Tiefenblick, 03.01.2016 Adelswelten eine Klasse für sich (1/4): Adel verpflichtet

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Transkript:

Musik Anfang (Scrapping Yelling) Tür auf/schritte O-Ton 1: Collage div O-Töne, u.a. Gräfin von Brühl: Mit Noblesse Oblige kommt man nicht auf die Welt. Ja, das muss man lernen. O-Ton v.bülow O-Ton v.bussche Ansage Sprecherin 1 Adelswelten - eine Klasse für sich Tür zu Glöckchen Adel... von Heike Mund O-Ton 2: Vicco von Bülow: Also die Familie von Bülow ist eine der zahlreichsten Adelsfamilien in Europa. Wir haben erstmal ein paar Jahrhunderte Zeit gehabt, uns zu vermehren. Haben das auch ganz gut hingekriegt. Musik Anfang (look at that old Grizzly Bear) Sprecherin 1: Steilvorlage für Komiker. Dieser Vicco von Bülow ist nicht der berühmte alias Loriot. Er ist Pfarrer und Oberkirchenrat bei der Evangelischen Kirche Deutschlands. In seinem schlichten Büroraum am Hauptsitz der EKD in Hannover, etwas schmucklos mit studentischen Bücherregalen ausgestattet, stellt er sich kurz und knapp in die Reihe einer beeindruckenden Ahnengalerie. O-Ton 3: Vicco von Bülow: Ich persönlich, Vicco von Bülow, bin jetzt der nachweisbar 23. von Bülow in direkter Reihenfolge genealogisch. Es gibt 10 verschiedene Familienlinien bei den von Bülows. Ich gehöre zu der 10. Linie. Und bin dort die Nr. 652. Musik Anfang (Cemballo Bill) Sprecherin 1: Genealogisch, also in Generationen denken lernen ist wie dreidimensional Schachspielen im Kopf. Für den sportiven Adelsmann von Bülow Jg. 61, lässig mit Pferdeschwanz, ist das eine der leichtesten Übungen: Ich trage einen berühmten Namen heißt sein geübter Schlagabtausch mit Journalisten und anderen Neugierigen, die eigentlich nur eins wissen wollen. 1

O-Ton 4: Vicco von Bülow: Alle zwei Jahre gibt es ein Familientreffen, das heißt Familientag. Und zu diesem Familientag da kommen so 150 bis 200 und die heißen alle von Bülow. Das ist irgendwie schon ganz lustig. /Was vor allem die Hotels vor große Schwierigkeiten stellt. Weil, wenn man sich anmeldet und sagt: Hallo, mein Name ist von Bülow. Dann sagen die: das ist lustig. Die heißen alle hier von Bülow. /Das weiß man dann schon, wenn man zu dem nächsten Hotel geht. Wir melden uns dann nicht mit Vicco von Bülow an, sondern mit Vicco von Bülow, Römisch zehn, 652, so dass die das immer sehr genau zuordnen können. Sprecherin1: Ein Schloss oder einen aristokratischen Landsitz kann dieser Familienzweig nicht mehr sein eigen nennen. Er gehört formal zum so genannten Etagenadel, der nach dem Krieg die weitläufigen Besitztümer im Osten mit einer schlichten Mietswohnung oder einem Einfamilienhaus eintauschen musste. Aber das hat der vornehmen Familientradition keinen Abbruch getan. Uralter Adel eben, wie die ostpreußische Gräfin Veruschka von Lehndorff z.b. auch, die mit ihrem Gardemaß - fast majestätisch - aus dem gesichtslosen Heer der Mode-Models herausragte. In der Tradition von Reichskanzlern, preußischen Generälen, Dirigenten und landläufigen Humoristen hat der Adelstitel auch so seine Wirkung. O-Ton 5: Vicco von Bülow: Auf jeden Fall hoher Aufmerksamkeitsfaktor. Das ist kein Name wie Meier, Müller, Schulze, der so durchläuft. Von Bülow da gucken sie alle erstmal hin. / Sowohl im Positiven wie im Negativen ein größerer Verstärkungseffekt. Sprecherin 1: