Proposte di gite Tourentipp Suggestions de courses Naturerlebnisse zwischen Bietschund Baltschiedertal Bergabenteuer Wiwanni Aus der Verlängerung des Südgrats des markanten Bietschhorns, zwischen Bietsch- und Baltschiedertal, erhebt sich eine Felsarena mit Wiwanni- und Öugstchummuhörnern 1 ein wunderschönes Plaisirklettergebiet in alpinem Ambiente. Die Wiwannihütte ist ein idealer Ausgangspunkt für Ausflüge. 1 Auf der Karte der Schweizer Landestopografie ist nur ein Öugstchummuhorn eingezeichnet. Es gilt in der Region und in gewissen Führern als das Kleine Öugstchummuhorn (2881 m) und der Punkt 2924 als das Grosse Öugstchummuhorn. Foto: Yvonne Schmoker Das Abenteuer Wiwanni beginnt bereits mit dem Hüttenzustieg. Nebst dem lohnenden Wanderweg vom Fuxtritt zur Wiwannihütte (1½ Std.) durch leichte Lärchenwälder und über Alpweiden führt seit ein paar Jahren ein Klettersteig aus dem Baltschiedertal direkt zur Hütte. Über die historische Wasserleitung Niwärch aus dem 14. Jahrhundert (siehe auch ALPEN 4/08), einen exponierten Weg, dringen wir in die grossartige Szenerie des wilden Baltschiedertals ein, eines der schönsten Walliser Täler an der Südseite der Berner Alpen. Nach dem Suonenweg verläuft der Wanderweg entlang dem Talboden und lässt uns Zeit, die Vielfalt dieser malerischen Gegend wahrzunehmen. An den steilen Osthängen erkennen wir noch die Überreste der Molybdän-Bergwerke aus Zeiten der beiden Weltkriege. Vor uns erheben sich die markanten Stockhorntürme mit alpinen Klettereien. Mit etwas Glück sieht man Geier oder Adler lautlos über den sonnigen Felswänden kreisen und über die warmen Felsblöcke Smaragdeidechsen huschen. Hinter den Alp hütten von Üssers Senntum wird der grosse Graben sichtbar, der sich direkt von der Wiwanni hütte ins Baltschiedertal herabzieht. Bei einem markierten Findling zweigt der Weg nach Westen ab und zieht sich weiss-blau-weiss gekennzeichnet steil über steinige Wiesen und Schrofen zum Einstieg der Via Ferrata. Einem Felsrücken folgend steigt sie über 700 Hm zur Wiwannihütte an. Während der nächsten drei Stunden klettern wir, klicken ein, klicken aus, bleiben stehen und staunen ob der faszinierenden Szenerie, bewundern die Farbenvielfalt der Blumenpracht oder fotografieren die steilen, luftigen Passagen am grossen Turm. Vom Ausstieg der Via Ferrata verbleibt nur noch eine kurze Hangquerung bis zur Hütte. Wohltuend ist die Erfrischung auf der Terrasse nach der anstrengenden Tour. Auf dem Baltschieder-Klettersteig: In einer ausgesetzten Passage, die einen grossen Spreizschritt über den Abgrund erfordert, gilt es, sich besonders zu konzentrieren.
TOURENTIPP Ein besonders abenteuerlicher Weg führt vom Trosibode zu den «Nasulecher». Hüttenwart und Bergführer Egon Feller beim gemütlichen Frühstück mit einem Gast in seiner Hütte Noch ist der Einstieg des langen Klettersteigs sichtbar. Hier ist Ausdauer gefragt und Vorsicht: Fürs Foto ausnahmsweise nah beieinander, darf sonst nur eine Person zwischen zwei Sicherungspunkten sein. Klettern in der Felsarena Bereits als Bub führte Egon Feller seine Schafe von der Alp Raaft an die Felsen des Wiwannihorns und träumte dort von Klettertouren. Mit dem Aufkommen des Plaisirkletterns in der Schweiz reifte sein Wunsch nach einer eigenen Berg unterkunft mit dazugehörigem Klettergebiet im Wiwanni. In seinem jugendlichen Übermut gelangte Feller an die Behörden und erhielt zu seinem Erstaunen Land im Baurecht am Fuss des Wiwanni horns. So entstand 1989 mit vielen helfenden Händen die Wiwannihütte. Seit 2001 befindet sie sich mitten im Unesco-Welterbe Jungfrau-Aletsch- Bietschhorn. Viele Ideen hat Egon Feller heute Bergführer, Hüttenwart und