Labors als starke Partner der Zahnarztpraxen Das Outsourcen von Gerüstarbeiten und individuellen Implantataufbauten ist ein kontrovers diskutiertes Thema in der Zahntechnikbranche. Die Frage stellt sich: Benötigt das Labor die Wertschöpfung aus den Werkstücken oder kann ein Fräszentrum so viel Innovation, Service und Qualität bieten, dass Fremdfertigung kostensenkend auf den Laborbetrieb wirkt? Wir warfen einen Blick hinter die Kulissen der Serienfertigung der Straumann CADCAM GmbH in Markkleeberg. Ein Blick hinter die Kulissen der Straumann CADCAM GmbH Labors als starke Partner der Zahnarztpraxen e Abb. 1 Markkleeberg bei Leipzig ist seit 2005 der Standort des CADCAM Produktionszentrums Der Standort Markkleeberg bei Leipzig des Straumann CAD/ CAM-Produktionszentrums (Abb1) besteht seit 2005, vorher wurde in München gefertigt. Eines der Fertigungsgebäude teilt das Unternehmen mit der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (HTWK). Das Know-how der Hochschule war einer der Gründe für die Standortwahl. Weitere Teile der Produktionsanlagen befinden sich in einer ehemaligen Schokoladenfabrik und in der Villa des damaligen Fabrikbesitzers. Da das Auftragsvolumen ständig wächst, wird in diesem Jahr ein weiterer Gebäudeteil in Betrieb genommen. Damit sollen die logistischen Abläufe der CAD/CAM-Produktion weiter vereinfacht werden und noch kürzere Fertigungszeiten erreicht werden. Ziel ist es, eine völlig papierlose Abwicklung der gesamten Aufträ- 356 das dental labor LX 3/2012 www.dlonline.de
Labors als starke Partner der Zahnarztpraxen Management 2 3 4 e Abb. 2 Straumann ist europäischer Vertriebspartner für den intraoral Scanner iterotm von Align Technology Inc, der den digitalen Workflow mit dem intraoralen Scan in der Praxis startet ge zu generieren. Die Produktionsfläche beträgt derzeit 5.500 Quadratmeter und wird nach Inbetriebnahme des neuen Gebäudeteiles 8.000 Quadratmeter betragen. Entscheidungskriterien des zahntechnischen Kunden für ein Industriefräszentrum können laut Straumann beispielsweise Innovationskraft und Umsetzungsstärke sein. Bei Straumann war der letzte große innovative Schritt die Aufnahme des Cadent iterotm Systems von Align Technology Inc (Abb. 2) in das europäische Vertriebsportfolio und die Umsetzung des Herstellprozesses der passgenau gefrästen Kunststoffmodelle (Abb. 3). Labors, die bereits itero Anwender als Kunden haben, können ihre CAD geplanten Werkstücke und ihre Modelle zeitgleich in Auftrag geben. Nach den Fräsprozessen und der Qualitätssicherung im Produktionszentrum und dem Posteingang im Labor sind beide Komponenten zahntechnisch nur noch zusammenzufügen, minimal anzupassen, final auszuarbeiten und das ästhetische Finish zu erbringen. Die entstehende Zeitersparnis nutzen die Labors für mehr Service in der Zahnarztpraxis und für Marketingaktivitäten. Dabei sind die bisherigen Befürchtungen, die den Arbeitsplatzabbau in den Dentallaboren e Abb. 3 Die itero Modelle sind aus stabilem Poly - urethanmaterial und werden im Produktionszentrum passgenau gefräst; sie sind zeitgleich Arbeits- und Meistermodell. e Abb. 4 Ein Blick in die Anlage für die Zirkonium - dioxid produktion. Bei der Verwendung der Fräs - maschi nen wird streng nach den herzustellenden Werkstücken unterschieden Neues Diamantpoliersystem für hochglänzende Ergebnisse auf Glaskeramiken und Silikatkeramiken. EVE DIAPRO Diamantpoliersystem für die Bearbeitung Silikatkeramiken wie Feldspatkeramik, Leuzitkeramik und Lithium-Disilikat. - Herausragende Polierergebnisse aufgrund der ausgewählten Diamantkörnung - Hochästhetisches Ergebnis in nur zwei Stufen - Deutlich verbesserte Oberflächenqualität gegenüber bisherigen Systemen TOP INNOVATION EVE Qualität aus Tradition Vorsprung durch Innovation Qualitätsmerkmale und Eigenschaften von EVE Produkten Lange Lebensdauer Exakter Rundlauf Träger aus rostfreiem Edelstahl Passgenauigkeit Hohe Konzentration der verwendeten Körnung Optimale Bindungshärte Alle EVE Polierer sind ohne Polierpaste verwendbar Latexfrei Alle Produkte der Medizinproduktklasse lla sind sterilisierbar REACH konforme Rohstoffe/ Geprüfte Qualität nach ISO 9001 www.eve-rotary.com made in Germany www.dlonline.de das dental labor LX 3/2012 357
