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Transkript:

EIN 19-JÄHRIGER ERKLÄRT DIE WELT Der 19-jährige Philipp Riederle fährt von einem Vortrag zum anderen. Er spricht vor Firmen über die Digitalisierung der Welt und wie sie das Arbeiten der Menschen verändert. Schon mit 13 Jahren wurde er durch Videos im Internet bekannt. Mit 15 Jahren hielt er seinen ersten Vortrag bei der Deutschen Telekom. Heute berät der Schüler die Topmanager verschiedenster Firmen. DAS MANUSKRIPT ZUM VIDEO Egal, wohin er fährt er verkündet die Botschaft des Internets. Jederzeit, an jedem Ort, innerhalb von Sekunden mit jedem Menschen auf dem Planeten Kontakt aufnehmen können Er gibt den selbst ernannten Experten. Ein Dolmetscher für alle, die Digitalisierung immer noch nicht verstanden haben. Dafür navigiert sich der 19-Jährige durch fremde Städte, sucht online öfter ein Hotel als den Weg nach Hause zu den Eltern. Ich habe ein Buch geschrieben, das heißt Wer wir sind und was wir wollen mit dem Untertitel ein Digital Native erklärt seine Generation. Und zwar ganz einfach aus dem Grund, weil ich gesehen habe, dass bei ganz vielen Menschen ein ganz großes Unverständnis herrscht über diese junge Generation, die mit Smartphones aufgewachsen ist, die scheinbar überhaupt nicht mehr rausgeht, sich mit Freunden trifft, sondern viel lieber in eine virtuelle Welt abtaucht. Dass aber an diesen Vorurteilen nur ganz wenig dran ist, sondern dass eher das Gegenteil der Fall ist, darum geht es mir, das aufzuklären. Digital Natives sind natürlich nicht allein. Laut einer amerikanischen Studie, die Philipp Riederle gerne zitiert, sollen sich Nutzer von Facebook und Twitter weniger einsam fühlen. Die virtuelle Welt für ihn nur eine Erweiterung der Realen. Das Netz hat ihn bekannt gemacht. Mit gerade 13 Jahren zeigt er, wie man 2008 das erste iphone knackt. Seitdem produziert er ein Video nach dem anderen, inzwischen mit Werbung. Seite 1/6

Wie ich damals die ersten Videos aufgenommen habe bei den Podcasts, da bin ich ja total unbedarft da rangegangen. Ich habe die Idee gehabt, ich möchte irgendwelchen Leuten mitteilen, wie irgendwas funktioniert. Das heißt, ich habe mir auch gar keine Gedanken gemacht, was ich erzählen will, sondern ich habe die Kamera auf Aufnahme gestellt und dann einfach angefangen zu sprechen. Das scheint gereicht zu haben: 150.000 Klicks pro Video. Nun jettet Philipp Riederle von einem gut bezahlten Vortrag zum anderen. Gestern Berlin, heute Wien. Mit 15 Jahren folgt er zum ersten Mal einer Einladung der Deutschen Telekom. Schon als Schüler berät er Topmanager. Sein Thema: wie das Vernetztsein unser Arbeiten radikal verändert. Heutzutage haben sich ja die technischen Rahmenbedingungen ein bisschen verändert. Das heißt, wenn ich für mich weiß, dass ich zwischen nachts elf und morgens vier Uhr am kreativsten und am effektivsten denken und arbeiten kann, warum soll ich mich dann irgendwie von acht bis vier irgendwo in einen miefigen Betonbunker einsperren? Das Horrorszenario seiner Generation: ein Job ohne Sinn. Soundcheck für seinen Auftritt beim Druckerhersteller Ricoh in Österreich. TECHNIKER: Für mich ist gut. Danke! Okay. Er, der Abiturient, soll jetzt auf große Veränderungen einstimmen: Denn wer braucht in einer digitalen Welt noch Kopierer und Faxgeräte, wer druckt noch aus? MICHAEL RABERGER (Geschäftsführer Ricoh Austria): Ja Philipp, die Bühne ist deine. Wie ticken die Kunden von morgen, wie wollen sie leben und arbeiten? Für die Ricoh- Mitarbeiter geht es um ihren Arbeitsplatz. Sie sollen mobiler werden, nicht mehr im Unternehmen sitzen. Dahinter steckt der Kostendruck. Der Geschäftsführer will so über eine Million Euro einsparen. Seite 2/6