Weinbauer auch von seinen Klettertouren im Ausland heimgebracht. Und früh schon nahm er Ratschläge von Jürg von Känel entgegen, dem verstorbenen Autor der Plaisir-Kletterführer. So bohrten Egon Feller und Freunde in den 1990er-Jahren am Wiwannihorn und an den Öugstchummuhörnern in griffigen Gneis Mehrseillängenrouten im 4. bis 6. Schwierigkeitsgrad und rund um die Hütte über 70 Seillängen in verschiedenen Klettergärten die meisten «plaisirhaft» abgesichert. Inzwischen zieht der hohe Absicherungsstandard der Kletterrouten in einmaliger Umgebung Geniesser, Familien, SAC-Sektionen und Schulen in ihren Bann. Der Klassiker und die wohl älteste 14 DIE ALPEN 6/2008
Die Wiwannihütte mit bewegtem Himmel: dahinter bekannte Skitourengipfel des Simplongebietes wie Bortel- und Hillehorn, Wasenhorn oder Monte Leone Ein letzter Blick ins Baltschiedertal mit den markanten Stockhorntürmen, bevor der Weg zum Klettersteig bei einem markierten Findling westwärts anzusteigen beginnt Fotos: Yvonne Schmoker Route des Gebietes ist die Steinadlerroute am Wiwannihorn (5a obl.). Die 12 Seillängen mit abwechslungsreicher Wandund Plattenkletterei fordern dennoch physischen und mentalen Einsatz. An schönen Tagen klettert man hier kaum alleine, aber dem grossen Rummel der leicht zugänglichen Klettergebiete im Tiefland entgeht man bestimmt. Als letzte Route zum Baltschiedertal führt der gut ausgerüstete Ostgrat (4c obl.) den unermüdlichen Kletterer in 17 SL ebenfalls auf den Ostgipfel: keine eigentliche Sportkletterei, eher eine Bergtour, an grossen Edelweisssträussen und einer kleinen Lärche auf 2985 m vorbei, immer das nahe Bietschhorn vor Augen. In einfacher Gratkletterei enden die Steinadlerroute und der Ostgrat gemeinsam beim Gipfelkreuz des Wiwannihorns (3001 m). Dem Himmel nahe blicken wir nach Westen durch einen DIE ALPEN 6/2008 15
TOURENTIPP steilen Graben tief hinunter ins Bietschtal, nordwärts auf die mächtige Pyramide des Bietschhorns, und ostwärts windet sich weit unten das Baltschiedertal dem Rhonetal zu. Und der Sonne entgegen schweift unser Auge vom Goms über die hohen Walliser Berge bis zum Montblanc. Nach einem kurzen Abstieg am westlichen Rand der grossen Geröllhalde stehen uns zwei Varianten offen: eine einfache Gratkletterei über den Westgrat mit zwei finalen Abseilstellen oder der Abstieg über die mit Bohrhaken abgesicherte Normalroute in der Mitte der Südwestwand (nicht zum Abseilen eingerichtet). Das Absteigen erfordert solides bergsteigerisches Können und alpine Erfahrung. Nach zwei Stunden sitzen wir auf der Hüttenterrasse, mit Blick übers Rhonetal aufs nahe Fletsch- und Lagginhorn und die Mischabelgruppe mit Dom. Und wenn die wunden Finger vom Klettern im griffigen Gneis schmerzen: Das Wiwannigebiet hält weitere abenteuerliche Schätze bereit. «Nasulecher» und Abenteuerparcours Bietschtalbrücke Als Abstiegsvariante von der Wiwannihütte ins Bietschtal bietet sich zum Beispiel ein Abstecher ins Bergesinnere an. An der linken steilen Talflanke tauchen wir in ein verzweigtes Höhlensystem ein, die «Nasulecher», wo Sage und Wirklichkeit aufeinander treffen. Durch das linke «Nasenloch» dringen wir in die allmählich geräumiger werdende Höhle ein und stossen auf einen See, in dem das Holz einer alten Wasserleitung schwimmt. Durch das «Ohr» erreichen wir wieder Tageslicht und setzen unsere alpine Wanderung steil, zum Teil an den bestehenden Haken und Seilen gesichert, bis ins Bietschtal und weiter nach Ausserberg fort (5½ Std.). Bei der letzten alten Brücke über den Bietschbach oberhalb des Eisenbahnviadukts stehen wir am Einstieg zum Abenteuerparcours durch die Bietschtalschlucht. Der erfahrene Klettersteiggeher