Adelsfamilien, wie die von Bülows, können auf einen weit verzweigten Stammbaum mit Wurzeln bis ins Mittelalter zurückblicken. Das hat was. Und erdet ungemein. Gerade mal gut 100.000 tragen in Deutschland ein von oder einen Adelstitel im Familiennamen. Aber obwohl sie rein statistisch zu einer verschwindenden Minderheit gehören, sind und bleiben Adelige immer etwas Besonderes: eine Klasse für sich. Musikakzent O-Ton 6: Vicco von Bülow: Das ist auch etwas wofür man Zeit braucht. Die Frage was es heißt /ein Adeliger zu sein, da muss man mit der Zeit reinwachsen. Die meisten Adeligen, die ich kenne, stellen sich diese Frage nicht. Die sind es einfach. / Hall u. Glöckchen Sprecherin 2: Der Normalbürger stellt sich den Adel manchmal so vor: er lebt in einem schönen Schloss und geht mit seinem Hermelinmantel und einer Krone auf 2

und ab. Und auf die Jagd. - Der Adel steht genauso im Leben, wie jeder Bürger dieses Landes und muss sein Geldverdienen, sein Leben verdienen und sich durchsetzen. Wie jeder andere Mensch auch. Sprecher 1:...sagt Diane Prinzessin von Frankreich, international anerkannte Künstlerin und Gattin von Carl Herzog von Württemberg. O-Ton 7: Vicco von Bülow: Ich glaube ja dass Adelige Normalsterbliche sind. / Adelige sind genauso anfällig für Fehler. Adelige können aber auch genauso kreativ und nett und freundlich und intelligent sein. Sprecherin 1: Allein der Name ist Visitenkarte genug manchmal fein geprägt, ohne profanen Adresszusatz und für offizielle Anlässe natürlich mit Familien- Wappen: Manch Adelsvertreter wartet da mit einer barocken Klangfülle auf, wie man sie von den Etiketten erlesener Rotweine kennt. Musik Anfang (Händel Suite for trumpet) Tür auf/schritte/tanz Sprecher 2/Sprecherin 2: Seine Durchlaucht Fürst Franz-Joseph von Auersperg-Trautson, Antonia Maria Therese Prinzessin zu Hohenlohe-Waldenburg-Schillingsfürst Wittekind Adolf Georg-Wilhelm Fürst zu Waldeck und Pyrmont, Marie-Luise Prinzessin zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg, Wolf-Guntram Graf zu Solms-Wildenfels., Ludovica Johanna Gräfin zu Wykradt und Isny Lando Sidon Christian Graf von Wedel-Jarlsberg... Musik Anfang (The big bamboozle) Sprecherin 1: Eine Berufsbezeichnung ist da wohl nicht mehr nötig... Ein Adelswappen reicht unter wohltemperierten Umständen - schon mal als Bürgschaft für die Bank oder einen Autokredit. Oder als Eintrittskarte in die exklusiven Zirkel der Rotary-, Zonta- und internationalen Rennsportclubs. Sprecherin 2: Selbstverständlich pflegen Adelige nur ganz bestimmte Sportarten. Sie würden sich nie triefend vor Schweiß dem Laufen widmen und es schon gar nicht Joggen nennen. Er würde niemals modisch knappe Gymnastikkleidung anlegen und sich wild hopsend zu hektischen Musikrhythmen bewegen. Der Adelige versucht Schweißausbrüche zu vermeiden. Sie zeugen von Unkontrolliertheit, überdurchschnittlich hohem Wasserkonsum oder falscher Garderobe. Noblesse oblige, Die Kunst ein adeliges Lebe zu führen. 3

