Predigt am 2. Advent 2014

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Transkript:

Predigt am 2. Advent 2014 Prädikantin Barbara Rudl Text am 2. Advent Wir brauchen keinen Osramstern Wir brauchen keinen Neonstern Wir brauchen keinen Goldpapierstern Wir brauchen keinen Zuckerstern Wir brauchen einen anderen Stern Wir warten auf einen anderen Stern Wir warten auf einen Stern aus Fleisch und Blut Wir warten auf einen Stern, der ein Auge für uns hat. Wir warten auf einen Stern, der ein Ohr für uns hat. Wir warten auf einen Stern, der ein Herz für uns hat. Wir warten auf einen menschlichen Stern, der unser Leben hell macht, der unser Leben froh macht, der das Leben der Ärmsten hell macht Wir warten auf einen Stern, der uns nicht hinters Licht führt. Wir brauchen einen Stern, der uns heimleuchtet. Wir brauchen einen Stern, der über uns aufgeht. Gebet: Jesus, wir brauchen dich. Wir brauchen es, dass Du unser Leben hell machst und neu über uns aufgehst. Wir brauchen es, dass Du in unser Dunkel, in unsere Fragen, in unsere Trauer hineinkommst und sie mit deinem Licht durchbrichst. Jesus, wir brauchen Dich in der Hektik und Geschäftigkeit, dass Du uns zur Ruhe kommen lässt und wir bei Dir sein dürfen. Wir brauchen Deine Ankunft in unseren Herzen. Amen 1

Liebe Gemeinde! Zurzeit kann man im Centro viele Menschen erleben, die ihre Blicke nach oben richten. Menschen bleiben stehen und sehen auf und bestaunen die überdimensionale Weihnachtsdeko, sind so beeindruckt, dass sie ihre Smartphones rausholen und Photos machen. Was sehen sie: goldene, rote, grüne Kugeln in Riesenausgabe, eine Glitzerpracht. Da bleiben sie einen Augenblick bewusst stehen und blicken auf und erfahren doch nicht, dass hinter allem Farbenglanz ein Stern leuchtet. Während Menschen die Glitzerpracht der weihnachtlichen Dekoration bestaunen, schauen andere mit Erschrecken auf und blicken zum Himmel, der ihnen angstmachende Bilder zeigt: Zu dieser Zeit werden Zeichen an Sonne, Mond und Sterne Unheil verkünden. Die Menschen fürchten sich und wissen nicht mehr weiter, weil Sturmfluten und Katastrophen über sie hereinbrechen. Ungewissheit und Angst treiben sie zur Verzweiflung. Sogar die Kräfte des Weltalls geraten durcheinander. Diese Worte, von Lukas geschrieben, sind uralt und doch erschreckend aktuell. Ich habe es selbst in den letzten Oktobertagen erlebt, wie gewaltige Gewitter und Wassermassen innerhalb von 12 Stunden das ganze Land unter Wasser setzen und Menschen einsperrt, in Ohnmacht versetzt und der Himmel kein offenes Fenster mehr hat für Hoffnung auf Besserung. Wo soll da der Stern sein? Krieg, Hunger, Leid und Tod nehmen Menschen gefangen und lassen sie vergeblich nach sicheren Orten suchen, lassen sie verzweifeln und alleine mit ihren Fragen: Woher kommt mir Befreiung? Sie haben keinen Blick für den Stern! 2

Ich möchte Sie und Euch heute Morgen ermutigen, auf zu sehen und auf zu blicken und den Stern am Himmel zu entdecken. BILD ZUM ERSTEN MAL Da steht er am Himmel leuchtend und in der Form eines Kreuzes. Es wird ein Stern aufgehen aus Jakob.Jesu Geburt wird schon lange lange vorher angekündigt mit dem Stern, der am Himmel zu sehen sein wird und lange am Himmel wandert und über Betlehem stehen bleibt. Der Stern ist das Zeichen, dass Gott den Menschen den Erlöser, den Befreier, den Heiland schenkt. Gottes Erlösungswerk beginnt in Betlehem mitten in der dunklen Nacht. Gottes Erlösungswerk findet seine Vollendung 33 Jahre danach, als Jesus am Kreuz stirbt. Der kreuzförmige Stern spricht eine Botschaft: Über allem Dunkel und Elend geht auf der Stern. Gottes Herrlichkeit erscheint über all denen, die im Dunkel und Elend leben. Der Befreier ist da, die Erlösung nah. Die Adventszeit ist die Wartezeit auf die Ankunft des Erlösers. Wir brauchen die Adventszeit in unserer heutigen Zeit dringend. Wir brauchen die Sicht auf den Stern. Er ist verheissen, er ist da, er ist Wirklichkeit! Wir brauchen nicht untätig warten, wir brauchen nicht hoffnungslos warten, wir müssen nicht im Dunkel ohne Licht sein und warten. Unser Leben steht unter einem guten Stern. Wie dunkel es auch in unserem Leben geworden ist oder werden kann, über unserem Leben steht der Stern und lädt uns ein, auf zu sehen und auf den zu sehen, der Licht in das Dunkel bringt, der heil macht, der er-löst aus dem, was uns gefangen nimmt, der befreit von Schuld, der den Blick frei macht für das, was wesentlich ist und not tut. Wir singen 1 Strophen aus dem Advent lied: Die Nacht ist vorgedrungen und 1 Strophe aus dem Lied: Auf, auf Ihr Christen alle. 1. Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern. So sei nun lobgesungen dem hellen Morgenstern. Auch wer zur Nacht geweinet, der stimme froh mit ein. Der Morgenstern bescheinet auch Deine Angst und Pein. 2. Auf, auf, ihr Vielgeplagten, der König ist nicht fern. Seid fröhlich, ihr Verzagten, dort kommt der Morgenstern. Der Herr will in der Not mit reichem Trost Euch speisen, er will euch Hilf erweisen, ja dämpfen gar den Tod. Zwischen dem Stern und den Menschen hängt eine zeigerlose Uhr. Die Uhr unseres Lebens. Die Uhr dieser Welt. Die Zeiger rücken weiter, wir sehen sie nicht. Wie gut, dass wir sie nicht sehen. Wie gut, dass wir nicht wissen, wie lange es noch dauert unser Leben, wie spät es schon ist mit dieser Welt. Markus( Mk 13: 32,35,36) schreibt: Ihr wisst ja nicht, wann der Herr wiederkommt. Deshalb sollt Ihr zu jeder Stunde auf seine Ankunft vorbereitet sein und nicht schlafen. Ihr müsst immer wach und bereit sein. 3

