Leopold Museum-Privatstiftung, LM mv. Nr Egon Schiele, Herbstbaum in bewegter Luft. Dossier LM mv. Nr Provenienzforschung bm:ukk - LMP

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Transkript:

Leopold Museum-Privatstiftung, LM mv. Nr. 449 Egon Schiele, Herbstbaum in bewegter Luft Dossier LM mv. Nr. 449 Provenienzforschung bm:ukk - LMP MMag. Dr. Michael Wladika 30. Juni2010

2 Inhaltsverzeichnis Provenienzangaben in der Provenienzdatenbank der Leopold Museum Privatstiftung und in den Werkverzeichnissen zu Egon Schiele A) Magda Mautner-Markhof Alois Grasmayr B) Dr. Klaus Grasmayr C) Prof. Dr. Rudolf Leopold 5. 3 S. 6 5. 7 s. 10 s. 10 Verzeichnis der Beilagen Beilage 1) Leopold Museum Privatstiftung, Kaufvertrag zwischen Dr. Klaus Grasmayr und Dr. Rudolf Leopold, Salzburg 23. August 1954.

3 Provenienz zu einem Gemälde von Egon Schiele: Egon Schiele, Herbstbaum in bewegter Luft, 1912 (Kallir 1930:.Herbstbaum mit bewegter Luft ), Öl auf Leinwand, sign. Mitte rechts: EGON SCHIELE 1912, 80 x 80,5 cm, LM 1. Nr. 449 Provenienzangaben der Stiftung Leopold: 1912 Magda Mautner-Markhof (später Grasmayer), Wien (später Salzburg); (1) (1) Brief Nr. 424, 5. 233 von Magda Mautner-Markof, Hauptstraße 138, 1030 Wien, 9. Dezember 1912, in: Egon Schiele. Leben, Briefe, Gedichte, Nebehay, 1979 Dr. Klaus Grasmayer, Salzburg 1954 Privatsammlung Rudolf Leopold, Wien (Ankauf von Dr. Klaus Grasmayer); (2) (2) Kaufbestätigung vom 23. August 1954 1994 Leopold Museum (Stiftung). Literatur: Jane Kallir: Egon Schiele. The Complete Works, P 239; Rudolf Leopold: Egon Schiele, 5. 221, Taf. 107 Provenienzangaben bei Otto Nirenstein, Egon Schiele. Persönlichkeit und Werk, Berlin Wien Leipzig 1930, 5. 78 (Taf. 83): 118. Herbstbaum mit bewegter Luft (Tafel 83) Ein Baum, dessen Äste über die ganze Bildfläche verzweigt sind (E. N.) Sign: Egon Schiele 1912 Höhe 80 cm, Breite 80 cm Leinwand

4 Besitzer: Grasmayer, Salzburg Magda Mautner von Markhof, Wien Provenienzangaben bei Otto Kallir, Egon Schiele, Oeuvre Katalog der Gemälde. Mit Beiträgen von Otto Benesch und Thomas M. Messer, Wien 1966, 5.334: Nr. 166 1912, Herbstbaum mit bewegter Luft (, Winterbaum ) (Autumn Tree in Turbulent Air (, Winter Tree )), (N. 118 Herbstbaum mit bewegter Luft ) Sign.: Egon Schiele 1912 (Auf der Rückseite von fremder Hand bezeichnet / lnscribed on the back by another hand: Winterbaum.) 80cm x 80cm (31 ½ x 311/2) Leinwand / Canvas Besitzer / Owners: Magda Mautner von Markhof, Wien Grasmayer, Salzburg Dr. Rudolf Leopold, Wien Ausstellungen /Exhibitions Hagenbund, Wien 1912; No 235... Provenienzangaben bei Rudolf Leopold, Egon Schiele. Gemälde Aquarelle Zeichnungen, Salzburg 1972: Nr. 221, S. 572 (Tafel 107) Herbstbaum in bewegter Luft, 1912 Herbstbaum (111-191 2), auch Winterbaum Öl auf Leinwand, 80 x 80,5 cm Signatur rechts: Egon Schiele 1912 (mit Bleistift eingeritzt) rückseitig auf dem Spannrahmen von fremder Hand mit Blaustift: Schiele: Winterbaum Hagenbund-Ausstellung 1912 Provenienz: Magda Mautner-Markhof, Wien Privatbesitz, Wien