Sprecherin 1: Wer doch ins Schwitzen kommt, lässt es sich gefälligst nicht anmerken. Contenance, empfiehlt Gräfin von Brühl, Jg. 62, in ihrem Buch. Sie ist in Ghana geboren und in London, Singapur und Brüssel aufgewachsen. Contenance,auch wenn der 27.ste überraschende Verwandtenbesuch den Gastgebern Schweißperlen und Zornesröte auf die Stirn treibt. O-Ton 8: Gräfin von Brühl: Natürlich typischerweise die unverheirateten Onkel, Reiseonkel die sind sehr viel auf Reisen. Die sind berühmt dafür, dass sie die Familien, auch wenn sie in den abgelegensten Gefilden sich aufhalten, dort aufsuchen und dort leben bei denen eine Zeitlang. (lacht) Und dann wiederkommen und erzählen, sie waren in Afrika. Musik Anfang (Scrapping Yelling) Sprecherin 1: Nur 1 Promille der Bevölkerung in unserem Land zählt überhaupt zum Adel: Brief-, Etagen, Wink-, und Hochadel inclusive. Sprecher 1: Der Adel ist das, was der Briefmarkensammler ein abgeschlossenes Sammelgebiet nennt. Aber gerade weil heute niemand mehr in den Adelsstand erhoben werden kann, verbucht der Adel einen enormen Statusgewinn. Wilfried Rogasch: Schnellkurs Adel. Sprecherin 1: Nur zwei Dutzend der großen Häuser, so nennt man die Familiendynastien, sind so vermögend, dass sie Grundbesitz, Aktienpakete und Ländereien wie einen Wirtschaftskonzern managen müssen. Alexander von Schönburg hat da andere Zahlen alles eine Frage der Perspektive Sprecher 1: 90 Prozent der Adeligen wohnen in Mietswohnungen und bestenfalls in Einfamilienhäuschen in der Provinz, bangen um ihren Arbeitsplatz, wenn sie noch einen haben, und fahren einen Gebrauchtwagen. Sprecherin 1: Aber erwartet wird von einem Adeligen: außergewöhnliches, vorbildliches, untadeliges Benehmen, noble Umgangsformen, heldenhafter Umgang mit Krisen und anderen Unwägbarkeiten des Lebens. Der Guttenberg-Effekt lässt grüßen. Und natürlich die perfekte Wahrung der Etikette was immer das sein mag... 4

O-Ton 9: Gräfin von Brühl: Ja, die Etikette muss eben stimmen. Wenn man das nicht verinnerlicht hat, das ist f u r c h t b a r! Wenn man sich da blamiert, das wissen die Adeligen, wie schrecklich das ist, wenn man sich blamiert. (lacht) Atmo Berlin Mitte/Straßenmusik/Leute flanieren/kopfsteinpflaster (Flash) Sprecherin 1: Berlin-Mitte. Ein strahlend-klarer Frühlingsmorgen lockt die ersten Straßenmusiker auf die Brücke zur Museumsinsel. Nur wenige Passanten eilen vorbei. Noch hat die Touristensaison nicht begonnen. Eine unauffällige kleine Gasse mit historischem Kopfsteinpflaster im Windschatten des mächtigen Pergamon-museums - führt zum Hoftor eines alten Stadtpalais. Man fühlt sich ein bisschen ins 18. Jahrhundert versetzt. Auf dem Klingelschild steht schlicht: Brühl. Ohne von. O-Ton 10: Gräfin von Brühl: (Atmo: sie macht Tee/plaudert) Sprecherin 1: Christine Gräfin von Brühl, Diplomatentochter und erfolgreiche Buch-Autorin hat hier ihr Schreibzimmer, kein Büro. Ganz altmodisch und zur Untermiete. Sie kennt sich aus mit der Kunst ein adeliges Leben zu führen Noblesse oblige... O-Ton 11: Gräfin von Brühl Dieses Noblesse oblige, das ist ein Selbstläufer.. Musik Anfang O-Ton 12: Filmmusik aus Krieg und Frieden Musik vorher unter Text legen/ aufblenden mit Schmachtblende/ Ballszene: die Gräfin geht neben ihrem Bruder die Treppe hoch: Sprecher 2: Im weltberühmten Kinofilm Krieg und Frieden schreitet Hollywood- Ikone Audrey Hephurn an der Seite ihre Bruders elegant die Treppe zum Ballsaal hinauf. Das Traumbild einer Prinzessin: formvollendet, mit sittsam gesenktem Augenaufschlag, und aristokratischer Anmut - aber etwas schüchtern. Sprecherin 1: Im privaten Leben war die Film-Schauspielerin übrigens eine echte Baroness. Ihre Mutter stammte aus einem holländischen Adelshaus. Musik hochziehen/walzerschritte...ballgeflüster Sprecherin 1: So viel anders als in vorrevolutionären Zeiten ist das für heutige Ball-Elevinnen auch nicht, erzählt Gräfin von Brühl. Die Aufregung vor dem ersten 5