mit kompletter Klettersteigausrüstung, Rollen und einem 70-m-Seil zum Abbremsen der Tyroliennes meistert den Parcours im Alleingang. Unter kompetenter Führung ist es aber auch abenteuerlustigen Nichtbergsteigern möglich, die Schlucht zu bewältigen. Luftig absteigen, wie Tarzan übers «Bietschi» pendeln, geheimnisvolle Grotten durchsteigen und über lange Tyroliennes auf die gegenüberliegende Talseite rauschen atemberaubend spannend ist der Parcours in wilder Umgebung mit Tiefblick. Entlang der Südrampe zurück nach Ausserberg wandeln wir uns wieder zum gemütlichen Wanderer. Dieses abenteuerliche Gebiet erkundet man nicht in einem Tag. Die Gemütlichkeit der Hütte, das Plaisirkletterge- Am Ostgrat zeigt sich das majes tätische Bietschhorn bereits in der dritten Seillänge. Auf den anderen Kletterrouten am Wiwannihorn erblicken wir es erst auf dem Gipfelgrat. Thomas Belz in der 5. SL der Steinadlerroute. In abwechslungsreicher, gut abgesicherter Kletterei in griffigem Gneis und einer leichten Gratkletterei wird das Gipfelkreuz des Wiwannihorns erreicht. 16 DIE ALPEN 6/2008
biet, der abenteuerliche Klettersteig, die «Nasulecher» und die spektakuläre Bietschtalschlucht das braucht seine Zeit. Praktische Informationen Anreise: Ausserberg ist mit Auto oder öv erreichbar. Mit dem Auto oder dem Taxi weiter über taxpflichtige Alpstrasse nach Fuxtritt (1851 m). Den Klettersteig erreicht man zu Fuss ab Bahnhof Ausserberg. Kletterrouten: Unterer Klettergarten: 13 Routen im 3. bis 6. Schwierigkeitsgrad, familienfreundlich. Gut abgesicherte Routen im Klettergarten «Wandfuss» für Könner in überhängender Wandkletterei von 5c bis 7b. Das Kleine Öugstchummu horn bietet schöne Mehrseillängen-Wand- und -Plattenklettereien, wie die viel begangene Route Salamander 5a (4c obl.). Am grossen Öugstchummuhorn gibt es die Südwandplatte 6a (5b obl.), am Wiwannihorn nebst Steinadlerroute und Ostgrat in seiner Südwestwand den Gemstritt 4b. Klettersteig: K 3, 1300 Hm, 5 Std., Klettersteigset, Helm und gutes Schuhwerk sind erforderlich. Durch seine Länge ist der Baltschieder-Klettersteig sehr anspruchsvoll. Der enorme Höhenunterschied verlangt eine sehr gute Kondition. Diese Tour nur bei sicheren Wetterverhältnissen unternehmen bei Nässe Rutsch- und Steinschlaggefahr! «Nasulecher»: Abstiegsvariante von der Wiwannihütte zurück nach Ausserberg (5½ Std.). Genaue Infos in der Hütte einholen klettertechnisch nicht schwierig, aber recht exponiert und heikel zu finden. Stirnlampe, evtl. 20 m Kletterseil, und einige Karabiner zur Zwischensicherung empfehlenswert. Abenteuerparcours Bietschtalbrücke: K4. Klettersteigset, Helm, Stirnlampe, Seil und Rolle. Auch im Winter begehbar. Ausgangspunkt: Ausserberg oder Rarnerchumma. Einstieg bei der Naturbrücke übers Bietschtal oberhalb vom Eisenbahnviadukt, schwierig zu finden (Dauer Seilparcours: 1 2 Std.). Unterkunft: Die Wiwannihütte (2470 m) bietet 30 Personen Platz. Reser vationen unter Tel. 027 946 74 78 oder info@wiwanni.ch. Karten: LK 1 : 50 000, Blatt 274 T Visp; 1 : 25 000, Blatt 1288 Raron. Literatur/Führer: Christoph Blum: Clubführer Berner Alpen Band 3, SAC- Verlag Bern, 1994; Egon Feller: Kletterführer Wiwanni, 2005 (inkl. Baltschieder Klettersteig und Nasulecher); Jürg von Känel: Plaisir West, Edition Filidor, 2004; Iris Kürschner: Klettersteige Schweiz, Bergverlag Rother, 2004; Eugen H. Hüsler/Daniel Anker: Wandern vertikal, AT Verlag, 2004. Gertrud Oester/ Alexandra Barp-Oester: Wanni, der Berggeist, Gwunderfitz Verlag, 2005. Weitere Auskünfte: Verkehrsverein Ausserberg, Tel. 027 946 45 27; Hotel Bahnhof, Tel. 027 946 22 59 a Yvonne Schmoker, Reichenbach Fotos: Yvonne Schmoker