5 Provenienzangaben bei Rudolf Leopold, Egon Schiele, Die Sammlung Leopold, Wien 1995: Nr.80 (Seite 172), Herbstbaum in bewegter Luft, 1912 Öl auf Leinwand 80 x 80,5 cm, Sign. Mitte rechts: EGON SCHIELE 1912, Leopold Museum lnv. 449 Provenienz: Nachlass Egon Schiele, Wien; Magda Mautner-Markhof, Wien; Familie Grasmayer, Salzburg; Rudolf Leopold, Wien. Literatur: Schmidt, 1956; Sotriffer, 1963; Breicha/Fritsch, 1964; KöIIer, 1964; Mitsch, 1974; Whitford, 1981; Malafarina, 1982; Friesenbiller, 1985; Nebehay, 1989; Stefano, 1992; Werkner, 1994; L221; K239. Ausstellungen: Wien 1912; Amsterdam 1956 Provenienzangaben bei Jane Kallir, Egon Schiele: The Complete Works,1998, P 239 (page 313): Autumn Tree in Turbulent Air (Winter Tree) (Herbstbaum mit bewegter Luft / Winterbaum) Nirenstein 118 Kallir 166 Leopold 221 Signed and dated, center right. lnscribed Schiele: Winterbaum, Hagenbund Ausstellung 1912 by another hand, verso. 31 ~/2 x 31 ~/2 (80 x 80 cm). Rudolf Leopold Provenance: Acquired from the artist; Magda Mautner-Markhof; Grasmayer familiy Exhibitions: Vienna, 1912, no. 235; Amsterdam, 1956, ne 225; Literature: Schmidt, 1956, Pl. 18; Sotriffer, 1963, p. 57; BreichalFritsch, 1964, p. 208; Una Mostra di Egon Schiele, Sele Arte (Nov. 1964), p. 66; E. Köller, Moderne Kunst in Österreich (Vienna 1965), p. 51; Olivetti, Egon Schiele calendar (1972), December; Mitsch, 1974, Pl. 33; Connaissance des Arts, 1976, p. 88; Whitford, 1981, fig. 89; Malafarina, 1982, no. 227; Friesenbiller, 1985, p. 29; Nebehay, 1989, fig. 172 Comments: Acquired by Markhof for 400 cr600 kronen in December 1912 (Nebehay, 1979, #424, 516.)

6 A) Magda Mautner-Markhof Baronin Magda Mautner von Markhof wurde am 14. April 1881 als eine von fünf Töchtern des Großindustriellen Carl Mautner Ritter von Markhof (geb. am 1. September 1834 in Smiritz gest. am 1. September 1896 in Wien) aus der gleichnamigen bekannten kunstsinnigen Wiener Bierbrauer-Familie in Wien geboren. Ihre Mutter war Editha Mautner von Markhof, die am 9. Juni 1846 als Editha FreNn Sustenau Schützenthal in Krakau geboren wurde. Sie war eine tatkräftige Förderin der höheren Mädchenbildung, insbesondere der Mittelschulen und unter anderem von 1902 bis 1918 Präsidentin des Vereines für erweiterte Frauenbildung, der 1892 das erste humanistische Gymnasium für Mädchen in deutschsprachigen Ländern gegründet hatte. Unter ihrer Leitung erwarb der Verein das Schulhaus in Wien 4., Rahlgasse 4 1 Später förderte sie die Wiener Secession. Editha Mautner von Markhof wohnte im Familienpalais in Wien 3., Landstraßer Hauptstraße 138. In diesem Haus verkehrte um das Jahr 1900 die künstlerische Prominenz dieser Zeit, wie die Mitglieder der Secession, eingeführt durch Josef Engelhart; nach der Abspaltung der sogenannten Kunstschau trafen sich hier die Mitglieder der letzteren, so unter anderem Gustav Klimt und Josef Hofmann, aber auch Kolo Moser. Neben Malern und Bildhauern verkehrten hier auch noch Bruno Walter und Gustav Mahler.2 Editha Mautner von Markhof, die ab 15. August 1874 mit CarI Mautner von Markhof verheiratet war, starb am 17. Dezember 1918 in Wien. Ihre Tochter Magda Mautner-Markhof trat bereits als junges Mädchen in Erscheinung, als sie am 18. November 1903 gemeinsam mit ihrer Mutter Mitbegründerin des Neuen Frauenclubs wurde.3 Magda Mautner Markhof war wie ihre Mutter sehr kunstsinnig und als Kunstgewerblerin sowie als Verfasserin von Gedichten tätig. Sie wohnte im Familienpalais in der Landsraße in einem Appartement mit angeschlossenem Atelier. Am 1. Juli 1905 heiratete ihre Schwester Ditha Mautner von Markhof KoIo Moser (1868 1918), der nun der Schwager von Magda wurde. Er übersiedelte von der Hohen Warte in den Gartentrakt des Palais Mautner-Markhof in Wien 3., Landstraßer Hauptstraße 138. KoIo Moser und Josef Hoffmann gründeten bekanntlich die Wiener Werkstätte und den Werkbund, beides Institutionen, die den Stil des gesamten Kunsthandwerks entscheidend beeinflussten. Die beiden sowie unter anderem Albert Paris Gütersloh oder Alfed Gerstenbrand verkehrten in 1 ARIADNE Projekt Frauen in Bewegung Editha Mautner von Markhof, http:j/webcache.googleusercontent.com/search?g=cache:gidi E m UxPgJ:www.onb.ac.at ariadne/vfb/ bio, abgerufen am 15. März2010. ritffp://wwwki3avbezirksinfo ge bau 33.htm, abgerufen am 15. März 2010. ~ ARIADNE Projekt Frauen in Bewegung Editha Mautner von Markhof, http://webcache.gooc~leusercontent.com/search?g=cache:gidi E muxpgj:www.onb.ac.at/ariadne/vfb/ bio, abgerufen am 15. März 2010.

