Liebe Gott und deinen Nächsten

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1 Liebe Gott und deinen Nächsten Predigt Beat Staub FEG Langenthal 22. Mai 2016 Matthäus 22,34-40; Joh 14:15-18; 5. Mose 6,4-5 Einstieg 34 Als aber die Pharisäer hörten, dass er die Sadduzäer zum Schweigen gebracht hatte, versammelten sie sich am selben Ort. 35 Und in der Absicht, ihn auf die Probe zu stellen, fragte ihn einer von ihnen, ein Gesetzeslehrer: 36 Meister, welches Gebot ist das höchste im Gesetz? 37 Er sagte zu ihm: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Verstand. 38 Dies ist das höchste und erste Gebot. 39 Das zweite aber ist ihm gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. 40 An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten. Matt 22,34-40 Ich teile die heutige Predigt in drei Teile. Zunächst schauen wir kurz hin, in welcher Situation das ganze gesagt wurde. Dann werden wir uns mit der Aussage von Jesus im Detail beschäftigen. Was heisst es konkret, Gott zu lieben und was heisst es meinen Mitmenschen zu lieben wie mich selber? Und warum wird durch Liebe ein Gebot erfüllt? Jesus ist in einigen Diskussionen mit verschiedenen Gruppen von Schriftgelehrten. Gerade hat er den Sadduzäern das Maul gestopft, wie es Luther sagt, und schon kommen die Pharisäer und wollen ihn auf die Probe stellen. Was ist das wichtigste Gebot? Die Antwort, die Jesus gibt überrascht niemanden. Eigentlich die Standardantwort auf so eine Frage. Eine Antwort, die jeder Jude bis heute zweimal am Tag betet, wenn er das Shema spricht. Woher hat Jesus das? Die Antwort ist so alt wie Israel als Nation im Alten Testament. Es gehört zu ihrem Bundesschluss, den sie mit Gott gemacht haben: 4 Höre, Israel: Der HERR, unser Gott, ist der einzige HERR. 5 Und du sollst den HERRN, deinen Gott, lieben, von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit deiner ganzen Kraft. 5. Mose 6,4-5 Die erste Aussage, wo das vorkommt mit dem Herrn lieben ist als Mose, der neuen Generation von Israeliten vor dem Einzug ins verheissene Land das Gesetz Gottes nochmals vorlegt und sie mit Gott einen Bund schliessen. 1

2 Gott schliesst keinen Vertrag mit uns. Er schliesst einen Bund. Ein Vertrag basiert darauf, dass ich ein Papier mit Unterschrift brauche, damit ein Geschäft fair abgehandelt werden kann. Es sichert in einem Verhältnis des Nicht-Vertrauens die Einhaltung dieses Geschäftes. Ein Bund hingegen basiert auf dem gegenseitigen Vertrauen. Bei einem Bund geht es nicht einfach um einen Austausch von Dienstleistungen oder Gütern, sondern dass man gemeinsam in eine Richtung geht. Ein Bund ist ein Beziehungsbegriff. Gott lieben - wie geht das? So hat Gott mit Israel den Bund geschlossen und die Erfüllung dieses Bundes besteht eben in Liebe und Vertrauen. Darum sind die einleitenden Worte, die Mose den Israeliten sagt, dass sie Gott lieben sollen. Liebe ist nicht ein Gefühl. Liebe ist eine aktive Tat. Liebe erreicht ihr Ziel nicht, wenn sie nicht in die Tat umgesetzt wird. Wenn ich jemanden liebe, meine Eltern zum Beispiel, dann versuche ich mein Leben so zu gestalten, dass es ihnen Freude macht. Dann lebe ich so, dass sie wissen, dass ich sie liebe. Da gehört Gehorsam dazu. Da gehört es dazu die Wahrheit zu sagen. Da gehört es dazu auch zu bekennen, dass man sie gern hat. Klarer wird es vielleicht, wenn wir den Umkehrschluss ziehen. Keiner würde es als Liebe bezeichnen, wenn ich etwas tun würde, das nicht in guter Absicht ihnen gegenüber ist. Wenn ich den Menschen, die ich liebe Sorge bereiten würde. Wenn ich Dinge tun würde, die sie verängstigen oder verletzen. Nun heisst das nicht, dass gewisse Dinge aus Liebe geschehen, die trotzdem verletzen. Sei das aus Unwissen oder aus Positionen, die zu weit auseinander gehen. Aber dann sprechen wir nicht mehr unbedingt von Liebe in dieser Sache. Aber wie liebt man denn Gott? Wie geht das? Über die verschiedenen Jahrhunderte haben die Menschen ihre Liebe zu Gott ganz verschieden ausgedrückt. Manche haben der Kirche grosse Beträge oder Ländereien. Viele Menschen haben sich ganz in den Dienst Gottes gestellt indem sie in ein Kloster eingetreten sind. Letzten Mittwoch hatten wir eine Retraite mit den Jugendpastoren von FEG Schweiz und waren in St. Gallen. Gallus wollte sein Leben ganz Gott zur Verfügung stellen und hat sich in die Einsiedelei zurück gezogen. Andere Menschen sind in die Mission gegangen. Wieder andere haben ihre gesamte Zeit in eine Kirche investiert. Gehorsam gegenüber dem geschlossenen Bund. Jesus definiert die Liebe gegenüber ihm, gegenüber Gott so: 15 Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten. 16 Und ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen zum Helfer geben, der für immer bei euch bleiben soll: 17 den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht erkennt; ihr erkennt ihn, weil er bei euch bleibt und in euch sein wird. 18 Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen, ich komme zu euch. Joh 14,

