Nachhaltigkeit messen? Woran messen? Helsinki Kriterien Nachhaltigkeits-Indikatoren Wie überwachen? Zertifizierungsverfahren (Beispiel Brandenburg) Wo stehen wir? Zukunftsperspektiven der Forstwirtschaft in Deutschland 1
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Im Sommer 2001 wurden 240.000 ha des Brandenburger Landeswaldes (rund ein Viertel der Gesamtwaldfläche) nach dem Gütesiegel der Pan European Forest Certification (PEFC) zertifiziert. Damit wird der Forstverwaltung eine nachhaltige und ökologisch orientierte Waldwirtschaft bescheinigt. Ein Teil des Landeswaldes ist auch nach den teilweise strengeren Kriterien des Forest Stewardship Council (FSC) zertifiziert worden, um langfristig beide System zu erproben. Das FSC-System wird insbesondere von Umweltschutzorganisationen stark unterstützt, da die waldbaulichen Vorgaben teilweise noch strenger gefasst sind und Nichtregierungsorganisationen in das System integriert sind. Die Landesforstverwaltung hat rund 4.000 ha im Norden Brandenburgs nach FSC zertifizieren lassen. So soll untersucht werden, welche Zertifizierung langfristig geeigneter ist. Bereits jetzt ist erkennbar, dass zumindest die Auswirkungen auf die Waldbewirtschaftung sehr ähnlich sind. Kriterien einer nachhaltigen Waldwirtschaft: Erhaltung und angemessene Verbesserung der forstlichen Ressourcen und ihr Beitrag zu globalen Kohlenstoffkreisläufen Erhaltung und Gesundheit und Vitalität von Forstökosystemen Erhaltung und Förderung der Produktionsfunktion der Wälder Erhaltung, Schutz und angemessene Verbesserung der Biodiversität in Forstökosystemen Erhaltung, Schutz und angemessene Verbesserung der Schutzfunktionen bei der Waldbewirtschaftung (vor allem die Schutzgüter Boden und Wasser) Erhaltung anderer sozioökonomischer Funktionen und Bedingungen Die Landesforstverwaltung macht sich in Fortbildungen und Exkursionen mit den neuen Standards der Waldbewirtschaftung vertraut. Ziel ist es, bereits im ersten Jahr der Zertifizierung die Anforderungen umfassend zu erfüllen. Unabhängige Gutachter der Zertifizierungsstellen überprüfen jährlich etwa 10 Prozent des Landeswaldes darauf, ob die Kriterien eingehalten werden. 3
Die sehr weitgefassten Helsinki-Kriterien sind in Deutschland konkretisiert worden: Verzicht auf Kahlschläge Keine Düngung zur Ertragssteigerung Unterlassen von flächigen Befahren der Waldbestände bei der Holzernte Kein Einsatz gentechnisch veränderter Pflanzen Die Verjüngung der Hauptbaumarten soll ohne Verbissschutz möglich sein Keine flächige in den Mineralboden eingreifende Bodenbearbeitung Flächiger Einsatz von Pflanzenschutzmitteln nur bei existentieller Gefährdung des Waldes oder der Verjüngung Einige Zertifizierungskriterien sind schon jetzt Bestandteil der naturnahen standortgerechten Bewirtschaftung des Landeswaldes; andere gehen über bestehende Regelungen und Verfahren hinaus. Gravierende Änderungen: Kahlschläge im Landeswald verboten (bisher bis 3 ha erlaubt) Befahren und Bearbeitung der Waldböden nach strengen Vorgaben Kriterium FSC PEFC Modell weltweit gültig Schwerpunkt Europa Zusammensetzung der Gremien Zertifizierungsgegenstand Prüfberichte Prüfmodus (Audit) Baumarten Chemie unbewirtschaftete Vergleichsflächen Wildbestandsdichte / Jagd Produktkette (Wald bis Verbraucher) Transparenz für Verbraucher Wirtschaft, Soziales und Umwelt gleichberechtigt (Agenda 21) Forstbetrieb oder Zusammenschluss als Gruppe mit internem Kontrollsystem Anforderungen an die einzelnen Betriebe Zertifizierer entwickelt; FSC akkreditiert Gastbaumarten (Douglasie) nur einzeln oder in Gruppen Auf chemische Mittel wird verzichtet (Ausnahme: behördliche Anordnung) 5% bei öffentlichen Wäldern über 1000 ha Haupt- und Nebenbaumarten (z.b. Birke) als Weiser Verarbeiter und Handel werden kontrolliert Eindeutige Nummerierung des Holzes Vertreter des Waldbesitzes und Deutscher Forstzertifizierungsrat als Vertreter von Organisationen und Verbänden Zusammenfassung von Forstbetrieben auf Ebene einer Region (kaum Bezug zum Einzelbetrieb) regionaler Waldbericht als Norm; Einzelbetriebe geben Selbstverpflichtungserklärung ab PEFC regelt zentral; Akkreditierung durch öffentliche Akkreditierungsstelle standortgerechte Vegetation (Gastbaumarten erlaubt) chemische Mittel nur als "letztes Mittel", und bei flächigen Maßnahmen keine Vergleichsflächen gefordert Hauptbaumarten (Eiche, Kiefer, Buche) als Weiser input-output-bilanzen in den Verarbeitungsstufen (chain of costody) Eindeutige Kennzeichnung des Holzes 4
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