großen Auftritt auf dem Parkett der vornehmen Adelsbälle gehört nach wie vor dazu. Wie der Hauch von Parfüm auf der Innenseite des Handgelenks für den Handkuss... (Musik noch mal hochziehen/weg) O-Ton 13: Gräfin von Brühl: Wenn man da nicht so viel Übung hat: oh ja das wird sehr genau beobachtet! Da wird auch drüber gewitzelt und da kann auch manch einer selber drüber lachen. Und sich selbst-spöttisch sehen. Da nehmen die kein Blatt vor dem Mund, die Adeligen untereinander. Musik Anfang (Breakfast at Tiffanys) Sprecherin 1: Vor allem auf das Geschmeide Diademe, Perlencolliers, Smaragdohringe kommt es an. Da werden dann die kostbarsten Erbstücke aufgefahren was die Familienschatulle so hergibt. Und w i e man es trägt, das ist entscheidend. Schwanenhals nebst vornehmer Kopfhaltung ist und bleibt das heimliche Ideal. Aus dem Blickwinkel heiratswilliger Herren der mittleren Adelschargen besonders interessant: repräsentative Ballköniginnen sind immer heiß begehrt. Wie unter einem Brennglas werden d i e aristokratisch anmutenden Details registriert. O-Ton 15: Gräfin von Brühl: Gibt Mütter, die sind da sehr streng. Die achten mit Argusaugen darüber, dass ihre Töchter keine Sekunde, dass da nicht ein Unterrock rausblitzt oder ne Laufmasche zu sehen ist. Oder dass da garantiert beim trägerlosen Kleid der trägerlose BH bei der Hand ist. / Und es gibt andere Mütter, die sind ein bisschen wurschtig, das ist ja im Adel sehr verbreitet. Man möchte nicht einen auf superschick und hochelegant machen. Sprecherin 1: Aber wahre Standes-Zugehörigkeit zeigt sich - auf einen Blick. O-Ton 16: Gräfin von Brühl: Schmuck muss vor allem echt sein. Schmuck muss auch der richtige sein: Es gibt spießigen und nicht-spießigen Schmuck. Die Perlenkette ist nie spießig. Plastikschmuck muss sehr witzig sein, originell, so wie das ingeflippt es erfordert. Im Grunde ist alles was unecht ist, nicht erlaubt./ Darf nie neureich aussehen. Muss immer elegant und zurückhaltend sein. O-Ton 17: Vicco von Bülow: Also es gibt sicherlich Zeichen, die es wahrscheinlich machen, dass man einen Adeligen vor sich hat. Das ist keine hundert Prozent Trefferquote: aber so ein Tweedsacko, in einem Sagen wir mal - sandfarbenen Ton. / Bei einem Ohrring, der aus einer Perle besteht und nichts großartig baumeliges hat, das findet man auch häufiger. 6

Sprecher 1: Die Geheimcodes beherrschen nur die, die mit uralter Tradition gewappnet sind: niemand würde vor dem Essen guten Appetit wünschen, das ist bürgerlich. Alle legen einfach los. Wilfried Rogasch: Schnellkurs Adel. /Musik Anfang (Masquerade Chatschaturjan, Aram - Walzer (1) / Masquerade, ) O-Ton 19: Vicco von Bülow: In jedem Lebensabschnitt, in jedem Umfeld, in dem ich mich bewege gibt es Codes. Also wenn ich anfangen würde bei den alten Herren des FC Rephen, bei denen ich mal Fußball gespielt habe, mit meinem Wappenring aufgetaucht wäre und mit Schlips und Krawatte, wäre auch der falsche Code gewesen. Sprecherin 2: Noblesse obliege. Die Kunst ein adeliges Leben zu führen. Nur wenn der Adel unter