7 der Wohnung von Magda Mautner Markhof.4 1902 entwarf Josef Hoffmann exklusiv für sie die Inneneinrichtung ihres Appartements.5 Magda Mautner-Markhof war bestrebt, eine Sammlung zeitgenössischer österreichischer Kunst zusammenzubringen. Sie besaß beispielsweise das ursprünglich Fritz Wärndorfer gehörende Bild Gustav Klimts Die Hoffnung 1, 1903.6 Auch besaß sie von Egon Schiele das gegenständliche Bild Herbstbaum in bewegter Luft, welches sie 1912 erwarb, wie aus ihrem Brief an Schiele vom 9. Dezember 1912 anlässlich der Frühjahrsausstellung im Hagenbund hervorgeht~ Ich hätte gerne im Hagenbund eine ihrer 2 Landschaften erworben (FN Nebehay:»Herbstbaum in bewegter Luft )... Ich sende Ihnen jetzt 100 K. und anfangs November 200 K. dann 100 Kronen im Dezember... Mir sind nämlich die beiden Landschaften viel lieber wie Ihre figuralen Arbeiten die mir oft recht fremd sind. Auch bei Ihren Zeichnungen empfinde ich dass Sie eine ganz andere Anschauungs- und Empfindungsweise haben wie ich... Trotzdem möchte ich gerne eine Arbeit von Ihnen in meiner Sammlung haben weil ich die junge Wiener Kunst vollständig vertreten haben möchte mit der Zeit... ~ Sie erwarb dieses Bild daher um insgesamt 400 Kronen. Alois Grasmayr8 Alois Grasmayr gehört zwar nicht in die Provenienzkette, da er aber der Ehemann von Magda Mautner-Markhof und der Vater von Dr. Klaus Grasmayr war, findet er hier Erwähnung. Alois Grasmayr wurde am 28. März 1876 als Sohn des verarmten Kleinbauern Michael Grasmayr in Hohenzell bei Ried im lnnkreis im oberösterreichischen lnnviertel geboren.9 Nach dem Gymnasium trat er in die Lehrerbildungsanstalt in Salzburg ein. Zwanzig Jahre wirkte Grasmayr als Volksschullehrer in kleineren und mittleren Orten im Pongau, im lnnviertel und im steirischen Hochgebirge. Schon als Lehrer galt er als Sonderling, weil er mit einem Affen und einer Schlange zusammenlebte und naturphilosophische Studien betrieb. Grasmayr unternahm weite Fußwanderungen, Hochgebirgstouren, Höhlenforschungen und ausgedehnte Radreisen, die damals noch etwas Außergewöhnliches waren. Sie führten ihn nach Schweden, Deutschland und Italien. Als Schriftsteller Grasmayr verfasste Aufsätze über seine Eindrücke und Erlebnisse auf ~ http://www.ki3.at/bezirksinfo cia bau 33.htm, abgerufen am 15. März 2010. ~ hffp://www.art-port.cc/bild/hoffmann iosefll 4877-kasten-mautner-markhof/, abgerufen am 15. März 2010. 6 Christian M. Nebehay, Egon Schiele 1890 1918. Leben Briefe Gedichte, Salzburg und Wien 1979, S.544. ~ Christian M. Nebehay, Egon Schiele 1890 1918. Leben Briefe Gedichte, Salzburg und Wien 1979, 5. 232, #424. In der Literatur findet man öfter die Schreibweise Grasmayer ; die richtige Schreibweise lautet Grasmayr. Bei Christian M. Nebehay wird Alois Grasmayr fälschlicherweise Hans G. genannt. ~ hffp://www.sbg.ac.at/slita/archiv/besta.htm, abgerufen am 22. März 2010.