Wir warten nicht umsonst. Denn der Herr kommt auf jeden Fall. Gott hat seinen Menschen die Erlösung versprochen. Er wird einmal seine ganze Erde erlösen und neu machen. Deshalb lohnt sich der Blick himmelwärts. Deshalb lohnt sich der Glaube. Deshalb lohnt sich, Gott zu vertrauen und auf seine Hilfe zu warten, auch wenn die Sicht auf den Stern versperrt ist. Er ist da. Wir warten nicht auf d en Zusammenbruch der Welt, wir warten auf Gottes neue Zukunft. Auch wenn es ausweglos erscheint im eigenen Leben, auch wenn die Weltlage aussichtslos wird, uns ist die Ankunft des Erlösers versprochen. Deswegen sind wir im Advent wieder neu aufgerufen, zu warten und aufzuwachen und wach zu sein. Gott will zu uns reden. Gott will uns mit seinen Worten schon heute trösten, aufrichten, befreien, heraushelfen, begleiten, beglücken. Wir singen 2 Strophen aus den Liedern: Wir warten dein o Gottessohn und Nun jauchzet all Ihr Frommen 1. Wir warten dein, du kommst gewiss, die Zeit ist bald vergangen. Wir freuen uns schon überdies mit kindlichem Verlangen. Was wird geschehn, wenn wir dich sehn, wann du uns heim wirst bringen, wann wir dir ewig singen. 2. Er wird uns bald erscheinen in seiner Herrlichkeit und all Euer Klag und Weinen verwandeln ganz in Freud. Er ists, der helfen kann, halt Eure Lampen fertig und seid stets sein gegenwärtig, er ist schon auf der Bahn. Eine Gruppe von 7 Menschen sind auf dem Bild zu sehen. Jeder zeigt eine andere Haltung: verwundert, verunsichert, gleichgültig, abwehrend, fragend, nachdenklich, verbittert, ängstlich, interessiert aber zurückhaltend. Nur einer weist auf den Stern und wird damit zum Wegweiser der Adventszeit! Denn die Adventszeit ist die Zeit der Hinkehr vom Dunkel ins Licht. Die Ankunft des Heilands lädt ein, herauszukommen aus den hilflosen und hoffnungslosen Haltungen. Wer immer noch festhält an Enttäuschungen und Verletzungen, wer Altes nicht hinter sich lässt, lebt noch nicht im Licht. Der Stern weist den Weg ins Licht, da wo alles heil wird, wo alles neu wird. Wer dem Stern folgt, kommt an der Krippe an, wo der Heiland wartet, um heil machen zu dürfen, was zerbrochen ist. Die Adventszeit ist die Zeit der Umkehr vom dunklen Weg, vom Abweg zum rettenden Weg. Der ankommende Herr befreit aus Schuld und Not. Der Stern sagt: Geht dem kommenden Morgen entgegen, seht der Morgenstern geht auf! Euer Leben darf unter einem guten Stern stehen und führt Euch den Weg zum Ziel. Das Ziel ist ein befreites Leben, ein Leben im Licht, ein Leben mit der Perspektive Ewigkeit. Wo bist Du auf diesem Bild? Wo stehen Sie in dieser Menschengruppe? In dem Augenblick, in dem bewusst ist, wo ich stehe, was mich festhält, bin ich, sind wir alle, eingeladen, um zu kehren und uns hin zu kehren zum Stern und seiner Spur zu folgen, die zur Krippe und zum Kreuz führt. 4

Wir singen 2 weitere Liedstrophen: 1. Die Nacht ist schon im Schwinden, macht euch zum Stalle auf. Ihr sollt das Heil dort finden, das aller Zeiten Lauf von Anfang an verkündet, seit eure Schuld geschah. Nun hat sich euch verbündet, den Gott selbst ausersah. 2. Noch manche Nacht wird fallen auf Menschenleid und Schuld. Doch wandert nun mit allen der Stern der Gotteshuld. Beglänzt von seinem Lichte, hält euch kein Dunkel mehr. Von Gottes Angesichte kam euch die Rettung her. Adventliche Menschen werden zu Menschen, die zu Wegweisern werden, die auf den Stern hinweisen, die das Licht weitergeben, das sie selbst in sich aufgenommen haben. In unserer Nachbarschaft, in unserer Familie, in unseren Arbeitsteams und Schulklassen warten Menschen gefangen in ihren Sorgen und Nöten, geschlagen von ihren Schicksalen, gefrustet von ihrem Alltag und weil sie es bisher noch gar nicht gehört haben, woher Licht, Leben und Heil für ihr Leben kommt. Das Bild sagt uns: Lasst Euch den Weg weisen! Weist den Weg! Denn der Herr, das Licht der Welt kommt, kommt ganz gewiss, kommt bald! amen 5