sich ist, tritt er selbstbewusst und und gemäß seiner hierarchischen Strukturen auf. Da ist der Fürst noch Fürst und der Baron bleibt Baron. Da gibt es klare Rangfolgen. Die weiblichen Wesen stehen selbstredend immer eine kleine Stufe unter den männlichen. Eine voll funktionierende Parallel-gesellschaft. Sprecherin 1: Die nur auf dem Tanzparkett aufgehoben wird. O-Ton 20: Vicco von Bülow: Was bei Adeligen gut beobachten kann: die können alle gut tanzen. Weil Tanzstunde da zur Sozialisation gehört. Sprecherin 1: Und da gilt nur noch das interne Ranking der elegantesten, wildesten Tänzer und Tänzerinnen. Prinzessin Lilly zu Schaumburg-Lippe und Gloria Fürstin von Thurn und Taxis waren da früher als Queen of Dancing die Nr. 1 leidenschaftlich extrovertiert. Hauptsache unkonventionell. Musik: Ende O-Ton 21: Vicco von Bülow: Wenn man will, kann man jedes Wochenende auf einen Ball oder ein Hausfest gehen. Ich habe in meiner Jugend mal so eine Phase gehabt, da bin ich regelmäßig durch die Gegend getourt. Und war hier eingeladen, und da eingeladen. // Es macht Spaß mit Leuten zusammen zu sein, die wissen, dass Tanzen was Tolles ist. / Sich nach Musik zu bewegen. Bei nem Ball mit einer Frau zusammen zu tanzen, den gleichen Rhythmus zu finden, das ist was Schönes. Musik Anfang (Dancing Queen) 7

Sprecherin 1: Perfekt Tanzen können ist ein absolutes must für junge Adelige. Das gehört zum Grundrepertoire einer standes-gemäßen Erziehung, ganz gleich ob sie nur in den unteren Chargen des niederen Adels der Klasse der Vönnchen rangieren. Oder aus einem Fürstenhaus des europäischen Hochadels stammen. Sprecherin 2: Wenn es e i n Mittel gibt, das die adelige Gesellschaft zusammenhält, eine Art Kontaktfett, das...ihre Verbindungen selbst über viele Jahre stabil hält, dann ist es der Tanz. Auf den Festen wird wenig gegessen und getrunken, ein bisschen geredet und Konversation gemacht, aber vor allem wird getanzt. Tanzen ist die einzige Form der Fortbewegung, bei der Adelige mit gutem Gewissen ins Schwitzen geraten dürfen. O-Ton 22: Vicco von Bülow: Um drei Uhr morgens ist manches Ballkleid zerrupft. Und manche sorgfältige Frisur ist nicht mehr so sorgfältig, wie sie am Anfang war./ Da sind Smoking und Abendkleid der Mittel zum Zweck und nicht der Zweck selber. Sprecherin 1: Das gesellschaftliche Leben der Adelige findet generell in eng begrenzten und verschwiegenen Kreisen statt. Bürgerliche haben hier keinen Zutritt, außer sie sind gut bekannt oder befreundet mit einem Adelsvertreter. Aber selbst dann wird es Bereiche geben, in die sie niemals vordringen: O-Ton 23: Vicco von Bülow: Es gibt ja tausende close shops in unserer Gesellschaft. Man soll ja nicht so tun, als sei unsere Gesellschaft so durchlässig, wie sie immer vorgibt. Aber klar: wenn ein Bülowscher Familienball ist, dann sind nur Bülows da. Und das ist auch schön, weil man sich nicht ständig erklären muss. Man benimmt sich unter seinesgleichen ungezwungener. Das gilt für Adelige genauso, wie für Journalisten, wie für Handballspieler O-Ton 24: Gräfin von Brühl: Das ist relativ abgedroschen. / Es ist immer der Versuch einer Verpflichtung nachzukommen. Es ist teilweise der verzweifelte Versuch und auch teilweise der hoffnungslose Versuch und auch teilweise der missglückte Versuch / einer Verpflichtung nach-zukommen, die nicht unbedingt im Hier und jetzt verankert ist. Musik Anfang (Harpsicord Suite) Sprecherin 1: Familienfestivitäten sind Pflicht ein ungeschriebenes Gesetz. Wer sich die teuren Roben für die ganzen Bälle nicht leisten kann, der geht 8

