Jüdische Geschichte I

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Transkript:

Jüdische Geschichte I ZEITTAFEL DER JÜDISCHEN GESCHICHTE 3671 v. u. Z. Beginn der jüdischen Zeitrechnung. um 2000 bis 1400 v. u. Z. - Anfänge des Judentums Abraham wandert aus Ur nach Kanaan. Nach jüdischer Überlieferung schließt Gott einen Bund mit ihm und schenkt ihm und seinen Nachkommen das Land Kanaan. Die Söhne seines Enkels Jakob gelten als Stammväter der Israeliten. Ansiedelung der Israeliten in Ägypten, die dort in die Sklaverei geraten. 1250 v. u. Z. - Die Israeliten in Ägypten Exodus: Moses führt die Israeliten aus der Sklaverei in Ägypten heraus. Sie wandern vierzig Jahre durch die Wüste. Offenbarung der Zehn Gebote am Berg Sinai. Unter Josua, dem Nachfolger Moses', siedeln sich die Israeliten wieder in Kanaan an. um 1200 bis 1000 v. u. Z. - Die Zeit der Richter Die Israeliten leben in Stammesverbänden im Land Kanaan. Ihre Anführer sind die Richter, die sie gegen Angriffe anderer Völker verteidigen. Die Richter sind: Debora, Gideon, Simson und Samuel. Richter ist dabei nicht im üblichen Sinne gemeint. Sie sind vielmehr Führer, die ihrem Stamm zum Recht verhelfen. 1000 v. u. Z. bis 931 v. u. Z. - Die Zeit der Könige Wegen der Bedrohung durch die Philister schließen sich die Stämme der Israeliten zu einem Reich zusammen. Der erste König ist Saul. Er bekämpft die Philister. Seine Nachfolger David und Salomo gründen ein unabhängiges Königreich mit der Hauptstadt Jerusalem. König Salomo baut den ersten Tempel in Jerusalem (966-959 v. u. Z.) Nach seinem Tod zerfällt Israel in zwei Königreiche.

Jüdische Geschichte II 931 v. u. Z. bis 586 v. u. Z. - Israel und Juda Aufteilung Israels in das Nordreich Israel und das viel kleinere und unbedeutende Südreich Juda. Die Assyrer erobern das Nordreich (722 v. u. Z.). Das Südreich Juda erstarkt und dehnt sich nach Norden aus. Nebukadnezar II., König des Babylonischen Reiches, greift Juda an. 586 v. u. Z. erobert er Jerusalem und verschleppt einen Teil des Volkes (die Oberschicht) in die babylonische Gefangenschaft. Er zerstört den ersten Tempel. 586 v. u. Z. bis 332 v. u. Z. - Exil und Rückkehr Mit dem Babylonischen Exil beginnt die jüdische Diaspora, also das Leben jüdischer Gemeinden außerhalb Israels. Im Exil entstehen viele wichtige Schriften der jüdischen Theologie, wie z. B. der Babylonische Talmud. Kyros II. erobert Babylonien (538 v.chr.) und gründet das Persische Reich. Er erlaubt den Juden die Rückkehr nach Juda. Der zerstörte Tempel von Jerusalem wird wieder aufgebaut (520-515 v. u. Z.) Juda wird eine Provinz des Persischen Reiches. 332 v. u. Z. bis 63 v. u. Z. - Hellenistische Epoche und Makkabäer-Dynastie Alexander der Große erobert Jerusalem und Juda. Es wird Teil des Ptolomäerreiches unter Alexanders Nachfolger Ptolomäus. Erste Übersetzung der hebräischen Bibel ins Griechische (um 250 v. u. Z.) Die Seleukiden besiegen die Ptolomäer und erobern Juda. Antiochos IV. entweiht den Tempel (168 /167 v. u. Z.) und löst damit den Aufstand der Makkabäer aus. Der Anführer der Makkabäer, Judas Makkabäus, begründet eine Dynastie. Er erobert Juda und Jerusalem zurück. Der Tempel von Jerusalem wird wieder eingeweiht (164 v. u. Z.). 63 v. u. Z. - 64 n. u. Z. - Die römische Herrschaft Der römische Feldherr Pompeius erobert Jerusalem. Palästina steht unter römischer Oberherrschaft, aber das jüdische Reich bleibt weiterhin bestehen. König Herodes I. lässt den zweiten Tempel ausbauen, was achtzig Jahre dauert.