8 seinen Radreisen und über Literatur und Kunst wurde er bekannt und war befreundet mit Peter Rosegger, Hermann Bahr, Max Mell, Stefan Zweig und dem Stratosphärenforscher Auguste Piccard. Alois Grasmayrs prekären finanziellen Verhältnisse änderten sich schlagartig, als er im Herbst 1913 Magda Mautner-Markhof in Salzburg ehelichte, die Erbin großer Vermögensteile ihres äußerst wohlhabenden Vaters war. 1 Als das Ehepaar zu Kriegsbeginn 1914 von Murau nach Salzburg zog, war aus Alois Grasmayr plötzlich ein Millionär und einer der reichsten Männer Salzburgs geworden. Um die Mitgift seiner Frau vor der befürchteten Inflation des Ersten Weltkrieges zu retten, kaufte er 1915/16 die beiden Hotels Bristol und Stein sowie die Gasthöfe Sternbräu und Blaue Gans, in deren Obergeschoss er einst als Bettgeher gewohnt hatte. 2 Hinzu kamen noch eine Villa am Mönchsberg 18, die Grasmayr in der Zwischenkriegszeit in einen siebenstöckigen eckigen Turm umbaute, den er Planeten- oder Faustturm nannte, und ein Bauerngut auf einem Berg bei Elsbethen. Das Hotel Stein an der Staatsbrücke, welches sein Haupthaus wurde, nachdem er nach und nach die anderen Häuser bis auf seine Villa in den 30er Jahren wegen finanziellen Schwierigkeiten wieder verkaufen musste, war bereits im Mittelalter als Gaststätte bekannt. Grasmayr stockte es 1924 auf und errichtete das bekannte Terrassencaffi. 3 Das Ehepaar Grasmayr hatte vier Söhne: Der älteste Sohn, Dr. phil. Klaus Grasmayr, wurde 1914 geboren. Zwei Söhne, der Maturant Gottfried Grasmayr und der Jurist Dr. Peter Grasmayr, fielen im Zweiten Weltkrieg. Der jüngste Sohn starb bereits als Kind. 4 In der NS-Zeit wurde Alois Grasmayr, der sein Leben lang Pazifist gewesen ist, zweimal wegen Wehrkraftzersetzung eingekerkert, sein Besitz wurde großteils konfisziert. Sein Biograph und Freund Johann N. Aigner ist der Überzeugung, dass Grasmayr wahrscheinlich die zweite Inhaftierung nicht überlebt hätte, wenn nicht bald das Kriegsende gefolgt wäre. 5 Magda Grasmayr verstarb noch in der NS-Zeit, am 22. August 1944, im Alter von 63 Jahren in der Villa auf dem Mönchsberg in Salzburg. Ihr Verlassenschaftsakt BG Salzburg GZ 1 ~ N. Aigner, Der Faust vom Mönchsberg. Erinnerungen an Alois Grasmayr, Salzburg 1984, S. 15. ~ Alois Grasmayr, Von Reichtum der Armut Eine Autobiographie (Hg. Johann N. Aigner und Franz Paul Enzinger), Salzburg 1990, S. 129. 12 http://www.blauegans.at/de/rnenu 2/intern:49/geschichte, abgerufen am 22. März 2010. 13 hffo://www.hotelstein.at/de-hotel-geschichte.htm, abgerufen am 22. März 2010. 14 Johann N. Aigner, Der Faust vom Mönchsberg. Erinnerungen an Alois Grasmayr, Salzburg 1984, S. 77. 15 Johann N. Aigner, Der Faust vom Mönchsberg. Erinnerungen an Alois Grasmayr, Salzburg 1984, 5. 15. Siehe auch htto://www.iettertothestars.at/iivingmemorial ~ape.php?lmshow=3&uid=2546&typ=ig, abgerufen am 22. März 2010. A