3 Wer Jesus, wer Gott liebt, der hält seine Gebote. Oder wie es hier heisst, der wird seine Gebote halten. Unsere Liebe zu Gott kommt in unserem Handeln zum Ausdruck. Unser Tun kommt mit dem Willen Gottes in Einklang kommen. Das heisst also dass ich mich mit meinem ganzen Wesen, Herz, Seele, Kraft/Verstand darauf ausrichte, den Willen Gottes in meinem Leben, an dem Ort wo immer ich gerade bin zu tun. von ganzem Herzen: Liebe beginnt im Innern Das Herz steht in der Bibel für unser Inneres. Es ist der Ort wo unsere Entscheidungen gefällt werden, wo die Wünsche entstehen. Wo Emotionen stattfinden. Das Herz entscheidet in welche Richtung wir uns in unserem Leben bewegen. Heute wird unser Herz häufig als der SItz unserer Gefühle angesehen. Dort ist doch die Liebe zuhause. Und das sagt die Bibel auch. Aber auf einer anderen Grundlage. Für die Bibel hat Liebe etwas mit der Entscheidung für jemanden zu tun und nicht einfach mit einem Gefühl, dass mal stärker oder schwächer ist. Es ist darum wichtig, dass wir einen Bund mit unserem Herzen schliessen. Worauf wollen wir uns ausrichten? Was ist uns wichtig im Leben? Ist das was Gott sagt wichtig? Wer oder was darf mein Leben bestimmen? Sind es meine Gefühle, meine Erfahrungen, meine Lust, meine Freunde, meine Familie, die Laune meines Chefs, die Insubordination meines Angestellten? Der Kunde, der gerade seinen Frust an mir auslässt? Liebe beginnt in unserem Innersten. Dort wo unsere Persönlichkeit, unser Charakter geformt wird. mit ganzer Seele: Liebe umfasst unser ganzes Sein und Tun Wir haben bereits gesagt, dass Liebe nicht nur ein Gefühl ist, sondern eine Entscheidung. Eine Entscheidung macht keinen Sinn, wenn sie nicht unser Sein und Tun beeinflusst. Die Seele steht in der Bibel für unser ganzes Sein. In der Bibel ist es nicht so, dass der Mensch eine Seele hat, sondern dass er eine Seele ist. In der Seele ist das Herz miteingeschlossen. Das Herz ist sozusagen das Steuerrad der Seele. In diesem Licht können wir sagen, dass unsere Liebe für Gott in unserem Innern beginnen muss in der Schaltzentrale des Herzens. Aber sie darf nicht dort stehen bleiben. Was ist ein Entscheid wert, der nicht in die Tat umgesetzt wird. Was nützt eine Entscheidung, wenn sie nicht in der sichtbaren Realität wiedergefunden wird. Sie muss uns als ganze Person erfassen. Paulus sagt, dass unser ganzes Leben Anbetung sein soll. Wir sollen Gott lieben indem wir so handeln wie es ihm gefällt, so reden, so arbeiten, so unsere Talente einsetzen. Die Seele steht dafür wie wir in jeder Situation agieren und reagieren. Wie sieht es mit meiner Wortwahl aus? Wie reagiere ich konkret auf den Kunden der seinen Frust an mir auslässt? Wie behandle ich meine Kinder? Wie handle ich wenn mich keiner sieht? Alles was wir sind und tun, soll ihn ehren. mit ganzem Verstand / ganzer Kraft Aber wir bleiben nicht bei dem Stehen. Gott zu lieben bedeutet noch mehr. Es bleibt nicht bei dem was wir natürlicherweise tun und sind, sondern es geht darum auch alles was in unserem Vorstellungsbereich, unseren Möglichkeiten liegt auszureizen. 3

