Predigt zu einem Sonntag in der Trinitatiszeit (9.)

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Transkript:

Predigt zu einem Sonntag in der Trinitatiszeit (9.) Kanzelgruß: Gnade sei mit uns und Friede von Gott unserem Vater und unserem Herren Jesus Christus. Gemeinde: Amen. Das Wort Gottes für diese Predigt steht im Brief an die Philipper im Kapitel 3: 7 Aber was mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Schaden erachtet. 8 Ja, ich erachte es noch alles für Schaden gegenüber der überschwänglichen Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn. Um seinetwillen ist mir das alles ein Schaden geworden, und ich erachte es für Dreck, damit ich Christus gewinne 9 und in ihm gefunden werde, dass ich nicht habe meine Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz kommt, sondern die durch den Glauben an Christus kommt, nämlich die Gerechtigkeit, die von Gott dem Glauben zugerechnet wird. 10 Ihn möchte ich erkennen und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden und so seinem Tode gleichgestaltet werden, 11 damit ich gelange zur Auferstehung von den Toten. 12 Nicht, dass ich's schon ergriffen habe oder schon vollkommen sei; ich jage ihm aber nach, ob ich's wohl ergreifen könnte, weil ich von Christus Jesus ergriffen bin. 13 Meine Brüder, ich schätze mich selbst noch nicht so ein, dass ich's ergriffen habe. Eins aber sage ich: Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus nach dem, was da vorne ist, 14 und jage nach dem vorgesteckten Ziel, dem Siegespreis der himmlischen Berufung Gottes in Christus Jesus. Lasst uns beten: Herr, Jesus Christus, du lebendiger Herr und Gott: dein Wort lädt uns ein in die Gemeinschaft mit dir - lass uns die Botschaft vom vollkommenen Leben bei dir hören! Rede du zu uns und segne dein

Gemeinde: Wort an uns. Liebe Gemeinde! Was ist dir wichtig in deinem Leben? diese Frage stellt uns unser Predigtwort heute: was ist dir wichtig, was ist das Wichtigste in deinem Leben? Können wir das so einfach beantworten so eine grundlegende Frage? Was würdest du heute Morgen auf diese Frage antworten? Nehmen wir uns ein wenig Zeit, darüber nachzudenken, angestoßen durch den Apostel Paulus und seine Worte an die Philipper, die wir eben gehört haben. Was ist wichtig, was ist das Wichtigste im Leben? Die Antwort auf diese Frage ist ja sicher auch abhängig von der jeweiligen Situation: für Kinder ist etwas Anderes wichtig als für Heranwachsende, für junge Erwachsene anderes als für Menschen in der Mitte des Lebens und alte Menschen beantworten diese Frage noch einmal anders. So ist es auch bei uns heute sicher sehr unterschiedlich, wie wir die Frage nach dem Wichtigsten in unserem Leben beantworten und vor ein paar Jahren hätten wir wahrscheinlich etwas Anderes genannt. Für Kinder ist es die Nähe und die Zuwendung der Eltern, vielleicht auch ein besonderer Besitz, ein Kuscheltier, ein besonderes Geschenk; später auf dem Weg des Erwachsenwerdens sind es andere Dinge: einen Beruf zu finden, einen Menschen, den man liebt, eine Familie zu gründen, Erfolg zu haben, sich einzufinden und durchzusetzen im Leben als Erwachsener. Die Anerkennung von anderen Menschen ist wichtig, Gesundheit, Hobbies, z.b. die Musik oder ein gutes Buch zu lesen, zu reisen für andere, nahe stehende Menschen da sein zu können. Im Alter ist es Vielen wichtig selbstständig zu bleiben, Anderen nicht zur Last zu fallen, in der gewohnten Umgebung leben zu können und in der Nähe der Familie zu sein. Manches mehr ließe sich nennen - Vieles prägt unser Leben, ist uns wichtig, dem Einen mehr dies, dem Anderen mehr etwas Anderes und eben zu den verschiedenen Zeiten unseres Lebens Unterschiedliches. Wenn wir so auf unser Leben schauen, dann sehen wir viele Teile. Wie ein Puzzle, ergeben sie zusammengesetzt unser Leben. Manches scheint fern und von heute aus betrachtet fremd, aber es ist Teil unseres Lebens, wenn vielleicht auch vergangen. Bei Manchem fragen wir uns vielleicht, wie uns das früher so wichtig sein konnte anderes würden wir gerne ändern. Hätten es aus heutiger Sicht gerne anders gemacht, würden