9 844/1944 liegt im Salzburger Landesarchiv auf, kann jedoch nach Rücksprache mit Landesarchivar HR Dr. Fritz Koller nicht kopiert werden. Mag. Dr. Oskar Dohle vom Salzburger Landesarchiv hat jedoch in einem Schreiben vom 29. April 2010 der Gemeinsamen Provenienzforschung Auszüge aus dem Verlassenschaftsakt übermittelt, wonach das Bild Herbstbaum in bewegter Luft nicht erwähnt wird. Laut Dr. Dohle werden im Inventar, das am 5. Oktober 1945, daher nach dem 8. Mai 1945, erstellt wurde, lediglich»1 modernes Bild im Wert von AM 30,-- sowie 1 Ölbild, 2 Blumenstöcke, Glasbilder, im Aufgang im Gesamtwert von RM 500,-- erwähnt.16 Eine genauere Beschreibung der Kunstwerke kommt zwar nicht vor, doch könnte es sich bei 1 modernes Bild durchaus um das Gemälde Herbstbaum in bewegter Luft handeln. Magda Grasmayr hat ihre drei Söhne als Erben eingesetzt zwei Söhne galten damals als vermisst und wurden erst 1950 für tot erklärt. Universalerbe war somit laut mündlicher Mitteilung von Mag. Dr. Dohle ihr Sohn Dr. Klaus Grasmayr.17 Trotz seines Reichtums war Alois Grasmayr seiner inneren Berufung treu geblieben und wurde zum barfüßigen Millionär, zu einem Salzburger OriginaI~. Er lebte außerhalb der Norm, meist ging er in Sandalen, wie sie auch die Franziskaner tragen, oft wanderte er mit bloßen Füßen durch die Stadt. Eine schon etwas abgewetzte Schnürlsamthose, ein abgetragener Rock und ein verknitterter Filzhut waren seine charakteristischen Bekleidungsstücke. 8 Vier Jahrzehnte betrieb Alois Grasmayr eingehende Studien über die Faustdichtung, was ihm den Beinamen Faust vom Mönchsberg, auch der Titel seiner Biographie, eintrug. Aus den Vorarbeiten erwuchs die Arbeit Homer, Bibel und Faust, die als Einführungsschrift zu einem sechsbändigen Faustkommentar geplant war. Als sich kein Verleger finden wollte, schuf er die Faustfibel. Noch im Gefängnis fasste Grasmayr den Entschluss, die Faustdeutung neu zu verfassen, und zwar in lnnviertler Mundart. Im Jahr 1949 erschien in Salzburg das Faustbüchl, eine Deutung des Goetheschen Faust 1. und 2. Teil. Seinen Lebensabend verbrachte er mit der verwitweten Irmgard von Hebra, die er als 73jähriger im Jänner 1949 ehelichte. Alois Grasmayr verstarb am 11. März 1955 im Hotel Stein in Salzburg.19 16 Salzburger Landesarchiv (SLA), Schreiben Mag. Dr. Oskar Dohle an die Gemeinsame Provenienzforschung, 29. April 2010. 17 Mündliche Mitteilung Mag. Dr. Oskar Dohle (SLA), 11. Mai2010. 18 Christian M. Nebehay, Egon Schiele 1890 1918. Leben Briefe Gedichte, Salzburg und Wien 1979, 5. 544. 19 Johann N. Aigner, Der Faust vom Mönchsberg. Erinnerungen an Alois Grasmayr, Salzburg 1984, 5. 15 und 79.