Labors als starke Partner der Zahnarztpraxen 5 6 7 e Abb. 5 In diesem Lager werden die mit einem Barcode versehenen Fräsronden aufbewahrt e Abb. 6 Das Nesten der Aufträge im entsprechenden Fräsmaterial ist die Vorbereitung für den Fräsvorgang auf der Maschine. e Abb. 7 Das Fräsen von NEM erfordert eine andere Frässtrategie e Abb. 8 als das Fräsen von Zirkoniumdioxid f Abb. 9 Die Maschinen für das Fräsen der itero Polyurethanmodelle bilden eine ganz eigene Straße betroffen haben, nicht eingetroffen, betont man bei Straumann. Im Gegenteil, die meisten Labors, die auf die neuen Produktionstechniken setzen und Outsourcing nutzen, seien im Wachstum begriffen: Hochwertige Materialien und Restaurationskonzepte benötigen gut ausgebildete Zahntechniker für die perfekte Umsetzung. Maschinenpark und Materialauswahl Mit rund 90 Maschinen (Abb. 4) wird das derzeitige Materialportfolio, bestehend aus Zirkoniumdioxidkeramik (zerion), IPS e.max CAD, IPS Empress CAD, Titan (ticon), Chrom-Cobalt (coron), Kunstoff (Polycon cast, Polycon ae, Polyamid), 3M ESPE Lava Ultimate Restauration und das Fräsen der itero Modelle aus stabilem Polyurethanmaterial, abgedeckt. Das Materialspektrum wurde laut Straumann so ausgerichtet, dass die Laborkunden ihre P rodukte den Marktbedürfnissen angleichen können. (Abb. 5 und 6). Bei der Verwendung der Fräsmaschinen wird exakt nach den herzustellenden Werkstücken unterschieden. So wird die Produktion von NEM-Werkstücken (Abb. 7) streng von der Zirkoniumdioxidproduktion (Abb. 8) getrennt, um Verunreinigungen zu vermeiden. Die Maschinen für das Fräsen der itero Polyurethanmodelle bilden eine ganz eigene Straße (Abb. 9). Während die Fräsmaschinen für die Kronen- und Brückentechnik auf vier- Achsen verfahren, steht für Spezialanwendungen, wie das Fräsen der individuellen Implantatabutments f Abb. 10 Die Genauigkeit der gefrästen itero Modelle ist laut Straumann so hoch, dass im Labor mit herkömmlichen analogen Techniken darauf gearbeitet werden kann f Abb. 11 Das Fräsen der individuellen Implantatabutments übernimmt ein Fünf-Achs Bearbeitungszentrum 9 : 358 das dental labor LX 3/2012 www.dlonline.de
8 und zum Beispiel Unterschnittsbrücken ein hoch automatisiertes Fünf-Achs- Bearbeitungszentrum zur Verfügung (Abb. 11). Die regelmäßigen Wartungsarbeiten der Maschinen werden ausschließlich von ausgebildeten Mechatronikern übernommen. Da die meisten Aufträge zwischen 12 Uhr und 20 Uhr eingehen, finden die Wartungsarbeiten meist am Vormittag statt. Das Unternehmen produziert 24 Stunden am Tag, an sechs Tagen in der Woche. Die CAD/CAM Technologien in die zentrale Fertigung outzusourcen bedeutet, so Straumann, dass das Labor neue restaurative Anwendungsbereiche für sich und seine Kunden zum Vorteil für die Patienten erschließen kann, ohne selbst größere Investitionen tätigen zu müssen. So sei der Trend zu individualisierten Implantatsekundärteilen ungebrochen. Was früher mit aufwendigen händischen Arbeitsmethoden hergestellt wurde, wird heute per Mausklick am Computer geplant und im Straumann CADCAM Produktionszentrum hochpräzise und vollautomatisch gefräst). ; das dental labor LX 3/2012 359