4 Nun heisst es hier in der Originalstelle bei Moses «Kraft» und Jesus sagt «Verstand». Was nun? Für uns zwei sehr unterschiedliche Begriffe. Das Wort für Kraft das im AT verwendet wird heisst soviel wie «sehr» oder «viel» oder eben was an Möglichkeiten besteht. Das Wort im NT bedeutet «über- oder durchdenken». Es hat etwas damit zu tun, dass wir über etwas nachdenken und uns etwas vorstellen können. Im Besonderen wird das Wort verwendet um zu beschreiben, dass wir in der Lage sind zu verstehen was Gottes Möglichkeiten sind. Wir haben es hier also nicht einfach nur mit unserer körperlichen Kraft oder unserer Intelligenz zu tun, sondern mit all dem, was in unserer Vorstellungskraft und unserem Einflussbereich ist. Wir sollen Gott mit all unseren Ressourcen lieben. Alles was uns zur Verfügung steht. Unser Geld Unser Haus Unser Handy Unser Computer Unser Auto Unser Geschäft Unsere Vereinsmitgliedschaften Zusammenfassend Die Liebe zu Gott beginnt in unserem Herzen. Unser Herz ist das Steuerrad, das unsere Seele und unseren Verstand/Einsicht bewegt. Sie geht darum weiter in unser gesamtes Wesen und unseren gesamten Einflussbereich. Kurz gesagt: Es gibt nichts, was wir sind oder was uns anvertraut ist, das nicht dazu genutzt werden soll Gott zu ehren und ihn damit zu lieben! Umsetzung durch die Kraft des heiligen Geistes Aber unser Herz ist ein «Böse und verzagt Ding» wie Luther sagt. Und aus uns selbst heraus ist es uns nicht möglich, Gott in dieser vollständigen Art zu lieben. Unsere Vorstellungskraft, unsere Ressourcen unser Körper, unser Herz ist immer wieder geteilt. Aber es gibt zwei gute Nachrichten in all dem: 1. Gott liebt uns und hat uns zuerst geliebt. Jesus zeigt uns diese Liebe am Kreuz. 2. Gott will uns durch seinen Geist befähigen, ihn lieben zu können. Jesus spricht im Johannes davon, dass er uns seinen Geist gibt, dass wir ihn lieben können! Es braucht immer noch unser Einverständnis. Aber je mehr wir dem Bund Gottes vertrauen und von seiner Liebe erfasst sind, desto mehr werden wir ihn lieben lernen mit allem was wir haben. Hier kommen die beiden letzten Predigten zusammen. Markus hat über Gehorsam gesprochen und Samuel über die Kraft des Heiligen Geistes. Es ist unser Gehorsam und die Kraft des Heiligen Geistes die zusammen wirken müssen um Gott zu lieben. Die Menschen lieben - wie geht das? Aber Jesus stoppt nicht dabei. Er nimmt ein zweites Gebot, dem er denselben Stellenwert gibt wie dem Gebot Gott zu lieben. Nämlich unsere Mitmenschen zu lieben. Eigentlich ist das auch klar. Denn wenn wir Gott mit 4

5 allem was wir sind, können und haben lieben, dann lieben wir uns selber und unsere Mitmenschen ganz natürlich auch. Jesus sagt, wir sollen unseren Nächsten lieben wie uns selber. Jesus geht davon aus, dass wir uns selber lieben. Jetzt könnte es auch jemanden geben, der sagt: «Aber ich liebe mich selber nicht. Ich hasse mich sogar. Soll ich jetzt die andern Menschen auch hassen?» Das hat Jesus sicher nicht gemeint. Wer sich selber nicht in der Liebe Gottes annehmen kann braucht Hilfe. Jesus hat davon gesprochen, dass wir lieben sollen und Hass ist keine Liebe. So wie wir uns Gutes tun so sollen wir andern Gutes tun. Aber die meisten von uns lieben uns selber. Wir sorgen im Normalfall dafür, dass es uns gut geht. Keiner von uns, der gesund ist, fügt sich selber absichtlich Schaden zu. Die meisten von uns lieben uns selber sogar so stark, dass wir die andern manchmal dabei vergessen. Wir kennen das Sprichwort: Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu. Jesus aber bringt es noch stärker auf den Punkt. Er bringt diese Aussage auch im Rahmen der Bergpredigt: Also: Wie immer ihr wollt, dass die Leute mit euch umgehen, so geht auch mit ihnen um! Denn darin besteht das Gesetz und die Propheten. Matthäus 7,12 Also nicht nur, was man nicht will das einem getan wird, sondern was man will dass einem getan wird, das soll man auch andern tun. Wie finde ich also heraus wie ich Menschen lieben kann? Ich stelle mir die einfache Frage im Umgang mit meinen Mitmenschen: «Würde ich wollen, das jemand so mit mir umgeht?» Würde ich wollen, dass jemand schlecht über mich redet? mich anlügt? mich betrügt? mit eine alte Sache immer noch nachträgt? mich mit etwas beschenkt, von dem er weiss, dass ich das doof finde? sich für mich interessiert? sich für mich Zeit nimmt? sich jemand um mich kümmert, wenn es mir nicht gut geht? Würde ich erwarten, dass jemand Würde ich hoffen, dass jemand Schluss Gott und andere zu lieben gehören zusammen. Wer Gott liebt, liebt auch seine Mitmenschen. Wer Gott liebt, liebt sich selber. Wer sich von Gott geliebt weiss, kann diese Liebe zurück geben und weitergeben. 5

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