heute andere Entscheidungen treffen - aber auch das gehört zu unserem Leben, nur so ist das Bild unseres Lebens vollständig. Was war, was ist uns wichtig in unserem Leben? Was hat Bedeutung, was prägt und bestimmt uns? Das sind schwere Fragen, die in die Tiefe gehen; Fragen, an deren Antwort sich jeder von uns hier und heute nur annähern kann. In unserem Predigtwort lässt uns der Apostel Paulus an seinen Überlegungen teilhaben. Er denkt in seinem Brief an die Philipper darüber nach, was ihm in seinem Leben wichtig war und ist. Paulus ist Jude, und er bleibt es auch. Er gehört zum Volk Israel, zum Stamm Benjamin, ist am achten Tag beschnitten, ein Hebräer von Hebräern wie er sagt. Das ist für ihn das Erste und Wichtigste, die Anknüpfung an seine Herkunft. In der Zugehörigkeit zu dieser Gemeinschaft verstand er sein Leben, das war das Wichtigste, das Prägendste; darin lebte er eifrig und mit Erfolg: Er war Pharisäer, ein Verfolger der neuen Richtung, also der Christen. Aber die Bedeutung dieser Dinge hat sich für Paulus total gewandelt. Die Wichtigkeiten in seinem Leben haben sich umgekehrt. An dieser Umkehrung lässt er uns in seinen zurückblickenden Worten an die Philipper teilhaben. Das, was ihm früher wichtig war, die Anknüpfung an die Herkunft, sein soziales und religiöses Umfeld, all das ist heute nichts mehr wert. All das, was er kaufmännisch gesprochen auf der Haben-Seite seines Lebens verbucht hatte, all das bucht er jetzt, nach der Umwertung seines Lebens, als Verlust. Er sagt, er erachtet es für Schaden, ja für Dreck. Denn er hat erkannt, dass es das ist, was ihn von Gott trennt. Dass wir unser Leben selbst gestalten und zusammenbauen aus den verschiedenen Puzzleteilen, den Bruchstücken der verschiedenen Wichtigkeiten unseres Lebens das ist es, was uns schadet. Wenn wir selbst unser Leben als Ganzes sehen und zusammensetzen wollen, dann führt das gerade dazu, dass unser Leben auf Dauer bruchstückhaft und unvollkommen bleibt. Paulus findet sein Leben, den Sinn seines Lebens, die Vollkommenheit des Ganzen nicht im Blick auf sein Leben allein, sondern im Blick auf ein anderes Leben, auf ein fremdes Geschick: im Blick auf Christus. Darin wird das Leben heil und ganz, im Blick auf Jesus Christus wird das Leben vollkommen. In das Geschehen von Leiden und Auferstehen Jesu Christi für uns hineingenommen wird unser Leben ganz.

Was meint Paulus damit? Als Christen, als Menschen also, die an Christus glauben, müssen wir nicht mehr verzweifelt versuchen, unserem Leben einen Sinn zu geben, es trotz aller Brüche und Bruchstücke zu einem Ganzen zu formen. Er, Christus, nimmt die Bruchstückhaftigkeit unseres Lebens in seine Ganzheit auf. Er ist es, der uns beieinander hält, er ist es, der unser Leben zusammenhält, er ist es, der uns durch alle Verletzlichkeit, durch Leid, ja auch durch Sterben und Tod hindurch rettet in das Leben der Auferstehung hinein. So redet der Apostel Paulus von der Umwertung seines Lebens. Und er kann das ja auch, Paulus kann so reden, für ihn war das so, aber gilt das auch für uns? Haben wir das auch erfahren, bestimmt diese Umwertung auch schon unseren Blick auf das Leben? Paulus macht uns Mut dazu, er lädt uns dazu ein: denn im Glauben an Jesus Christus gilt es auch für uns als Christen, keine Frage! Wir dürfen lernen, unser Leben so zu sehen, diese Wertmaßstäbe anzulegen. Dann können wir mit Paulus hinter uns lassen, was nur bruchstückhaft war und ist; können uns ausrichten auf das, was kommt: Vollkommenheit in und mit Christus; das ist der himmlische Siegespreis, von dem Paulus redet. Diese Aussicht wird dann das sein, was unser Leben als Christen prägt. Sie ist das, was wichtig ist. Sie bestimmt, was wichtig ist in unserem Leben: weil Christus uns Teil gibt an sich, darum wird unser Leben vollkommen. Nicht, dass ich's schon ergriffen habe oder schon vollkommen sei; ich jage ihm aber nach, ob ich's wohl ergreifen könnte, weil ich von Christus Jesus ergriffen bin. sagt Paulus. Aber auch, wenn es uns gelingt, wird es trotzdem nötig bleiben, das eigene Leben zu gestalten und zu leben. Es bleibt auch nötig, Prioritäten zu setzen, Manches für wichtiger zu erachten als Anderes. Wir werden weiterhin mit unseren Begabungen und Schwächen mit den uns nahe stehenden Menschen im Guten wie im Schweren zusammen leben. Aber den Sinn des Ganzen, das Bedeutendste und Wichtigste müssen wir nicht mehr verzweifelt und vergeblich darin suchen, sondern lassen es uns schenken durch die Teilhabe am Leben, Sterben und Auferstehen unsers Herrn. Er ist diesen Weg für uns gegangen, er nimmt uns dort mit hinein. Von ihm her wird unser Leben ganz und vollkommen, so bruchstückhaft und voller Lücken wir selbst es auch empfinden. Darauf richten wir uns aus mit unserem Leben. So wie Paulus sagt: Ihn möchte ich erkennen und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden

und so seinem Tode gleichgestaltet werden, damit ich gelange zur Auferstehung von den Toten. So werden wir in Gottes Heilshandeln durch Christus hinein genommen, wir gewinnen Christus wie Paulus sagt, wir werden in ihm gefunden. So von der Kraft und Tiefe der Liebe Christi durchdrungen zu werden, das bringt unser Leben ans Ziel bei Gott. Danken wir Gott, dass er uns das so schenkt. Er gebe auf diesem Weg unserem Leben immer mehr prägende und bestimmende Ausdruckskraft, in der seine Liebe deutlich wird. Amen! Wir beten: Gemeinde: Herr Jesus Christus, wir danken dir, dass du unser Leben heil und vollkommen machst; wir bitten dich, komm immer wieder neu in unser Leben, lass es durchdrungen sein von der Kraft deiner Liebe! Dir sei Lob und Ehre mit Gott dem Vater und dem Heiligen Geist in Ewigkeit. Kanzelsegen: Gemeinde: Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Predigtlied: Liebe, die du mich zum Bilde - ELKG 255 Verfasser: P. Marc Struckmann An der Zionskirche 5 29614 Soltau Tel: 0 51 91 / 41 20 e-mail: soltau@selk.de