auch schon mal ins Pfandhaus oder leiht sich Frack und Zylinder Second Hand. Wenn schon verarmter Adel, dann bitte stilvoll und erstklassig. In aller Verschwiegenheit versteht sich. Über Geld spricht man nicht in Adelskreisen. Wenn man keins hat, schon gar nicht. Sprecher 1: Mehr als die Hälfte der adeligen Ballbesucher kommt im geliehenen Smoking Sprecherin 1: Haltung ist gefragt in solch misslichen Lebenslagen. Alexander von Schönburg ehemaliger Chefredakteur der Hochglanzzeitschrift Park Avenue und heute Kolumnenschreiber bei BILD - wartet damit Tipps aus eigener Erfahrung auf: Die Kunst des stilvollen Verarmens Sprecher 2: Zum geübten Grenzgänger zwischen der Welt der verschämten Armut und des unverschämten Reichtums wurde ich, weil der verstorbene Mann meiner Schwester (Gloria), Fürst Johannes von Thurn und Taxis, mich in meiner Jugend gern in seinem Gefolge hatte. Also musste ich damit zurechtkommen, an einem Tag neben Ölprinzen, Maharadschas und Tycoons zu sitzen und am nächsten Morgen wieder zur Schule zu gehen, zu studieren und mich als freier Journalist durchzuschlagen. Sprecherin 1: Vornehme Zurückhaltung ist und bleibt das A & O. Die berühmte Contenance in jeder Lebenslage - die innere Gelassenheit auch die größte Katastrophe elegant, humorvoll und mit einer Teetasse in der Hand zu überstehen. Wer das nicht beherrscht, outet sich als neu-reicher Winkadel. Oder als Snob mit Standesdünkel. Für voll genommen werden die von ihren Standesgenossen nicht. O-Ton 25: Vicco von Bülow: Diese Geburtselite, weil ich zu der Familie sowieso gehöre, bin ich was Besseres, das gibt es bei Adeligen auch. Wenn man auf irgendwelche Adelstreffen, Adelsbälle geht, dann laufen da auch Exemplare rum, von denen man sich denkt: gerade Du als Mitglied der Familie von und zu sowieso solltest etwas bescheidener sein in deinem Auftreten. Die gibts auch, na klar. / Musik Anfang (Moon River) O-Ton 26: Collage Talkshows u.a. Westart - Rettet uns der Adel? Sprecherin 1: Was hat der Adel, was wir Normalsterbliche nicht haben? Das beschäftigte die Talkshows aller Sender im letzten Herbst. Was hat man den Guttenbergs dieser Welt mitgegeben, das ausstrahlt, wie ein Heilsversprechen und Alltagsnöte und Bürgersorgen vergessen macht? 9

Musik Anfang (König Ludiwg II. Marsch) Sprecherin 1: Die fabelhaften Guttenbergs titelte der Spiegel. Das adelige Traumpaar war monatelang ein gefundenes Medienfressen, quer durch alle Blätter hindurch. Bei weiten Kreisen der deutschen Bevölkerung weckten die glanzvollen Auftritte von Wetten dass bis zum Bundespressball eine tief verborgene Sehnsucht. Sehnsucht nach Glanz und Gloria in der sonst so beton-grauen Politik, nach bleibenden Werten, nach Vertrauenswürdigkeit und tadel-losem Lebensstil O-Ton 27: Vicco von Bülow: Angehimmelt worden bin ich noch nie deswegen. Soweit ist es nicht gegangen. Ich merke schon, dass mir Leute erstmal einen Vertrauensvorschuss entgegen bringen. Gerade wenn ich viel unterwegs bin wie derzeit bei der EKD, neue Leute kennenlerne, da aus einer Familie zu kommen, die einen ganz guten Namen hat, ist