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Jagdhunde 30 WILD UND HUND 13/2017

JAGDHUNDETRAINING Auf Click funktioniert in der Hundeausbildung nichts. Doch ein Clicker kann in der Erziehung des Vierläufers durchaus hilfreich und sinnvoll sein. Wie er funktioniert und wo das Clickertraining an Grenzen stößt, zeigt Petra Klemba. Fotos: Petra Klemba WILD UND HUND 13/2017 31

Jagdhunde Um den Hund auf den Clickereinsatz vorzubereiten, muss er zunächst nichts tun. Er soll anfangs erst einmal lernen, dass auf das Clickgeräusch (l.) ein Belohnungshappen folgt (r.). Nach ein paar Wiederholungen ist dieser Groschen gefallen. Kaum eine Methode in der Jagdhundeausbildung wird so emotional diskutiert wie das Clickertraining. Für die einen gilt es als Allheilmittel, bei Kritikern ist der Einsatz des Clickers als supermoderner und antiautoritärer Quatsch verschrien, der in der Jagdhundeausbildung nichts zu suchen hat. Doch ist das tatsächlich so? Beide Sichtweisen greifen zu kurz. Die Wahrheit liegt wie bei so vielen Dingen irgendwo in der Mitte. Zunächst einmal beruht diese Methode auf wissenschaftlich erforschten Trainingstechniken, die das erwünschte Verhalten eines Hundes verstärken. Eine konditionierte Verstärkung ist im Training sehr effektiv. Ganz gleich ob im Hundesport, bei der Rettungs- und Blindenhundeausbildung und sogar bei der Einarbeitung von Sprengstoffsuchhunden. In diesen Arbeitsbereichen hat sich der Clicker als Ausbildungshilfe längst etabliert. Wenn sein Einsatz dort funktioniert, kann er durchaus auch in der Erziehung vom Jagdhunden angewandt werden. Denn der Clicker hat einen großen Vorteil: Sein Geräusch ist emotionslos mit gleichbleibendem Wiedererkennungswert für den Hund. Im Gegensatz dazu steht die Stimme des Hundeausbilders, die naturbedingt eben nicht immer gleichbleibend ist. Je nach emotionaler Lage ist sie mal höher, mal tiefer, mal lauter, mal leiser. Bildlich vorgestellt übernimmt der Clicker die Funktion einer Kamera: Er hält die Sekunde des erwünschten Verhaltens exakt fest und signalisiert dabei dem Hund, dass er sich in dieser Sekunde richtig verhalten hat und jetzt genau dafür belohnt wird. Mit dem Welpen beginnt das Training, sobald er im neuen Heim angekommen ist. Den Clicker in eine Hand nehmen, das Futter bleibt im Beutel, die andere Hand ist frei. Zunächst hört der Welpe den Click und bekommt dafür eine Belohnung zunächst noch muss er dafür nichts tun. Schließlich soll er erst einmal lernen, dass das Geräusch des Clickers eine Belohnung für ihn ankündigt und er diese auch sofort bekommt. Ein paar Mal hintereinander clicken und belohnen reicht aus, dass der Vierläufer diesen Zusammenhang begreift. Später wird er dadurch erlerntes Verhalten auf Kom- 32 WILD UND HUND 13/2017

Fotos: Petra Klemba mando schnell und zuverlässig ausführen. Eine Hand clickt und die andere Hand gibt dem Hund die Belohnung damit wird der Hund auf die Trainingseinheit eingestimmt. Ob der Welpe sitzt, steht oder liegt spielt in diesem Fall erst einmal keine Rolle. Wichtig ist nur, dass in der freien Hand kein Futter ist, bevor der Hund den Click gehört hat er soll nicht lernen, dass er nur mit Futter in der Hand ein bestimmtes Verhalten zeigen soll. Mithilfe des Clickers kann jeder Hund egal welchen Alters ausgebildet werden. Die Erfahrung hat gezeigt, dass es bei älteren Hunden mit Problemverhalten wie zum Beispiel Leinenzerren, oftmals sinnvoll ist, erst einmal den Clicker zur Beschäftigung einzusetzen. Dies verbessert schnell den Konzentrationsaufbau und erzielt eine Motivationssteigerung im Training: Der ältere Hund lernt genauso wie ein Welpe zu lernen. Auch der Alltagsgehorsam kann mit Clicker erfolgreicher und präziser aufgebaut werden. Fuß auf Click: Sobald der Vierläufer an der Leine ordentlich geht, wird geclickt. Dann folgt die Belohnung. Wichtig: Das Leckerli ist nicht bereits vorher in der Hand! Als erstes Lernziel wird das Fußgehen definiert: Der Hund soll mit lockerer Leine links neben dem Führer mit dem Kopf auf Kniehöhe entspannt gehen. Der Hund lernt die Grundstellung durch das Aufmerksamkeitstraining (WuH 10/2017) sehr schnell, und darauf aufbauend beginnt der erste Ausbildungsschritt zum Fußgehen: Der Führer geht ohne etwas zu sagen aus der Grundstellung mit dem linken Fuß los. Der Hund läuft mit. Sobald er in der richtigen Position neben dem Führer geht, wird der Clicker gedrückt. Auf das Geräusch hin erwartet der Hund nun seine Belohnung. Der Führer greift in seinen Beutel und belohnt den Vierläufer, während er im normalen Tempo weiter läuft. Je öfter der Hund für das korrekte Fußgehen geclickert wird, desto öfter erhält er eine Belohnung. Je öfter er belohnt wird, umso häufiger zeigt er das erwünschte Verhalten. Erst dann wird das Wort Fuß als Kommando eingebaut. Das Kommando wird Sekunden genau vor oder exakt während der Hund das korrekte Verhalten zeigt, gegeben. Danach kommt der Click für das korrekte Gehen, dann erst greift der Führer in die Tasche und belohnt daraus den Hund. Solche Trainingseinheiten sollten maximal fünf Minuten dauern und mehrfach, etwa drei bis fünf Mal über den Tag verteilt werden. Für den Lernerfolg ist es wichtig, dass der Führer weder ungerecht wird, noch den Hund bestraft. Dieses wirkt sich absolut kontraproduktiv aus. Inzwischen ist bekannt, dass die Stimmungsübertragung des Führers das Lernen des Vierläufers beeinflusst. WILD UND HUND 13/2017 33

