dazu. Wir sagen ja auch, dass wir
mit Menschen erst warm werden müssen. Es muss sich etwas entwickeln, wie die Feuerflamme eines Streichholzes bis da etwas gemeinsames entstehen kann. Und wenn diese Wärme dann stärker wird, wenn man warm miteinander geworden ist, dann wird es in einer solchen menschlichen Gemeinschaft auch licht und hell, so wie auch ein Streichholz durch den Feuerschein Licht abgibt. Und so manches Mal brauchen wir auch das Feuer, um die Kälte einer Beziehung zu überwinden. Wenn etwas zwischen einem steht, etwas aus der Vergangenheit, etwas aus den Vorurteilen, die wir einander entgegenbringen, etwas, was die gemeinsame Geschichte betrifft, dann braucht es Wärme und Nähe, um es zu überwinden. Was kann ein solches Feuer sein? Was war es zu Pfingsten in Jerusalem, das die Menschen zueinander hat finden lassen? Zu Pfingsten war es der Geist Gottes, der Geist Jesu Christi, der vom Himmel herabkam und die Herzen der Menschen erfüllt haben. Es war der Geist Gottes, der voller Liebe und Zuneigung für die Menschen war und ist. Es war der Geist, der die Trennungen von Menschen überwindet, weil dieser Geist jeden Menschen als ein von Gott gewolltes Geschöpf ansieht. Menschliche Trennung konnte überwunden werden, weil dieser Geist der Einheit und Gemeinschaft lebendig wurde. Und es war der Geist der Vergebung, der gerade durch den Lebensweg Jesu Christi sehr deutlich wurde, der die Menschen da erwärmt hat füreinander. Schuld vor Gott: Jesus hat sie auf sich genommen, Schuld unter Menschen: Jesus hat sie getragen und damit den Weg frei gemacht für uns, einander zu vergeben. Es war der Geist der Menschenfreundlichkeit, der einander öffnet für den anderen, für seine Not genauso wie für seine Freude. Es war der Geist, der über alles menschlich Verbindende und alles menschlich Trennende hinaus Verbindung schafft. Das hat zu Pfingsten die Menschen zueinander gebracht, das hat sie auf Dauer miteinander verbunden in aller Verschiedenheit, die sie in sich trugen.
Davon haben sie dann auch weitergeben. Jeder von ihnen damals wurde zu einem Streichholz, dessen Licht und Energie an andere weitergegeben wurden, um diese zu entfachen, um Licht und Energie auch in ihnen frei zu setzen. So ist der Glaube weitergegeben worden, so ist der Geist Gottes und Jesu Christi über viele Generationen weitergegeben worden. Und so sind auch wir hier in der Festgemeinschaft von Pfingsten aufgerufen, den Geist unseres Gottes wahrzunehmen, uns entflammen zu lassen und andere zu entflammen. Jesus hat ja einmal gesagt: Ihr seid das Licht der Welt. Und dieses Licht soll leuchten in der Welt, es soll nicht unter einen Scheffel, unter einen Eimer gestellt werden, damit es ja nicht gefährdet ist. Nein, das Licht von uns Christen soll leuchten in der Welt, der Geist Gottes, der Geist Jesu Christi soll in dieser Welt, soll in unseren Lebensgemeinschaften lebendig werden. Das Pfingstfest ermutigt uns dazu, die Gemeinschaft von Menschen und gerade von unterschiedlichen Menschen wahrzunehmen und zu pflegen. Dieses Licht, das von Jesus selber ausgeht, das soll leuchten unter uns. Entzündet können wir werden, wenn wir gleich miteinander das Abendmahl feiern. Das ist ja eines der wichtigsten Zeichen unseres christlichen Glaubens für eine Gemeinschaft, die sich nicht an menschlichen Vorstellungen ausrichtet, sondern an Gott. So wie Gott uns alle annimmt in diesem Geschehen, so wie er uns seine Gemeinschaft, ja seine ganz Nähe anbietet und in Brot und Saft in uns lebendig werden lässt, so können auch wir uns untereinander annehmen, so können wir auch alle anderen Menschen annehmen. In der Achtung ihrer Person und ihrer Gedanken. Das ist Pfingsten, das ist der Geist dieses Festes, dass wir uns entzünden lassen, von Gottes Zuwendung, dass wir uns entzünden lassen, diese Zuwendung weiterzugeben in Worten, in Taten, in Gesten und in Gedanken. Pfingsten, das ist das Geburtstagsfest der Kirche, das Fest der Gemeinschaft der Christen. Lassen wir diese Gemeinschaft lebendig werden, wo immer wir auch mit