ein Vertrauensvorschuss, der mir entgegengebracht wird. Und der hilft mir für den ersten Schritt, aber danach muss ich mich dessen auch würdig erweisen. Sprecherin 1: In der Boulevardpresse wurden die Guttenbergs schon zu den deutschen Kennedys hochstilisiert. Als Heilsbringer für unsere angekränkelte politische Gesundheit. Vicco von Bülow sieht da auch gewisse Fallstricke. O-Ton 30: Vicco von Bülow: Die Fallhöhe wird höher umso mehr Ansprüche da sind. Anscheinend gibt es eine ganze Reihe von Ansprüchen, die an Adelige gestellt werden. Was möglicherweise damit zusammenhängt, dass die Ansprüche, die sie an sich selber stellen relativ hoch sind. Ansprüche stellen, heißt aber auch, sich selbst was zuzutrauen. Sprecherin 1: Was nahtlos in Selbstüberschätzung übergeht. Der glorreiche Ritter Karl-Theodor ohne Furcht und Tadel. Adelsexperte Gregor von Rezzori hat dieses Phänomen schon in den frühen 60gern in seinem Idiotenführer durch die deutsche Gesellschaft verewigt. Sprecher 2: Aristokraten tun alles, was auch immer sie tun, mit Entschiedenheit, ob was Kluges oder Dummes, Nützliches oder Unnützes. Ob sie jagen, malen, Wissenschaft betreiben, sich langweilen, betrinken oder im totalen Stumpfsinn des High-Society-Lebens ihre Zeit vertun. Sprecherin 2: (leicht ironisch) Letzteres hätte der altfränkisch erzogene Baron zu Guttenberg, also das hätte er selbstredend nie getan. Aber dies: MusikAnfag (Smoke on the water) 10

Sprecher 2: Selbst ihr Zögern ist von entschiedener Natur. Der Starrsinn, der immer in der Nähe ist, gibt ihnen jedenfalls eine nie in Frage stellende Präsenz. Will sagen: Aristokraten sind die einzige Menschengattung, bei der Tun und Sein nicht auseinander fallen. Was immer sie tun, sie bleiben was sie sind. Sprecherin 1:...ein Familienverbund - fest verwurzelt, sturmerprobt und im traditionsreichen Fundament unerschütterlich. Auch der angeschlagene Freiherr zu Guttenberg konnte sich nach seiner politischen Schlammschlacht wieder in den Schutz seines fränkischen Stamm-Schlosses zurückziehen, in dem seine Familie seit über 700 Jahren residiert Sprecherin 1: Aber eine Frage wäre noch zu klären: wie wird man adelig? Kann man heutzutage noch gefürstet werden? Wie kommt die Adelskrone auf das Briefpapier? Kaufen kann man das doch hoffentlich nicht... Sprecherin 2: Heutzutage ist vor allem derjenige adelig, der sich selbst dafür hält. Und so auftritt. Oder zumindest seine Umgebung davon über-zeugen kann... Presseartikel aus Die Welt Sprecherin 1: Aber mehr Schein als Sein ist prollig. Understatement ist der Lebensstil der Wahl. Da darf der edle Cashmere-Pullover für 800,- Euro schon mal Löcher am Ellbogen haben und der Burburry-Hemdkragen abgewetzt sein. Auf einem adeligen Landsitz kommt es darauf nicht an... Musik Anfang (Symphony Nr. 3) Sprecherin 1: Wer auf j e d e n Fall dazugehören will ganz gleich wie rebellisch, angeheiratet oder anti der Vertreter des jeweiligen Hauses auch sein mag: der sucht sein Glück beim Waidmannsheil. Adel auf freier Wildbahn ein zwiespältiges Vergnügen... Sprecher 1: In meiner Familie Sprecherin 1 erinnert sich Alexander von Schönberg, inzwischen Familien- Chef des Hauses Schönburg-Glauchau, Sprecher 1: haben die männlichen Mitglieder in den letzten 100 Jahren ein Gutteil ihres Lebens auf der Jagd oder beim Kartenspiel verbracht. Sprecherin 1: Prioritäten... Die Damen der feinen adeligen Gesellschaft setzen da andere 11