Jagdhunde Basistraining zum Apport: Das Dummy wird mittig vor den Fang gehalten, der Clicker ist bereits in der Hand. Der Hund lernt nur dann stressfrei, wenn sein Führer das Training entspannt durchführt. Ein weiteres Feld, in dem sich der Clicker sehr nützlich erweist, ist das Basistraining zum Apport. Greifen, Festhalten und Bringen eines Apportels gehören zur Frühsterziehung des Jagdhundes, durch das er lernt, später erlegtes Wild mittig zu greifen und zügig zum Führer zu bringen. In der folgenden Übung, die auf den Fotos dokumentiert ist, wird einem 14 Wochen alten Drahthaar ein Felldummy vor den Fang gehalten. Der normal veranlagte Jagdhund greift ohne zu zögern mittig zu, wenn ihm das Dummy mit zwei Händen vorgehalten wird. Darauf folgt der Click, der dem Junghund bereits bekannt ist. Exakt in diesem Moment will der Rüde die Belohnung nehmen und gibt so das Dummy direkt in die Hand des Führers. Auch bei dieser Übung sollte der Mensch ruhig bleiben und den Hund nicht ansprechen. Erst, wenn dieser das Verhalten sicher und korrekt ausführt, wird das Kommando Apport eingefügt. Gegeben wird es kurz bevor der Hund das Dummy greifen will. Darauf folgen Click und Futtergabe. Viele Jagdhunde nehmen oftmals einen Gegenstand nicht freiwillig auf und geben ihn auch nicht gerne wieder ab. Deshalb kann es sinnvoll sein, erst einmal nur das Greifen des Gegenstandes zu üben und später schrittweise das Vorsitzen, Festhalten und Ausgeben zu trainieren. Der Einsatz des Clickers in der Ausbildung wirkt sich zudem äußerst positiv auf die Bindung und die gute Vertrauensbasis zwischen Mensch und Hund aus. Clickertraining führt in fast allen Bereichen der heutigen Hundeausbildung zu großen Erfolgen. Es als modernen Firlefanz abzutun, wäre falsch. Aber der Clicker muss sinnvoll eingesetzt werden, damit er zum Erfolg führt. Denn auch das Clickertraining hat durchaus Grenzen! Ein normal veranlagter Hund greift von sich aus zu. Durch das Halten des Dummys mit zwei Händen lernt der Vierläufer von Beginn an, mittig zu greifen. Sobald das Dummy im Fang ist, ertönt der Click. Der Hund weiß: Das bedeutet Belohnung 34 WILD UND HUND 13/2017

So kann beispielsweise der Verhaltensablauf für das jagdliche Down bei einem Welpen oder Junghund noch über den Clicker aufgebaut werden. Spätestens jedoch, wenn der Vierläufer älter wird und seine ersten jagdlichen Erfahrungen gemacht hat, wird es nicht mehr ausreichen, ihm hinterherzuclickern und mit der Fleischwurst zu winken, falls er unerlaubt hinter Wild herjagen sollte. An diesem Punkt ist es entscheidend, dass der Jagdhund nicht nur positive Bestärkung, sondern auch Grenzen erfahren Verhalten seine eigenen Trainingseinheiten. Diese Chance kann beispielsweise bei einem pubertierenden Hund rasch aus dem Ruder laufen, wenn der Führer unerfahren oder inkonsequent ist. Wird dann im falschen Moment geclickt und der Hund belohnt, bekommt dieser noch Oberwasser. Das kann später nur sehr schwer wieder ausgebügelt werden. Wird jedoch bereits mit dem ganz jungen Vierläufer das Ausgeben aller Gegenstände mit dem Clicker eingeübt, ist es später auch für den Fotos: Sabine Beimbauer Fotos: Petra Klemba und lässt das Dummy los. Dafür erhält er das erwartete Leckerli. hat. Er darf nicht selbstständig entscheiden, wann oder ob er etwas macht. Er muss ein Kommando seines Führers ausführen. So kann es durchaus sein, dass ein Hund während seiner Pubertätsphase einiges, das er zuvor erlernt hat, gewaltig infrage stellt. Plötzlich geht er nicht mehr bei Fuß oder gibt sein Apportel nicht mehr aus. Dann sind sowohl Gelassenheit als auch Konsequenz des Führers gefragt. Selbstverständlich erfordert die Clickermethode, dass der Hund eine aktive Rolle in seiner Ausbildung einnimmt. Schnell gestaltet er durch gewünschtes passionierten Jagdhund kein Problem, alles bei seinem Führer abzugeben. Hunde, die im ersten Jahr erfolgreich geclickert wurden, benötigen später deutlich weniger Druck in der Ausbildung. In der Regel zeigen sie mehr Führerbindung als andere. Auch das wiederum ist Basis für eine stressfreie weitere Ausbildung. Ein derart erzogener Hund wird nach einem unerwünschten jagen während eines Spazierganges deutlich schneller wieder zu seinem Führer zurückkehren. Denn er weiß: Dort ist die Quelle meiner Belohnung. e