Menschen zusammen sind. Seien wir ein Feuer, das bereit ist Liebe, Vergebung und Zuwendung weiterzugeben. Seien wir ein Feuer, das andere zu entzünden vermag. Daran mögen wir uns immer wieder erinnern, wenn wir in der nächsten Zeit ein Streichholz anzünden. Und zur Erinnerung an diesen Gottesdienst, habe ich Ihnen auch eine Streichholzschachtel mitgebracht. Amen Liturgischer Ablauf Orgelvorspiel Lied: 135,1-3 Psalm 118 nach EG 747 Eingangsliturgie - Gebet: Du wunderbarer Gott, du gibst der Welt den Lebensatem und entzündest in uns das Feuer deiner göttlichen Liebe. Dies ist der Tag, an dem wir gerufen werden, deine Kirche zu sein. Schenke auch uns deinen Geist, dass er Glauben in uns wecke und all unser Denken und Tun durchdringe. Durch Jesus Christus, unseren Herrn, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und herrscht von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen Lesung Lied: 131, 1-4 Predigt Lied: 124, 1-4 Abendmahlsbetrachtung: Gott hat uns im Heiligen Geist durch seinen Sohn Jesus Christus den Zugang zum Ewigen Leben geschenkt. Durch ihn hat er der Welt seine Liebe verkündet und alle Menschen in seine Gemeinschaft gerufen. Über alle Grenzen hinweg verbindet er uns zu seiner Gemeinde und gibt uns Hoffnung auf die große Gemeinschaft der Erlösten. In Brot und Wein, den Zeichen seiner Gegenwart, verbindet er sich mit uns und
führt uns zusammen als Glieder seiner Gemeinde. Abendmahlsworte In diesem Mahl, das Jesus Christus mit seinen Jüngern gehalten hat, will er bei uns sein, mit allem was er geben kann. Nun kann uns nichts mehr von Gott trennen, kein Schmerz, keine Not, kein Leiden, kein Tod; auch nicht, was uns sonst noch quälen könnte, unser Zweifel, unser Versagen, unsere Schuld. Wir sind nicht mehr verlassen. So beten wir: Barmherziger Gott und Vater, du hast deinen Sohn zu uns gesandt und hast uns eingeladen, heimzukehren zu dir. Du bist größer als alles, was uns beschwert und ängstigt. Darum bitten wir dich: nimm du uns an. Erneuere unser Leben durch deinen Heiligen Geist, führe uns zusammen in dem Geist deiner Liebe und Versöhnungsbereitschaft. Lass Brot und Wein zu Gaben der Erneuerung werden. Austeilung - Segenswort: Es ist ein Brot. So sind wir viele ein Leib, weil wir alle an einem Brot teilhaben. Der gesegnete Kelch, den wir segnen, er ist die Gemeinschaft des Blutes Christi. Diese Gemeinschaft stärke und bewahre uns... Fürbittengebet: Wir bitten dich, Gott, lass uns deinen Geist erkennen in allem, was du geschaffen hast: in deinen Menschen, unseren Schwestern und Brüdern; in deinen Tieren, unseren Mitgeschöpfen, in deiner Erde, die du uns als Lebensraum anvertraut hast. Für Sie und uns rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich. Wir bitten dich für alle, die die menschliche Gemeinschaft im wahrsten Sinne des Wortes mit Füßen treten, dass sie begreifen, dass wir nur zusammen ein gutes Leben führen können. Wir bitten für alle Opfer von Gewalt und Hass, dass sie nicht verhärten, sondern selber den Geist der Versöhnung weitergeben können. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich. Wir bitten dich, lass deinen guten Geist wirksam sein bei allen,
die dich besonders brauchen: bei allen die einsam sind, damit sie Gemeinschaft finden, bei allen die schwer krank sind, dass sie deinen Trost erfahren; bei allen die auf Hilfe angewiesen sind, dass ihre Hilferufe liebevoll erwidert werden. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich. In der Stille beten wir für all die Menschen, die uns besonders am Herzen liegen. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich. Wir bitten dich Gott, lass deinen Heiligen Geist wehen in der ganzen Christenheit auf Erden. Führe zusammen, was getrennt ist, mache lebendig, was erstarrt ist, lass auf fruchtbaren Boden fallen, was in deinem Namen geschieht. Denn dir gilt die Ehre in Ewigkeit. Amen Segen