Jüdische Geschichte III 66 n. u. Z. - 135 n. u. Z. - Die römisch-jüdischen Kriege Ein Aufstand gegen das Römische Reich scheitert. Im Jahre 70 n. u. Z. fällt Jerusalem. Die Römer zerstören unter Kaiser Titus den zweiten Tempel. Viele Juden bleiben trotzdem in ihrem Land. Nach einem zweiten gescheiterten Aufstand der Juden, den Simon Bar Kochba von 132 bis 135 n. u. Z. anführt, gehen viele von ihnen in die Diaspora. 2. Jh. n. u. Z. bis 11. Jh. n. u. Z. - Juden in Deutschland Nach dem Bar-Kochba-Aufstand lassen sich viele Juden im ganzen Römischen Reich nieder. Die jüdische Diaspora wird immer größer, weil Juden kein Heimatland und kein religiöses Zentrum mehr haben. In Deutschland siedeln sich Juden seit dem vierten Jahrhundert n. u. Z. an. Große Gemeinden entstehen in Köln, Worms, Speyer und Köln. Die Juden leben zwar meistens in eigenen Vierteln, dürfen aber ihre Religion ausüben, sind in vielen Berufen tätig und genießen viele Rechte. ab dem 11. Jh. n. u. Z. bis 17. Jh. n. u. Z. - Verfolgung der Juden in Westeuropa und Spanien Die Rechte der Juden werden immer mehr eingeschränkt. Sie dürfen nur noch in wenigen Berufen arbeiten, z. B. als Geldverleiher, da es Christen verboten ist, Zinsen zu nehmen. Das bringt den Juden einen schlechten Ruf ein. Während der beiden Kreuzzüge werden viele jüdische Viertel geplündert und die Bewohner ermordet. Christen werfen den Juden vor, Ritualmorde an Kindern zu begehen und Brunnen zu vergiften. Diese Vorwürfe kommen auf, weil in vielen Städten die Pest wütet. Die Feindschaft gegen die Juden verstärkt sich. Die Christen machen ihre jüdischen Nachbarn für Armut, Kriege und Krankheiten verantwortlich. Viele Juden fliehen wegen der Pogrome (Übergriffe) nach Osteuropa. Sie nehmen ihre Sprache, Jiddisch, mit. Jiddisch ist ein rheinischer Dialekt mit vielen hebräischen Einflüssen, der bis ins 20. Jh. hinein von osteuropäischen Juden gesprochen wird. Auch in Spanien und Portugal werden die Juden Jahrhunderte lang verfolgt und schließlich endgültig aus dem Land vertrieben.

Jüdische Geschichte IV ab 14. Jh. - 18. Jh. n. u. Z. - Juden in Osteuropa Nach den Verfolgungen in Westeuropa und Spanien lassen sich immer mehr Juden in Osteuropa, besonders im heutigen Polen und in der Ukraine, nieder. Der Schwerpunkt des jüdischen Lebens verlagert sich so von West nach Osteuropa. Es entstehen jüdische Ghettos, Viertel, die abgeschlossen sind. In der Verfassung des Deutschen Reiches von 1871 werden die Juden rechtlich gleichgestellt. 19./20. Jh. n. u. Z. - Auswanderung der Juden Viele kämpfen im Ersten Weltkrieg (1914-1918) für Deutschland. Trotzdem sind Vorurteile gegen Juden weit verbreitet. In Osteuropa kommt es immer häufiger zu Übergriffen. Es beginnt eine jüdische Einwanderungswelle nach Amerika, zuerst aus Deutschland, später auch aus den osteuropäischen Ländern. Ab dem Jahr 1882 nimmt die Zuwanderung nach Palästina zu, das damals zum Osmanischen Reich gehört. Die antisemitischen Nürnberger Gesetze der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei entziehen den Juden ihre Bürgerrechte und verbieten ihnen Mischehen zum "Schutz der Deut- 1933-1945 - NS-Deutschland und Zweiter Weltkrieg schen Rasse". Es kommt zu Pogromen gegen die Juden. Ihre Bücher werden verbrannt und Synagogen zerstört. Hitler und seine Anhänger wollen alle Juden aus Deutschland vertreiben. Ihr Wahn nimmt aber grausamste Gestalt an: Die Nationalsozialisten beschließen am 20.01.1942 die "Endlösung der Judenfrage", d.h. die völlige Vernichtung der Juden in ganz Europa. Etwa sechs Millionen Juden werden in Konzentrationslagern ermordet. Wer entkommen kann, flieht nach Amerika oder Palästina. Der Staat Israel wird gegründet. Es beginnt der bis heute fortdauernde Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern. 1948

Jüdische Geschichte V seit 1950 Im Jahre 1950 wird der Zentralrat der Juden in Deutschland gegründet. Das jüdische Leben erholt sich nur langsam von den Grausamkeiten und Massenvernichtungen durch die Nationalsozialisten. Heute leben etwa 200 000 Juden in Deutschland. Seit 1989 wachsen die jüdischen Gemeinden besonders aufgrund der Zuwanderung von Juden aus Osteuropa. Etwa 80 000 der eingewanderten osteuropäischen Juden sind nach Angaben des Zentralrats der Juden in Gemeinden eingegliedert. Weitere 90 000 gehören entweder keiner Gemeinde an oder ihr religiöser Status ist im Sinne der jüdischen Religionsgesetze nicht geklärt. Größere Gemeinden gibt es in Berlin, Frankfurt und München.