Labors als starke Partner der Zahnarztpraxen < = e Abb. 12 Der Fräsjob wurde vollautomatisch vom 5- Achs Bearbeitungszentrum ausgeführt und das individuelle Implantatabutment wird nun vom Roboterarm abgeholt. e Abb. 13 Individuelle Implantatabutments sind ein ungebrochener Trend in der Zahnheilkunde. Auch die Herstellung spannungsfreier verschraubter Implantatbrücken ist bei Straumann ein vielfach nachgefragtes Produkt. Das Dentallabor hat über diese breite Produkt- und Materialvielfalt und den vereinfachten Herstellprozess die Möglichkeit, für jeden einzelnen Patienten die genau richtige Restauration in Bezug auf Preis und Leistung anzubieten, betont das Unternehmen. Statement eines Laborkunden f Abb. 16 und 17 Prüfprotokolle dokumentieren die Abläufe durchgängig Siegfried Lanzendörfer, Laborbesitzer aus Markt Erlbach, hat bereits mehr als zehn Jahre CAD/CAM Erfahrung. Gusstechnisch werden in seinem Betrieb nur noch Arbeiten aus Edelmetalllegierungen wie Teleskope gefertigt. Alle anderen Bereiche deckt er möglichst über die outgesourcte CAD/CAM-Fertigung ab. Er sagt: Das Outsourcen der Werkstücke ist mein Weg zur Qualitätssicherung meiner Gerüstarbeiten. Die Kontinuität der von Straumann gelieferten Qualität bietet mir einerseits eine Kostenminderung im Labor und andererseits Sicherheit für meine Kunden und deren Patienten. Straumann entwickelt seine Frässtandards ständig weiter und zeigt für mich eine große Kundennähe. Mit dem neuen Straumann CARES CS2 Scanner habe ich in Zukunft die Möglichkeit, mit intraoralen Scans zu arbeiten und kann zudem über den CARES External Workflow offene STL-Datensätze erzeugen. Qualität und Präzision Der Vorteil der zentralen Produktion ist für die Laborkunden laut Straumann die Werthaltigkeit der gelieferten Produkte nach hohen Qualitätsvorgaben. Die Durchführung der Qualitätskontrollen liegt komplett in Zahntechnikerhand. Hierbei dokumentieren Prüfprotokolle die Abläufe durchgängig. @ A 360 das dental labor LX 3/2012 www.dlonline.de
>? Diese Qualitätssicherungsmaßnahmen erlauben demnach zu jeder Zeit, jedes einzelne Werkstück, den hierfür verwendeten Rohling und die verwendeten Bohrer über Barcodes zurückzuverfolgen. Darüber hinaus werden regelmäßig qualitative Untersuchungen durchgeführt. Dabei erfolgt zusätzlich eine Unterscheidung zwischen zahn- und implantatgetragenen Versorgungen, da implantatgetragene Strukturen noch weniger Fertigungstoleranzen zulassen und eine hohe Präzision erfordern. Alle Abläufe und Prozesse sind ausgiebig validiert und kontrolliert. Die niedrige Reklamationsquote von unter vier Prozent ist für Straumann nur durch die hohe Motivation aller Mitarbeiter und die ausgereiften Qualitätssicherungsmaßnahmen zu erreichen. B e Abb. 14 bis 15 Die Vorteile der zentralen Produktion stellen für die Laborkunden die Werthal tigkeit der gelieferten Produkte nach hohen Qualitätsvorgaben dar Digitale Zahnmedizin Digitale Zahnmedizin bedeutet bereits heute mehr als CADCAM allein, betonen die Fachleute von Straumann. Im Workflow von Straumann ist die Vernetzung der Verfahrenswege bereits weit fortgeschritten. Implantationen können mit codiagnostixtm vorgeplant und mit geführter Chirurgie umgesetzt werden. Die Zahnersatzherstellung beginnt mit dem iterotm- System digital in der Praxis und die zu erstellende Versorgung wird vom Labor CAD/CAM gefertigt. Alle dazwischen liegenden Schnittstellen müssen hundertprozentig passen und die Hard- und Software für alle diese Bereiche genau aufeinander abgestimmt sein. Straumann bezeichnet diese aufeinander abgestimmten Technologien im Zusammenspiel als digitale Prozesskette für Praxis und Labor. In dieser Prozesskette sieht das Unternehmen das Dentallabor als starken Partner des Zahnarztes. n Eine für Alles! DATRON D5 d Abb. 18 Implantatgetragene Strukturen erfordern allerhöchste Präzision www.dlonline.de das dental labor LX 3/2012 361 www.dentalcam.com DATRON AG In den Gänsäckern 5 64367 Mühltal Tel.: +49(0)6151-1419-0 E-Mail: info@datron.de