Sprecherin 2: Wir bevorzugen Bridge oder Puzzeln. Oder genießen beim fiveo-clock-tea den neusten Familien-Klatsch über die spektakulärsten Heiratsaktivitäten einer entfernten Cousine mit ihrem Fitnesstrainer O-Ton 31: Gräfin von Brühl: Andere Leute machen Kreuzworträtsel (lacht) oder Trivial Pursuit oder schauen gebannt bei Günther Jauch Wer wird Millionär bzw. Pilawa, aber die Adeligen sitzen beisammen und durch-pflügen ihre Verwandtschaft. Sprecherin 1: Früh übt sich, was eine Ballprinzessin und routinierte Tischdame werden will. Das ist harte Arbeit! Den Frauen obliegt in Adelskreisen die Aufgabe der angeregten Unterhaltung nicht nur bei Tisch. Auch bei Jagdgesellschaften sorgen sie für heißen Tee und die nötige Bewunderung der Jagdherren. Sprecher 1: Nun war die Jagd für einem verarmten Adeligen in der Bundesrepublik der achtziger Jahre keinesfalls eine feudale Angelegenheit. Sprecherin 1: räumt Alexander von Schönburg ein. Und Gräfin von Brühl hat da in der Tat auch nicht so positive Erinnerungen. Sprecherin 2:.die Bedingungen sind doch entsetzlich: Zu nachtschlafender Zeit geht es in den Wald, auf entlegene Hochsitze. Dort friert man sich zu Tode und muss dann auch noch schweigen. Sprecherin 1: Aber vornehm geht die Welt zugrunde, textete schon ein Schlagerdichter in den 20ger Jahren. Contenance ist das Gebot der Stunde auch auf einem einsamen Hochsitz im stockdüsteren Wald. Sprecherin 2: Am schlimmsten ist das für die Begleitperson, meist eine Frau...Was sollen denn Männer und Frauen gemeinsam im Wald, wenn sie sich nicht mal miteinander unterhalten dürfen? / Hunde Ende Sprecherin 1: Unter dem Strich bleibt: die schönsten Geschichten schreibt das Leben selbst - filmreif. Und besonders gern in Adelskreisen. Nochmal Vicco von Bülow, Nr. 652: O-Ton 32: Vicco von Bülow: Dass der Loriot die Dinge so darstellt, wie er sie darstellt, ist ja nur eine geringfügige Überzeichnung gegenüber dem, der es wahrnimmt./ Natürlich hat Loriot sich bei Adelsfesten umgeguckt und bei Bülowschen Familientagen. Na klar. 12

Sprecherin1: Die unnachahmliche Evelyn Hamann konnte das in Loriots Fernseh-Sketch Die zwei Cousinen perfekt verkörpern. Musik Anfang (Look at that old grizzly bear) O-Ton 33: Evelyn Hamann, Zwei Cousinen / Ausschnitt aus Loriot-Sendung Nach einer dramatischen Auseinandersetzung zwischen Lady Hesketh-Fortescue und Priscilla Molesworth in North Cothelstone Hall eilt Gwyneth Molesworth nach dem zwei Meilen entfernten South Thoresby, um ihre Tanten Amelie Hollingworth und Lucinda Satterswaite auf thuthu. aufzusuchen. / Tür auf/musik Anfang (The eyes of pier angeli) Absage: Adelswelten - eine Klasse für sich. Adel von Heike Mund Es sprachen: Tatjana Clasing, Sirgid Burkholder, Daniel Berger, Rainer Delventhal Technische Realisation: Arnd Coppers und Antje Barthold Regieassistenz: Agnieszka Pawloska Regie: Matthias Kapohl Redaktion: Ulrich Horstmann Eine Produktion des Westdeutschen Rundfunks 2011 Am kommenden Sonntag geht es weiter mit unserer Adelsserie und der Folge Die Traditionsverwalter. Nähere Angaben hält unsere Hotline bereit unter 0221-56789 und dreimal die fünf. Weitere Informationen und die Manuskripte der Serie gibt es im Internet unter wdr 5 de. 13