10 Alois Grasmayr setzte laut Mag. Dr. Oskar Dohle vom Salzburger Landesarchiv, der Einsicht in den Verlassenschaftsakt BG Salzburg GZ 1 A 223/1955 genommen hat, seinen Sohn Dr. Klaus Grasmayr zu seinem Universalerben ein. Seine zweite Ehefrau bekam nur ein Wohnrecht und das Recht auf eine tägliche Mahlzeit im Hotel.2 B) Dr. Klaus Grasmayr Dr. Klaus Grasmayr wurde ein Jahr nach der Verehelichung seiner Eltern, also 1914, in Salzburg geboren. Gror3jährig geworden, führte er gemeinsam mit seinem Vater das Hotel Stein, nach dessen Tod 1955 allein gemeinsam mit seiner Frau Hilde. Dr. Klaus Grasmayr dürfe mit ziemlicher Sicherheit das Gemälde Herbstbaum in bewegter Luft von seiner Mutter geerbt haben. C) Prof. Dr. Rudolf Leopold Am 23. August 1954, daher noch zu Lebzeiten seines Vaters, veräuf3erte Dr. Klaus Grasmayr in Salzburg das Gemälde von Egon Schiele, Herbstbaum in bewegter Luft, an Prof. Dr. Rudolf Leopold. Der Kaufvertrag trägt den Briefkopf des Hotels Stein an der Staatsbrücke und weist die Alois Grasmayr und Sohn, OHG Salzburg als dessen Besitzer aus. An diesem Tag, dem 23. August 1954, verkauft Dr. Klaus Grasmayr, als Eigentümer des Ölgemäldes von Egon Schiele: Ein Baum (Nierensteinbuch (sic!) Nr. 118), an Herrn Dr. Rudolf Leopold vorgenanntes Gemälde um den Preis von ös 10.000--... Die Bezahlung und Auslieferung des Gemäldes erfolgt am 30. oder 31. August 1954 21 (siehe Beilage 1) Die Familie Grasmayr führte das Hotel Stein bis zum November 2001, ehe sie es an einen Salzburger Geschäftsmann veräußerte.22 Die am 18. Juni 2010 durchgeführte Bildautopsie erbrachte bezüglich Besitzernachweise kein Ergebnis. Auf der Rückseite befinden sich Klebeetiketten bzw. handschriftliche Nachweise diverser Ausstellungen, so etwa jene der Ausstellung im Hagenbund 1912 oder in der Kunsthalle in Bern 1957. Deutlich ist die von Prof. Dr. Rudolf Leopold 1972 und von Jane Kallir 1998 angesprochene, von fremder Hand mit Blaustift geschriebene Aufschrift auf dem Spannrahmen Schiele Winterbaum zu erkennen. 20 Mündliche Mitteilung Mag. Dr. Oskar Dohle (SLA), 11. Mai2010. 21 Leopold Museum Privatstiftung, Kaufvertrag zwischen Dr. Klaus Grasmayr und Dr. Rudolf Leopold, Salzburg 23. August 1954. 22 http://www.hotelstein.atfde-hotel-geschichte.htm, abgerufen am 22. März 2010.

11 Die Provenienz des Gemäldes scheint lückenlos zu sein; ein Eigentümerwechsel in der NS Zeit dürfte nicht stattgefunden haben; eine Entziehung ließ sich nicht feststellen. Wien, am 30. Juni2010 / MMag. Dr. Michael Wladika

Dossier LM mv. Nr. 449, Egon Schiele, Rerbstbaum in bewegter Luft BEILAGE 1 Leopold Museum Privatstiftung, Kaufvertrag zwischen Dr. Klaus Grasmayr und Dr. Rudolf Leopold, Salzburg 23. August 1954.

clf?ctelstein SALZBURG AN DER STAATSBRUCKE BESITZER: ALOIS GRASMAYR U. SOHN, 0. H. 0., SALZBURG TELEGRAMME: 5TEINHOTEL SALZBURG - TELEPHON: 4646, 5!S5 BORD 1647 MEM~RE 0 t ASSOCIATION INTERNATIONALE DE Li-IOTELLERIE Erstklassiges Haus mit modernstem Komfort - 130 Betten (mit und ohne Prlvatbad) Hotelhalle mit Bar und Espresse - Restaurant von internationalem Ruf - Klub- und Konferenzzimmer - Daditerrasse - Alt-Salzburger ßierstüberl Salzburg, 23. August 195 f Kuffvertrag Mit heuti~em Tage verkauft Dr Klaus G-rasmayr,als Eigentümer des Ö~gemäl von Egon Schiele Ein Baum (N4erenste-i~Uch Nr 118, ) sn Herrn Dr. Rudol: Leopold vorgenanntes Gemälde uni den Preis von ö.s. 10.000 (Zehntausend) Die Bezahlung und Auslieferung des Gemäldes erfolgt am 3 0,oder 51. August 195~1- Mit allem obigen einverstanden erklären sich die beiden Vertragspartner durch die naehstehenden eigenhändigen Unterschriften4 Bankkonto: Bankhaus Carl Spangler 8. Co., Salzburg, Kto.-Nr. 8652 Salzburger Sparkasse, Salzburg, Kto-Nr. 54367