MICHAEL RABERGER: Warum wir Philipp Riederle brauchen, ist, weil er für diesen Veränderungsprozess die Herzen und Ohren unserer Mitarbeiter öffnet und erkennbar macht, dass Arbeit in einem digitalisierten Zeitalter Freude machen kann. Und dass die Angst um den physischen Arbeitsplatz, bei weitem wettgemacht werden kann durch die Freiheit, die mobiles, flexibles Arbeiten bieten kann. Philipp Riederle lebt das jeden Tag und versucht zumindest, den einen oder anderen skeptischen Zuhörer in seine Welt mitzunehmen. Lasst euch auf diese jungen Menschen, auf diese neuen Gedanken ein, und ich möchte Ihnen mitgeben: Habt keine Angst. Herzlichen Dank. Seite 3/6

GLOSSAR Digitalisierung, -en (f.) hier: die Tatsache, dass immer mehr elektronisch gespeichert und verarbeitet wird Botschaft, -en (f.) gemeint ist: die wichtigsten Prinzipien jemanden geben hier: sich so verhalten wie jemand Dolmetscher, -/ Dolmetscherin, -nen jemand, der beruflich Aussagen in andere Sprachen übersetzt sich navigieren sich zurechtfinden; sich führen Digital Native, -s (m., aus dem Englischen) jemand, der mit digitaler Technik aufgewachsen ist es herrscht großes Unverständnis über etwas viele Menschen können etwas nicht nachvollziehen und verstehen es nicht virtuell so, dass etwas nur am Computer oder im Internet existiert ab tauchen hier: verschwinden etwas ist an etwas dran hier: etwas ist wahr; etwas stimmt der Fall sein, etwas ist der Fall etwas stimmt; etwas ist richtig Netz (n., nur Singular) hier: das Internet etwas knacken hier: mit etwas zurechtkommen Podcast, -s (m., aus dem Englischen) eine Audio- oder Videoserie, die man im Internet abonnieren kann unbedarft naiv; unerfahren Seite 4/6

Klick, -s (m.) das Klicken auf einen Link, ein Video o. Ä. im Internet jetten hier: schnell von einem Ort zum nächsten kommen; viel durch die Gegend fahren Vernetztsein (n., nur Singular) die Tatsache, dass man durch das Internet mit der ganzen Welt verbunden ist radikal hier: sehr extrem Rahmenbedingung, -en (f.) die Grundlage; die Basis kreativ so, dass man viele Ideen hat miefig schlecht riechend; unmodern Betonbunker, - (m.) umgangssprachlich für: ein großes, hässliches Gebäude Horrorszenario, -s (n.) die Vorstellung von der schlimmsten möglichen Situation jemanden auf etwas ein stimmen hier: jemanden auf etwas vorbereiten Faxgerät, -e (n.) ein Gerät, mit dem man Dokumente verschicken kann ticken hier: denken; sich benehmen mobil hier: ohne Geschäft; so, dass man sich bewegt etwas steckt hinter etwas etwas ist die Ursache für etwas jemandem die Herzen und Ohren öffnen jemandem etwas verständlich machen etwas wett machen etwas ausgleichen; etwas wiedergutmachen flexibel hier: schnell; der Situation angepasst skeptisch so, dass man Zweifel hat Seite 5/6

sich auf etwas ein lassen hier: etwas ausprobieren; mit etwas anfangen jemandem etwas mit geben hier: jemandem einen Rat geben Autoren: Carmen Meyer/Benjamin Wirtz Redaktion: Shirin Kasraeian Seite 6/6